Vogelsberg Akademie

RS ICH (4)

Der Begriff des „Ich“ bei Rudolf Steiner

Quelle GA R.Steiner

 

Sie wissen alle aus meinen sonstigen Vorträgen die ganz elementare Tatsache, daß der Mensch besteht aus dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem Astralleib und dem Ich. Sie wissen, daß das Ich zunächst am Astralleib arbeitet und immerfort einen Teil desselben umgestaltet. Wenn Sie zurückblicken auf jenen Zeitpunkt der Menschheitsentwickelung, wo das Ich sozusagen heruntergestiegen ist aus dem Schoße der Gottheit und zum ersten Male angefangen hat, am astralischen Leibe zu arbeiten, da geht Ihnen doch die Anschauung auf, daß einstmals der astralische Leib ein Geschenk der Gottheit an den Menschen war. Wenn wir uns schematisch diesen Menschen klarmachen wollen in dem Moment, wo eben das Ich eingepflanzt worden ist in ihn, so können wir sagen: Es war vorhanden sein physischer Leib (es wird gezeichnet), sein Ätherleib und sein astralischer Leib.“

GA 101, S 51/52

„Das also, was der Hellseher auf dem astralischen Plan einströmen sehen kann in den physischen Leib, finden wir tief und geistvoll wiedergegeben in der persischen Mythe. Wir sehen das Zusammenwirken des großen Lichtes Ahura Mazdao mit der einströmenden Wärme, die das Blut zu der Kraft im Menschen macht, die es ist. Nun wissen wir, daß das Blut der Ausdruck des Ich ist. Und so sehen wir, wie alles dasjenige, was aus der großen Weisheit, aus Ahura Mazdao herausströmt – dadurch, daß ihm entgegenstehen im Blute die Strömungen des Ahriman -, von dem Egoismus begleitet wird. Es strömt der Egoismus in die ganze geistige Tätigkeit des Menschen hinein. Wir sehen ihn richtig einströmen, wenn wir uns dieser Imagination hingeben. In dieser Weise müssen Sie richtig bildlich sich emporarbeiten zur Anschauung dessen, was auf unserer Erde geschehen ist.

Und jetzt erinnern wir uns, daß ja diese Geister, die zurückgeblieben waren von dem Mondendasein, die es nicht gebracht haben bis zum Sonnendasein, daß diese Geister auf dem Monde ja dieselbe Art von Wesenheiten waren wie die Sonnengeister, die Scharen des Ahura Mazdao, welche über das Mondendasein hinausgelangt sind. Sie hatten auf dem Monde die Ich-Stufe erreicht; sie blieben nur zurück und haben sich gerade diese Stufe bewahrt. Solange sie auf dem Monde waren, waren die Geister des Ahura Mazdao, des Ormuzd, und die Geister des Ahriman auf derselben Stufe, von gleicher Art, sie waren ichartiger Natur. Dieses Ich, das ursprüngliche Ich, Zaruana Akarana, ist das göttliche Ich, das noch nicht eingezogen ist in den Leib, das noch im Schoße der Gottheit ruht. Da, wo dieses Ich sich soweit entwickelt hatte, daß es ein Sonnendasein hat erhalten können, da bildete es einen solchen astralischen Leib, der unter der Herrschaft des Ormuzd steht. Aber diesem ist eine niedrigere Kraft eingegliedert, die Kraft der zurückgebliebenen Scharen des Ahriman.“

GA 101, S 93/94

„So haben Sie jetzt entstehen sehen dieses vierte Glied der menschlichen Natur, das Ich, und das dritte Glied des Menschen, den Astralleib, der durchgeistigt ist von zwei Wesenheiten. In ihm sind eingegliedert die guten Kräfte des Ormuzd und die Kräfte der egoistischen Natur, des Ahriman. Das Ich ist hineingestellt in den Kampf, der im eigenen Astralleib wütet, zwischen den guten Kräften und den bösen Kräften; es ist die ursprüngliche Wesenheit Zaruana Akarana, die sich spaltet in die guten, die wahren Kräfte des Astralleibes, und in die entgegengesetzten, die die Kräfte Ahrimans sind. Ahriman oder Angramainyu heißt soviel wie der Widerstand-Leistende oder der Oppositionsgeist. So verstehen wir, wie tatsächlich eine solche Mythe nichts anderes ist als die Wiedererzählung dessen, was die alten astralischen Hellseher gesehen haben.“

GA 101, S 94/95

„Wir haben gestern hervorgehoben, daß nur der Mensch, wie er hier auf dem physischen Plan lebt, eine individuelle Seele, ein Ich hat, und daß die Tiere, die uns umgeben, ein Gruppen-Ich, eine Gruppenseele haben, die auf dem Astralplan lebt und dort als eine abgeschlossene Wesenheit zu finden ist. So stehen sich Tierreich und Menschenreich, wenn wir sie geistig betrachten, gegenüber als Gruppenseele oder Gruppen-Ich und als Individual-Ich. Wir dürfen uns nun das nicht so vorstellen, als ob im Weltenall gar keine Übergänge zwischen den einzelnen Wesenheiten wären. Zwar ist der Spruch, daß die Natur keine Sprünge macht, für den Okkultisten durchaus nicht richtig, aber Übergänge finden Sie überall. Und so finden Sie auch einen Übergang zwischen den Gruppenseelen des Tierreiches und der Individualseele des Menschen. Es wäre unrichtig, sich vorzustellen, daß der Mensch gleich bei seinem Eintritt in das Erdendasein eine vollendete Individualseele gehabt hätte, und diese nun in derselben Art sich immer und immer wieder verkörpere hier auf der Erde. Es ist vielmehr so, daß der heutige Mensch in einem allmählichen Übergang ist von einer Gruppenseele, die er in uralten Zeiten hatte, zu der vollendeten Individualseele, die er heute noch immer nicht hat. Er ist erst auf dem Wege zu der völligen Eingliederung seiner Individualseele in seinen physischen Leib. Er wird diese vollendete Individualseele erst haben, wenn das Erdendasein mehr oder weniger vollendet sein wird. Für die weitaus meisten Menschen ist heute ihr Ich ein Zwischenprodukt zwischen einem Gruppen-Ich und einem individuellen Ich. Je weiter wir in der Vergangenheit zurückgehen, desto mehr ist das Menschen-Ich noch ein Gruppen-Ich. Im Anfange des Erdendaseins, als die Seelen sich erst aus den göttlichen Welten in unseren physischen Plan hinuntersenkten, waren die Menschenseelen noch Gruppen-Iche. Mehrere Menschen gehörten zusammen zu einer Gruppe, die eine gemeinschaftliche Seele, ein Gruppen-Ich hatte.“

GA 101, S 209/210

„Das wollen wir auf der einen Seite festhalten. Auf der anderen Seite wollen wir jetzt einmal die Glieder der menschlichen Natur selber näher betrachten. Es ist Ihnen ja hinlänglich bekannt, da es immer wieder und wieder gesagt wurde, daß der Mensch zunächst vier Glieder seiner Wesenheit hat: den physischen Leib, den Äther- oder Lebensleib, den Astralleib und das Ich. Und dieses Ich, wenn wir es genauer betrachten, erscheint uns wiederum gegliedert in drei Teile, die wir kennen unter den Namen: Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele. In der Empfindungsseele und in der Verstandes- oder Gemütsseele dämmert erst das selbständige Ich auf, und erst in der Bewußtseinsseele haben wir die erste Ankündigung des selbstbewußten Ich. Da erst scheint auch allmählich das in den Menschen hinein, was man den fünften Teil seiner Wesenheit, das Geistselbst oder Manas nennt. Wir haben also beim heutigen Menschen folgende Gliederung: Den physischen Leib, den Äther- oder Lebensleib, den Astralleib; dann mit dem Astralleib innig verbunden die Empfindungsseele, die wie eingebettet ist in ihm; dann die Verstandesseele und die Bewußtseinsseele; und wiederum in der Bewußtseinsseele, die die eigentliche Ich-Seele ist, eingegliedert das Geistselbst oder Manas. So etwa würden wir uns den heutigen Menschen vorzustellen haben.“

GA 101, S 210

„Wenn wir das Ich einer solchen Gruppenseele betrachten und für das Ich äußerlich im Physischen ein Ausdrucksmittel suchen, so ist es ja das Blut. Das Blut ist für den Okkultisten der Ausdruck des Feuers, vom Feuer durchglühte Substanz. Wie der menschliche physische Leib der Ausdruck der Erde ist, der Ätherleib der Ausdruck des Wassers, der Astralleib der Ausdruck der Luft, so ist das Ich, das noch nicht an den Egoismus gekettet ist; der Ausdruck des Feuers. Wir sagen daher – wir werden das noch morgen besprechen -, daß das Blut durch den Egoismus den Tod gefunden hat. Das Ich des Menschen «verzehrt sich in seinem eigenen Feuer», durch sich selbst. Das ist ein okkulter Ausdruck. Nur wenn der Mensch die Ichsucht überwindet, erlangt er die Unsterblichkeit. Das menschliche Gruppen-Ich verzehrt sich in seinem eigenen Feuer. Wenn 500 Jahre herum sind, verbrennt es und erschafft sich aus sich selber eine neue Form. Das stellte man im Okkultismus so dar, daß das Gruppen-Ich im allgemeinen 500 Jahre lebt, dann verbrennt und aus seinem eigenen Feuer wieder beseelt wird, und man nannte dies den «Vogel Phönix». Die schöne Sage vom Vogel Phönix hat hier ihren tatsächlichen Hintergrund. Der Phönix ist das Gruppen-Ich mit den Eigenschaften der vier Typen, das sich nach sieben Generationen verbrennt und wiederherstellt – eine Generation mit 75 Mondjahren Lebensalter gerechnet.“

GA 101, S 221/222

„Dafür lernt der Mensch aber auch die größte Freiheit, die größte innere Geschlossenheit durch das Christentum. Noch der Psalmist sagte: «Ich erinnere mich der alten Tage, und über die Urzeit sinne ich nach.» Das war eine ständige Empfindung der alten Zeiten: hinaufzuschauen zu den Urahnen. Man fühlte, daß das Blut der Urahnen noch in den eigenen Adern rollt, und man fühlte sein Ich verbunden mit dem Ich der Urahnen. Wollte man so recht das fühlen, selbst noch in dem alten jüdischen Volke, so sprach man den Namen Abraham aus; denn man fühlte sich dadrinnen in dem gemeinsamen Blutstrom, der von Abraham herunterrollte. Der Jude sagte, wenn er sein Höchstes aussprechen wollte: Ich bin mit Abraham eins. – Und seine Seele ging – das hat einen sehr tiefen Hintergrund -, nachdem der Leib gestorben war, in den Schoß Abrahams zurück. Da war noch nicht jene Selbständigkeit vorhanden, die durch den Christus Jesus in des Menschen Bewußtsein eingezogen ist. Durch den Christus Jesus zog die bewußte Erkenntnis des «Ich bin» in den Menschen ein.

Eines aber wurde damals noch nicht gefühlt: die volle Göttlichkeit des innersten göttlichen Wesens des Menschen. Das «Ich bin» fühlten sie, aber sie brachten es in Zusammenhang mit den Urahnen; sie fühlten es in dem gemeinsamen Blut, das herunterfloß seit den Zeiten Abrahams. Da kam der Christus Jesus und brachte das Bewußtsein, daß ein viel Älteres in dem Menschen ist, ein viel Selbständigeres – daß das «Ich bin» nicht nur etwas ist, was dasjenige enthält, was in einem Volke als Gemeinsames lebt, sondern was in der einzelnen Person ist, das daher auch die Liebe wiederum suchen muß in der einzelnen Person, aus sich heraus.

Das Ich, das in Ihnen heute eingeschlossen ist, abgeschlossen nach außen, sucht die geistige Liebe nach außen. Nicht mit dem Vater, der in Abraham war, fühlt sich dieses Ich eins, sondern mit dem geistigen Vater der Welt: «Ich und der Vater sind eins.» Und ein noch tieferer Ausspruch als dieser – obwohl dies der gewichtigste ist, weil er mehr das Verständnis eröffnet – ist der, daß Christus den Menschen klarmachte, daß das nicht das Tiefste ist, wenn sie sagen: Ich war schon in Abraham. – Er machte ihnen klar, daß das «Ich bin» älteren Datums ist, aus Gott selbst entsprossen: «Vor Abraham war < Ich bin >.» So heißt der Ausspruch im Urtext, der gewöhnlich so steht, daß niemand etwas sich dabei denken kann, nicht: Ehe denn Abraham war, bin ich: «Vor Abraham war <Ich bin>», das innerste geistige Wesen, das jeder in sich selber trägt.

Wer diesen Satz versteht, dringt tief in das Wesen der christlichen Anschauung und des christlichen Lebens ein, und er versteht, warum der Christus auch darauf hinweist: «Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.» Und deshalb sollen wir auch fühlen den richtig gedeuteten Satz des Weihnachts-Antiphons, der uns jederzeit aufs neue sagt in der christlichen Weihenacht das urewige Geheimnis des Außerzeitlichseins des «Ich bin». Nicht wird gesagt in dem Weihnachtsgesange als Erinnerung: Heute gedenken wir, daß Christus geboren wurde -, sondern jedesmal heißt es: «Heute ist uns Christus geboren!» Denn das Ereignis ist ein außerzeitliches; und das, was einstmals in Palästina geschehen ist, geschieht für den, der die Lehre zu Gefühlen und Empfindungen machen kann, in jeder Weihnachtsnacht immer wieder aufs neue.“

GA 101, S 276/277

„Das vierte Glied, das Ich, wollen wir das nächste Mal kennenlernen. Das Ich ist dasjenige Glied, das den Menschen zur Krone der Schöpfung macht und das ihn über das Tier erhebt.

Das Tier hat noch nicht ein solches Bewußtsein wie der Mensch; es hat zwar auch ein Bewußtsein, ebensogut wie wir das bei der Pflanze gesehen haben und beim Mineral; aber dieses Bewußtsein der Tiere liegt in der Astralwelt. Das vierte Glied des Menschen, dieses Ich, das gliedert sich mit den drei andern Gliedern zusammen zu der heiligen Vierheit des Menschen, von der alle alten Schulen reden.

So hat der Mensch den physischen Leib gemeinschaftlich mit dem Mineral, den Ätherleib gemeinschaftlich mit der Pflanze, und den Astralleib gemeinschaftlich mit dem Tier. Das Ich hat er allein; und das hebt ihn über alles andere hinaus. Im Menschen finden wir gewissermaßen eine Essenz von alledem, was wir um uns herum ausgebreitet sehen. In der Tat: einen Mikrokosmos! Deshalb müssen wir, wenn wir den Menschen erkennen wollen, zuerst das erkennen, was uns umgibt.

So müssen wir uns die drei Wesensglieder, diese drei Körper, als drei Hüllen denken, die aus den verschiedensten Regionen heraus gewoben sind, und in diesen Hüllen wohnen wir, das heißt, das Ich, mit den höheren Gliedern der menschlichen Wesenheit, unserem unsterblichen Teil.“

GA 100, S 38/39

„Ein Allerheiligstes im Menschen ist dasjenige, was mit seinem Selbstbewußtsein bezeichnet wird. Wer sich das in der richtigen Weise klarmacht, der sieht ohne weiteres ein, daß mit diesem Worte «Selbstbewußtsein» eigentlich der Sinn des menschlichen Daseins ausgedrückt wird. Selbstbewußtsein ist die Fähigkeit, sich als ein Ich zu wissen.

Sie kommen am besten zu einer Vorstellung davon, wenn Sie daran denken, daß es im ganzen Umkreis der deutschen Sprache einen Namen gibt, der sich grundsätzlich unterscheidet von allen andern: das ist das Wort Ich. Den Tisch kann jeder Tisch nennen, aber «Ich» kann jeder nur für sich selbst sagen, für jeden andern ist man ein Du. Niemals kann das Wort Ich von außen an mein Ohr klingen, wenn es mich selbst bedeuten soll. Das hat alle Geisteswissenschaft empfunden. Die hebräische Religion sprach zum Beispiel, wenn sie von diesem Wesen des menschlichen Inneren sprach, so, daß sie das den unaussprechlichen Namen Gottes nannte. Man sagte nämlich: Wenn das Ich ausgesprochen werden soll, muß es aus dem Mittelpunkt des Wesens selbst heraustönen. Kein äußeres Wesen kann den Namen aussprechen. Es war daher wie ein Schauer, der durch die ganze Versammlung ging, wenn der Priester das Wort Jahve, «Ich bin der ich bin» aussprach. Da beginnt der Gott im Menschen zu sprechen. Das ist die reine, ursprüngliche Bedeutung des hebräischen Gottesnamens. Sie werden noch andere Namen kennenlernen, aber alle stehen in einem gewissen Verhältnis zu diesem einen Namen. Und mit diesem Ich bezeichnen wir das vierte Glied der menschlichen Wesenheit. Von diesem Ich aus durcharbeitet der Mensch die andern Glieder seiner Wesenheit: den Astralleib, den Ätherleib und auch den physischen Leib. So weit wir auch zurückgehen in der Entwickelungsgeschichte der menschlichen Wesenheit, die vier Glieder waren immer im Menschen vorhanden; und dadurch unterscheidet er sich gerade von den Tieren.“

GA 100, S 40

„Nun hängt es im wesentlichen von den Eigenschaften von Vater und Mutter ab, wie sie die Gelegenheit geben zu einer Verkörperung; und da wirken Vater und Mutter verschieden. Wenn der Mensch zu einer neuen Geburt herunterkommt, so hat das Ich, das mehr Willenskräfte hat, mehr Anziehung zum Vater, und das, was mehr astrale Kräfte hat, zur Mutter. Der Vater hat also mehr Einfluß auf das Ich, den Willen und Charakter, die Mutter hat mehr Einfluß auf den Astralleib, also dem Vorstellungsvermögen nach. Am besten ist es natürlich, wenn beide Eltern passen zu der Individualität, die sich verkörpern will.“

GA 100, S 74

„Die theosophische Literatur nennt diese Glieder, die der Mensch heute noch nicht entwickelt, die «drei Logoi»; im Christentum heißen sie: der Heilige Geist, der Sohn oder das Wort, und der Vater. Also kann man sagen: Wie der Mensch heute aus physischem Leib, Äther-, Astralleib und Ich, Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch besteht, so bestanden diese Wesen, die den Saturn bewohnten, die wir mit dem heutigen Erdenmenschen in seinem Verhältnis zur Erde vergleichen können, aus dem Ich, Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch, dem Heiligen Geist, dem Wort oder dem Sohn, und dem Vater. Die theosophische Sprache nennt sie «Asuras». Sie sind diejenigen, die von Anfang an dieser physischen Anlage des Menschenleibes eingepflanzt haben die Selbständigkeit, das Ich-Bewußtsein und Ich-Gefühl. Sie könnten Ihr Auge gar nicht im Dienste des Ich verwenden, wenn Ihre Anlage damals nicht schon so vorbereitet worden wäre, daß Sie sie in den Dienst des Ich stellen konnten. So sind diese Glieder vorbereitet worden durch die Geister des Ich – auch die Geister des Egoismus genannt. Sie haben uns gegeben, was das Weiseste ist, wenn es richtig ausgebildet wird. Aber alles Höchste wird in sein Gegenteil verkehrt, wirkt am schädlichsten und verderblichsten, wenn es nicht richtig ausgebildet wird. Niemals könnte der Mensch jene hohe Stufe erreichen, die wir als die selbständige Menschenwürde bezeichnen, wenn nicht diese Geister ihm das Ich-Gefühl eingepflanzt hätten. Immer hat es auch Wesen gegeben, welche die böse Bahn eingeschlagen haben. Daher muß gesagt werden: Diese Wesenheiten, welche die Einpflanzer der Ichheit waren, die heute weit über den Menschen erhaben sind, zu denen wir aufschauen als zu den erhabensten, die es geben kann, sie haben die Ichheit in den Dienst der Selbstverleugnung, des Opfers gestellt; die andern haben ihre Ichheit selbstsüchtig weiterverfolgt.“

GA 100, S 113

„Wir tragen in uns die Wirkungen jener Geister des Ich, die den guten Weg eingeschlagen haben, in dem Streben nach Freiheit und Menschenwürde, und wir tragen den Keim des Bösen in uns, weil fortgewirkt haben die damals abgefallenen Wesenheiten. Diesen Gegensatz hat man immer empfunden. Das Christentum selbst unterscheidet zwischen dem Vatergott, den das Christentum ansieht als den höchstgestiegenen Geist des Saturn, und seinem Widersacher, dem Geist aller bösen Iche und alles radikal Unmoralischen, der damals auf dem Saturn abgefallen ist. Das sind die beiden Repräsentanten des Saturn.“

GA 100, S 113/114

„Erst gegen das Ende des letzten Drittels der atlantischen Zeit fingen die Menschen an, gewahr zu werden, daß sie ein Ich sind. Die Anlage dazu war schon längst vorhanden und ein gewisses Gefühl davon auch. Aber klar und deutlich aussprechen: Ich bin ein Ich -, das lernte man erst im letzten Drittel der atlantischen Zeit. Dies hängt zusammen mit dem Verhältnis des Ätherleibes zum physischen Leibe. Wenn Sie diese beiden Leiber betrachten, sehen Sie, daß sie sich ungefähr decken, nur ragt der Ätherleib etwas über den physischen Leib hinaus. Es gibt nun zwischen den Augenbrauen eine Stelle, die ein Mittelpunkt für gewisse Kräfte und Strömungen des Ätherleibes ist. Zu ihm gehört nun hinzu ein ganz bestimmter Punkt im physischen Gehirn. Beide müssen sich decken, und darauf beruht die Fähigkeit, sich als ein Ich zu empfinden; darauf beruht auch die Fähigkeit, zu rechnen, kombinieren zu können und so weiter. Bei den Idioten zum Beispiel ist die Berührung dieser Punkte im Kopf nicht vorhanden, da decken sie sich nicht. In dem Augenblick, wo sie auseinanderfallen, ist die Urteilskraft des Menschen nicht mehr ordentlich vorhanden. Bei dem Atlantier war es noch das Normale, daß diese beiden Punkte auseinanderlagen. So ist es heute noch bei den Tieren; wenn Sie den Pferdekopf ansehen, finden Sie beide Punkte noch weit auseinanderliegend“

GA 100, S 126

„Damals konnte noch nicht die Rede sein von einer Anlage zum Ich. Der Mensch war noch in bezug auf alles, was er tat, unter der Leitung höherer geistiger Mächte. Wir können ihn etwa vergleichen mit dem heutigen Tiere. Unsere heutigen Tiere sehen wir geisteswissenschaftlich etwa in folgender Weise an: Vom Tiere unterscheidet sich der Mensch dadurch, daß er eine individuelle Seele hat; jeder Mensch hat seine individuelle Seele, sein individuelles Ich. Das ist nicht so beim Tier; da haben ganze Gruppen von Tieren eine Seele. Zum Beispiel alle Tiere, die zur Löwenart gehören, haben eine Seele, und die lebt in der Astralwelt. Ebenso haben alle Tiere, die Tigerart haben, eine Seele zusammen. Daher sprechen wir beim Tiere von Gruppenseelen. Alle Pferde zusammen haben eine Gruppenseele; die gehören zusammen. Wie die einzelnen Finger zur Hand, so verhalten sich die Tiere zu ihrer Gruppenseele. Daher können wir auch nicht von einer individuellen Verantwortlichkeit sprechen. Erst wenn eine individuelle Seele vorhanden ist, sprechen wir davon, daß eine Seele gut oder böse sein kann. Der Mensch der damaligen Zeit hatte noch eine Art Gruppenseele, die noch im Schoße der Gottheit lagerte. So daß wir uns klar sein müssen: was heute in uns lebt, gab es auch damals schon, aber nicht im Menschenkörper drinnen. Der Mensch hat seinen Ursprung in zwei Strömungen: Was vom Mond herübergekommen war und sich weiter ausgebildet hatte, war der Tiermensch da unten; aber was heute in Ihnen lebt als einzelne Seele, das war oben, bei der Gottheit, nur Ihr Leib war unten, im Urmeer. Später haben sich die beiden vereinigt; da stieg die Seele herunter und durchgeistigte Ihren Leib als individuelle Seele.“

GA 100, S 136/137

„Denken Sie sich ein Gefäß mit Wasser; darinnen sind viele, viele Wassertropfen, aber man kann sie nicht unterscheiden. Wenn Sie jetzt viele hundert Schwämmchen nehmen und da hineintauchen, so haben Sie die Tropfen individualisiert, die erst in der Wassermasse darinnen waren. So denken Sie sich Ihre Geistigkeit schwebend über dem Urmeer. Vergleichen Sie nun die im Schoße der Gottheit ruhende Seele mit dem Wassertropfen: die Leiber nehmen die Seelen auf wie die Schwämmchen die Wassertropfen; dadurch wurden die Seelen selbständig, wie das Wasser individualisiert wurde durch die Schwämmchen. Unten das Urmeer mit den schwebend-schwimmenden Leibern oben die Seelen. Das konnte man nicht besser schildern, als daß man sagte: «Und der Geist der Gottheit brütete über den Wassern», das heißt, er arbeitete das, was unten war, soweit aus, daß die Seelentropfen aufgenommen werden konnten.“

GA 100, S 137

„Bei den Pflanzen spielt das Eisen eine viel äußerlichere Rolle. Aber Sie sehen, wie die Dinge zusammengreifen: kosmisch geht die Erde durch den Mars hindurch, er gibt ihr das Eisen. Da wurde das Eisen zu den Funktionen angeregt, die es jetzt hat. Da tritt das Eisen im Blut auf. Und mit dem eisenhaltigen Blut ist das Aggressive im Menschen verbunden, das, wodurch er ein Krieger wird auf der Erde. Das hat die griechische Mythe gefühlt, und sie bezeichnet daher den Mars als den Kriegsgott.“

GA 100, S 139

„Dadurch wird dieser Menschenkörper fähig, ein Ich aufzunehmen; denn ohne rotes, warmes Blut kann kein Körper ein Ich-Träger werden; das ist außerordentlich wichtig. Lungenatmung ist die Voraussetzung des warmen, roten Blutes. Und dann entstanden die nötigen Prozesse auf der Erde, die sich dem Blute eingliederten. So hat der Mensch sich allmählich entwickelt, daß er ein lungenatmendes, rotblütiges Wesen geworden ist, und dann die andern Geschöpfe, die niederen Warmblütler, zurückgelassen hat. Im Okkultismus werden die Tiere nicht bloß in der gewöhnlichen Art unterschieden, sondern wir nennen noch ein anderes Merkmal. Wir unterscheiden sie in innerlich tönende, solche, die eigenen Schmerz und Freude in Tönen zum Ausdruck bringen können, und in nichttönende. Wenn Sie heruntergehen zu niedereren Tieren, hören Sie zwar auch Töne, doch sind es nur äußerliche, die auf Aneinanderreiben von Organen oder auf äußerliche klimatische Einflüsse zurückzuführen sind; das Äußere tönt bei ihnen. Erst die Tiere, die sich damals abgezweigt haben, als der Mensch sich zu einem warmblütigen Wesen entwickelt hat, waren so, daß sie selbst ihren Schmerz und ihre Freude heraustönen konnten. Damals wurde ja auch des Menschen Kehlkopf zu einem tönenden Organ umgewandelt. Dadurch, daß außen die flüssige Erde sich umwandelte in eine Kruste, ging ein innerlicher Prozeß im Menschen vor sich: Parallel mit der äußerlichen Verfestigung bildete sich innerlich aus den weichen Teilen ein Knochen- und Knorpelskelett. Knochenwesen hat es früher nicht gegeben. Die äußeren Mineralien sind das Gegenbild zu den Knochen. Die Erde hat diese Epoche in den Felsmassen festgehalten; der Mensch hat sie in den Knochen. Immer mehr wird der Mensch jetzt aus einem in der waagrechten Haltung gehenden Wesen zu einem aufrechtgehenden. Er wendet sich so um, daß seine vorderen Gliedmaßen Arbeitsorgane werden, und nur seine andern der Fortbewegung dienen. Das hängt beides zusammen. Kein Wesen, das nicht einen tönenden Kehlkopf und einen aufrechten Gang hat, kann ein Ich-Wesen sein.“

GA 100, S 139/140

„Die Geschlechtlichkeit wurde dem Menschen erst aufgedrückt während der lemurischen Zeit; vorher war er ein zweigeschlechtliches Wesen, männlich und weiblich zugleich. Mit der Eingliederung des Ich zerfällt der Mensch in zwei Geschlechter. Diesen Moment werden wir noch genauer kennenlernen, wenn wir den Gang des menschlichen Blutes näher beleuchten werden. Dann werden wir auf dieses Problem der Geschlechterteilung zu sprechen kommen, und auch darauf, daß das, was heute Geschlechtertrennung ist, wiederum verschwinden wird.“

GA 100, S 146/147

„Diese Urliebe, die entstanden ist mit dem Heruntersteigen der Seelen in die physischen Leiber, steht also abnehmend in dem Zeitenlauf vor uns; die floß in den Menschen in dem Moment ein, der in der Bibel mit den Worten geschildert wird: «Und Gott blies dem Menschen den Odem ein, und er ward eine lebendige Seele.» Damals aber entstand noch etwas anderes. Der Mensch war eine lebende Seele und damit ein Lungenatmer geworden. Die Luft, die er so einatmete, bewirkte sein rotes Blut, und in dem roten Blut drückt sich die Ich-Natur aus. Solange das Blut ein gemeinschaftliches ist, so lange ist das Ich ein gemeinsames, wie wir es im Judentum sehen, wo ein ganzes Volk von einer Gruppenseele beherrscht ist. Aber immer mehr reifen die Menschen dazu heran, unabhängig zu werden von dem Verwandtenblut. Als der Odem in den Menschen eingezogen ist, war dies die erste Anlage zur Blutbildung. Aber erst durch lange Zeiträume ist die Menschheit reif geworden, dieses Blut so zu durchwirken, daß anstelle der Urliebe die allgemeine Menschenliebe treten kann. Denken Sie sich den Fortgang der Menschheit, wie ich ihn eben geschildert habe: Die Urliebe würde allmählich sterben, die Verwandtenliebe – von Mutter zu Kind und so weiter müßte abnehmen; das Blut wirkt nicht so weit, daß ein Band der Liebe die ganze Menschheit umfassen könnte, und die Gewalt des Ich, die Gewalt der Selbstsucht wird immer größer werden. Da mußte ein Ereignis eintreten, das an die Stelle der Urliebe eine andere Liebe, eine geistige Liebe ins Dasein gerufen hat: dieses Ereignis ist das Christentum. Mit dem Erscheinen des Christentums ist das hintangehalten worden, was sonst eingetreten wäre: das Auseinanderfallen der ganzen Menschheit zu einzelnen Menschenatomen. Die Menschen müssen immer selbständiger werden, das liegt in der Entwickelung ihres Blutes; aber nun muß auf geistige Art wieder zusammengeführt werden, was auf natürliche Art auseinandergetrieben worden ist, durch die neue Kraft, die jetzt ohne Blutsliebe wirken kann: dies ist das Christentum. Das Mysterium von Golgatha bekommt damit eine fundamentale Bedeutung für die ganze Menschheitsentwickelung. Wenn wir das verstehen, verstehen wir die Bedeutung des Wortes: das Blut Christi. Nicht ist es etwas, was man nur äußerlich erfahren und erforschen kann, sondern etwas, was selbst als mystische Tatsache betrachtet werden muß. Mit vollem Bewußtsein ist daher mein Buch genannt – nicht die «Mystik des Christentums», sondern: «Das Christentum als mystische Tatsache.»“

GA 100, S 153/154

„Wir haben gestern gesehen, wie dieses Blut aus der Wunde des Erlösers den Egoismus von der Erde hinwegbannte. So ist diese Lanze eine Vorbedeutung für die höhere Lanze, die der ins Geistige umgesetzte Sonnenstrahl ist. Und der Heilige Gral weist hin auf den Kelch der Menschheit, der sich entwickelt aus dem Kehlkopf heraus, der gerade das gereinigte Reproduktionsorgan der Zukunft sein wird, wie es heute bei der Pflanze der Fall ist.“

GA 100, S 174

„Das ist der tiefere Begriff vom Heiligen Gral, und so wurde es auf der imaginativen Stufe dem Rosenkreuzerschüler und dem Zögling des Heiligen Gral klargemacht. Vergleichen Sie, was Sie jetzt in diesen Bildern überschauen: Pflanzenkelch, Geschlecht in Begierde getaucht, Heiliger Gral, begierdenfreier Kelch – vergleichen Sie dies mit dem trockenen, nüchternen Verstandesbegriff, den Ihnen die heutige Wissenschaft gibt, dann haben Sie den Unterschied von Imagination und bloßem verstandesmäßigem Denken, die ganzen Weltvorgänge ins Bild gefaßt! Das ist wichtig, weil die bloßen Verstandesbegriffe, so wie sie der Mensch heute hat, nicht schaffend sind; bei dem, der diese Begriffe zum Bilde fügt, sind diese Bilder wirklich schaffend. Das hat man in alten Zeiten gefühlt, und das ist sogar bei der Erziehung des Kindes zu beachten. Ich möchte da eine aktuelle Frage besprechen.“

GA 100, S 174/175

„Das alles kleidet der Okkultismus seit uralter Zeit in eine wunderbare Legende; denn in Bildern und Legenden wurden durch Jahrtausende die Wahrheiten aufbewahrt. Es ist die Goldene Legende. Und was ich Ihnen heute erzählt habe, das brachte man darin im Bilde dem Geheimschüler bei. Sie lautete ungefähr:

Als Seth, der Sohn, den Gott dem Adam und der Eva anstelle des ermordeten Abel gegeben hat, einstmals ins Paradies hineinging, fand er miteinander verwachsen die beiden Bäume, den Baum der Erkenntnis und den Baum des Lebens; sie schlangen ihre Äste ineinander. Und von diesem Baum nahm Seth drei Samenkörner auf Geheiß des ihn führenden Engels. Er bewahrte sie auf, und als Adam starb, legte er ihm die drei Samenkörner in den Mund. Und aus dem Grabe des Adam wuchs ein Baum heraus; dieser Baum zeigte für den, der hinzuschauen verstand, eine Schrift in Flammenbuchstaben; es waren die Worte: «Ehjeh asher ehjeh – Ich bin, der da war, der da ist, der da sein wird.» Nun nahm Seth Holz von diesem Baume, der aus dem Grabe des Adam herauswuchs, und von diesem Holz wurden mancherlei Dinge geformt: unter andern jener Stab, der Moses‘ Zauberstab war. Und weiter wurde es fortgepflanzt; geformt wurde daraus die Pforte zum Tempel Salomos, und später, nachdem es verschiedene andere Schicksale erlebt hatte, das Kreuz, an dem der Erlöser gehangen hat.

So bringt die Legende zusammen das Holz des Kreuzes von Golgatha mit dem Baume, der aus den Samenkörnern des Paradiesesbaumes aus dem Grabe des Adam herauswuchs.

In dieser Legende verbirgt sich dasselbe Geheimnis, das ich Ihnen heute andeutete. Man wollte damit sagen: In Urzeiten war das Menschengeschlecht so, daß es noch nicht heruntergesunken war zu dem von der Begierde erfüllten Fleische, sondern keusch und rein war es, wie die Pflanze, die der Sonne den Blütenkelch entgegenstreckt. Dann kamen die Menschen durch den Sündenfall herunter: ihr Fleisch wurde mit Begierde erfüllt. Aber alles, was der Mensch einst in einem unschuldsvollen Zustand gehabt hat, soll er wieder haben, wenn er sich durch den Erkenntnispfad den begierdelosen Leib erschaffen haben wird, den Leib, wie er einstmals war, bevor der Mensch in die Erkenntnis eingetreten ist; erinnern Sie sich, woher das Ich stammt. Daß er jenen Leib nicht mehr hat, hängt damit zusammen, daß der Mensch ein Lungenatmer geworden ist, daß er sein rotes Blut hat bilden können. So hängt zusammen mit Atmung und Blutkreislauf die heutige Gestalt des Menschen, und daß er ein Erkenntnisträger in der heutigen Art werden konnte.“

GA 100, S 182/183

„Versetzen Sie sich nun in den heutigen Leib. Da können Sie sich ein Bild davon machen, wie der Sauerstoff hineinströmt, wie er das rote Blut erregt, wie das rote Blut gleich einem sich verästelnden Baum durch den ganzen Leib läuft, wie das blaue Blut dann zurückläuft, mit Kohlensäure angefüllt.

Zwei Bäume haben Sie in sich: den roten und den blauen Blutbaum. Ohne diese beiden könnte es den Menschen nicht als einen Ich-Träger geben. Dazu muß das rote Blut aufgenommen werden; das ist der Weg, wie unsere heutige Erkenntnis hervorgerufen wird. Aber es war verknüpft damit der Tod; denn Sie wandeln ja das rote Blut um in das blaue, kohlensäureerfüllte Blut. Daher sagte der alttestamentliche Geheimlehrer: Sieh dich an, du hast in dir den roten Blutbaum; hättest du diesen Baum nicht bekommen, du wärest nie ein erkennender Mensch geworden. Du hast genossen von dem Baume der Erkenntnis; aber damit ist dir zu gleicher Zeit die Möglichkeit genommen worden, aus dir selbst dir das Leben zu geben.“

GA 100, S 183

„Wir haben kennengelernt den Menschen, zusammengesetzt aus dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem Astralleib und dem Ich; und wir haben gesehen, wie das Ich, wenn es an dem Astralleibe arbeitet, das erste höhere Wesensglied erringt, wenn es an dem Ätherleib arbeitet, das zweite, und durch die Arbeit am physischen Leibe das dritte. So daß also der zukünftige Mensch der siebengliedrige sein wird, der noch haben wird Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch. Hat der Mensch seine niedrige Natur so umgestaltet, dann wird er in sich selbst den Baum der Erkenntnis und den Baum des Lebens haben. Es ist also dem Menschen gegeben worden im Ausgangspunkt seiner Entwickelung die Voraussetzung zu seinen drei höheren Wesensgliedern in der Anlage zu seinem Ich.“

GA 100, S 184

„Drei Samenkörner nimmt Seth, und der erste Ich-Mensch, Adam, läßt diese drei Samenkörner zu einem Baume hervorwachsen. In diesem Baum ist das vorhanden, was durch alle Ihre Verkörperungen hindurchgeht. Ihr Ich war auf einer ganz niedrigen Stufe in der ersten Verkörperung, und von Verkörperung zu Verkörperung erreicht es immer höhere Stufen. Was da hervorwächst, ist das Symbolum für das Ewige im Menschen, das seine höchste Vollendung am Ende des Erdenzustandes finden wird. Aber nur dann kann es der Mensch erringen, wenn er sich verbindet mit all dem Höchsten, was ihm auf dem Geistespfad entgegengetreten ist. Alles, was die Menschheit den Pfad hinaufgeleitet hat – der Stab des Moses, der Tempel des Salomo, und endlich das Kreuz von Golgatha -, alles das hilft dem Menschen, die höhere Dreiheit voll zum Ausdruck zu bringen. Und das Kreuz von Golgatha war das, was den Weg zu der höchsten Menschenvollendung andeutete. Es war zu Beginn dem Adam als Keim, aus dem jener Baum hervorgewachsen ist, in den Mund gelegt worden – nicht schöner könnte man es ausdrücken, als wie es hier geschehen ist – und hervorgegangen aus dem Holz, das Seth auf diese Weise gewonnen hatte. Da haben Sie den Weg des Menschen dargestellt, wie er durch die Zeitenläufe geht, den Weg des Menschen durch die Zeit. Was der Mensch in der Zukunft erringen muß: die Umwandlung seiner Wesenheit, die Fähigkeit, aus eigener Kraft in sich selbst den Kohlenstoff zu erzeugen, das ist es, was die Pflanze heute tun kann. Und diese Alchimie der Pflanze, sie wird der Mensch in der Zukunft beherrschen können.“

GA 100, S 184/185

„Die alchimistische Zubereitung dessen, was ich eben geschildert habe, wird dadurch erreicht, daß dem Rosenkreuzerschüler gewisse Anweisungen gegeben werden, wie er seinen Atmungsprozeß regulieren soll. Das ist etwas, was man auch nur verstehen kann nach dem Grundsatze: Steter Tropfen höhlt den Stein. Aber der Rosenkreuzerschüler arbeitet daran. So wie der Tropfen als ein Kleines, Winziges, nach langer Zeit erst die Höhlung im Stein bewirkt, so wird der Fortschritt der Menschenleiber bewirkt durch diesen Atmungsregulierungsprozeß. Diese Anweisungen, die der Rosenkreuzerschüler auszuüben hat, sind solche, daß sie ihn auf den Weg bringen, schon heute die Vorbereitung zu treffen, daß sein Ich die Fähigkeit erwirbt, sich die nächsten Leiber auf eine andere Weise aufzubauen. Damit ist allerdings verknüpft, daß Sie das, was Sie später in physischer Umgebung haben werden, schon jetzt in der geistigen Welt haben. Jene Rosenkreuzerberatung besteht darin, daß man im langsamen Prozeß einen Zukunftszustand vorbereitet und sich die Fähigkeit erwirbt, schon jetzt in den höheren Welten diesen Zustand zu schauen. Zweierlei tut also der Rosenkreuzerschüler: Erstens arbeitet er vor für die Zukunft der Menschheit, und zweitens erwirbt er sich selbst das Schauen in der geistigen Welt; er sieht das, was dann später heruntersteigt in die physische Wirklichkeit.“

GA 100, S 185

„Das vierte Glied des Menschen ist das Ich. Das Wort «Ich» kann der Mensch nur zu sich selber sprechen. Niemals kann dieses Wort von außen an unser Ohr klingen, um uns damit zu bezeichnen. Wenn dieses Ich in einem Wesen erklingt, dann spricht sich der Gott in ihm aus. Die Tierwelt, die Pflanzen- und Mineralwelt sind in bezug auf das Ich in einer andern Lage. Ein Tier zum Beispiel kann zu sich ebensowenig «Ich» sagen, wie ein Finger unserer Hand zu sich «Ich» sagen kann. Der Finger müßte, wenn er sein Ich bezeichnen wollte, auf das Ich des Menschen hinweisen; ebenso müßte das Tier auf ein Ich hinweisen, das einer in der Astralwelt lebenden Wesenheit angehört. Alle Löwen, alle Elefanten und so weiter haben ein gemeinschaftliches Gruppen-Ich, also ein Löwen-Ich, ein Elefanten-Ich und so weiter.“

GA 100, S 205

„Wollte die Pflanze auf ihr Ich zeigen, so müßte sie hinweisen auf ein gemeinschaftliches Ich im Mittelpunkt der Erde, in der Mentalwelt. Es ist bekannt, daß wenn man ein Tier sticht, dieses Tier Schmerz empfindet. Bei der Pflanze ist es anders, und der Seher kann uns berichten, daß das Pflücken der Blumen oder das Schneiden des Kornes für die Erde dasselbe wohlige Gefühl bedeutet wie für die Kuh die Entnahme der Milch beim Säugen. Wird aber die Pflanze mit der Wurzel ausgerissen, so ist es so, wie wenn man einem Tier ein Stück seines Fleisches herausschneiden würde. Dieses Ausreißen wird in der Astralwelt als Schmerz empfunden.“

GA 100, S 205

„Wenn man fragen wollte: Wo ist das Ich der Gesteinswelt? – so würde man nicht mehr imstande sein, ein solches einen Mittelpunkt bildendes Wesen in der Geisteswelt zu finden. Als Kraft des ganzen Kosmos überall verbreitet, ist das Ich der Mineralien in der übergeistigen Welt, theosophisch höhere Devachanwelt genannt, zu finden.“

GA 100, S 205

„In der christlichen Geheimlehre bezeichnet man die Welt, in welcher sich das Ich der Tiere befindet, die Astralwelt, als die Welt des Heiligen Geistes; die Welt, in der das Ich der Pflanzen ist, die geistige oder devachanische Welt, als die Welt des Sohnes. Wenn der Seher anfängt, in dieser Welt zu fühlen, so spricht zu ihm das «Wort», der Logos. Die Welt des mineralischen Ich, die übergeistige Welt, wird in der Geheimlehre die Welt des Vatergeistes genannt.“

GA 100, S 205/206

„Das Ich arbeitet am Astralleib und gliedert einen Teil aus ihm heraus. Dieser Teil wird im Laufe der menschlichen Entwickelung immer größer, während der ererbte Teil immer kleiner wird. In einem Franz von Assisi ist der gesamte Astralleib vom Ich aus durchgearbeitet und umgewandelt worden. Dieser vom Ich umgewandelte Astralleib bildet das fünfte Glied der menschlichen Natur: das Geistselbst oder Manas.“

GA 100, S 206

„Das Ich kann aber auch Herr werden über den Ätherleib oder Lebensleib. Der vom Ich umgewandelte Teil des Ätherleibes heißt Lebensgeist oder Buddhi. Umwandelnd auf den Ätherleib wirken die Impulse der Kunst und der Religion, letztere in ganz besonders starkem Maße, weil sie sich täglich wiederholen; und Wiederholung ist die Zauberkraft, welche den Ätherleib umwandelt. Am stärksten wirkt in diesem Sinne die bewußte Arbeit in der Geheimschulung, und Meditation und Konzentration sind die Mittel, welche hier angewandt werden. Die Geschwindigkeit der Umwandlung des Ätherleibes und des Astralleibes zeigen ein ähnliches Verhältnis wie bei der Uhr der Gang des Stundenzeigers zum Gang des Minutenzeigers. Wenn es gelungen ist, im Temperament, welches von den Verhältnissen des Ätherleibes abhängig ist, das Geringste zu ändern, so ist dies mehr wert als das Aneignen von noch so vielen geistreichen Theorien.“

GA 100, S 206

„Die stärkste Kraft ist notwendig, um den physischen Leib bewußt umzuändern. Die Mittel dazu werden nur in der Geheimschule gegeben. Angedeutet kann nur werden, daß die Regelung des Atmens den Beginn dieser Umwandlung bildet. Den vom Ich in bewußter Weise umgestalteten physischen Leib nennt man Geistesmensch oder Atma. Die Kraft zur Umgestaltung des Astralleibes flutet uns zu aus der Welt des Heiligen Geistes. Die Kraft zur Umgestaltung des Ätherleibes flutet uns zu aus der Welt des Sohnes oder des Wortes. Die Kraft zur Umgestaltung des physischen Leibes flutet uns zu aus der Welt des Vatergeistes oder des göttlichen Vaters.“

GA 100, S 206/207

„Als nach der Ruhepause, welche der Mondphase folgte, die Erde zur jetzigen Entwickelungsperiode wieder hervortrat, barg sie in sich an Stoffen und Wesenheiten das, was die jetzige Sonne, die Erde und der Mondenthalten. Der Mensch war auf der Seite der Stofflichkeit so weit verfeinert, daß sein Astralleib fähig wurde, ein Ich aufzunehmen, indem sich dieser Astralleib zu einem Ich-Träger formte. Auf der andern Seite hatte sich der Geist so weit verdichtet, daß er, einem Wassertropfen vergleichbar, als Ich die niederen Leiber befruchten konnte.“

GA 100, S 210

„«Blut ist ein ganz besonderer Saft», sagt Goethe im «Faust». Der Gott der Form, Jahve, spielt dabei eine ganz besonders wichtige Rolle. Er bemächtigte sich vor allen Dingen des neugebildeten Organes, des Blutes, durchtränkte es mit seinen Kräften, verwandelte die aggressiven Eigenschaften der Mutseele in die Kräfte der Liebe und machte das Blut zum physischen Träger des Ich.“

GA 100, S 216

„Nicht jedes menschliche Individuum hatte anfänglich sein eigenes Ich. Bei allen Blutsverwandten, welche durch die Nahehe, Familienehe, das gleiche Blut bewahrten, wirkte die gleiche Jahvekraft, die Ich-Kraft des gleichen Ich. Also eine solche kleine Gruppe hatte ein gemeinschaftliches Ich. Der einzelne verhielt sich zur ganzen Familie wie ein Finger zum ganzen Körper. Im Anfang gab es Gruppenseelen. Der einzelne empfand sich nur als Teil des Stammes. Man empfand das gleiche Ich nicht nur in den gleichzeitig Lebenden; auch in den verschiedenen Generationen lebte es weiter, solange das Blut unvermischt blieb, solange die Stammesgenossen nur in der Nahehe heirateten. Also man empfand das Ich nicht als etwas Persönliches, sondern als etwas allen Stammesgenossen Gemeinsames. Wie der Mensch sich an das erinnert, was er von seiner Geburt an erlebt hat, so erinnerten sich die Menschen der damaligen Zeit an das, was die Vorfahren derselben Blutsgemeinschaft getan hatten, und zwar so, als ob sie dies selbst erlebt hätten. Enkel und Urenkel fühlten in sich dasselbe Ich wie Großvater und Urgroßvater. So wird uns das Geheimnis des hohen Alters der Patriarchen begreiflich. «Adam» zum Beispiel war nicht die Bezeichnung für ein einzelnes Individuum, sondern für das gemeinsame Ich, das durch die Generationen floß. Es ist oben gesagt worden, daß Jahve das Blut zum physischen Träger des Ich machte. Er tat dies, indem er die Bildung des Blutes bewirkte. Er brachte seine Kraft zum Ausdruck in der Art des Atmens. Dadurch wurde der Mensch zum Jahvemenschen, daß Jahve ihm den Atem gab. Wörtlich ist es zu nehmen, daß der nun mit den Vorbedingungen ausgestattete Mensch eingehaucht bekam den lebendigen Odem. «Jahve blies dem Menschen den Odem ein und er wurde eine lebendige Seele» (1. Moses, 2, 7). Dieses Einhauchen der Seele geschah aber nicht plötzlich, sondern ist als ein sehr lange dauernder Vorgang aufzufassen. Dadurch wurde der Mensch zum Luftatmer.“

GA 100, S 216/217

„Zum Verständnis der inneren Vorgänge der Initiation werden folgende Ausführungen behilflich sein. Das individuelle Ich-Bewußtsein des Menschen ist in der physischen Welt. Die Menschen wandern mit ihrem Ich herum. Das Ich der Tiere dagegen ist auf dem astralen Plan. Jede Gruppe von Tieren hat daselbst ein gemeinschaftliches Ich-Bewußtsein. Aber nicht nur das Ich der Tiere ist in der Astralwelt vorhanden, sondern auch das Ich des Leibes, den der Mensch mit dem Tiere gemeinschaftlich hat, also das Ich des menschlichen Astralleibes. In der Devachanwelt finden wir die Iche der Pflanzen, wie auch das Ich desjenigen Körpers, den wir mit der Pflanze gemeinsam haben, das Ich des Ätherkörpers. Steigen wir noch höher hinauf in das höhere Devachan, so finden wir dort das Ich der Mineralien und das Ich desjenigen Teiles, den der Mensch mit den Mineralien gemeinsam hat: also das Ich des physischen Leibes. Wir stehen also durch den physischen Leib mit dem höheren Devachan in Verbindung. Mit dem individuellen Ich sind wir hier in der physischen Welt. Wenn bei einem Eingeweihten das Ich des Astralleibes von seinem Individual-Ich durchdrungen und umgearbeitet wird, so wird er in der Astralwelt bewußt. Er kann dann darin wahrnehmen und sich betätigen. Er begegnet den Wesenheiten, welche in den Astralkörpern inkarniert sind, auch den Gruppenseelen der Tiere und denjenigen höheren Wesenheiten, welche im Christentum Engel genannt werden. Bei noch höherer Einweihung wird auch das Ich des Ätherkörpers vom Individual-Ich durchdrungen. Das Menschenbewußtsein dehnt sich dadurch bis in die Devachanwelt hinauf aus. Dort begegnet man den Pflanzen-Ichen und dem Planetengeist. Eine noch höhere Einweihung findet statt, wenn das Individual-Ich das Ich des physischen Leibes durchdringt. Dann wird der Mensch auch in der übergeistigen Welt zum persönlichen Bewußtsein kommen. Er begegnet dort dem Ich der Mineralien und noch höheren Geistern. So ist die Einweihung ein Hinaufwandern in höhere Welten, in denen immer höhere Wesenheiten angetroffen werden.

 

Höhere Devachanwelt                       Ich des                                    Überdevachan –

Ich der Mineralien                              physischen Körpers                bewußtsein

 

Devachan

Ich der Pflanzen                                 Ich des Ätherkörpers              Devachanbewußtsein

 

Astralwelt

Ich der Tiere, auch Engel                   Ich des Astralleibes                Astralbewußtsein

 

Physische Welt                                  Individual-Ich                        Tagesbewußtsein

 

Man könnte folgendes Bild gebrauchen:

 

Das Ich des Ätherleibes kann verglichen werden mit dem Ingenieur

Das Ich des Astralleibes kann verglichen werden mit dem Lenker eines

Autos

Das Ich des Individual-Ich, physischer Leib, kann verglichen werden

mit dem Besitzer eines Autos.

GA 100, S 229/230

„Wenn das individuelle Ich die volle Herrschaft über die drei Körper erlangt hat, so hat es die innere Harmonie ausgebildet. Eine Wesenheit, welche diese Harmonie vollständig besaß, ist Christus. Er ist auf der Erde erschienen, damit der Mensch jene Kraft der inneren Harmonie entwickeln kann. Man sieht in diesem Menschensohn die ganze Menschheitsentwickelung dargestellt bis hinauf in die höchste geistige Stufe. Vorher gab es diese innere Harmonie nicht; an ihrer Stelle wirkten die äußeren Gesetze. Die innere Harmonie ist der neue Impuls, den die Menschheit durch Christus empfangen hat. Die Christus-Fähigkeit soll der Mensch erwerben, das heißt, er soll den inneren Christus entwickeln. Aber so wie nach Goethes Ausspruch «das Auge am Licht für das Licht gebildet ist,., so ist diese innere Harmonie, dieser innere Christus nur durch das Vorhandensein des äußeren, historischen Christus entzündet, vor dessen Erscheinung es den Menschen nicht möglich war, diese Stufe geistiger Entwickelung zu erreichen.“

GA 100, S 230/231

„Dies war das zu jener Zeit am weitesten fortgeschrittene Volk, und es war bestimmt, der Träger der zukünftigen Entwickelung zu werden. Ein sehr fortgeschrittener Geist, Manu, leitete diese Gruppe gegen Osten durch das heutige Rußland nach Mittelasien in die Gegend der heutigen Wüste Gobi. Dort wurde eine Kolonie gegründet, von der aus Gruppen nach den verschiedensten Richtungen ausgesandt wurden und die Kultur dieser Gruppe verbreiteten. Dies geschah zu der Zeit, wo der atlantische Erdteil allmählich unterging. Das heutige Afrika und Europa kamen allmählich aus den Fluten empor. Eine andere Atlantiergruppe zog von ihren Wohnsitzen aus nach Westen und bildete die Urbevölkerung des heutigen Amerika, bei dessen Wiederentdeckung durch die Europäer sie aufgefunden wurde. Auch nach dem Norden Europas zog eine Gruppe. Alle diese Gruppen haben ihre hellseherischen Erinnerungen in alten Sagen und Mythen bewahrt. Wenn wir diese Sagen und Mythen einmal richtig verstehen, wird manches Dunkel, das jetzt noch auf der Menschheitsgeschichte lastet, erhellt werden; dann werden wir manches jetzt noch Unverständliche verstehenlernen. Nur dürfen wir bei der Erklärung dieser Sagen und Mythen nicht pedantisch zu Werke gehen. Wir müssen wissen, in welch komplizierter Weise die hellseherischen Erfahrungen und die Phantasie bei Schaffung dieser alten Sagen mitgespielt haben. In dieser Zeit des ersten Aufleuchtens des Ich in der Persönlichkeit hat der Mensch in höherem Maße in seiner Umgebung gelebt als später. Er nahm auch weniger die äußeren Umrisse der ihn umgebenden Gegenstände wahr als vielmehr die inneren Eigenschaften und das Verhältnis, das sie zu ihm einnahmen, ob sie ihm nützlich oder schädlich, freundlich oder feindlich waren. Je mehr das Ich in der menschlichen Persönlichkeit eingeschlossen wurde, desto mehr nahmen die hellseherischen Fähigkeiten ab, während die Formen der Außenwelt mehr und mehr vor dem physischen Auge aufleuchteten. Wenn wir uns diese Tatsache vorstellen, können wir leicht begreifen, daß der Eintritt des Ich eine gewaltige Änderung hervorrief. Vorher sah der Mensch seinen eigenen Leib nicht, nun fing er an, ihn als sein Ich zu bezeichnen.

Atlantis war in der letzten Zeit ein Nebelland, mit dichtem Nebel bedeckt; es gab nicht die Abwechslung von Regen und Sonnenschein, auch nicht die Erscheinung des Regenbogens. Dieser konnte erst in der nachatlantischen Zeit entstehen, als die Nebelmassen sich verteilten. Dieses Ereignis ist im Volksbewußtsein lebendig geblieben als die Sage von Heimdall und in der Erzählung von Noah und der Arche. Die Erinnerung an das Nebelland hat sich erhalten in der nordischen Bezeichnung Niflheim, Nebelheim. Auch den Einschlag des Ich in die menschliche Persönlichkeit haben sich die nordischen Völker bewahrt in der Nibelungensage. Und zwar ist das Ich dort unter dem Symbolum des Goldes dargestellt. Das Gold war aufgelöst im Wasser, es hat sich aber zusammengezogen in den Ring, den Schatz der Nibelungen: das bisher in der ganzen Welt verteilt gewesene Ich hat sich zusammengezogen in die feste Menschenform. An der Bearbeitung dieser Sage durch Wagner kann man recht das unbewußte Empfinden des schaffenden Künstlers wahrnehmen. Wagner hatte nicht das ganze Bewußtsein dessen, was er in seinem Werke schuf, aber ein unterbewußtes Wissen leitete ihn. So dürfte zum Beispiel Wagner das zum Bewußtsein gekommene Ich im Orgelpunkt, der sich durch die ganze Ouvertüre der Oper «Rheingold» durchzieht, charakterisiert haben.“

GA 100, S 233/234

„Die Paradiesesmythe sagt: Dadurch, daß die Menschen das rote Blut erhalten hatten, wurden sie erkennende Wesen, lernten sie hinaufschauen: die Augen wurden ihnen auf getan, sie lernten den Unterschied kennen zwischen Mann und Weib. – Diese Erkenntnis mußte aber erkauft werden. Das Ich-Bewußtsein kann nur dadurch entstehen, daß das Blut stirbt. Im menschlichen Leibe findet fortwährend Lebensverbrauch und Lebenserneuerung statt. Das blaue Blut hat seine Aufgabe erfüllt, wenn es aufgebraucht ist, und aus der Vernichtung des blauen Blutes entsteht das Ich-Bewußtsein. In der Seele des Menschen werden sich die Kräfte bilden, durch welche er die beiden Bäume beherrschen und verbinden kann. Der Mensch empfindet das Ich nur, indem er fortwährend den Mord, das Sterben in sich trägt. Der Mensch ist, so wie er die Welt betreten hat, auf die Pflanze angewiesen, die ihm allein die Möglichkeit des Lebens gibt. Denken Sie zum Beispiel nur daran, daß der Mensch fortwährend Sauerstoff enthaltende Luft einatmet und verbrauchte, Kohlensäure enthaltende Luft wieder ausatmet. Er verbraucht den Sauerstoff und wandelt ihn in Kohlensäure um. Den Sauerstoff, ohne den er nicht leben kann, erlangt er nur durch die Pflanze, welche die vom Menschen erzeugte Kohlensäure wieder in Sauerstoff zurückverwandelt und so die Luft für den Menschen wiederum brauchbar macht. Die Pflanze hält den Kohlenstoff, den sie aus der Kohlensäure abspaltet, zurück und gibt ihn nach Jahrtausenden als Steinkohle den Menschen wieder. Die Erde ist ein einheitlicher Organismus, und wenn nur ein Teil derselben fehlen würde, so wäre das Leben, wie es jetzt vorhanden ist, unmöglich. Wir können Pflanze, Tier und Mensch als ein Wesen ansehen, und tatsächlich: nehmen Sie die Pflanze weg und den übrigen Gliedern ist ein Leben nicht mehr möglich. In einer sehr fernen Zukunft wird dieses Verhältnis geändert. Der heutige Mensch weiß noch nichts davon, aber der Seher kann in die Zeit blicken, wo der Strom der Kohlensäure nicht mehr mit Hilfe der Pflanze, sondern durch den Menschen selber umgebildet wird in brauchbaren Sauerstoff. Dies ist das große Zukunftsideal der Geheimschulen, daß der Mensch in bewußter Weise in seinem Inneren das selbst vollbringt, was heute die Pflanze für ihn macht, daß der Mensch die Pflanzentätigkeit in seine eigene Tätigkeit aufnehmen lernt. Ausgebildet werden in seinem Inneren jene Organe, die ihn selbst die Kohlensäure umwandeln lassen. Der Eingeweihte sieht voraus, wie die zwei Bäume, der Baum der Kohlensäure und der des Sauerstoffes, ihre Krone miteinander verschmelzen werden. Dann wird dasjenige, von dem es heißt: «Ich bin, der da war, der da ist und der da sein wird» als etwas Ewiges in jedem Menschen leben. In Adam lebte bereits das Ich, aber es mußte zuerst befruchtet werden. Im Anfang mußte der Baum des Lebens zum Baum des Todes gemacht werden. Er konnte nicht zugleich mit dem Baum der Erkenntnis gegeben werden, daher waren die beiden Bäume voneinander getrennt: die Pflanze wurde dazwischengesetzt. Das Ewigkeitsbewußtsein mußte erst errungen werden. Der Christus Jesus trug es in sich und er verpflanzte es in die Erde. Die drei Samenkörner sind die drei göttlichen Teile Manas, Buddhi und Atma. Das, was ewig in allen ist, wurde dem Adam mit ins Grab gelegt. Aus dem Grabe wird das Ewigkeitsbewußtsein verkündigt, aus dem Grabe wuchs der Baum, der die Flammeninschrift aufwies: «Ich bin, der da war, der da ist und der da sein wird.» Christus lehrt die Menschen, dieses «Ich bin ein individueller Mensch» in der Menschennatur zu entzünden, indem er sagt: Versucht euch mehr und mehr anzulehnen an die Wesenheit des «Ich bin», dann habt ihr das, was eure Gemeinschaft mit mir ausmacht. Nur durch dieses «Ich bin» gelangt ihr zum göttlichen Vater, denn der Vater und ich sind eins. – Nur einem Seher war es möglich, dies zu erfassen, und ein Seher war ja der Schreiber des Johannes-Evangeliums. Er wollte gar nicht irgend etwas aufzeichnen, was nur historische Bedeutung hatte, sondern das, was man erkennt, wenn man in die geistige Welt hineinschaut.“

GA 100, S 257-259

„Christus sagt (Kap. 14, 6): «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.» Wo ist dieser Weg, der zur höchsten Gottheit führt durch Christus? Das «Ich bin» arbeitet am Astralleib und bildet daraus das Geistselbst, es arbeitet am Ätherleib und bildet daraus den Lebensgeist, es arbeitet am physischen Leib und bildet daraus den Geistesmenschen. Wenn das Menschen-Ich an ihm arbeitet, so wird also das Geistselbst herausgearbeitet, und in ihm entsteht dann der Lebensgeist. So kommt der Mensch zum wahren Leben. In dem «Ich bin» liegt der Weg zur Wahrheit und zum wahren Leben, weil das «Ich bin» die niederen Leiber durcharbeitet und das wahre Leben in ihnen entstehen läßt. Wir können dies so darstellen:

 

Ich bin             der Weg,                     die Wahrheit   und      das Leben

Richtung         Geistselbst                  Lebensgeist                 Geistesmensch

 

Das «Ich bin» zeigt die Richtung, die der Mensch einschlagen muß, um Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch zur Entfaltung zu bringen.“

GA 100, S 259/260

„Der Alkohol war nicht immer mit der Menschheit verknüpft. Alles Geistige, das sich entwickelt, hat im Stoff seinen entsprechenden Ausdruck, und umgekehrt hat auch alles Stoffliche im Geistigen sein ihm entsprechendes Gegenstück. Der Wein, der Alkohol ist erst in einer bestimmten Zeit der Welt- und Menschheitsgeschichte aufgetreten. Und er wird wieder aus derselben verschwinden. Wir sehen hier die tiefe Wahrheit der okkulten Forschung. Der Alkohol war die Brücke, die vom Gattungs-, vom Gruppen-Ich zum selbständigen, individuellen Ich hinüberführt. Niemals hätte der Mensch den Übergang vom Gruppen- zum Einzel-Ich gefunden ohne die stoffliche Wirkung des Alkohols. Dieser erzeugte das individuelle, persönliche Bewußtsein im Menschen. Wenn die Menschheit dieses Ziel erreicht haben wird, braucht sie den Alkohol nicht mehr, und dieser wird wieder aus der physischen Welt verschwinden. Sie sehen, alles, was geschieht, hat seine Bedeutung in der weisen Lenkung der Menschheitsentwickelung. Deshalb soll heute niemandem widersprochen werden, wenn er Alkohol trinkt, während andrerseits jene Menschen, die der übrigen Menschheit vorausgeeilt sind und ihre Entwickelung so weit gefördert haben, daß sie des Alkohols nicht mehr bedürfen, denselben auch meiden sollen. Christus erscheint, um der Menschheit Kräfte zu geben, damit im sechsten Zeitraum das höchste Ich-Bewußtsein erlangt werden kann. Er will die Menschen vorbereiten auf jene «Zeit, die noch nicht gekommen ist». Würde er es beim Wasseropfer gelassen haben, so würde es die Menschheit niemals zum individuellen Ich gebracht haben. Die Verwandlung des Wassers bedeutet die Erhebung des Menschen zum individuellen Wesen. Die Menschheit war in ihrem Entwickelungsgange an einem Punkt angelangt, wo sie des Weins bedurfte, daher verwandelt Christus das Wasser in Wein. Wenn die Zeit da sein wird, wo der Mensch keinen Wein mehr braucht, dann wird Christus den Wein wieder in Wasser zurückverwandeln. Wie konnte in Christus eine solche Kraft auftreten, daß er Wasser in Wein verwandeln konnte? Weil Christi Leib die Erde selbst ist, konnte er die Kräfte der Erde in sich selbst wirksam machen. In der Erde verwandelt sich das Wasser, indem es den Weinstock durchströmt, zu Wein. Was in der Erde geschieht, das konnte Christus als Persönlichkeit ebenfalls ausführen, weil alle Kräfte der Erde ja auch in ihm vorhanden sein müssen, sobald die Erde sein Leib ist und von seinem Astralleib beseelt wird.“

GA 100, S 264/265

„Und was hat man beobachtet? Nun, da hat man hauptsächlich beobachtet – das andere hat man mitbeobachtet, aber hauptsächlich hat man dieses beobachtet -, daß von der Sonne her die Kräfte von Wesen kommen, die mit der Bildung des Ätherleibes des Menschen nichts zu tun haben dürfen. Man sah zur Sonne hin wie zu etwas, was für den Ätherleib etwas Auflösendes, etwas Zerstörendes hatte. Man wußte dadurch: Nicht vom Ätherleibe dürfen Kräfte, welche von den Sonnenwesen ausgehen, aufgenommen werden, sondern die müssen von den höheren Gliedern der Menschennatur aufgenommen werden, vom Ich und vom astralischen Leibe. Nur darauf dürfen die Sonnenkräfte wirken. Also man wußte, man wendet sich nicht zur Sonne für den Ätherleib des Menschen; für den Ätherleib wendet man sich zu den Planeten. Zur Sonne wendet man sich für den Astralleib und namentlich für das Ich des Menschen. Das wußte man: Für die ganze innere Kraft des Ich muß man sich an die Sonne wenden. Das war das zweite, was bei dieser auf das Mondgeheimnis rekurrierenden Einweihung da war. Es war das zweite, daß man wußte, für den Ätherleib gehört man dem Planetensystem an; man schaut aber für die Durchkraftung namentlich seines Ichs und auch des astralischen Leibes auf die Sonne hin.“

GA 233a, S 147

„Nun wollen wir heute einmal uns vor die Seele stellen, daß man auch den Menschen, der da lebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, in einer ähnlichen Weise betrachten kann, daß es möglich ist, auch von Gliedern des Menschen zu sprechen, der in dem Lebenslauf ist zwischen Tod und neuer Geburt. Sie wissen ja: den physischen Leib übergeben wir den Elementen, den Substanzen der Erde; der Ätherleib wird übergeben der allgemeinen Ätherwelt; nach einiger Zeit löst sich auch dasjenige, was vorzugsweise in unserem astralischen Leibe ist, wovon aber der irdische Mensch schon nichts weiß, das löst sich gewissermaßen auch, und das Ich geht dann seinen Weg durch die Welt, die wir eben durchleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.

Nun sollen wir nicht glauben, daß der Mensch, der zwischen dem Tod und einer neuen Geburt steht, nicht ein ebenso differenziertes, ein ebenso gegliedertes Wesen sei wie der Mensch hier in der physischen Welt. Wir können auch von Gliedern der menschlichen Natur sprechen zwischen Tod und neuer Geburt; nur werden wir dann in der folgenden Weise sprechen müssen.

Hier, wenn wir den Menschen auf dem physischen Plan betrachten, erscheint uns das Ich als dasjenige, was uns zunächst – wenn wir den Ausdruck gebrauchen dürfen – als das Höchste entgegentritt. Den physischen Leib hat der Mensch mit allen Mineralien gemeinschaftlich, den Ätherleib mit allen Pflanzen, den astralischen Leib mit allen Tieren. Das Ich hat er für sich allein. In der geistigen Welt ist das Ich, welches uns hier als gewissermaßen das höchste Glied der menschlichen Natur erscheint, dieses Ich ist dort in der Welt zwischen Tod und neuer Geburt das niederste Glied der menschlichen Natur. Wie wir hier beim physischen Leib anfangen, so muß man für die geistige Welt beim Ich anfangen, das nur während der Zeit, während der Mensch die Seelenwelt durchmacht, eingehüllt ist wie in einem Nebel vom Astralischen, aber das doch das niederste Glied der menschlichen Wesenheit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ist. Und so wie wir uns hier umhüllen, indem wir aus der geistigen Welt in die physische Welt hereintreten durch die Geburt oder durch die Empfängnis, so umhüllen wir uns auch in der geistigen Welt, man möchte sagen mit Geistgliedern. Die Namen für diese Geistglieder kennen wir eigentlich schon. Nur betrachten wir sie ein wenig von einer anderen Seite her. Wir hüllen uns nämlich, wenn wir durch die Pforte des Todes getreten sind, in das Geistselbst ein. Dies ist ja ein Glied der menschlichen Natur, das der Mensch in der Zukunft während der Jupiterentwickelung bei sich entfalten wird. Dasjenige, was ich jetzt Geistselbst nenne für die Welt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, ist nicht genau dasselbe, was sich dann entwickeln wird, wenn der Mensch weiterschreitet von der Erde zum Jupiter hin; sondern dasjenige, was der Mensch entwickeln wird auf dem Jupiter, wird eine Art äußerliches Abbild sein, eine Art für die Sinne auftretendes Gegenbild der geistigen Wesenheit, in die sich der Mensch einhüllt, wenn er die Zeit durchmacht zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Das ist schon so, daß man auch dieses Glied, in das sich da der Mensch einhüllt, wenn er die Zeit durchmacht zwischen Tod und neuer Geburt, als Geistselbst bezeichnen kann.“

GA 168, S 39/40

„Noch reifer – dasjenige, was sich fortentwickelt, wird immer reifer und reifer – wird das, was in uns lebt, wenn es nicht mehr bloß Inspiration zu sein braucht, sondern wenn es Intuition in dem Sinne, wie ich das Wort in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gebrauche, sein kann. Aber Intuition kann nur ein Wesen sein, welches überhaupt nur, sagen wir, einen «Geistleib» hat, um das paradoxe Wort zu gebrauchen. Der Mensch kann erst intuitiv in diesem Sinne wirken auf andere Wesen, also auch auf die Wesen, die hier noch im physischen Leben verkörpert sind, wenn er seinen astralischen Leib abgelegt hat, wenn er selbst ganz der geistigen Welt angehört, also Jahrzehnte nach seinem Tode. Dann kann er auch durch Intuition, nicht mehr bloß, wie ich es geschildert habe, durch Inspiration, herunterwirken auf die anderen Menschen. Dann wirkt er erst auf geistige Art als Ich, das jetzt in der geistigen Welt ist, in die Iche hinein. Früher hat er in den astralischen Leib inspirierend hereingewirkt oder auf dem Umweg durch den Ätherleib in den Ätherleib des Menschen. Als Ich kann auch unmittelbar, und natürlich zugleich durch die anderen vermittelt, derjenige wirken, der schon Jahrzehnte tot ist. Und da ist dann des Menschen Individualität reif geworden, nicht bloß in die Gewohnheiten der Menschen sich hineinzuleben, sondern sogar jetzt in die Anschauungen! Vielleicht ist dieses für die heutige vorurteilsvolle Empfindung sogar eine unangenehme, eine recht unsympathische Wahrheit; aber es ist eben eine Wahrheit. Unsere Anschauungen, die in unserem Ich entstehen, sind immerzu unter dem Einflusse derjenigen, die lange verstorben sind. In unseren Anschauungen leben diejenigen, die lange verstorben sind. Dadurch aber wird die Kontinuität der Entwickelung aus der geistigen Welt heraus aufrechterhalten. Es ist dies eine Notwendigkeit, sonst würde der Faden der Anschauungen fortwährend abreißen.“

GA 168, S 196

„Zum Schluß noch die eine Bemerkung. Bedenken Sie einmal, was es heißt, daß der Mensch das Gefühl in sich tragen muß, nämlich in einer bestimmten Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, daß er die Hierarchien als seine innere Erfahrung in sich trägt! Das ist so! Das könnte den Menschen in den furchtbarsten Hochmut hineinführen, der als ein dunkles Gefühl in seiner Seele leben könnte, wenn er wiedergeboren wird. In alten Zeiten war dadurch eine Barriere gegen diesen Hochmut geschaffen, daß die Menschen, indem sie durch die Pforte des Todes gingen und in die geistige Welt hineinkamen, gewissermaßen wußten: sie schauen nicht selber an, sondern in ihnen leben die höchsten Wesen der höchsten Hierarchien, die ihnen das Schauen vermitteln. Aber diesen Zusammenhang hat der Mensch in der geistigen Welt ebenso verloren, wie er in der physischen Welt hier verloren hat das alte atavistische Hellsehen. Dafür aber muß eintreten dasjenige, was Paulus ausgesprochen hat mit den Worten: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», und was eine wirkliche Geistesempfindung erlangt durch das Wort: «Aus dem Gotte sind wir geboren; in den Christus hinein sterben wir.» Wir werden, wenn wir das in aller Tiefe lernen durch die Empfindung, die uns aus der Geisteswissenschaft kommen kann, daß der Christus für die Erde ist, wir werden in der richtigen Weise uns hineinstellen in dieses Anschauen aus dem Umkreise. Und wenn wir mit den richtigen Gefühlen des «In Christo morimur» die Pforte des Todes durchleben, dann finden wir, vom Umkreis schauend, unter denjenigen Wesenheiten, die wir anschauen, die den höheren Hierarchien angehören, die auch Elementarwesen sind, aber auch solche Wesenheiten, die hier verkörperte Menschenseelen sind oder schon entkörperte Menschenseelen sind, wir finden unter all diesen auch unser eigenes Ich-Wesen. Und wir schauen das Verhältnis dieses unseres Ich-Wesens zu den anderen Wesenheiten, die ich eben gekennzeichnet habe, von außen an. Diese Empfindungen haben zu können, nachdem man durch die Pforte des Todes gegangen ist, ist etwas ungeheuer Wichtiges. Denn nur dann vermögen wir uns richtig wiederum in die Verkörperung des Fleisches hineinzufinden, wenn wir diese Empfindungen zu unserem eigenen Ich haben können. Die können wir aber nur haben, wenn wir sie verdanken können dem richtigen Durchgehen durch die Todespforte mit dem Gefühle: «In den Christus hinein sind wir gestorben.» Dieses Verbundensein mit dem Christus gibt uns die Möglichkeit, auch gewissermaßen mit dem Seelenauge des Christus unser Verhältnis in der geistigen Welt zu schauen, uns selbst als ein Ich-Wesen unter anderen Geistwesen zu schauen.“

GA 168, S 218/219

„Wir tragen nun außer dem ätherischen Leibe und dem astralischen Leibe als Geistiges vor allen Dingen unser Ich in uns. Wir kennen die komplizierte Natur dieses Ichs. Wir wissen aber auch, wie dieses Ich es ist, das von Inkarnation zu Inkarnation geht, wie die inneren Kräfte dieses Ichs selbst bauend und bildend an demjenigen sind, das wir mit jeder neuen Inkarnation gewissermaßen anziehen. In diesem Ich erstehen wir aus jedem Tode von neuem zur Vorbereitung für eine neue Inkarnation. Dieses Ich ist auch dasjenige, was uns zu einer individuellen Wesenheit macht. Können wir sagen, daß uns unser Ätherleib in gewissem Sinne das Geburtsartige repräsentiert, das mit den elementarischen Kräften der Natur zusammenhängt, daß uns unser astralischer Leib das Todbringende symbolisiert, welches mit dem höheren Geistigen zusammenhängt, so können wir sagen, daß uns das Ich repräsentiert unser ständiges Wiederauferstehen im Geistigen, unser Wiederaufleben im Geistigen, in der gesamten geistigen Welt, die weder Natur ist, noch Sternenwelt ist, sondern dasjenige, was alles durchdringt. Und ebenso, wie man das Weihnachtsfest mit dem Ätherleib, das Osterfest mit dem astralischen Leib zusammenbringen kann, kann man das Pfingstfest mit dem Ich zusammenbringen, als dasjenige Fest, das uns die Unvergänglichkeit unseres Ichs darstellt, das ein Merkzeichen für diese unvergängliche Welt unseres Ichs ist, das ein Merkzeichen zugleich dafür ist, daß wir als Menschen nicht nur im allgemeinen Naturleben mitleben, nicht bloß durch Tode gehen, sondern daß wir als Menschen ein unsterbliches, immer wieder erstehendes individuelles Wesen sind. Und wie schön ist im Grunde genommen in der weiteren Ausgestaltung der Weihnachts-, Oster- und Pfingstidee dieses zum Ausdruck gekommen! Denken Sie sich: Das Weihnachtsfest steht im Zusammenhange mit den Erdenereignissen ganz unmittelbar, so wie es als Weihnachtsfest unter uns ist; es schließt sich unmittelbar an die Wintersonnenwende an, das heißt an diejenige Zeit, in welcher die Erde in tiefste Finsternis gehüllt ist. Gewissermaßen der Gesetzmäßigkeit des Erdendaseins folgt man mit dem Weihnachtsfest: Wenn die Nächte am längsten, die Tage am kürzesten sind, wenn die Erde erstarrt ist, da zieht man sich in sich zurück und sucht das Geistige auf, insoferne es in der Erde lebt. Also ein Fest, das sozusagen an den Geist der Erde gebunden ist. Mit dem Weihnachtsfest werden wir gewissermaßen immer wieder und wiederum erinnert, wie wir als Erdenmenschen der Erde angehören, wie der Geist aus den Höhen der Welt herunterziehen mußte und irdische Gestalt annehmen mußte, um mit Erdenkindern selber Erdenkind zu sein.“

GA 169, S 14/15

„Anders sind die Dinge für den astralischen Leib und für das Ich. Wir sind ja als Menschen, die wir so herumwandeln in der physischen Welt, nur in unserem Ich zunächst tätig, denn nur das hat sein volles Bewußtsein. Wenn Sie das Auge auf irgendeine farbige Fläche richten, ist das Ich tätig, wenn Sie denken, ist das Ich tätig, wenn Sie fühlen, ist das Ich tätig. Bei allen diesen Tätigkeiten, die Sie verrichten, auch wenn Sie gehen, wenn Sie die Hände bewegen, ist das Ich tätig. Alles, was Sie tun können im wachenden Zustand auf dem physischen Plan, ist Ich-Tätigkeit. Das Ich ist da in Wirksamkeit. Wie äußert sich nun im Verhältnis zu den anderen Gliedern der menschlichen Natur diese Ich-Tätigkeit? Das, was wir so vom Aufwachen bis zum Einschlafen, also bei wachendem Bewußtsein vollbringen, wie äußert sich das? Es äußert sich dies nicht in einem Aufbauen, sondern in einem Abbauen, in einem Verbrauch von Stoffen des physischen und von Bewegungen, Kräften des ätherischen Leibes. Wenn Sie das Auge richten auf eine rote Fläche, auf eine farbige Fläche überhaupt: Dadurch, daß die farbige Fläche auf Sie einen Eindruck macht, bauen Sie ab. Es entsteht, wenn auch in sehr feinem Sinne, aber dennoch, es entsteht in Ihrem physischen Leib eine Art Ertötung des lebendigen Stoffes, der lebendigen Materie. Denken Sie sich einmal – um ein etwas grobes Beispiel zu gebrauchen -, Sie hätten einen Kristall, aber einen solchen, der noch veränderbar wäre, der Veränderungen durchmachen könnte. Und irgendeine Wirkung, sagen wir eine Lichtwirkung, würde ausgeübt: die Materie des Kristalls trübte sich, veränderte sich. So wird in der Tat jedesmal, wenn Lichtwirkung auf Ihr Auge ausgeübt wird, etwas in Ihrem physischen Leib trübe, es wird Materie zerstört in Ihrer Konstitution. Während wir wachen, vom Aufwachen bis zum Einschlafen, zerstören wir immer, wenn auch nur in ganz feiner Weise, unsere physische Materie durch unsere Ichtätigkeit. Deshalb müssen wir durch den Schlaf dies wieder ausgleichen. Da stellt die physische Materie sich wiederum so her, wie wir sie brauchen. Es ist immer Aufbau und Abbau. Schlafende Tätigkeit bedeutet Aufbau der physischen Materie, namentlich ihrer Konstitution; wachende Tätigkeit, Ichtätigkeit, bedeutet Abbau. Und so haben Sie einen Zyklus: Aufbau – Abbau, Aufbau – Abbau. Wir können sagen, daß wir eigentlich fortwährend von unserer Ichtätigkeit aufgezehrt, verzehrt werden, und uns im Schlafe wiederherstellen müssen.“

GA 169, S 84/85

„Es ist ganz selbstverständlich, daß auf diese Frage diejenigen, die heute von der gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Weltanschauung herkommen, antworten werden: Nun ja, das Nervensystem des Gehirnes ist natürlich das edelste, denn das ist dasjenige, das den Menschen von den Tieren unterscheidet. – Aber es ist nicht so. Dieses Nervensystem des Gehirnes hängt im wesentlichen zusammen mit der ganzen Organisation unseres Ätherleibes. Selbstverständlich sind überall weitere Beziehungen vorhanden, so daß natürlich unser ganzes Gehirnsystem auch Beziehungen zum astralischen Leib oder zum Ich hat, aber dies sind sekundäre Beziehungen. Die primären, die ursprünglichen Beziehungen sind zwischen unserem Gehirnnervensystem und zwischen unserem Ätherleib. Das hat nichts zu tun mit der Anschauungsweise, die ich einmal auseinandergesetzt habe, daß das ganze Nervensystem mit Hilfe des astralischen Leibes zustande gebracht worden ist; das ist etwas ganz anderes, das muß man durchaus unterscheiden. Das ist zustande gebracht worden in seiner ursprünglichen Veranlagung während der Mondenzeit, aber das hat sich weiterentwickelt und andere Beziehungen sind eingeleitet worden seit der ersten Bildung, so daß in der Tat unser Gehirnnervensystem innigste und bedeutsamste Beziehungen hat zu unserem Ätherleib. Das Rückenmarkssystem hat die innigsten und primärsten Beziehungen zu unserem Astralleib, so wie wir ihn jetzt als Menschen an uns tragen, und das Gangliensystem zu dem Ich, zu dem eigentlichen Ich. Das sind die primären Beziehungen, wie wir sie jetzt haben.“

GA 172, S 58

„Wenn wir dies in Erwägung ziehen, so werden wir uns leicht vorstellen können, daß eine besonders rege Beziehung herrscht während unseres Schlafzustandes zwischen unserem Ich und unserem Gangliensystem, das vorzugsweise ausgebreitet ist in dem Rumpforganismus, das in Strängen das Rückenmark außen umkleidet und so weiter. Aber diese Beziehungen sind gelockert während des Tagwachens; sie sind vorhanden, aber sie sind gelockert während des Tagwachens. Sie sind inniger während des Schlafens. Und inniger als während des Tagwachens sind die Beziehungen zwischen dem astralischen Leib und den Rückenmarksnerven im Schlafzustande. So daß wir also sagen können: Während des Schlafzustandes treten ganz besonders innige Beziehungen auf zwischen unserem Astralleib und unseren Rückenmarksnerven und zwischen unserem Ich und unserem Gangliensystem. Wir leben mehr oder weniger während des Schlafes in unserem Ich stark zusammen mit unserem Gangliensystem. Wird man einmal die rätselvolle Traumwelt genauer studieren, so wird man dies schon erkennen, was ich so aus der geisteswissenschaftlichen Untersuchung heraus erwähne.“

GA 172, S 58/59

„Dann aber, wenn Sie dies in Erwägung ziehen, werden Sie auch eine Brücke finden zu dem anderen wesentlicher:, bedeutungsvollen Gedanken: daß für das Leben etwas sehr Wichtiges dadurch gegeben sein muß, daß ein rhythmischer Wechsel eintritt im Zusammenleben des Ichs zum Beispiel mit dem Gangliensystem und des astralischen Leibes mit dem Rückenmarkssystem, ein rhythmischer Wechsel, der identisch ist mit dem Wechsel des Schlafens und Wachens. Denn es wird Ihnen nicht allzu verwunderlich erscheinen, wenn man sagt: Dadurch, daß das Ich eigentlich so recht im Gangliensystem und der astralische Leib so recht im Rückenmarkssystem ist im Schlafe, dadurch wacht der Mensch mit Bezug auf Gangliensy stem und Rückenmarkssystem während des Schlafens und schläft er während des Wachens. – Man kann da nur die Frage aufwerfen: Wie kommt es denn, daß man von dem so regen Wachen, das ja eigentlich entwickelt werden muß während des Schlafens, so wenig weiß? Nun, wenn Sie in Erwägung ziehen, wie der Mensch geworden ist, daß ja das Ich des Menschen erst während des Erdendaseins in ihm Platz genommen hat, also eigentlich das Baby ist unter unseren menschheitlichen Gliedern, so wird es Ihnen nicht staunenswert sein, daß dieses Ich eben sich noch nicht zum Bewußtsein bringen kann dasjenige, was es erlebt im Gangliensystem während des Schlafens, während es sich wohl zum Bewußtsein bringen kann das, was es erlebt, wenn es in dem voll ausgebildeten Haupte ist, das ja hauptsächlich das Ergebnis ist aller derjenigen Impulse, die durch Mond, Sonne und so weiter gewirkt haben. Was das Ich sich zum Bewußtsein bringen kann, hängt von dem Instrument ab, dessen es sich bedienen kann. Das Instrument dessen es sich in der Nacht bedient, ist verhältnismäßig noch zart. Denn ich habe Ihnen in früheren Vorträgen ausgeführt, daß der übrige Organismus eigentlich erst später entwickelt worden ist, daß der erst hinzugekommen ist zu dem mehr vollendeten Kopforganismus des Menschen, daß der ein Anhängsel ist des Kopforganismus. Wenn wir davon sprechen, daß der Mensch seinem physischen Leib nach mehr oder weniger lange Stadien vom Saturn aus durchgemacht hat, so können wir das nur mit Bezug auf das Haupt, auf den Kopf aussprechen. Dasjenige, was sich an den Kopf anhängt, ist vielfach spätere Bildung, Mondenbildung und sogar erst Erdenbildung. Daher kommt das rege Leben, das entwickelt wird während des Schlafens und das vielfach seinen organischen Sitz hat im Rückenmark und im Gangliensystem, zunächst wenig zum Bewußtsein, aber es ist deshalb ein nicht minder reges, bedeutsam reges Leben. Und man kann ebensogut sagen, im Schlafe soll dem Menschen die Möglichkeit geboten werden, hinunterzusteigen in sein Gangliensystem, wie ihm im Wachen die Möglichkeit gegeben ist, hinaufzusteigen zu seinen Sinnen und zu seinem Gehirnsystem. Gewiß, Sie werden sagen: Wie kompliziert sich – und vielleicht sogar: Wie verwirrt sich dadurch alles das, was wir uns angeeignet haben! – Aber der Mensch ist ein kompliziertes Wesen und man lernt ihn nicht verstehen, wenn man nicht diese Komplikation, diese Kompliziertheit wirklich einmal auf sich wirken läßt.“

GA 172, S 59/60

„Nun ging es aber nur, den Widerpart des Luzifer in die niedere Natur zu verlegen, solange der Mensch sein Ich nicht in der Weise entwickelt hatte, wie es zur Zeit des Mysteriums von Golgatha geschah. Das unterschätzt man ja zu sehr, wie das Ich herabgedämpft war in alten Zeiten. Es war herabgedämpft. Das Ich trat erst hervor in den Jahrhunderten gegen das Mysterium von Golgatha hin. Da ging es nicht mehr, bloß in die unterbewußte, in die unbewußte Natur dasjenige hineinzuverlegen, was gegen den Luzifer strebt; da mußte etwas kommen, was der Mensch in sein Bewußtsein aufnehmen kann: der Christus, der die Fortentwickelung des Jahve-Gottes ist. Der Christus mußte kommen, damit nun bewußt durch das Sich-Bekennen zum Christus der Mensch sich widersetzt der bloßen Vergeistigung, wie sie von seiten des Luzifer angestrebt wird. Denn Christus ist herabgestiegen für alle Menschen. Nur dadurch aber, daß wir den Zusammenhang fühlen mit allen Menschen, gehören wir der Erde an; dadurch gehören wir wirklich der Erde an. Im Zusammenhange mit den Menschen und in dem, was wir aufbringen für den Zusammenhang mit den Menschen, für den vollen, ganzen Zusammenhang, liegt das tiefere Verständnis für den Christus.“

GA 172, S 210

„Nun handelt es sich darum, daß wir zunächst ins Auge fassen, was wir für das, was wir zum Beispiel hier für den Anteil jenes Prozesses am Physischen, an der physischen Kopforganisation, den wir in der Kieselerde zur Ruhe gekommen auffassen müssen, im mittleren Menschen finden können. Da liegt das eigentümliche vor, daß im mittleren Menschen der Prozeß der Kieselerdebildung stärker, verbreiteter wirkt. Er wirkt im Kopfe feiner. Er wirkt hier im mittleren Menschen stärker, verbreiteter, gewissermaßen differenzierter. Und er wirkt am stärksten im Gliedmaßen-Stoffwechselmenschen. Wenn wir also denjenigen Prozeß ins Auge fassen, den wir als gebunden an die Kieselerde aufgefaßt haben, so müssen wir sagen: Dieser Prozeß wirkt am stärksten da, wo er dem Ich zu Hilfe kommen soll – wir werden die Wechselwirkung dann zu anderen Prozessen sehen -, in bezug auf die Wirkung des selbständigen Ich, das nur seinen Abdruck hat im physischen Stoffwechselmenschen. Es wirkte dieser Kieselerde erzeugende Prozeß am stärksten da, wo er dem Ich zu Hilfe kommen soll, für die Wirkung dieses Ich auf den Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen. Es wirkt dieser Prozeß, der also durch die Kieselerde charakterisiert werden kann, etwas schwächer da, wo er bloß dem astralischen Leib zu helfen braucht, und er wirkt am schwächsten da, wo er dem ätherischen Leib bloß zu helfen braucht, im Kopfe.“

GA 313, S 17

„Das ist dasjenige, was einen dazu führt, allmählich diese Wechselwirkung des Menschen und seiner Außenwelt durchschauen zu können. Wenn Sie wirklich dazu kommen, zu verstehen, wie dem Ich als Kraftwirkung dasjenige am meisten entgegenkommt, was in dem kieselerdebildenden Prozeß liegt, wenn das Ich wirken will durch Gliedmaßen und Stoffwechsel, wenn Sie ferner wissen, daß dasjenige, was Stoffwirkung ist im kieselerdebildenden Prozeß, am stärksten wirkt im menschlichen Haupte, und sich dann sagen können, daß dasjenige, was Kraftwirkung ist, in einer verminderten Intensität im menschlichen Haupte dem Ich da zu Hilfe kommen muß, dann haben Sie eine Möglichkeit, hineinzuschauen, wie dieses Ich abgestuft im Menschen wirkt. Nun, wenn man das Verhältnis des Ich des Menschen zum Gliedmaßen-Stoffwechselsystem ins Auge faßt, so liegt eigentlich in diesem Verhältnisse der Ursprung des menschlichen Egoismus. Es gehört diesem System des menschlichen Egoismus ja auch das Sexualsystem an. Und das Ich wirkt gerade auch auf dem Umwege durch das Sexualsystem am meisten das menschliche Wesen mit Egoismus durchdringend.

Wenn Sie das erfassen, werden Sie sagen: Dann ist ja ein gewisser Gegensatz vorhanden zwischen der Art, wie sich das Ich der Kieselerde bedient, um auf den Menschen vom Gliedmaßensystem aus zu wirken, zu wirken zu dem, wie dieses Ich vom menschlichen Haupte aus durch die Kieselerde wirkt. Da wirkt es gewissermaßen egoismusfrei. Und wenn man das geisteswissenschaftlich durchforscht, sieht man, es wirkt differenzierend.“

GA 313, S 21/22

„Wenn ich schematisch diese merkwürdige Wirkung darstellen sollte, so müßte ich so sagen: Dasjenige, was das Ich – also jetzt als wirkliches Organisationselement – im Menschen durch die Kieselerde (siehe Zeichnung, rot) vom Gliedmaßensystem aus tut, das ist im wesentlichen den Menschen zusammenfassend, gewissermaßen alles, was im Menschen vorhanden ist an Säften in eine undifferenzierte Einheit bindend, so daß es ein undifferenziertes einheitliches Ganzes ist.“

GA 313, S 22

„Nun ist gestern von einigen nicht verstanden worden, daß ich gesagt habe, es schafft sich das Ich einen Abdruck. Es schafft sich das Ich einen Abdruck: das ist ein Satz, den man richtig verstehen wird, wenn man ihn nicht im gewöhnlichen Sinne zu physisch auslegt. Gewiß, das, was sich das Ich als Abdruck schafft, wenn es wie im Gliedmaßen-Stoffwechselmenschen allein noch frei ist, das kann man nicht in der Weise etwa untersuchen, daß man den Vergleich heranzieht mit einem Gipsabdruck, sondern der Abdruck, den das Ich schafft, ist ein sehr beweglicher. Sie bekommen ihn sogar besser heraus, wenn Sie gehen, als wenn Sie stehen. Der Abdruck, den das Ich schafft, ist ein Abdruck in einem Kräftesystem, das sich herausstellt, wenn man geht in einem ganzen Zusammenhang von Kräften, auch in dem Sichaufrechthalten. Darinnen liegt der physische Abdruck des Ich. Also Sie dürfen den Abdruck des Ich nicht in etwas suchen, was man mit einem Gipsabdruck vergleichen kann, sondern es handelt sich dabei um einen Abdruck in einem Kräftesystem. Und das ist es schließlich auch im menschlichen Haupte, nur in einem anderen Kräftesystem. Ich habe gestern sogar darauf hingewiesen, daß sich das Ich abdrückt in den Wärmeverhältnissen des Hauptes, in der Art und Weise also, wie das Haupt differenziert in seinen verschiedenen Organen durchwärmt wird. Das ist Ich-Abdruck. Dieser Ich-Abdruck ist auch der Abdruck in einem Kräftesystem, nur eben in einem Wärmekräftesystem. Also das Ich schafft sich schon auf die verschiedenste Art die Abdrücke. Wo es noch frei bleibt von anderen Mitwirkungen am menschlichen Organismus, da schafft es sich eben einen reinen, ich möchte sagen, mechanischen Kräfteabdruck. Es ist ein Gleichgewichts- und dynamischer Kräfteabdruck, den sich das Ich in bezug auf den Gliedmaßen-Stoffwechselmenschen schafft. Aber das muß man ins Auge fassen, denn der Mensch ist tatsächlich auch ein anderer, je nachdem er steht, je nachdem er geht oder je nachdem er etwa gar schwimmt. Man faßt dieses leider immer viel zu wenig ins Auge. Und von manchem, von dem man sieht, daß es zu wenig, vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus, ins Auge gefaßt wird, von dem muß man eben sagen: Man merkt da in den Ranken, die die gegenwärtige Wissenschaft zieht, sehr deutlich, wo sie nicht mehr hinkann, wo aber doch noch Tatsachen vorliegen. – Es hat mich zum Beispiel in dieser Beziehung eines interessiert, das ich jetzt nur andeuten will, gewissermaßen wie eine Frage vor Sie hinstellen will, das sich uns aber im Laufe der Vorträge beantworten wird. Ich habe so ein bißchen die gebräuchliche Literatur auf einen Punkt hin verfolgt, und es ist sehr niedlich, wie man fast überall findet, die Menge des eingeatmeten und ausgeatmeten Stickstoffes unterscheide sich nicht besonders voneinander. Diesen Satz können Sie fast überall finden. Nun ist es aber nicht wahr. Die Zahlenangabe bezeugt sogleich, daß es nicht wahr ist, daß mehr Stickstoff ausgeatmet als eingeatmet wird. Und weil mit dieser Differenz der Materialismus nichts anzufangen weiß, deshalb löscht er sie aus. Er gleitet mit einer Handbewegung darüber hinweg. Und solche Dinge, die kann man viel finden im gegenwärtigen wissenschaftlichen Betriebe. Wie gesagt, ich will jetzt das zunächst als eine Frage hinstellen, ich werde auf die Sache noch zurückkommen.“

GA 313, S 26-28

„Also dasjenige, was da vom Menschenhaupte eingeleitet wird und von da aus durch den ganzen Organismus strahlt, das ist der rein physische Prozeß, der im Moment, wo der Tod eintritt, sich in den ganzen Organismus ergießt. Dieser Moment, der ist im menschlichen Haupte, wenigstens von ihm zentralisierend ausgehend, immer vorhanden. Er wird nur paralysiert durch den Vitalisierungsprozeß vom anderen Organismus aus. Der Mensch trägt tatsächlich die Kräfte, die ihn auch zum Sterben bringen, fortwährend in sich, und er wäre kein Ich, wenn er nicht die Kräfte des Sterbens in sich tragen würde. Der Mensch könnte sich nur wünschen, als physisch auf der Erde herumgehender Mensch, als physischer Mensch unsterblich zu sein, wenn er verzichten würde darauf, ein Ich-Bewußtsein zu haben. Ich mache darauf aufmerksam, daß es notwendig ist, sich schon gewisse intime Beobachtungsfähigkeiten für die äußere Verifizierung dieser Sache anzueignen, daß es aber doch sehr fruchtbar sein wird wenn recht viele Dissertationen auch darüber geschrieben werden was Verjüngungskuren, die also dem entgegenarbeiten, auf die geistig-seelische Verfassung eines Menschen für einen Einfluß haben; wobei natürlich nichts gesagt werden soll gegen solche Verjüngungskuren, denn der Mensch mag es ja noch immer als seiner Sehnsucht genügend entgegenkommend betrachten, wenn er sein späteres Alter um ein paar Jahre hinaus verlängern kann, wenn das auch auf Kosten desjenigen geschieht, daß er sich ein bißchen Schwachsinn dafür eintauscht. Aber diese Dinge, die nun eben tatsächlich vorhanden sind, über die nur eben so hinweggesehen wird, wie zum Beispiel über die größere Stickstoffmenge, die ausgeatmet wird, im Gegensatz zu der eingeatmeten, diese Dinge müssen für den durchaus ins Auge gefaßt werden, der auf Krankheits- und Heilungsprozesse sachgemäß eingehen will. Denn in dem Maße, in dem man auf diese Feinheiten der menschlichen Organisation eingeht, nähert man sich erst der Erkenntnis derjenigen Prozesse, die als Krankheitsprozesse auftreten, die nichts anderes sind, als eine Umsetzung dieser feineren Prozesse ins Gröbere. Dasjenige, was ich gesagt habe, ist nur eine Umsetzung ins Gröbere dieser feineren Prozesse. Aber sagen muß man, daß demjenigen, was im Menschen als physischer Prozeß wirkt, was ihn als physischer Prozeß durchsetzt, daß dem entgegengearbeitet wird solange wie möglich von dem Ich, das aber an diese Gegenarbeit, an diese reaktive Wirkung gebunden ist. Es wird dem solange entgegengearbeitet, als dieser physische Prozeß nicht zu stark wird. Dieser physische Prozeß ist dasjenige, was das Sterben immer im menschlichen Organismus hat, was im Sterben zuletzt auch liegt. Wenn nämlich der physische Prozeß gewissermaßen hypertrophiert, so daß er von dem Ich nicht mehr beherrscht werden kann, dann muß sich das Ich von dem physischen Leib trennen, was natürlich auch dadurch eintreten kann, daß eine übermäßige physische Wirkung an irgendeiner Stelle des Körpers auftaucht und die anderen im früheren Lebensalter mit sich reißt.“

GA 313, S 39/40

„So daß man sagen kann: Dasjenige, was menschliches Ich ist, hängt innig zusammen mit demjenigen, was der Tod ist:

 

Ich = Tod.

 

Und zum treffendsten Studium über das Ich kommen Sie am besten dadurch, daß Sie den Tod studieren, aber nicht in jener allgemein nebulosen Art, wie man sich den Tod vorstellt, was einem ja verschiedene Dinge gestattet. Nicht wahr, so wie sich die Menschen heute den Tod vorstellen, so können sie sich auch das Zerstörtwerden einer Maschine vorstellen, denn sie stellen sich unter dem Tod nur vor, daß etwas aufhört. Sie stellen sich nicht den realen Prozeß vor. Deshalb stellen sich dann die Menschen unter dem Tod auch das Zerstören einer Maschine vor. Aber das heißt nichts, sich die Dinge so vorzustellen, sondern man muß zu dem konkreten Tatbestande kommen. Das Aufhören des Lebens ist nicht Tod, sondern für den Menschen ist Tod das, was ich eben hier auseinandergesetzt habe, und für das Tier ist der Tod etwas ganz anderes. Diejenigen Menschen, die Tod bei Menschen und Tier als etwas ganz Gleichwertiges betrachten, das sind dieselben Leute, die, weil sie ein Rasiermesser finden und Messer Messer ist, nun anfangen, sich das Fleisch mit dem Rasiermesser zu schneiden, weil Messer Messer ist. Bei den anderen ist Tod Tod. Tod ist eben eine ganz andere Sache beim Menschen als beim Tiere, wie ich eben gezeigt habe. Beim Tiere, wo man es mit einem Ich gar nicht zu tun hat, sondern nur mit einem astralischen Leib, da ist der Tod etwas ganz anderes, da beruht der Tod auf einer Wirkung des ganz anders gearteten astralischen Leibes.“

GA 313, S 40/41

„Wenn man gewissermaßen das im unmittelbaren Leben beobachtet, was ich jetzt hingestellt habe, so kann man es auch von der anderen Seite wiederum verifizieren. Indem Sie dasjenige nehmen, was aus unserer Geisteswissenschaft von früher her bekannt ist, so werden Sie hier einen Strich machen müssen:

 

Ich = Tod

Astralleib = Krankheit

————————————————–

Ätherleib = Gesundheit

Physischer Leib = Ernährung

 

denn teilweise, wenigstens für die Kopf- und Atmungsorganisation trennt sich Ich und Astralleib im Schlafe vollständig von physischem Leib und Ätherleib, nicht für den Stoffwechselmenschen und Zirkulationsmenschen, da bleibt das drinnen. Es ist das nicht genau gesprochen, wenn man sagt: Ich und Astralleib gehen heraus. Es ist eigentlich richtig so gesprochen – und ich habe es ja auch früher oftmals, schon vor vielen Jahren angedeutet -, daß man sagt: Im Schlafe gehen für die Hauptesorganisation Ich und astralischer Leib heraus aus physischem Leib und Ätherleib, aber in der Stoffwechsel- und Zirkulationsorganisation durchdringen sie ihn dadurch viel mehr. Es ist tatsächlich eine Umlagerung. Es ist die Parallelerscheinung zu dem, wenn auf der Erde Tag und Nacht wechseln. Da ist es nämlich auch nicht so, daß auf der ganzen Erde Tag und auf der ganzen Erde Nacht wird, sondern es lagern sich Tag und Nacht durch die Verhältnisse um. Genau ebenso ist es bei dem wirklich genauen Abdruck von Tag und Nacht beim menschlichen Schlafen und Wachen. Beim Wachen ist innig physischer Leib und Ätherleib des Hauptes- und Atmungsorganismus mit Ich und astralischem Leib verbunden, und im Schlafe ist viel inniger als beim Wachen physischer Leib und Ätherleib mit Ich und astralischem Leib verbunden. Das ist eine Umlagerung, ein tatsächlich rhythmischer Prozeß, der sich da vollzieht mit Schlafen und Wachen.“

GA 313, S 43

„Nun kann man aber doch sagen: Es liegt einem im Schlafen das vor, wenigstens für die obere Organisation des Menschen, daß der astralische Leib mit dem Ich hinausgeht. Es kann nun aber die Beobachtung einmal ergeben, daß bei einem Menschen für die Hauptes- oder vielleicht auch für die Atmungsorganisation der astralische Leib und das Ich zu stark das Haupt und die Atmungsorganisation packen. Sie packen es zu stark, sie greifen sie zu stark an, dann tut eben der astralische Leib das von seinen krankmachenden Kräften aus. Und dann kann man in die Lage versetzt werden, daß man so arbeiten muß am Menschen, daß dieser astralische Leib wiederum herausgetrieben wird aus Hauptesorganisation und Atmungsorganisation, daß er herausgetrieben wird, daß sie sich in einer gewissen Weise voneinander trennen, so daß das normale Verhältnis eintritt. Und daß dies geschehen kann, kann man beobachten bei der Zufuhr von sehr kleinen Phosphor- und auch Schwefelmengen. Kleine Phosphor- und Schwefelmengen haben in ihrer Realität die Wirkung, daß sie den zu stark im physischen und Ätherleib sich einnistenden astralischen Leib herauswerfen, der Schwefel mehr den astralischen Leib, der Phosphor mehr das Ich, das aber dann natürlich, weil es ja den astralischen Leib durchorganisiert, eigentlich mit ihm in einer Einheit wirkt. Da kann man direkt durchschauen, wie der Mensch ist, wenn er mit einem krankhaften Zustand auftritt, der sich also außerdem durch das Symptom charakterisieren läßt, daß der Mensch zu stark zum Schlaf hingetrieben wird. Wenn man also einfach einen Krankheitskomplex hat, der unter den anderen Symptomen auch dieses hat, daß der Mensch auch hingetrieben wird zu Dämmerzuständen, dann hat man die Notwendigkeit gegeben, in der Weise zu arbeiten, wie ich sagte, mit Phosphor und Schwefel.“

GA 313, S 43/44

„Ich habe in den allgemeinen Vorträgen, da wo ich über Sprachwissenschaft sprach – ich konnte es in dem naturwissenschaftlichen Kapitel nicht unterbringen, es hätte ebensogut dort in Betracht kommen können – davon gesprochen, daß die eigentümlichen Vorgänge, die sich mehr nach außen vom Organismus aus entladen bei der Geschlechtsreife, und die sich nach innen entladen in der Zeit zwischen der Geburt und dem Zahnwechsel, also wenn der Mensch sprechen lernt, daß die Vorgänge, die da stattfinden zwischen dem astralischen Leib und dem menschlichen Ätherleib und auch dem physischen Leib, dem Sprechenlernen und all den Veränderungen im menschlichen Organismus, die mit dem Sprechenlernen zusammenhängen, zugrunde liegen. Es sind das die Vorgänge, die also beim Kinde sorgfältig beobachtet werden sollen. Dem Sprechenlernen des Kindes geht immer auch eine Veränderung des übrigen Organismus parallel. Und wie gesagt, man soll auch die Veränderung nach vorne, nach der Geburt zu beobachten, also auch zurückgehen von der radikalen Veränderung im Zahnwechsel zurück zum Sprechen. Aber nun liegt eine ebenso bedeutsame Veränderung vor, die nurmehr nach innen gewendet ist, die sich nicht so äußerlich ankündigt, wie die zum Beispiel eben, daß man die zweiten Zähne bekommt – das kann jeder beobachten -, oder das Sprechenlernen: es kann es auch jeder beobachten, denn es äußert sich eben nach außen. Aber ebenso liegt eine Änderung vor, für die menschliche Gesundheit und Krankheit eine fast wichtigere Veränderung als beim anderen, wo eben, ich möchte sagen, in der Erziehung schon instinktiv viel gemacht wird, weil die Dinge offen zutage treten. Es liegt eine viel größere Bedeutung eigentlich zugrunde diesem anderen Prozeß, der sich nun abspielt in der Zeit zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife, dem Prozeß, der unmittelbar in der Mitte drinnen liegt, und der darinnen besteht, daß das eigentliche Ich, das ja in dem Sinne erst geboren wird, wie ich das sonst ausführe, ich möchte sagen, im Exoterischen, im vollständig Exoterischen erst um das zwanzigste Jahr herum, daß dieses Ich nun auch nach innen hinein geboren wird, geradeso wie der Astralleib im Sprechen. Das ist so zwischen dem neunten und zehnten Jahr in seiner Kulmination.“

GA 313, S 69

„Und nun müssen Sie bitte folgendes bedenken. Dasjenige, was im Menschen eigentlich veranlagt ist in bezug auf sein Ich, das wird fast gar nicht berücksichtigt. Das Ich als dem menschlichen Organismus innewohnend, das tut etwas ganz Besonderes. Alles andere im Menschen, das Physische im Menschen – das erst recht, wir werden auch darauf noch zurückkommen -, das Ätherische und auch das Astralische im Menschen, das also eigentlich nach außen nur durch den Sauerstoff mit dem direkt Äußeren des Menschen in Verbindung steht, sind Teile der menschlichen Wesenheit, die eigentlich sehr stark an das menschliche Innere gebunden sind. Von dem menschlichen Organismus wird im Schlafe fast nur der astralische Leib von dem Ich mitgenommen. Er hat eine sehr starke Affinität zum physischen und namentlich zum ätherischen Leib. Aber beim Ich ist es nicht so. Und hier in der Beziehung des Ich, namentlich in seinem Verhältnis zur Außenwelt, zeigt sich so recht der tiefgehende Unterschied des Menschen vom Tiere. In der Nahrungsaufnahme führen wir uns Stoffe zu, die in der Außenwelt eben auch Stoffe sind. Die müssen im Innern des Menschen verändert werden. Wer bewirkt diese Veränderung, diese gründliche Veränderung der äußeren Substanzen innerhalb des Menschen? Wer bewirkt diese? Die bewirkt in Wahrheit das Ich. Das Ich allein ist mächtig, ich möchte sagen, seine Fühlhörner bis hinunter zu erstrecken in die Kräfte der äußeren Substanzen. Ich möchte sagen, wenn Sie eine äußere Substanz haben – schematisch gezeichnet -, so hat diese gewisse Kräfte, die dekombiniert werden müssen, wenn sie im menschlichen Organismus umkombiniert werden sollen. Ätherleib; astralischer Leib, die gehen gewissermaßen um die Substanzen so herum, die haben keine Kraft, in das Innere der Substanzen hineinzudringen, die gehen bloß um die Substanzen herum. Das Ich ist es allein, das nun wirklich etwas zu tun hat mit dem Hinunterdringen, mit dem Hineingehen in die Substanzen selber. Wenn Sie also eine Nahrungssubstanz dem menschlichen Organismus übergeben, so ist zunächst diese Nahrungssubstanz im Menschen drinnen. Das Ich aber übergreift den ganzen menschlichen Organismus und geht direkt in die Nahrungssubstanz hinein. Es entsteht eine Wechselwirkung zwischen den inneren Kräften der Nahrungssubstanz und dem Ich des Menschen. Da übergreifen einander Außenwelt in bezug auf Chemie und Physik und Innenwelt des Menschen in bezug auf Antichemie und Antiphysik. Das ist das Wesentliche.“

GA 313, S 69-71

„Nun ist es so, daß beim Kind eigentlich bis in die Zeit hinein, in der die zweiten Zähne sich anzusetzen beginnen, bis in die Zeit also hinein, wo der Zahnwechsel eintritt, von dem Haupte aus dieses Eingreifen in die Substantialität der Stoffe geregelt wird. Das Kind wird so geboren, daß ihm auf dem Umwege seines Hauptes in der Embryonalentwickelung die Kräfte gegeben werden, die da beim Menschen tätig sind, um die Stoffe von innen heraus zu verarbeiten. Aber in der Zeit nach dem Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife hin und mit der Kulmination zwischen dem neunten und zehnten Jahre, da muß nun dasjenige Ich, das vom unteren Menschen aus wirkt, das untere Ich, das muß sich mit dem oberen begegnen. Beim Kinde ist es immer das Ich, das vom oberen Menschen aus wirkt, das noch die Stoffe verarbeitet bis in diese Zeit herein, die ich charakterisiert habe. Natürlich meine ich die Werkzeuge des Ich. Das Ich ist ja schließlich ein Einheitliches. Aber die Werkzeuge des Ich, die Polarität des Ich, also das Untere des Ich, das sich mit dem Oberen begegnet, das setzt sich erst in ein richtiges Verhältnis in der angedeuteten Weise. Also es muß da beim Menschen das Ich in die Organisation so eintreten, wie beim Sprechenlernen der astralische Leib in die menschliche Organisation eingreifen muß.

Nun beobachten Sie mit diesen Voraussetzungen all die Erscheinungen, die sich bei Kindern zeigen so vom achten, neunten Jahre an gegen das zwölfte, dreizehnte Jahr hin, gerade diejenigen Erscheinungen, die so notwendig sind im Volksschul-Lernalter zu beobachten. Betrachten Sie von diesem Gesichtspunkte aus diese Erscheinungen. Sie finden ihren äußeren Ausdruck in einem Suchen des menschlichen Organismus. Und dieses Suchen besteht darinnen, daß eben gesucht wird ein Einklang, eine erst während des Lebens herzustellende Harmonie zwischen den Stoffen, die aufgenommen werden, und der inneren menschlichen Organisation. Beobachten Sie sorgfältig, wenn der Kopf nicht recht will die inneren Kräfte der Stoffe aufnehmen in dieser Zeit, wenn er sich weigert, wie sich das äußert in den kindlichen Kopfschmerzen um das neunte, zehnte, elfte Jahr herum. Beobachten Sie, wie dann die Begleiterscheinungen auftreten in den Störungen des Stoffwechsels, verhältnismäßig sehr weit nach außen liegende Störungen des Stoffwechsels, in der Absonderung der Magensäure und so weiter, beobachten Sie das alles, und Sie werden sehen, wie es Kinder gibt, die sozusagen fortwährend kränkeln an diesem mangelhaften Einstellen des Ich von unten her und von oben her. Wenn solche Dinge sorgfältig ins Auge gefaßt werden, dann kommt man ihnen bei, und sie verschwinden in der Regel, sie klingen ab nach der Geschlechtsreife, wo eben der astralische Leib dann nachkommt und dasjenige ausgleicht, was da das Ich nicht kann. Das klingt nach und nach ab zwischen dem vierzehnten bis fünfzehnten und zwanzigsten bis einundzwanzigsten Jahre. Es können gerade in dieser Zeit zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife kränkelnde Kinder nachher außerordentlich gesund werden. Das ist etwas, was sehr lehrreich ist zu beobachten. Sie werden oftmals schon gefunden haben, wie kränkelnde Kinder, namentlich solche, bei denen nach außen sehr stark hervortritt das Kränkelnde in den Verdauungserscheinungen, in der unregelmäßigen Verdauung, wie diese dann, wenn sie sorgfältig behandelt werden, später ganz gesunde Menschen werden. Und von einer ganz besonderen Bedeutung ist bei dieser Behandlung dieses, daß man nun hier mit Bezug auf die Diätvorschriften außerordentlich sorgfältig zu Werke geht. Nach dieser Richtung hin kann Großartiges geleistet werden, wenn die Eltern oder Erzieher solcher Kinder, die nach dieser Richtung kränkeln, nicht fortwährend mit allermöglichen reichlichen Nahrungszufuhr dienen, und mit dem fortwährenden Überreden. Da macht man es fortwährend schlechter. Man muß vielmehr versuchen, zu ergründen, was das Kind ganz besonders gut verdaut, was besonders gut übergeht, und das dann in kleineren Portionen bei öfterer Zufuhr, also beim Verteilen des Essens auf eine größere Anzahl von Mahlzeiten, geben. Darauf muß man sehen, damit kann man solchen Kindern eine große Wohltat erweisen. Dagegen glauben, daß man durch Überfütterung und dergleichen etwas erreicht, ist eine ganz falsche Anschauung. Wenn man dann auch noch dafür sorgt, daß solche Kinder keine übermäßigen Schulaufgaben machen und dadurch fortwährend ihren Zustand verschlechtern, wenn man ihnen also richtig die nötige Ruhe gönnt, tut man noch dasjenige dazu, was nun wiederum diese innerlich notwendige Verdauungstätigkeit nur in kleineren Portionen beigebrachter Nahrung ihrerseits fördert. Es wird kaum gegen etwas so stark gesündigt, als gerade gegen dasjenige, was in diesen Andeutungen enthalten ist. Denn man kann durchaus sagen: wird nun dagegen gesündigt, sorgt man nicht in dieser Richtung für eine gesunde menschliche Entwickelung, dann allerdings bleiben von den kränkenden Dingen in diesem Lebensalter alle möglichen Krankheitsdispositionen für das ganze menschliche Leben zurück.“

GA 313, S 71-73

„Nun, die Gefahr, die in diesem, wenn ich so sagen darf, Einkoppeln des Ich in den menschlichen Organismus von unten her besteht, diese Gefahr, sie ist ja wirklich fast für alle Menschen und insbesondere für die Kulturmenschen in unserer Zeit, wenn sie Kinder sind, eine außerordentlich große, und daher muß man eigentlich schon bei jedem Menschen, wenn er nicht gerade aus robustem Bauernblut ist, auf diese Sachen Rücksicht nehmen. Ein gewisser starker Unterschied ist gerade in bezug auf solche Dinge noch vorhanden zwischen dem Bauernblut und, man kann schon sagen, der übrigen Erdenbevölkerung. Denn in dieser Beziehung muß man da den Schnitt machen. Die übrige Erdenbevölkerung neigt sehr stark zu Gefahren hin, die herkommen von diesem mangelhaften Einkoppeln des Ich in den Organismus, der gründlich verdorben wird, bevor dieses Ich sich einkoppeln soll, zu den Gefahren, die bei diesem Einkoppeln des Ich eben auftreten. Vom Atmungssystem aus und auch vom Kopfsystem aus ist gerade das weibliche Geschlecht noch empfänglicher für dieses eigentümliche labile Gleichgewicht, das da ist. Das männliche Geschlecht ist in bezug auf seine Brustorganisation etwas – nicht stabiler – aber robuster noch, also weniger empfindlich. Es können sogar da dieselben Schäden auftreten, aber sie äußern sich weniger. Das weibliche Geschlecht ist gegen alles dasjenige, was da auftritt, empfindlicher, und dasjenige, was ich geschildert habe, was das Suchen nach der richtigen Einkoppelung des Ich ist, das läuft entweder in den gesunden Menschen aus oder in die Bleichsucht. Die Bleichsucht ist die direkte Fortsetzung alles desjenigen, was in anormaler Weise auf diese Art in dem Zeitalter vom siebten Jahre an geschieht. Die Bleichsucht macht sich erst später geltend, aber sie ist eben die Verstärkung all desjenigen, was in dieser Richtung noch unbemerkbar ist in der vorigen Lebenszeit.“

GA 313, S 73/74

„Dabei müssen wir verweisen auf etwas, was außerordentlich wichtig eben ist zu unterscheiden. Wenn wir das Zirkulationssystem betrachten, so müssen wir die eigentliche Zirkulation, die eine Summe von Bewegungen ist, unterscheiden von demjenigen, was mit dieser Zirkulation sich wiederum innig zusammensetzt, was gewissermaßen sich hineinschiebt in diese Zirkulation: das ist der Stoffwechsel. Es ist im Zirkulationssystem eben durchaus die Ausgleichung zwischen dem Stoffwechselsystem und dem rhythmischen System gegeben, während in dem Atmungsorganismus die Ausgleichung zwischen dem rhythmischen Organismus und dem Nerven-Sinnesorganismus gegeben ist. Wenn Sie also diesen mittleren Menschen, diesen Brustmenschen ins Auge fassen, so müssen Sie durchaus beachten, daß dieser Brustmensch nach zwei Seiten hin polarisch organisiert ist. Er ist durch die Atmung nach dem Kopf hin organisiert; er ist durch die Zirkulation nach dem Stoffwechsel-Gliedmaßensystem hin organisiert. Alles dasjenige, was im Stoffwechsel selber ist oder in dem, was mit dem Stoffwechsel innig zusammengeht, in der Beweglichkeit des Menschen, was eine große Wichtigkeit besonders in der ersten oder aufsteigenden Lebenshälfte hat, alles das schiebt sich als Stoffwechselkräfte in die Zirkulationskräfte hinein. Und das, also dieses Hinaufschieben, muß dann wiederum vorrücken. So daß wir eigentlich in dem Prozeß, den ich geschildert habe, es zu tun haben mit einem Vorrücken desjenigen, was das Ich im Stoffwechsel und schon in der Aufnahme der Stoffe, dann in seinem Anfassen der inneren Kräfte der Stoffe bewirkt. Mit einem Hinaufwandern durch Zirkulation und Atmung, bis in das Kopfsystem, haben wir es zu tun, und das muß sich ordentlich organisieren in der angegebenen Zeit zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife. Es muß das Anfassen des Ich an den Kräften der äußeren Stoffe hinaufwandern durch Zirkulation und Atmung bis in das richtige Eingreifen in das Kopfsystem. Das ist eben dieser sehr komplizierte Vorgang, mit dem man sich da zu befassen hat, und diesen komplizierten Vorgang, man kann ihn eigentlich wirklich so studieren, daß man versucht, seine Beeinflussung schon zu erfassen, ich möchte sagen, im äußeren Verdauungstrakt, da wo die Stoffe so sind, daß sie noch dem Äußeren sehr ähnlich sind, wo die Stoffe durch das Innere erst schwach erfaßt sind. Denn was ist die erste Erfassung der äußeren Stoffe? Was macht da das Ich, indem es die äußeren Stoffe zuerst erfaßt?“

GA 313, S 74/75

„Die erste Erfassung der äußeren Stoffkräfte durch das Ich geschieht unter Begleiterscheinungen der Schmecksensation, des Schmeckens, des Verarbeitens der äußeren Stoffe, so daß es sich subjektiv im Schmecken äußert. Das ist das erste Erfassen der inneren Kräfte. Dann geht es weiter nach innen. Aber es setzt sich auch das Schmecken nach innen fort. Der innere Verdauungsorganismus, der also jenseits des Darmes liegt, der dann ins Blut hinüberführt, ist noch immer ein sich abschwächendes Schmecken. Und so geht es eigentlich hinauf, bis in dem Kopforganismus das Schmecken bekämpft wird. Da wird das Schmecken abgelähmt. Und darinnen besteht die Tätigkeit des Kopfes gegenüber dem Schmecken. Der Kopf lähmt das Schmecken ab. Er wendet sich gegen das Schmecken. Dieser Prozeß muß eben ordentlich sein. Dann natürlich ergreift, in die Stoffe weiter hineingehend, das Ich diese Stoffe stärker, als es bloß äußerlich subjektiv im Schmecken der Fall ist.“

GA 313, S 75

„Unter den Begleiterscheinungen desjenigen, was dann, sagen wir, in der Bleichsucht in den glanzvollsten Symptomen zum Vorschein kommt, wie vorher angedeutet, sind all diese Symptome: Müdigkeit, Schlaffheit, mangelhaftes Einschlafen, Aufwachen. Wenn alle diese Symptome auftreten, die bei den meisten Kindern in dem heute angedeuteten Lebensalter auftreten können, dann ist es notwendig, daß man es schon zunächst probiert mit dem äußeren Verdauungstrakt. Da muß man Mineralisches, noch nicht vollständig Mineralisches anwenden. Und da wird man sehen, daß man Wirkungen erzielt. Zunächst könnten diese Dinge beobachtet werden durch Symptome, die sich da einstellen. Da wird man zum Beispiel sehen, daß da starke Symptome auftreten, die alle darauf hinweisen, wie das Ich äußerlich die Kräfte der äußeren Stoffe erfängt, und wie es unterstützt wird in dieser Beziehung durch, sagen wir, kohlensaures Eisen. Kohlensaures Eisen, das ist etwas, was wie das Stützende gegenüber dem Lahmen wirkt, wenn das Ich äußerlich angreifen soll.“

GA 313, S 76

„Gehen wir um eine Stufe weiter und wir haben ein mangelhaftes Eingreifen des Ich in den Zirkulationsorganismus, dann wird es bemerkbar sein, wie dieses mangelhafte Eingreifen des Ich in den Zirkulationsorganismus unterstützt werden kann zum Beispiel durch Ferrum muriaticum, also durch ein schon im reinen Mineralischen gesteigertes Heilmittel.“

GA 313, S 77

„Wenn Sie da von dem Gesichtspunkte aus der Ich-Erfassung des Äußeren richtig ausgehen, dann werden Sie, ich möchte sagen, diejenigen Erscheinungen durchschauen können, die Ihnen symptomatisch entgegentreten. Sehen Sie, wenn Sie auf das rekurrieren, was ich in diesen Tagen gesagt habe, was ich auch sonst schon betont habe: der menschliche Organismus ist einfach nicht das, was wir mit Linien aufzeichnen; das ist ja nur das Feste. Der menschliche Organismus ist im wesentlichen auch organisierte Flüssigkeit, organisierte Luft, organisierte Wärme. Und in diese verschiedenen Glieder der Organisation muß nun auch das Ich eingreifen. Und besonders wichtig und subtil ist auch das Eingreifen des Ich in die Wärmeverhältnisse des Körpers. Das Ich muß in der folgenden Art in die Wärmeverhältnisse des Körpers eingreifen.“

GA 313, S 77/78

„Wir haben zunächst, wenn der Mensch geboren wird, das Abbild des Ich. Ich habe ja gesagt, das Abbild des Ich ist im Kopfe vorhanden. Wir haben das Abbild des Ich. Das wirkt nun im kindlichen Alter. Dazu muß nun das Ich von unten herauf, ich möchte sagen, das Sein geben; das muß da eingreifen. Und das äußert sich darinnen, daß dieses Abbild des Ich, das wir im Kopfe haben, im kindlichen Alter durchaus den Organismus durchwärmend wirkt. Das hat etwas zu tun mit der Durchwärmung des menschlichen Organismus. Aber diese Durchwärmung ist in absteigender Kurve. Diese Durchwärmung ist am stärksten eben bei der Geburt, insofern die Erwärmung vom Kopfe ausgeht, und ist dann in absteigender Kurve. Und wir sind als Menschen genötigt, im späteren Lebensalter dasjenige, was da an der Wärmekurve sich entwickelt, auf seiner Höhe zu erhalten von unten auf durch dieses Eingreifen des Ich in diese Wärmeverhältnisse. Wir müssen später dieser Kurve die andere entgegensetzen, die aufsteigend ist, und die im wesentlichen von dem Erfassen der aufsteigenden substantiellen Kräfte über die Nahrung, der Hinüberleitung in die Zirkulation, in das Atmen und dann in das Kopfsystem abhängt.“

GA 313, S 78

„Nun nehmen Sie an, das geschieht eben nicht ordentlich. Es ist zu schwach, dieses Hinüberleiten der inneren Substanzenkräfte der Außenwelt in den menschlichen Organismus. Nehmen Sie an, das ist zu schwach, das wird nicht in der nötigen Intensität entwickelt, dann führen Sie auf dem Ich-Wege, was ja sein muß, dem Organismus nicht genügend Wärme zu. Der Kopf, der dann die absteigende Kurve nur entwickelt, der läßt den Körper erkalten. Das tritt zuerst an den Peripherien auf. Und bitte, beobachten Sie deshalb, wie diejenigen Personen, die die Fortsetzung haben dieses Erschlaffungszustandes, der eben herrührt von alledem, was ich heute beschrieben habe, das Frösteln an den Händen, das Frösteln an den Zehen haben. Da ist es handgreiflich, denn Sie können es spüren, wie dem Prozeß, der von oben herunter durch das Abbild des Ich sich vollzogen hat in der Kindheit, eben nicht das Notwendige entgegengeführt wird durch das tätige Ich, durch das Ich, das entwickelt werden muß, und das die Wärme bis in die äußerste Peripherie der Glieder bringt. Das ist etwas, was Ihnen zeigen wird, wie man, sobald man sich auf bildhaftes Anschauen verlegt, sobald man darauf Rücksicht nimmt, wie im Menschen ineinanderwirken bis zur Bildhaftigkeit fein die verschiedenen Kräfte oben und untere Kräfte, wie man dann tatsächlich auch in dem, was sich äußert, ich möchte sagen, Bilder hat. In dem Frösteln der Hände, in dem Frösteln der Füße haben Sie Bilder für etwas, was im ganzen menschlichen Organismus vorgeht. Und da tritt es dann auf. Und man lernt die Symptome so zu verwerten, daß einem herausspringt aus den Symptomen die Erkenntnis des ganzen Menschen. Es ist im tiefsten Sinne darauf hinweisend, daß dieses Ich nicht ordentlich im späteren Lebensalter eingreift, wenn der Mensch fröstelnde Hände und Füße hat. Wenn man nämlich solche Dinge beachtet, wenn man überhaupt nur eingeht auf dasjenige, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat aus ihren Voraussetzungen heraus, bekommt man einen Zusammenhang mit dem menschlichen Organismus. Wenn man nicht eingeht, dann wird man sehen, wie man allmählich den Zusammenhang verliert durch dieses Nichtbeachten mit einem wirklichen Durchschauen des menschlichen Organismus. Wenn man aber eingeht auf dasjenige, was die Geisteswissenschaft bieten kann, bekommt man einen Zusammenhang mit dem menschlichen Organismus. Man wächst in ihn hinein.“

GA 313, S 78/79

„Nehmen Sie zum Beispiel das Folgende. Diese Geisteswissenschaft schärft fortwährend ein: In der Aufrichtekraft des Menschen liegt etwas, aber diese Aufrichtekraft hängt wiederum zusammen mit der Entwickelung des Ich von unten nach oben. Dasjenige, was zuerst geschieht, früher, das ist eine Aufrichtekraft, die in einem gewissen Sinne nur äußerlich sich äußert. Sie wird unterstützt von dem, was von oben nach unten strömt. Ist der Zahnwechsel vorüber, hat diese Richtkraft in entsprechender Weise sich verwertet, dann ist Schlußpunkt gemacht mit dieser elementaren Aufrichtekraft, dann geht die Aufrichtekraft gerade an das Innere über, dann muß im Innern der Ausgleich geschaffen werden von unten nach oben und von oben nach unten. Und dann treten in Gegensatz die Kräfte von oben nach unten und von unten nach oben. Und die begegnen sich. In diesem, ich möchte sagen, eindimensionalen Begegnen der Kräfte von oben und der Kräfte von unten kann man besonders sehen, was in diesem Lebensalter vor sich geht. Und nun beobachten Sie, bei was, sagen wir, zur Chlorose neigende Menschen besonders müde werden. Sie werden immer am meisten müde nicht dann, wenn sie in der Horizontalen gehen, sondern dann, wenn sie Treppen steigen. Das weist einen direkt auf diese Erscheinungen hin. Gerade durch das Treppensteigen werden zur Bleichsucht neigende Menschen besonders beschwert. So daß man da wiederum sieht an den Symptomen: in dem, was sich aber lebendig im Werden äußert, kann man erfangen dasjenige, was geistig hinter dem Menschen steht. Dann kann man eben es dahin bringen, daß man, ich möchte sagen, einfach abliest von dem, was man auf diese Weise durch die diagnostizierende Pathologie gewinnt, dasjenige, was man gegen die abnormen Erscheinungen zu tun hat. Davon dann morgen weiter.“

GA 313, S 79/80

„Man kann auf diese Weise sozusagen den ganzen menschlichen Leib nach und nach durchschauen. Man kann ihn durchschauen, wenn man von solchen Betrachtungen noch zu etwas anderem übergeht. Und da werden Sie wiederum etwas ins Auge fassen müssen, was ich jetzt als Ergänzung zu Dingen, die ich im vorigen Jahre vorgebracht habe, hinzufügen möchte.

Es ist ein sehr Eigentümliches, wie das menschliche Ich, wenn wir es jetzt als eben im Menschen spirituell, psychisch, organisch und auch mineralisierend wirksam betrachten, eine Art, ich möchte sagen, Phosphorträger ist. Und zwar entwickelt dieses Ich sein Geschäft des Phosphortragens in der Weise, daß es durchaus mit diesem Phosphortragen bis an die Peripherie des organischen Menschenwesens geht. Das Phosphortragen, das Durchphosphorisieren des menschlichen Organismus ist eine Tätigkeit des Ich. Dieses Phosphortragen bis an die äußerste Grenze, bis an die Peripherie des organischen Menschenwesens, wird nun, ich möchte sagen, von dem Ich in einer außerordentlich kunstvollen Weise ausgeführt, indem bis zu einer gewissen Grenze, die aber notwendig ist einzuhalten, das Ich eigentlich den Phosphor nur tragen kann durch den Organismus, indem es ihn an andere Stoffe angegliedert hat, mit anderen Stoffen chemisch verbunden hat, und es verhindert im wesentlichen, bei diesem Tragen des Phosphors durch den Organismus, das chemische Freiwerden des Phosphors. Das gehört zu den Aufgaben des Ich, dieses chemische Freiwerden des Phosphors zu verhindern bis zu den Spuren des Phosphors, die eben nötig sind dann, wenn dasjenige eintreten soll, was eintreten würde in großem Maßstabe, wenn es dem Ich eben nicht gelänge, eingeführten Phosphor vor seinem Freiwerden zu bewahren. Wenn also der Phosphor sozusagen frei losgelassen würde und eine intensive Wirkung auf den menschlichen Organismus hervorrufen würde, dann wäre nämlich ein ganz besonderer Vorgang die Folge. Ich habe Ihnen gesagt im Verlaufe dieser Vorträge, daß beim Menschen, wenn er hereintritt in die Welt, wenn er also dasjenige, was von ihm vorher geistig-seelisch vorhanden war, verkörperlicht, dann schaffen sich ja zunächst die Abbilder des ätherischen Leibes, des astralischen Leibes und des Ich. Und ich sagte Ihnen: alles dasjenige, was Abbild des Ich ist, liegt eigentlich in dynamischen Systemen, in Bewegungssystemen, die zum Gleichgewicht kommen. Das ist nun etwas, was besonders an dieser Stelle unserer Betrachtungen gründlich berücksichtigt werden muß. Indem das Ich am Entwickeln von Gleichgewichten aus ungleichen Gewichten, aus gestörten Gleichgewichtslagen arbeitet – und wenn ich ausschreite, ist die Gleichgewichtslage gestört, ich muß sie wiederum in Ordnung bringen, aber auch durch innere Vorgänge geschieht dasselbe -, indem das Ich so arbeitet, braucht es den Phosphor. Diese Arbeit wird im wesentlichen mit dem Phosphor ausgeführt.

Wenn das Ich nun nicht so arbeitet, daß es sein Phosphorisieren erschöpft in einem Statisch-Machen der menschlichen Dynamik, dann kommt es mit dem Phosphor heran an dasjenige, was schon von vornherein Abbild des Ich ist, dieses Statisch-Machen des Dynamischen. Nun, ich habe ja darauf aufmerksam gemacht: wir müssen auch den flüssigen Menschen, den luftförmigen Menschen und den Wärmemenschen bedenken. Stellen Sie sich einmal vor, Sie haben es zu tun mit dem flüssigen Menschen und dem, was sich von der Abbildung des Ich, des astralischen Leibes, in dem sich wiederum das Ich abdrückt, herein in den Ätherleib begibt, so handelt es sich darum, daß auch in diesem Ätherleib bewirkt werden muß ein fortwährendes Übergehen eines Dynamischen, eines Nichtgleichgewichtes in Gleichgewicht.“

GA 313, S 91-93

„Nun sind das, was da in Betracht kommt, außerordentlich feine Wirkungen, wirklich recht feine Wirkungen. Und diese feinen Wirkungen werden reguliert dadurch, daß gewissermaßen in einer Art freischwebende und doch wieder mit der ganzen Bewegung des Organismus, auch der inneren Bewegung zusammenhängende Kügelchen im menschlichen Leibe sind. Es sind nämlich die Blutkügelchen. An diese Blutkügelchen muß aufschlagen dasjenige, was das Ich tut, indem es in die Beweglichkeit, auch zum Beispiel in innere Wärmebeweglichkeit hineinspielt. Diese Blutkügelchen, diese Blutkörperchen, die sind also keine Kügelchen, aber sie sind im wesentlichen so geartet, daß sie gerade schon in ihrer Form zeigen, wie sie darauf berechnet sind, Bewegungen in Gleichgewicht überzuführen. Ich möchte sagen: dasjenige, was das Ich tut, indem es in die Bewegungsfähigkeit des menschlichen Organismus hineingreift, das kommt gerade an den Blutkügelchen zur Grenze; und da muß es aufgehalten werden, da muß jene, ich möchte sagen, innigste Wechselwirkung stattfinden zwischen dem menschlichen Ich und dem ganzen menschlichen Organismus. Und da findet auch dann dasjenige statt, was ich nennen möchte den verborgensten Kampf des fortwährenden Phosphorisierens des Menschen mit dem, was im gestaltenden Blutprozesse liegt. Wird nämlich der Phosphor frei in den Menschen hineingetragen, dann werden die Blutkörperchen durch das Phosphorisieren zerstört. Das ist dasjenige, was uns bildhaft hineinführen kann in dieses eigentümliche Wechselwirken des Ich, das ja ein Geistiges, ein durch und durch Geistiges ist, das aber in fortwährender Wechselwirkung steht durch die Blutkörperchen mit einem Physischen. Blut ist auch nach dieser Richtung hin ein ganz besonderer Saft, wie nicht Goethe, sondern ein alter Spruch sagt, es ist Blut ein ganz besonderer Saft, es ist dasjenige, wo das äußere Physische des Menschen in Wechselwirkung tritt zu dem Geistigsten, das er zunächst an sich trägt, zu dem Ich, und wo am meisten Ruinöses auftreten kann, wenn eben das Ich in einer falschen Weise in diese Wechselwirkung eintritt. Daher kann unter einer solchen falschen Wechselwirkung ebenso im Physischen vieles ruiniert werden: Epithelzerfall, fettige Entartung bis in die Muskelfasern hinein, besonders in quergestreiften Muskelfasern, weil die dasjenige sind, auf das das Ich besonders wirksam ist, Auflösung der Blutkörperchen und so weiter. Ja, bis in die Knochen hinein kann im Körperlichen dieser Zerfallsprozeß gehen, wenn die Phosphorwirkungen nicht in Ordnung sind.“

GA 313, S 93/94

„Sie sehen also, der physische Organismus kann, wenn in ihn das Ich eingreift, in stärkstem Maße engagiert werden durch all das, was man nennen könnte Phosphorisieren des Menschen. Dann aber, wenn nun das Ich stark eingreift, also zerstörend eingreift in den physischen Organismus, dann muß notwendigerweise das polarische Gegenteil auch . stattfinden, dann muß dasjenige, was das Ich normalerweise, wenn es nicht zu stark eingreifen würde, im normalen menschlichen Organismus bewirkt, ebenfalls leiden. Daher werden Sie bei einem zu starken Phosphorisieren Zustände der Schlaflosigkeit auftreten haben, die einfach darauf beruhen, daß ein zu starkes Hinstreben von astralischem Leib und Ich stattfindet. Das können Sie ja ablesen aus alledem, was ich gesagt habe: Sie werden Kopfschmerzen finden, alle die, ja meist der Paralyse angehörigen, Zustände treten da natürlich auf nach dem, was ich gesagt habe über die Wechselwirkung mit dem Blute. Und dasjenige, was nun in der Mitte drinnen steht, was also beim Phosphorisieren dann auftritt, wenn, ich möchte sagen, dieses Angreifen der Blutkörperchen vom Ich aus stattfindet, wiederum zurückgeschlagen wird, wenn so ein Pendeln auftritt, so äußert sich das in gelbsuchtartigen Erscheinungen, wie man überhaupt in dem, was gelbsuchtartige Erscheinungen sind, durchaus ein Ineinanderspielen von Psychischem und Physischem zu sehen hat.

Sie sehen aus demjenigen, was ich Ihnen da vorgebracht habe, daß im wesentlichen der Menschenwesensprozeß eigentlich ein Arbeiten des Ich und des astralischen Leibes mit den Kräften der Außenwelt ist, innerhalb des Raumes, den die menschliche Haut umschließt. Es ist ein solches Hineinarbeiten, und man muß richtig ins Auge fassen können, wie dieses Hineinarbeiten reguliert werden kann, wie man gewissermaßen zu einer Art Beherrschung dieses Hineinarbeitens kommen kann.“

GA 313, S 95/96

„Nun, ich möchte sagen, ganz im Trivialen schon gehen ja dann, wenn man diese Anschauung im Hintergrunde hat, gewisse Diätregeln ganz von selber hervor, wenn man weiß, daß, wenn das Ich des Menschen zu stark wirkt, so daß Unregelmäßigkeiten gerade infolgedessen im Magen eintreten, aber zugleich eine Übervitalisierung stattfindet in abnormen Diarrhöen und dergleichen, es ja notwendig ist, nicht wahr, daß man dem auch durch die Diät in entsprechender Weise entgegenwirkt. Es ist eben durchaus so, daß der eigentliche Ich-Prozeß und der Prozeß des astralischen Leibes im Menschen eine Art Analysieren darstellt, ein Zerklüften desjenigen, was in der Außenwelt synthetisch vorhanden ist. Während wir, ich möchte sagen, ein primäres Synthetisieren haben in den physischen und ätherischen Untergründen des menschlichen Organismus, haben wir ein Analysieren in der Ich-Tätigkeit und in der astralischen Tätigkeit, und dieses Analysieren gehört durchaus zu den auch normalen Tätigkeiten des menschlichen Wesens und drückt sich dadurch namentlich in seiner Eigentümlichkeit so stark aus, daß eben in diesem Analysieren entsprechend eingehalten werden muß; wenn das Ich ein zu starker Analysierer wird gegenüber Phosphorsalzen, dann analysiert es eben die Phosphorsalze bis zum Phosphorischen hin, und dann fängt die Analyse an, Unheil im menschlichen Organismus anzurichten. Es ist der Punkt, wo die Analyse am stärksten wirken darf, einer, auf den ich ja schon in den Vorträgen des vorigen Jahres hingewiesen habe, wo bis zum Eisen hin analysiert wird.

Dieses Analysieren bis zum Eisen hin, das zusammenhängt mit dem Eisengehalt des Blutes, ist dasjenige, was das polarische Gegenteil in vieler Beziehung ist mit Bezug auf die Analysierung, gegenüber anderen Metallen, wo immer in einem gewissen Sinne eingehalten werden muß im Analysieren.“

GA 313, S 96

„Die Tätigkeit, welche sich in der Atmung äußert, die zeigt sich nach außen hin auch, und zwar in der Absonderung von Kohlenstoff in der Kohlensäure. Die Tätigkeit aber, welche dabei nach innen ausgeübt wird, die Tätigkeit der Vergeistigung, die ist an den Stickstoff gebunden. Und der Stickstoff wird, wenn er verbraucht ist, eben zur Vergeistigung ausgeschieden. Das Maß der Ausscheidung des Stickstoffes ist ein Maß für das innere Arbeiten der menschlichen Organe nach der Geistigkeit hin. Sie können daraus entnehmen, daß derjenige, der an eine solche Geistigkeit nicht glaubt, selbstverständlich auch über die Aufnahme des Stickstoffes im menschlichen Organismus nur im Unklaren bleiben kann. Erst wenn man dieses weiß, wie in jeder Eiweißbildung, in jeder Eiweißgestaltung eine nach außen gehende und eine nach innen gehende Tätigkeit sich entfaltet, erst dann kann man sich eigentlich darüber klar werden, welche Rolle die Ernährung spielt. Wenn Sie diesen Prozeß, der ja im wesentlichen ein Atmungsprozeß mit seinen polarischen Gegenseiten ist, ins Auge fassen, dann werden Sie sagen: Überall grenzt dasjenige, was Ernährung und Verdauung ist, an die Atmungsprozesse an, überall wird entgegengebracht der Ernährung und Verdauung der Prozeß des Atmens und Vergeistigens. In diesem Prozeß des Vergeistigens, also in der anderen Seite der Atmung, da liegt dasjenige, was gestaltende, eigentlich plastische Kräfte in der Eiweißbildung sind, da liegt alles dasjenige, was den Menschen gestaltet. Daraus werden Sie auch das Folgende entnehmen können: Es ist im wesentlichen dasjenige, was da wirkt, hinweisend auf eine Wechselwirkung zwischen dem astralischen Leib und dem Ätherleib. Der astralische Leib wirkt in der Atmung durch Sympathie und Antipathie; der Ätherleib wirkt, indem er mit seinem Wirken auf die Sympathien und Antipathien des astralischen Leibes stößt. Überall stößt der Ätherleib mit seinen Wirkungen auf die Atmung im menschlichen Organismus. Die Ätherwirkungen haben ihren Hauptangriffspunkt beim Menschen in den flüssigen Bestandteilen. Der Mensch ist ja zu zwei Dritteln wenigstens aus Wasser bestehend. In diesem Wasserorganismus, wo der Ätherleib vorzugsweise tätig ist, in diesem Wasserorganismus äußern sich physisch die Ätherkräfte. Im anderen Organismus, der ein Luftorganismus ist, der aus der Luft heraus eingebaut wird dem Menschen, äußern sich die Kräfte der Atmung. Und so können wir auch dasjenige ansehen, was zwischen astralischem Leib und Ätherleib vor sich geht als eine Wechselwirkung der Wasserkräfte mit den Luftkräften. Diese Wechselwirkung der Wasserkräfte mit den Luflkräften findet im menschlichen Organismus fortwährend statt. Natürlich ist auf keiner Seite das andere vollständig unterdrückt. Daher atmet der Mensch auch immer mit der Luft Spuren von Wasserdämpfen ein. Da schlägt auf die Seite des Atmens die Ätherität hinüber. Ebenso schlägt in die eigentlichen Verdauungs- und Ernährungsorgane die Atmungstätigkeit hinüber. Sie sind, insofern sie auch aus Eiweiß gebildet sind, auch Atmer. Also es schlägt immer das eine in das andere hinüber, und wir haben es eigentlich nie mit etwas anderem zu tun, als mit einem Prädominieren der einen oder der anderen Tätigkeit in irgendeinem Organ. Wir haben es niemals zu tun mit dem, was wir nur in einseitiger Weise beschreiben können. Wenn wir von irgendeinem Organ behaupten, es sei ausschließlich Atmungsorgan etwa, wenn wir das von der Lunge behaupten, dann sagen wir etwas Falsches. Es ist immer auch, wenn auch in geringerem Grade, die andere Tätigkeit darinnen. Die Ernährung verläuft vorzugsweise nun durch eine Tätigkeit, die sich ausprägt im Ätherisch-Flüssigen und im Physisch-Festen. Also das Hauptsächlichste der Ernährungs- und Verdauungstätigkeit wickelt sich ab im Ätherisch-Flüssigen und im Physisch-Festen, das Hauptsächlichste der Atmungstätigkeit wickelt sich ab im Astralisch-Luftförmigen, und das Hauptsächlichste der Ich-Tätigkeit, der eigentlichen geistigen Tätigkeit, wickelt sich ab in den Wärmeverhältnissen im Zusammenhange eben mit dem Ich. Die geistige Tätigkeit ist im physischen Organismus ein Zusammenwirken des Ich mit den Wärmeverhältnissen, mit all denjenigen Organisationen, wo in das Physische die Wärme hineinwirken kann. Das Ich muß es immer mit der Wärme halten, muß immer von der Wärme aus wirken. Wenn wir einen Kranken ins Bett legen und ihn zudecken, so bedeutet das eben nichts anderes, als daß wir einen Appell an das Ich richten, der darin sich ausdrückt, sich der zustande gekommenen Erwärmung in entsprechender Weise zu bedienen.“

GA 313, S 103-105

„Wenn man diesem Kopfwerden der Lunge entgegenwirken will, so muß man sich vor allen Dingen überlegen, daß da ein Erschlaffen der astralischen Tätigkeit vorliegt, die stattfinden muß, und ein Zustarkwerden derjenigen Tätigkeit, welche die Ich-Tätigkeit ist. Also die Ich-Tätigkeit fängt an, die astralische Tätigkeit zu überwinden. Und dem muß man beikommen. Alles dasjenige, was die Ich-Tätigkeit besonders anregt, ist ja gerade die Sinnesaufnahme von außen. Was aber Sinnenaufnahme von außen ist, setzt sich nach dem ganzen menschlichen Organismus hinein in den Salzablagerungen fort. Die werden nicht in der richtigen Weise reguliert bei demjenigen, der Neigung zur Lungenschwindsucht zeigt. Daher muß man von dieser Seite zu Hilfe kommen und muß versuchen, im rechten Augenblicke mit recht starken Salzeinreibungen demjenigen entgegenzuwirken, was die Lunge nicht mehr vermag: Salzeinreibungen, von außen appliziert, werden entgegenwirken den Verhärtungsprozessen, die sich von innen heraus bilden.“

GA 313, S 109/110

„Gehen wir davon aus, daß es sich insbesondere an der Pflanze studieren läßt, wie die Wechselwirkung der Umgebung des Menschen und des Menschen selber ist. Man wird auch gerade dadurch, daß man die Prozesse zunächst an dem Pflanzlichen sich zu eigen macht, dann den richtigen Einblick in die Fortsetzung der Mineralisierungsprozesse in das Innere des Menschen bekommen können. Wenn man eine solche Erwägung anstellt – und das geht ja natürlich aus alledem hervor, was wir wiederum in den letzten Tagen auch betrachtet haben -, muß man sich klar sein darüber, daß in dem ganzen Pflanzenbildungsprozeß, in dem Gestaltungsprozeß nach Wurzeln, Blättern, Blüten, Samen und so weiter etwas liegt, was aus dem ganzen Kosmos heraus sich gestaltet, und daß man diesen Prozeß, der im besonderen hintendiert zum Pflanzengestalten, auch zum inneren Pflanzengestalten, nicht durch eine künstliche Synthese etwa bloß, also durch eine chemische künstliche Synthese ersetzen kann. Mindestens in den allerwenigsten der Fälle kann man ihn in dieser Weise ersetzen. Man muß sich zum Beispiel über das Folgende klar sein. Wenn man es mit der Wurzel der Pflanze zu tun hat, dann hat man es mit demjenigen zu tun, was im Pflanzengestaltungsprozesse an die mehr oder weniger inneren Oberflächenkräfte der Erde gebunden ist. Der Mensch ist nun geistig-seelisch ein Wesen, das pflanzenartig von oben nach unten wächst. Sein Haupt birgt viele derjenigen Kräfte, die in Wechselwirkung stehen mit den Kräften der Erde selbst, und es ist eine tiefe Verwandtschaft desjenigen, was in der Pflanze wurzelhaft sich gestaltet, zu all demjenigen, was die Kräfte des menschlichen Hauptes sind. Man wird also immer, wenn man sich aufzuklären hat über den Prozeß, der sich im Wurzelhaften der Pflanze abspielt, zu denken haben, daß dieser Prozeß im Wechselverhältnis steht zum menschlichen Haupte. Wir wollen jedoch einmal an Einzelheiten die Erwägungen anstellen, damit Sie sehen, wie man solche Erwägungen anzustellen hat. Betrachten wir einmal einfach, sagen wir, die Wurzel des Enzians, Gentiana lutea, und sagen wir uns das Folgende: Der Enzian, er ist eine Pflanze, welche sich nach außen sehr stark blütenhaft äußert. Wir werden also in der Wurzel Kräfte haben, welche sich schon sehr stark nach dem Blütenhaften zu ziehen. Mit anderen Worten, diese Wurzelkräfte sind etwas schwach. Es wird vom Enzian viel ausgegeben nach dem Blütenhaften und Blätterhaften hin. Dennoch aber zeigt die ganze Formung der Blüte, daß das Wurzelhafte noch stark vorhanden ist. Wir werden also nicht unbedingt rechnen können darauf, daß der Enzian eine starke Wirkung auf dasjenige ausübt, was in der menschlichen Organisation vom Kopf als unmittelbar Kopfmäßiges ausgeht, nämlich als physische Außenwirkungen, sondern wir werden von ihm zu erwarten haben, daß er vorzugsweise auf dasjenige wirkt, was vom Kopfe aus als atmungfördernd wirkt. Und da immer im Organismus polarisch gewirkt wird, so haben wir uns vorzustellen, daß vorzugsweise die Verdauungsorgane selber in ein stärkeres Atmen in dem gestern ausgesprochenen Sinne kommen, wenn wir die Wurzeln des Enzian verwenden. Wir regen also Magen und Darm zu einer regen Atemtätigkeit an, müssen uns aber jetzt überlegen, was wir erfahren haben in diesen Vorträgen, daß zur Anregung dieser Atmungstätigkeit die pflanzliche Substanz weiter verarbeitet werden muß. Das heißt, wir müssen die Wurzeln abkochen. Wir müssen die Abkochung der Wurzeln verwenden. Sie sehen, man kann das Ganze richtig durchgehen. Nun geht man zunächst etwas aufs Äußere. Man sagt sich, die Enzianwurzel hat einen bitteren Geschmack, einen starken Geruch, das ist also etwas, was auf das Astralische sehr stark wirkt. Wir haben es also zu tun mit einer Wirkung auf die astralische Wesenheit in den Verdauungsgebieten des Menschen. Nun aber ist die Enzianwurzel zuckerhaltig. Sie werden sich erinnern, daß ich wiederholt bei verschiedenen Anlässen darauf hingewiesen habe, wie in der Zuckerverarbeitung beim menschlichen Organisationsprozeß eine starke Anregung der Ich-Tätigkeit liegt. Das können Sie ja auch äußerlich statistisch, sagte ich, öfter studieren daran, daß zum Beispiel Völker, welche wenig Ich-Tätigkeit haben, wie die östlich-europäischen, die russischen Völker, bei denen das Ich zurücktritt, eine sehr geringe Zuckermenge in ihrem jährlichen Verbrauch als Volk haben, während bei den Engländern, bei denen das Ich eine außerordentlich rege Tätigkeit entwickelt, also überhaupt je weiter wir nach Westen kommen, der Zuckerverbrauch desto stärker in den Statistiken auftritt. Also solche Dinge sind durchaus zu berücksichtigen, wenn man überhaupt zu einer Erkenntnis in der Welt kommen will.“

GA 313, S 115-117

„Dann ist aber die Enzianwurzel reich an fetten Ölen. Fettes Öl, das ist dasjenige, was nun wiederum, ich möchte sagen, wenn es in die Verdauung übergeht, stark auf die untere Atmung wirkt, denn es stärkt das fette Öl die Beweglichkeit, die innere Beweglichkeit von Magen- und Darmorganen. So also sehen Sie, wie man sich förmlich beschreiben kann, was da im menschlichen Organismus vor sich geht, und man merkt ja gleich, daß die astralische Tätigkeit angeregt wird, daß also die Atmungsbeweglichkeit des Magens und des Darmes angeregt wird. So daß man sich sagen kann: Der Darm entwickelt eine regere Tätigkeit, der Magen wird gestärkt. Es wirkt das Ganze so ein, daß dasjenige zustande kommt, was überhaupt bei einer Stärkung des astralischen Leibes zustande kommt. Es wirkt das Ganze so, daß Mineralisierungsprozesse nur bis zu dem Grade im Menschen auftreten, der die Organe verfestigt und sie dadurch stärker macht. Das ist die leise Einwirkung des Ich durch den Zucker, der da auftritt. Man könnte also sagen: Wenn man die Abkochung der Enzianwurzel verwendet, so bringt man den astralischen Leib in rege Tätigkeit, und durch den Zuckergehalt der Wurzel läßt man das Ich nachhelfen. Dadurch allerdings, weil das Ich nachhilft, steht eine Gefahr da. Denn wenn das Ich unten wie peitschend nachwirkt, so entsteht wiederum polarisch die Reaktion im Kopfe, und man kann bemerken, daß solche Patienten dann allerdings als Nebenwirkung Kopfschmerzen erhalten werden. Aber es ist dennoch etwas, was durchaus nach allen diesen Richtungen wirkt, die ich gesagt habe. So haben wir da eine im wesentlichen antreibende, anregende Darmtätigkeit, und wir werden daher solch ein Mittel verwenden entweder für sich oder in irgendeiner Kombination, wenn wir merken, daß die Krankheitserscheinungen zusammenhängen mit Appetitlosigkeit, Dyspepsie zum Beispiel, namentlich aber dann, wenn Unterleibsstockungen da sind. Wir können auch durchschauen, wie durch diese Tätigkeit von Magen und Darm der Stoffwechsel überhaupt angeregt wird. So daß also der Stoffwechsel innerlich gewissermaßen aufgeregt wird und ein regsamer wird, und wir können dadurch noch wirken auf die Tendenzen nach Gicht und Rheumatismus. Außerdem werden wir in der Enzianwurzel sachgemäß etwas verwendet haben, was sich, wenn auch in einem nicht sehr starken Grad, aber dennoch als fieberfeindlich erweist. Denn dadurch, daß die Darmtätigkeit untergraben ist, wird die Reaktion im oberen Menschen hervorgerufen, und vom oberen Menschen geht dann die Fiebertätigkeit aus. Wenn wir also den unteren Menschen stärken, ein Gegengewicht dem oberen Menschen schaffen, so haben wir ihm etwas Fieberfeindliches zugeführt.“

GA 313, S 117/118

„Betrachten wir, weil ja diese Wurzelbetrachtung von ganz besonderer Bedeutung ist, noch eine Wurzel und nehmen wir als Beispiel die Iris germanica, die Schwertlilie. Machen wir auch da die Wurzelauskochung. Nun, bei der Schwertlilie haben wir es mit etwas zu tun, was schon durch seine äußere Offenbarung zeigt, daß es stark auf das Ich wirkt. Der widerliche Geruch und der bittere Geschmack sind etwas, was sogleich verrät, daß wir es da mit etwas zu tun haben, wo das Ich in starke physische Wechselwirkung mit der Außenwelt tritt. Wir haben in der Schwertlilienwurzel nun aber auch etwas, was diese physische Tätigkeit recht sehr anregt, nämlich Gerbsäure. Wir haben wiederum etwas darinnen, was auf die Ich-Tätigkeit wirkt: Stärkemehl. Und wir haben endlich etwas, was durch seine physische Wirkung überall wirkt, wo es hinkommt, wenn es dazu angeregt wird: wir haben Harze in der Schwertlilienwurzel. Durch das alles wird das Ich in eine besonders rege Tätigkeit versetzt. Und diese rege Tätigkeit des Ich, dieses Treibende des Ich, kann man daran bemerken, daß die Urintätigkeit und eine gewisse purgierende Wirkung auftreten. Das sind die äußeren Offenbarungen desjenigen, was die Ich-Tätigkeit ist. Und dasjenige, was wir bekämpfen können, ergibt sich dann einfach, wenn wir uns fragen: Wem allem ist der menschliche Organismus ausgesetzt, wenn das alles nicht in Ordnung ist? Dann ergeben sich Wassersucht und ähnliche Erscheinungen, und wir haben in der Schwertlilienwurzel-Auskochung daher etwas, womit wir versuchen sollen, wassersuchtähnliche Zustände und auch die Wassersucht selber zu bekämpfen.“

GA 313, S 120/121

„Das sind die Betrachtungen, die man anstellen muß, wenn man dazu kommen will, das Äußere in seiner Stoffwirkung im Inneren zu beachten. Nehmen Sie also an, man versucht es mit mineralisch-metallischen Heilmitteln. Man wird dann dasjenige, was man schon an der Wirkung des Pflanzlichen gelernt hat, ganz besonders leicht durchschauen können. Aber man wird sich noch etwas sagen können. Man wird sich sagen können: Es ist etwas mit dem Mineralischen vor sich gegangen, indem das Mineralische in den Pflanzenprozeß hinein sich schon fortgesetzt hat. Und dasjenige, was da vor sich gegangen ist in der Mineralisierung und Durch-Vegetabilisierung, das ist ein Umformen der mineralischen Kräfte. Es beruht also etwas im Heilungsprozeß auf der Umformung der mineralischen Kräfte. Nehmen Sie also an, wir richten uns eine Krankenheilstätte ein, umgeben sie mit Land und düngen gewissermaßen das Land mit verschiedenen mineralischen Dingen und lassen nun einen Boden wirksam sein, von dem vor unserer Kenntnis offenliegt, was er eigentlich enthält, bauen dort verschiedene Pflanzen an, von denen wir uns sagen, wir verwenden Wurzel, Kraut, Frucht und so weiter, so haben wir den Prozeß selber in der Hand, der darinnen besteht, daß uns die Pflanze das Mineral zum Heilmittel umwandelt. Man kann das dann wiederum verstärken, indem man solche Pflanzen entstehen läßt, man kann sie schon als solche Pflanzen dann in der Weise behandeln, wie wir das eben jetzt besprochen haben. Das wollen wir in unserem Stuttgarter Institut auf der einen Seite tun; so muß es also auch eingerichtet sein. Man kann aber dann noch weiter gehen. Man kann nun dasjenige, was man da an der Pflanze selber nun schon gewonnen hat als ein Heilmittel, das kann man nun wiederum als eine Art Düngemittel verwenden und dann die Kraft noch verschärfen. Man wird da etwas bekommen, was die gewöhnliche physische Verreibung in einem wesentlichen Grade wirksamer macht, also in etwas verwandelt, was in einem wesentlichen Grade wirksam ist, indem man gewissermaßen die Formung, die Zubereitung der Natur selber und den in der Natur wirkenden Kräften dadurch übergibt. Man wird sich natürlich dann auch über Folgendes weiter klar sein müssen. Man wird sich zum Beispiel sagen: Wenn also ein mineralisch-metallisches Mittel wirken soll, wie muß es denn wirken? – Die Salze, die übrigens auch mineralische Mittel sind, erzeugen schon mehr die Wirkung nach dem Innern des Menschen. Die peripherischesten Tätigkeiten aber werden beeinflußt gerade von den mineralisch-metallischen Substanzen, die sozusagen am konsistentesten sind. Da werden wir eine Erwägung anzustellen haben, aber immer wie gesagt aus den Untergründen geisteswissenschaftlicher Erkenntnisse heraus, sonst zersplittern die Gedanken nach allen möglichen Irrwegen hin. Die geisteswissenschaftlichen Gedanken sind diejenigen, die ein solches Denken in die richtige Richtung bringen. Wir können, sagen wir, irgendein Metall haben: wir wissen, ein solches Metall ist sehr schwach angreifbar von dem Innern des menschlichen Organismus aus. Da muß schon die Ich-Tätigkeit sehr angeregt werden, denn das Ich ist es, das gewissermaßen hinuntergreift, hineingreift in das Innere der Substanz, das Innere der Substanz seinem Zwecke gemäß anordnet und dann in dem Organismus eben zur Ich-Tätigkeit aufruft. So daß wir, weil das Ich sich in dieser Tätigkeit verstärken lassen kann durch den astralischen Leib, so daß wir, wenn wir Metalle anwenden, Mineralien anwenden, dann immer sehen müssen, daß wir die Ich-Tätigkeit oder die astralische Tätigkeit, die dann wieder zurückwirkt auf das Ich, oder die Wechselwirkung von astralischer Tätigkeit und Ich-Tätigkeit, anregen. Solch eine Anregung kann zum Beispiel in folgender Art geschehen: Wir machen eine Metallsalbe, streichen sie auf. Wir streichen sie auf, sagen wir, bei einem Hautausschlag. Wir regen damit peripherisch die Ich-Tätigkeit an. Diese Ich-Tätigkeit wird durch Reaktion im Innern des Menschen ebenso angeregt; es entsteht zunächst im Innern des Menschen verschärfte Nerven-Sinnestätigkeit in irgendeinem Organ, und von da aus verschärfte Atmungstätigkeit, indem das auf das Astralische übergeht. Und wir bekommen eine Wirkung derjenigen Kräfte im Innern heraus, die dem Hautausschlag entgegenwirken. Wir rufen den ganzen Körper auf, um dem Hautausschlag entgegenzuwirken.“

GA 313, S 128-130

„Sehen Sie, wir mußten sagen, daß in der Kopfbildung des Menschen, oder besser gesagt von der Kopfbildung ausgehend beim Menschen eine physische Wirksamkeit vorliegt, dann aber ein ätherisches Abbild, ein astralisches Abbild, ein Ich-Abbild. Das Ich bildet sich im wesentlichen in dem Bewegungssystem ab, haben wir gesagt. Nun auf dieses Ich-Abbild und in Verbindung mit dem astralischen Abbild wirkt ganz besonders ein dasjenige, was Bleiwirkung ist. Bei der Bleiwirkung haben wir es im wesentlichen zu tun mit einer außerordentlich verborgenen Naturgewalt, und für die okkulte Beobachtung ist das Erfahren der Bleiwirkungen von einer ganz außerordentlich tiefen Bedeutung. Die Bleiwirkungen sind nämlich außerordentlich wichtig für die menschliche Wesenheit, bevor sie sich überhaupt anschickt, herunterzusteigen in das physische Leben. Da kommen die Bleiwirkungen ganz besonders in Betracht. Das Blei hat ja nicht nur diejenigen Wirkungen, die uns bekannt sind, sondern das Blei hat im wesentlichen auch die polarisch entgegengesetzten Wirkungen. Und diese polarisch entgegengesetzten Wirkungen, die strahlen gewissermaßen vom Kosmos herein, während die uns bekannten Wirkungen in den Kosmos von der Erde hinausstrahlen. So daß man sie schematisch so darstellen könnte: Wenn das die Erdoberfläche ist, gehen die uns bekannten Bleiwirkungen von der Erde nach auswärts (s. folgende Zeichnung, Pfeile); diejenigen Wirkungen, welche die polarisch entgegengesetzten sind, die strömen von allen Seiten ein, haben keinen Mittelpunkt für ihre Ausstrahlungen, sind keine zentralen Kräfte, sondern sind von der Peripherie herein wirkende Kräfte (rot). Diese Peripheriekräfte haben es besonders zu tun mit der Bildung des Geistig-Seelischen im Menschen, und ihr Bereich muß eigentlich verlassen sein, im wesentlichen verlassen sein, wenn der Mensch sich anschickt, in die irdische Sphäre herunterzusteigen. Daher wird in der irdischen Sphäre das Blei aufgerufen zu seinen entgegengesetzten Kräften, die dann die vergiftenden Kräfte sind. Und das ist überhaupt ein universelles Geheimnis, auf das man nicht genug achten kann, daß alles dasjenige, was mit dem Seelisch-Geistigen des Menschen räumlich im Zusammenhang steht, wovon man also überhaupt sprechen kann in bezug auf den Raum, im menschlichen Organismus Gift ist. So daß also eigentlich daher geholt werden muß die Bedeutung des Gift-Begriffes. Wir haben es deshalb zu tun mit einer starken Anspornung, Anregung, geradezu Aufpeitschung dieser Ich-abbildenden Kräfte in der menschlichen Natur. Und alles dasjenige, was bei Bleivergiftungen auftritt, das tendiert eigentlich dahin, das Gebilde des Menschen, insofern er ein Ich ist, gründlich zu zerstören, ihn zu entmenschen. Es ist so, daß nun tatsächlich alle möglichen Symptome, die alle darauf hinauslaufen, daß man eigentlich allmählich körperlich ins Nichts übergeht – natürlich stirbt man vorher – bis auf das Versagen der Stimme und so weiter, bis zu Ohnmachten und Betäubung und so weiter, bezeugen, daß da die eingeborenen Bildungskräfte des Menschen eben gründlich zerstört werden. Nun wiederum ist – Sie sehen, es wird von dem oberen Menschen aus zerstört dasjenige, was menschliche Bildung ist – dieser obere Mensch polarisch entgegengesetzt dem unteren Menschen. Was im oberen Menschen in großen Quanten zerstörend wirkt, wirkt in kleinen Quanten, in Verdünnungen vom unteren Menschen aus aufbauend.“

GA 313, S 134-136

„Nun werden Sie sagen: Aber wir haben doch unser Ich. Unser Ich ist mit uns alt geworden. Unser astralischer Leib, unser Denken, Fühlen und Wollen sind auch mit uns alt geworden. Wenn einer sechzig Jahre alt geworden ist, so ist doch sein Ich auch sechzig Jahre alt geworden. – Wenn wir in dem Ich, von dem wir täglich reden, unser wahres, unser wirkliches Ich vor uns hätten, dann wäre der Einwand berechtigt. Aber wir haben in dem Ich, von dem wir täglich reden, gar nicht unser wirkliches Ich vor uns, sondern unser wirkliches Ich steht am Ausgangspunkte unseres Erdenlebens. Unser physischer Leib wird, sagen wir sechzig Jahre alt. Er spiegelt zurück, indem durch den Ätherleib die Spiegelung vermittelt wird, immer von dem betreffenden Zeitpunkt, in dem der physische Leib lebt, das Spiegelbild des wahren Ichs. Dieses Spiegelbild des wahren Ichs, das wir in jedem Augenblicke von unserem physischen Leibe zurückbekommen, das in Wahrheit von etwas herrührt, das gar nicht ins Erdendasein mitgegangen ist, sehen wir. Und dieses Spiegelbild nennen wir unser Ich. Dieses Spiegelbild wird natürlich älter, denn es wird dadurch älter, daß der Spiegelapparat, der physische Leib, allmählich nicht mehr so frisch ist, wie er im frühen Kindesalter war, dann zuletzt klapperig wird und so weiter. Aber daß das Ich, das eigentlich nur das Spiegelbild des wahren Ichs ist, sich auch als alt zeigt, kommt nur davon, daß der Spiegelungsapparat nicht mehr so gut ist, wenn wir mit dem physischen Leibe alt geworden sind. Und der Ätherleib ist das, was sich nun von der Gegenwart immer so hindehnt, wie perspektivisch, nach unserem wahren Ich und nach unserem astralischen Leib, die gar nicht in die physische Welt heruntergehen.

Deshalb sehen wir, wie ich das in den öffentlichen Vorträgen jetzt schilderte, dieses ganze Tableau des Ätherleibes oder Zeitleibes. Das ist dasjenige, was sich da ätherisch ausbreitet zwischen unserem gegenwärtigen Augenblick, den nur der physische Leib mitmacht, und unserem Ich, das eigentlich niemals der physischen Erdenwelt vollständig angehört, sondern immer zurückbleibt, wenn wir uns so ausdrücken dürfen, in den Himmelswelten. Es verfließt im Grunde genommen unser Erdenleben so, daß wir mit unserem wahren Ich und mit unserem astralischen Leib bei unserem Erdenanfange stehenbleiben, daß wir eigentlich durch diese beiden Glieder unseres Menschenwesens das Erdenleben initiieren, den Anfang dadurch machen, und daß wir dann durch den Ätherleib immer die Kräftereihe sehen bis zum physischen Leibe, der in der richtigen Weise älter wird. Das ist die richtige, die wahre Vorstellung, welche man haben muß, wenn man in diese Dinge eindringen will.“

GA 226, S 14/15

„Ich kann Ihnen verraten: durch das Ich verderben wir sogar sehr häufig unsere Gedanken. Wir denken nämlich meistens viel gescheiter, wenn wir nicht dabei sind in der Nacht. Sie mögen mir das glauben oder nicht, aber es ist so. Die meisten Menschen haben ein viel gesünderes Urteil über die Dinge des Lebens in der Nacht als bei Tag. Wenn der Ätherleib, der mit den Gesetzen des Kosmos in Harmonie steht, allein denken kann, wenn der Mensch nicht die Gedanken verdirbt, dann denkt der Mensch meist gesünder, als wenn er mit seinem Ich die Gedanken durcheinanderpuddelt. Das tut er bei Tag nämlich sehr häufig.“

GA 226, S 70/71

„Wenn wir nun mit dem Ich und mit dem astralischen Leibe draußen sind aus dem physischen Leibe und dem Ätherleibe, da weben wir aber unser Zukunftskarma. Das, was da als Ich und als astralischer Leib draußen webt und lebt vom Einschlafen bis zum Aufwachen, muß durch die Pforte des Todes gehen, in die übersinnliche Welt eingehen. Wenn auch das Astralische sich später dann in das Ich einfügt und das Ich dann mit anderer Substanz das allein durchmacht, aber dennoch: dasjenige, was da draußen außer dem physischen und dem Ätherleibe im Schlafzustande webt, das muß durch die Pforte des Todes gehen und den Weg durchmachen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durch alle die Zustände, die ich Ihnen in diesen Tagen beschrieben habe. Und Sie wissen aus dieser Beschreibung, daß da das Ich durchgeht durch die Arbeit, die es mit den andern Wesen der höheren Hierarchien macht, um in der Zukunft wiederum einen physischen Menschenleib, jetzt im Geistkeim, vorzubereiten. Das erfordert das Sich-Einleben in eine tiefe Weisheit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, einer Weisheit, in der man nur leben kann, wenn man in einer geistigen Tätigkeit zusammenlebt mit den Wesen der höheren Hierarchien.“

GA 226, S 71

„Aber der Mensch wäre niemals ein freies Wesen geworden, ein unabhängiges Wesen, wenn er nicht in seinen Körper hineingewachsen wäre in diesen Zeiten. Frei konnte der Mensch in der Entwickelung nur dadurch werden, daß sich ihm der Blick nach dem Vorirdischen verdunkelte, daß er gewissermaßen ganz verlassen in dem Hause seines physischen Leibes einmal auf der Erde stehen konnte. Dadurch glänzte und leuchtete sein selbständiges Ich auf. Denn das Aufleuchten dieses selbständigen Ichs kann gerade dadurch kommen, daß man ganz und gar in seinen physischen Leib hineinwächst. Wenn man in geistig-seelische Welten hinaufwächst, dann tritt das Ich zurück, dann geht man in das objektiv Geistig-Seelische auf. Ein freies Ich-Wesen konnte der Mensch nur werden, wenn ihm die Impulse der Götter gegeben waren, zusammenzuwachsen immer mehr und mehr mit seinem physischen Leibe. Dann aber mußte das Rätsel des Todes einmal auftreten, weil der physische Leib dem Tode verfallen mußte. Wenn die Menschen nicht auf eine andere Weise den Ausblick erhalten hätten, dann wäre über die Menschen auf der Erde die Überzeugung immer mehr und mehr gekommen: Wir sterben hin mit unserem physischen Leibe auch als Seelen. – Und wir wären heute allerdings schon angekommen, wenn nun nichts anderes eingetreten wäre, wenn der geradlinige Fortlauf der Geschichte sich nur vollzogen hätte, bei der allmenschlichen Überzeugung, daß mit dem Leibe sich auch die Seele ins Grab legt.“

GA 226, S 88/89

„Da beschlossen die göttlich-geistigen Mächte, das hohe Sonnenwesen, den Christus, auf die Erde herunterzuschicken, damit die Menschen, die nicht mehr ein Wissen von ihrer Gemeinschaft mit dem Christus im vorirdischen Dasein hatten, ein Bewußtsein von ihrer Gemeinschaft mit dem Christus haben können, der nun auf die Erde zu ihnen heruntergestiegen ist und ihr Menschenschicksal in dem Leibe des Jesus von Nazareth auf Golgatha und in Palästina überhaupt mitgemacht hat. Der Gott stieg herunter auf die Erdenwelt in dem Augenblicke der weltgeschichtlichen Entwickelung der Menschheit, wo die Menschen ihr Zusammengehörigkeitsgefühl für das Sonnenwesen jenseits der Erdenwelt verloren hatten.

Warum kam der Christus auf die Erde herunter? Weil die Menschen ihn jetzt auf Erden brauchten, wo sie ihr Bewußtsein zum völligen Ich-Bewußtsein durchgerungen hatten, wo sie auf der Erde erfahren mußten, daß es den Sieger über den Tod gibt, daß es den Sieger gibt, der sterben kann und wieder auferstehen. Dieses Mysterium mußte in der Geschichte vor die Menschen in dem Zeitalter hingestellt werden, in dem die Menschen nicht mehr in das vorirdische Dasein hinauf schauen konnten, um da zu erschauen ihre Gemeinschaft mit dem Unsterblichkeitsgeber für die Menschen, mit dem Christus.“

GA 226, S 89

„Denn wenn wir heute – ganz mit Recht geschieht das – in uns selbst hineinblicken, wenn wir auch auf dasjenige blicken, was wir als Erinnerungsvorstellung haben, wenn wir auf das blicken, was wir erlebt haben, was finden wir in uns? Wir finden unser Ich, unser Ich mit seinen Erlebnissen. Wenn der alte Mensch, namentlich Tausende von Jahren vor dem Mysterium von Golgatha, in sich hineingeblickt hat, dann hat er nicht sein Ich gefunden. Er hat nicht gesagt: Ich habe vor zehn Jahren, vor zwanzig Jahren dies oder jenes erlebt-, sondern gerade in der Erinnerung wurde ihm klar, daß er sagen mußte: Die Götter haben mich dieses oder jenes erleben lassen. – Und der Mensch hat nicht gesagt: Ich in mir -, sondern er hat gesagt: Der Gott in mir. – Gerade dadurch, daß er mit seinem physischen Leibe, mit seinem Ätherleibe, mit seinem astralischen Leibe draußen die Naturvorgänge spirituell miterlebt hat, gerade dadurch, daß er verwandter, daß er vertrauter war mit der Natur, sagte er: Der Gott in mir erlebt die Welt.

Heute ist der Mensch nicht mehr vertraut mit der Natur. Er verschafft sich Kenntnisse von der Natur durch seinen Intellekt. Dadurch bekommt er aber nur Kenntnis von der toten Natur. Er erlebt die Natur nicht mehr mit. Dadurch ist er fähig geworden, so recht innig zu sich Ich zu sagen, ein freies Ich-Wesen zu sein.“

GA 226, S 99

„Das hat besonders stark Paulus empfunden, als er das Ereignis von Damaskus durchgemacht hatte. Denn Paulus war, bevor er das Ereignis von Damaskus durchgemacht hatte, ein Eingeweihter, ein Initiierter im Sinne der alten Initiation. Er hat in den damaligen semitischen Einweihungsschulen dasjenige erfahren, was man in solchen Einweihungsschulen in der damaligen Zeit erfuhr. Da hatte er erfahren, daß man den Gott, den man berechtigt ist den Christus zu nennen, nur schauen konnte im vorirdischen Dasein. Das wußte er aus seinen Einweihungsschulen.

Die Jünger und Schüler Christi, die er kennenlernte, behaupteten aber: Ja, der Christus hat unter uns in dem Menschen Jesus von Nazareth gelebt. Er war da auf der Erde. Während wir seine Zeitgenossen waren, haben wir ihn nicht nur in der Rückerinnerung im vorirdischen Dasein, sondern hier auf Erden erlebt. – Da sagte der Paulus aus seiner Initiation heraus : Das kann nicht sein, denn der Christus kann nur im vorirdischen Dasein geschaut werden. – Und er war so lange ein Ungläubiger und hat das Christentum verfolgt, bis er durch die Anschauung, die Imagination von Damaskus selber erfahren hatte: der Christus lebt mit der Erde im Zusammenhange. Da hat er, Paulus, das Wort geprägt, das seither für das Christentum, für das innerliche Christentum so wichtig geworden ist, er hat das Wort geprägt: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.»“

GA 226, S 99/100

„Ja, zum Ich kommt der Mensch auf natürliche Weise von selbst. Wenn er einfach in sich hineinschaut, kommt der Mensch in der neueren Zeit zum Ich von selbst. Um wiederum zu Gott zu gelangen, muß er aus vollem Bewußtsein heraus sich mit dem Mysterium von Golgatha verbinden und sich selber sagen : Der Christus in mir. – Die alten Menschen haben gesagt: Wir waren mit dem Christus und damit mit dem Vatergotte zusammen, bevor wir auf die Erde heruntergestiegen sind. – Der Mensch mußte nun lernen zu sagen: Der Christus ist auf der Erde. Physisch war er während des Mysteriums von Golgatha auf der Erde. Geistig ist er seit dem Mysterium von Golgatha immerdar mit den Menschen vereinigt geblieben auf der Erde. – Das ist auch im Christentume enthalten, wenn davon geredet wird, daß der Christus den Menschen geoffenbart habe, das Himmelreich sei nahe herangekommen. Gerade an der Auffassung dieses Spruches zeigte es sich so recht, wie die Menschen eigentlich, auch wenn sie äußerlich gläubig sind, innerlich ungläubig sind. Denn denken Sie nur, was viele moderne Theologen über dieses nahe herangekommene Himmelreich sagen. Sie sagen: Nun ja, da war der Christus eben abhängig von dem Urteil seiner Zeit. Man hat geglaubt, daß in einem bestimmten Zeitpunkte die Erde viel geistiger werden wird, das ist ein Irrtum des Christus. – Aber es ist ein Irrtum nicht des Christus, es ist ein Irrtum der Menschen. Die Menschen haben sich das so ausgelegt, als ob nunmehr, nachdem das Himmelreich heruntergekommen sein sollte, die Trauben zehnmal größer wachsen, die Früchte alle zehnmal mehr wachsen, und alles auf der Erde von Milch und Honig fließt. Das hat nur der Christus nicht gemeint, sondern der Christus hat vom geistigen Reiche gesprochen, und das ist gerade durch ihn nahe herbeigekommen. Man darf nicht sagen: Das ist ein Irrtum, was der Christus gesagt hat, und man muß heute anders denken -, sondern man muß sagen: Wie verstehe ich das, was der Christus gesagt hat?“

GA 226, S 100/101

„So ändert sich der Mensch. Aber indem sich die Verhältnisse über die Erde hin ändern, muß der Mensch das begreifen und sich selbst auch ändern, selbst auch anderen Verhältnissen anpassen. Wir wären immer am Gängelbande des Kosmos geblieben, wenn unser Kopf nicht verknöchert wäre. Dadurch sind wir abgeschlossen gegen das Weltenall und können ein selbständiges Ich in uns entwickeln. Das ist wichtig, daß wir dieses ins Auge fassen. Wir können ein selbständiges Ich in uns entwickeln dadurch, daß wir physisch diesen harten Schädel bekommen haben. Und der letzte Rest der Erinnerungen, der lebendigen Erinnerungen an die alte Urweisheit – wann ist er denn eigentlich geschwunden bei der Menschheit? Er ist eigentlich erst geschwunden in dem Zeitraume, der dem unseren vorangegangen ist, im vierten nachatlantischen Zeitraum, während der griechisch-römischen Kultur. Allerdings haben die Menschen da auch schon längst einen zugemachten Schädel gehabt, aber es gab noch immer in den Mysterien bewahrte Urweisheit, die aus ganz alten Zeiten stammte, aus dem Zeitraume, der wiederum dem damaligen lemurischen Fischezeitalter vorangegangen ist, aus dem lemurischen Widderzeitalter.“

GA 180, S 274/275

„Was heißt das eigentlich: Wir beziehen das Ich, das wir an uns tragen, auf unsere gegenwärtige Erde? Das heißt: In dem, was wir als Elemente der Erde, als Kräfte der Erde und so weiter erkennen oder auch nicht erkennen -, in dem liegt dasjenige, was in uns anregt das Ich. Unser Ich hängt innig zusammen mit den Kräften der Erde.“

GA 197, S 189/190

„Wenn Sie die ganze Evolution, diese ganze Entwickelung des Menschen betrachten, so werden Sie finden, daß unser heutiges Menschenwesen zum größten Teil in die Vergangenheit hineinweist, unser physischer Leib in eine längst verflossene Vorzeit, in die alte Saturnzeit, unser Lebensleib in die alte Sonnenzeit und so weiter, daß unser Ich zwar noch nicht voll entwickelt ist, aber daß es in seiner eigentlichen Wesenheit auf das Gegenwärtig-Irdische hinweist. Damit ist aber schon der Hinweis darauf gegeben, daß dasjenige, was wir als Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen bezeichnen, eigentlich in dem Irdischen selbst nicht begründet ist, daß, indem wir als Mensch die Entwickelungsmöglichkeit zum Geistesmenschen, zum Lebensgeist, zum Geistselbst in uns tragen, wir damit etwas in uns tragen, was wir über das Irdische hinausentwickeln müssen, was wir so entwickeln müssen, daß uns dazu das Irdische keine Anleitung gibt. Wir stehen gewissermaßen als Mensch auf der Erde und wir sollen auf dieser Erde zunächst unser Ich voll entwickeln, haben es schon bis zu einem gewissen Grade entwickelt. Indem wir es bis zu einem gewissen Grade entwickelt haben, haben uns die Kräfte, das Wesenhafte der Erde die Anleitung dazu gegeben. Was wir noch durch den Rest der Erdenentwickelung hier entfalten werden, eine gewisse Vertiefung, eine gewisse Verstärkung des Ich, das werden wir der Erde und ihren Kräften verdanken. Aber wir müssen uns auch sagen: Wenn wir bloß der Erde und ihren Kräften unser menschliches Wesen verdanken wollten, dann könnten wir niemals einen Geistesmenschen, einen Lebensgeist und ein Geistselbst entwickeln. Denn das kann die Erde nicht hergeben. Sie kann uns nur anregen zur Ich-Entwickelung. Wir müssen daher die Erde in bezug auf den Menschen als etwas betrachten, was uns von sich aus nicht zum Vollmenschen machen kann. Wir stehen auf der Erde und müssen über die Erde hinaus. Das ist ja auch angedeutet in unserer Literatur, indem darauf hingewiesen ist, wie die Erde abgelöst werden muß für unsere Entwickelung durch eine spätere Jupiter-Venus- und Vulkanzeit. Während dieser Zeiträume werden wir auch äußerlich voll zu entwickeln haben das Geistselbst, den Lebensgeist, den Geistesmenschen.“

GA 197, S 190

„Wenn wir sehnsüchtig nach etwas Außerirdischem blicken, weil wir uns sagen müssen: Um Vollmensch zu werden, um alles dasjenige in uns zu entfalten, was wir als Geistselbst, als Lebensgeist, als Geistesmensch in der Zukunft entwickeln müssen, wenn wir also sehnsüchtig hinblicken über die Erde und uns sagen, da ist im Irdischen selbst alles dasjenige nicht, was uns zu diesem Überirdischen in unserer eigenen Wesenheit anregen könnte, dann müssen wir vom Irdischen hinweg zu dem blicken, was aus Außerirdischem in das Irdische hineingekommen ist. Da müssen wir zu dem Christus blicken und uns sagen: Der Christus hat uns diejenigen nichtirdischen Kräfte in die Erde hereingebracht, welche uns anregen können, das zu entwickeln, wozu uns die Erde selbst niemals anregen kann. Und wir müssen dasjenige, was uns zunächst mehr in Begriffen, in Ideen entgegentritt, mit unserem ganzen Menschen erfassen. Wir müssen damit den Christus erkennen lernen als den Retter unseres Menschentums. Wir müssen ihn erkennen lernen als diejenige Wesenheit, welche es möglich macht, daß wir nicht, so könnte man sagen, mit dem Irdischen vereinigt zu bleiben brauchen, daß wir nicht gewissermaßen auf der Erde für alle Ewigkeit begraben werden und das, was in uns sich entwickeln könnte über die Erde hinaus, unentwickelt bleiben müßte. Wenn wir so den Christus als den Retter unseres Menschenwesens betrachten können, wenn wir fühlen können aus der Beschaffenheit der Erde, daß wir innerhalb dieses Irdischen etwas haben müssen, das uns aus dem Irdischen hinausführt, wenn wir ihn als den Führer zu unserem vollen Menschentum fühlen, dann fühlen wir die Christus-Kraft in uns. Und wir sollen eigentlich erkennen, daß wir niemals im Ernste reden können von unserer Entwickelung zum Geistselbst, zum Lebensgeist, zum Geistesmenschen, ohne daß wir uns bewußt werden: Über diese Dinge zu reden hat nur einen Sinn, wenn wir an den Christus appellieren, weil der Christus dasjenige ist, was mehr in uns entwickeln kann, als die Erde uns geben kann.“

GA 197, S 192/193

„Seien wir uns doch klar: Diese Erde, die uns angeregt hat zur Entwickelung des Ich, die uns in ihrem Untergang noch anregen wird zu einer weiteren Erstarkung des Ich, diese Erde ist etwas, was wir für spätere Entwickelungsformen im Jupiter und so weiter verlassen müssen. Diese Erde ist also etwas, mit dem wir unser gesamtes Vollmenschentum nicht verbinden können. Wir müssen unseren Menschen gewissermaßen zurücknehmen von der Erde. Würden wir nur die Erdenwissenschaft entwickeln, zu der Goethe und Schiller nicht hinwollten – Schiller nicht, indem er die abstrakten Begriffe persönlich hielt, Goethe nicht, indem er bei Halbimaginationen stehenblieb -, würden wir uns nur von den Erdeningredienzien anregen lassen, so würden wir das Geistselbst niemals entwickeln können. Wir würden nur eine tote Wissenschaft entwickeln können. Wir würden immer mehr und mehr jenes Leichenfeld vergrößern, das in den Bibliotheken vorhanden ist, das in unseren Büchern vorhanden ist, das abgesondert vom Menschen ist. Und wir würden zwischen diesen Gedankenleichen hinwandeln, selber gewissermaßen verzaubert in ihnen und würden so das Ideal Ahrimans erfüllen. Denn unter andern Dingen, die uns Ahriman bescheren will, ist dieses: Recht viele Bibliotheken zu machen, recht viel totes Wissen um uns aufzuspeichern. Ahriman möchte, daß, so wie die alten Ägypter hingewandelt sind unter ihren Gräbern, wie noch die ersten Christen herumgewandelt sind und Leichen um sich gehabt haben, wir mit unserem menschlichen Wesen immer mehr und mehr in das bloße Instinktwesen, in das egoistische Instinktwesen zurücksinken und daß das, was wir an Gedanken aufbringen können, aufgespeichert wäre in unseren Bibliotheken. Man könnte sich vorstellen, daß eine Zeit heranrückt, wo irgendein junger Mann oder sogar eine junge Dame von etwa zwanzig bis dreiundzwanzig Jahren zunächst nicht wüßte, wodurch sie in der Welt des silbernen Königs weiterkäme – man nennt es äußerlich: sich den Doktor erwerben. Da unten aus dem Menschen steigt ja weniges herauf; denn wenn man das, was aus dem Menschen heraufsteigt, etwa in eine Doktordissertation schreiben würde – ich rede also davon, daß eine solche Zeit kommen könnte, wenn Ahriman siegt! -, so würde diese Doktordissertation zurückgewiesen werden, denn das wäre etwas Persönliches, etwas Subjektives. Also setzt man sich in Bibliotheken, nimmt ein Buch nach dem andern, möglichst bloß nach den Katalogen, in denen alles verzeichnet ist, was sich an dieses oder jenes Stichwort anknüpfen läßt – wenn wieder ein neues Stichwort kommt, nimmt man wieder ein neues Buch heraus -, und zimmert eine Schrift zusammen, die einen dann zum Doktor macht. Man ist eigentlich nur mit seiner äußeren physischen Persönlichkeit dabei. Man hat ein Pult vor sich, da liegen viele Bücher drauf. Mit seiner Persönlichkeit ist man insofern dabei, als man, wenn man ein paar Stunden dabei sitzt, hungrig wird und dann diesen Hunger als persönliches Schicksal fühlt. Vielleicht ist man auch dadurch mit seiner Persönlichkeit dabei, daß man menschliche Beziehungen hat, an die man sich erinnert, die man wiederum erfüllen muß nach den paar Stunden. Aber dann klappt man die Bücher zu und ist nicht mehr persönlich damit verbunden. Dasjenige, was man nunmehr zusammengezimmert hat aus den verschiedenen Büchern, wird wiederum ein kleines Buch oder ein dickes Buch und steht wiederum unter den Büchern und wartet, bis es ein andrer wieder benützt. Ich weiß nicht, ob ein solcher Zustand heute schon irgendwo existiert, aber es könnte, wenn Ahriman sein Ideal erreichte, durchaus einmal so werden, und das wären fürchterliche Zustände. Die menschliche Persönlichkeit würde verkümmern unter diesen fürchterlichen objektiven, außermenschlichen, unpersönlichen Zuständen.“

GA 197, S 200/201

„Bei der Ideenwelt, die wir dann auch zu den Naturgesetzen ausspinnen, da haben wir das entschiedene Bewußtsein, unser Wille kann in der Gestaltung der Ideenwelt nicht eigentlich etwas durch sich selbst bewirken; er muß sich fügen der inneren Logik, dem Wirklichkeitsgewebe der Ideen. Wir können nicht, wenn wir Wirklichkeit umfassen wollen, durch unseren Willen eine Idee an die andere reihen, wir müssen uns der inneren Gesetzmäßigkeit dieser nur bildhaften, kein Sein zunächst tragenden Ideenwelt anpassen. Wir erkennen beim anderen Pol, bei den Phantasmen, die auch in der Erinnerung, im Gedächtnis leben, sehr gut: Darinnen waltet unser Wille – und da ist unser Wille auch ganz gut angebracht, und wir merken in zweifacher Beziehung, daß diese Phantasmen, insofern sie erinnerungsgestaltend sind, sehr wohl etwas zu tun haben mit unserem Ich, mit unserer Persönlichkeit, mit dem, was unsere Realität ist. Wir mögen noch so zetern gegen die bloße Phantasie oder Phantastik; indem wir erfühlen, daß unser Ich dadrinnen wirkt nach seiner Willkür, fühlen wir doch zugleich, daß in diesen Phantasmen eben unser Ich, unsere Persönlichkeit enthalten ist. Das ist das eine.“

GA 198, S 216

„Das andere ist: In dem Augenblicke, wo durch irgendeine Erkrankung unsere Erinnerungskontinuität gestört ist, wo irgendwo der Faden unserer Erinnerung abreißt, so daß wir uns eines Stückes unseres Lebens nicht erinnern können, in diesem Augenblicke ist auch die wirkliche Gediegenheit unseres inneren Ich-Erlebens gestört. Also es hängt unser Ich-Erleben auf der einen Seite zunächst nicht zusammen mit unserer Ideenwelt. Auf der anderen Seite fühlen wir, daß dieses Ich-Erleben drinnen ist in dem, was wir unsere Phantasmenwelt nennen, trotzdem wir wiederum nicht bauen können auf diese Phantasmenwelt und in gewisser Weise nicht das wesenhafte Ich in dieser Phantasmenwelt suchen dürfen, trotzdem wir wissen, daß es dadrinnen tätig ist, ja, daß es gar nicht in der richtigen Weise in unserem Bewußtsein leben kann, wenn nicht diese Erinnerung in Kontakt damit ist.“

GA 198, S 216/217

„Sehen wir jetzt nach dem anderen Pol, sehen wir danach, wie der Mensch in den Phantasmen, aus denen er aber auch seine Erinnerungsvorstellungen formt, etwas hat, worinnen wallt und west sein Ich, aber wallt und west oftmals in chaotischer Weise. Trotzdem der Mensch weiß, sein Ich lebt dadrinnen, verläßt er sich nicht darauf, sich über das Wesen dieses Ich aus den Phantasmen heraus etwas sagen zu lassen. Durchschaut man wiederum den Tatbestand – und Sie können das entnehmen aus den verschiedensten Stellen unserer anthroposophischen Literatur -, so muß man sich fragen: Was ist denn das eigentlich, was sich da als die Summe unserer Erinnerungsvorstellungen, meinetwillen auch als die Summe unserer Phantasievorstellungen, aus unserem Inneren entwickelt? – Es ist nichts anderes als die Umbildung desjenigen, was, bevor es sich metamorphosiert zu der Kraft der Erinnerung, zu der Kraft der Phantasie, in uns lebt als Wachstumskraft. Was unten im Leibe lebt als Wachstumskraft, wenn es sich von dem Leiblichen emanzipiert, wird geistig-seelisch Erinnerungskraft. Sie wissen ja, bis zum siebenten Lebensjahre, wo der Zahnwechsel eintritt, erscheint im Menschen dieselbe Kraft, die später wohlkonturierte Erinnerungen ausbildet im seelischen Gedächtnis; die arbeitet an seinem Leibe gestaltend. Was zuletzt die Zähne heraustreibt, ist dasselbe, was in uns lebt als Erinnerungs-Vorstellungsvermögen. Kurz, wir haben in dem, was da als Phantasmen in uns lebt, dieselbe Kraft, die eigentlich uns wachsen macht, die unserem Organischwerden zugrunde liegt. Wir emanzipieren sie von dem Organismus. Was heißt das?“

GA 198, S 222/223

„Es verbirgt sich da wiederum ein bedeutsames Lebensrätsel; es heißt: Wir reißen gewissermaßen diese phantasmenbildende Kraft heraus aus unserem Organismus. Denken wir, wir ließen sie drinnen, wie stünden wir dann da in der Welt? Denken Sie sich, alles das, was Sie gewissermaßen innerlich loslösen von Ihrem Organismus, so daß Sie es mit Ihrem Ich, mit Ihrer Persönlichkeit willentlich beherrschen, alles das würde wallen in Ihrem Organismus. Sie würden nicht sagen: Ich will – sondern Sie würden verspüren das Wallen Ihres Blutes, das Sie zu Ihren Bewegungen treibt; Sie würden nicht sagen: Ich ergreife die Feder sondern Sie würden verspüren den Mechanismus Ihrer Armmuskeln. Sie würden sich drinnenfühlen liebend in der Welt, wenn Sie nicht losreißen würden die Welt der Phantasmen von Ihrem Organismus. Ihre Selbständigkeit verschwände. Was sich in Ihnen bewegt, was in Ihnen lebt, wäre nur eine Fortsetzung innerhalb Ihrer Haut von dem, was draußen wäre. Der Mensch muß sich daher sagen: Da wächst das Gras aus gewissen Kräften heraus außerhalb meiner Haut, innerhalb meiner Haut wächst meine Milz, meine Leber; aber ich würde nicht einen Unterschied empfinden, wenn ich nicht losreißen könnte meine Phantasmen von dem, was in meinem Inneren organisierend wirkt. Da draußen reiße ich nicht etwas los, da nehme ich die Wesenheit in ihrer Totalität. Innerhalb meiner Haut reiße ich los die Welt meiner Phantasmen. Dadurch komme ich zu meiner Selbständigkeit. – Dadurch ist es überhaupt möglich, daß wir das Beet, den Untergrund für die Ichheit im Menschen finden. Das ist der andere Pol des inneren Erlebens.“

GA 198, S 223/224

„So erkennt man sich als Mensch in seiner Wesenheit drinnen in dem Menschen. Und sieht man weiter, so sagt man sich: Dieses persönliche Leben zwischen Geburt und Tod, das macht, daß wir hier eben zwischen Geburt und Tod das Ich erleben. – Wir erleben aber nicht das ganze Organische in uns, nicht dasjenige, was innerhalb unserer Haut liegt; das bleibt ein Schatten wiederum desjenigen, was nach dem Tode unser Wesen ausmacht. Wie wir durch den einen Pol an dem Vorgeburtlichen hängen, durch den Ideenpol, hängen wir durch den Phantasmenpol, in dem der Wille lebt, an dem Nachtodlichen. An unserem Ungeburtlichen hängen wir durch unsere Ideenwelt, an unserem Unsterblichen hängen wir durch unsere Phantasmenwelt, die jetzt eine Phantasmenwelt ist, damit sie sich, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen, gestaltet zu einem regelmäßigen Kosmos, in dem wir dann weben, leben und sind nach dem Tode.“

GA 198, S 224

„Die Wirklichkeit ist in Wahrheit noch viel ernster. Wenn der Mensch nämlich genügend intensiv durch genügend lange Zeit diese unterbewußte Sehnsucht ausbildet, mit dem physischen Tode zugrunde zu gehen, so geht er auch mit dem physischen Tode zugrunde. Dann hört das, was da als Geistig-Seelisches vorhanden ist und was sich sein Abbild schaffte, auf, eine Bedeutung zu haben; dann vereinigt es sich wiederum mit geistigen Welten und verliert die Ichheit. Das Abbild der Ichheit wird ahrimanisch umgestaltet, und die ahrimanischen Mächte bekommen das, was sie wollen: sie bekommen das irdische Leben in die Hand. Das heißt, ein großer Teil der heutigen zivilisierten Welt strebt darnach, nicht die Zivilisation der Erde fortzusetzen, sondern die Menschen zum Sterben zu bringen und ganz anderen Wesen, als die Menschen es sind, das irdische Leben zu übergeben.“

GA 198, S 275

„Aber auf solche reale Widersprüche sieht eben die heutige Menschheit nicht hin. Das wäre gerade notwendig, daß man auf solche reale Widersprüche hinsähe. Daher ist es durchaus notwendig, daß solche Dinge tief eingesehen werden. Ja, der Mensch hat ein Geistig-Seelisches, aber wir leben in einer Zeit, in der er es verleugnen kann. Es ist nicht wahr, daß die materialistische Theorie, daß das Gehirn denkt, unrichtig ist. Nein, wenn der Mensch sein Geistig-Seelisches verleugnet, dann beginnt das Gehirn zu denken wie ein Automat. Und wenn der Mensch nicht will, daß sein Gehirn denkt, wenn er will, daß sein Geistig-Seelisches denkt, dann muß er sich an ein Geistig-Seelisches wenden, das dieses Denken losreißt von der Materie. Denn das Losreißen von der Materie, von dem wahren Materialismus, ist nicht bloß ein Annehmen einer anderen Weltanschauung, sondern ist etwas, was vom ganzen Menschen ergriffen werden muß, durch den ganzen Menschen losgerissen werden muß von dem bloßen materiellen Sein. Denn der Mensch wird nicht nur materialistisch, wenn er Geistiges verleugnet, sondern der Mensch wird materiell, wenn er das Geistige verleugnet. Er wird nur zum Bilde des Geistigen, er wird zum Materiellen, das einfach im Weltenall des Ahrimanischen sich auflösen kann und bloß in der ahrimanischen Welt, bloß als ein unselbständiges, unpersönliches Glied weiter fortzuwirken braucht, während er dazu berufen ist, wenn er in der richtigen Weise das Mysterium von Golgatha versteht, sein Ich zu bewahren und die Erdenzivilisation fortzusetzen.“

GA 198, S 281/282

„Gestern versuchte ich, die ganze Bedeutung des Ernstes anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft dadurch vor Ihnen aufzurollen, daß ich mich bemühte zu zeigen, welcher Unterschied besteht zwischen bloß abstrakten Vorstellungen und Begriffen und demjenigen, was auch in der Seele in der Form von Vorstellungen und Begriffen entsteht, was auch die Gestalt von Vorstellungen und Begriffen annimmt, dann aber Realität ist, Wirklichkeit ist. Es handelt sich darum, daß man in aller Stärke einsieht, wie der Mensch, indem er immer mehr und mehr durch seine materialistische Gesinnung, dadurch, daß er sich ganz abwendet von geistigen Begriffen, sich nur beschäftigt mit Begriffen des Natürlichen und so weiter, immer ähnlicher und ähnlicher sich macht dem Materiellen, wie er tatsächlich mehr und mehr hinuntersteigt in dieses Materielle, so daß es zuletzt nicht mehr falsch ist, wenn er behauptet, das Materielle seines Leibes denke, sein Gehirn denke, sondern daß sogar das das Richtige ist, daß der Mensch tatsächlich eine Art Automat des Weltenalls wird und nach und nach durch das Verleugnen des Geistig-Seelischen auch das Verlieren dieses Geistig-Seelischen eintritt. Ich sagte, daß dies natürlich für viele eine unbequeme Weltanschauung ist, und daß viele diese Weltanschauung für etwas halten, das sie durchaus nicht annehmen wollen aus dem Grunde, weil sie glauben, der Mensch könne ohne sein Zutun irgendwie auf die Dauer sein Geistig-Seelisches gerettet bekommen. Das ist aber nicht der Fall. Der Mensch kann ebenso stark in das Materielle hinein aufgehen, daß er sich losschnürt von dem Geistig-Seelischen, daß er in die ahrimanischen Mächte hinein sich versenkt und mit den ahrimanischen Mächten in einer unserer Welt fremden Weltenströmung weitergeht, aber ohne sein Ich, das ja nicht zur ahrimanischen Welt gehören kann, sondern das nur seine wirkliche Entwickelung finden kann, wenn der Mensch der normal fortschreitenden Evolution folgt, das heißt, wenn er sich verbindet mit alledem, was zusammenhängt mit dem Mysterium von Golgatha; wenn er vor allen Dingen in unserer Zeit erkennt, wie man den Zusammenhang zu suchen hat mit dem, was durch geistige Forschung an die Menschheit herangebracht werden kann. Es ist ja in dieser Menschheitsevolution seit der Mitte des 15. Jahrhunderts für unser Abendland der Zeitabschnitt eingetreten, in welchem der Mensch, wenn er hinausschaut in seine Umgebung, nur die sinnliche Welt wahrnimmt. Und wenn er in sich hineinschaut, wird er seit dieser Mitte des 15. Jahrhunderts immer mehr und mehr dazu verleitet, die inneren Seelenerlebnisse zu verabstrahieren, zu intellektualisieren, sie dünn zu machen.“

GA 198, S 283/284

„Ich habe gesagt, es ist gut, wenn der Mensch bei seinem Auf rücken in die Welt, die hier gemeint ist, zunächst mehr moralische Erinnerungen fühlt und nicht so sehr seine äußere physische Gestalt. Der Mensch soll nach und nach erst – mit den fortgesetzten Übungen für die ersten Schritte der Initiation – auch so hellseherisch werden, daß das Erinnerungsbild an die äußere physische Gestalt auftritt. Mit diesem Auftreten des Erinnerungsbildes der eigenen physischen Gestalt ist aber noch etwas anderes verbunden: daß eigentlich erst von da ab der Mensch – und so ist es gut – nicht nur im allgemeinen sein Seelenleben als Erinnerung fühlt, nicht nur im allgemeinen seine guten und schlechten Taten, seine moralischen und dummen Taten, sondern sein ganzes Ich fühlt. Sein ganzes Selbst fühlt er in dem Moment als Erinnerung, wo er auf seinen Leib als Form zurückschauen kann. Da fühlt er dann sein Wesen wie gespalten. Er schaut auf einen Teil, den er beim Hüter der Schwelle abgelegt hat, und schaut auf das, was er sein Ich nennt in der Sinneswelt. Jetzt ist man, wenn man auf sein Ich zurückblickt, auch in bezug auf sein Ich gespalten und sagt sich mit aller Ruhe: Was du dein Ich früher genannt hast, daran erinnerst du dich jetzt nur; jetzt lebst du in einem übergeordneten Ich, und das verhält sich so zu dem früheren Ich, wie du dich als Denker verhältst in bezug auf die Erinnerungen zum Leben im Sinnensein. Auf das also, was der Mensch eigentlich ist als Erdenmensch, auf seinen Ich-Menschen sieht man erst auf dieser Stufe herunter. Man ist aber da zugleich entrückt in eine noch höhere Welt, die man das höhere Geisterland oder – wenn man will – die höhere Mentalwelt nennen kann, eine etwas von den anderen verschiedene. Da ist man darinnen, wenn man das Ich zwiegespalten fühlt und das gewöhnliche Ich nur noch als Erinnerung fühlt. Da hat man erst die Möglichkeit, in richtiger Weise den Menschen auf der Erde zu beurteilen. Wenn man von dort zurückschaut, fängt man an zu wissen, was der Mensch seiner tiefsten Wesenheit nach ist. Da bekommt man auch die Möglichkeit, ein erlebtes Urteil zu gewinnen über den Verlauf der Geschichte. Da gliedert sich einem die erlebte Menschheitsentwickelung in den Fortgang der Seelen als Ich-Wesen, da ragen heraus aus dem gewöhnlichen Fortgange die Wesen, welche die führenden im Fortgang der Menschheit sind. Da ist es so, wie ich es im zweiten Vortrage charakterisiert habe, daß man wirklich die Impulse erlebt, die fortwährend in die Evolution der Menschheit hineinfließen durch die Initiierten, die überall aus dem Sinnensein in das Geistessein zu gehen haben, damit sie ihre Impulse geben können. Mit dem Punkt, wo man den Menschen als Ich-Wesen erlebt, erlebt man auch erst die wahre Einsicht in das Menschenwesen als solches. Nur eine Ausnahme gibt es dabei.“

GA 138, S 97/98

„Da leben wir im Sinnensein, leben so, daß wir um uns und mit uns spielen fühlen das, was wir unser Lebensschicksal nennen. Da ist uns manches sympathisch, manches antipathisch an diesem Lebensschicksal. Und wer eine richtige Selbstbesinnung sich verschaffen kann, der weiß, daß Mitfühlen und Mitempfinden, Sympathie und Antipathie haben mit den Geschicken des Lebens zu den stärksten Empfindungen gehört, die wir überhaupt haben können, die sich am tiefsten in die Seele eingraben. Nun geht es aber so – warum, brauche ich hier nicht zu wiederholen, weil es in den anfänglichen Vorträgen so oft gesagt wird -, daß wir es in unserem übergeordneten Ich, das sich im Sinne des gestrigen und vorgestrigen Vortrages an das gewöhnliche Ich nur erinnert, es nur wie eine Erinnerung in sich hat, selber sind, die sich zum Beispiel auch dasjenige Schicksal, das uns dann vielleicht ein ganzes Leben hindurch martert und peinigt, zubereiten. Gibt es nicht Menschen, welche die Reinkarnationsidee gerade deshalb ableugnen, weil sie kein Begehren haben, ein neues Dasein sich zurechtzuzimmern, nachdem sie dieses eine durchlebt haben? Warum denken solche Menschen so? Weil sie in dem Glauben befangen sind, daß es in den Welten, in denen der Mensch nach dem Tode ist, ebenso zugehe wie in der Sinneswelt. Hier kann uns manches gefallen, manches mißfallen. Aber so zu empfinden wie hier, fällt uns gar nicht ein, wenn wir in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt sind. Dort empfinden wir ganz anders, wenn wir auch hier nichts davon wissen. Wenn wir nach dem Tode in die geistige Welt kommen, dann sehen wir zum Beispiel: Du hast gelebt auf der Erde in einem Sinnensein, du hast eine bestimmte Fähigkeit gehabt, aber diese Fähigkeit kam sehr einseitig bei dir heraus, du hast sie vielleicht auch mißbraucht. Du mußt jetzt in einem neuen Erdensein in einer anderen Körperlichkeit dich so ausgestalten, daß das Einseitige ausgeglichen wird und daß eine Unvollkommenheit vollkommener werde. Du mußt – mit anderen Worten – das, was du in unvollkommener Gestalt an dir gehabt hast, in einer anderen Unvollkommenheit dir aneignen, damit durch das gegenseitige Wirken die Sache ausgeglichen und harmonisiert werde. Da beginnt dann eine Zeit beim Durchgang zwischen Tod und neuer Geburt bis zur neuen Geburt hin, wo sich der Mensch sagt: Ich will so geboren werden, daß ich in einem neuen Leben ganz unfähig bin – beispielsweise -, mich in der Malerei zu betätigen, weil ich mich vorher darin betätigt habe und großes Geschick dabei gehabt habe. Denn dadurch, daß ich nun in der Malerei ungeschickt sein werde, werde ich in die Lage kommen, nie ein Urteil in meine Seele einfließen zu lassen, wie wenn ich selber male, sondern nur so, wie es sein muß, wenn ich mich selber vor die Sache stellen muß. Da werde ich mir andere Kräfte aneignen müssen, weil das heilsam sein kann, um das, was ich früher gehabt habe, zu harmonisieren, auszugleichen. So kann man zurückschauen auf ein Leben zwischen Geburt und Tod, auf etwas, was man glücklich durchlaufen hat, sagt sich aber, wenn man seine gesamte Evolution nur so einrichten würde, daß man sein Leben so erlebt, so hätte man es nicht ausgekostet. Was erfolgen muß aus Kräften, die gerade in dieser Weise sich ergeben, ist daher die Begierde: was du vorher im Glück erlebt hast, das mußt du jetzt im Leid erleben. Und man richtet nun alles so ein, daß man aus einer Sehnsucht heraus auf einem bestimmten Gebiete Leiden erleben muß, deren Durchmachen einen wieder weiterbringt im Dasein. Dann liegt die Tatsache vor, daß man im Übersinnlichen verlangt hat nach Leiden und Schmerzen und sie im Sinnensein als etwas empfindet, was man wegtun möchte. Da wird wahrhaftig der Unterschied zwischen dem Leben im Sinnensein und dem Leben in den übersinnlichen Welten zwischen Tod und neuer Geburt praktisch bedeutsam. Ganz andere Kräfte wirken in unserem Leben zwischen Tod und neuer Geburt, als uns dann sympathisch oder unsympathisch sind im Leben zwischen Geburt und Tod. Was tut nun der, welcher etwa das Leben in den übersinnlichen Welten beurteilen würde nach seinen Sympathien und Antipathien im Sinnensein? Er verpflanzt das, was er im Sinnensein hat, perspektivisch hinein in die übersinnliche Welt. Es ist richtig so, wie wenn Sie auf irgendeine Glastafel aufzeichnen oder aufmalen zum Beispiel eine Rose; dann schauen Sie die Glastafel an, das Glas sehen Sie nicht – Sie schauen durch das Glas durch, aber die Malerei projiziert sich hinten auf eine Riesenwand, und Sie glauben, das ist wirklich. Es ist aber gar nicht wirklich, sondern Sie haben es nur dort hinausversetzt. In dieser Weise kann der Mensch, wenn er die übersinnliche Welt beurteilen will nach Sympathien und Antipathien im Sinnensein, in die übersinnliche Welt etwas hineinprojizieren wie Schatten, was dann im Übersinnlichen auch eine Gültigkeit haben kann. Es hat schon eine Wirkung, eine Gültigkeit. Wenn man es nicht sieht, projiziert sich etwas wie ein Nebel auf das, was da drinnen vor dem Betrachter steht.“

GA 138, S 116-118

„Es ist nicht ein willkürliches Gerede, wenn man den Menschen einteilt in diese Glieder, von denen man gewöhnlich spricht, sondern es weist auf sehr reale Dinge hin. Wenn man vom physischen Leib und Ätherleib spricht, so spricht man von dem, was in der Mutter veranlagt ist vor der Befruchtung, was immer in der Mutter veranlagt ist. Wenn der Mensch aus geistigen Höhen, nachdem er eine Zeitlang durchlebt hat das Leben zwischen Tod und neuer Geburt, wiederum sich neigt zum physischen Leben, dann verspürt er gewissermaßen, daß sich bei einer ihm verwandten weiblichen Persönlichkeit diejenige Anlage findet, in die er hineingießen kann dasjenige, was bei ihm sich entwickelt hat seit dem letzten Leben von dem übrigen Organismus zum Kopf. Die menschliche Embryonalbildung geht ja deshalb vom Kopf aus. Der Kopf ist das, was sich zuerst in einer gewissen Vollkommenheit in der menschlichen Embryonalbildung ausbildet. Das, was wirkt auf diese eigentlich aus dem Kosmos kommende Kopfbildung, das ist schon im Ich und im astralischen Leib. Und daß das Ich und der astralische Leib zusammensein können mit dem physischen Leib und dem Ätherleib, das rührt von der Befruchtung her. Die Befruchtung vermittelt das Zusammenleben zwischen dem Ich und dem astralischen Leib, und dem physischen Leib und dem Ätherleib. Worauf geht nur die Befruchtung? Die Befruchtung geht zunächst auf das bloße Stoffwechselleben des Menschen. Sie geht darauf, ihm einen neuen Stoffwechsel- und Atmungsorganismus zu geben, denn die Kräfte des Kopforganismus rühren aus der vorhergehenden Inkarnation her. Alles dasjenige also, was den Menschen, der aus der vorigen Inkarnation kommt, mit dem Kopforganismus zusammenbringt, das verdankt der Mensch seinem Verhältnis zur geistigen Welt. Alles dasjenige, was gewissermaßen in den Menschen hineinfährt im Embryonalleben, wenn die Befruchtung stattgefunden hat, das verdankt der Mensch dem Zusammenleben mit dem Erdenwesen, mit dem irdischen Wesen.“

GA 190, S 18/19

„Gerade wer es ehrlich meint mit der sozialen Frage in der Gegenwart, der muß immer wieder und wiederum betonen: Notwendig ist vor allen Dingen eine freie Entfaltung geistiger Wissenschaft. Das ist nicht irgendwie die Einführung eines Unpraktischen in das gegenwärtige Leben, sondern das ist das Allerallerpraktischste, weil es unmittelbar, wirklich notwendig ist. Gerade weil so lange die individuellen Fähigkeiten der Menschen unterdrückt worden sind, gerade deshalb schlugen die objektiven Ereignisse im Jahre 1914 den Menschen über den Köpfen zusammen. In den Köpfen war nichts drin, als zuweilen sogar tolle Ideen. Die objektiven Ereignisse schlugen den Menschen über den Köpfen zusammen. Die individuellen Fähigkeiten waren zurückgegangen. Die Menschen konnten das äußere Leben nicht meistern. Ihre Begriffe, ihre Ideen, ihre Vorstellungen waren zu engmaschig. Sie konnten sich nicht erstrecken über die objektiven Ereignisse. Und von gegenseitigem Verstehen war erst recht nicht das Geringste mehr vorhanden. Da mußten diese letzten viereinhalb Jahre der große Zuchtmeister der Menschheit sein, der sie lehrt, daß es notwendig ist, daß geistiges Leben wirklich als Nahrungsmittel des sozialen Organismus in diesen einfließe.“

GA 190, S 43/44

„Da müßte nun wirklich heute die Schule zu Hilfe kommen demjenigen, was eine große Kulturaufgabe ist. Übungen müßten in der Schule angestellt werden in diesem Konkretmachen der Vorstellungen, damit der Mensch anfange, wenn er etwas spricht, sich in dem Sprechen drinnen zu fühlen, im Sprechen in der Welt sich zu fühlen. Nehmen Sie zum Beispiel an, ich habe etwas auf die Tafel geschrieben. Irgend jemand sagt einem: Das begreife ich nicht. – Denken Sie an die schattenhaften Abstraktionen, die Sie manchmal in Ihrem Gemüte haben, wenn Sie sagen: Das begreife ich nicht. – Konkret würden die nämlich werden, wenn Sie sich vorstellen wollten, Sie wollten das begreifen, hingreifen, doch Sie begreifen es nicht, Sie bleiben zurück, Sie kommen nicht an die Sache. – Aber da müßten Sie mit Ihren Händen das vorstellen. Versuchen Sie das gerade bei den wichtigsten Worten, was werden Sie dann tun? Sie werden eigentlich im Geiste Eurythmie treiben! Wenn Sie nämlich konkret sprechen, so treiben Sie im Geiste Eurythmie. Sie können gar nicht anders, als im Geiste Eurythmie treiben. Und derjenige, der in solchen Dingen lebendig drinnensteht, der empfindet die meisten heutigen Menschen – verzeihen Sie als schreckliche Faulpelze, als Menschen, die eigentlich immer herumgehen mit den Händen in den Hosentaschen und sich nicht bewegen wollen und dann reden. Denn abstrakt vorstellen, das ist, geistig empfunden, die Hacken und auch die Fußspitzen zusammenmachen, die Hände in die Hosentaschen tun und alles so einzwängen in sich, wie man nur kann! So redet der heutige Mensch. Die Konkretheit fortlassen aus den Vorstellungen: das heißt nämlich «latsch» sein! Aber so sind die meisten heutigen Menschen. Die Menschen müssen innerlich wieder beweglich werden, das heißt, sie müssen sich mitfühlen mit der Welt. Selbst diejenigen, die das tun, die tun es manchmal nur unbewußt. Man kennt Menschen, wenn sie über etwas nachdenken, so machen sie es mit dem Finger an der Nase. Daß dies aber eine ganz konkrete eurythmische Vorstellung ist für das Sich-stark-fühlen-Wollen, um etwas zu entscheiden, dessen werden sich die Menschen gar nicht bewußt. Die Menschen denken ja heute nicht einmal darüber nach, warum sie eine rechte und eine linke Hand haben, oder warum sie zwei Augen haben. Und in den gelehrten Büchern stehen namentlich über das Sehen mit den zwei Augen die allertollsten Dinge, die eigentlich gar nichts erklären. Hätten wir nämlich nicht zwei Hände, so daß wir die linke mit unserer rechten angreifen könnten, so könnten wir nie eine ordentliche Ich-Vorstellung haben. Nur daß wir Gleiches mit Gleichem von rechts nach links angreifen, dadurch wird die Ich-Vorstellung allmählich in der rechten Weise möglich. Und geradeso wie wir mit der rechten Hand die linke zur Kreuzung bringen können, wie wir uns selber empfinden und erstaunt sind über unser Empfinden, über das, daß wir uns empfinden, so kreuzen wir auch die Augenachsen. Die sind nur nicht so sichtbar gekreuzt wie die beiden Hände. Und damit wir kreuzen können, haben wir zwei Augen, aus demselben Grund, warum wir zwei Hände respektive Arme haben.“

GA 190, S 70/71

„Die Entwickelungsgeschichte der Menschheit spricht ja laut und deutlich über die verschiedenen Möglichkeiten, die Dinge anzusehen. Unzählig sind in dieser Richtung die Beispiele. In den letzten Jahren hat man zum Beispiel der deutschen Kultur immer wieder und wiederum vorgeworfen, daß sie einen Hegel hat mit seiner Staatstheorie, daß von Hegel gesagt worden ist: der Staat ist zuletzt etwas wie eine Art Gott auf Erden. Ja, aber man bedenke, daß innerhalb des deutschen Geisteslebens nicht nur Hegel vorhanden war, sondern Stirner, und zwar gar nicht viele Jahre getrennt von Hegel. Während für Hegel der Staat etwas war wie der wandelnde Erdengott, war für Stirner der Staat überhaupt ein Dreck, etwas, was man nur zu negieren hat. Die beiden lebten sehr nahe nebeneinander. Man kann sich keine größeren Extreme denken, beide aus demselben Geistesleben heraus. Will man dann solch ein Geistesleben darstellen, dann muß man es schon so machen, wie ich es zum Beispiel in meinen «Rätseln der Philosophie» gemacht habe, wo der eine mit demselben Anteil dargestellt wird wie der entgegengesetzt Denkende. Sie können bei mir zuerst so über Hegel lesen, daß Sie glauben könnten, ich stünde auf Hegelschem Standpunkt; dann können Sie bei mir lesen über Stirner so, daß Sie glauben könnten, ich stünde auf Stirnerschem Standpunkte. Damit soll aber nichts anderes angedeutet sein, als daß wir uns erziehen sollen zu einem Verständnis für die Vielseitigkeit der Menschen, zu einer inneren Toleranz! Uns soll interessieren dasjenige, was in der Seele des anderen ganz anders gedacht ist als unser eigenes Gedachtes; denn wir sollen das Gefühl haben, daß dieses andere das Unsere ergänzt. Sagen wir, da seien einzelne Menschen, zehn einzelne Menschen (es wird gezeichnet), ich sei einer davon, die anderen neun sind da herum. Nun sage ich mir: Ich denke über gewisse Sachen so, der zweite denkt so, der dritte so, der vierte und fünfte so, alles untereinander mehr oder weniger variiert und verschieden; alle haben wir recht, keiner hat recht. Wenn wir ungefähr das arithmetische Mittel aus alledem erfühlen, wenn wir uns im Zusammenhang so fühlen, daß wir alles mit gleicher Liebe auffassen, gleichgültig ob wir es sagen, oder es die anderen sagen, daß wir lernen, uns in der Gesamtheit drinnen zu fühlen, dann eilen wir gemeinsam der Bestimmung entgegen, die für die Menschen der Zukunft da ist. Dieses Entgegeneilen müssen wir anstreben. Wir müssen es einfach aus dem Grunde anstreben, damit wir einen Sinn bekommen für wirkliches soziales Leben. Wir müssen lernen fühlen, drinnenzustehen in dem, was von dem Sprachgenius umfaßt wird, drinnenzustehen in dem, was von dem gemeinsamen Rechtsleben, von dem Rechtsgenius umfaßt wird; wir müssen lernen, drinnenzustehen in dem, was von dem gemeinsamen Wirtschaftsgenius umfaßt wird: erst dieses lebendige Sich-Drinnenfühlen in einem Ganzen, das sich bewußt der Mensch aneignen muß im Bewußtseinszeitalter, erst das treibt ihn der Zukunftsbestimmung der Menschheit entgegen. Dieses Entgegengehen der Zukunftsbestimmung können wir uns aber nicht anders aneignen, als wenn wir unsere Interessen immer weiter und weiter machen; das heißt aber mit anderen Worten: Wenn wir immer mehr von uns loskommen lernen. Ja, meine lieben Freunde, geht man ganz ehrlich mit sich zu Rate, so wird man zuletzt doch finden, daß eigentlich das Alleruninteressanteste von der ganzen Welt dasjenige ist, was man selber über sich im Kreise des engsten Ich denken und empfinden kann. Über dieses engste Ich empfinden und denken allerdings viele Menschen in der Gegenwart sehr viel. Daher ist ihr Leben so langweilig, daher sind sie so unbefriedigt vom Leben. Wir werden niemals interessant, wenn wir uns in diesem Punkt nur immer so herumdrehen. Dagegen wenn wir nach außen schauen und immer auf das blicken, wie die Außenwelt zu uns hinstrahlt, wenn wir die Interessen immer mehr erweitern, dann wird unser Ich interessant dadurch, daß es uns einen Standpunkt abgibt für die Beobachtung der Außenwelt, dann wird unser Ich erst dadurch bedeutend, daß gerade in diesem Punkte des Ich nur wir ja die Welt sehen können, kein anderer. Ein anderer sieht sie wieder von einem anderen Standpunkte aus.“

GA 190, S 103-105

„Aber bedenken Sie, wie notwendig es ist, die Dinge heute wirklich ernst zu nehmen. Nehmen Sie also dasjenige, was ich als Grundphänomen angeführt habe gerade vorhin: Bis zum siebenten Jahre entwickelt der Mensch seinen physischen Leib, bis zum vierzehnten Jahre etwa den Ätherleib, bis zum einundzwanzigsten Jahre den Astralleib, bis zum achtundzwanzigsten Jahre die Empfindungsseele. Da ist aber das siebenundzwanzigste Jahr, das heute besonders wichtig ist. Dann wirken bis zum fünfunddreißigsten Jahre erst Verstandesseele, dann Bewußtseinsseele; in der Verstandesseele – lesen Sie nach in meiner «Theosophie», so finden Sie das -, da geht das Ich auf. Nun entwickelt sich aber der Mensch nach dem, was die Menschennatur hergibt, nur bis zum siebenundzwanzigsten Jahr. Er entwickelt sich so, daß er den Aufgang des Ich in der Verstandesseele erwartet. Das kommt aber nicht von selber, weil die Entwickelung vom achtundzwanzigsten bis fünfunddreißigsten Jahr nicht mehr von selber vonstatten geht.

Das ist die ungeheure Frage, die vor dem heutigen Menschen steht. Er lebt über das siebenundzwanzigste Jahr hinaus. Er hat nichts dazu getan, um dasjenige zu entwickeln, was das wirkliche Ich-Gefühl gibt und damit das Menschheitsgefühl, das Wissen vom Menschen. Was entsteht? Die Frage: Was ist der Mensch eigentlich? – Die Antwort ist: Weg vom Menschen, zum Übermenschen -, der einen bloßen lyrischen Inhalt abgibt. Oder aber solche Dinge wie: «In mir selbst ist was nicht in Ordnung. Ich bin folglich nicht so zur Welt gekommen, wie es sich für einen Menschen gehört. Ich befinde mich auf besonderer Bahn. Und nicht allein ich. Unserer sind viele. Wir müssen zu absonderlichen Menschen werden und fügen uns in keine Ordnung. Wer ist vor uns schuldig? Selbst sind wir vor uns und vor dem Leben schuldig!»“

GA 190, S 141/142

„Aber jetzt beobachten wir, wie das Ich sich vom Einschlafen bis zum Aufwachen verhält. Das Ich ist ebenso zunächst, ich möchte sagen, rein natürlich an das Gliedmaßensystem gebunden. Wie der astralische Leib an die Brust gebunden ist und aus der Brust die Sprache kommt, in eben solcher Weise ist das Ich an alles dasjenige gebunden, was der Mensch mit seinen Gliedern ausführt, was der Mensch vom Aufwachen bis zum Einschlafen tut, indem er diesen oder jenen Gang macht, indem er dieses oder jenes mit seinen Armen und Händen vollzieht. So wie der astralische Leib in jedes Wort hineinfließt und das Seelische des Wortes sich herausnimmt während des Schlafens, so ist das Ich verbunden mit jeder Bewegung, die wir machen, indem wir in der Welt diesen oder jenen Ort aufsuchen im Wachzustande. Es ist das Ich verbunden mit jeder Handbewegung, mit jedem Ergreifen irgendeines Gegenstandes. Aber während man beim astralischen Leib, weil die Sprache etwas so Seelisches ist, das eigentliche Seelische weniger beachtet, weniger darauf aufmerksam wird, daß in der Sprache eben noch etwas ganz Besonderes seelisch in die Sprache hineinergossen wird, ist man schon bei dem Zusammenhang des Ich mit den Gliedmaßen geneigt, überhaupt nicht mehr darauf Rücksicht zu nehmen, daß damit etwas Seelisch‑Geistiges verknüpft ist. Man faßt halt das Gehen, man faßt das Greifen mit den Händen auf wie etwas, ich möchte sagen, was rein in einer Art physischem Mechanismus geschieht, der der menschliche Organismus sein soll. Das ist aber nicht der Fall.“

GA 224, S 14

„Dasjenige, was in jeder Fingerbewegung während des Tages liegt, was in jedem Schritte liegt, mit dem man einen Ort aufsucht, das enthält auch ein Geistig‑Seelisches, so wie das Wort ein Geistig‑Seelisches enthält. Und das, was da mit unseren Gliedmaßen verbunden ist, was verbunden ist mit unseren Bewegungen, das nimmt das Ich beim Einschlafen aus unserem physischen und ‑Ätherleib hinaus in die geistige Welt, nur deutlich verbunden jetzt mit einem besonderen Geistig‑Seelischen: damit nämlich, daß das Ich in jedem Augenblick zwischen dem Einschlafen und Aufwachen unbewußt zufrieden oder unzufrieden ist ‑ Sie werden das gleich nachher besser verstehen, wenn ich es weiter erläutern werde ‑, zufrieden ist damit, wenn ich mich zwar deutlich, aber etwas trivial ausdrücken muß, ob die Beine sich nach diesem oder jenem Ort hinbewegt und etwas getan haben, ob die Arme dies oder jenes verrichtet haben. Nicht nur wird der Nachklang der Beinbewegungen und Armbewegungen hinausgenommen in das Schlafen, sondern es wird Zufriedenheit oder Unzufriedenheit hinausgenommen. Es haftet vom Einschlafen bis zum Aufwachen dem Erleben des Ich an: Eigentlich hättest du dahin nicht gehen sollen. Oder: Eigentlich war das recht gut, daß du dahin gegangen bist. Eigentlich war es gut, daß du dies oder jenes mit deinen Armen gemacht hast. Eigentlich war es schlecht, daß du dies oder jenes getan hast. ‑ Das ist das Geistig‑Seelische, das das Ich hinzusetzt zu dem, was es aus den Gliedmaßen des Menschen hinausnimmt in den schlafenden Zustand.“

GA 224, S 14/15

„Aber noch stärker tritt das hervor, wenn wir jetzt auf den schlafenden Zustand des Ich schauen. Das Ich nimmt mit hinaus in den schlafenden Zustand Zufriedenheit und Unzufriedenheit über dasjenige, was die Gliedmaßen getan haben. Geradeso wie der astralische Leib durch die Nachwirkung der Sprache an die Hierarchie der Erzengel herangetragen wird, so wird das Ich durch das, was es da als Nachklang der täglichen Verrichtungen durch Arme und Beine hinausbringt in den Schlafzustand, herangetragen an die Hierarchie der Urkräfte, der Archai, der Urbeginne. Aus diesen Urbeginnen kommt uns dann die Kraft, erstens den physischen Leib in der richtigen Weise zu durchdringen, so daß wir nicht nur das Gute wollen, sondern bis zu einem gewissen Grade auch imstande sind, die Triebe des physischen Leibes soweit zu beherrschen, daß wir kein Hindernis haben an unserem physischen Leib, um dasjenige zu tun, was wir in der Freiheit des Gedankens uns als Pflicht oder als Ziel vorsetzen. Wir sind frei im Gedanken. Aber die Kraft, die Freiheit im Leben anzuwenden, bekommen wir nur, wenn wir in den Schlaf hinaustragen den richtigen Zusammenhang mit den Urkräften, mit den Archai.“

GA 224, S 18

„Aber wie können wir das? Der Idealismus bringt unseren astralischen Leib in richtiger Weise mit den Erzengelwesen in Zusammenhang. Was bringt unser Ich in der richtigen Weise mit den Urkräften in Zusammenhang? Wenn auch wir zunächst unbewußt in der Nacht bleiben ‑ aber das Wesen aus der Hierarchie der Urkräfte hat ein völliges Bewußtsein von der Sache, nimmt dasjenige auf, was wir unbewußt haben, und entwickelt es zu einem ausgesprochenen Gedanken der Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit dem, was wir am Tage getan haben. Was aber bringt uns in einen richtigen Zusammenhang mit diesen Urkräften, in einen solchen Zusammenhang, wie wir ihn durch den Idealismus in der Sprache zu den Erzengeln bekommen?

Es gibt nichts anderes, um während des Schlafens in bezug auf sein Ich in den richtigen Zusammenhang mit den Urkräften zu kommen, als wirkliche, echte, wahre Menschenliebe, unbefangene Menschenliebe, allgemeine Menschenliebe, richtiges Interesse für jeden Mitmenschen, mit dem uns das Leben zusammenbringt, nicht Sympathie oder Antipathie, die nur aus irgend etwas herauskommen, das wir nicht überwinden wollen. Echte, wahre Menschenliebe während des Wachzustandes führt uns zwischen dem Einschlafen und Aufwachen in den Schoß der Urkräfte, der Archai, in der richtigen Weise hinein. Und da wird, während das Ich im Schoße der Archai ruht, das Karma, das Schicksal geformt. Da entsteht das Urteil: Ich bin unzufrieden mit demjenigen, was ich mit meinen Armen und Beinen getan habe. Und aus dem, was da als eine Zufriedenheit oder Unzufriedenheit sich ergibt, entsteht nun nicht bloß das, was gilt für die Zeit kurz nach dem Tode, sondern für das nächste Erdenleben; es entsteht die Kraft zum richtigen Bilden des Schicksals, so daß auch wirklich die Dinge ausgeglichen werden, die wir in einem Erdenleben empfunden haben während des Schlafes, im Ich, im Zusammenhange mit den Urkräften.“

GA 224, S 18/19

„Wenn Sie dies bedenken, so sehen Sie genau hinein in diesen merkwürdigen Zusammenhang des Ich und des Schicksals, des Karma. Während wir sozusagen dem astralischen Leibe ansehen, wie er, wenn der Mensch ein Idealist ist, die Sprache als eine Opfergabe den Erzengeln übergibt, so daß ihn dann die Erzengel in der richtigen Weise zwischen Tod und neuer Geburt leiten können, so sehen wir, wie das Ich an dem Schicksal webt. Da wird das Karma ausgearbeitet im Zusammenhange mit den Urkräften. Und die Urkräfte haben wiederum die Gewalt, dasjenige uns zu verleihen, was wir brauchen, um nicht nur die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt durchzugehen, sondern beim nächsten Herabsteigen ins Irdische mit einer solchen Kraft anzukommen, daß wir, wenn wir ein kleines Kind sind, jetzt mit der Erbschaft vom vorhergehenden Erdenleben so oder so gehen lernen, Gleichgewicht finden lernen, Füße und Hände, Arme und Beine differenzieren lernen.“

GA 224, S 19

„Aber da kommen Sie noch immer nicht zu irgend etwas, was das Ich ist. Sie kommen, wenn Sie die Welt verfolgen, zunächst auf die Natur, auf die physische Natur, auf die Erdennatur, von da ins Ätherische, am Ende des Ätherischen ins Astralische. Aber Sie kommen da noch nicht in diejenige Welt hinein, der das Ich des Menschen angehört. Die ist zunächst überhaupt in diesem Bereich des Kosmos, der selbst für die astralischen Sinne aufzufinden ist, nicht vorhanden, sondern das Ich gehört noch einer weiteren Welt an, die wiederum durchaus eigene Gesetze hat. So daß, wenn man von der menschlichen Wesenheit spricht, man sich klar sein muß darüber, daß die verschiedenen Glieder ganz verschiedenen Welten angehören. Man hat es nicht mit einer bloßen Einteilung zu tun, sondern mit der Darstellung der Tatsache, daß in der menschlichen Wesenheit zusammenfließen die Wesenheiten radikal voneinander verschiedener Welten.“

GA 224, S 101

„Die Leute denken nach darüber: Wie kommt es denn, daß man sagt, der Tisch ist außer uns? ‑ Zu dieser Aussage: Der Tisch ist außer uns ‑, käme man gar nicht, wenn wir ganz untertauchen würden in unseren physischen und Ätherleib. Wir würden nie zu einem Bewußtsein kommen: Der Tisch ist außer uns ‑, würden nur dasjenige überhaupt erleben, was in uns ist, nämlich innerhalb der Haut unseres Körpers. Und da würde hereinglänzen ein innerlich geschlossenes Weltenall, das ätherisch ist, weisheitsvoll. Aber das Urteil, es sei irgend etwas außer uns, das kommt daher, daß wir im Schlafe selbst außer uns sind. Da gewöhnt sich das Ich, wenn es außer dem physischen Leibe ist, an ein Sein außerhalb des physischen Leibes. Schlüpft das Ich wiederum hinein, dann hat es ein Verständnis für die Außenwelt. Dem Umstande, daß wir schlafen können, verdanken wir überhaupt die Möglichkeit, Dinge außer uns annehmen zu können. Wir gewöhnen uns an das Sein außer uns dadurch, daß wir selbst uns außer uns versetzen im Schlafe.

Die Philosophen denken darüber nach, was das Sein verbürgt; warum ich überhaupt sage: Etwas ist ‑ oder: Ich bin. ‑ Würde ich von meinem physischen und ätherischen Leibe ganz aufgesogen, käme ich gar nicht dazu, zu sagen: Ich bin. ‑ Aber dadurch, daß ich mich zwischen dem Einschlafen und Aufwachen unabhängig machen kann vom physischen und Ätherleib, gewöhne ich mich daran, auch mit der Außenwelt zu leben. Geradeso wie man bewußt eine Erinnerung hat, wie ich mich, wenn ich gestern jemanden gesehen habe, heute bewußt erinnere und dieser Erinnerung eine Realität zuschreibe, so schreibe ich dem, was außer mir ist, aus der Gewohnheit ‑ weil ich auch zuweilen außer mir bin im Schlafe ‑ eine äußere Realität zu.“

GA 224, S 104/105

„Gehen wir nun zurück zum ersten, was das Kind lernt: zum Gehen, zum Lernen der Gleichgewichtshaltung. Damit ist mehr verbunden, als man gewöhnlich denkt. Verbunden ist damit das Heraufholen eines ganz bestimmten physischen Vorganges durch das Ich, der den Menschen aus dem kriechenden zu einem gehenden Wesen macht. Das Ich ist es, das den Menschen aufrichtet, der Astralleib ist es, der in die Sprachempfindung hineinwirkt in dem aufrechten Wesen, der ätherische Leib ist es, der das alles mit Denkkraft durchdringt. Sie wirken aber alle hinein in den physischen Leib. Wenn wir das Tier betrachten, das sein Rückgrat parallel zur Erdoberfläche hat, so ist das Tun, das Sich‑Bewegen, Handeln, alles, was aus dem Astralen hervorgeht, etwas ganz anderes als beim Menschen, der als ein wollendes Wesen aus seiner aufrechten, senkrechten Natur heraus handelt. Was beim Menschen Zustände sind, die sich so im Ich, Astralleib und Ätherleib abspielen, das ist im physischen Leibe eine Art Verbrennungsprozeß. Hier ist der Punkt, wo unsere physische Wissenschaft, wenn sie sich wird vervollkommnen wollen, den Zusammenschluß mit Anthroposophie wird finden können.“

GA 224, S 117/118

„Nehmen Sie ein Beispiel. Sie wissen, ich habe oft gesagt, daß in Mitteleuropa vorzugsweise alle völkischen Impulse dadurch bedingt sind, daß in diesem Mitteleuropa der Volksgeist durch das Ich wirkt im Gegensatz zu den verschiedensten Gebieten Westeuropas. Aber das Ich hat die Eigentümlichkeit, daß es, ich möchte sagen, auf- und abkreist unter den anderen Gebieten, die fest sind. Nehmen Sie also an:

im Süden und Westen Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele, Bewußtseinsseele, in der Mitte aber das Ich (es wird gezeichnet). Das Ich kann in der Bewußtseinsseele, in der Verstandesseele, in der Empfindungsseele sein. Es pendelt gewissermaßen auf und ab, es findet sich in alles hinein. Daher die Eigentümlichkeit: Wenn Sie nach dem Westen von Europa schauen, haben Sie, ich möchte sagen, scharfumrissene Volkskonturen. Da ist scharfumrissenes Volkstum, Volkstum, das Sie wirklich, ich möchte sagen, definieren können, das in einem guten Rahmen darinnen ist. Schauen Sie nach Mitteleuropa, vorzugsweise zum deutschen Volke, so haben Sie ein nach allen möglichen Seiten bestimmtes Wesen. Und jetzt verfolgen Sie die Geschichte, indem Sie diese Grundmaximen in der richtigen Weise beurteilen. Sehen Sie hin, wo Sie wollen, im Westen bis Amerika hinüber, im Osten bis nach Rußland, und sehen Sie an, wie da überall deutsches Volkstum als Ferment gewirkt hat. Es geht in diese fremden Gebiete hinein, ist heute drinnen, wird in der Zukunft wirken, auch wenn es sich entnationalisiert hat, wie man sagt; es geht in diese Gebiete hinein, weil das Ich auf- und abschwebt. Es verliert sich darinnen. Das finden Sie aus dem Grundwesen des Volkstums ganz genau heraus. Sehen Sie doch an, wie diese ganze russische Kultur durchsetzt ist von deutschem Wesen, wie Hunderttausende von Deutschen dort eingewandert sind im Laufe einer verhältnismäßig kurzen Zeit, wie sie bis in unendliche Tiefen hinein dem volksmäßigen Wesen das Gepräge gegeben haben. Sehen Sie nach dem ganzen Osten, so werden Sie überall dieses Gepräge finden, und gehen Sie selbst auf die Jahrhunderte zurück, fragen Sie heute an, gehen wir zum Beispiel nach Ungarn, wo angeblich eine magyarische Kultur ist. Diese magyarische Kultur beruht vielfach darauf, daß alles mögliche Deutsche dort als Ferment hineingegangen ist. Der ganze Nordrand Ungarns ist von den sogenannten Zipser-Deutschen bewohnt, die natürlich dann majorisiert, tyrannisiert, entnationalisiert worden sind, die Unsägliches gelitten haben, die aber ein Kulturferment abgaben. Gehen wir weiter nach dem Osten, Siebenbürgen, da finden wir die Siebenbürger Sachsen, die einst am Rhein gewohnt haben. Gehen wir weiter zu dem sogenannten Banat, da haben Sie die Schwaben, die aus dem Württembergischen eingewandert sind, die das Kulturferment abgegeben haben. Und würde ich Ihnen die Karte von Ungarn aufzeichnen, so würden Sie sehen hier den breiten Rand der in das Magyarentum hineingegangenen deutschen Menschen, hierin die Zipser-Deutschen, im Südosten die Siebenbürger Sachsen, hier im Banat die Schwaben, gar nicht gerechnet dasjenige, was an einzelnen da hineingegangen ist. Und das Eigentümliche dieses deutschen Volkstums besteht darin, daß es eben, weil sein Volksgeist durch das Ich wirkt, gewissermaßen äußerlich als Volk untergeht, aber ein Kulturferment bildet. Das ist dasjenige, was beitragen kann zur Beurteilung der wirksamen Kräfte. Das ist eine solch wirksame Kraft.“

GA 185a, S 186-188

„Ein Beispiel aus vielen sei herausgegriffen. Die moderne Religionswissenschaft, die irreligiöse Religionswissenschaft hat es sich besonders zugute getan, daß sie herausbekommen hat gewisse Erkenntnisse über den Zusammenhang, sagen wir von den neutestamentlichen Aussprüchen und Geboten mit den alttestamentlichen und mit heidnischen Aussprüchen und Geboten. Man hat zum Beispiel das Vaterunser nach der Herkunft jedes einzelnen Satzes verfolgt und gesagt: Dieser einzelne Satz findet sich schon da, jener schon dort vor. Wenn man dies so hört, möchte es leidlich scheinen. Aber in dem Augenblicke, wo man in der weltgeschichtlichen Betrachtung, in spiritueller weltgeschichtlicher Betrachtung an das Mysterium von Golgatha herantritt, merkt man, daß alle diese Dinge in einem neuen Zusammenhang erscheinen und daß es nicht darauf ankommt, zu entdecken, daß alle diese Sätze schon in früherer Zeit da waren, sondern darauf, immer die Umgebung dieser Sätze sich anzuschauen, durch die sie eine neue Nuance erhalten. Und diese ist immer eine andere im Alten und im Neuen Testamente. Dadurch wird das, was durch das Mysterium von Golgatha gekommen ist, in ganz intime Dinge hereingeführt. Die Worte bleiben oftmals dieselben und die Wortzusammenhänge auch, aber die Art und Weise, wie die Zusammenhänge schattiert und nuanciert sind, ist anders, und darauf kommt es gerade an.

Ein Ungeheueres zum Beispiel liegt darin, daß der Begriff, die Vorstellung des Ich in dem ganzen Entwickelungssystem der Sprache, je weiter man zurückgeht in die vorchristlichen Zeiten, ganz anders organisiert ist als nachher, wenn man fortschreitet von dem Mysterium von Golgatha in die Zukunft hinein. Die Art, wie man über das Ich spricht, wird anders, und das kann man schon in der Konfiguration der Sprache sehen. Wenn das Ich zum Beispiel in vielen Sprachen in das Zeitwort hineingeheimnißt wird, so bedeutet das ganz etwas anderes, als wenn es abgesondert von dem Zeitworte hingestellt und ausgesprochen wird und so weiter.“

GA 275, S 30/31

„Wenn wir nun auf das vierte Glied unserer menschlichen Wesenheit sehen, auf das Ich, und wir schieben dieses Ich in seinen Gesetzen hinunter in den Astralleib hinein, weiter hinunter, lassen es darinnen beweglich, tätig sein, so bekommen wir wiederum eine andere Kunst, die da nicht enthält dasjenige, was im Ich wirkt, was wir etwa durch die Sprache oder durch unser gewöhnliches Vorstellen zusammenfassen, sondern wir bekommen etwas, was vom Ich um eine Stufe gegen das Unterbewußte heruntergerückt ist. Gleichsam mit dem Horizonte unseres Bewußtseins gehen wir um die Hälfte eines Gliedes unserer Menschenwesenheit herunter, wir gehen um eine halbe Stufe herunter, wir tauchen unter mit dem Ich in den Astralleib hinein: dadurch entsteht die Musik.

 

Musik

Ich

 

Die Musik enthält also die Gesetze unseres Ich, aber nicht so, wie wir sie im gewöhnlichen prosaischen Leben ausleben, sondern hinuntergedrückt ins Unterbewußte, in den Astralleib hinein, gleichsam das Ich unter die Oberfläche des Astralleibes untergetaucht und dadrinnen, in der Gesetzmäßigkeit des Astralleibes, schwimmend und wogend.“

GA 275, S 45/46

„Wenn wir dann von den höheren Gliedern der Menschenwesenheit sprechen wollen, zunächst von dem Geistselbst, so können wir nur sprechen als von etwas, was noch außerhalb der menschlichen Wesenheit ist. Denn wir beginnen erst in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum allmählich dieses Geistselbst zu einem inneren Gliede zu machen. Aber wenn der Mensch das aufnimmt als von einem Höheren kommend und in sein Ich hineinsenkt, also wiederum untertaucht mit dem, was heute nur geahnt werden kann, wie der Schwimmer im Wasser untertaucht, in das Ich mit den Ahnungen von seinem Geistselbst, dann entsteht die Dichtung.

 

Dichtung

Geistselbst

GA 275, S 46

„Ich habe ja gestern darauf hingedeutet, daß der Mensch im Grunde genommen nicht nur bei Nacht schläft, sondern daß Gewisses im Menschen auch bei Tag schläft. Bei Nacht schläft mehr das Gedanklich-Gefühlsmäßige, bei Tag schläft mehr das Willensartig-Gefühlsmäßige. Gerade in dieses Willensartig-Gefühlsmäßige taucht man unter, wenn man das Ich untertauchen läßt in den Astralleib. Und in dem Erklingen des musikalischen Kunstwerkes liegt eben das vor, daß der Mensch bewußt hinuntertaucht mit der Ich-Natur in dasjenige, was sonst schläft. Sitzen Sie im Anhören einer Symphonie, so bedeutet das in Ihnen den inneren Vorgang, das gewöhnliche, profane Gedankenleben zu dämpfen und mit Ihrem geistig-seelischen Erleben hinunterzutauchen in das, was sonst während des Tagwachens schläft. Das bedingt den Zusammenhang der musikalischen Wirkung mit all den belebenden Kräften im menschlichen Organismus; das bewirkt den Zusammenhang mit alledem, was gleichsam den ganzen Menschen durchzieht und durchlebt und ihn eins werden läßt, ich möchte sagen, ihn zusammenwachsen läßt mit strömenden Tonmassen.“

GA 275, S 52

„Diejenigen Wesenheiten, die bis zu einem vorübergehenden wäßrigen Dasein im Hauche kommen und die aus dem sittlichen Verhalten hervorgehen, sind Wesen, die einen astralischen, einen ätherischen und endlich einen physischen Leib haben, der bis zur Wäßrigkeit verdichtet ist, so wie wir während des Mondendaseins einen ätherischen, einen astralischen und einen physischen Leib hatten, und der physische Leib auch nur bis zu einer Art von Wäßrigkeit verdichtet war. Es war schon auch mit uns so während des Mondendaseins, wenn auch nicht genau so. Und in diesem Gebilde, das da aus den sittlichen Handlungen entsteht und das aus physischem Leib, Ätherleib und Astralleib besteht, ist die Anlage, das Ich aufzunehmen, so wie in unserem physischen, Äther- und Astralleib während der Mondenzeit die Anlage war, ein Ich aufzunehmen. Die Anlage, ein Ich aufzunehmen, ist also darinnen. Solche Wesenheiten sind zum regulär fortschreitenden Dasein im Kosmos berufen, sie gehen einen regulären Weg. Die andern Wesenheiten, die als Dämonen durch die unsittlichen Handlungen geschaffen werden, haben auch selbstverständlich astralischen Leib, ätherischen Leib und den physischen Leib bis zur Wäßrigkeit, aber sie haben nicht die Anlage, ein Ich zu entwickeln. Sie kommen gleichsam geköpft zur Welt. Statt daß sie die Anlage in sich aufnehmen, fortzuschreiten in der regulären Evolution zum Jupiterdasein, lehnen sie diese Anlage ab. Sie verurteilen sich dadurch zu dem Schicksale, aus der Evolution herauszufallen. Dadurch aber vermehren sie die Scharen der luziferischen Wesenheiten. Sie gelangen unter die Gewalt der luziferischen Wesenheiten. Sie müssen dadurch, weil sie zu keinem regelmäßig veranlagten Dasein kommen können, ein Parasitendasein führen. Alle Wesenheiten, welche ein regelmäßig veranlagtes Dasein ablehnen, müssen ein Parasitendasein führen, müssen sich, um fortzukommen, woanders ansetzen. Diejenigen Wesenheiten, die durch unsittliche Handlungen entstehen, haben insbesondere das Bestreben, ein Parasitendasein zu führen, indem sie die menschliche Evolution auf der Erde ergreifen unter der Leitung des Luzifer, dem sie sich untergeordnet haben, indem sie die Evolution beim Menschen ergreifen, bevor dieser physisch zur Welt gekommen ist. Den Menschen in der Embryonalzeit befallen sie und führen bei dem noch ungeborenen Menschen, in dem Leben des Menschen zwischen Empfängnis und Geburt, ein parasitäres Dasein. Manche Wesen, die stark genug sind, können dieses Dasein noch fortsetzen, wenn der Mensch schon zur Welt gekommen ist, und zeigen uns dann die Erscheinungen, die auftreten können bei gewissen besessenen Kindern.“

GA 275, S 137/138

„Wenn wir es ernst nehmen mit der Karma-Idee, dann müssen wir unser Ich in unserem Schicksale wirklich erkennen, wir müssen uns klar sein, daß wir in dem, was uns im Schicksal zustößt, selber tätig sind, daß wir selber die eigentlichen Akteure sind. Es wird uns gewiß schwierig, wenn uns jemand beleidigt, daran zu glauben, daß in dem Beleidiger wir selber darinnenstecken. Denn im physischen Leben kann es nötig sein, die Beleidigung zu ahnden. Aber wir müssen immer ein Kämmerchen in unserem Inneren haben, in dem wir uns doch gestehen: Selbst wenn dich jemand beleidigt, so bist du es selbst, der dich beleidigt, wenn dich jemand schlägt, bist du es selbst, der dich schlägt, wenn dich mißliche Schicksalsschläge treffen, so bist du es selbst, der diese Schicksalsschläge an dich heranbringt. – Wir vergessen, daß wir nicht bloß in unserer Haut sind, sondern in unserem Schicksal darinnen sind, wir vergessen, daß wir in allen den sogenannten Zufällen unseres Schicksals darinnen sind.

Es ist sehr schwierig, wirklich die Empfindung zu entwickeln, daß man sein Schicksal mit dem eigenen Ich heranträgt. Wahr ist es aber: wir tragen unser Schicksal mit unserem eigenen Ich heran, und die Impulse bekommen wir nach Maßgabe unserer früheren Inkarnationen in dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, so daß wir da unser Schicksal selber an uns herantragen. Und wir müssen danach streben, zusammenzuwachsen mit unserem Schicksal, müssen immer mehr und mehr, statt antipathisch einen schweren Schicksalsschlag abzuwehren, uns sagen: Dadurch, daß dieser Schicksalsschlag dich trifft, das heißt, daß du dich triffst mit dem Schicksalsschlag, dadurch machst du dich in gewisser Beziehung stärker, kräftiger, kraftvoller. – Es ist schwieriger, so mit seinem Schicksal zusammenzuwachsen, als uns dagegen zu wehren, aber das, was wir verlieren, wenn unser Gedanke erstirbt, das können wir nur wiedergewinnen, wenn wir auf diese Weise das, was außer uns ist, in uns hineinziehen. In dem, was in unserer Haut ist, können wir nicht bleiben, wenn der Gedanke bei der Konzentration in uns erstirbt, aber hinaustragen wird er uns, wenn wir unser Karma, unser Schicksal im wahren Sinne erfaßt haben. Da wecken wir uns wieder auf. Der Gedanke erstirbt, aber das, was wir als Identifizierung erfaßt haben zwischen unserem Ich und unserem Schicksal, das tragen wir hinaus, das trägt uns draußen in der Welt herum.

Diese Gelassenheit gegenüber unserem Schicksal, das wahrhaftige Hinnehmen unseres Schicksals, das ist es, was uns mit Existenz beschenkt, wenn wir außerhalb unseres Leibes sind. Das braucht selbstverständlich unser Leben auf dem physischen Plane nicht zu ändern. Das können wir nicht immer. Aber die Gesinnung, die wir in einem Kämmerchen unserer Seele entwickeln müssen, die muß da sein für die Augenblicke, wo wir wirklich außerhalb unseres Leibes die Möglichkeit finden wollen, bewußt zu leben.“

GA 275, S 141/142

„Zwei Sätze können Leitsätze für uns sein, können uns außerordentlich wichtig sein. Der erste dieser Sätze, den wir uns so recht tief einschreiben sollten, ist dieser:

 

Erstrebe des Gedankens Ersterben im All.

 

Denn nur, wenn der Gedanke erstirbt im All, dann wird er draußen eine lebendige Kraft. Aber wir können uns mit dieser lebendigen Kraft nicht verbinden, wenn wir uns nicht um den Inhalt des zweiten Satzes bemühen:

 

Erstrebe des Schicksals Auferstehung im Ich.

 

Wenn du das vollbringst, dann vereinigst du das im Gedanken wiedergeborene mit dem außer dir auferstandenen Ich.“

GA 275, S 143

„Insbesondere in der ersten, in der urindischen Epoche, also wenn wir in das siebente, achte Jahrtausend der vorchristlichen Zeit zurückgehen, finden wir, daß der Mensch ganz anderes, vielleicht kann ich nicht sagen sprach, aber fühlte von dem, was wir heute Ich nennen. Gewiß, die Menschen haben sich in der damaligen Zeit überhaupt nicht so über die Dinge ausgesprochen, weil die menschliche Sprache sich nicht in solcher Weise auf die Dinge erstreckt hat wie heute, aber wir müssen die Dinge in unsere Sprache hineinbekommen. Und so möchte ich sagen, der Angehörige der urindischen Epoche sprach nicht von dem Ich so wie wir heute, daß es gewissermaßen eine Art Punkt ist, der die Seelenerlebnisse zusammenfaßt, sondern wenn in der vorindischen Zeit von dem Ich gesprochen wurde, so war es selbstverständlich, daß das Ich überhaupt mit der Erde und ihren Ereignissen wenig zu tun hat. Indem der Mensch sich als ein Ich fühlte, fühlte er sich eigentlich gar nicht als der Erde angehörig, fühlte sich als Ich im Zusammenhange zunächst mit dem Fixsternhimmel. Von dem Fixsternhimmel hatte er das Gefühl, der gibt ihm die Festigkeit seines Ich, gibt ihm das Gefühl, daß er überhaupt ein Ich hat. Und dieses Ich wurde gar nicht als ein menschliches Ich gefühlt. Mensch war der Mensch nur dadurch, daß er auf Erden mit einem physischen Leibe umkleidet wurde. Durch diesen physischen Leib, der als eine Art Schale des Ich angesehen wurde, war der Mensch Erdenbürger. Aber das Ich wurde eigentlich innerhalb des Irdischen immer als etwas Fremdes angesehen. Und wollten wir heute einen Namen prägen für die Art, wie das Ich angesehen wurde, so müßte man sagen: Der Mensch fühlte dazumal gar nicht menschliches Ich, sondern göttliches Ich.

Der Mensch hätte hinaussehen können zu allem möglichen Gestein, zu den Bergen, zu den Felsen, er hätte alles ansehen können, was sonst auf der Erde ist, wenn er von alledem gesagt hat, es ist, es existiert, so würde er aber zu gleicher Zeit in diesen alten Zeiten empfunden haben, wenn es nur dieses Sein gäbe, das es auf der Erde in Steinen, in Pflanzen, in Flüssen, in Bergen, in Felsen gibt, dann könnten wir Menschen kein Ich haben. Denn alles das, was diesen irdischen Dingen und Wesenheiten die Existenz garantiert, könnte dem Ich keine Existenz garantieren. Der Mensch fühlte nicht ein menschliches Ich in sich, sondern ein göttliches Ich. Das göttliche Ich war ihm ein Tropfen aus dem Meere des Göttlichen. Aber wenn er vom Ich reden wollte – ich sage das mit den Einschränkungen, die ich gerade vorhin gemacht habe -, so fühlte er zunächst das Ich als ein Geschöpf des Fixsternhimmels. Den Fixsternhimmel empfand er als das einzige, was ein solches Sein hat. Weil das Ich ein ähnliches Sein hat wie der Fixsternhimmel, kann das Ich überhaupt von sich sagen: Ich bin. Könnte das Ich nur nach Maßgabe des Seins eines Steines oder der Pflanzenwelt oder der Berge und Felsen sagen: Ich bin, so würde das Ich kein Recht haben zu sagen: Ich bin. Nur weil das Ich sternenhaft ist, kann es sagen: Ich bin. Weil die Existenz, welche die Sterne haben, in dem Ich lebt, kann das Ich sagen: Ich bin. Die Menschen dieser uralten Menschheitsepoche haben gesehen, da draußen fließen die Flüsse, da bewegen sich die Bäume durch den Wind. Aber wenn man von dem menschlichen Ich, das den physischen Menschenleib bewohnt und in sich den Impuls hat, ich gehe dahin, ich gehe dorthin, ich bewege mich auf der Erde -, wenn man von diesem Ich als dem Aktiven in der Bewegung nur so sagen könnte, es bewegt den Körper, wie man sagen kann, der Wind bewegt die Bäume, oder wie man überhaupt von irgend etwas auf der Erde, das in Bewegung sein kann, sagt, es bewegt sich, dann würde man kein Recht haben, dem Ich einen Bewegungs-Impuls zuzuschreiben.“

GA 276, S 11-13

„Etwa so würde der Lehrer in den Mysterien zu seinen Schülern in jener alten Zeit gesagt haben: Ihr könnt sehen, wie die Bäume bewegt werden, wie die Gewässer in den Flüssen fließen, wie das Meer sich bewegt. Aber weder von den Bäumen, die sich bewegen, noch von dem Wasser, das in den Flüssen sich bewegt, noch von den Wellen, die das Meer aufwirft, könnte das Ich jemals lernen, jene Bewegungs-Impulse zu entwickeln, welche der Mensch entwickelt, wenn er seinen Körper in Bewegung über die Erde trägt. Das kann das Ich von einem bewegten Erdending niemals lernen. Das kann das Ich nur lernen, weil es der Bewegung der Planeten, der Sternenbewegung angehört. Nur von Mars, von Jupiter, von Venus kann das Ich sich bewegen lernen. Und wenn das Ich willkürlich sich auf Erden bewegt, so führt das Ich etwas aus, was es dadurch ist, daß es der sich bewegenden, planetarischen Sternenwelt angehört. – Weiter würde es einem Menschen dieser alten Menschheitsepoche ganz unbegreiflich erschienen sein, wenn jemand gesagt hätte: Sieh einmal, da steigen aus deinem Gehirn Gedanken heraus. – Wenn man sich heute zurückversetzt in die Seelenverfassung, die man selber gehabt hat, denn wir sind durch die Leben in der alten urindischen Epoche durchgegangen, und man stellt sich dann der heutigen Seelenverfassung gegenüber, in der man glaubt, daß die Gedanken aus dem Gehirn herauskommen, so erscheint dem alten Menschen, der man selber war, das, was der neue Mensch glaubt, ganz unsinnig, durchaus unsinnig. Denn der alte Mensch wußte, Gedanken könnten niemals aus einer Gehirnmasse herauskommen. Er wußte, daß die Sonne dasjenige ist, was die Gedanken erregt, und daß der Mond dasjenige ist, was die Gedanken wiederum beruhigt. Er schrieb der Wechselwirkung von Sonne und Mond das Leben der Gedanken in sich selber zu. So wurde das göttliche Ich in der ersten nachatlantischen Epoche, in der urindischen Zeit, als etwas, was dem Fixsternhimmel angehört, was den planetarischen Bewegungen angehört, angesehen, was der Wechselwirkung von Sonne und Mond angehört. Eigentlich betrachtete man das, was das Ich von der Erde hat, etwa so, wie Ereignisse, die an dem kosmisch-göttlichen Ich vorübergingen, während das Wesen des Ich durchaus kosmisch-göttlicher Natur für diese alten Zeiten war.“

GA 276, S 13/14

„Sehen wir weiter. Die Sonne erblicken wir weißlich. Das Weißliche fühlen wir nahe verwandt dem Lichte. Wenn wir in der Nacht in schwarzer Finsternis aufwachen, fühlen wir, das ist nicht unsere entsprechende menschliche Umgebung, wo wir unser Ich voll fühlen können. Wir brauchen Licht zwischen uns und den Gegenständen, um unser Ich voll fühlen zu können. Wir brauchen gewissermaßen zwischen uns und der Wand Licht, damit die Wand aus der Entfernung auf uns wirken kann. Da entzündet sich unser Ich-Gefühl. Wenn wir im Lichte, das heißt im Weiß-Verwandten, aufwachen, dann empfinden wir unser Ich. Wenn wir im Finstern, das heißt im Schwarz-Verwandten, aufwachen, fühlen wir uns fremd in der Welt. Ich sage: Licht. Ich könnte auch andere Sinnesempfindungen nehmen. Und Sie werden einen scheinbaren Widerspruch herausfinden, weil der Blindgeborene niemals Licht sieht. Aber es kommt nicht darauf an, ob man das Licht unmittelbar sieht, sondern wie man organisiert ist. Der Mensch ist, auch wenn er blind geboren ist, für das Licht organisiert, und die Hemmung für die Ich-Energie, die beim Blinden vorhanden ist, ist vorhanden durch die Abwesenheit des Lichtes. Das Weiß ist dem Lichte verwandt. Fühlen wir das Weiß, das heißt das Lichtartige in dieser Art, daß wir eben empfinden, wie das Ich im Raume sich entzündet an dem Weißen zu seiner inneren Stärke, dann können wir sagen, indem wir jetzt den Gedanken lebendig machen, nicht abstrakt: Das Weiß ist die seelische Erscheinung des Geistes. – Deshalb fühlen wir auch überall, wo uns auf Bildern Weiß entgegentritt: Ja, da ist der Geist gemeint.“

GA 276, S 124/125

„Aber das kann die Sonne nicht allein. Die Sache ist so: Wenn wir das Ei anschauen, ist das also in der Feuchtigkeit drinnen, in der Salz ist. Salz ist Erde, Feuchtigkeit ist Wasser. So daß wir sagen können: Das Ei muß gedeihen in Erde und etwas Wasser. – Die Raupe kommt schon ans Licht heraus. Die Raupe kann ihrem ganzen Wesen nach nicht bloß gedeihen in Erde und Wasser, also in aufgelöstem Kalk zum Beispiel und Wasser, sondern die Raupe braucht Feuchtigkeit, also Wasser, aber auch Luft, Feuchtigkeit und Luft. Diese Feuchtigkeit und Luft, die die Raupe braucht, die ist nun nicht bloß wie das, was das Ei physisch braucht, sondern in dieser Feuchtigkeit drinnen lebt dasjenige, was man Äther nennt und was ich Ihnen beim Menschen geschildert habe als den Ätherleib. Die Raupe kriegt einen Ätherleib. Und durch den Ätherleib atmet sie. Durch den Ätherleib nimmt sie dasjenige auf, was jetzt schon geistig in der Luft ist. Das Ei ist noch ganz physisch, die Raupe aber lebt schon im Physisch-Ätherischen. Aber das ist schwer für die Raupe, im Physisch-Ätherischen zu leben. Die Raupe hat viel zuviel schwere Erdenmaterie in sich. Bei der Raupe ist es so: Wenn sie ans Licht kommt, so zeigt sich das eben, daß sie dann aus sich heraus die Lichtstrahlen spinnt in Form ihrer Kokonseide. Die Raupe möchte ans Licht, kann aber nicht; sie hat zuviel Schwerekräfte in sich. Sie ist dem nicht gewachsen, dem sie jetzt ausgesetzt ist. Daher will sie selber aufgehen im Licht, sie will sich ins Licht hineinergießen, sie will im Licht weiterleben. Was tut sie? Ja, sie schließt sich gegen die Erde mit den Sonnenstrahlen ab, sie macht einen Kokon um sich herum. Die Raupe schließt sich in der Puppe von den physischen Erdenkräften ganz ab. Und jetzt hat die Puppe im Inneren, wo der «Wurm» verschwunden ist, astralische Kräfte in sich, nicht mehr Erdenkräfte und nicht mehr ätherische Kräfte, sondern astralische, ganz geistige Kräfte in sich, und diese astralischen Kräfte leben im eingefangenen Licht. Das eingefangene Licht hat immer geistige Kräfte, astralische Kräfte in sich. Und diese astralischen Kräfte, die schaffen den Schmetterling. Der kann jetzt, weil er ganz aus astralischen Kräften besteht, in der Luft herumfliegen, was die Raupe nicht kann; der kann dem Lichte folgen. Er folgt nur dem Lichte, er unterliegt nicht mehr der Schwere. Es ist die Schwere dadurch, daß er sich hingegeben hat, ausgeschaltet. So daß man sagen kann: Er ist zum Ich herangereift. – Ein Ich ist es, in dem wir sozusagen den Schmetterling herumflattern sehen. Wir Menschen haben unser Ich in uns. Der Schmetterling hat es außer sich. Das Ich ist eigentlich Licht. Das färbt ihn.

Wenn Sie das bedenken, dann müssen Sie sich etwas klarmachen. Sie alle sagen immer zu sich: Ich. – Was bedeutet das, wenn Sie zu sich Ich sagen? Sehen Sie, jedesmal, wenn Sie zu sich Ich sagen, glänzt in Ihrem Hirn eine kleine Flamme auf, die nur mit gewöhnlichen Augen nicht gesehen werden kann. Das ist Licht. Sage ich zu mir Ich, so rufe ich das Licht in mir auf. Dieses selbe Licht, das den Schmetterling in Farben färbt, das rufe ich in mir auf, wenn ich zu mir Ich sage. Es ist das wirklich außerordentlich interessant, draußen in der Natur zu beobachten, daß man sich sagen kann: Ich sage zu mir Ich; könnte ich dieses Ich ausstrahlen in alle Welt, so wäre es Licht. Ich habe es nur durch meinen Körper eingesperrt, dieses Ich. Könnte ich es ausstrahlen, so könnte ich mit diesem Licht lauter Schmetterlinge erschaffen. – Das Ich des Menschen hat eben die Macht, lauter Schmetterlinge zu schaffen, überhaupt Insekten und so weiter zu schaffen. Sehen Sie, da stellen sich die Menschen vor; daß alles so einfach ist. Aber in älteren Zeiten, wo man solche Sachen gewußt hat, da haben die Menschen auch in dem Sinne gesprochen. Im ganz alten Judentum, da gab es ein Wort: « Jahve» was dasselbe bedeutet wie «Ich». Dieses Wort, in der hebräischen Sprache Jahve, durfte nur der Priester aussprechen, weil der Priester dazu vorbereitet war, sich zu sagen, was das bedeutet. Denn der Priester sah in dem Momente, wo er Jahve aussprach, überall die Bilder von herumfliegenden Schmetterlingen. Und da wußte er: Hat er das Wort Jahve ausgesprochen so, daß er nichts sah, so hat er es nicht mit der inneren richtigen Herzhaftigkeit ausgesprochen. Er stand aber in der richtigen inneren Herzhaftigkeit, wenn er lauter Schmetterlinge sah. Das hat er aber den anderen Leuten nicht beibringen können, denn die wären verrückt geworden darob; darum hat er sich erst vorbereiten müssen. Aber wahr ist es doch.“

TB 725, S 22-24

„Ja, meine Herren, aber was ist denn das? Denken Sie sich einmal, hier wäre zwischen diesem Pult und dem Punkt, wo ich stehe, eine große Bettdecke mit lauter Flaumfedern drinnen. Die Flaumfedern wären etwas dünn drinnen, und ich stelle mich da hier an und dränge dahin, gehe so dahin, drücke die Flaumfedern zusammen, ich komme nicht ganz bis zu dem Pult hin, sondern muß in der Mitte stehenbleiben, weil ich sie nicht weiter zusammendrücken kann. Ich erreiche das Pult nicht, aber ich verspüre einen Druck, wenn ich mich da anstemme. So wollen Sie das Ich aussprechen, wollen Sie eigentlich lauter Schmetterlinge erzeugen, weil das Ich Licht ist. Aber Sie können das nicht. Statt dessen spüren Sie den Widerstand, wie ich da den Widerstand spüre, wenn ich dem entgegengehe. Und das sind Ihre Gedanken. Darinnen bestehen Ihre Gedanken, daß man nicht lauter Schmetterlinge erschaffen kann durch das Licht. Das Ich denkt Gedanken. Die Gedanken sind eigentlich nur Bilder von der Schmetterlingswelt.

Sehen Sie, das sieht so aus, daß eigentlich heute noch dasselbe einträte, was im alten Judentum eingetreten wäre, wenn einfach ein jeder, der Jahve ausgesprochen hätte, die ganze Schmetterlingswelt gesehen hätte; dann hätten die Leute gesagt: Nun, der ist selbstverständlich verrückt. – Er wäre es auch gewesen, wenn er nicht reif dazu gewesen wäre, die geistigen Sachen anzuschauen! Aber heute sagen die Leute, wenn einer davon redet, daß das Licht Ich ist, und daß das Licht dasselbe ist, was in anderer Weise, wenn es eingesperrt ist, die Schmetterlinge erschaffen kann, was in uns, weil wir ein dazu geeignetes Gehirn haben, die Gedanken schafft statt der Schmetterlinge – heute sagen die Leute wieder: Der ist verrückt! – Aber das ist die Wahrheit. Das ist eben der Unterschied zwischen einer bloßen Verrücktheit und der Wahrheit. So daß man sagen muß: Schauen wir uns den bunten Schmetterling an in der Luft, dann wirkt auf uns dasselbe, wie wenn wir uns so recht in uns fühlen und Ich sagen. Der Schmetterling kann nicht Ich sagen, nicht einmal das höhere Tier, weil das Ich von außen wirkt. Wenn Sie einen Löwen ansehen in seiner semmelfarbenen Gelbheit, dann ist es die semmelfarbene Gelbheit, die vom Ich des Löwen von außen bewirkt wird. Der Löwe wird selber gedacht von der ganzen Natur, die Färbung kommt dadurch zustande. Weil wir von innen heraus denken, bekommen wir nicht von außen die Färbung, sondern wir bekommen die Hautfärbung von innen, die man sehr schwer in der Malerei nachmachen kann. Aber unser Ich färbt eigentlich mit Hilfe des Blutes unseren ganzen Körper zu dieser wunderbaren Menschenfarbe, die man in der Malerei nur nachmachen kann, wenn man alle Farben in der richtigen Weise miteinander mischen kann, richtig mischen kann. Da schafft fortwährend die Natur an dem Wesen, aber sie schafft auf geistige Art. Sehen Sie, ich habe Ihnen hier gesagt: Es muß der Übergang sein von dem Feuchten, das die Luft in sich hält, zu dem Licht. Da ist die Puppe nun in Luft und Licht. Da ist sie in Wasser und Luft als Raupe, hier in Luft und Licht als Puppe, und dann kommt sie immer weiter von dem Licht, das eingefangen ist, zu dem Astralischen, das in ihr wirkt.“

TB 725, S 24/25

Dr. Steiner: Die Herzkrankheit, die bezeugt ja nichts anderes, als daß bei diesem Menschen die Ich-Organisation nicht ordentlich eingreift. Da kommt in Betracht, was Sie aus meinen Vorträgen kennengelernt haben. Sie wissen, wir haben vier Teile beim Menschen unterschieden: Erstens den gewöhnlichen physischen Leib, den man angreifen kann, zweitens den Ätherleib, drittens den astralischen Leib und viertens die Ich-Organisation. Diese Ich-Organisation greift ins Blut ein, und diese Ich-Organisation treibt eigentlich das Blut, und wie das Blut getrieben wird, so schlägt das Herz. In den Büchern finden Sie überall eine ganz falsche Darstellung. Da finden Sie dargestellt, wie wenn das Herz eine Pumpe

wäre und von da das Blut überall hingepumpt würde in den ganzen Körper. Das ist Unsinn, weil in Wirklichkeit das Blut nicht gepumpt, sondern von der Ich-Organisation selber getrieben wird und infolgedessen überall in Bewegung kommt.

Wenn jemand behauptet, daß das Herz es ist, welches das Blut treibt, dann soll der Betreffende auch gleich behaupten, wenn er irgendwo eine Turbine anbringt, so treibe die Turbine das Wasser. Jedermann weiß, daß das Wasser die Turbine treibt. Geradeso hat der Mensch solche Widerlagen. Da schlägt das Blut an und treibt das Herz. Nur daß das Blut einmal hinstößt, und indem der Sauerstoff mit dem Kohlenstoff sich verbindet, stößt es zurück; dadurch schnappt es einmal vor, einmal zurück. Dadurch entsteht der Herzstoß. Also es ist so, daß in der Blutzirkulation unmittelbar die Ich-Organisation des Menschen eingreift.“

TB 725, S 215

„Nun ist es so, daß diese Ich-Organisation eigentlich im Bienengift drinnen auf eine geheimnisvolle Weise enthalten ist. Dasjenige, meine Herren, was Sie haben als die Kraft, die in Ihrem Blute zirkuliert, das ist auch im Bienengift drinnen. Und es ist interessant, daß die Biene das Bienengift in sich drinnen braucht. Die Biene braucht das Bienengift nicht etwa bloß aus dem Grunde, damit sie stechen kann. Das kommt nur zufällig noch dazu, daß sie auch stechen kann. Die Biene braucht das Bienengift in sich selber, weil die Biene dieselbe Zirkulationskraft braucht, die der Mensch im Blut hat.

Der Bienenstock, habe ich Ihnen gesagt, ist wie ein ganzer Mensch. Nun denken Sie sich, Sie kriegen das Bienengift in den Leib hinein, das heißt also ins Blut. Es geht gleich, wie jedes Gift, das in den Leib kommt, ins Blut über. Nun denken Sie, Sie seien ein normaler Mensch. Ihr Blut wird dadurch mehr in Bewegung kommen. Dadurch kommen Entzündlichkeiten, aber Ihr Herz wird es vertragen. Ist aber einer herzkrank und es wird die Ich-Organisation durch das Gift verstärkt, so schlägt das auf eine etwas kranke Herzklappe auf, und die Folge davon ist, daß ein Mensch ohnmächtig werden oder gar sterben kann. Das ist der Fall, den Herr Müller erzählte.“

TB 725, S 215/216

„Nun aber ist es das Eigentümliche: Alles dasjenige, was einen Menschen krank machen oder töten kann, kann ihn auch heilen. Und das ist ja die große Verantwortlichkeit, die man bei der Bereitung von Heilmitteln hat, weil es gar keine richtigen Heilmittel gibt, die nicht, wenn sie falsch angewendet werden, dieselben Krankheiten hervorbringen können, die man mit ihnen heilen kann. Wenn Sie also bei einem Menschen eine gewisse Ohnmacht oder gar den Tod durch das Bienengift hervorbringen können, was geschieht denn da? Ja, sehen Sie, wenn ein Mensch ohnmächtig wird, so zieht sich aus seinem physischen Leib der astralische Leib und namentlich das Ich zurück, geht heraus wie im Schlafe, aber im Schlafe auf gesunde, in der Ohnmacht auf krankhafte Weise. In der Ohnmacht bleibt das Ich nämlich stecken, im Schlaf geht es ganz heraus. Wenn der Mensch eine schwache Ich-Organisation hat, bringt er es nicht wieder hinein. Man muß ihn rütteln und schütteln, damit er aus der Ohnmacht aufwacht, seine Atmung stärker machen und dergleichen. Man muß da irgendwelche künstlichen Dinge anwenden. Sie wissen ja auch: In solchen Fällen muß man die Vorderarme des Menschen nehmen, sie über der Brust kreuzen, zurücklegen, und dann wiederum nach vorne. So macht man diese künstliche Atmung bei einem Ohnmächtigen. Diese künstliche Atmung besteht immer darinnen, daß man eben durchaus die Ich-Organisation wiederum richtig in den Organismus hineinbringen will.“

TB 725, S 216/217

„Nehmen Sie nun aber an: Es hat jemand Rheumatismus oder selbst Gicht oder auch andere Ablagerungen im Körper. Da ist es so, daß man versuchen muß, die Ich-Organisation zu verstärken. Denn warum hat man Rheumatismus oder Gicht? Weil die Ich-Organisation zu schwach ist. Sie bringt das Blut nicht in die richtige Bewegung. Sie muß angeeifert werden. Wenn das Blut nicht in der richtigen Bewegung ist, zu langsam zum Beispiel fließt für den betreffenden Organismus, dann lagern sich überall kleine Kristalle ab, und die gehen dann in die Umgebung der Blutadern hinein. Diese kleinen Kristalle bestehen aus Harnsäure. Die füllen den ganzen Körper aus. Das ist die Gicht oder der Rheumatismus. Da ist die Ich-Organisation zu schwach.“

TB 725, S 217

„Gebe ich jetzt dem Menschen die richtige Dosis von Bienen- oder Wespengift, wird seine Ich-Organisation verstärkt. Nur darf man nicht zuviel geben, sonst kann die Ich-Organisation sich nicht behaupten. Wenn man aber just so viel gibt, daß die Ich-Organisation verstärkt wird, kann man mit Bienengift oder Wespengift ein sehr gutes Heilmittel erzeugen. Nur muß man es mit einem anderen Mittel vermischen. Solche Dinge werden gemacht. Es ist zum Beispiel das alte sogenannte Tartarusmittel in einer ähnlichen Weise, allerdings aus anderen Substanzen, fabriziert.

Also man kann immer gerade durch diese Giftstoffe Arzneimittel herstellen, wie zum Beispiel hier zur Verstärkung der Ich-Organisation. Aber wenn man solch ein Heilmittel anwendet, muß man den betreffenden Patienten kennen. Sagen wir zum Beispiel, jemand hat Gicht oder Rheumatismus. Die erste Frage ist diese: Ist sein Herz gesund, das heißt, funktioniert sein Herz gut unter der Einwirkung der Blutzirkulation? Ist dieses der Fall, dann kann man ihn heilen mit Bienen- oder Wespengift. Ist sein Herz nicht gesund, dann muß man da unterscheiden. Bei den nervösen Herzkrankheiten, bei denen schadet es nicht so viel, aber wenn man eine Herzkrankheit hat, die von einem Klappenfehler kommt, muß man schon sehr vorsichtig sein mit einem solchen Mittel. Es schlägt schon sehr stark an auf die Klappe, auf das Herz, mit Bienen- oder Wespengift. Ist die Klappe krank, dann können unter Umständen diese Heilmittel gar nicht verwendet werden. Das ist eben die Sache. Daher ist es so gefährlich, im allgemeinen zu sagen, irgendein Mittel ist ein Mittel gegen diese oder jene Krankheit. Sie können ganz gut sagen: Ich mache ein Präparat, ein Heilmittel. In das tue ich Wespengift oder auch Bienengift hinein – solch ein Heilmittel haben wir sogar -, vermische es mit irgendwelchen Bindemitteln, mit gelatineartigen oder anderen Bindemitteln aus Pflanzen heraus, dann wird es in die Ampulle gegeben, und dann wird es eingeimpft, geradeso wie der Bienenstich auch eingeimpft wird. Nur ist die Reaktion beim Bienenstich eine furchtbar viel größere. Und man kann dieses Heilmittel fabrizieren und kann sagen: ein Heilmittel gegen Rheumatismus.“

TB 725, S 217/218

„Das Herz ist nun ein außerordentlich widerstandsfähiges Organ und läßt sich eigentlich erst im Lauf von Jahren, wenn es nicht durch Vererbung oder von Jugend auf verdorben ist, von innen aus verderben. Aber solch ein Mensch, der außerordentlich viel ißt, der trinkt dann auch zum Essen viel Alkohol. Dadurch wird die Ich-Organisation angeregt, die Blutzirkulation sehr heftig. Da kann das Herz mit seinen Stößen gar nicht mehr nachkommen. Es lagert sich Gift, Harnsäure und so weiter überall ab. Da ist unter Umständen sein Herz noch lange recht stark, und überall sitzt schon Gicht und Rheumatismus. Da kann unter Umständen ein Bienenstich sogar außerordentlich gute Dienste leisten bei einem solchen Menschen.“

TB 725, S 219

„Ich möchte heute, teils zurückkommend auf manches in der letzten Zeit und öfter schon Besprochene, teils manches erweiternd, zunächst einzelne Ausführungen machen über des Menschen Inneres, über des Menschen seelisch-geistiges Wesen. Sie wissen, wir sprechen zunächst von demjenigen Gliede des inneren Menschen, das wir mit einem abstrakten Ausdrucke als den Ätherleib bezeichnen. Und während der physische Leib des Menschen für die äußeren Sinne wahrnehmbar ist, für die äußere Wissenschaft, die an den Verstand und ihre Beobachtungen gebunden ist, zugänglich ist, wissen wir, daß der Ätherleib ein Übersinnliches ist. Ferner sprechen wir von dem nächsten Gliede der menschlichen Wesenheit als dem sogenannten astralischen Leibe. Wir erinnern uns, wie oft wir betont haben, daß man ja nicht sagen kann als Mensch, das Innere des Menschen sei dem Menschen vollständig unbekannt: der Mensch nimmt ja wahr in der physischen Welt innerhalb seines leiblichen Daseins sein Denken, sein Fühlen, sein Wollen. Er erlebt es innerlich, und er erlebt dieses Denken, Fühlen und Wollen durchstrahlt, durchleuchtet von dem Ich. Man kann sagen, dieses Denken, Fühlen und Wollen nimmt der Mensch innerlich wahr. Aber man kann doch nicht sagen – wie Sie sich allmählich zu denken angeeignet haben werden -, daß der Mensch seinen astralischen Leib wirklich wahrnimmt. Und man kann auch nicht einmal sagen, daß er sein Ich wirklich wahrnimmt. Denn dieses Ich – wir haben darauf gerade im Verlaufe der letzten Vorträge aufmerksam gemacht -, von dem der Mensch spricht, das mit jedem Einschlafen in die Unbewußtheit zurückfällt, ist nur ein Bild des wahren und wirklichen Ichs. So daß also in einem gewissen Sinne schon geschlossen werden kann, daß auch mit diesem Ich, mit dem Denken, Fühlen und Wollen, in einer ähnlichen Weise nur ein Ausdruck, eine Offenbarung des eigentlichen Inneren des Menschen gegeben ist, wie mit dem physischen Leibe eine Offenbarung, ein Ausdruck des Geistigen gegeben ist, dessen, was wir als den Ätherleib bezeichnen. Nun, der Mensch ist selbstverständlich froh, wenn er über irgendein Wissensgebiet so eine hübsche Einteilung hat, die er so recht, man möchte sagen, in geistige Schachteln packen und aufbewahren kann. Daher sind manche so zufrieden, wenn sie nun das ganz außerordentlich phänomenale Wissen haben, daß der Mensch besteht aus dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem astralischen Leib, dem Ich. Aber im Grunde genommen hat man – das ist ja auch schon oftmals hier betont worden – mit diesen vier Worten eben nicht viel mehr als Worte, nicht viel mehr als Ausdrücke hat man. Und wenn man zur wirklichen Betrachtung schreitet, dann muß man in einer gewissen Weise immer überschreiten die Grenzen, die durch diese Ausdrücke so leicht festgesetzt werden.“

GA 167, S 30/31

„Gewiß, wenn man so im allgemeinen spricht, kann man sagen: Denken, Fühlen und Wollen gehen im astralischen Leibe vor sich. Aber damit ist nur in einer recht einseitigen, recht abstrakten Weise die Tatsache des Denkens erschöpft. So, wie wir als Menschen zunächst in der physischen Welt darinnen stehen, so ist allerdings der Impuls zu unserem Denken im astralischen Leibe, sogar im Ich, gegeben. Aber das Denken entwickelt sich als Vorstellung, als Gedanke nur dadurch, daß wir den beweglichen Ätherleib haben. Hier, als physische Menschen, würde unser ganzes Denken unbewußt bleiben, wenn nicht der astralische Leib seine Impulse, seine Denkimpulse in den Ätherleib hinein senden würde und der Ätherleib in seiner Beweglichkeit eben aufnehmen würde die Denkimpulse des astralischen Leibes. Und jeder Gedanke wiederum würde einfach vorübergehen, ohne daß eine Erinnerung bliebe, wenn wir nicht einen physischen Leib hätten. Man kann nicht sagen, daß der physische Leib der Träger des Gedächtnisses ist; das ist schon der Ätherleib. Aber für uns Menschen im physischen Leibe würde dasjenige, was im Ätherleib vorhanden bleibt van unserem Denken, verfließen, wie die Träume verfließen, wenn es sich nicht eingraben könnte in die physische Materie des physischen Leibes. So daß unsere Gedanken hier im physischen Leibe sich behaupten können dadurch, daß wir eben diesen physischen Leib haben.

Sie sehen also, was für ein komplizierter Prozeß dieses Denken eigentlich schon ist. Es hat seine Impulse im astralischen Leibe, eigentlich schon im Ich. Diese Impulse setzen sich als Kräfte in den Ätherleib hinein fort, rufen da die Gedanken hervor, und die Gedanken graben wiederum ihre Spuren in den physischen Leib ein. Und dadurch, daß sie eingegraben sind, können sie immer wiederum aus der Erinnerung während des physischen Lebens herausgeholt werden.“

GA 167, S 31/32

„Anknüpfen muß ich dabei an eine Persönlichkeit, deren Name Ihnen ja allen bekannt ist, an die Persönlichkeit der H. P. Blavatsky, Sie wissen alle, diese H. P. Blavatsky, die als eine besonders psychisch veranlagte Persönlichkeit gelebt hat in der Zeit, in der im äußeren Leben gerade die Hochflut des Materialismus war, steht in einer ganz eigentümlichen Weise in dieser geistigen Bewegung der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts darinnen. Mit ihr ist, wie gesagt, eine im eminentesten Sinne psychische Persönlichkeit hineingestellt in das ganze sonstige materielle Getriebe, von dem ja alles, was man als Wissenschaft ansieht, in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts mehr oder weniger abhängig war. Nun war H. P. Blavatsky nicht eine Persönlichkeit, die man etwa im gewöhnlichen Sinne als ein Medium bezeichnen konnte, sondern schon eine im allertiefsten Sinne sehr, sehr merkwürdige psychische Persönlichkeit. Man muß, wenn man sie ganz verstehen, wenn man sie wenigstens bis zu einem hohen Grade verstehen will, dann schon darauf sehen, aus welchem Milieu sie hervorgegangen ist. Sie ist aus dem russischen Milieu hervorgegangen, aus der russischen Art und Weise, wie da Geistiges und Physisches in einem Leibe zusammenwirken kann, der nun eben nicht normal, sondern ganz abnorm ist. Und dabei muß man dann Rücksicht darauf nehmen, inwiefern vermöge des Volkseigentümlichen das russische Volk abweicht von den mittleren und westlichen Völkern Europas. Die mittleren und westlichen Völker Europas sind ja die Fortsetzer und in gewissem Sinne auch die schöpferischen Neugestalter der Kultur, die hervorgegangen ist aus dem vierten nachatlantischen, dem griechisch-lateinischen Kulturzeitraum. Was da gelebt hat in diesem griechisch-lateinischen Kulturzeitraum, wird durch Mittel- und Westeuropa fortgesetzt. Das kann nur fortgesetzt werden, konnte nur fortgesetzt werden dadurch, daß in diesem West- und Mitteleuropa ganz besonders die physischen Leiber sich ausbildeten zu besonderen Instrumenten auch für geistiges Wirken, für Denken, Fühlen und Wollen. Was Denken, Fühlen und Wollen zustande bringen konnten durch das Instrument des physischen Leibes, das sollte in West- und Mitteleuropa vorzugsweise herauskommen. Anders in Osteuropa bei den slawischen Völkern und insbesondere beim russischen Volk. Man kann sagen: in der Weise den physischen Leib durchzumechanisieren, wie das in West- und Mitteleuropa der Fall ist, das kann überhaupt beim russischen Volk, insoferne dieses Volk in seinem Volkstume drinnen bleibt, nicht stattfinden. Man kann mit westeuropäischer Wissenschaft überhaupt das russische Volk nicht verstehen, wenn man es wirklich verstehen will. Man kann es nur verstehen, wenn man weiß: es gibt einen Ätherleib. Denn das Charakteristische gerade des russischen Volkstums besteht darinnen, daß die wichtigste Betätigung des Lebens nicht so in den physischen Leib hineingeht, wie in West- und Mitteleuropa, sondern mehr im Ätherleib sich abspielt und gar nicht so sehr den physischen Leib durchdringt. Es hat im russischen Volkstum der Ätherleib eine viel, viel größere Bedeutung, als er jetzt noch hat für das Volkstum West- und Mitteleuropas und auch für das amerikanische Volkstum; für dieses letztere ganz besonders. Daher kann innerhalb des russischen Volkstums – des Volkstums, nicht der regierenden Kreise -, niemals sich in demselben Grade ein unmittelbar starkes Ich ausbilden, wie das in West- und Mitteleuropa bei den Menschen der Fall ist, sondern das Ich wird immer mit einer gewissen Traum-Umflorung da sein, wird immer etwas von Träumerischem haben. Denn so wie das Ich jetzt noch im fünften nachatlantischen Zeitraum in den Menschen lebt, so ist es bedingt durch die geschilderte besondere Ausbildung des physischen Leibes. Während dieses fünften nachatlantischen Zeitraums soll das russische Volkstum gar nicht soweit kommen, das Ich als solches unmittelbar auszubilden. Es soll gar nicht mit dem, was im Ätherleibe da lebt und webt, sich hineinprägen in den physischen Leib. Natürlich, die Worte retouchieren immer ein bißchen, weil ja unsere Worte noch nicht für Geistiges geprägt sind. Wenn man sagt: traumhaft, so kann natürlich jemand kommen, der materialistisch denkt, und kann anführen, daß die Leute gar nicht träumen und so weiter. Aber das sind ja alles äußerliche Einwände, die mit dem Werdegang, wie er sich nun wirklich abspielt, gar nichts zu tun haben.“

GA 167, S 58/59

„Und innerhalb des astralischen Leibes wiederum tragen wir das eigentliche Ich. Der Mensch weiß ja im äußeren physischen Leben von diesem eigentlichen Ich wenig genug. Selbstverständlich, Philosophen wissen sehr viel davon! Die wissen zum Beispiel, daß dieses Ich so, wie der Mensch es im physischen Leibe wahrnimmt, dasjenige ist, was gleich bleibt von der Geburt bis zum Tode in allen Veränderungen, die der Mensch seelisch durchmacht. Das wissen die Philosophen. Man kann es in unzähligen philosophischen Büchern lesen. Als wenn die Leute vergessen hätten, daß der Mensch innerhalb vierundzwanzig Stunden immer schläft, und dieses Ich ausgelassen wird; und jeder Schlaf unterbricht dieses Gleichbleiben des Ich in den Veränderungen! Aber so etwas, das geniert die Philosophen weiter nicht, selbstverständlich, denn sie sind ja gescheit, sehr gescheit!

Wenn wir von dem Ich sprechen, so müssen wir von demjenigen im Menschen sprechen, das zum Beispiel nicht nur ein Bewußtsein hat während des Wachens, sondern das auch da ist, wenn der Mensch schläft, das seine Kräfte entfaltet ins ganze Universum hinaus, das von den geistigen Kräften des Kosmos durchstrahlt und durchwirkt und durchpulst ist, wenn der Mensch schläft: das tragen wir unbewußt in uns, Und wenn wir es herausexstirpieren könnten aus dem Menschen, so wie wir das gesagt haben für den Ätherleib, für den astralischen Leib, wir würden aus diesem Ich das ganze Bild des mineralischen Weltenalls bekommen mit allen seinen verschiedenen Geheimnissen des Kosmos. In diesem Ich steckt alles dasjenige zusammengedrängt, was im ganzen Kosmos ausgebreitet ist. Wir tragen den mineralischen Kosmos also in uns.“

GA 167, S 169/170

„Ein völliger Einblick in die Verhältnisse, die wir jetzt berühren, ist doch nicht möglich, ohne daß man genauer hinsieht auf das Wesen des Menschen in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen, im Schlafzustande. Schematisch ist Ihnen ja allen dieser Schlafzustand bekannt: Es trennt sich dasjenige, was man, wenn man es so nennen will, Ich und astralischen Leib nennt, von dem physischen Leib und dem Ätherleib. Wenn man aber das Wesen des Schlafes genauer ins Auge fassen will, dann muß man doch darauf aufmerksam werden, daß der Mensch gerade im Schlafzustande die Wirklichkeit dessen erlebt, wovon wir gestern so gesprochen haben, daß wir sagten: Augustinus sucht im inneren Erleben die wirkliche, wahrhaftige Gewißheit über die Welt zu erfassen. – Aber der Mensch erfaßt im Wachzustande nicht völlig sein Inneres. Man muß sich klar darüber sein, daß dasjenige, was man als Ich und als astralischen Leib bezeichnet, im Wachzustande durchaus nicht wirklich zum Bewußtsein des Menschen kommt, sondern daß in diesem Wachzustande nur ein Abbild, ein Spiegelbild von Ich und astralischem Leib zum Bewußtsein des Menschen kommt. Im Schlafzustande, also vom Einschlafen bis zum Aufwachen, würde der Mensch, wenn er sich bewußt wäre wir können auch sagen, wenn er sich bewußt wird durch jene Übungen, die Ihnen zur Verfügung stehen, die Sie ja beschrieben finden in den verschiedenen Schriften – es würde der Mensch durch den Schlafzustand, wenn er sich bewußt würde, was er da erlebt, gewissermaßen die wahre Gestalt von Ich und astralischem Leib erleben, nicht das Spiegelbild wie im Wachzustande sondern die wahre Gestalt. Da muß man aber dann sich klar sein darüber daß diese wahre Gestalt von Ich und astralischem Leib so vor des Menschen Seele tritt, so vor das imaginative Bewußtsein tritt daß während des Schlafzustandes der Mensch in dem inneren Erleben das wirklich in sich innerhalb seines Ich und , seines astralischen Leibes erlebt also in sich erlebt was wir dritte Hierarchie nennen die Hierarchie der Angeloi, Archangeloi und Archai.“

GA 184, S 31

„Während des Wachzustandes erlebt der Mensch diesen innigen Zusammenhang, in dem er eigentlich sein ganzes Leben hindurch mit den als Angeloi, Archangeloi und Archai bezeichneten Wesenheiten steht, nicht. Und darinnen besteht eben für den Wachzustand die Täuschung, daß es bleibt bei dem abstrakten Ich, das der Mensch erlebt, und bei den schattenhaften Vorstellungen und Gedanken, die des Menschen Seele erfüllen – denn schattenhaft sind sie doch -, oder gar bei dem halb traumhaft vor sich gehenden Gefühl der Wollungen. Das ist das Wesentliche, daß der Mensch während des Wachzustandes dabei bleiben muß, dieses Schattenhafte seines Ich und seines astralischen Leibes zu erleben, und daß er sich nicht bewußt werden kann, daß in sein Ich hereinwirken die Wesenheiten der dritten Hierarchie. In dem Augenblicke, wo der Mensch wirklich im Schlafe aufwachen würde, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, würde er nicht eine äußere Natur um sich herum haben, aber er würde in sich erfühlen die Wesenheiten der Engel, Erzengel und der Zeitgeister. Und davon kommt es, daß wir in unserer Seelenverfassung etwas haben, was wir sonst nicht hätten. Würde in unser Ich und in unseren astralischen Leib nicht die Hierarchie der Angeloi hereinwirken, so würden wir uns nicht als Persönlichkeit fühlen können. Also dadurch, daß die Hierarchie der Angeloi hereinwirkt in unsere geistig-seelische Wesenheit, fühlen wir uns als freie Persönlichkeit.“

GA 184, S 32

„Nun, im gewöhnlichen Gang der Menschheitsentwickelung ist, wie Sie ja einsehen, diese imaginative Erkenntnis nicht da. Es dämpft sich ab vom Einschlafen bis zum Aufwachen die Wirklichkeit des Ich und des astralischen Leibes, und im Wachen verliert der Mensch den Zusammenhang mit den Wesenheiten der dritten Hierarchie. Das rührt davon her, daß namentlich in unserem Zeitenzyklus der Mensch während des Wachens auch einer Täuschung hingegeben ist. Er ist ja, wie wir eben gesehen haben, während des Schlafens der Täuschung hingegeben, als ob sein Ich und sein astralischer Leib dann untätig wären. Sie sind nicht untätig; sie sind in lebendiger Wechselwirkung mit den Wesenheiten der dritten Hierarchie. Im Wachzustande, da ist die Sache so, daß uns im jetzigen Zeitenzyklus unser physischer Leib und unser Ätherleib gewissermaßen, man könnte sagen, widerrechtlich unser Geist-Seelenwesen absorbieren; sie durchtränken sich mit diesem Geist-Seelenwesen. Normal wäre es für den Menschen ganz anders; normal wäre es für den Menschen so, daß der Mensch im Wachzustande sich als Ich und astralischer Leib erfühlt und den physischen Leib und den Ätherleib wie eine Art Schale fühlt, in die er hineinschlüpft, wie etwas, das er mit sich trägt. Aber so fühlt sich eben der Mensch nicht. Er fühlt sich so, wie wenn der physische Leib und der Ätherleib er wären. Das ist er gar nicht. Wir sind schon dieses Geist-Seelenwesen, das des physischen und des Ätherleibes sich wie eines Werkzeuges bedient, aber wir können uns über die Täuschung nicht erheben, die liegt in den Wirkungen unseres Zeitenzyklus. Wir müssen gleichsam dasjenige, was uns beim normalen Bewußtsein vorkommen würde wie der Hammer, den wir in der Hand haben und mit dem wir schlagen, wir müssen uns mit unserem physischen Leib und unserem Ätherleib identisch fühlen; wir müssen uns der Täuschung hingeben, wir seien es, die da fleischlich durch den Raum gehen. Das sind aber nicht wir; das ist nur so, weil widerrechtlich das Bewußtsein unseres Ich absorbiert wird von unserem physischen Leib und unserem Ätherleib. Und dieses rührt davon her, daß im gegenwärtigen Zeitenzyklus die ahrimanischen Mächte mächtiger sind, als sie in der Normalentwickelung der Menschheit sein würden. Sie ziehen gewissermaßen das Ich und den Astralleib an den physischen und Ätherleib heran und bewirken beim Menschen die Täuschung, daß dieser Kopf, den er an sich trägt, er selber sei, daß diese Hände und der ganze Leib er selber sei. Widerrechtlich eignet sich der physische Leib das Bewußtsein an, so daß es so erscheint, als ob unser physischer Leib unsere Persönlichkeit bewirkte. Wer glaubt, daß sein physischer Leib irgendwie seine Persönlichkeit bewirkt, der unterliegt derselben Täuschung wie jemand, der vor einen Spiegel sich hinstellt und glaubt, der Spiegel produziert ihn, weil er sein eigenes Bild zurückgestrahlt bekommt. Zu sagen: dieses Fleischgebilde, das wir an uns tragen, seien wir, ist nicht gescheiter, als wie wenn jemand seine Hand vor den Spiegel hält und glaubt, der Spiegel produziere ihm seine Hand heraus. Und dennoch, unter dieser Täuschung lebt die ganze heutige Wissenschaft. Die ganze heutige Wissenschaft glaubt, daß dasjenige, was wir innerlich als Persönlichkeit erleben, irgend etwas zu tun habe mit dem physischen Leib und dem Ätherleib, und glaubt nicht, daß der physische Leib und der Ätherleib dieses Ich und astralische Wesen zurückstrahlen, jenes Scheinbild formen, das wir vom Aufwachen bis zum Einschlafen anerkennen als unser Ich und als unsere Gedanken das heißt unseren astralischen Leib.“

GA 184, S 34/35

„Aus dem, was ich Ihnen dargestellt habe, werden Sie die Gründe dafür sehen, daß der Mensch gewissermaßen die Zweiheit zu erleben hat, auf der einen Seite die Naturordnung, die keine Ideale enthält, die notwendig das eine Geschehen an das andere knüpft, in dem rein bloß Ursache an Wirkung und Wirkung an Ursache gegliedert wird, so daß man niemals denken kann: durch dasjenige, was in der Natur selbst vor sich geht, werden moralische oder sonstige Ideale verwirklicht. Auf der andern Seite wird sich der Mensch bewußt, daß er kein menschenwürdiges Dasein entfalten würde, wenn er nicht Ideale hätte, wenn er nicht an etwas anderes sich halten würde als Mensch, denn an die bloße äußere Naturordnung. Aber er kann nicht, mit dem gangbaren Bewußtsein, mit dem er heute ausgestattet ist, seine Ideale so sehen, daß er sie wirksam glauben könnte wie Elektrizität oder Magnetismus oder wie die Wärmekraft, so daß diese Ideale imstande wären, in die Naturordnung einzugreifen. Daher stellt sich ihm die Naturordnung und die ideale Ordnung nebeneinander, und er kann die Brücke nicht schlagen. Er kann die Brücke nicht schlagen aus dem Grunde, weil er in die Welt bei Tag und bei Nacht nicht blickt, wo diese Brücke zu schlagen ist. Würde der Mensch bei Tag das Normalbewußtsein, das ahrimanfreie Bewußtsein haben: Ich bin als Persönlichkeit nicht anders gebunden an meinen physischen Leib und an meinen Ätherleib, als ich gebunden bin, wenn ich vor einem Spiegel stehe und der Spiegel mir mein Bild zurückstrahlt -, würde der Mensch dieses Bewußtsein über sein Ich und seinen astralischen Leib haben, würde er dieses Ich und diesen astralischen Leib als ein Wirkliches, nicht als ein bloßes Spiegelbild erkennen, dann würde er auch durch dasjenige, was er als Ideale hat, anerkennen: Das sind reale Kräfte wie Elektrizität und Magnetismus, nur wirken sie nicht in der Gegenwart, sondern sie erobern sich ihre Wirksamkeit von der jetzigen Inkarnation bis zur nächsten Inkarnation, von diesem Erdendasein bis in das nächste Erdendasein hinüber.“

GA 184, S 37/38

„Ausgegangen sind wir ja von dem Gedanken des Augustinus, der in dem inneren Erleben wahrhaftige Gewißheit über die Welt erfahren wollte. Wir können uns heute nicht mehr auf diesen Gedanken stellen, sagte ich, aus dem einfachen Grunde, weil wir heute wissen müssen, daß jeder Schlaf des Menschen diesen Gedanken widerlegt. Denn wir könnten nimmermehr irgendwie festhalten an dem Gedanken, daß dasjenige, was der Mensch in seinem Inneren erlebt, sich post mortem, nach dem Tode erhält, also dieses im Inneren vom Menschen Erlebte ein wirklich Ewiges ist, wenn wir so hinblicken müßten auf die Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen, wie das gewöhnliche heutige Bewußtsein darauf hinblickt. Das gewöhnliche heutige Bewußtsein sieht, wie sich herabdämmert während des Schlafes dasjenige, was im Inneren des Menschen erlebt wird. Nun aber sagten wir, sobald der Mensch nur die erste Stufe des Hineinschauens in die geistige Welt absolviert so merkt er daß vom Einschlafen bis zum Aufwachen dasjenige, was wir das Ich des Menschen und seinen astralischen Leib nennen – also das eigentliche Geist-Seelenwesen des Menschen -, von innen so verbunden ist mit dem Wesen der Angeloi, Archangeloi und Archai wie der Mensch sonst hier während des Wachens verbunden ist mit Tierreich, Pflanzenreich, Mineralreich. Nur weil der Mensch durch die weltgegnerischen Mächte sein Bewußtsein herabgedämpft erhält im Schlafe kann er nicht merken daß er während des Schlafes mit der Hierarchie der Angeloi, Archangeloi, Archai verbunden ist, daß die sein Ich und seinen astralischen Leib mit ihrer eigenen Wesenheit durchtränken, daß die seinen astralischen Leib und sein Ich halten und tragen. Und wir haben ausgeführt, wie von diesem Zusammenhang des Menschen mit den Geistwesen dreierlei herrührt: Erstens, daß wir mehr oder weniger deutlich auch im gewöhnlichen Bewußtsein das Gefühl der Persönlichkeit haben. Wir wissen uns als ein Ich. Wir würden uns nimmermehr als ein Ich mit dem nur wissen, was uns während des Wachens zur Verfügung steht. Wie eine Nachwirkung desjenigen, was wir während des Schlafes erleben, ist das während des Tages, während des Wachens fortdauernde Gefühl der freien Persönlichkeit. Das rührt davon her, daß vom Einschlafen bis zum Auf wachen das Engelwesen aus der geistigen Welt, zu dem wir gehören, mit uns verbunden ist. Aber auch das Erzengelwesen oder eigentlich eine Reihe von Erzengelwesen ist mit unserem Geist-Seelenwesen verbunden. Und davon rührt her als Nachwirkung im Wachen, daß wir uns wissen als Angehörige der ganzen Menschheit, daß wir uns überhaupt als Mensch auf der Erde erkennen.“

GA 184, S 51/52

„Dasjenige, was die Gegenwartsseelenverfassung umfaßt, ist eigentlich an das menschliche Ich gebunden; das können Sie ja nachlesen in meiner «Theosophie», «Geheimwissenschaft im Umriß» und so weiter. Aber der Mensch trägt in sich auch andere Glieder seiner Wesenheit, wir wissen: den astralischen Leib, den ätherischen Leib, den physischen Leib. Aber seine gewöhnliche heutige Seelenverfassung reicht nicht hinab in den astralischen Leib, nicht in den ätherischen Leib, nicht in den physischen Leib. Denn das, was der Anatom von außen erkennt, das ist ja die Außenseite. Das innere Erkennen reicht nicht über das Ich hinaus, geschweige denn etwa über den physischen Leib. Man muß dazu kommen, den Menschen von innen aus verständnisvoll zu verfolgen, und schon jene Lebenserkenntnis, von der ich im Anfang der heutigen Betrachtungen gesprochen habe, ist ein Anfang dieser Innenerkenntnis, schon das, was man in der zweiten Lebenshälfte begreifen kann, ist ein Anfang, wenn auch ein schwacher Anfang; zum besseren Anfang muß man eben zur Geisteswissenschaft aufsteigen. Wenn man den Menschen innerlich ergreift, so steigt man vom bloßen Intellekt zum Wollen hinunter. Gestern habe ich erwähnt: Das Subjekt des Wollens, der eigentlich Wollende in uns, er bewahrt das kosmische Gedächtnis au£ Man muß also in den Menschen hinuntersteigen. Dasjenige, was der Mensch, wenn er den Willen dazu hätte, bei Entwickelung von normaler Lebensweisheit in der zweiten Lebenshälfte entwickeln könnte, wäre ein Anfang zu diesem Hinuntersteigen. Es würde allerdings nicht über viel, aber es würde über dasjenige aufklären, was der Mensch zum Leben braucht. Steigt er aber dann hinunter mit der entwickelten höheren Erkenntnis, dann eröffnet sich ihm durch das Hineinsteigen in sein eigenes Wesen das Gedächtnis des Kosmos. Dann kommt allerdings etwas anderes heraus als die Kant-Laplacesche Theorie, zum Beispiel nämlich, was wir gerade in unserer Physis an uns tragen. Sie wissen, es ist seiner Anlage nach unser Ältestes, geht bis in die vierte zurückliegende Erdeninkarnation zurück. Steigt man da hinunter, so lernt man erkennen, wie diese vierte zurückliegende Erdeninkarnation der Saturnzeit war. Aber man kann lernen aus der gewöhnlichen Lebensweisheit, die sich in der zweiten Lebenshälfte eröffnet, was man zu tun hat, um tiefer und tiefer noch in das Wesen des Menschen hineinzusteigen, der ein Abbild ist der Welt, und dadurch, daß er dieses Abbild, sich selbst, erkennen lernt, die Welt erkennen lernt.“

GA 184, S 114/115

„Nun wissen wir, daß das Menschenwesen, so wie es uns zunächst im Leben zwischen Geburt und Tod entgegentritt, uns darbietet dasjenige, was wir gewohnt worden sind, den physischen Leib zu nennen, dann darüber hinaus dasjenige, was wir Ätherleib nennen, oder was ich versuche, um gewissermaßen einen gangbareren Ausdruck zu gewinnen, Bildekräfteleib zu nennen, dann dasjenige, was schon Bewußtseinscharakter hat, was wir gewohnt worden sind, den astralischen Leib zu nennen, was aber noch nicht jenen Bewußtseinscharakter hat, der unser uns zunächststehendes heutiges Bewußtsein durchzieht. Dasjenige, was wir heute das Unterbewußte nach dem Brauch vieler Leute nennen, das würde dem astralischen Leib angehören. Dann das, was wir als unser gewöhnliches Bewußtsein bezeichnen, welches wechselt zwischen Schlaf und Wachzuständen, welches in die Schlafzustände hinein nur die chaotischen Träume sendet, welches in den Wachzuständen sich nicht mit Anschauungen begnügt, sondern zu Urteilen und Begriffen, die abstrakt sind, Zuflucht nimmt, das alles bezeichnen wir als jenes Glied der menschlichen Wesenheit, welches wir das Ich nennen. Nur in diesem letzten Gliede der menschlichen Wesenheit, im eigentlichen Ich, könnte man sagen, kennt sich der Mensch der Gegenwart aus. Dieses Ich wird ihm gespiegelt von seinem Bewußtsein. Dieses Ich ist dasjenige, in dem sich alles Denken, Fühlen und Wollen der Seele eigentlich abspielt. Alles übrige, astralischer Leib, Ätherleib und der physische Leib in seiner wahren Gestalt, liegt unterhalb des Bewußtseins und auch unterhalb des Ich. Denn dasjenige, was die gewöhnliche Wissenschaft, Anatomie, Physiologie und so weiter, vom physischen Leib konstatieren kann, das ist ja nur seine Außenseite; das ist im Grunde genommen auch nichts anderes als unser Bewußtseinsinhalt von dem menschlichen physischen Leib, den wir geradeso gewinnen, wie wir einen andern sinnenfälligen Inhalt gewinnen. Das ist das äußere Bild des physischen Leibes für unser Bewußtsein, das ist aber nicht der physische Leib selber.“

GA 184, S 196/197

„Nun können wir, im Sinne dessen, was ich Ihnen gerade in Anknüpfung an Goethes Weltanschauung neulich vorbrachte, sagen: Insofern sich der Mensch durch diese seine drei Glieder in der Zeit entwickelt, insofern er jene Entwickelung durchmacht, welche man verfolgen kann von seiner Geburt bis zu seinem Tode, insofern hängt er zusammen mit gewissen geistigen Kräften, die hinter seiner Entwickelung liegen. Ich habe es Ihnen dadurch klarzumachen versucht, daß ich sagte: Wenn wir dieses (siehe Zeichnung) als Wesenheit des heutigen Menschen betrachten, so müssen wir rückgängig in der Entwickelung mit dieser seiner Wesenheit verbunden denken die geistigen Kräfte, die wir als die Glieder der höheren Hierarchien erkannt haben. Diese geistigen Kräfte wirken ja nun, wie Sie wissen, unmittelbar in sein Ich beim normalen Menschen nicht herein, außer den Geistern der Form, denjenigen, die man Exusiai nennt. Also außer diesen Geistern der Form, jenen Kräften, welche dem Menschen seine ihm ureigene Form geben, wirken in das gegenwärtige Bewußtsein des Menschen die andern geistigen Kräfte nicht herein. Wir bekommen einen zwar spärlichen, aber doch immerhin einigermaßen möglichen Begriff von den Geistern der Form, wenn wir den Blick wenden auf diejenige Formung des Menschen – es ist nur ein Teil, ein Glied seiner allgemeinen Formung -, die er noch während der Zeit seines physischen Lebens annimmt. Wir werden alle geboren als mehr oder weniger kriechende Wesen. Wir haben die Vertikale nicht in unserer Gewalt. Nun hängt mit dem Aufrechten des Menschen – nicht gerade mit dem mathematisch Aufrechten, aber mit der Kraft, die aufrechte Lage als seine Lage zu haben – ungeheuer viel in der Gesamtwesenheit des Menschen zusammen. Und wenn man den Unterschied des Menschen vom Tiere betrachtet nach rein äußeren Merkmalen, so sollte man nicht auf diejenigen Dinge sehen, auf die gewöhnlich gesehen wird, auf die Zahl der Knochen und der Muskeln und so weiter, die ja der Mensch im wesentlichen mit dem Tiere gemein hat, sondern man sollte gerade auf diese Aufrichtekraft, die dem werdenden Menschen seine Formung gibt, achten. Es ist nur ein Teil dessen, was in Betracht kommt, aber es ist ein wesentlicher Teil. Dieselbe Kraft, die da als Aufrichtekraft in unser physisches Werden eingreift, sie ist von der Art wie alle die Kräfte, die uns als Menschen, als Erdenmenschen unsere Form geben. Und nur diese Kräfte, die von solcher Art sind, greifen in unser Ich ein.“

GA 184, S 198/199

„Wenn wir nun mit dem, was wir also erwähnt haben, den Horizont vielleicht nur des europäischen Lebens ein wenig überblicken, was bietet sich uns dann dar? Mit dem Völkerleben hängt ja das Leben der höheren Hierarchien zusammen. Sie brauchen nur den Zyklus über die Entwickelung der Volksseelen, der einmal in Kristiania gehalten wurde, und der in der jetzigen Zeit besonders wichtig ist, zu studieren, Sie brauchen ihn sich nur vor die Seele zu führen und Sie werden sehen, wie die Erzengelwesenheiten in das Völkerleben eingreifen; wie überhaupt dieses Völkerleben im Zusammenwirken der höheren Hierarchien mit dem, was hier auf Erden geschieht, sich abspielt. Wenn wir einen einzelnen Menschen betrachten, so wissen wir, daß seine Ich-Entwickelung erst langsam und allmählich stattfindet. Gewiß, im zarten Kindesalter, von dem Zeitpunkt an, bis zu dem man sich zurückerinnert, beginnt das Bewußtsein des Ich. Aber dieses Ich wird ja immer reifer und reifer, schreitet fort in seiner Entwickelung. In unserer Zeit herrschen in bezug auf diese Ich-Entwickelung schon ziemlich große Irrtümer. Es herrscht viel zu wenig Bewußtsein davon, daß eine solche Ich-Entwickelung im Leben stattfindet. Und so kann man es erleben, daß heute die Menschen in grünster Jugend sich reif finden, alles zu beurteilen, weil sie nicht wissen, daß erst ein bestimmtes Alter erreicht werden muß, um bestimmte Dinge zu beurteilen, weil das Ich erst dadurch eine bestimmte Reife erreicht hat.“

GA 159, S 136/137

„Wie es im einzelnen Leben des Menschen ist, so ist es nun auch mit dem Völkerleben. Nur müssen wir das Folgende berücksichtigen, wenn wir das Völkerleben verstehen wollen im Verhältnis zum einzelnen Menschenleben auf dem physischen Plan. Der einzelne Mensch reift heran mit Bezug auf die Ich-Entwickelung, dadurch, daß er reifer und reifer wird, lernt er auch die Außenwelt besser zu überschauen. Was wissen wir von der Außenwelt, wenn wir zwanzig, fünfundzwanzig Jahre erlangt haben, und was können wir wissen, wenn wir das Leben ordentlich zubringen, wenn wir zehn Jahre mehr durchgemacht haben! Für solche Dinge muß sich gerade der Geisteswissenschafter eine Empfindung erwerben. Da steht das Ich in seinem Verhältnis zur äußeren Welt, im Verhältnis zu dem, was dieses Ich umgibt.“

GA 159, S 137

„Mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien ist es anders. Diese Wesenheiten der höheren Hierarchien stehen ihrerseits zu unserem Ich in einem solchen Verhältnis wie wir zu den Dingen der Außenwelt. Für uns sind die Gegenstände und Wesenheiten des mineralischen, Pflanzen- und Tierreiches Objekt. Für die Wesenheiten der höheren Hierarchien sind zum Beispiel unsere Iche Objekt. Nur daß das Verhältnis der Wesenheiten der höheren Hierarchien zu unseren Ichen nicht das der Wahrnehmung ist, wie wir es der Außenwelt gegenüber haben, sondern es ist mehr ein Durchstrahlen unseres Ichs mit dem Willen der höheren Hierarchien, ein Einwirken des Willens der höheren Hierarchien.

Jene Erzengelwesen, welche nun die Völker zu leiten haben, stehen zu den Ichen, zu den einzelnen Menschen der Völker wirklich in einer solchen Beziehung, wie wir mit dem Wahrnehmungsvermögen zu den Dingen der Außenwelt stehen. Wir sind für diese Erzengelwesen die Objekte. Was für uns Außenwelt ist, sind wir als Menschen für die Erzengel, nur daß es bei uns mehr ein Wahrnehmungsprozeß ist und bei den Erzengeln mehr ein Willensprozeß. Aber in bezug auf diesen Willensprozeß macht der Erzengel auch eine Entwickelung durch. Dieser Erzengel macht geradeso eine Reifung seiner Seele durch, jetzt nicht in bezug auf sein Ich, sondern in bezug auf tiefere Kräfte seiner Seele. Er macht eine Entwickelung durch, durch die er dann allmählich ein anderes Verhältnis zu den einzelnen Menschen seines Volkes erlangt; so wie wir mit einem reiferen Ich ein anderes Verhältnis zu unserer Umwelt erlangen.“

GA 159, S 137/138

„Bei dem russischen Volke liegt nun etwas ganz anderes vor. Bei dem russischen Volke muß vor allen Dingen klar durchschaut werden, wie der Erzengel überhaupt in ganz anderer Weise zu den einzelnen Ichen des Volkes steht, als bei den westlichen und mitteleuropäischen Völkern. Bei den westeuropäischen Völkern ist es so, daß der Erzengel hineinwirkt mit seinen Willensstrahlen, bei dem italienischen Volk in die Empfindungsseele, bei dem französischen Volke in die Verstandes- oder Gemütsseele, bei dem britischen Volk in die Bewußtseinsseele, bei dem deutschen Volk in das Ich. Aber überhaupt nicht in die Seelen hinein wirkt der Volksgeist bei dem russischen Volke. Er schwebt gleichsam über dem Volke wie eine Wolke, und die Seele kann nur hinaufahnen und sehnen zu ihm. Er ist noch gewissermaßen Gruppengeist geblieben. Da ist kein inniges Zusammenwirken des Volksgeistes mit den einzelnen Menschen-Ichen. Man kann kaum einen tragischeren, ernsteren Eindruck bekommen, als wenn man einem russisch-orthodoxen Gottesdienst beiwohnt, diesem Gottesdienst, in dem das menschliche Ich derjenigen, die daran als Gläubige teilnehmen, fast ganz ausgeschaltet ist. Es waltet durch das Ganze durch ein ganz und gar die einzelne Persönlichkeit nicht ergreifendes unpersönliches Allgemeines. Ein nicht in die Menschennatur Hineinsprechendes waltet in diesem Gottesdienste. Das ist ein unmittelbarer Ausdruck dafür, daß die russische Seele noch gar nicht erwacht ist zu jener Belebung, die von dem Verkehr des einzelnen Ich mit dem Volksgeiste herrührt. Es hat alles etwas steif Schablonenhaftes, wie wenn aus unbekannten Welten hineinreiche das Geistige und es bloß zu steif Schablonenhaftem brächte, in den Verrichtungen ebenso wie in der Ikonenmalerei. Da stehen wir vor noch etwas ganz anderem, als in Westeuropa der Fall ist. Da stehen wir davor, daß der Erzengel sich überhaupt noch nicht angeschickt hat, in das Nationale einzugreifen. Das Nationale ist daher für den Russen noch ein Seelentraum. Der Russe redet ja selbstverständlich immer von dem «wahrhaft russischen Menschen» und die russischen Schriftsteller reden von ihm, aber es ist dies ein Seelentraum, der insbesondere deshalb betont wird, weil der Volksgeist nicht dem Menschen einverleibt ist, sondern weil der Russe eine Sehnsucht nach einem überpersönlichen Volksgeist hat.“

GA 159, S 143/144

„Wir sehen hinauf zu Wesenheiten der höheren Hierarchien, wir sehen diese Wesenheiten der höheren Hierarchien auch in Entwickelung. Während wir als einzelne Menschen unser Ich entwickeln, sehen wir diese sich so entwickeln, daß sie immer mehr und mehr Macht bekommen, das Ich mit dem Willen zu durchdringen. Zuerst halten sie sich gleichsam noch fern von diesem Ich, überschatten es von oben herunter, wie beim russischen Volk. Dann gibt es ein intimeres Überschatten und Zusammenleben zugleich, wie es bei dem deutschen Volke ist. Und dann gibt es ein strammes, steifes Hineinarbeiten des Nationalcharakters in die einzelnen menschlichen Individuen, wie es bei den drei charakterisierten westeuropäischen Völkern der Fall ist. Und daraus sehen Sie auch, wie dieses neuzeitliche Leben der Menschenentwickelung überhaupt beschaffen ist. Sehen Sie sich nur einmal die mitteleuropäische Geschichte an und Sie werden finden wenn Sie von Rußland absehen, wo die Verhältnisse ganz andere sind -, Sie werden finden, wie ähnlich namentlich das Leben der westeuropäischen Völker und in gewisser Beziehung auch der mitteleuropäischen Völker ist, wie ein europäischer Internationalismus herrscht. Und dann sehen wir etwa von dem 14. Jahrhundert an für die einzelnen Völker eine neue Zeit heraufkommen. Wir sehen, wie mit dem Heraufkommen dieser neueren Zeit die Völker von einem ansgeprägten Nationalcharakter ergriffen werden. Wir sehen, wie dem deutschen Volke mit der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert gerade so viel gegeben wird an Nationalcharakter, daß der Deutsche gewissermaßen erfühlt, was Nationalcharakter ist, aber nicht so viel bekommt, daß er jemals im erstarrten Nationalcharakter aufgehen mußte. Man wird finden, daß das in der tiefen Anlage des deutschen Wesens liegt, daß der Deutsche nicht im Nationalcharakter auf zugehen braucht; daß es wirklich einen tiefen Sinn hat, wenn Fichte sagt: All dasjenige, was Freiheit des menschlichen Seelenwesens will, all dasjenige, was nach dem Allgemeinsten der Menschheit hinstrebt, das gehört zu uns.“

GA 159, S 144/145

„Da finden wir etwas höchst Charakteristisches. Was ist denn ein Eigentümlichstes dieses mitteleuropäischen Geisteslebens? Sie wissen alle, daß es eine Zeit der großen Mystiker gegeben hat, in der Meister Eckart, Johannes Tauler und andere gewirkt haben. Sie alle haben im menschlichen Gemüte das gesucht, was in diesem menschlichen Gemüte selber enthalten ist als das Göttliche. Sie haben gesucht, den Gott in der eigenen Brust, in der eigenen Seele zu finden, «das Fünklein im Gemüte», wie Eckart sich ausdrückte. Dadrinnen, so sagten sie, muß es etwas geben, wo die Gottheit unmittelbar an wesend ist. Und so entstand jenes Streben, wo das Ich sich zusammenschließen wollte mit seiner Gottheit in sich selbst. Erkämpft sein wollte diese Gottheit; im Werden erkämpft sein wollte die Gottheit. Das geht als ein Zug durch das ganze mitteleuropäische Wesen hindurch. Denken Sie, wie unendlich gemütstief es ist, wenn derjenige, der ganz, ich möchte sagen, international auf dem Boden der mitteleuropäischen Kultur und des mitteleuropäischen Geisteslebens steht, Angelus Silesius, wenn der in einem seiner schönen Sprüche «Cherubinischer Wandersmann» sagt: Wenn ich sterbe, so sterbe nicht ich, sondern Gott stirbt in mir. – Denken Sie, wie unendlich tief das ist! Denn der das sagt, er ergriff lebendig die Idee der Unsterblichkeit, denn er fühlte: Wenn der Tod eintritt im einzelnen Menschen, so ist das, weil der Mensch durchdrungen ist von der Gottheit – diese Erscheinung des Todes ist nicht eine Erscheinung des Menschen, sondern des Gottes, und da der Gott nicht sterben kann, so kann der Tod nur eine Täuschung sein. Der Tod kann also keine Zerstörung des Lebens sein. Er weiß, daß eine unsterbliche Seele besteht, wer da sagt: Wenn ich sterbe, so sterbe nicht ich, sondern Gott stirbt in mir. – Es ist eine ungeheuer tiefe Empfindung, die bei Angelus Silesius lebt. Das ist eben durchaus eine Folge dieses Umstandes, daß hier die Inspiration im Ich geschieht.“

GA 159, S 187/188

„Ist es denn nicht so wundervoll ausgesprochen, drängt sich nicht die Welle der europäischen Entwickelung so zusammen, daß gleichsam symbolisch vor die ganze Menschheit hingestellt wird, wie in Mitteleuropa empfunden werden muß das intime Zusammenleben des Ich mit der geistigen Welt; wie der Gott erlebt werden soll im «Fünklein im Gemüte», wie der Christus erlebt werden soll im «Fünklein im Gemüte»! Der Christus selber muß im menschlichen Ich wirksam lebendig werden. Daher neigt sich in Mitteleuropa wie in keiner andern europäischen Sprache allmählich die ganze Entwickelung dem zu, daß das «Ich» genannt wird. Und Ich ist «I-C-H». Wie ein mächtiges Symbolum im intimen Zusammenwirken dessen, was dem Gemüte das Heiligste sein kann mit diesem Gemüte selber, steht das da in Mitteleuropa: Ich = I-CH – Jesus Christus! Jesus Christus und zugleich das menschliche Ich. So wirkt der Volksgeist, inspirierend das Volk, um in charakteristischen Worten auszudrücken, was die zugrunde liegenden Tatsachen sind. Ich weiß wohl, daß die Menschen lachen, wenn so etwas gesagt wird; wenn ausgesprochen wird, daß jahrhundertelang der Volksgeist gearbeitet hat, damit die Bezeichnung Ich zustande gekommen ist, die so symbolisch bezeichnend ist. Aber lassen wir die Menschen lachen! Nur noch wenige Jahrzehnte, und sie werden nicht mehr lachen, sondern sie werden das dann viel bedeutender nennen, als was die Leute heute Naturgesetze nennen.“

GA 159, S 193

„Wir nennen, seitdem wir beginnen, geisteswissenschaftlich die Welt zu betrachten, die vier Glieder unserer Menschennatur: physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Und wir wissen, daß das Ich oder vielmehr dasjenige in der menschlichen Wesenheit, das wir Ich benennen, durch das wir das Ich ausdrücken, das jüngste, aber auch für uns bedeutsamste Glied der menschlichen Wesenheit ist. Denn wäre der Mensch durch die Folge von Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit nur bestehend aus physischem Leib, Ätherleib und Astralleib, so wäre er eben nicht Mensch. Der Mensch ist Mensch dadurch, daß er während der Erdenzeit durch die Geister der höheren Hierarchien sein Ich erhalten hat und daß er nun während der Erdenzeit dieses Ich sich im Laufe der aufeinanderfolgenden Inkarnationen weiter entwickelt durch verschiedene Menschengemeinschaften, durch Völker und Zeiträume hindurch, bis die Erde am Ziel ihrer Entwickelung angelangt sein wird und bis der Mensch dadurch, daß er sein Ich vollständig entwickelt haben wird, sein Erdenziel auch erreicht haben wird. Nun wissen wir aber auch, daß es höhere geistige Wesenheiten gibt – wir gebrauchen dafür das Wort «höhere» -, die höheren Hierarchien angehören, die gewissermaßen über dem Menschen stehen. Wir sprechen von der Hierarchie der Engel, Angeloi, von der Hierarchie der Erzengel, Archangeloi, der Archai oder Zeitgeister und so weiter nach aufwärts steigend. Wir bezeichnen sie durch diese Namen, wir könnten ebensogut andere Namen gebrauchen, aber die Namen sind einmal im Abendlande eingeführt.“

GA 159, S 203/204

„Nun erscheint es gewiß vertrackt und phantastisch, wenn der heutigen Menschheit gesagt wird: Die ganze Entwickelung, selbst der sprachliche Volksgeist hat in Mitteleuropa so gewirkt, daß hereingeprägt wurde in seine Sprache dieser Zusammenhang des Ich mit dem Christus-Prinzip: I-CH = Jesus Christus. I-CH, das sich zusammenfügt so, daß es «Ich» wurde. Und indem man in Mitteleuropa Ich ausspricht, spricht man den Namen des Christus aus. So nahe will man das Ich mit dem Christus fühlen, so innig damit verbunden sein. Dieses intime Zusammenleben mit der geistigen Welt, wie es in Mitteleuropa auf allen geistigen Gebieten angestrebt werden muß, kennt man weder im Westen noch im Osten. Daher muß im 20. Jahrhundert etwas geschehen, damit sich allmählich über den ganzen europäischen Kontinent in entsprechender Weise ausbreiten kann das Christus-Prinzip. Ich habe es öfter in verschiedenen Vortragszyklen betont, daß im November 1879 diejenige geistige Wesenheit, die wir als den Erzengel Michael bezeichnen, eine besondere Entwickelungsstufe erreicht hat. Michael wurde sozusagen der führende Geist. Dieser führende Geist bereitet nun das Ereignis vor, das im ersten meiner Mysteriendramen als Erscheinung des ätherischen Christus über die Erde hin angedeutet ist, das Ereignis, welches im 20. Jahrhundert eintreten muß. Dann wird eintreten, daß erst einzelne Seelen, dann mehr und immer mehr Seelen wissen werden: Der Christus ist wirklich da, der Christus wandelt wiederum auf der Erde, aber in ätherischer Gestalt, nicht in physischer Gestalt. – Das muß vorbereitet werden. Wenn im Laufe dieses 20. Jahrhunderts gewissen Seelen die geistigen Augen hellsichtig geöffnet würden – und das wird geschehen – für das, was in der ätherischen Welt lebt, würden sie gestört werden durch jene Ätherleiber, die von Westeuropa her sich ausbreiten. Auf die würde der geistige Blick zuerst fallen, und man würde in unrichtiger Weise die Gestalt des Christus sehen. Daher muß Michael einen Kampf kämpfen in Europa. Er muß etwas beitragen, daß diese westeuropäischen starren Ätherleiber aufgelöst werden in der ätherischen Welt. Dazu muß er diejenigen Ätherleiber nehmen, die sich gerne auflösen, die Ätherleiber im Osten, und muß mit ihnen kämpfen gegen Westen. Das bewirkt, daß sich seit 1879 ein mächtiger Kampf in der astralen Welt vorbereitet hat zwischen russischen und westeuropäischen Ätherleibern, und dieser Kampf durchtobt die ganze astralische Welt. Es ist wirklich ein heftiger Kampf vorhanden in der Astralwelt, geführt von Michael, zwischen Rußland und Frankreich. Das ist das, was in der Astralwelt zugrunde liegt dem Kampfe, der da tobt in Europa. Und wie wir oftmals so erschütternd davon ergriffen werden, daß etwas, was hier in der physischen Welt sich vollzieht, in der geistigen Welt entgegengesetzt ist, so ist es auch hier der Fall. Jenes durch Verführung von Ahriman zusammengekommene französisch-russische Bündnis, das vorzugsweise auf dem ahrimanischen Element, nämlich auf zwanzig Milliarden beruht, die von Frankreich an Rußland gegeben worden sind, ist der physische Ausdruck für einen Kampf, der tobt zwischen französischen und russischen Seelen, für einen Kampf, in den Mitteleuropa mit seinem Streben im innersten Seelenelement nach dem Begegnen mit dem Christus hineingestellt ist. Und Europa ist dem Karma verfallen, daß gerade in Mitteleuropa in tragischer Weise erlebt werden muß, was der Osten mit dem Westen und der Westen mit dem Osten auszumachen hat. Die Dinge, die äußerlich das deutsche Element mit dem französischen Element auszumachen hat, sind nur so aufzufassen, daß das Deutsche eben mitten zwischen dem Osten und dem Westen ist und nach beiden Seiten als Amboß wirkt. Denn das, was von beiden Seiten in Deutschland zusammengestoßen wird, das wird in Wahrheit von diesen beiden Seiten verhandelt. Das ist die geistige Wahrheit, die ganz anders ist als das, was sich äußerlich in der physischen Welt abspielt. Denken Sie, wie verschieden die geistige Wahrheit von dem ist, was sich äußerlich in der physischen Welt abspielt! Alles das klingt gewiß den heutigen Menschen grotesk, aber die Wahrheit ist es. Erschütternd muß diese Wahrheit auf uns wirken.“

GA 159, S 262-264

„Wenn der Mensch den Ätherleib zwischen Tod und neuer Geburt ablegt und allmählich sein Bewußtsein voll gebildet hat, was ja nicht sehr lange Zeit nach dem Tode geschieht, dann ist es so, daß er nicht so zu sich steht, wie er hier in der physischen Welt zu sich steht. Wenn der Mensch hier in der physischen Welt schläft, ist er seiner unbewußt, und wenn er aufwacht, so wird er sich dessen bewußt, daß er jetzt weiß: Ich habe ein Selbst, ein Ich in mir. Nach dem Tode in der geistigen Welt ist das etwas anderes – da ist sein Selbstbewußtsein auf einer höheren Stufe -, es ist dann nicht genau so. Ich werde gleich davon sprechen, wie es ist. Aber es gibt dort auch etwas wie ein Sich-Besinnen auf das Ich, das Selbst. Geradeso wie man sich des Morgens beim Aufwachen auf das Selbst besinnen muß, so ist es in der geistigen Welt auch. Aber dieses Sich-Besinnen ist ein Zurückblicken zu dem Moment des Todes. Immer ist es so, als wenn wir, um unser Ich wahrzunehmen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, uns sagten: Du bist wirklich gestorben, also bist du Ich, bist du ein Ich!

Das ist das Bedeutungsvollste: Man blickt zurück auf den Sieg des Geistes über den Leib, man blickt zurück auf den Moment des Todes, der das Schönste der geistigen Welt ist, das erlebt werden kann. Und in diesem Zurückblicken wird man seines Selbstes in der geistigen Welt gewahr. Das ist immer, man kann nicht sagen, wie ein Auf wachen – da würde man auch die Begriffe einseitig prägen -, es ist die Besinnung auf sich, zu seinem Tode zurückzublicken. Daher ist es so wichtig, daß der Mensch die Möglichkeit hat, mit vollem nachtodlichem Bewußtsein – einem Bewußtsein, das nach dem Tode eintritt – wirklich zurückzublicken auf den Moment des Todes, damit er nicht in irgendeiner Weise bloß träumt, was er da schaut, sondern voll verstehen kann, was er schaut; das ist ungeheuer wichtig. Und dazu können wir uns allerdings schon während des Lebens dadurch vorbereiten, daß wir versuchen, Selbsterkenntnis zu üben. Namentlich ist das von unserer Zeit ab der Menschheit notwendig, Selbsterkenntnis zu üben. Im Grunde ist alle Geisteswissenschaft dazu da, um dem Menschen diejenige Selbsterkenntnis zu geben, die ihm notwendig ist. Denn Geisteswissenschaft ist eigentlich eine Einführung in des Menschen erweitertes Selbst, jenes Selbst, durch das man im Grunde der ganzen Welt angehört. Ich sagte, das Bewußtsein ist nach dem Tode etwas anderes als hier in der physischen Welt. Wenn ich Ihnen das ganz graphisch darstellen möchte, wie das Bewußtsein nach dem Tode ist, so könnte ich das in folgender Weise tun.“

GA 159, S 327/328

„Der Mensch hat ja zunächst seinen physischen Leib. Man nimmt ihn durch gewöhnliche physische Sinneswahrnehmungen eben wahr. Der Mensch hat aber außer diesem physischen Leib eine innere Organisation, die nur wahrgenommen werden kann durch Imagination, durch die imaginative Erkenntnis: einen übersinnlichen Leib, Ätherleib, Bildekräfteleib. Und dann hat der Mensch in sich eine Organisation, welche nur wahrgenommen werden kann durch Inspiration. Man braucht sich dabei, ich sagte es schon einmal, nicht an den Ausdrücken zu stoßen; sie sind eine Terminologie, die man eben brauchen muß. Durch Inspiration bekommt man eine Einsicht in den sogenannten astralischen Leib und in das eigentliche Ich des Menschen, in das eigentliche Selbst des Menschen.“

GA 307, S 174/175

 

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