Vogelsberg Akademie

RS ICH (3)

Der Begriff des „ICH“ bei Rudolf Steiner

Quelle GA  R.Steiner

 

„Wie wir bei dem von uns zum Vergleich gestellten Menschen beschrieben haben, daß er im vierzigsten Jahre sein höheres Ich geboren hat, so haben die Evangelienschreiber den Gott im Menschen beschrieben bis zu dem Ereignis in Palästina: wie sich der Gott entwickelt hat, wie er wiedergeboren ist und so weiter. Diejenigen aber, die zu zeigen hatten, daß sie die Fortsetzer sind der Evangelienschreiber, sie mußten darauf hinweisen, daß das die Zeit ist der Wiedergeburt des höheren Ich, wo man es nur zu tun hat mit dem geistigen Teil, der jetzt alles andere überstrahlt. Die, welche sich Johannes‑Christen nannten und das Rosenkreuz zu ihrem Symbolum hatten, die sagten: Gerade das, was für die Menschheit wiedergeboren ist als das Geheimnis von dieser Menschheit höherem Ich, das ist bewahrt worden. Das ist bewahrt worden von jener engeren Gemeinschaft, die von dem Rosenkreuzertum ihren Ausgang genommen hat. Sinnbildlich ist diese Kontinuität angedeutet: Jene heilige Schale, aus welcher der Christus Jesus gegessen und getrunken hat mit seinen Jüngern, die man den « Heiligen Gral» nennt und in der das Blut, das aus der Wunde floß, aufgefangen wurde durch Joseph von Arimathia, sie ist, wie erzählt wird, durch Engel nach Europa gebracht worden. Ihr wurde ein Tempel gebaut, und die Rosenkreuzer wurden die Bewahrer dessen, was da war in dem Gefäße, das heißt dessen, was das Wesen des wiedergeborenen Gottes ausmachte. Das Mysterium von dem wiedergeborenen Gotte waltete in der Menschheit: das ist das Grals‑Mysterium.

Das ist das Mysterium, das wie ein neues Evangelium hingestellt wird und von dem gesagt wird: Wir sehen hinauf zu einem solchen Weisen, wie dem Schreiber des Johannes‑Evangeliums, der da sagen konnte: Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort. Das, was im Urbeginne bei Gott war, das ist wiedergeboren worden bei dem, den wir haben leiden und sterben sehen auf Golgatha, und der auferstanden ist. ‑ Diese Kontinuität des göttlichen Prinzips durch alle Zeiten hindurch, und die Wiedergeburt dieses göttlichen Prinzips, das wollte der Schreiber des Johannes‑Evangeliums darstellen. Aber alle, die solches darstellen wollten, die wußten: Das, was von Anfang an war, ist erhalten geblieben. Im Anfange war das Mysterium vom höheren Menschen‑Ich; im Gral war es aufbewahrt; mit dem Gral blieb es verbunden, und im Gral lebt das Ich, das verbunden ist mit dem Ewigen und Unsterblichen wie das niedere Ich mit dem Vergänglichen und Sterblichen. Und wer das Geheimnis des Heiligen Gral kennt, der weiß, daß aus dem Holz des Kreuzes hervorgeht das lebendig sprießende Leben, das unsterbliche Ich, das symbolisiert ist durch die Rosen am schwarzen Kreuzesholz. So ist das Geheimnis des Rosenkreuzes etwas, was wie eine Fortsetzung des Johannes-Evangeliums sich ausnehmen kann. Und wir können geradezu in bezug auf das Johannes‑Evangelium und das, was es fortsetzt, die folgenden Worte sagen:

« Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort. Dieses war im Urbeginne bei Gott. Alles ist durch dasselbe geworden, und ohne durch dieses ist nichts von dem Entstandenen geworden. In diesem war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht schien in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen. » Nur einige der Menschen, die etwas hatten von dem, was nicht aus dem Fleisch geboren ist, die begriffen das Licht, das in die Finsternis schien. Da aber ist das Licht Fleisch geworden und wohnte unter den Menschen in der Gestalt des Jesus von Nazareth.

Nun könnte man ganz im Sinne des Geistes des Johannes‑Evangeliums sagen: Und das, was als Christus in dem Jesus von Nazareth lebte, war das höhere göttliche Ich der ganzen Menschheit, des wiedergeborenen, in Adam als in seinem Ebenbilde irdisch gewordenen Gottes. Dieses wiedergeborene Menschen‑Ich setzte sich fort als ein heiliges Geheimnis, wurde auf bewahrt unter dem Symbolum des Rosenkreuzes und wird heute verkündet als das Geheimnis des Heiligen Gral, als das Rosenkreuz.“

GA 112, S 18-20

„Dasjenige, was in jeder Menschenseele als das höhere Ich geboren werden kann, das weist uns hin auf die Wiedergeburt des göttlichen Ich in der Entwickelung der ganzen Menschheit durch das Ereignis von Palästina. Wie in jedem einzelnen Menschen das höhere Ich geboren wird, so wird in Palästina das höhere Ich der ganzen Menschheit, das göttliche Ich geboren, und es wird erhalten und weiter entwickelt in dem, was sich hinter dem Zeichen des Rosenkreuzes verbirgt.“

GA 112, S 20

„Aber wenn wir des Menschen Entwickelung betrachten, haben wir nicht nur dieses eine große Ereignis, die Wiedergeburt des höheren Ichs, sondern außer diesem einen großen eine Menge kleinerer. Bevor der Mensch sein höheres Ich gebären kann, bevor dieses große, umfassende, durchdringende Erlebnis für die Seele eintreten kann ‑ die Geburt des unsterblichen Ichs im sterblichen ‑, müssen umfassende Vorstufen durchschritten werden. Der Mensch muß sich in der mannigfaltigsten Weise vorbereiten. Und wenn er in sich das große Erlebnis gehabt hat, durch das er sich sagt: jetzt fühle ich etwas in mir, jetzt weiß ich etwas in mir, das hinunterschaut auf mein gewöhnliches Ich, wie mein gewöhnliches Ich auf die Sinnesdinge herunterschaut, jetzt bin ich ein Zweites in dem Ersten; jetzt bin ich hinaufgeschritten in diejenigen Reiche, wo ich mit den göttlichen Wesenheiten vereint bin, ‑wenn der Mensch dieses Erlebnis gehabt hat, dann kommen andere, weitere Stufen, die er zu durchschreiten hat, zwar anderer Natur als die Vorstufen, die aber doch auch zu durchschreiten sind.

So haben wir das eine große, einschneidende Ereignis, die Geburt des höheren Ich in jedem individuellen Menschen. Aber auch in der ganzen Menschheit haben wir eine solche Geburt: die Wiedergeburt des göttlichen Ichs. Und dann gibt es vorbereitende Stufen dazu, und Stufen, die auf dieses einschneidende Ereignis folgen müssen. Auf die vorbereitenden Stufen sehen wir zurück von dem Christus‑Ereignis aus. Da sehen wir andere große Erscheinungen innerhalb der Menschheitsentwickelung, sehen, wie es nach und nach herankommt, dieses Christus-Ereignis, wie etwa der Schreiber des Lukas‑Evangeliums sagte: Erst war ein Gott, ein Geist‑Wesen in Geisteshöhen. Es ist heruntergestiegen in die materielle Welt, und es ist Mensch geworden, Menschheit geworden. ‑ In dem Menschen, wie er sich entwickelt, konnte man zwar sehen, daß ihm der Gott zugrunde liegt. Aber den Gott konnte man nicht sehen, wenn man nur mit äußeren physischen Augen die Menschheitsentwickelung ansah. Der Gott war sozusagen hinter der irdisch‑physischen Welt, und da sahen ihn diejenigen, die da wußten, wo er ist, die hineinschauen konnten in seine Reiche.“

GA 112, S 20/21

„Gehen wir einmal zurück bis in die erste Kultur nach einer großen Katastrophe, bis in die uralt‑indische Kultur. Da sehen wir sieben große heilige Lehrer, die man als die heiligen Rischis bezeichnet. Sie weisen hinauf auf ein höheres Wesen, von dem sie sagten: Unsere Weisheit kann dieses hohe Wesen ahnen, aber nicht kann unsere Weisheit dieses hohe Wesen schauen! Die sieben heiligen Rischis sehen viel. Jenseits ihrer Sphäre aber ist dieses hohe Wesen, das sie nannten «Vishva Karman ». Und Vishva Karman ist ein Wesen, das zwar die geistige Welt erfüllte, aber jenseits dessen war, was sonst das hellseherische Menschenauge in diesen Zeiten schauen konnte. Dann kam die Kultur, die man benannt hat nach ihrem großen Führer Zarathustra, und Zarathustra sagte zu denen, die er zu führen hatte: Wenn das hellseherische Auge auf die Dinge der Welt sieht, auf die Mineralien, Pflanzen, ‚Tiere und Menschen, so sieht es hinter diesen Dingen allerlei geistige Wesenheiten. Aber dasjenige geistige Wesen, dem der Mensch sein eigentliches Dasein verdankt, das in des Menschen tiefstem Ich einmal leben muß, das sieht man noch nicht, wenn man die Dinge der Erde anschaut, nicht mit physischen und nicht mit hellseherischen Augen. ‑ Wenn aber der Zarathustra seinen hellseherischen Blick zur Sonne hinauf richtete, dann ‑ sagte er ‑ sieht man nicht nur die Sonne, sondern, wie man bei dem Menschen eine den Menschen umgebende Aura sieht, so sieht man bei der Sonne die große Sonnen‑Aura, Ahura Mazdao. ‑ Und die große Sonnen‑Aura ist es, die einmal auf eine Weise, die später charakterisiert werden soll, den Menschen hervorgebracht hat. Der Mensch ist das Abbild des Sonnengeistes, des Ahura Mazdao. Auf der Erde aber wohnte er noch nicht, der Ahura Mazdao.“

GA 112, S 21

„Und dann kommt die Zeit, in welcher der hellsichtig werdende Mensch beginnt, in dem, was ihn auf der Erde umgibt, den Ahura Mazdao zu sehen. Der große Moment ist eingetreten, wo das geschehen konnte, was in Zarathustras Zeiten noch nicht möglich war. Wenn Zarathustras hellsichtiges Auge sich öffnete und sehen konnte, was im irdischen Blitz, was im Donner sich kundgab, da war es nicht Ahura Mazdao, war es nicht der große Sonnengeist, der das Urbild der Menschheit ist. Aber wenn er sich zur Sonne wendete, da sah er Ahura Mazdao. ‑ Als Zarathustra in Moses einen Nachfolger gefunden hatte, da öffnete sich des Moses hellseherisches Auge, und er konnte dann sehen im brennenden Dombusch und im Feuer auf Sinai denjenigen Geist, der sich ihm ankündigte als «ehjeh asher ehjeh», als der «Ich bin, der da war, der da ist, der da sein wird », der Jahve oder Jehova. Was war da geschehen?“

GA 112, S 21/22

„Seit jener Vorzeit, seit der Erscheinung des Zarathustra, vor der Erscheinung des Moses auf der Erde, war der Geist, der früher nur auf der Sonne war, heruntergewandert zur Erde. Er leuchtete in dem brennenden Dombusch, leuchtete in dem Feuer von Sinai auf. Er war in den Elementen der Erde. Und noch eine Zeit, und der Geist, den die großen Rischis erahnten, von dem sie aber sagen mußten: Unsere Hellsichtigkeit kann ihn noch nicht sehen, ‑ der Geist, den der Zarathustra auf der Sonne suchen mußte, der im Blitz und Donner dem Moses sich kundgab, war in einem Menschen erschienen, in dem Jesus von Nazareth. Das war die Entwickelung: aus dem Weltenall heruntergestiegen zunächst bis zu den physischen Elementen, dann bis in einen menschlichen Leib hinein; da erst war das göttliche Ich, von dem der Mensch stammte und auf das der Schreiber des Lukas‑Evangeliums den Stammbaum des Jesus von Nazareth zurückführt, wiedergeboren. Da war das große Ereignis der Wiedergeburt des Gottes im Menschen eingetreten.“

GA 112, S 22

„Da sehen wir zurück auf die Vorstufen. Vorstufen also hat auch die Menschheit durchgemacht. Und diejenigen, die mit der Menschheit fortgeschritten waren als ihre früheren Führer, auch sie mußten diese Vorstufen durchmachen, bis einer von ihnen so weit gekommen war, daß er der Träger des Christus werden konnte. So sehen wir, wie sich vor einer geistigen Betrachtung die Entwickelung der Menschheit darstellt.“

GA 112, S 22

„So sehen wir, daß wir hier genau zu unterscheiden haben: Wir haben einen hohen Eingeweihten, der wiedergeboren wird als Jesus von Nazareth, von dessen Geburt gesagt werden muß: Es wird ein Kind geboren. Aber mit diesem Kinde erscheint etwas, was nicht umfaßt werden wird durch den physischen Leib des Kindes. ‑ Und dann haben wir mit diesem Jesus von Nazareth zugleich etwas gegeben, was in der geistigen Welt eine Bedeutung hat, was erst nach und nach diesen Leib hinauf entwickeln wird bis zu einem Punkt, wo dieser Leib reif sein wird für diesen Geist. Als aber dieser Leib reif war für diesen Geist, da ist auch das Ereignis geschehen, wo der Täufer herantritt an den Jesus von Nazareth, und wo ein höherer Geist sich heruntersenkt, mit dem Jesus von Nazareth sich verbindet, wo der Christus in den Jesus von Nazareth einzieht. Da aber kann derjenige, der als der Täufer der Vorläufer des Christus Jesus war, sagen: Ich trat in die Welt. Ich war derjenige, der einem Höheren den Weg bereitet hat. Ich habe mit meinem äußeren Munde verkündet, daß das Gottesreich, das Reich der Himmel nahe ist, daß die Menschen den Sinn ändern sollen. Ich bin unter die Menschen getreten und habe davon sprechen können, daß ein besonderer Impuls in die Menschheit kommen wird. Wie die Sonne im Frühling weiter heraufgeht, um zu verkündigen, daß etwas Neues aufsprießt, so bin ich erschienen, um zu verkündigen dasjenige, was da aufsprießt in der Menschheit als das wiedergeborene Menschheits‑Ich!“

GA 112, S 24/25

„So sah der Johannes den Jesus von Nazareth herankommen. Und er empfand das Heranwachsen des Jesus von Nazareth als sein eigenes Abnehmen, und wie das Zunehmen der Sonne. Ich werde von jetzt an abnehmen, sagt er, wie die Sonne vom Johannistage an abnimmt. Er aber wird zunehmen, er, die geistige Sonne, und aus der Verfinsterung heraus leuchten! ‑ So hat er sich angekündigt. So hat begonnen die Wiedergeburt des Menschheits‑Ich, von der die Wiedergeburt eines jeden individuellen höheren menschlichen Ich in der Menschheit abhängt.

Damit ist das wichtigste Ereignis in der Entwickelung des einzelnen Menschen charakterisiert: die Wiedergeburt dessen, was als Unsterbliches aus dem gewöhnlichen Ich hervorgehen kann. Sie ist geknüpft an das größte Ereignis, an das Christus‑Ereignis, dem nun die folgenden Stunden gewidmet sein sollen.“

GA 112, S 25/26

„Worauf beruht nun solche Führerschaf der Menschheit? Eine solche Führerschaft beruht darauf, daß der Mensch nach und nach die Stufen durchmacht, die ihn zum Leben in der geistigen Welt führen. Eine der Stufen haben wir gestern als die wichtigste gezeigt: die Geburt des höheren, des geistigen Ich. Und wir haben gesagt, daß es Vorstufen und daß es Nachstufen gibt. Aus dem, was wir gestern gesagt haben, können Sie ersehen, daß dasjenige, was wir als das Christus‑Ereignis bezeichnen, die mächtigste Erhebung in der Menschheitsentwickelung ist, und daß eine lange Vorbereitung notwendig war, damit sich das Christus‑Wesen in dem Jesus von Nazareth verkörpern konnte. Um diese Vorbereitungen zu verstehen, ist es nötig, daß wir uns dieselbe Erscheinung ein wenig im kleinen vor Augen führen.“

GA 112, S 36

„Gegen dieses Gefühl von Gruppen, in denen die Liebe waltet, versuchten die luziferischen Geister ihren Angriff. Sie wußten gegenüber dem gemeinsamen Ich, das in solchen Gruppen sich ausprägte, das individuelle Ich des Menschen zu kultivieren.

Wenn wir in die alten Zeiten zurückblicken, finden wir überall, je weiter wir zurückgehen um so mehr, Gemeinschaftsbewußtsein gebunden an die Blutsverwandtschaft. Und je mehr wir vorwärts kommen, desto mehr schwindet dieses Bewußtsein, und immer mehr fühlt der Mensch sich selbständig, fühlt er, daß er ein individuelles Ich gegenüber dem gemeinsamen Ich entwickeln soll. So wirken zwei Reiche in dem Menschen: das Reich der luziferischen Geister und das der göttlich‑geistigen Wesenheiten. Die göttlich‑geistigen Wesenheiten führen den Menschen zum Menschen, aber durch die Blutsbande. Die luziferischen Wesenheiten suchen zu trennen, suchen Mensch vom Menschen abzusondern. Diese beiden Kräfte wirken durch die atlantische Zeit hindurch. Und sie wirken auch dann noch, als der atlantische Kontinent durch große Katastrophen zugrunde geht und Europa, Asien, Afrika und auf der anderen Seite Amerika die heutige Gestalt bekommen. Sie wirken weiter in der fünften Erdenepoche, bis in unsere Zeit hinein.“

GA 112, S 94

„Luzifer hat seinen Angriff vorzugsweise gerichtet gegen das, was die Menschen zusammenhielt, was in der Liebe an das Blut geknüpft war. Nun wußten diese Menschen den Einfluß Luzifers zu bekämpfen. Dadurch erlangten sie, daß sie diesen Zusanunenhang geistig schauen konnten, daß sie sagen konnten: Nicht in der Trennung, nicht in der Absonderung liegt das, was den Menschen vorwärts bringt, sondern in dem, was die Menschen vereint. So haben diese Menschen, die dem luziferischen Einfluß entgegenarbeiteten, gleichsam den uralten Zustand wieder herbeizuführen gesucht, da noch nicht durch Luzifers Macht die obere geistige Welt gefährdet war. Sie waren bemüht, das persönliche Element auszurotten: Tötet das, was euch ein persönliches Ich gibt, und blickt hinauf in diejenigen alten Zeiten, wo die Blutsverwandtschaft noch so rege sprach, daß der Nachkomme sein Ich bis zum ersten Vorfahren hinauf empfand, wo der erste Ahne, der längst verstorben war, noch als heilig galt! ‑ In jene Zeiten uralter Menschengemeinschaft wollten die Führer der atlantischen Zeit die Menschen hinaufführen. Durch die ganze Entwickelung hindurch gab es solche Führer der Menschheit, die immer von neuem auftraten und sagten: Suchet nicht zu verfallen den Einflüssen, die euch in das persönliche Ich hineintreiben wollen; suchet das zu erkennen, was die Menschen in alten Zeiten zusammengehalten hat! Dann werdet ihr den Weg finden zum göttlichen Geiste!“

GA 112, S 97

„Im Grunde hatte sich diese Gesinnung am reinsten bei denen erhalten, die wir als das alte hebräische Volk kennen. Versuchen Sie einmal die Predigten derer, die die Führer dieses alten hebräischen Volkes waren, richtig zu verstehen. Da traten sie hin vor ihr Volk und sagten ihnen: Ihr seid bis dahin gekommen, daß ein jeder sein persönliches Ich in sich betont, daß jeder nur in sich selber sein Wesen sucht. Aber ihr fördert die Entwickelung, wenn ihr das persönliche Ich ertötet und alle diejenigen Kräfte anspannt, die euch zu dem Bewußtsein hinbringen, daß ihr alle abstammt von Abraham und zusammenhängt bis hinauf zu Abraham, daß ihr Glieder seid an dem großen Organismus bis zu Abraham hinauf. Wenn euch gesagt wird: « Ich und der Vater Abraham sind eins », und ihr dies mit Außerachtlassung alles Persönlichen in euch aufnehmet, dann habt ihr das rechte Bewußtsein, das euch zum Göttlichen führt, denn über den Urvater geht der Weg zum Göttlichen. ‑ Am längsten hatte sich das hebräische Volk das bewahrt, was der Grundnerv ist in der Führerschaft derer, die den luziferischen Einfluß bekämpft haben.“

GA 112, S 97/98

„Aber die Menschen waren mit der Mission betraut, das Ich nicht zu ertöten, sondern es auszubauen und zu kultivieren. Die alten Eingeweihten vermochten nichts gegen das persönliche Ich vorzubringen, als daß man über die Urahnen hinauf zu den alten Göttern steigen sollte.“

GA 112, S 98

„Als der große Impuls auf die Erde kam, wie wir das gestern charakterisieren konnten, als der Christus‑Impuls kam, da erklang zuerst ganz klar und deutlich eine andere Rede. Und sie konnte so klar und deutlich gerade innerhalb des hebräischen Volkes vernommen werden, weil sich dieses Volk bis in die späteste Zeit hinein das bewahrt hatte, was wir als den Nachklang der alten atlantischen Eingeweihten hinstellen können.“

GA 112, S 98

„Christus verwandelte jene Rede der alten Eingeweihten und sagte: Es gibt eine Möglichkeit, daß der Mensch seine eigene Persönlichkeit pflegt, daß er nicht bloß den physischen Banden der Blutsbrüderschaft folgt, sondern daß er in sein Ich schaut und dort das Göttliche sucht und findet! In dem, was wir charakterisiert haben als den Christus‑Impuls, liegt die Kraft, die, wenn wir uns mit ihr vereinen, es uns ermöglicht, trotz der Individualität des Ich ein geistiges Bruderband von Mensch zu Mensch zu stiften. So war die Kraft des Christus eine andere als die, welche in dem Kreise herrschte, in den er hineingestellt war. Da sagte man: « Ich und der Vater Abraham sind eins! Das muß ich wissen, wenn ich den Weg zum Göttlichen zurückfinden will.» Der Christus aber sagte: « Es gibt einen anderen Vater, durch den das Ich den Weg zum Göttlichen finden wird; denn das Ich oder Ich‑bin und das Göttliche sind eines! Es gibt ein Ewiges, das du finden kannst, wenn du in dir bleibst. » Daher konnte Christus die Kraft, die er den Menschen mitteilen wollte, bezeichnen mit den Worten des Johannes‑Evangeliums: « Ehe denn Abraham war, war das Ich‑bin! » Und das Ich‑bin war kein anderer Name als der, den sich der Christus selber beilegte. Und entzündet der Mensch dieses Bewußtsein: In mir lebt etwas, was viel früher als Abraham vorhanden war; ich brauche nicht bis zu Abraham zu gehen, ich finde in mir den göttlichen Vater‑Geist! ‑ dann kann er das, was durch Luzifer gebracht wurde zur Pflege und Kultivierung des Ich, und was zur Hemmung der Menschheit geführt hat, umwandeln ins Gute. Das ist die Tat des Christus, daß er den Einfluß des Luzifer ins Gute gewandelt hat.“

GA 112, S 98/99

„Wir wissen aus den vorhergehenden Vorträgen, daß der Mensch ein Ich als das vierte Glied seiner Wesenheit hat, und daß, indem dieses Ich sich entwickelt, es zu seinem äußeren physischen Instrument das Blut hat. Das Blut ist der Ausdruck des Ich. Deshalb verfiel das Ich in Irrtum, immer mehr und mehr in Maja oder Illusion, als das Blut immer schlechter und schlechter wurde. Deshalb verdankt der Mensch auch die Erhöhung der Kraft seines Ich dem Umstande, daß er sein Blut hat. Wiederum aber verdankt er dieses Ich in geistiger Beziehung dem Umstande, daß er sich unterscheiden lernte von der geistigen Welt, daß er eine Individualität wurde. Das konnte ihm nicht unter anderen Verhältnissen gegeben werden als dadurch, daß ihm der Ausblick zur geistigen Welt zunächst durchschnitten wurde. Und was ihm diesen Ausblick durchschnitten hat, das war eben der Tod. Hätte der Mensch immer gewußt, daß der Tod der Same des Lebens ist, er wäre auch nicht zu einer selbständigen Ichheit gekommen, denn er wäre geblieben im Zusammenhang mit der geistigen Welt. So aber trat der Tod ein, gab ihm die Illusion, daß er getrennt sei von der geistigen Welt, und erzog so den Menschen zur selbständigen Ichheit.“

GA 112, S 245/246

„Aber diese Ichheit wurde immer selbständiger und selbständiger, und zwar so, daß sie ihre Selbständigkeit übertrieb, überspannte über einen gewissen Punkt hinaus. Das konnte auf der anderen Seite nur ausgeglichen werden dadurch, daß dieser Ichheit jene Kraft entzogen wurde, welche sie über diesen Punkt hinausgetrieben hatte. Was also in dem Ich zu stark in den Egoismus hineingeführt hatte, was an dem Ich nicht die bloße Egoität, die Ichheit, sondern den Egoismus gefördert hatte, das mußte herausgetrieben werden. Das wurde aber herausgetrieben ‑ so daß es im Verlaufe der Zukunft immer mehr und mehr auch aus den einzelnen Ichen herausgetrieben werden kann ‑ damals, als der Tod am Kreuz auf Golgatha eintrat und das Blut aus den Wunden floß.

In dem fließenden Blute aus den Wunden des Christus sehen wir daher das tatsächliche Symbolum für den überschüssigen Egoismus im menschlichen Ich. So wie das Blut der Ausdruck ist für das Ich, so ist das Blut, das auf Golgatha floß, der Ausdruck für das Überschüssige im menschlichen Ich. Wäre das Blut nicht geflossen auf Golgatha, so wäre der Mensch im Egoismus geistig verhärtet und damit dem Schicksal entgegengegangen, das wir gestern beschrieben haben. Mit dem auf Golgatha fließenden Blute ist der Anstoß dazu gegeben, daß dasjenige, was das Ich zum Egoisten macht, allmählich aus der Menschheit schwinden kann.“

GA 112, S 246/247

„So ist der Tod der wohltätige Entreißer aus einem Dasein, das den Menschen ganz herausführen würde aus der göttlich‑geistigen Welt. Aber es mußte dieser Mensch in die physisch‑sinnliche Welt kommen. Denn nur in der physisch‑sinnlichen Welt war es ihm möglich, sein Selbstbewußtsein, seine menschliche Ichheit zu erringen. Würde er durch den Tod immer gehen müssen, ohne etwas mitnehmen zu können aus diesem Reich des Todes, dann würde er zwar in die göttlich-geistige Welt wieder zurückgehen können, aber unbewußt, ohne Ichheit. Er muß mit seiner Ichheit in die göttlich‑geistige Welt hineingehen. Er muß daher das irdische Reich, dem ganz der Tod einverwoben ist, befruchten können so, daß der Tod der Same wird für eine Ichheit im Ewigen, im Geistigen.“

GA 112, S 264

„Diese Möglichkeit aber, daß der Tod, der sonst Vernichtung wäre, umgewandelt wird in den Samen für die ewige Ichheit, ist gegeben worden durch den Christus‑Impuls. Auf Golgatha ist zuerst die wahre Gestalt des Todes vor die Menschheit hingestellt worden. Und dadurch, daß sich mit dem Tode vermählt hat der Christus, das Abbild des Vater-Geistes, der Sohn des Vater‑Geistes, dadurch ist der Tod auf Golgatha der Ausgang eines neuen Lebens und, wie wir gestern gesehen haben, einer neuen Sonne. Und nunmehr kann in der Tat alles, was früher als die Lehrzeit des Menschen da war, nachdem sich der Mensch ein Ich für die Ewigkeit erobert hat, nun kann alles Frühere verschwinden, und der Mensch kann in die Zukunft hineingehen mit seiner geretteten Ichheit, die immer mehr und mehr eine Nachbildung der Christus‑Ichheit werden wird.“

GA 112, S 264/265

„Ja, es mußte der Tod einverwoben werden allem natürlichen Dasein, weil ihm einverwoben ist Luzifer‑Ahriman. Und ohne Luzifer‑Ahriman wäre die Menschheit nicht zur Selbständigkeit gekommen. Mit Luzifer‑Ahriman allein aber wäre die Selbständigkeit immer stärker und stärker geworden und hätte endlich das Vergessen des göttlich-geistigen Ursprungs herbeigeführt. Deshalb mußte selbst unserem Leib der Tod beigemischt werden. Wir könnten aus uns nicht einmal die Ichheit in die Ewigkeit mitnehmen, wenn nicht dem äußeren Ausdrucke der Ichheit, die im Blute liegt, beigemischt wäre der Tod.“

GA 112, S 266

„Wir haben jetzt nur noch zu betrachten das, was wir als Tugend der Bewußtseinsseele ansprechen können: die Mäßigkeit, die Besonnenheit. Insofern wir im vierten nachatlantischen Kulturzeitraum uns befinden, sind diese Tugenden noch immer instinktiv. Plato und Aristoteles haben sie genannt die hauptsächlichsten Tugenden der Bewußtseinsseele, indem sie sie wiederum als Gleichgewichtszustände aufgefaßt haben, als die Mitte von dem, was so in der Bewußtseinsseele vorhanden ist. Die Bewußtseinsseele besteht dadurch, daß sich der Mensch durch seine Körperlichkeit der Außenwelt bewußt wird. Der sinnliche Leib ist zunächst das Werkzeug der Bewußtseinsseele, und der sinnliche Leib ist es auch, durch den der Mensch sogar zum Ich‑Bewußtsein kommt. Der sinnliche Leib muß daher erhalten werden. Würde der sinnliche Leib des Menschen für die Erdenmission nicht erhalten werden, dann könnte die Erdenmission nicht erfüllt werden.“

GA 155, S 123/124

„Diese menschliche Seele! Wir haben, insofern wir geisteswissenschaftlich sprechen, ein kurzes Wort, welches zwar nicht alles umfaßt, was menschliche Seele uns bedeutet, welches aber doch auf dasjenige hindeutet, was gewissermaßen für uns Erdenmenschen das Seelische in seinen weiten Grenzen ausfüllt und durchdringt ‑ wir haben das kurze Wort Ich. Unsere Ich‑Wesenheit geht so weit, insofern wir Erdenmenschen sind, als unser Seelisches. Indem wir nun den Namen der Ich‑Wesenheit aussprechen, erinnern wir uns ja sogleich, daß wir mit dieser Ich‑Wesenheit eines der vier uns zunächstliegenden Glieder der Menschenwesenheit bezeichnen. Wir sprechen von vier Gliedern der Menschenwesenheit zunächst: von dem physischen Leibe, dem Ätherleibe, dem Astralleibe und dem Ich. Und wir brauchen uns nur einiges ins Gedächtnis zu rufen, um Ausgangspunkte zu gewinnen für die Betrachtung, die wir in diesen Tagen anstellen wollen. Wir brauchen uns nur ins Gedächtnis zu rufen, daß wir des Menschen physischen Leib nicht so ansehen, als ob für uns seine Gesetze ‑ das Wesenhafte, das er enthält ‑ zu erkennen wären aus demjenigen, was unsere Erdenumgebung zunächst darbietet. Wir wissen, daß wir, wenn wir den physischen Menschenleib verstehen wollen, zurückgehen müssen zu drei vorhergehenden Verkörperungen unserer Erde, zur Saturn‑, Sonnen‑ und Mondenverkörperung; wir wissen, daß in urferner Vergangenheit, während der Saturnverkörperung unserer Erde, der physische Leib bereits seine Veranlagung gewonnen hat; wir wissen dann, daß während der Sonnenverkörperung der Ätherleib seine Veranlagung erfahren hat, und während der Mondenverkörperung der Astralleib. Und was ist im Grunde genommen unsere Erdenentwickelung anderes, als in allen ihren Phasen, in allen ihren Epochen dasjenige, was dem Ich die Möglichkeit gibt, sich in allen seinen Weiten zu verwirklichen!

Wir können sagen: So wie der physische Leib auf einer gewissen, für ihn bedeutungsvollen Stufe seiner Entwickelung angelangt war am Ende der Saturnentwickelung, wie der Ätherleib ebenso auf einer für ihn bedeutungsvollen Stufe angelangt war am Ende der Sonnenentwickelung, und der Astralleib ebenso am Ende der Mondenentwickelung, so wird unser Ich am Ende der Erdenentwickelung an einem bedeutungsvollen Punkte seiner Entwickelung angelangt sein. Und wir sprechen davon, daß unser Ich sich hindurchentwickelt durch drei seelische Glieder: durch die Empfindungsseele, die Verstandes- oder Gemütsseele und die Bewußtseinsseele. Alle die Welten, die umschlossen sind von diesen drei Seelengliedern, haben auch mit unserem Ich etwas zu tun. Diese drei Seelenglieder sind es, welche im Verlauf unserer Erdenentwickelung sich zuerst die drei äußeren leiblichen Glieder, den physischen Leib, den Ätherleib und den Astralleib zubereitet haben, durch lange Erdenzeiten hindurch zubereitet haben, und die nun in aufeinanderfolgenden Kulturepochen der nachatlantischen Zeit in gewisser Weise sich weiterentwickeln, die in zukünftigen Erdenzeiten sich wieder anpassen werden an Astralleib, Ätherleib und physischen Leib, so daß die Erde sich bereiten kann, zur Jupiterentwickelung hinüberzugehen.“

GA 155, S 141/142

„Für die dritte Stufe möge das von Reinkarnation und Karma Gesagte genügen. Für die höchste Selbsterkenntnis müssen wir erringen die Erkenntnis des großen kosmischen Zusammenhanges unserer Erde; denn wir sind ein Teil unserer Erde, wie ein Finger ein Teil des ganzen Organismus ist. Der Finger gibt sich nicht der Illusion hin, daß er eine selbständige Wesenheit ist; schneiden Sie ihn ab, und er ist kein Finger mehr. Könnte er auf Ihrem Organismus herumgehen, dann könnte er sich wie der Mensch der Illusion hingeben, daß er ein selbständiger Organismus sei. Der Mensch bedenkt nicht, daß, wenn Sie ihn einige Meilen über die Erde hinaufheben, er kein Mensch mehr ist. Der Mensch ist ein Glied im Erdorganismus, die Erde wieder ein Glied im Kosmos. Dies können wir nur erschauen, wenn wir den Grund des kosmischen Zusammenhanges erfassen. Alles Nachdenken über das Selbst ohne umfassende Welterkenntnis, ohne zu begreifen, wie das Ich alle vorhandengewesenen Ereignisse brauchte, ist umsonst; ohne das zu überblicken, können wir nicht zu einer Erkenntnis gelangen, auch nicht des Ich-Selbst. Wir kommen zu einer Erkenntnis des Tag-Ich, wenn wir die Umgebung nach Wann und Wo untersuchen. Die Erkenntnis, wie sich das Ich im Ätherleibe auslebt, finden wir, wenn wir die Vererbungslinie betrachten. Die Erkenntnis, wie das Ich sich im Astralleibe auslebt, finden wir, wenn wir das Karma leben, und die letzte Erkenntnis, wenn wir uns Welterkenntnis verschaffen; denn da ist ausgebreitet, was zusammengedrängt im punktuellen Ich des Menschen ist. Welterkenntnis ist Selbsterkenntnis.“

GA 108, S 39/40

„Dann aber gibt es noch ein viertes Glied in der menschlichen Wesenheit, die Krone des Erdenreichs, die Krone der menschlichen Natur. Dieses vierte Glied können wir ins Auge fassen, wenn wir einer intimen Bewegung der menschlichen Seele nachspüren. Eines gibt es im Menschen, das niemals von außen an ihn herantreten kann. Es ist dieses ein Name, der einfache Name «Ich». Nur aus den tiefsten Tiefen der Seele kann dieser Name, diese Bezeichnung «Ich» herausklingen. Niemals kann ein anderer Mensch zu einem Mitmenschen «Ich» sagen. Nur zu sich selber kann der Mensch das sprechen; nur aus ihm heraus, aus seinem eigenen tiefsten Inneren heraus kann es kommen, und hier beginnt etwas ganz anderes, etwas Göttliches durch den Namen «Ich» herauszutönen. Das empfanden auch alle großen Religionen, daß in dem Ich etwas Heiliges liegt. Auch im Alten Testament ist dies deutlich erkennbar. Da ist der Name Ich gleichbedeutend mit dem Namen Gottes. Nur der Priester durfte bei besonders feierlichen Gelegenheiten, bei besonders feierlichen Gottesdiensten den Gottesnamen aussprechen, und wenn er im Tempel den Namen «Jahve» ehrfurchtsvoll ertönen ließ, so bedeutete der Name «Jahve» nichts anderes als «Ich» oder «Ich bin». Daß der Gott selber im Menschen sich ausspricht, sollte es bedeuten. Und nur dasjenige Wesen kann dieses Wort in der Seele zu seiner Seele aussprechen, in dessen Natur das Gotteswesen sich offenbart. Die Offenbarung Gottes im Menschen ist ein viertes Glied der menschlichen Wesenheit. Aber nicht denken sollten wir nun, daß wir nun Gott selber wären. Ein Funken ist es aus dem Meere der Gottheit, der im Menschen aufblitzt. Wie ein Tropfen aus dem Meere nicht das Meer selber ist, sondern nur ein Tropfen daraus, so ist das Ich des Menschen kein Gott, sondern ein Tropfen aus der göttlichen Substanz: der Gott beginnt zu sprechen in der menschlichen Seele.

Nur der Priester durfte Jahve, den heiligen Namen, bei besonders feierlichen Anlässen aussprechen. Dieses Gotteswesen in der Seele des Menschen zum Tönen zu bringen dadurch, daß der Mensch sagen kann: “Ich bin“, das ist die Krone der Schöpfung. Dieser Ich-Träger, das vierte Glied in der menschlichen Natur, macht den Menschen zum ersten unter den Wesen, die sichtbar sind in der irdischen Schöpfung. Daher sprach man überall in den alten Mysterien von der heiligen Vierheit, deren erstes Glied der sichtbare physische Leib ist, deren zweites Glied der ätherische Leib oder Lebensleib, deren drittes Glied der astralische Leib oder Empfindungsleib, und deren viertes Glied das Ich ist. Das sind die vier Glieder, die wir zunächst betrachten wollen. Und von der Art und Weise, wie sie miteinander verbunden sind, hängt das menschliche Leben, das menschliche Bewußtsein ab.“

GA 108, S 44/45

„Wenn wir den Menschen in seiner Konstitution betrachten und dann diese Erkenntnis auf den werdenden Menschen, auf das Kind anwenden, so ergibt sich das Folgende: Aus den geistigen Welten herein kommt, ich möchte sagen, auf einer Art astralischen Flügeln, die Ichheit des Menschen. Wenn wir das Kind zunächst in den ersten Lebensjahren betrachten, wie es sich entwickelt, wie es Grad für Grad aus seinem tiefen Inneren die Physiognomie an die Oberfläche des Leibes bringt, wie es immer mehr und mehr die Gewalt über seinen Organismus bekommt, so ist das, was wir da sehen, im wesentlichen die Einverleibung des Ich. Wenn wir uns diese Einverleibung des Ich betrachten, so können wir das, was eigentlich vorgeht, in verschiedener Weise charakterisieren, und Sie kennen ja hauptsächlich schon zwei Arten, wie dies zu charakterisieren ist.“

TB 730, S 54

„Nun, was geschieht weiter? In das, was da eigentlich frei wird —ob wir es nun Ätherleib oder ob wir es Intelligenz nennen —, in das strömt gewissermaßen das schon mit der Geburt heruntergestiegene Ich ein und durchorganisiert es nach und nach; so daß also in dieser Zeit stattfindet ein Durcheinanderströmen des ewigen Ich mit dem, was sich da bildet: die freiwerdende Intelligenz, der geborenwerdende Ätherleib.“

TB 730, S 55

„Und wenn wir dann die nächste Zeit betrachten, die Zeit vom 7. bis zum 14.Jahre, also bis zur Geschlechtsreife, so können wir wieder von der einen Seite sagen, ein willensartiges Element, ein musikalisches Element wird gewissermaßen aufgenommen. Der Vorgang wird schon so am besten geschildert seiner einen Seite nach, wenn wir sagen; aufgenommen; denn es ist das musikalische Element, das eigentlich in der Außenwelt liegt. Durchvibriert wird allerdings das, was da an Musikalischem, an Tonlichem aufgenommen wird, durch den astralischen Leib. Der wird dadurch von den, Zusammenhange, den er früher gehabt hat mit der ganzen Organisation emanzipiert. Wir können deshalb von der anderen Seite auch in bezug auf das Kind sagen: Mit der Geschlechtsreife erfolgt die Geburt des astralischen Leibes. — Aber wieder ist es das Ich, das sich jetzt als Ewiges mit dem, was sich da emanzipiert, verbindet; so daß wir von der Geburt bis zur Geschlechtsreife, also bis zum Ende der Volksschulzeit und auch noch darüber hinaus, ein fortwährendes Sichbefestigen des Ich in der ganzen menschlichen Organisation haben. Vom 7. Jahre an befestigt sich das Ich nur noch im Ätherleibe; vorher aber, wenn der Mensch ein Nachahmer ist, befestigt sich gerade durch diese nachahmende Tätigkeit das Ich im physischen Leibe; und dann später, noch nach der Geschlechtsreife, befestigt das Ich sich im astralischen Leibe. Also es ist ein fortwährendes Durchdringen der menschlichen Organisation mit dem Ich, die sich konkret so ausnimmt, wie ich es gesagt habe.“

TB 730, S 55/56

„Diese ganze Tatsachenwelt hat eine ungeheure Bedeutung für den Erzieher. Denn im Grunde genommen sollte alles Erziehen und Unterrichten gewissermaßen künstlerisch wie ich das angedeutet habe in den, Aufsatze über das künstlerische Element in der Erziehung im letzten Heft der «Sozialen Zukunft» — so vor sich gehen, daß es diesen Prozeß des Eingliederns des Ich in die andere menschliche Organisation, wie ich es jetzt beschrieben habe, immer im Auge hat; es sollte durch eine künstlerische Erziehung der Prozeß des Eingliederns des Ich in die menschliche Organisation geleitet werden. Was ist damit gemeint?

Damit ist gemeint, daß zum Beispiel das Ich nicht gewissermaßen zu gründlich hineingehen darf in den physischen Leib, Ätherleib und astralischen Leib, daß es aber auch wieder nicht zu stark draußen gehalten werden darf. — Wenn es sich zu gründlich hineinsetzt in die menschliche Organisation, zu intensiv sich mit ihr verbindet, so wird der Mensch ein zu materielles Wesen; er denkt dann nur mit dem Gehirn, ist ganz abhängig von seiner Organisation, kurz, er wird zuviel Körper; das Ich wird zu stark aufgenommen von der Organisation. Das müssen wir vermeiden. Wir müssen durch die Erziehung zu vermeiden suchen alles dasjenige, was das Ich zu stark aufsaugen läßt von der Organisation, zu stark abhängig werden läßt. Sie werden den ganzen Ernst dieser Sache begreifen, wenn ich sage, daß das Wesen mancher Verbrecher, mancher brutaler Menschen darin besteht, daß man das Ich zu stark hat aufsaugen lassen in den Jahren des Wachstums. Das, was dann der Anthropologe bei einem solchen Menschen als die Ihnen ja bekannten Degenerationsmerkmale konstatiert, die beim Verbrecher gefunden werden, stellt sich sehr häufig heraus — es kommt erst richtig ausgebildet heraus in diesen späteren Jahren — als ein zu starkes Aufsaugen des Ich von seiten der übrigen Organisation. Und wenn auch der Mensch [mit einem zu kurzen Hinterhauptslappen des Gehirns] geboren wird, so ist es um so notwendiger, daß wir dann erst recht darauf sehen, daß das Ich nicht zu tief hineinsinkt in die übrige Organisation. Wir können nämlich durch eine richtige künstlerische Behandlung in der Erziehung vermeiden, daß bei einem Menschen mit Degenerationszeichen das Ich zu tief hineinsinkt in die Organisation; dann bewahren wir ihn davor, ein Verbrecher zu werden.“

TB 730, S 56/57

„Auf der anderen Seite können wir aber auch in den entgegengesetzten Fehler verfallen. Es ist da eine Schwierigkeit. So wie man bei einer Waage ein zu kleines oder ein zu großes Gewicht auf die Waagschale legen kann — bei einem zu kleinen Gewicht geht die andere Waagschale nicht hoch, bei einem zu großen geht sie zu hoch, und wir müssen erst wieder ausgleichen—, so steht man bei den Tatsachen des Lebens ebenfalls einer solchen Wirklichkeit gegenüber. Das Gebiet der Wirklichkeit ist niemals in stramme Begriffe zu fassen; man kann immer, wenn man einen Fehler gutmachen will, in den anderen Fehler verfallen. Daher ist es gegenüber dem Kinde durchaus so, daß es auf die Intimitäten des Lebens ankommt, daß wir niemals einseitig zu stark das eine oder das andere heranziehen, sondern ein Gefühl dafür haben müssen, daß man bei der Erziehung künstlerisch ausbalancieren muß. Wenn man nämlich nicht dafür sorgt, daß das Ich sich in richtiger Weise mit der Organisation verbindet, dann kann es auch so sein, daß es zu stark draußen bleibt, und die Folge ist, daß der Mensch ein Träumer oder Schwärmer wird, oder überhaupt für das Leben unbrauchbar wird, indem er sich wieder phantastische Vorstellungen macht. Das ist der andere Fehler, daß man das Ich zuwenig in die Organisation untersinken läßt. Und selbst die Menschen, die als Kinder eine Anlage zur Schwärmerei, zur falschen Romantik, zur Theosophie im falschen Sinne zeigen, können für das weitere Leben davor bewahrt werden durch den Erzieher, wenn man darauf achtgibt, daß das Ich nicht zu sehr draußen bleibt aus der übrigen Organisation, sondern sich in der richtigen Weise mit ihr durchdringt. Wenn man bei Kindern das bekannte Theosophenmerkmal findet, ein kleiner Berg, der von der Stirne aus etwas rückwärts gelegen, ein bißchen ansteigt — das bekannte Theosophenmerkmal, das alle die, die Theosophenanlage haben, mit in die Welt bringen —, so handelt es sich darum, daß wir bei solchen Kindern dann darauf bedacht sind, die Neigung zur Schwärmerei und zur falschen Romantik durch ein stärkeres Hineindrücken des Ich in die Organisation zu vermeiden. Wie aber tun wir das eine und wie das andere?

Wir können etwas nach diesen Sehen hin tun, indem wir uns bekanntmachen mit den Mitteln, mit denen wir so etwas bewältigen können, und das sind die folgenden: Alles, was Geometrie und Arithmetik ist, was notwendig macht, daß der Mensch sich zahlenmäßige und raumesmäßige Vorstellungen macht, das trägt dar, bei, wenn es vom Kinde aufgenommen und verarbeitet wird, unterrichtlich und erzieherisch, daß das Ich sich hineinsetzt in den Organismus. Auch alles dasjenige, was in, sprachlichen hinneigt zum Musikalischen, also das Rhythmisch-Rezitative und so weiter, trägt dazu bei, daß das Ich sich in den Organismus in der richtigen Weise hineinsetzt. Die Musik, namentlich in da Weise angewandt, daß wir bei einem etwas zur Schwärmerei neigenden Kinde das Tongedächtnis ausbilden, also vorzugsweise das Erinnern des Musikalischen, wird in außerordentlich wohltätiger Weise bei einem solchen Kind wirken. Das sind die Mittel, mit denen wir arbeiten müssen bei einem Kinde, bei dem wir bemerken, daß das Ich nicht recht hinein will in den Organismus, das leicht schwärmerisch bleiben könnte Und in dem Augenblicke mm, wo wir merken, daß das Kind zu materiell wird, daß das Ich zu stark abhängig wird von seinem Körper, brauchen wir nur in der Geometrie etwas mehr die sonst mit den Gedanken erfaßten Gebilde äußerlich zeichnen zu lassen. In dem Augenblick wo wir das Kind die geometrischen Formen zeichnen lassen, schaffen wir wieder ein Gegengewicht gegen das Einsaugen des Ich. Sie sehen, man kann durchaus, wenn man die Unterrichtsgegenstände in der richtigen Weise benutzt, richtig erziehen.“

TB 730, S 57/58

„Nun müssen wir noch etwas anderes dazu betrachten. Was trägt denn eigentlich unser Ich beim Herabstieg aus der geistigen Welt durch die Geburt in die physische Welt herein? Es ist der Kopf, der es her einträgt. Der Kopf ist sozusagen der Wagen, auf dem das Ich hereinfährt in die physische Welt. Und wenn es hereingefahren ist, dann verwandelt es auch seinen ganzen Lebenszustand beim Übergang aus der geistigen in die physische Welt. So paradox es zunächst dem Menschen, der die Dinge äußerlich betrachtet, erscheinen mag: in der geistigen Welt, bevor wir uns anschicken, hier geboren zu werden, sind wir eigentlich in einer fortwährenden Bewegung, und Bewegung ist dort unser eigentliches Element. Würden wir diese Bewegung fortsetzen wollen, so würden wir niemals in die physische Welt hineinkommen können. Und wir werden davor behütet, sie fortzusetzen, indem sich unsere Kopforganisation anpaßt dem übrigen Organismus, so daß also gewissermaßen unsere Kopforganisation zum Wagen wird, auf dem wir hereinfahren in die physische Welt, der aber dann stille wird, wenn er hereingefahren ist, und dann bequem auf dem übrigen Organismus ruht. Und wenn der übrige Organismus auch geht, der Kopf macht dies nicht mit. So wie ein Mensch, der in einer Kutsche oder in der Eisenbahn fährt, selbst in Ruhe ist, so ist auch das Ich, das vorgeburtlich in Bewegung ist, zur Ruhe gekommen, wenn es in die physische Welt heruntergestiegen ist, und macht dann nicht mehr die Bewegungen, die es früher gemacht hat. Das deutet auf außerordentlich Wichtiges.“

TB 730, S 63/64

„Und jetzt denken Sie sich einmal, Sie stehen vor einem Menschenkinde, Sie schauen es mit solchen Erkenntnissen unbefangen und vernünftig an, wie ich sie eben auseinandergesetzt habe. Dann blicken Sie hin auf das menschliche Haupt: es trägt den Tod in sich; Sie blicken hin auf dasjenige, was das Haupt beeinflußt von der Brust aus: es belebt alles. Sie blicken hin, wenn das Kind anfängt zu laufen, Sie merken: das ist der astralische Leib eigentlich, der da im Laufen drinnen tätig ist. Jetzt wird Ihnen die menschliche Wesenheit etwas innerlich Durchschaubares. Der Kopf — Leichnam; das sich ausbreitende Leben in dem Menschen stillstehend, wenn er ganz ruhig sein würde. Im Augenblick, wo er zu laufen beginnt, merken Sie sogleich: der astralische Leib ist es eigentlich, der läuft; und er kann laufen, weil dieser astralische Leib beim Laufen, beim Bewegen Stoffe verbraucht, der Stoffwechsel ist tätig in einer gewissen Weise. Das Ich, wie kann man das beobachten? Es ist eigentlich jetzt schon alles erschöpft. Wenn Sie verfolgen den Kopfleichnam, das Belebende des Brustmenschen, das Laufen, was bleibt noch übrig, um das Ich äußerlich anzuschauen? Ich sagte Ihnen, das Ich hat kaum ein physisches Korrelat. Sie schauen das Ich nur an, wenn Sie den Menschen in seinem aufsteigenden Wachstum betrachten. Mit einem Jahr, da ist er ganz klein, mit zwei Jahren größer und so weiter. Wenn Sie ihn so größer und größer werden sehen, wenn Sie zusammenfügen dasjenige, was er in den aufeinanderfolgenden Zeiten ist, dann sehen Sie physisch das Ich an. Sie sehen das Ich niemals im Menschen, wenn Sie ihm nur gegenüberstehen, sondern das Ich sehen Sie erst dadurch, daß Sie den Menschen wachsen sehen. Würden sich die Menschen nicht Illusionen hingeben, sondern die Wirklichkeit sehen, dann würden sie sich klar sein darüber, daß sie in dem Menschen, der einem nur so einfach begegnet, physisch gar nicht das Ich so ohne weiteres wahrnehmen, daß sie das Ich eigentlich nur wahrnehmen, wenn sie den Menschen in verschiedenen Lebensaltern betrachten. Wenn Sie aber einen Menschen später wiedersehen nach zwanzig Jahren, dann nehmen Sie sehr stark sein Ich wahr an der Veränderung, die mit ihm vorgegangen ist, insbesondere wenn Sie ihn vor zwanzig Jahren als Kind gesehen haben.“

TB 735, S 80/81

„Diese Empfindung muß man erst rege machen, wenn man einen älteren Wortinhalt verstehen will. Und man muß wissen, daß, wenn wir heute unser Ich empfinden, das innere Seelenerlebnis ein ganz anderes ist, als das war, was etwa bei dem Wort «ego» erlebt worden ist oder was von den Menschen früherer Zeiten bei den, Wort «aham» der Sanskritsprache erlebt worden ist. Wir erleben heute unser Ich als etwas, was ganz und gar wie in einem Punkte zusammengezogen ist, in einem Punkte, auf den wir als den Mittelpunkt unseres Innenwesens alle unsere Seelenkräfte beziehen.

Diese Empfindung lag nicht den älteren Offenbarungen des Ich-Begriffes zugrunde. In diesen älteren Zeiten fühlte man auch das Ich noch als etwas, was getragen worden ist; man fühlte sich nicht im Ich drinnen. Man fühlte auch das Ich gewissermaßen wie auf den Wogen des seelischen Lebens wie etwas Selbständiges schwimmend. Was man aber so fühlte, deutete man in dem Lautzusammenhang nicht an; so daß eigentlich das, was in dem Sanskritwort «aham» liegt, etwas ist, was um das Ich herum ist, was das Ich trägt. Und während wir das Ich innerlich als einen Willensimpuls haben denn so wird es heute wirklich erlebt —, der innerlich unser Wesen durchstrahlt, sagen wir als ein Mittelpunkt innerhalb einer Wärmequelle, die die Wärmestrahlen um einen Vergleich zu gebrauchen nach allen Seiten hinstrahlt, so fühlte der Grieche oder sogar noch der Lateiner das Ich wie eine Kugel von Wasser, und diese Wasserkugel ganz durchdrungen von Luft. Es ist etwas anderes, zu erleben die sich in einer Wasserkugel ausbreitende Luft, oder zu erleben das innerliche Strahlen eines Wärmemittelpunktes und Wärme nach allen Seiten der Kugel hinstrahlen, die dann — wenn wir den Vergleich ganz genau gebrauchen als eine Luftkugel erfaßt werden muß. Das alles sind Symbole. Aber die Worte der Sprache sind ja in diesem Sinne auch Symbole, und wer das Recht bestreitet, daß man die Worte als Symbole bezeichnet, der wird überhaupt nicht in eine solche Betrachtung einrücken können.“

TB 734, S 151/152

„Was ich Ihnen jetzt auseinandergesetzt habe, erlebt man als Seher. Wenn man nun, ausgehend von solchen Empfindungen, willkürlich herbeiführt die Selbständigkeit des Ich und astralischen Leibes von physischem Leib und Ätherleib, wenn man es dahin gebracht hat, physischen Leib und Ätherleib willkürlich zu einer Art von Pflanze zu machen dadurch, daß man aus ihnen heraus ist, dann weiß man jetzt etwas ganz Sonderbares. Man weiß etwas, was sich nicht anders aussprechen läßt, als wie etwa die Sonne sprechen würde, wenn sie hinuntersehen würde auf die Pflanzen und sich denselben gegenüber sehen wurde. Da könnte sie sagen: Ja, dieser physische Leib und Ätherleib der Pflanzen gehört zu mir; er gehört zu mir, weil er braucht, was ich ihm zusenden kann! Genau wie die Sonne zur Pflanze, die unten wächst, sprechen würde, so kann das Ich des Menschen zu seinem physischen und Ätherleib sagen: Das gehört zu mir wie die Pflanze zur Sonne; ich bin wie eine Sonne für den physischen Leib und Ätherleib. Sonne für den physischen Leib und Ätherleib, — so lernt der Mensch mit Notwendigkeit sprechen von seinem Ich! Und ebenso wie er sprechen lernt von seinem Ich mit Bezug auf physischen Leib und Ätherleib, wie die Sonne zur Pflanze sprechen würde, so lernt er von seinem astralischen Leib so sprechen, wie der Mond und auch die Planeten zur Pflanze sprechen müßten. Das ist ein ganz besonderes Mysterienerlebnis, ein wichtiges Mysterienerlebnis.“

GA 144, S 42

„Sehen Sie, in den ersten sieben Lebensjahren ist eigentlich alles Körperliche vererbt. Die ersten Zähne sind ja durchaus vererbte Zähne, weil überhaupt alles Materielle, das wir in uns tragen in den ersten sieben Lebensjahren, im wesentlichen Vererbtes ist. Aber nach ungefähr sieben Lebensjahren wird ja die ganze materielle Substanz ausgestoßen, fällt ab, wird neu gebildet. Der Mensch bleibt als Form, als Geistgestalt. Sein Materielles stößt er jeweils aus; nach sieben bis acht Jahren ist alles weg, was vor sieben bis acht Jahren da war. Und so ist es, daß, wenn wir neun Jahre alt geworden sind, wir unseren ganzen Menschen erneuert haben. Wir bilden dann unseren Menschen nach den äußeren Eindrücken.

Und in der Tat, es ist sehr wichtig, gerade für das Kind in den ersten Lebensepochen, daß es in die Lage kommt, seinen neuen Körper, jetzt nicht den vererbten Körper, sondern den aus dem Innern heraus gebildeten Körper, nach guten Eindrücken der Umgebung, nach einer guten Anpassung bilden zu können. Während der Körper, den das Kind hat, wenn es zur Welt kommt, davon abhängt, ob ihm die vererbten Impulse in guter oder weniger guter Weise mitgegeben werden, hängt der spätere Körper, den es an sich trägt vom siebenten bis vierzehnten Lebensjahr, ganz stark von den Eindrücken ab, die das Kind aus seiner Umgebung aufnimmt. Jeweils nach sieben Jahren bilden wir unseren Körper neu.“

GA 232, S 44/45

„Ja, aber sehen Sie, das ist das Ich, das da bildet. Wenn auch das Ich noch nicht einmal für die Außenwelt geboren ist beim Kinde mit dem siebenten Jahre – es wird ja erst später geboren -, so wirkt es dennoch, denn es ist natürlich verbunden mit dem Körper, und es ist das Ich, das da bildet. Und es bildet dasjenige, wovon ich gesprochen habe; es bildet das, was dann als Physiognomie und als Geste, als die äußere materielle Offenbarung des Seelisch-Geistigen beim Menschen herauskommt. Es ist ja überhaupt so, daß derjenige Mensch, der regsamen Anteil an der Welt hat, der sich für vieles interessiert, und dieses, woran er regsamen Anteil hat, innerlich auch regsam verarbeitet, daß ein solcher Mensch in seinem äußeren Gesichtsausdrucke, in seinen Gesten materiell wieder das offenbart, was er da mit Interesse auf nimmt, was er mit Interesse innerlich verarbeitet. Bei dem Menschen, der regsamstes Interesse an der Außenwelt hat, der regsam dieses Interesse an der Außenwelt innerlich verarbeitet, bei dem wird man an jeder Runzel im Gesichte im späteren Lebensalter sehen, wie er sich diese selbst geformt hat, und man wird viel lesen können, weil das Ich in der Geste, in der Physiognomie, im Ausdruck zum Vorscheine kommt. Bei einem Menschen, der blasiert oder interessenlos an der Außenwelt vorbeigeht, bei dem bleibt das ganze Leben hindurch das Gesicht mit demselben Ausdruck. Es prägen sich nicht die feineren Erlebnisse in Physiognomie und Geste ein. In manchem Gesichte kann man eine ganze Biographie lesen; in manchem kann man nicht viel mehr lesen, als daß der Mensch einmal Kind gewesen ist, was ja nichts Besonderes ist.“

GA 232, S 45

„Und wiederum, wenn man mit imaginativem Hellsehen hinschaut auf den Menschen und nun das Ich betrachtet, wie es draußen schlafend ist, so ist dieses Ich eigentlich bestehend aus Physiognomie und Geste. Es ist daher gerade bei denjenigen Menschen, die viel von ihrem Inneren in ihren Gesichtsausdruck oder in ihre Geste zu legen vermögen, ein glänzendes, ein strahlendes Ich da. Und dieses Erarbeiten der Geste, der Physiognomie verbindet sich wiederum mit gewissen Kräften im Innern der Natur. Und es ist schon so : wenn wir in der Lage waren, oftmals im Leben freundlich zu sein, liebenswürdig zu sein, dann ist die Natur geneigt, sobald das Liebenswürdigsein Gesichtsausdruck geworden ist, dies während unseres Schlafes in ihr Wesenhaftes aufzunehmen. Unsere Erinnerungen nimmt sie auf in ihre Kräfte, unsere Gestenbildung nimmt sie auf in ihr Wesenhaftes, in die Naturwesen selber. So innig ist der Mensch im Zusammenhange mit der äußeren Natur, daß es für die äußere Natur eine ungeheure Bedeutung hat, was er in seinem Innern seelisch als Erinnerungen erlebt, wie er sein inneres Seelisches in Geste, in Physiognomie zum Ausdrucke bringt. Denn das lebt im Innern der Natur weiter.“

GA 232, S 46

„Das Ich gliedert sich in die mannigfaltigsten Bewußtseinserlebnisse. Und nun wollen wir einmal ein solches Bewußtseinserlebnis herausheben, besser gesagt, eine bewußte Erlebensart. Das bewußte Leben ist ja ein sehr mannigfaltiges, aber wir wollen, wie gesagt, eine sehr einfache, elementare Erlebensart herausheben, die Art und Weise des Geschmackserlebnisses. So, wie das Ich erlebt die Gesichts-, Gehörs-, Geruchs-, die Vorstellungserlebnisse, so hat es auch Geschmackserlebnisse, Wechselverkehr mit der äußeren physischen Welt. Ich meine die ganz gewöhnlichen Geschmackserlebnisse, die mit der Ernährung im Zusammenhang stehen, nicht diejenigen, die man künstlerische nennt.

Was wir erleben, wenn wir eine Geschmacksempfindung haben, das ist ein Erlebnis des Ich, insofern dieses Geschmackserlebnis eben bewußt für uns abläuft. Also, wenn wir eine Speise in unseren Mund bringen und ein Geschmackserlebnis haben, so ist dieses Geschmackserlebnis ein Erlebnis unseres Ich. Die mannigfaltigen Geschmackserlebnisse sind eben mannigfaltige Erlebnisse des Ich.

Nun können wir gerade an den Geschmackserlebnissen in interessanter Weise gleichsam den Übergang vom Ich in den Astralleib studieren, von den bewußten Erlebnissen in die unterbewußten Erlebnisse. Es ist ja nicht schwierig zu konstatieren, daß die Geschmackserlebnisse gewissermaßen ersterben, wenn der Nahrungsstoff einen gewissen Weg durchgemacht hat. Für das bewußte Leben ersterben dann die Geschmackserlebnisse, aber das ist nur scheinbar. In Wirklichkeit geht, im groben Sinn gesprochen, das Geschmackserleben des Mundes über in das Geschmackserleben des ganzen Organismus; und der ganze Organismus ist im Grunde genommen durchsetzt von Geschmackserlebnissen im Laufe des Eindringens der Nahrungsmittel in unseren Leib, im Laufe der Verdauung und so weiter; und das, was wir bewußt schmecken, ist nur ein kleiner Teil jenes allgemeinen Schmeckens, das unser ganzer Leib erlebt.

Nicht nur die Nervenapparate unseres Mundes schmecken, sondern unser ganzer Verdauungskanal schmeckt, und beim Übergang der Nahrungsstoffe in den Organismus, in das Blut und so weiter, schmeckt der ganze Organismus wieder dasjenige, was die Verdauungsorgane für ihn zubereitet haben. Man könnte sagen, der ganze Organismus ist von Geschmacksempfindungen durchdrungen. Und dieser Organismus ist so von Geschmacksempfindungen durchdrungen und durchlebt, daß man von differenzierten Geschmäcken sprechen kann. Man kann sprechen von Organgeschmäcken. Jedes Organ hat sein bestimmtes, spezifisches Geschmackserlebnis; der Magen hat sein bestimmtes Geschmackserlebnis, Leber, Lunge, das Herz haben ihre besonderen Geschmackserlebnisse. Es differenziert sich das allgemeine Schmecken in das Organschmecken.

Da sehen wir, wie die Sphäre der Ich-Erlebnisse untertaucht in die Sphäre der astralischen Erlebnisse. Denn diese differenzierten Organgeschmäcke sind unterbewußt; sie kommen dem Menschen nicht zum Bewußtsein, und dennoch sind sie unendlich bedeutsam. Denn es beruht auf der normalen Entwickelung dieser Organgeschmäcke überhaupt die normale Entwickelung des Menschenlebens, und das Altern besteht zum Teil darin, daß der Astralleib allmählich gegenüber der Gewohnheit des Schmeckens sich abstumpft. Verstehen Sie mich wohl. Der Astralleib stumpft sich in bezug auf die Gewohnheit des Schmeckens ab; das Wort „Gewohnheit“ aber in dem Sinne gebraucht, wie ich es gestern gebraucht habe; nach und nach stumpft er sich ab. Wenn aber nicht mehr der Reiz auf den Astralleib und dadurch auch auf den Ätherleib und den physischen Leib ausgeübt wird, was seinen Ausdruck darin findet, daß geschmeckt wird, dann findet überhaupt die Möglichkeit nicht mehr statt, daß der Astralleib durch Geschmackserlebnisse die Lebensgeschehnisse des Ätherleibes und des physischen Leibes durchdringt. Darauf, daß der Astralleib sich abstumpft gegenüber dem Schmecken, beruht ein gutes Stück dessen, was wir das Altern nennen, und darauf, daß ein einzelnes menschliches Organ die frische Fähigkeit des Schmeckens verliert, das heißt, von seinem Astralleib nicht in der entsprechenden Weise durchzogen ist, entstehen die Organerkrankungen.“

GA 156, S 132-134

„Der Mensch ist durch die Reiche der Natur hindurchgegangen. Das Ich-Bewußtsein ging zuletzt in ihm auf. Astral-, Äther- und physischer Leib und das Ich bilden zusammen das pythagoräische Quadrat. Und das Judentum fügte zu diesem das göttliche Selbst hinzu, das von oben herunter zu uns kommt, im Gegensatz zu dem Ich von unten. So war aus dem Viereck ein Fünfeck entstanden. So empfand das Judentum den Herrn seines Volkes, und etwas Heiliges war es daher, den «Namen» auszusprechen. Während andere Namen, wie zum Beispiel Elohim oder Adonai mehr und mehr populär wurden, durfte nur der gesalbte Priester im Allerheiligsten den Namen «Jahve» aussprechen. Zur Zeit Salomos war es, daß das alte Judentum zur Heiligkeit des Jahve-Namens kam, zu diesem «Ich», das im Menschen wohnen kann. Die Aufforderung Jahves an die Menschen müssen wir als eine solche nehmen, die den Menschen selbst zu einem Tempel des heiligen Gottes gemacht wissen wollte. Jetzt haben wir eine neue Auffassung von der Gottheit erhalten, die nämlich: den Gott, der in der Brust des Menschen, im tiefsten Heiligtum des menschlichen Selbst verborgen ist, zum moralischen Gott zu machen. Der menschliche Leib wurde so zu einem großen Sinnbild für das Allerheiligste.“

GA 93, S 144

„In der Mitte der lemurischen Zeit begann der Mensch an seinem Astralleib zu arbeiten. Wenn Sie einen Menschen betrachten könnten, der auf der Stufe steht, wo die lemurische Rasse begann, also zweigeschlechtlich, so finden Sie, daß dessen Körper von außen aufgebaut wird. Seit der Mitte der lemurischen Zeit beginnt nun der Mensch selbst an seinem Astralleib zu arbeiten. Alles was der Mensch von seinem Ich aus hineinarbeitet, was er durch Pflichten und Gebote zur Überwindung der rohen Begierden und Leidenschaften tut, trägt bei zur Veredelung des Astralleibes. Wenn er dann ganz durchdrungen sein wird mit der Arbeit des eigenen Ich, dann können wir ihn nicht mehr Astralleib nennen, dann ist er Manas geworden. Wenn der ganze Astralleib in Manas verwandelt ist, kann der Mensch beginnen in den Ätherleib hineinzuarbeiten, ihn in Buddhi zu verwandeln. Was er da hineinarbeitet, ist nichts anderes als das individualisierte Wort, das die christliche Esoterik auch den «Sohn» oder «Logos» nennt. Wenn der Astralleib zu Manas wird, nennt sie dies den «Heiligen Geist », und wenn der physische Leib Atma geworden ist, nennt sie dies «Vater».“

GA 93, S 177/178

„In der Entwickelung der Erde kam nun ein Zeitpunkt, wo in dem gemeinsamen Leben und Weben des Erdengeistes eine Besonderung eintrat. Es schloß sich ein Teil ab, wie in ein Rohr hinein. Erst als dieser Zeitpunkt eintrat, war es überhaupt möglich, daß Wesen entstehen, die auch Sonderwesen werden können. Die anderen sind Glieder einer Erdenseele. Jetzt erst beginnt ein besonderer Grad von Sonderung. Jetzt beginnt erst die Möglichkeit, daß einmal etwas zu sich «Ich» sagen kann. Diese Tatsache, daß zwei Epochen auf der Erde sind, erstens die Epoche, in der es auf der Erde noch keine Tiere gab mit einem in ein Knochenrohr eingeschlossenen Nervensystem, zweitens die Epoche, in welcher dann solche entstanden, wird in allen Religionen besonders ausgedrückt. Die Schlange schließt zuerst das selbstlose, ungesonderte Schauen des Erdengeistes in ein Rohr ein, und bildet so den Grund zur Ichheit. Das prägten die esoterischen Lehrer den Schülern ein, so daß sie es empfinden konnten: Seht ihr die Schlange an, so seht ihr das Merkzeichen für euer Ich. — Dabei mußten sie lebhaft empfinden, daß das zusammengehört, das selbständige Ich und die Schlange. So wurde diese Empfindung von der Bedeutung der Dinge um uns her ausgebildet. So durchdrangen die Schüler ein jegliches Naturwesen mit dem richtigen Empfindungsgehalt. Mit dieser Empfindung ausgerüstet war auch Moses, als er herausging aus den ägyptischen Geheimschulen, und so stellte er die Schlange als Symbol auf. Man lernte in jenen Schulen nicht so abstrakt, wie man heute lernt, sondern indem man aus dem eigenen inneren Erleben heraus die Welt erfassen lernte.“

GA 93a, S 18/19

„Dadurch aber, daß Christus in die Welt kam, geschah es, daß der, der sich zu ihm hingezogen fühlte, von ihm einen Ersatz [für diese alte Art der Einweihung] bekommen kann. Es ist immer möglich, daß man durch die Verbindung mit Christus seinen Astralkörper so weit gereinigt erhält, daß man ihn ohne Schaden für die Welt in seinen Ätherkörper hineinarbeiten kann. Wenn man das bedenkt, bekommt das Wort von dem stellvertretenden Sühnetod eine ganz andere Bedeutung. Es ist dies gemeint unter dem Sühnetod Christi. Den Tod in den Mysterien hatte zuvor jeder erleiden müssen, der die Reinigung erlangen wollte. Nun hat ihn der Eine erlitten für alle, so daß durch die welthistorische Einweihung Ersatz geschaffen ist für die alte Einweihung. Durch das Christentum ist vieles Gemeinschaftliche geschaffen worden, was früher nicht gemeinschaftlich war. Die wirksame Kraft drückt sich dadurch aus, daß durch Innenschau, durch wahre Mystik, die Gemeinschaft mit Christus möglich ist. Das wurde auch in die Sprache hineingelegt. Der erste christliche Eingeweihte Europas, Ulfilas, hat es in die deutsche Sprache selbst hineingelegt, daß der Mensch in der Sprache das «Ich» fand. Andere Sprachen drücken diese Beziehung zum Ich durch eine besondere Form des Zeitwortes aus, zum Beispiel im Lateinischen «amo», aber die deutsche Sprache setzt das Ich hinzu. «Ich» ist: J.Ch. = Jesus Christus. Das ist mit Absicht in die deutsche Sprache hineingelegt, es ist nicht Zufall. Es sind die Eingeweihten, welche die Sprache geschaffen haben. So wie man im Sanskrit das AUM für die Trinität hat, haben wir für das Innere des Menschen das Zeichen «ICH». Dadurch war ein Mittelpunkt geschaffen worden, durch den die Leidenschaften der Welt sich in Rhythmus verwandeln können. Sie müssen sich durch das Ich rhythmisieren. Dieser Mittelpunkt ist wörtlich der Christus.“

GA 93a, S 29/30

„Bei dem Menschen reicht das Bewußtsein bis auf den physischen Plan herunter. Das Bewußtsein des Menschen hier hängt mit demselben Organ zusammen, mit dem die Pflanze in der Erde befestigt ist. Den Menschen lernen wir erst wahrhaft kennen, wenn wir sehen, wie er die Sprache hervorbringt und in ihr das Wort «Ich» ausspricht. Dieses Ich wurzelt auf dem Mentalplan. Ohne die Fähigkeit, das Wörtchen «Ich» zu sprechen, würden wir die Gestalt des Menschen auch für ein Tier halten können.“

GA 93a, S 34

„Das Selbstbewußtsein nennen wir das Ich. Der Mensch kann nur selbstbewußt werden an der Umgebung.“

GA 93a, S 81

„Jetzt können wir auch das Wesen des Schlafes und des Träumens verstehen. Träumen heißt, sich den inneren Devakräften zuwenden. Der Mensch träumt fast die ganze Nacht, nur erinnert er sich nicht daran. Der Mentalkörper wird während des Schlafes fortwährend von den Devas bestimmt. Der Mensch hat noch kein Selbstbewußtsein auf den höheren Planen, daher ist er im Traum nicht selbstbewußt. Auf dem Astralplan fängt er an, es zu werden. Im tiefen Schlaf befindet er sich auf dem Mentalplan. Da ist er noch gar nicht selbstbewußt. Nur auf dem physischen Plan wacht der Mensch. Da ist das Ich da, es lebt sich aus auf dem physischen Plan. Das astrale Ich kann sich auf dem physischen Plan noch nicht ausleben, daher muß das astrale Ich zeitweise aus dem Menschen heraus. Er muß schlafen, damit es heraus kann. Die Zustände des Träumens und Schlafens sind nur eine Wiederholung früherer Entwickelung. Auf dem astralen Plan hat der Mensch geträumt; auf dem mentalen hat er geschlafen. Diese Zustände wiederholt er heute jede Nacht. Erst wenn er sich auch Sinne für die anderen Plane erworben hat, dann träumt er nicht mehr und schläft nicht mehr, sondern er nimmt dort Wirklichkeiten wahr. Der Geheimschüler lernt solche Wirklichkeiten auf dem astralen Plan wahrnehmen. Er hat dann dort eine Wirklichkeit um sich. Wer sich noch höher entwickelt, hat auch im tiefen Schlaf eine Wirklichkeit am sich. Da tritt dann die Kontinuität des Bewußtseins ein.“

GA 93a, S 86/87

„Das Rückenmark mit dem Gehirn ist das Organ des Ich. Dieses ist von der dreifachen Schutzhülle des Astral-, Äther- und physischen Leibes umgeben. Nachdem das Organ des Ich (Rückenmark und Gehirn) vorbereitet worden ist, legt sich das Ich in das bereitgemachte Bett hinein und Rückenmark und Gehirn treten als Organe des Ich in dessen Dienst.“

GA 93a, S 90

„Was wir jetzt beschrieben haben, das nennt man im Okkultismus wieder einen Wirbel, etwas, das von außen hereinbaut und sich mit dem vereinigt, was innen sich aufbaut. Physischer Körper, Äther- und Astralkörper haben den Menschen aufgebaut. Dann macht sich der Punkt des Ich geltend, und dieses baut nun von innen heraus. Das sind die vier Teile des Menschen. So finden wir im Äußeren einen Abdruck des viergliedrigen Menschen. Alle Weiterentwickelung ist eine solche, daß der Mensch von diesem Punkt des Ich aus bewußt alles durchmacht, was er vorher schon unbewußt durchgemacht hat.“

GA 93a, S 90/91

„Wir wissen, daß der Mensch sich dadurch entwickelt, daß er vom Ich aus die drei anderen Körper bearbeitet. Nichts anderes ist das Ich, als was damals befruchtend gewirkt hat: der obere Aurenteil mit dem Ätherkopfe. Die Glieder, die der Mensch ausgebildet hat, sind der physische Leib, der Ätherleib, der Astralleib.“

GA 93a, S 143

„Nun sind wir bei einem Punkte angekommen, wo wir fortwährend um uns herum ein neues Reich schaffen, die Wirkungen unserer eigenen Taten. Das baut in uns wiederum etwas auf. Wie wir früher den zurückgebliebenen Ätherkörper aus den Spiegelbildern herausgegliedert haben, so gliedern wir jetzt der monadischen Existenz die Wirkung unserer Taten ein. Das nennen wir die Begründung unseres Karmas. Dadurch können wir das alles in der Monade bleibend machen. Früher hat sich der Astralleib gereinigt, indem er alles abgeworfen hat, was in ihm war. Jetzt schafft der Mensch sich ein neues Tatenreich, gleichsam aus dem Nichts heraus, den Verhältnissen nach aus dem Nichts heraus. Das was vorher kein Dasein hat, das neue Verhältnis, es spiegelt sich als etwas Neues, das einen bildhaften Charakter hat, in der Monade ab, und es bildet sich in ihr ein neuer innerer Wesenskern, der aus dem Spiegelbild der Taten entsteht, das Spiegelbild des Karmas. Indem die Monade immer weiterarbeitet, vergrößert sich der Wesenskern mehr und mehr. Nach einiger Zeit schauen wir die Monade an: sie wird dann Harmonie herausgebildet haben aus den streitenden Kräften einerseits, und auf der anderen Seite aus den Wirkungen der Taten. Beide verbinden sich miteinander, es entsteht ein gemeinschaftliches Gebilde.“

GA 93a, S 175

„Nehmen wir an, von dem Menschen wird das irdische Kleid abgelöst und die Monade bleibt übrig. Sie behält die Wirkungen ihrer Taten zurück. Es fragt sich, wie die Wirkung der Taten beschaffen ist. Ist sie so beschaffen, daß sie in den Welten, in denen die Monade nun sich befindet, sich betätigen kann, dann werden die Menschen sich lange da aufhalten können, wenn nicht, dann kurz. Dann müssen sie wieder in den Durst der Monade (nach dem physischen Plan) zurückfallen und wieder einen physischen Körper beziehen.“

GA 93a, S 175/176

„Die weiße Loge ist als eine Einheit gedacht, ein Ich, das alles umfaßt. Alle die menschlichen Iche und jede Sonderheit sind aufgegeben und zusammengeflossen in dem umfassenden Allbewußtsein; lauter große, aufgegangene Kreise, jeder in einer besonderen Farbe, alle zu einem einzigen Kreis zusammengelegt. Wenn man sie alle aufeinandergelegt denkt, dann gibt das eine Gesamtfarbe. Da sind alle Iche darin, aber als ein Ganzes. Diese ganz große Kugel zusammengezogen, gibt das Atom. Dieses vervielfältigt sich, sich selbst erzeugend. Das sind dann die Atome, die den Jupiter bilden. Die Mondadepten haben die Atome der gegenwärtigen Erde gebildet. Man kann das Atom studieren, wenn man den Plan der Adeptenloge auf dem Monde studiert.“

GA 93a, S 202

„Wir wollen nun unser jetziges Ich betrachten. In ihm sind eine Menge von Vorstellungen und Begriffen. Wenn wir die Kulturwelt ansehen, so sagen wir: Aus dem Ich heraus ist die Kulturwelt entstanden. Alles das war einmal in einem Menschenkopf darinnen, es war im Ich enthalten. Daraus ist es zusammenkombiniert. Alle Dinge, die künstlich entstanden sind, sind aus dem Ich herausgeboren. In der Mitte der lemurischen Zeit war das Ich noch leer; da konnte der Mensch noch nichts. Er lernte erst nach und nach in primitivster Weise die Welt von außen kennen. Sein Ich war damals wie eine hohle Seifenblase. Als er einen Stein ansah, spiegelte sich dieser in ihm, er sah vielleicht eine Schärfe daran, fing an andere Steine damit zu behauen. So fing er an, die mineralische Welt zu formen. Was in seiner Umgebung war, das spiegelte sich immer mehr in dem zunächst leeren Ich ab. Am Ende des physischen Globus werden wir alles als Spiegelbild in unserem Ich haben. Wenn wir nun alles darinnen haben, dann gestalten wir alles von innen heraus. Das ist das Plastische auf dem nächsten Globus. Der Baumeister des Kölner Doms hat in seinem Ich kombiniert – dieser Inhalt seines Ich wird durch Buddhi belebt und dann gestaltet er auf dem fünften Globus alles plastisch heraus. Auf dem sechsten Globus wird alles das als Gedanke vorhanden sein, und auf dem siebenten Globus wird alles wieder in das Atom zusammengezogen. In der nächsten Runde erschafft dann der Mensch das neue Pflanzenreich aus dem Ich heraus.“

GA 93a, S 209/210

„Endlich gibt es im Menschen etwas, was man nicht mehr einen Leib nennen kann, sondern was sein innerstes Sein darstellt und ihn von allen anderen Wesen unterscheidet, vom Stein wie von der Pflanze und vom Tier, und das ist dasjenige, was er sein Ich nennt. Es ist der göttliche Funke in ihm. Die Inder nennen es Manas. Die Rosenkreuzer nennen es das Unaussprechliche. Tatsächlich ist alles Leibliche nur ein Fragment, Stück einer anderen Leiblichkeit. Dagegen gehört das Ich des Menschen nur sich selbst an. Ich bin Ich – das kann es allein von sich sagen. Es ist dasjenige, was die anderen «Du» nennen, es ist dasjenige, was man mit nichts anderem auf der Welt verwechseln kann. Durch dieses Ich, das durch nichts anderes ausgedrückt, mit nichts anderem vertauscht werden kann, erhebt sich der Mensch über alle anderen irdischen Wesen, über die Tierwelt und über die ganze Schöpfung. Und es ist auch das einzige, was ihn mit dem unendlichen Ich, mit Gott, verbindet.

Das ist der Grund, warum im verborgenen Heiligtum der Hebräer der Ministrant an bestimmten Tagen zum Hohepriester sprach: Schem-Ham-Phoras das heißt: Wie ist sein Name? – Und der Hohepriester antwortet: Jod-He-Vau-He, oder in einem Wort: Jehova, was bedeutet: Gott, Natur und Mensch, oder: Das unaussprechliche menschlich-göttliche Ich.“

GA 94, S 19

„Dieser Übergang von der patriarchalischen zur freien Eheschließung entspricht nun der neuen Entwickelung der intellektuellen Fähigkeiten, des menschlichen Ich. Er vollzog sich zur gleichen Zeit wie die momentane Verdunkelung der astralen Fähigkeiten des Schauens und des direkten Lesens in der astralen und geistigen Welt.“

GA 94, S 20/21

„Viertens das Ich, Manas im Sanskrit, Jehova im Hebräischen, ist die vernunftbegabte und bewußte Seele; es ist die unzerstörbare menschliche Individualität, die das Wissen vom Aufbau der anderen Wesensglieder in sich birgt. Es ist das unaussprechbare, gleicherweise menschliche und göttliche Ich. Es ist die Einheit der vier Elemente, die Pythagoras unter dem Zeichen des Tetragramms verehrt hat.“

GA 94, S 38/39

„Seinen physischen Leib hat der Mensch gemein mit allem Mineralischen, seinen Ätherleib mit allen Pflanzen, seinen Astralleib mit allen Tieren. Aber über alle diese Wesenheiten ragt der Mensch empor durch das Ich-Bewußtsein, durch das kleine Wörtchen «Ich», das aber einzig in seiner Art ist. Denn «Ich» ist der einzige Name, den jeder nur zu sich selber sagen kann. Das ist eine Tatsache von größter Bedeutung. In der althebräischen Religion durfte «Ich», dieses «okkulte Wort», nur vom höchsten Eingeweihten, dem Hohenpriester, ausgesprochen werden. Das war ein feierlicher kultischer Moment. Da wartete das ganze Volk auf das Aussprechen des Wortes : « Jahve» (Ich) – und ein heiliger Schauer durchlief die andächtige Menge. Jahve: der im Inneren sprechende Gott. Das Wort Jahve (Jehova) galt als der unaussprechliche Name. Das ist die Stimme, mit welcher der Gott im Menschen zu sprechen beginnt. Niemals kommt dieses Wort von außen in uns hinein. Beim Wort Ich berührt das Ewige das Zeitliche. Damit haben wir die vier Glieder der menschlichen Wesenheit kennengelernt: den physischen Leib, den Ätherleib, den Astralleib und den Wesenskern des Menschen, das Ich. Beim Tode trennen sich Ätherleib, Astralleib und Ich vom physischen Leib. Ätherleib und Astralleib lösen sich dann allmählich auf, bis das Ich in den Devachan eintritt, wo es bleibt bis zu einem neuen Erdenleben.“

GA 94, S 132/133

„Zum physischen Leibe, zum Äther- und Astralleibe kommt noch eines hinzu. Es gibt ein Wort, das sich von allen anderen unterscheidet, weil man es nur zu sich selbst sagen kann. Es ist das Wort «Ich». Diese Tatsache ist von höchster Bedeutung. Ein schönes Beispiel von der Bedeutsamkeit dieses Wortes gibt uns die Erzählung Jean Pauls. Er schildert uns, wie er als ganz junger Knabe unter der Tür seines Elternhauses stand, als plötzlich das Bewußtsein in ihm aufblitzte: Ich bin ein Ich! – Es ist ein Vorgang im verhangenen Allerheiligsten des Inneren, den reine Naturen besonders stark als ein Mysterium empfinden. Die Tragweite dieses Mysteriums empfanden die Priester und Weisen aller Zeiten. Es liegt auch dem zugrunde, was man bei den alten Hebräern den unaussprechlichen Namen Gottes nannte. «Joph» sagte der Hohepriester einmal im Jahr, wenn er ausdrücken wollte, wie das Unaussprechliche ertönt. Joph ist das Ich. Zusammen mit den vorher genannten Leibern bildet das Ich das, was als die pythagoräische Vierheit bekannt ist.“

GA 94, S 233/234

„Fragen wir uns nun, unter welchen Einflüssen diese vier Bestandteile der menschlichen Wesenheit sich gebildet haben, so ist die Antwort, daß der physische Leib, der nur das Leben der Erde widerspiegelt, aus den Kräften der Erde zusammengesetzt ist. Auf ihn hat die Erde Einfluß. Der Ätherkörper ist wie die Pflanzen nicht nur von der Erde, sondern auch von der Sonne abhängig; er strebt der Sonne zu. Unser Astralleib aber ist abhängig von den Kräften der Sternenwelt, daher sein Name. Ganz mit Recht sagt Paracelsus: Nichts ist im Himmel und auf der Erde, das nicht auch im Menschen ist, und Gott, der im Himmel und auf der Erde ist, der ist auch im Menschen. – In der Nacht lebt der Mensch in den Sternen, in den Kräften, aus denen er aufgebaut wurde. Sein Astralleib erlebt während des Schlafes die Bahnen, in denen sich die Sterne bewegen und halten. Aus diesem Astralleib, dem aus den Sternen herausgeborenen Leib, wird nun das Ich geboren.“

GA 94, S 235

„Das Ich ist keineswegs ein ganz einfaches Gebilde. Genauer gesehen ist es auch wiederum etwas Gegliedertes. Das Tier empfindet, hat Begierde und Leidenschaft, die Pflanze nicht; das Tier deshalb, weil es eben schon einen Astralleib besitzt. In diesem entwickelt sich das Ich. Dieses Ich ist aber schon längst an der Arbeit gewesen, bevor der Mensch davon ein klares Bewußtsein bekam. Darüber belehrt uns genauer ein Blick in die Menschheitsentwickelung.“

GA 94, S 236/237

„Die Erde war nicht immer so wie heute. Ihr Antlitz hat sich wiederholt umgebildet, die heutigen Kontinente waren nicht immer da. Während der vorletzten Erdperiode war da, wo heute der Atlantische Ozean wogt, ein Kontinent, die Atlantis. In uralten Sagen haben sich Spuren davon erhalten und die Kunde ihres Unterganges. In der Bibel ist die Sintflut damit gemeint. Die andersgearteten Urväter, deren Nachkommen wir selbst sind, haben das erlebt. In dieser alten Atlantis herrschten ganz andere Luft- und Wasserverhältnisse als jetzt. Das Ganze war in einen dichten Nebel gehüllt. Im Worte Nebelheim, Niflheim haben wir noch einen Anklang daran. Nicht gab es Regen und nicht Sonnenschein; statt Regen nur Nebelströmungen, statt Sonne nur diffuses Erhellen. Erst nach langen Zeiträumen schlug der Nebel sich nieder als Wasser. Die Sonne drang nur ein klein wenig, wie eine schwache Ahnung, durch den steten Nebel. In solcher Umgebung lebte der Mensch auch ein ganz anderes Seelen- und Geistesleben als heute. Erst gegen das Ende der atlantischen Periode, etwa in der Gegend des heutigen Irland, zeigt der Mensch zum ersten Male das Ich-Bewußtsein, kann der Mensch klar und logisch denken. Im Nebel hatte es keine Möglichkeit gegeben, die Gegenstände so abzugrenzen wie heute. Ein Bewußtsein, wie wir es haben, lernt der Mensch erst an seiner Umgebung entwickeln. In demselben Maße als die Gegenstände aus dem Nebel heraustauchten, lernte das physische Auge sehen; in demselben Maße klärte sich auch die Bewußtseinsseele und innerhalb derselben das von sich selber wissende Ich. Sprechen konnte der Mensch schon damals.“

GA 94, S 237

„Wollen wir diesen ganzen Vorgang noch genauer begreifen, so muß jetzt auf ein anderes hingewiesen werden. Das Ich hat nämlich eine lange Entwickelungsgeschichte in der Menschheit. Damit das Ich entstehen konnte, mußte der sich ihm entgegen entwickelnde Menschenkörper sich in vieler Hinsicht umbilden.“

GA 94, S 266

„Was im Brustorganismus erlebt wird, das ist Erinnerung an das Leben zwischen dem Tode und neuer Geburt; und dasjenige, was im Gliedmaßen‑Stoffwechsel erlebt wird, das ist jetziges Erdenleben. Nur dadurch, daß der Gliedmaßen‑Stoffwechselorganismus heraufwirkt in die Gedanken hinein, hat der Mensch in seinen Gedanken das Erlebnis des Ich. Aber das ist ein trügerisches Erlebnis. In den Gedanken selbst ist das Ich gar nicht enthalten. Es ist ebensowenig in den Gedanken enthalten, wie Sie hinter dem Spiegel stehen, wenn Sie sich in ihm spiegeln. Das Ich ist gar nicht drinnen in dem Gedankenleben. Da ist dadurch, daß sich das Gedankenleben nach dem Kopfe formt, die Erinnerung an das vorige Erdenleben enthalten. Also im Kopfe haben Sie eigentlich Ihren Menschen aus dem vorigen Erdenleben. In Ihrer Brust haben Sie den Menschen, wie er lebte zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, und in Ihrem Gliedmaßen‑Stoffwechselorganismus und namentlich in Ihren Finger‑ und Zehenspitzen haben Sie im Grunde genommen den Menschen, wie er hier auf der Erde ist. Und nur weil Sie im Gehirn miterleben Ihre Finger‑ und Zehenspitzen, haben Sie auch durch Gedanken ein Bewußtsein von diesem Ich in Ihrem Erdenleben. So grotesk sind die Dinge in der Wirklichkeit gegenüber manchem, was sich der Mensch gewöhnlich heute vorstellt.“

GA 210, S 136

„Daß sich das als eine tiefe Empfindung in der Seele des Menschen abgeladen hat, ist wieder eine Folge des Umschwunges vom vierten in den fünften nachatlantischen Zeitraum herein, wiederum etwas, was weder Philologie noch Geschichte berücksichtigen. Daß die Menschen noch mehr in ihrer Sprache im vierten nachatlantischen Zeitraum gelebt haben, im fünften gar nicht mehr, das bedingt eine andere Stellung des Menschen zur Welt. Denken Sie einmal, wenn der Mensch noch in der Sprache, indem er redet, mitgeht mit dem Rauschen der Wellen, mit dem Donnern und mit dem Blitz und mit alledem, was da draußen ist, wenn der Mensch, indem er seine eigenen Stimmorgane in Bewegung setzt, fühlt, wie in diesen Stimmorganen nachzittert, was draußen geschieht, wie da der Mensch mit seinem Ich ganz anders verknüpft ist mit dem, was draußen in der Welt vorgeht! Und das ist es gerade, was sich immer mehr und mehr losreißt mit dem Umschwung von dem vierten in den fünften nachatlantischen Zeitraum. Das Ich wird innerlich, und die Sprache wird mit dem Ich innerlich, daher aber auch weniger signifikant, weniger das Äußere bezeichnend. Solche Dinge werden von der intellektualistisch gewordenen Erkenntnis erst recht nicht geschaut. Man denkt kaum daran, diese Dinge zu charakterisieren; aber um das, was in der Menschheit vorgeht, wiederum richtig zu verstehen, wird man sie charakterisieren müssen.“

GA 210, S 212/213

„Nun können Sie sagen: Das wäre ja alles der Fall, wenn wir nur ein einziges Auge hätten wie die Zyklopen; aber wir haben ja zwei Augen. Warum haben wir eigentlich zwei Augen? Ja, sehen Sie, probieren Sie es einmal: Wenn Sie mit einem Auge irgendwohin schauen, da kommt es Ihnen vor, wie wenn alles auf der Rückwand aufgemalt wäre. Sie sehen die Körper nicht doppelt. Körperlich sehen Sie die Körper nur dadurch, daß Sie zwei Augen haben. Wenn Sie mit zwei Augen schauen, so ist das gerade so, wie wenn Sie Ihre linke Hand mit der rechten Hand angreifen. Dadurch, daß wir schon als Kinder gewöhnt worden sind, uns selbst zu berühren, dadurch sagen wir eigentlich zu uns „Ich“, dadurch nehmen wir uns selber wahr. Wenn niemals unsere rechte Seite unsere linke wahrnehmen könnte, würden wir in der Sprache gar nicht das Wörtchen „Ich“ haben. Wir wüßten nichts von uns. Da gewöhnt man sich so hinein in die wichtigsten Dinge, daß man sie wie etwas Selbstverständliches anschaut.“

TB 722, S 95

„Nun, irgendeiner, der heute so ein rechter Philister ist, der sagt: Ich werde doch nicht weiter nachdenken darüber, warum ich „Ich“ sage. Das ist doch selbstverständlich, daß man „Ich“ sagt! – Aber er ist dann eben ein Philister. Er weiß nicht, daß gerade die feinsten Dinge auf den kompliziertesten Sachen beruhen. Er weiß nicht, daß er sich als Kind angewöhnt hat, sich selber anzugreifen, namentlich mit der rechten Hand die linke anzugreifen, und dadurch zu sich „Ich“ zu sagen.

Sehen Sie, das geht bis in die Kultur hinein. Wenn wir in die ganz alten Menschheitszeiten gehen, meinetwillen nur bis in die Zeiten des Alten Testamentes, da haben die Priester, die in älteren Zeiten – verzeihen Sie den ketzerischen Ausspruch – oftmals viel gescheiter waren als in der neueren Zeit, gesagt: Wir wollen die Menschen zum Selbstbewußtsein bringen. Da haben sie die Hände falten lassen. Das ist der Ursprung des Händefaltens: sich selber berühren, um in sich das starke Ich zu finden, Wille zu entwickeln. Alles das sagt man ja heute nicht, weil man die Dinge nicht begreift. Heute sagen die Priester den Menschen, sie sollen die Hände falten zum Gebet, aber sie sagen ihnen nicht, was es für eine Bedeutung hat. Es ist tatsächlich so.“

TB 722, S 95/96

„So sehen wir schon, wie falsch die Wissenschaft eigentlich auf diesem Gebiete ist. Wenn Sie irgendwo ein wissenschaftliches Buch aufschlagen, so ist es so, als wenn der ganze Mensch so irgendein festgestaltetes Gebilde wäre. Es werden eben hineingezeichnet die Knochen, die Muskeln, die Nerven. Aber das ist ja alles Unsinn. Das ist ja nur ein Zehntel von dem Menschen überhaupt. Das andere ist ja zu neunzig Prozent Wasser, und auch Luft ist da drinnen, und sogar ein Stückchen Wärme. Also eigentlich müßte in die Figuren, die da gezeichnet werden durch die materialistische Wissenschaft ein zweiter Mensch hineingezeichnet werden, der Wassermensch, und ein dritter Mensch, der Luftmensch, und ein vierter Mensch, der Wärmemensch. Anders ist der Mensch gar nicht zu begreifen. Und nur dadurch, daß wir auch ein Stückchen Weltenwärme sind, wärmer als unsere Umgebung, fühlen wir uns selbständig in der Welt. Wären wir so kalt wie ein Fisch oder eine Schildkröte, so hätten wir kein Ich, würden wir gar nicht zu uns „Ich“ sagen. Geradeso wie wir niemals denken könnten, wenn wir nicht den Geruch in uns umgewandelt hätten, also keinen Astralleib hätten, so hätten wir kein Ich, wenn wir nicht ein Stückchen Wärme in uns hätten.

Sie können jetzt sagen: Aber die höheren Tiere haben ja auch eine eigene Wärme. Ja, meine Herren, diese höheren Tiere, die tragen auch an dieser Wärme! Die höheren Tiere, die wollen nämlich ein Ich werden und können es nicht. So wie wir nicht schwimmen oder fliegen können, so möchten die höheren Tiere ein Ich werden und können es nicht. Und deshalb sind diese höheren Tiere so gebildet, wie sie eben sind. Man sieht ihnen an, sie möchten eigentlich ein Ich werden und können es nicht. Und dadurch haben sie ihre verschiedenen Gestalten.“

TB 722, S 137

„Der Wärmesinn ist ja eigentlich auch auf den ganzen Menschen verteilt, aber er ist fein. Und die Wissenschaft, die macht da etwas Eigentümliches durch. Wenn man den Menschen rein materiell absucht, so findet man halt eben diese Gefühlszwiebeln, die ich Ihnen geschildert habe. Nun sagen sich die Leute: Wenn ich also die Schachtel hier angreife, da fühle ich durch diese Gefühlszwiebeln die Schachtel, das Feste. Wenn die Schachtel recht kalt ist, da müßte ich die Kälte ja auch durch eine solche Gefühlszwiebel fühlen. Ja, da suchen sie fortwährend diese Wärmezwiebeln und diese Gefühlszwiebeln und finden sie nicht! Alle Augenblicke kommt einer und untersucht ein Stückchen Haut. Da sehen manche von diesen Gefühlszwiebeln ein bißchen anders aus, und da meint man, die gehören nun zu etwas anderem. Aber das ist ein Unsinn. Wärmezwiebeln sind nicht da, weil der ganze Mensch eben diese Wärme wahrnimmt. Wir haben nur diese Zwiebeln, die für das Feste, für das Flüssige, also für den Geschmackssinn, und für das Luftförmige, also für den Geruchssinn da sind. Wo der Wärmesinn beginnt, da sind wir schon außerordentlich leicht-sinnige Wesen, nämlich bloß ein Stückchen Wärme, das eben die äußere Wärme wahrnimmt. Wenn wir von einer solchen Wärme umgeben sind, daß wir gerade recht zu uns „Ich“ sagen können, dann fühlen wir uns wohl; wenn wir aber von Kälte umgeben sind, daß wir frieren, so nimmt uns die äußere Kälte dieses Stückchen Wärme, das wir sind, weg. Unser Ich will uns verloren gehen. Die Bangigkeit in unserem Ich, die macht uns dieses Stückchen Kälte wahrnehmbar. Wenn einer friert, so ist er eigentlich immer bange um sein Ich, und er hat einen Grund, bange zu sein, denn dann schiebt er das Ich schneller aus sich heraus, als er eigentlich soll.“

TB 722, S 138

„Nun ist aber alles dasjenige, was nun da fester, flüssiger, gasförmiger Organismus ist, wiederum durchzogen von Wärme (Zeichnung S. 55, gelb). Der ganze Organismus hat seine eigene Wärme: Wärme-Äther. Ich möchte sagen: Auf den Wellen des Luftigen im Menschen bewegt sich das Astralische, und auf demjenigen, was da als Wärme den Organismus durchspielt, da bewegt sich das eigentliche Ich.“

GA 212, S 56

„Der physische Leib wird ja innerhalb der physisch‑irdischen Welt durch die Vererbungskräfte gebildet, also durch die Kräfte der Einbryonalbildung, der Keimesbildung. Mit diesen verbindet sich das, was der Mensch herunterbringt aus der geistigen Welt, nachdem er zunächst seinen Ätherleib herangezogen hat. Mit diesem verbindet sich der Mensch auf der einen Seite. In dem Astralischen, das er sich als ein so wunderbares Gebilde mitgebracht hat, da lebt nun aber auch sein Ich darinnen, das durch viele Erdenleben gegangen ist und überhaupt eine Entwickelung hinter sich hat. Und dieses Ich lebt in einer gewissen Sympathieverbindung ‑ indem ich das Wort gebrauche, bezeichne ich wiederum etwas sehr Wirkliches ‑ mit alledem, was da als Gebilde im astralischen Leibe ist. Und indem diese Gebilde in die Organe des physischen Leibes hineinschlüpfen, so wie ich es beschrieben habe, behält das Ich die Sympathie und entwickelt diese innere Sympathie auch zu den Organen, breitet sich immer mehr und mehr auch in den Organen aus und nimmt Besitz von ihnen. Gewiß, es ist das Ich auch früher schon vom ersten Kindesalter an in einer gewissen Beziehung zu den Organen. Aber da sind eben diese Vererbungsverhältnisse da, von denen ich früher gesprochen habe, da ist die Beziehung des Ichs eine äußerliche. Das Ich schlüpft aber nach und nach schon mit seinem astralischen Leibe in die Organe des physischen Leibes hinein, und indem es da hineinschlüpft, geschieht das Folgende: während vorher das Ich längs des Blutlaufes, ich möchte sagen, äußerlich beim Kinde vorhanden war, verbindet es sich jetzt intensiv innerlich immer mehr und mehr mit dem Blutkreislauf, bis es bei der Geschlechtsreife im vollen Sinne eingetreten ist. Und während Sie hier ein astralisches Gebilde um das ätherische, um das physische Herz herum haben, während Sie hier also ein astralisches Gebilde haben (Zeichnung S. 115, orange), macht das Ich den anderen Weg durch: es schlüpft, sagen wir, in die Organe der Lunge hinein; mit den Adern, die von der Lunge zum Herzen hingehen, nähert sich das Ich immer mehr dem Herzen. Das Ich folgt immer mehr und mehr, innig verbunden mit dem Blutkreislauf, dem Wege dieses Blutkreislaufes. So daß wiederum auf dem Umwege durch diese mit dem Blutkreislaufe laufenden Ich‑Kräfte das Ich eingreift in dasjenige, was aus dem Zusammenschluß des ätherischen und des astralischen Herzens gebildet worden ist, wobei überhaupt ein Ätherisches aus dem Kosmos mit einem Astralischen von uns selbst zusammenwächst. Ich sagte vorhin: Dieser astralische Leib enthält nach und nach außerordentlich viel, weil sich alle die Taten in ihm einschreiben. Aber indem das Ich in einer Sympathiebeziehung zu allem steht, was der astralische Leib macht, schreiben sich auch die Absichten, die Ideen ein, aus denen der Mensch heraus seine Handlungen vollzieht. So daß tatsächlich hier ein voller Zusammenschluß des Karmas mit den Gesetzmäßigkeiten des Kosmos stattfindet.“

GA 212, S 124-126

„Wir können uns nun fragen: Sind diese Unterbrechungen in unserem Lebensverlauf notwendig? Ja, sie sind notwendig. Wenn wir diese Unterbrechungen nicht hätten in unserem Lebenslauf – besser gesagt – in der Rückschau auf unseren Lebenslauf; dann würden wir als Menschen unser Ich gar nicht gewahr werden. Wir würden unseren Lebenslauf wie von der bloßen Außenwelt erfüllt sehen und es würde sich in unserem Lebenslaufe das Ichbewußtsein gar nicht einstellen: Daß wir unser Ich empfinden, fühlen, das rührt davon her, daß dieser Lebenslauf stückweise immer unterbrochen ist. Gerade mit bezug auf diese durch die .Unterbrechungen des Lebenslaufes herbeigeführte Ichwahrnehmung steht die Menschheit der Gegenwart in einer kritischen Zeit. Wenn der Mensch der Gegenwart zurückblickt und durch den Rückblick sein Ich auf die eben angeführte Weise hat, dann ist dieses Ich des Menschen der Gegenwart in einer gewissen Beziehung leer, wir wissen nur von unserem Ich. Die Menschen früherer Epochen der Erdenentwickelung wußten mehr. Wie im gewöhnlichen Tageslauf herausschimmern für den einzelnen Menschen die Träume aus seinem nächtlichen Erleben, so kamen herüber aus dem Ich die hellseherisch-atavistischen Wahrnehmungen, die die Menschen in früheren Epochen hatten. Es waren diese hellseherisch-atavistischen Wahrnehmungen nur der Form nach Träume; was sie in sich enthielten, waren Wirklichkeiten. Man kann sagen: Das Ich ist entleert worden für den Menschen der Gegenwart seines hellseherisch-atavistischen Inhaltes, der die Menschen abgelaufener Epochen getragen hat, der sie durchdrungen hat mit der Überzeugung; daß sie ein Gemeinsames haben mit einem Göttlichen, daß sie zusammenhängen mit einem Göttlichen. Aus den atavistisch-hellseherischen Schauungen ist dem Menschen dasjenige aufgegangen, was sich für das Gefühlsleben als religiöse Empfindung und a1s religiöse Verehrung gegenüber denen verdichtet hat, denen der religiöse Kultus, der religiöse Opferdienst gewidmet wurde. Wie steht die Sache heute? Heute ist das Ich entleert von diesen atavistisch-hellseherischen Schauungen, und wenn wir zurückblicken auf das Ich, ist es gewissermaßen mehr oder weniger nur ein Punkt in unserem Seelenleben. Es ist für jeden der Inhalt dieses Ichs ein fester Stützpunkt, aber eben nur ein Punkt. Zugleich aber leben wir in der Zeit, in der der Punkt wiederum zum Kreise werden soll; in der das Ich wiederum Inhalt bekommen soll. Damit das Ich wiederum Inhalt bekomme, ragt seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Geisteswelt so mächtig in unsere sinnliche Welt herein; deshalb ist es, daß seit den letzten siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die geistige Welt in ihren Offenbarungen in einer neuen Art wiederum herein will in unser physisches Dasein. Und was wir auf dem Boden der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft wollen, das ist: alles das willig aufzunehmen und in Formen zu kleiden; die es menschlich mitteilbar machen, was herein will durch spirituelle Offenbarungen aus einer anderen, aber doch diese Welt tragenden Welt. Was ist das, was da herein will? O, es ist nichts Geringeres, als das, was uns in einer gewissen Beziehung die Menschenzukunft garantiert. Es ist – wir können sagen – zwar nicht unmittelbar ein Blick hinter den Spiegel, aber es ist eine Garantie dafür, daß, wenn wir der Zukunft entgegeneilen als Menschheit, das heißt, den Weg hinter den Spiegel antreten – und das ist ja der Zukunft entgegenleben -, daß dann kraftvoll wird geschehen können, was wir in der Zukunft zu tun haben, wenn wir die Kräfte erst gestählt haben, erst erstarkt haben durch das, was sich uns aus der geistigen Welt heraus geisteswissenschaftlich offenbart. So wie das Ich sich erfüllt hat für den Menschen der Vergangenheit mit atavistisch-hellseherischem Inhalt, der ihm garantiert hat seinen Zusammenhang mit dem Göttlichen; so soll sich in unserer Zeit erfüllen unser Ich mit einem neuen, vollbewußt aufgenommenen geistigen Inhalt, der uns wiederum das Band abgibt, das unsere Seele mit der göttlichen Seelenwesenheit verbindet. Die Menschen der Vorzeit haben das atavistische Hellsehen gehabt, und, was als die letzte Erbschaft des atavistischen Hellsehens geblieben ist, das ist das abstrakte Nachdenken, das abstrakte Wissen der Menschen der Gegenwart. Verdünnt aus dem früheren atavistischen Hellsehen ist dies geblieben. Der Mensch der Gegenwart kann das Gefühl haben, daß diese Verdünnung, diese logisch-dialektische Verdünnung des alten atavistischen hellseherischen Wesens, sein Seelenhaftes nicht mehr zu tragen vermag. Dann wird er die Sehnsucht empfangen, etwas neues in das Ich hereinzubekommen; aber mit dem was das Ende gebildet hat bei der Entwickelung der Menschheit von Urzeiten bis in die Gegenwart herein, mit dem muß jetzt der Anfang gemacht werden. In alten Zeiten haben die Menschen hellseherische Offenbarungen gehabt und sie haben sie nicht verstanden; sie haben sie erst später verstehen gelernt; heute muß der Mensch zuerst verstehen, muß anstrengen seine Intellektualität, muß anstrengen seinen Verstand, und wenn er ihn anstrengt durch das, was in der Geisteswissenschaft vorliegt, dann wird die Menschheit sich hinentwickeln wiederum zum hellseherischen Aufnehmen des Geistigen. Das ist allerdings etwas, was die meisten Menschen heute noch vermeiden möchten: ihren gesunden Menschenverstand anzuwenden, um die Geisteswissenschaft zu verstehen. Würde man es vermeiden wollen, so würde man auch vermeiden wollen, überhaupt die geistigen Offenbarungen in unsere irdische Welt hereinzulassen.“

GA 195, S 48-50

„Man kann zwar sagen: Jeder spricht vom Ich; aber widerlegt wird es doch. Das Ich ist wie eine Art Flamme, und wird durch den Brennstoff des Physisch-Leiblichen wie ein Docht verzehrt. – So hat man den Philosophen Bergson widerlegen wollen, der sich auf die Fortdauer des Ich beruft.

Wir können aber sehen, wie das Ich einzelne Vorstellungen überlebt. Jeder Tag zeigt ja das, indem in jeder Nacht das Ich ausgelöscht ist, nicht als etwas ununterbrochen Fortdauerndes erlebt werden kann.“

GA 143, S 30

„Fassen wir das ins Auge, so werden wir ja allerdings uns die Frage vorlegen müssen: Gibt es denn nicht vielleicht auch andere Wege zum hellsichtigen Schauen? Wir sehen doch vielfach, daß Menschen zu hohen Graden hellseherischen Vermögens kommen, die auf uns gar keinen besonders moralischen Eindruck machen, so daß wir von ihnen nicht annehmen können, daß sie zuerst ihre Moral, ihr Wohl- und Mißfallen, ihren Enthusiasmus am moralischen Urteil gepflegt haben. Wir sehen, daß Leute, die durch allerlei anderes hellseherische Kräfte entwickelt haben, gewisse schlimme Eigenschaften zeigen, die sie früher nicht oder kaum gehabt haben; zum Beispiel wahre Lügenhälse werden, wenn sie anfangen, hellseherische Kräfte zu entwickeln. – Ja, zuweilen wird es eine ganz gefährliche Sache für den Charakter eines Menschen, namentlich wenn er zur Hellhörigkeit kommt. Hellsichtigkeit ist noch nicht so gefährlich wie Hellhörigkeit. Wie stimmt das zusammen mit dem, was gesagt worden ist? Nun, es ist ja, wie Sie sich vielleicht erinnern, in meiner Schrift „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“, überall an den entscheidenden Stellen darauf hingewiesen, daß der Weg zur Erkenntnis der höheren Welten so, wie es heute charakterisiert worden ist, gehalten sein muß. Aber es ist ebenso zweifellos, daß es auch andere Wege gibt. Diesen Weg muß man nur in der richtigen Weise studieren, dann wird man bald einsehen, warum Eigenschaften auftreten können, wie sie eben charakterisiert wurden. Wir müssen uns klar sein, daß wir zunächst in uns haben den geistig-seelischen Wesenskern, den wir zusammenfassen in seinem Mittelpunkt, wenn wir „Ich“ oder „Ich bin“ sagen. Dieser geistig-seelische Wesenskern ist eingebettet in den Astral-, Äther- und physischen Leib. So wie der Mensch jetzt in der Welt lebt, leben wir eigentlich, wenn wir innerlich leben, in unserem Ich; denn alle Seelentätigkeiten sind bei dem wachen Menschen mit dem Ich in irgendeiner Weise verknüpft, erscheinen gleichsam alle auf dem Hintergrunde des Ich.“

GA 143, S 49/50

„Ich habe öfters ein selbsterlebtes Beispiel angeführt von einem meiner Schulkameraden, der schon als junger Schüler durchaus ein materialistischer Denker war und sagte: Wenn wir denken und wenn wir fühlen, da haben wir es nur zu tun mit Vorgängen im Gehirn; vermöge der Bewegungen unseres Gehirns denken und fühlen wir. – Er entwickelte schon damals ganz materialistische Theorien: Wie soll man vom Ich, vom Wesenskern sprechen? Das Gehirn ist es, das fühlt, will und denkt! – Ich erwiderte ihm: Ja, warum lügst du dann in einem fort und sagst immer: Ich denke, ich fühle, ich will, wenn du weißt, daß dein Gehirn das tut? – Natürlich könnte man sagen, das sei ein billiger, trivialer Einwand; aber worauf es ankommt, ist, daß er richtig, erheblich und unmittelbar gültig ist. Wir leben eben vom Aufwachen bis zum Einschlafen in Zusammenhang mit unserem Ich und können unser Ich von gar nichts, was wir denken, fühlen oder wollen, abtrennen. Nun ist das, was wir so innerlich erleben und was durchaus mit unserem Ich verknüpft ist, wie eingebettet in den astralischen, ätherischen und physischen Leib. Diese Leiber erleben wir nicht unmittelbar im normalen Leben. Aus dem Astralleib tauchen allerlei verborgene, unerklärliche Dinge herauf, aber was darin vorgeht, ist dem Menschen unbekannt, so wie demjenigen, der nur das obere Wellenspiel des Meeres betrachtet, unbekannt ist, was in den Tiefen vorgeht. Der Mensch soll nur einmal das Leben beobachten und sehen, wie unbekannt das ist, was im Verborgenen des Lebens vorgeht.“

GA 143, S 50

„Was unmittelbar unter der Schwelle des Bewußtseins sich abspielt, wenn der Astralleib Erlebnisse der unmittelbaren Gegenwart hat, nicht einmal darüber haben wir Gewißheit, noch viel weniger darüber, wie der Astralleib in seiner Struktur, in seiner Formation aufgebaut, zusammengesetzt ist, was seine Elemente, seine Wesenheiten sind. Da sind wir eingebettet in dem, was uns geistig-seelische Mächte, die wir als die Hierarchien kennen, einorganisiert haben. Da unten im Astralleib sind viele Kräfte, wie in der Tiefe des Meeres viele sind, die man nicht sehen kann, wenn man nur das Gekräusel der Oberfläche bemerkt. Und wie das Gekräusel der Oberfläche sich verhält zu dem, was unten im Meer ist, so verhält sich das bewußte Ich zu dem, was unten im Astralleib vorgeht. Da muß schon der Taucher kommen, der untertauchen kann in diese Welt des Astralleibes, und dieser Taucher ist eben nur der Hellseher.“

GA 143, S 51

„Was heißt das, daß der Träger des Ich erst recht regsam wird im zwanzigsten oder einundzwanzigsten Jahre? Da muß man mit den Mitteln des Okkultismus den werdenden Menschen betrachten und seine tieferen Organisationskräfte schauen. Seine Organisationskräfte ändern sich fortwährend: Von der Geburt bis zum siebenten Jahre, vom siebenten Jahre bis zur Geschlechtsreife, von der Geschlechtsreife bis zur Ich-Entwickelung. Sie ändern sich aber so, daß man sie nicht mit den Mitteln der gewöhnlichen Physiologie oder Anatomie prüfen kann. Wohl aber kann man sie mit den Mitteln des Okkultismus erkennen und man kann sagen: Erst um das zwanzigste Jahr herum entwickelt der Mensch die Kräfte so, daß ein vollständig sich selber angemessener Ich-Träger da ist. Vorher ist dieser Ich-Träger noch nicht ausgebildet. Vorher ist die menschliche Leiblichkeit, auch die übersinnliche, noch kein richtiger Ich-Träger. Wenn wir also die Glieder des Menschen betrachten aus dem großen Weltenprinzipe heraus, so müssen wir sagen: So richtig reif, ein Ich zu entwickeln aus sich selber heraus, wird der Mensch durch die Eigentümlichkeit seiner Organisation erst im zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahre, nicht früher.

Dieser Tatsache können wir eine andere entgegensetzen, nämlich die, daß wir in den ersten Lebensjahren, bei normalem Bewußtsein, uns förmlich ins Leben hineinträumen, hineinschlafen, und daß erst von einem bestimmten Zeitpunkte an das Leben so verläuft, daß die eigene Erinnerung beginnt. Von dem, was vor diesem Zeitpunkte war, können uns die Eltern oder ältere Geschwister erzählen; von diesem Zeitpunkte an sagt der Mensch in der inneren Seele: Ich bin dieser, der ich bin. – Von da an, wo er sagt: Ich habe das getan, ich habe das gedacht -, rechnet der Mensch seelisch sein Ich. Was vorher war, verliert sich in Seelendämmerung. Unsere Erinnerung reicht nur bis zu diesem charakterisierten Zeitpunkte. Was liegt denn dann vor, wenn wir die beiden Tatsachen zusammenhalten: Diejenige, daß der eigentliche Ich-Träger des Menschen geboren wird im zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahre, mit derjenigen, daß wir uns seelisch als ein Ich bezeichnen vom dritten und vierten Jahre an? Da liegt vor, daß der Mensch im gegenwärtigen Zyklus seiner Entwickelung über sich selbst ein Meinen, ein Gefühl hat, das nicht seiner inneren Organisation, so wie diese geworden ist, entspricht. Denn das Bewußtsein des Ich tritt mit dem dritten und vierten Jahre auf, die Organisation für das Ich aber erst im zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahr. Diese Tatsache ist von fundamentaler Wichtigkeit für das Verstehen des Menschen. Wenn man diese Tatsache abstrakt hinstellt als geisteswissenschaftliche Erkenntnis, dann wird man darüber nicht besonders aufgeregt sein; aber weil diese Tatsache wahr ist, sind zahlreiche Erlebnisse vorhanden, die der Mensch sehr gut kennt, aber nicht im Lichte dieser Tatsache schaut. Alles, was der Mensch erleben kann an Zwiespalt zwischen äußerlicher Organisation und innerer Erfahrung, an Leiden und Schmerzen im Leben dadurch, daß ihm gewisse Dinge vermöge seiner Organisation nicht möglich sind, an Disharmonie zwischen dem, was er wünschen und wollen und dem, was er ausführen kann, die Tatsache, daß er Ideale haben kann, die über seine Organisation hinausführen, all das führt zurück auf die Tatsache, daß das Bewußtsein unseres Ich einen ganz anderen Weg geht als der Träger unseres Ich. In dieser Hinsicht sind wir ein zweifacher Mensch: ein äußerer Mensch, der darauf hinorganisiert ist, seine Ichheit im zwanzigsten oder einundzwanzigsten Jahre zu entwickeln, und ein innerer Seelenmensch, der sich schon im vierten und fünften Jahre auf sein Seelenleben hin von seiner äußeren Organisation emanzipiert. Emanzipation des Ich-Bewußtseins von der äußeren Organisation findet statt im Kindesalter. Wir machen in unserer Seele etwas durch, was von unserer äußeren Organisation unabhängig verläuft, was sogar in herben Widerspruch kommen kann mit unserer äußeren Organisation. Wir sind in bezug auf das innere Bewußtsein des Ich geneigt, außer acht zu lassen unsere Organisation, das, was unten in unseren Leibern ist. Seelisch entwickeln wir uns ganz anders als unsere Leiber sich entwickeln.

Der Gang der inneren Menschheitsentwickelung ist daher ein zwiefacher. Der Gang der Entwickelung unserer Organisation geht vom ersten bis zum siebenten Jahre, dann vom siebenten bis zum vierzehnten Jahre, vom vierzehnten bis zum einundzwanzigsten Jahre in der Weise, wie das geschildert worden ist. Der Gang der inneren Entwickelung ist so, daß wir von dem vorigen ganz unabhängig sind, daß das Bewußtsein unseres Ich sich emanzipiert vom zartesten Kindesalter an und einen selbständigen Weg durch das Leben macht. Was aber ist die Folge von dieser eigentümlichen Tatsache der menschlichen Entwickelung? Das kann nur der Okkultist uns erzählen.“

GA 143, S 120-122

„Wenn wir in alldem Umschau halten, was der Okkultist lehren kann, so kommen wir zu einer eigentümlichen Erkenntnis. Wir kommen nämlich dazu, einzusehen, daß Krankheit, Gebrechlichkeit der menschlichen Organisation, daß alles dasjenige, was Siechtum, Alter, Tod allein möglich macht, davon herrührt, daß wir eigentlich eine Zweiheit sind. Wir sterben, weil wir in einer gewissen Weise organisiert sind und in unserer Organisation keine Rücksicht nehmen auf unsere Ich-Entwickelung. Daß wir mit unserem Ich einen selbständigen Weg gehen, der sich nicht kümmert um unsere Organisation, daran erinnert uns diese Organisation, wenn sie der Ich-Entwickelung in Krankheit, Siechtum, Tod ein Hemmnis entgegensetzt. Wir werden daran erinnert, daß unsere Ich-Entwickelung ganz abgesondert verläuft von unserer Organisation. Woher kommt denn nun eigentlich diese eigentümliche Tatsache der Zweiheit in der menschlichen Natur?“

GA 143, S 122

„Wenn wir die verschiedenen Dinge betrachten und den Menschen im Zusammenhange mit der Wirklichkeit betrachten, so zeigt es sich uns, daß, wenn zu einem bestimmten Zeitpunkte der Erdenentwickelung, nämlich in der lemurischen Zeit, nur fortschreitende Kräfte in die Menschheitsentwickelung eingegriffen hätten, die Jugendentwickelung des Menschen heute ganz anders verlaufen würde, nämlich so, daß sie gleichen Schritt hielte mit der Ich-Entwickelung. Jederzeit würde die seelische Entwickelung genau übereinstimmen mit der leiblichen Entwickelung. Der Mensch würde dann unmöglich sich anders entwickelt haben können, als wie es als Ideal gefordert wird heute zum Beispiele in meiner kleinen Schrift «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft». Wären damals nur fortschreitende Kräfte tätig gewesen, so würde das Sonderbare sich ergeben haben, daß in den ersten zwanzig Lebensjahren der Mensch viel unselbständiger geworden wäre, als er jetzt ist. Diese Unselbständigkeit ist nicht in üblem Sinne gemeint, sie ist so gemeint, daß eigentlich jeder von Ihnen mit dieser Unselbständigkeit sehr einverstanden wäre. Es ist nämlich die menschliche Natur in den ersten sieben Lebensjahren rein auf Nachahmung angelegt. Da die Menschen im erwachsenen Zustande, wenn nur die fortschreitenden Kräfte tätig gewesen wären in der lemurischen Zeit, nichts Schandbares tun würden, so würden die Kinder vom ersten bis zum siebenten Lebensjahre nichts Schlechtes nachahmen können. In den zweiten sieben Lebensjahren würde das Prinzip der Autorität herrschen, während es heute nicht nur zur Landplage, sondern zur Erdenplage gehört, daß die Menschen zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahre selbständig werden wollen, ja sogar dazu erzogen werden, selbständige Urteile zu haben. Die Erwachsenen würden für die Kinder die selbstverständlichen Autoritäten gewesen sein. Vom vierzehnten bis einundzwanzigsten Jahre würde der Mensch noch viel weniger auf sich selbst in sein Inneres hineingesehen haben, er würde sich mehr nach außen gewandt haben. Es würde die Kraft der Ideale, die Kraft, sich hineinzuleben in die Lebensträume, ungeheuer bedeutsam für ihn geworden sein. Es würden aus seinem Herzen sprießen Lebensträume, und dann würde volles Ich-Bewußtsein aufgetreten sein im zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahre. Also es würde auftreten in den ersten sieben Lebensjahren die Periode der Nachahmung, dann in den zweiten sieben Lebensjahren Aufschauen zu Autoritäten, dann in den dritten sieben Lebensjahren Hervorsprießen der Ideale, die den Menschen zu seinem vollen Ich-Bewußtsein bringen würden. Von diesem Gange der Entwickelung hat abgebracht im Laufe der Menschheitsentwickelung die Summe der auch in der Evolution wirkenden Kräfte, die die luziferischen Kräfte genannt werden. Sie haben seit der lemurischen Zeit das Ich-Bewußtsein losgerissen von der Grundlage der Organisation. Daß wir schon im zartesten Alter das Ich-Bewußtsein haben das ist eben auf die luziferischen Kräfte zurückzuführen.“

GA 143, S 122/123

„Wie griffen die luziferischen Kräfte ein? Die luziferischen Kräfte sind Wesenheiten, welche auf dem Monde zurückgeblieben sind und daher keinen Sinn haben für die Erdenmission, für das, was sich erst auf der Erde entwickeln sollte vom einundzwanzigsten Jahre ab, das Ich. Sie nahmen den Menschen so, wie er herübergekommen ist vom Monde und legten in ihn als Keim die selbständige seelische Entwickelung. So daß in der Verfrühung des Ich-Bewußtseins, in diesem eigentümlichen Zwiespalt der menschlichen Natur die luziferischen Kräfte liegen. Das Erkennen einer solchen Tatsache gibt erst heute die Anthroposophie. Fühlen kann das jeder Mensch, der nur naturgemäß empfinden kann. Denn jeder Mensch kann fühlen, daß in ihm etwas ist, was ihn von seiner vollen Menschlichkeit trennt. Alles, was wir unberechtigten Egoismus in unserer Natur nennen, Abgeschlossenheit von dem eigentlichen Tun der Menschheit, rührt daher, daß das Ich nicht den richtigen Weg der Organisation mitgeht. So sehen wir vor uns den Menschen. Dann, wenn er fühlen kann: Ich könnte anders sein als ich bin, ich habe etwas in mir, was nicht einverstanden ist mit mir selbst -, dann fühlt er den Widerstreit der fortschreitenden Gewalten mit den luziferischen Gewalten in seinem Inneren. Diese Tatsache mußte einmal geschaffen werden im Laufe der Menschheitsentwickelung. Sie war notwendig, weil ja der Mensch niemals wirklich frei geworden wäre ohne die luziferischen Wesenheiten, er wäre immer an seine Organisation gebunden gewesen. Was den Menschen auf der einen Seite in Zwiespalt bringt mit seiner Organisation, das gibt ihm auf der anderen Seite erst die Möglichkeit, frei zu sein. Aber eines bleibt aus dieser Zweiheit der Organisation für das gewöhnliche menschliche Leben. Das zeigt sich darin, daß wir von unserem Ich empfinden, daß es unvermögend geworden ist, von sich selber aus die Organisation umzuändern.“

GA 143, S 123/124

„Wenn wir im weiten Umkreise dessen, was den Menschen konstituiert, geschaffen hat, Umschau halten, so gibt es da die zwei geschilderten Kräfte. Es gibt da die organischen Kräfte unserer menschlichen Natur, die gemeint sind zur Entwickelung zu kommen von sieben zu sieben Jahren, und auf der anderen Seite die luziferischen Kräfte. Gibt es nichts anderes im Verlaufe der Menschheitsentwickelung in der Natur und im Geistesleben, so wird das eintreten, daß der Mensch niemals durch sein emanzipiertes Ich zum vollen Einklang mit seiner Natur kommen könnte. Ergäbe sich nichts anderes aus dem Umkreise des Erdenseins, dann könnte die Entwickelung keine andere sein, als daß der Mensch von seiner Organisation sich immer mehr entfremden würde, daß seine Organisation immer siecher, immer vertrockneter würde, daß der Zwiespalt immer größer werden müßte. Wenn der Mensch nur einmal dazu kommt, das so recht zu fühlen als eine geisteswissenschaftliche Erkenntnis, dann kommt ein großer Moment in seinem Leben, in welchem er sich sagt: Da stehe ich mit meiner menschlichen Organisation, die mir gegeben ist von den fortschreitenden Kräften, die von sieben zu sieben Jahren wirken, er braucht das nicht so in klaren Worten auszusprechen, er braucht es nur unbestimmt zu fühlen, aber weil diese Organisation eine Gegenkraft hat, die sich selbständig entwickelt, darum wird sie siech und krank und stirbt endlich. – In den Tiefen seines Seelenlebens fühlt der Mensch das. Er braucht nur das Gefühl von dieser Diskrepanz des inneren Ich mit der äußeren Organisation zu haben. Wenn er so recht lebt in dieser Empfindung, dann kommt, auch ohne daß er etwas von Anthroposophie zu kennen braucht, – ja, von woher, er weiß zunächst nicht, woher? -, aber es kommt in seine Seele etwas herein, wovon er fühlt: Ich selbst mit dem Ich, woran ich mich zurückerinnere, vermag nichts gegen meine Organisation, der ich nicht gewachsen bin. Aber es gibt etwas, was ich als Kraft aufnehmen kann in mein Ich, was ich aufnehmen kann in mein Bewußtsein als Überzeugung; unmittelbar aus den geistigen Welten kommt etwas herein, das nicht in mir liegt, das aber meine Seele durchdringt. Etwas kann hereinfließen aus unbekannten Welten in meine Seele. Wenn ich es aufnehme in mein Herz, wenn ich mein Ich damit durchdringe, dann hilft es mir unmittelbar aus den geistigen Welten heraus. Man nenne das, was aus den geistigen Welten kommt, wie immer man will, darauf kommt es nicht an, auf die Empfindung kommt es aber an.“

GA 143, S 124/125

„Nehmen wir einmal an, ein Mensch würde mit dem Leben heute nicht zurechtkommen und sich sagen: Also muß ich suchen in dem weiten Umkreise dessen, was ich auf der Erde finde, ob mir irgendwo eine Kraft ersprießen kann, die mir etwas geben kann, wodurch ich aus dem Zwiespalt herauskomme, die mir hinaushilft. – Es ist naturgemäß, daß der Mensch mit den Mitteln der alten Konfessionen nicht mehr zurechtkommen kann, daß er mit den alten kirchlichen Vorstellungen nichts mehr verbinden kann, was ihm diese Kraft, die er sucht, geben kann. Nehmen wir aber an, um ein konkretes Beispiel anzuführen, ein solcher Mensch ginge zu einer der alten heiligen Religionen, er ginge zum Beispiel zum Buddhismus und vertiefte sich in die außerordentlichen Lehren des Buddhismus. Wenn der Mensch naturgemäß in aller Stärke den charakterisierten Zwiespalt empfindet – ich sage nicht, daß sich das aus einer Theorie ergibt, sondern aus einer unbestimmten Empfindung -, dann würde er so empfinden: In der Persönlichkeit, der Individualität des Gautama Buddha hat etwas gelebt, was in der Welt erst auf Grundlage einer langen Entwickelung kommen kann. Diese Individualität ist durch viele Inkarnationen hindurchgegangen, hat immer höhere und höhere Grade der Evolution erreicht und ist endlich soweit gekommen, daß sie im neunundzwanzigsten Jahre ihres Lebens als Gautama Buddha vom Bodhisattva zum Buddha aufsteigen konnte, so aufsteigen konnte, daß diese Individualität nicht mehr in einen physischen Leib zurückzukehren brauchte. Was da ausfließt aus dieser Individualität, wie ist es zustande gekommen? Fühlen kann jedes unbefangene Gemüt das, was aus dem Buddha spricht, was erst durch den Bodhisattva innerhalb der Erdenentwickelung, innerhalb vieler Inkarnationen geworden, herangewachsen ist. Das alles enthält im schönsten, großartigsten Sinne die Kräfte, die sich im Umkreise der Erde finden, in dem Zusammenspiel der Kräfte der Organisation und der luziferischen Kräfte. Daher wirkt das, was vom Bodhisattva zum Buddha fließt, weil es gegangen ist von Inkarnation zu Inkarnation, weil es aus denselben Kräften stammt, aus denen die Menschenkräfte stammen, deshalb wirkt es so, daß die unbefangene Seele nicht fühlt, was den vollen Einklang hervorrufen kann zwischen dem Ich des Menschen und seiner Organisation. Es fühlt die Seele: Etwas muß es geben, was nicht von Inkarnation zu Inkarnation geht, sondern, was unmittelbar hereinströmen kann aus den geistigen Welten in jede Menschenseele. Wenn die Menschenseele fühlt, daß sie eine Beziehung haben muß zu dem, was von den Himmeln herunterströmt, dann fängt sie an, eine innerliche Erfahrung von dem Christus zu haben. Dann wird es ihr auch begreiflich, daß in dem Christus Jesus etwas auftreten mußte, was sich unterscheidet von alledem, was vorher war. Das ist der radikale, der grundsätzliche Unterschied zwischen dem Leben des Christus und dem des Buddha.“

GA 143, S 125/126

„Nehmen wir einmal an, ein Mensch wüchse auf einer einsamen Insel heran. Diejenigen, die ihn erziehen, erzählten ihm nichts von dem, was in der Welt geschieht in bezug auf den Christus-Namen und auf die Evangelien, sondern sie erzählten ihm nur das, was in der Kultur da ist, ohne die Evangelien und ohne den Christus-Namen zu gebrauchen. Was unter dem Einfluß des Christus in der Kultur entstanden ist, aber entkleidet des Christus-Namens, das würde man an ihn heranbringen. Was würde da geschehen? Dann würde bei einem solchen Menschen folgende Stimmung auftreten müssen, eines Tages würde er sagen: In mir lebt etwas, was meiner allgemeinen Menschheitsorganisation gemäß ist, daran kann ich zunächst nicht heran. Denn das, worin mein Ich-Bewußtsein lebt, es stellt sich mir so dar, daß ich da etwas brauche, was mir durch die Menschheitskultur nicht zukommen kann, einen Impuls aus den geistigen Welten, um das Ich wieder kräftiger zu machen in seiner Organisation, von der es sich emanzipiert hat. – Wenn ein solcher Mensch nur stark empfinden kann, was der Mensch braucht, dann kann über ihn etwas kommen, woraus er erkennt: es müsse unmittelbar aus den geistigen Welten etwas herausströmen, was sich unmittelbar einlebt in sein Ich. Er weiß nicht, daß das Christus heißt, er weiß aber, daß er sich in seinem Bewußtsein durchdringen kann davon, daß er das, was aus den geistigen Welten zu ihm kommt, hegen kann in seinem Ich. Dann wird ihm etwas kommen, wovon er sich sagen darf: Nun ja, ich kann krank sein, ich kann schwach sein, ich kann sterben, aber von meinem Ich aus kann ich mich stärker machen, kann ich etwas in meine Organisation hineinsenden, was mir Stärke, was mir Kraft gibt unmittelbar aus den geistigen Welten heraus. – Wie er es nennt, ist gleich. Wenn der Mensch zu dieser Empfindung kommt, dann ist er vom Christus-Impuls ergriffen. Nicht derjenige, der sagt, daß er etwas haben kann von einem Lehrer, der von Inkarnation zu Inkarnation gegangen ist, sondern derjenige, der empfindet, daß unmittelbar aus der geistigen Welt Impulse der Kraft, der Stärke kommen können, der ist vom Christus-Impuls ergriffen. Diese innere Erfahrung können die Menschen machen, ohne sie können die Menschen nicht leben, ohne sie werden die Menschen in der Zukunft nicht leben können. Sie können diese innere Erfahrung machen aus dem Grunde, weil einmal drei Jahre lang objektiv im Jesus von Nazareth gelebt hat dieser Impuls, der unmittelbar aus den geistigen Welten hereinkam. So wahr es ist, daß man ein Samenkorn in die Erde legen kann und daß viele andere Samenkörner aus diesem einen hervorkommen können, ebenso wahr ist es, daß einmal in die Menschheit gelegt worden ist der Christus-Impuls, und daß seit jener Zeit etwas da ist in der Menschheit, was früher nicht da war.“

GA 143, S 129/130

„Wenn mit einigen Worten noch einmal kurz hingewiesen werden darf auf dasjenige, worin die gestrigen Darstellungen gipfelten, so möchte ich sagen, daß aus ihnen für jeden Menschen die Möglichkeit hervorgehen sollte, durch eine entsprechende Vertiefung seines Wesens, durch ein in die geistigen Welten gefaßtes Vertrauen eine solche Seelenstimmung, eine solche Seelenverfassung in sich aufkommen zu lassen, die ihm sagt: In den Menschen fließen nicht nur diejenigen Dinge ein, die in dem Umkreise der Erde vorhanden sind, nicht nur die Dinge, welche aus der Evolution der Erde selbst stammen, sondern es ist dem Menschen möglich, seine Seele so zu stimmen, daß er aus den geistigen Welten heraus Hilfskräfte erhält, die in ihn einfließen können, die einen Ausgleich herbeiführen zwischen dem einzelnen egoistischen Ich und der Gesamtheit unserer Organisation, wenn er dieser Möglichkeit sich öffnet, die in die Erdenmission eingeflossen ist. Wer erringen kann das Vertrauen an diesen Zufluß aus den geistigen Welten, der hat – wie er dies innere Ereignis, dies innere Erlebnis auch nennen mag – die persönliche Christus-Erfahrung im Inneren erlebt. Alles übrige über diese Sache wird sich uns ergeben, wenn wir heute einmal ausgehen von dem dritten Wege zu Christus, von dem Wege der Initiation.“

GA 143, S 131

„So müssen wir sagen: Alles, was uns entgegentritt in der Welt als von außen kommendes fortgesetztes menschliches Übel, als Krankheit und Tod, das ist da, damit wir Menschen an das Erdendasein so lange gefesselt bleiben, bis wir Gelegenheit haben zum Gutmachen, damit wir eine Erziehung haben, uns an unsere Organisation anzupassen. Wir leiden, damit wir aus unserem Leid heraus die Erfahrungen schöpfen, den Ausgleich zu finden für unser von Luzifer durchzogenes Ich und unsere göttlich durchzogene Organisation. Unsere Organisation entfällt uns so oft, bis wir uns ganz durchdrungen haben in unserem Ich von den Gesetzen der im göttlichen Sinne fortschreitenden Evolution. Jeder Tod ist damit der Ausgangspunkt für etwas anderes. Es kann der Mensch nicht sterben, ohne daß er mitnimmt das, was ihm die Möglichkeit gibt, einstmals den Tod zu überwinden in seinen fortlaufenden Inkarnationen. Alle Schmerzen sind da, damit wir aus den Leiden heraus die Erfahrungen schöpfen, wie wir uns unserer fortlaufenden göttlichen Organisation anzupassen haben. Diese Frage kann aber nicht ohne weiteres außer dem Zusammenhange mit der ganzen Evolution behandelt werden.“

GA 143, S 139

„Allerdings muß es Außenstehenden als äußerste Verdrehtheit erscheinen, daß wir das Jahr 1879 an den Anfang unseres Kalenders setzten. Da wollten wir aufmerksam machen darauf, daß es außerordentlich wichtig ist, das Jahr des Mysteriums von Golgatha als Anfang unserer Zeitrechnung zu nehmen, und nicht das Jahr der Geburt des Jesus. An einem Freitag, am 3. April des Jahres 33, drei Uhr am Nachmittag fand das Mysterium von Golgatha statt. Und da fand auch statt die Geburt des Ich in dem Sinne, wie wir es oftmals charakterisiert haben. Und es ist ganz gleichgültig, auf welchem Erdenpunkte der Mensch lebt, oder welchem Religionsbekenntnis er angehört, das, was durch das Mysterium von Golgatha in die Welt kam, gilt für alle Menschen. So wie es für alle Welt gilt, daß Cäsar an einem bestimmten Tage gestorben ist, und nicht für die Chinesen ein anderer und für die Inder wieder ein anderer Tag dafür gilt, ebenso ist es eine einfache Tatsache des okkulten Lebens, dai3 das Mysterium von Golgatha sich an diesem Tage zugetragen hat und daß man es da zu tun hat mit der Geburt des Ich. Das ist eine Tatsache ganz internationaler Art. Und man muß sich wundern, daß von einer gewissen Seite her behauptet wird, das, was hier getrieben werde, diese unsere rosenkreuzerische Theosophie, die das Mysterium von Golgatha als den Mittelpunkt von allem betrachtet, sei eine Theosophie, die nur auf das Deutschtum zugeschnitten und für die anderen Völker nicht geeignet sei.

Wo solche Dinge behauptet werden, da hat man allerdings nicht die Neigung, sich mit solchen Dingen, wie wir sie hier treiben, zu beschäftigen. Da versteht man eben einfach nichts vom Christus und vom Mysterium von Golgatha. Da setzt man Entstellungen in die Welt, und leider werden solche Entstellungen auch geglaubt. Es ist aber heilige Pflicht, die Menschen vor Irrtum zu bewahren. Es ist zwar keine angenehme Aufgabe, ihnen solche Wahrheiten zu sagen, aber es muß geschehen. – Da sagt man an anderer Stelle, gleiches Recht gelte für alle, aber man bricht selber das Recht. Nicht darum handelt es sich, daß man diese oder jene Dinge sagt und drucken läßt, sondern darum, daß Wahrheit herrsche unter uns und daß Wahrheit unser heiliges Gesetz sei.

Wir wollen die Geburt des Ich in unserem Kalender zum Ausdruck bringen. Damit ist aber verbunden, daß wir den Zeitpunkt dieser Geburt als Ausgangspunkt nehmen mußten. Also mußten wir von Ostern bis Ostern zählen, und nicht von Neujahr bis Neujahr. Wenn dadurch vielleicht auch neues Ärgernis gegeben wird und neuer Spott und Hohn hervorgerufen wird, so darf uns das wenig kümmern, denn wir wissen, wollten wir nur immer ein Altes, schon Dagewesenes in gleicher Weise wiederholen, so würde kein neues Leben entstehen. Das Gleiche, immer Wiederholte ist das Tote; das Ungleiche, in das Gleiche eingerückt, ist das Leben. Eine Lebensaufgabe aber ist unser Kalender. Und haben wir ihn jetzt sehr schlecht gemacht, so werden wir ihn im nächsten Jahre besser machen.“

GA 143, S 163/164

„Wir wenden den Blick hin auf eine solche Gestalt, wie der Prophet Elias es ist. Zunächst betrachtet man den Propheten Elias für sich. Das Wesentliche aber, worauf es ankommt bei dem Propheten Elias, ist, daß er in einer gewissen Weise vorbereitet hat auf das Mysterium von Golgatha. Daß er hingewiesen hat darauf, daß der Jahve-Impuls etwas ist, das nur im Ich verstanden und begriffen werden kann. Er hat nicht auf die ganze Bedeutung des menschlichen Ich hinweisen können, er ist eine Zwischenstufe in der Ich-Erkenntnis zwischen der Moses-Idee von Jehova und der christlichen Christus-Idee. So erscheint uns der Prophet Elias wie ein gewaltiger Herold, wie ein Vorherverkünder des Christus-Impulses, desjenigen, was durch das Mysterium von Golgatha geschehen ist. Und da erscheint er uns groß und gewaltig.

Und nun gehen wir weiter, betrachten wir eine andere Gestalt. Vom abendländischen Sinne aus sind wir gewohnt, sie als eine einzelne Persönlichkeit zu betrachten. Betrachten wir Johannes den Täufer. Begrenzt als Persönlichkeit stellt sie hin der abendländische Sinn. Wir aber lernen ihn kennen als den Herold des Christus selbst, wir lernen ihn kennen, wie er gelebt hat als der Vorläufer des Christus, als derjenige, der zuerst die Worte gesprochen hat: Ändert eure Seelenverfassung, denn die Reiche der Himmel sind nahe. – Hingewiesen hat er ganz auf dasjenige, was Impuls werden sollte durch Golgatha: daß in dem menschlichen Ich ein Ganzes, Göttliches gefunden werden kann, daß das Christus-Ich einziehen soll in das menschliche Ich immer mehr und mehr, und daß der Impuls dazu nahe ist. Nun lernen wir durch die geisteswissenschaftliche Erkenntnis, daß es wahr ist, was auch die Bibel andeutet: daß dieselbe Individualität, die im Propheten Elias gelebt hat, in Johannes dem Täufer lebte. So daß derjenige, der Herold sein sollte für den Christus, sich auslebte als Elias, wiederkommt als Johannes der Täufer und abermals Herold wird für den Christus, wie es angemessen war für seine Zeit. Jetzt verbinden sich uns diese beiden Gestalten. Die morgenländische Kultur machte es anders: sie geht gleich zu auf die Individualitäten und vernachlässigt die einzelne Persönlichkeit.

Wenden wir den Blick nun weiter, so finden wir jene eigentümliche Gestalt des Mittelalters, die da geboren ist – wie um äußerlich anzudeuten, daß sie zu der geistigen Welt in besonderer Weise steht – an einem Karfreitage im Jahre 1483, und die jugendlich wieder dahingegangen ist im siebenunddreißigsten Lebensjahre, die so mächtig gewirkt hat durch das, was sie der Menschheit gegeben hat: die Gestalt des Raffael. Er wurde geboren an einem Karfreitage, wie um anzudeuten, daß er verbunden ist mit dem, was am Karfreitage gefeiert wird. Was wird der abendländische Sinn im Sinne der Geisteswissenschaft an der Gestalt des Raffael erfahren können? Wenn wir diese Gestalt mit den Mitteln der Geisteswissenschaft ins Auge fassen, können wir erfahren, daß sie mehr leistete für die Verbreitung des Christentums, für das Hineinleben eines interkonfessionellen Christentums in die Herzen und Gemüter der Menschen, als alle theologischen Interpreten, als alle Kardinäle und Päpste seiner Zeit. Vor Raffaels Blick mag gestanden haben, was in der Apostelgeschichte steht: Wie einer unter die Athener tritt und sagt – sogar die Gebärde ist dort dargestellt -: Ihr Leute von Athen, ihr habt den Göttern Opfer gebracht in äußeren Zeichen. Es gibt aber eine Erkenntnis jenes Gottes, der in allen Leben lebt und webt. Das ist der Christus, der durch den Tod gegangen und auferstanden ist, und der dadurch den Menschen den Impuls gegeben hat zur Auferstehung. – Die einen hörten nicht zu und die anderen fanden es sonderbar. In Raffaels Gemüt wurde das zu jenem Bilde, das wir heute im Vatikan finden, das den unrichtigen Namen trägt «Die Schule von Athen». In Wirklichkeit zeigt es die Gestalt des Paulus, die Athener belehrend über das Grundwesen des Christentums. Da hat Raffael etwas gegeben, was wie eine Heroldschaft des über den Konfessionen stehenden Christentums erscheint. Wenig ist das verstanden worden bisher, der tiefe Sinn dieses Bildes ist den Menschen noch nicht aufgegangen.“

GA 143, S 176-178

„Fragen wir uns – und hier berühren wir ein bedeutsames Geheimnis der geistigen Wissenschaft -: Wie steht es denn eigentlich mit diesen Gliedern, die wir als die Glieder der menschlichen Natur kennengelernt haben? Nun, wir kennen als das zunächst höchste Glied der menschlichen Natur unser Ich. Wir lernen unser Ich aussprechen zu einer gewissen Zeit unseres Kindesalters. Wir gewinnen ein Verhältnis zu diesem Ich von der Zeit an bis zu der wir uns in späteren Jahren zurückerinnern. Wir wissen es aus den verschiedensten geisteswissenschaftlichen Betrachtungen: bis zu dem Zeitpunkt hat das Ich selber formend und gestaltend an uns gewirkt, bis zu dem Moment, da wir ein bewußtes Verhältnis zu unserem Ich haben. Beim Kind ist dieses Ich auch da, aber es wirkt in uns, es bildet in uns erst den Leib aus. Zunächst schafft es die übersinnlichen Kräfte in der geistigen Welt. Wenn wir durch die Empfängnis und die Geburt gegangen sind, schafft es sogar noch einige Zeit, die Jahre dauert, an unserem Leibe, bis wir unseren Leib als Werkzeug so haben, daß wir uns bewußt als ein Ich erfassen können. Es ist ein tiefes Geheimnis mit diesem Hineintreten des Ich in die menschliche Leibesnatur verbunden. Wir fragen den Menschen, wenn er uns entgegentritt: Wie alt bist du? – Er gibt uns als sein Alter an die Jahre, die verflossen sind seit seiner Geburt. Wie gesagt, wir berühren hier ein gewisses Geheimnis der Geisteswissenschaft, das uns im Laufe der nächsten Zeit immer klarer werden wird, das ich aber heute nur erwähnen will, gleichsam mitteilen will. Was uns der Mensch also als sein Alter angibt zu einer bestimmten Zeit seines Lebens, das bezieht sich auf seinen physischen Leib. Er sagt uns nichts anderes als: sein physischer Leib ist so und so lange in der Entwickelung gewesen seit seiner Geburt. Das Ich macht diese Entwickelung dieses physischen Leibes nicht mit. Das Ich bleibt stehen.“

GA 165, S 15/16

„Und das ist das schwer zu fassende Geheimnis, daß das Ich eigentlich in dem Zeitpunkte, bis zu dem wir uns zurückerinnern, stehenbleibt. Es wird nicht mit dem Leibe geändert, es bleibt stehen. Gerade dadurch haben wir es immer vor uns, daß es uns, indem wir hinschauen, unsere Erlebnisse entgegenspiegelt. Das Ich macht unsere Erdenwanderung nicht mit. Erst wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, müssen wir den Weg, den wir Kamaloka nennen, wiederum zurück machen bis zu unserer Geburt, um unser Ich wieder anzutreffen, und es dann auf unserer weiteren Wanderung mitzunehmen. Der Körper schiebt sich in den Jahren vor – das Ich bleibt zurück, das Ich bleibt stehen. Schwierig zu begreifen ist es aus dem Grunde, weil man sich nicht vorstellen kann, daß in der Zeit etwas stehenbleibt, während die Zeit weiterrückt. Aber es ist doch so. Das Ich bleibt stehen, und zwar bleibt es aus dem Grunde stehen, weil dieses Ich eigentlich sich nicht verbindet mit dem, was vom Erdendasein an den Menschen herankommt, sondern weil es verbunden bleibt mit denjenigen Kräften, die wir in der geistigen Welt die unsrigen nennen. Das Ich bleibt da, das Ich bleibt im Grunde in der Form, wie es uns verliehen ist, wie wir wissen, von den Geistern der Form. Dieses Ich wird in der geistigen Welt gehalten. Es muß in der geistigen Welt gehalten werden, sonst könnten wir niemals als Menschen während unserer Erdenentwickelung der Erde ursprüngliche Aufgabe und ursprüngliches Ziel wieder erreichen. Was der Mensch hier auf der Erde durch seine Adamsnatur durchgemacht hat, wovon er eine Abprägung in das Grab trägt, wenn er als Adam stirbt, das ist haftend am physischen Leibe, Ätherleib und Astralleib, kommt von diesem. Das Ich wartet, wartet mit alledem, was in ihm ist, die ganze Zeit, die der Mensch auf der Erde durchmacht, sieht nur hin auf die weitere Entwickelung des Menschen – wie der Mensch es sich wieder holt, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, indem er den Weg zurück macht. Das heißt, wir bleiben in einem gewissen Sinne ist das gemeint – mit unserem Ich gewissermaßen in der geistigen Welt zurück. Dessen soll sich die Menschheit bewußt werden. Und sie konnte sich dessen nur dadurch bewußt werden, daß in einer gewissen Zeit aus jenen Welten, denen der Mensch angehört, aus den geistigen Welten, der Christus herunterkam und sich in dem Leibe des Jesus vorbereitete, in der Weise, wie wir es wissen doppelt -, das, was als Leib ihm auf der Erde dienen sollte.“

GA 165, S 16/17

„Wenn wir uns recht verstehen, so schauen wir durch unser ganzes Erdenleben hindurch immer auf unsere Kindheit hin. Da in unserer Kindheit ist zurückgeblieben das, was gerade unser Geistiges ist. Wir schauen immer darauf hin, wenn wir die Sache richtig verstehen. Und dazu sollte die Menschheit erzogen werden, hinzusehen auf das, zu dem der Geist aus den Höhen sagen kann: «Lasset die Kindlein zu mir kommen!», nicht den Menschen, der mit der Erde verbunden ist, sondern die Kindlein. Dazu sollte die Menschheit erzogen werden, indem ihr das Fest der Weihenacht gegeben worden ist, indem es hinzugefügt worden ist zu dem Mysterium von Golgatha, das sonst nur der Menschheit verliehen zu werden brauchte in bezug auf die drei letzten Jahre des Christus-Lebens, da der Christus in dem Leibe des Jesus von Nazareth war. Dieses Fest zeigt, wie der Christus sich den menschlichen Leib in der Kindheit vorbereitet hat. Das ist das, was der Weihnachtsempfindung zugrunde liegen soll: zu wissen, wie der Mensch eigentlich immer verbunden geblieben ist durch das, was in seinem Wachstum zurückbleibt, was in himmlischen Höhen bleibt, mit dem, was nun hereinkommt. In der Kindesgestalt soll der Mensch an das Menschlich-Göttliche, von dem er sich entfernt hat, indem er auf die Erde hinabstieg, das aber wiederum zu ihm gekommen ist, an dieses Kindhafte in ihm sollte der Mensch erinnert werden. An denjenigen sollte er erinnert werden, der ihm das Kindhafte wiedergebracht hat. Es war nicht gerade leicht, aber gerade an der Art und Weise, wie sich dieses Weltenkindesfest, das Weihnachtsfest, in die mitteleuropäischen Gegenden hereinentwickelt hat, gerade daran sieht man die wunderbar wirkende, tragende Kraft.“

GA 165, S 17/18

„Nun aber haben wir hier (siehe Zeichnung Mitte und rechte Seite) das Verhältnis der Seelenkräfte, die im Ich wirken, mit dem Ich zusammen und ihre Wirkungsweise jenseits der Schwelle des Bewußtseins hinein in die geistige Welt. Aber es kann der andere Fall eintreten. Der kann dadurch eintreten, daß das Ich durch irgend etwas geschwächt wird. Dann wird gewissermaßen die Schwelle nach der umgekehrten Seite überschritten, dann schwenkt das Denken ab (siehe Zeichnung, gelb, links) und vermischt sich mit dem Fühlen (grün, links) und vermischt sich mit dem Wollen (rot, links) und Sie haben im Seelischen durcheinander Denken, Fühlen und Wollen; die purzeln ineinander. Das aber tritt dann ein, wenn, sagen wir, das Denken irgendwie der Gefahr ausgesetzt wird, nicht vollständig umfaßt zu werden, sondern sich selbständig geltend macht im Bewußtsein. Und weil das Ich nicht ordentlich wirkt, rutscht das Denken in die Gefühls oder gar in die Willenssphäre hinein. Statt daß die Dinge nun nebeneinandergehen, Denken, Fühlen und Wollen, ergreift das Denken, ohne daß das Ich seine Tätigkeit entfalten kann, das Fühlen oder gar das Wollen.“

GA 178, S 161

„Nun kommt ein anderes dazu. Wir sprechen im gewöhnlichen wachen Bewußtseinsleben von unserem Ich. Aber von diesem Ich können wir eigentlich mit dem gewöhnlichen Wachbewußtsein nur in recht uneigentlichem Sinne sprechen. Denn welche Natur und Wesenheit hat eigentlich dieses Ich ? Es kann nicht erkannt werden im gewöhnlichen Wachbewußtsein. Taucht das schauende Bewußtsein in das wahre Wesen des Ich ein, dann ist das wahre Ich des Menschen willensartiger Natur. Das, was der Mensch im gewöhnlichen Bewußtsein hat, ist nur die Vorstellung des Ich. Daher wird es dem naturforscherischen Psychologen leicht, dieses Ich überhaupt wegzuleugnen, obwohl andererseits dieses Wegleugnen ein wirklicher Unsinn ist. Solche Naturforscher und Psychologen sprechen davon, daß das Ich sich eigentlich nach und nach heranbilde, daß der Mensch im Verlauf seiner individuellen Entwickelung zu diesem Ich komme. Er kommt nicht zu dem Ich, sondern zu der Ich-Vorstellung auf diese Art. Und es ist leicht, hinwegzuleugnen, weil es eben im gewöhnlichen Bewußtsein nur eine Vorstellung, ein Spiegelbild des wirklichen, wahren, echten Ich ist. Das echte Ich lebt in derselben Weltensphäre, in der die wahre Wirklichkeit unseres Willens lebt. Und das, was wir den astralischen Leib nennen, was wir als das eigentliche Seelenleben bezeichnen können, das wiederum lebt in derselben Sphäre, in der da lebt unser Gefühlsleben. Wenn Sie die beiden Dinge zusammennehmen, die wir so betrachtet haben, können Sie daraus wiederum ersehen, daß wir mit unserem Ich und mit unserem astralischen Leib untertauchen in dasselbe Gebiet, das wir mit den Toten gemeinschaftlich haben. In dem Augenblicke, wo wir hellseherisch in unser wahres Ich hinuntersteigen, sind wir ebenso unter den Ichen der Toten, wie unter den Ichen der sogenannten Lebendigen. So etwas muß man sich nur ganz klar machen, um voll einzusehen, wie sehr der Mensch mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein in der sogenannten Scheinwelt, oder wie man mit einem orientalischen Ausdrucke es nennt: in der Maja lebt. Wir leben wach-bewußt in unserer Sinnes- und in unserer Vorstellungswelt; aber die Sinnesimpulse, die geben uns nur den Teil der Welt, der als Natur sich ausbreitet. Und unsere Vorstellungswelt gibt uns auch nichts anderes, als dasjenige in uns, was unserer Natur angemessen ist, aber zwischen der Geburt und dem Tode. Dasjenige, was unsere ewige Natur ist, das tritt im Grunde gar nicht aus der Welt heraus, die wir mit den Toten gemeinschaftlich haben; das verbleibt im Grunde genommen in der Welt, in der die Toten auch sind, wenn wir durch die Verkörperung in das Leben des physischen Planes eintreten.“

GA 179, S 116-118

„Und bildhaft könnten Sie sich das so vorstellen, wenn Sie sich’s überprojizieren wollten auf den physischen Plan heraus : während zum Beispiel ein Mensch normal wächst, 28 Jahre alt wird, wachse ein Kind langsamer, und sei nach 28 Jahren ein 7jähriges Kind. So zunächst erscheint die ganze Sache wie eine abstrakte Wahrheit, – aber es ist im Menschen eine gründliche Wirklichkeit. Denn denken Sie doch, daß wir in unserem Ich dasjenige tragen, was wir unseren Verstand, unser selbstbewußtes Denken nennen. Wenn wir in unserem Ich unseren Verstand, unser selbstbewußtes Denken haben, dann sind unser Verstand und unser selbstbewußtes Denken eigentlich wesentlich jünger, als wir scheinbar unserem physischen Leibe nach sind. Das sind sie auch, das sind sie wirklich!“

GA 179, S 122

„Was hier zu Grunde liegt, bezeugt aber auch, wie es mit einem Zeitalter aussehen muß, welches sich nicht darauf einlassen will, die Idee der Freiheit im vollsten Umfange zu verstehen. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, das 20. Jahrhundert bis in unsere Zeit, diese Epoche hat es sich geradezu zur Aufgabe gesetzt, auf allen Gebieten des Lebens die Idee der Freiheit immer mehr und mehr für die Erkenntnis zu trüben, für das praktische Leben in Wirklichkeit auszuschalten. Freiheit wollte man nicht verstehen, Freiheit wollte man nicht haben. Die Philosophen haben sich bemüht zu beweisen, daß alles mit einer gewissen Notwendigkeit aus der menschlichen Natur hervorgeht. Gewiß, der menschlichen Natur liegt eine Notwendigkeit zugrunde; aber diese Notwendigkeit hört auf, indem Abbauprozesse beginnen, in welchen der Zusammenhang der Ursachen sein Ende findet. Wenn Freiheit da eingegriffen hat, wo die Notwendigkeit im Organismus aufhört, dann kann man nicht sagen, daß die Handlungen der Menschen aus der inneren Notwendigkeit hervorgehen; sie gehen dann erst aus ihm hervor, wenn diese Notwendigkeit aufhört. Der ganze Fehler bestand darinnen, daß man sich nicht eingelassen hat darauf, im menschlichen Organismus nicht nur zu verstehen die aufbauenden Prozesse, sondern auch zu verstehen die abbauenden Prozesse. Es wäre aber allerdings nötig, daß man, um das zu erkennen, was eigentlich der menschlichen Natur zugrunde liegt, mehr Begabung entwickele als die Gegenwart Neigung dazu hat. Wir haben gestern gesehen, daß es notwendig ist, dasjenige wirklich ins Seelenauge fassen zu können, was man als menschliches Ich bezeichnet. Aber es ist gerade in der Gegenwart wenig Talent vorhanden, diese Wirklichkeit des Ich irgendwie zu erfassen. Ich will Ihnen einen Beweis liefern.“

GA 179, S 165/166

„Ich habe öfter die ausgezeichnete wissenschaftliche Leistung von Theodor Ziehen erwähnt: „Die physiologische Psychologie“. Da ist auf Seite 205 auch die Rede von dem Ich; nur kommt Ziehen niemals in die Lage, auch nur hinzudeuten auf das wirkliche Ich, sondern er redet nur von der Ich-Vorstellung. Wir wissen: die ist jedoch nur ein Spiegelbild des wirklichen Ich. Aber interessant ist es gerade zu hören, wie ein ausgezeichneter Denker der Gegenwart, aber ein solcher, der da glaubt mit naturwissenschaftlichen Vorstellungen alles erschöpfen zu können, über das Ich redet. Es sind Vorträge, die wiedergegeben werden; deshalb ist die Sache in Vortragsform vorgebracht. Ziehen sagt:

„Es wird Ihnen vielleicht auffallen, daß die mit dem kurzen kleinen Wort Ich bezeichneten Ich-Vorstellungen ein so komplexes dreigliedriges Gebilde sein sollen, an welchem tausend und abertausend Teilvorstellungen beteiligt sein sollen. Aber ich bitte Sie zu erwägen: das Wort ist zwar kurz, aber daß sein Vorstellungsinhalt dieser Komplex sein muß, geht schon daraus hervor, daß jeder von Ihnen in Verlegenheit geraten wird, wenn er den Denkinhalt seiner sogenannten Ich-Vorstellungen angeben soll.“

Und jetzt geht Ziehen daran, etwas zu sagen über den Denkinhalt der Ich-Vorstellungen. Nun wollen wir einmal sehen, was der ausgezeichnete Gelehrte über dasjenige zu sagen weiß, woran man eigentlich denken soll, wenn man über sein Ich denkt:

„Sie werden alsbald an Ihren Körper denken“ (also: an Ihren Körper denken!), „an Ihre Relationen zur Außenwelt (Beziehungen zur Außenwelt), Ihre verwandtschaftlichen und Eigentumsbeziehungen“ (also man wird bald daran gehen, an seine Börse zu denken und sein Geld abzuzählen!), „Ihre Namen und Titel“…

Nun, der ausgezeichnete Gelehrte weist ausdrücklich darauf hin, daß man auch an seinen Namen und an seinen Titel denken soll, wenn man sein Ich in der Vorstellung umfassen; umspannen soll.

„Ihre Hauptneigungen und dominierenden Vorstellungen und endlich an Ihre Vergangenheit, und damit selbst den Beweis führen, wie äußerst zusammengesetzt diese Ich-Vorstellung ist. Freilich reduziert der reflektierende Mensch diese Kompliziertheit der Ich-Vorstellung wieder auf eine relative Einfachheit, indem er den äußeren Objekten und anderen Ichs sein eigenes Ich als das Subjekt seiner Empfindungen, Vorstellungen und Bewegungen gegenüberstellt. Gewiß hat auch diese Gegenüberstellung und diese Verschärfung der Ich-Vorstellung ihre tiefe erkenntnis-theoretische Begründung, aber, rein psychologisch betrachtet, ist dieses einfache Ich nur eine theoretische Fiktion.“

Also „dieses einfache Ich“ ist nur eine „theoretische Fiktion“, das heißt eine bloße Phantasie-Vorstellung, die sich aufbaut, wenn man seinen Namen, seine Titel, vermutlich auch seine Orden und andere dergleichen Dinge zusammenstellt, die einem „Gewicht“ geben 1 An solchen Punkten kann man die ganze Schwäche des heutigen Denkens erkennen. Und diese Schwäche muß um so mehr ins Auge gefaßt werden, weil ja dasjenige, was sich als entscheidende Schwäche für die Erkenntnis des seelischen Lebens erweist, eine Stärke ist für die Erkenntnis der äußern naturwissenschaftlichen Tatsachen. Gerade was untauglich ist für die Erkenntnis des seelischen Lebens, ist sehr tauglich, um die äußere sinnenfällige Tatsache in ihrer unmittelbaren äußeren Notwendigkeit zu durchschauen.“

GA 179, S 166-168

„Die Eitelkeit, die auf Grund des seelischen Nichts alle möglichen Reformgedanken fassen will, ist ebenso schädlich der Entwickelung in unserer heutigen Zeit, wie der Materialismus selber. Ich habe früher am Schluß darauf aufmerksam gemacht, wie das wahre Ich des Menschen, dasjenige Ich, das allerdings der Willensnatur angehört, und über das sich daher für das gewöhnliche Bewußtsein Schlaf breitet, befruchtet werden muß dadurch, daß schon durch den öffentlichen Unterricht die Menschen hingeführt werden zum konkreten Begreifen der großen Zeitinteressen. Das kann man nicht anders machen in unserer Zeit, als indem man klarmacht, welche geistigen Kräfte und Wirksamkeiten hereingreifen in unser Geschehen. Nicht mit allgemeinen nebulosen Reden über den Geist ist es getan, sondern mit der Erkenntnis der konkreten geistigen Vorgänge, wie wir sie in diesen Betrachtungen geschildert haben, wo man per Jahrzahl darauf hinweist, wie da und dort diese gewissen Mächte und Kräfte aus der geistigen Welt hier in die physische hereingegriffen haben.“

GA 179, S 169/170

„Nach der anderen Seite stößt der astralische Leib an das Ich. Das Ich ist dasjenige, das in der Form, wie es schon einmal im Erdenmenschen ist, jeder Mensch kennt. Denn das Ich ist es, wodurch wir unsere Sinneswahrnehmungen haben. Das Ich ist es, wodurch wir im Wesentlichen auch denken. Dasjenige, was wir als bewußte Tätigkeit ausführen, spielt sich im Ich ab. Weil der astralische Leib daran beteiligt ist, kann das, was sich in der Sprache abspielt, nicht ganz bewußt sich so abspielen, wie irgend eine bewußte Willenstätigkeit, aber ein Stück Bewußtsein kommt im gewöhnlichen Sprechen durchaus in das Könsonantisieren hinein, denn das Konsonantisieren spielt sich ab zwischen dem astralischen Leib und dem Ich (siehe Schema).

 

Physischer Leib

Vokalisieren

Ätherleib

 

Astralleib

konsonantisieren.

Ich

 

Da ist zunächst einmal auf die menschliche Natur verwiesen inbezug auf die Konsonanten- und Vokalbildung. Wir können aber, weitergehen. Wir können uns jetzt fragen: was stellt denn die Sprache in der Gesamtheit der menschlichen Wesenheit überhaupt dar? Diese Frage beantwortet man richtig eigentlich nur dann, wenn man dazu sich fragt: wie war es denn eigentlich in der menschlichen Ursprache, in der Sprache, wie sie zuerst unter die Menschheit getreten ist?“

GA 282, S 14/15

„Wir nähern uns immer mehr und mehr dem Begreifen derjenigen Lebenselemente der einzelnen Persönlichkeiten, die eine Ahnung hervorrufen können von dem Wert des Karma im persönlichen Dasein. Heute wird es meine Aufgabe sein, um allmählich im Verlaufe dieser Vorträge dieses Ziel zu erreichen, auf der einen Seite darauf hinzuweisen, wie die Initiationswissenschaft selbst das Karma prüfen kann, zunächst ausgehend von dem Erleben des Karma, und wie der Mensch dann zunächst ohne Initiationswissenschaft, aber mit einem gewissen intimen Sinn, das Leben zu beobachten, eine Ahnung von dem Walten des Karma erhalten kann. Da erinnern wir uns an dasjenige, was ich gesagt habe über die Erinnerung und jene Gedankenmassen, die aus den Tiefen des Seelenwesens herauffluten, entweder gerufen von unserer Seele, oder auch nicht gerufen frei aufsteigend, und die uns ein zwar schattenhaftes, mehr oder weniger abstraktes, aber doch ein Bild geben von unserem bisherigen Erdendasein, das wir seit der letzten Geburt durchgemacht haben. Wir haben die Aufmerksamkeit in diesen Tagen darauf hinlenken können, was der Mensch verliert, wenn er diese Erinnerung verliert. Er kann dann noch immer ganz gescheit, ganz verständig handeln, aber er handelt nicht aus dem Zusammenhang seines ganzen Lebens heraus; er handelt so, wie wenn er gewissermaßen in dem Zeitpunkte, in dem er also zu handeln beginnt, ohne die Erinnerung an das bisherige Leben wäre; wie wenn er zwar wie ein fertiger, verständiger, vernünftiger Mensch zur Welt gekommen wäre, aber sein vorangehendes Leben gar nicht auf dieser Erde für ihn verflossen wäre, so handelt er. Daraus sehen wir, wie für das Erleben im gegenwärtigen gewöhnlichen Bewußtsein das Ich verankert, begründet ist in der Erinnerung. Auf diesem Erinnerungswege findet sich dann das Ich mit sich selber im Verlaufe dieses Erdenlebens nicht mehr zurecht.

Aber wie haben wir denn diese Erinnerung? Vergleichen wir einmal diese Erinnerung mit der voll erlebten Wirklichkeit, aus der uns diese Erinnerung fließt. Wir stehen darin im Leben, machen es freudvoll und leidvoll durch, finden uns in unseren Erlebnissen mit unserem ganzen Sein verwoben. Aber man vergleiche nur einmal diese ganze intensive Art des Verwobenseins mit dem eigenen Sein, mit der schattenhaften Erinnerung, die wir bewahren in der Seele. Sie müssen nur einmal ein recht bedeutendes Lebensereignis nehmen, den Tod irgendeines Freundes, der Ihnen besonders wert war, oder den Tod vom Vater, von der Mutter, in einer Zeit, in der so etwas wegen unserer Seelenverfassung besonders tief erlebt wird. Vergleichen wir die ganze Intensität des Erlebens und den Moment, wo es erlebt wird, mit dem, was wir an den schattenhaften Erinnerungen, die uns zehn Jahre später kommen, erleben! Und dennoch, diese schattenhaften Erinnerungen müssen wir haben, um die Kontinuität, um die innere Gediegenheit, die Realität unseres Ich im Erdenleben zu erfühlen. Aber sehen Sie nicht daraus, wie das Ich, das gar nicht ohne die Erinnerung im Erdenleben drinnenstehen kann für das gewöhnliche Bewußtsein, wie das Ich eigentlich sich schattenhaft erlebt, wie dieses Ich verankert ist in dem, was im Grunde genommen jede Nacht in das Unbewußte hinuntersinkt? Wir erleben im Grunde genommen nicht sehr intensiv unser Ich im gewöhnlichen Erdenbewußtsein. Es wird immer gedanken- und gedankenhafter, dieses eigentliche Ich des nicht gegenwärtigen Lebens, von welchem wir allerdings wissen, daß es mit dem heutigen Ich zusammenhängt. Dieses gegenwärtige Erleben, das ist intensiv, aber nicht dasjenige, das bereits in die Form der Erinnerung übergegangen ist. So daß wir sagen können (siehe Zeichnung): Wenn dieses unsere auffassende Seele, unser Geist ist, die im lebendigen Verkehr stehen mit alledem, was außen, von der Außenwelt her auf uns einströmt, so erleben wir hinter diesem Ich schattenhaft in der Erinnerung dasjenige, was uns davon bleibt. Und gerade das ist das Charakteristische an dieser Erinnerung, daß immer mehr und mehr die Gefühle, daß auch die Willensimpulse von dieser Erinnerung ausgesiebt werden. Wir mögen mit einem noch so intensiven Gefühl bei dem, was ich charakterisiert habe, bei dem Tode einer uns außerordentlich wertvollen Person gestanden haben : das Erinnerungsbild, welches bleibt, diese Erinnerung wird abgedämpft, immer mehr und mehr abgedämpft im Gefühl. Und erst, wie wenig lebt das, was wir dazumal aus unserem Willensimpulse heraus unter dem äußeren Eindruck unternommen haben, in uns weiter! Gefühl und Wille dämmern ab; das ruhige Erinnerungsbild, ein Schatten des Erlebten, bleibt in der Regel. Und wir können ja nicht anders im Erdenlande sein, als daß dieser Schatten eines Erlebnisses uns bleibt. Anders stehen wir eben der Erinnerung, anders stehen wir dem gegenwärtigen Erlebnis gegenüber.“

TB 715, S 220-222

„Was haben wir denn im Grunde genommen durch die nun allmählich durch die Jahrhunderte, vom 4., 5. Jahrhundert an, erstarkte Seele gewonnen? Äußerlich mechanische Erkenntnisse, diejenigen physikalischen Erkenntnisse, die ich in dem Naturwissenschaftlichen Kursus charakterisiert habe. Aber jetzt ist die Zeit eingetreten, wo die Seele so weit erstarken muß, daß sie so, wie sie früher mit Hilfe des Ätherleibes beim Hinausschauen in die Himmel mit der physischen Sonne die Geistsonne sah, jetzt innerlich in das Ich hineinschaut, das Ich empfindet und gewissermaßen hinter dem Ich den Christus.

Wenn wir uns das nicht schematisch, aber eigentlich sehr real vorstellen, so ist es so: Durch das physische Sehen wird die Sonne gesehen (hell schraffiert), durch das Sehen mit dem Ätherleib hinter der Sonne der Sonnengeist, der Christus (alte Zeit, rot). Heute ist es so, daß wenn der Mensch in sich hineinschaut, er jenes Ich hat. Er empfindet das Ich, er hat ein Ich-Gefühl. Aber das ist sehr dunkel. Dieses Ich-Gefühl ist ja in der emanzipierten Seele zunächst entstanden. Früher schaute der Mensch in die Welt hinaus, jetzt muß er in sich hineinschauen. Das Hinausschauen in die Welt brachte ihn mit der Sonne und mit dem Christus zusammen. Das Hineinschauen hat ihn zunächst nur mit dem Ich zusammengebracht. Er muß dazu kommen, hinter dem Ich nun das zu finden, was er früher vor der Sonne gefunden hat. Er muß dazu kommen, dasjenige, was er in dem Lichte erlebte, was er vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang erlebte, den Christus, den Erleuchter seines eigenen Wissens, aus seinem Ich heraus innerlich erstrahlen zu fühlen, daß er in dem Christus die starke Stütze des eigenen Ich findet. So daß man sagen kann: Früher schaute man in die Sonne hinaus und fand das durchchristete Licht. Jetzt fühlt man in sich selber hinein und lernt erkennen das durchchristete Ich (rot, violett).“

GA 220, S 20-22

„Allerdings stehen wir in bezug darauf ganz im Anfange. Denn Anthroposophie besteht darin, gewissermaßen der Menschheit zu sagen: Diese Jahrhunderte seit dem 4. nachchristlichen Jahrhundert sind Zwischenjahrhunderte. Was vorher liegt, hatte eine Menschheit, die hinausschauen konnte in die Himmel und den Christus als äußeren räumlichen Sonnengeist fand. Eine Menschheit muß nach diesen Zwischenjahrhunderten erstehen, welche hineinfühlt in ihr Inneres und welche auf dem Wege zu diesem Inneren wiederum die innere Sonne findet, den Christus, der aber jetzt mit dem Ich so erscheint, wie er früher mit der Sonne erschienen war, der jetzt der Ich-Träger ist, wie er früher der Sonnengeist war.“

GA 220, S 22

„Aber was eben hinzutreten muß zu den Errungenschaften der erstarkten Seele, die ja allerdings jetzt nicht mehr eine leere Seele ist, wie sie es im 4. nachchristlichen Jahrhundert wurde, sondern die sich nun ihrerseits angefüllt hat mit vielen mathematisch-mechanischen Vorstellungen, das ist, daß eben innerhalb des Ich das innere Licht gefunden wird, das man vielleicht jetzt nicht mehr bloß Ich nennen sollte, um nicht nur figürlich oder symbolisch zu sprechen, sondern das man nennen müßte: die stützende Wesenheit für die Seele.

Und damit lernen wir etwas erkennen, was im Laufe der Jahrhunderte immer mehr und mehr herauftauchte, was heute stark ist, aber von den Menschen, die sich darüber betäuben, in die unterbewußten Untergründe der Seele hinuntergeschoben wird: die Not zu Christus. Nur eine geistige Erkenntnis, eine Erkenntnis des geistigen Weltenalls kann dieser Not zu Christus entgegenkommen. Zualledem, was wir als charakteristische Momente unseres eigenen Zeitalters im 20. Jahrhundert anschauen müssen, gehört dies dazu: die Not zu Christus und das innere Aufraffen der Seele zu der Kraft, den Christus zu finden im Ich, hinter dem Ich, so wie er früher vor der Sonne gefunden worden ist.“

GA 220, S 25/26

„Dieses ordentliche Verhältnis, das kann man allerdings nur erkennen, indem man es sozusagen wiederherstellt. Denn so, wie der Mensch einmal heute in der Welt ist, wie er also unterlegen ist dem luziferischen Einfluß, so ist eben das Verhältnis des Ich zum astralischen Leib kein ordentliches, sondern es ist ein Übergewicht des Ich da. Der Mensch ist ichlicher, als er sein sollte – verzeihen Sie die Wortbildung, aber sie ist eine ganz entsprechende. Nun haben wir nämlich die Betrachtung schon angestellt, die uns dazu führt, wie das Ich eigentlich sein sollte. Es wird das Ich so, wie es ein regelmäßiges Verhältnis gibt, wenn der Mensch in weiser und energischer und geduldiger Selbstzucht sich aneignet die Dinge, die genannt worden sind als Staunen, als Verehrungsgefühl für das Erforschte, als Gefühl des weisen Einklanges mit den Welterscheinungen und als Ergebung. So wie dann das Ich steht zum astralischen Leib, so macht es für unsere unbefangene Beobachtung den Eindruck: Jetzt steht das Ich richtig, jetzt hat das Ich rückgängig gemacht, was durch den luziferischen Einfluß eingetreten war. Nur dadurch, daß man bis zur höchsten Stufe diese vier genannten Eigenschaften der Seele ausbildet, kann man das ursprüngliche Verhältnis wiederum herstellen. Und wie steht denn dann das Ich zum astralischen Leib? Ja, sehen Sie, das ist eben das Eigentümliche. Sie können das schon entnehmen, wenn Sie gewisse Kapitel aus dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» mit Aufmerksamkeit verfolgen: In dem Zustand, wie der Mensch heute ist, ist er eigentlich fortwährend innig verwoben mit seinem Denken, Fühlen und Wollen. Man kann kaum leicht, nicht wahr, einen Zustand finden im äußeren Bewußtsein, wo der Mensch eigentlich bloß in seinem Ich ist, wo er nicht verwoben ist mit Denken, Fühlen und Wollen. Verlangen Sie nur einmal von sich selber, daß Sie den reinen Gedanken des Ich fassen wollen. Unsere anthroposophischen Freunde, die keuchen fast unter der Anstrengung, den reinen Gedanken des Ich zu fassen, wenn Dr. Unger immer wieder und wiederum verlangt, man soll diesen reinen Gedanken des Ich, abgesehen von all unserem Denken, Fühlen, Wollen, nun wirklich denken. Es ist ein förmliches Die-Puste-Verlieren, wie man in Norddeutschland sagt.“

GA 134, S 57/58

„Sie sehen daraus die Schwierigkeit, zu diesem Ich nur als Gedanken zu kommen, geschweige denn es wirklich herauszuschälen aus diesem Denken, Fühlen und Wollen. Wenn der Mensch so in seiner Seele für gewöhnlich ist, dann schießen diese Gedanken-, Gefühls- und Willensäußerungen durch die Seele; dann auch die Begierden. Da ist er nie abgesondert mit seinem Ich von Denken, Fühlen und Wollen. Das ist es aber, was man durch die vier geschilderten Zustände erreicht: außerhalb des Denkens, Fühlens und Wollens stehen zu können und dies anschauen zu können wie irgend etwas außer uns. So gleichgültig müssen uns unsere eigenen Gedanken werden wie Gegenstände außer uns -, wenn wir nicht mehr sagen: Ich denke, sondern wenn uns unser Denken wie ein sich abspielender Prozeß erscheint, der uns eigentlich gar nichts angeht. Und ebenso muß es mit Fühlen und Wollen werden. Jeder Mensch, der nur ein klein wenig nachsinnt über seine Seeleneigentümlichkeiten, der muß sich sagen: So etwas kann man sich als Ideal vorstellen, als ein Ideal, das erfüllbar ist. Aber es ist der Mensch tatsächlich so vermischt mit seinem Denken, Fühlen und Wollen, daß er sich außerordentlich schwer herauskriegt und es ihm schwierig wird, mit der Gesinnung durch die Welt zu gehen: Da gehe ich durch die Welt und nun führe ich auch noch immer so einen zweiten Gesellen mit mir, der mir anhängt, weil ich mit ihm verwachsen bin, aber der mir wie eine Art Doppelgänger erscheint. Da denkt’s, fühlt’s, will’s neben mir. Ich bin doch ein anderer, ich bin das, was ich in meinem Ich bin; ich gehe nebenher neben dem, was ich wie eine Dreiheit, wie drei Säcke mit mir herumtrage, von denen der eine ausgefüllt ist mit meinem Denken, der andere mit meinem Fühlen und der dritte mit meinem Wollen. Aber bevor man nicht gekommen ist zu der Praktizierung dieser «Drei-Säcke-Theorie», kann man sich keinen rechten Begriff machen von dem Gegenüberstehen des Ich zum Denken, Fühlen und Wollen, wie es ursprünglich beabsichtigt war von den göttlichen Wesen, bevor der luziferische Einfluß an den Menschen herangekommen ist. Zum Zuschauer seiner selbst war der Mensch bestimmt, nicht zum In-sich-Erleben.“

GA 134, S 58/59

„Worin hat denn die eigentliche Versuchung, die ursprüngliche Versuchung bestanden? Sagen wir es uns so trivial als möglich: Darin hat sie bestanden, daß Luzifer – ich werde jetzt ein wenig übersetzen – herangetreten ist an dieses menschliche Ich, das der Mensch hätte erhalten sollen in seiner Reinheit neben dem Astralleib, der ihm schon auf dem Mond gegeben war, und gesagt hat: Sieh einmal, Mensch, das ist langweilig, da immer nur mit diesem einzigen Mittelpunkt «Ich-bin» herumzuwandeln und alles übrige nur anzuschauen. Viel kurzweiliger ist es, du tauchst unter in deinen Astralleib. Ich gebe dir die Kraft dazu, hineinzutauchen in deinen Astralleib, und du bleibst nicht einseitig stehen mit deinem Ich und schaust nur immer hin auf deinen Doppelgänger, sondern tauchst unter in ihn. Und was über dich kommen würde, indem du untertauchst in deinen Astralleib, was wie ein Ertrinken sich ausnehmen würde, das ersetze ich dir, indem ich dir von meiner Kraft etwas gebe. – Da tauchte das Ich unter, und damit es nicht ertränke, bekam es eingeimpft die luziferische Kraft. Und was sich der Mensch aufgenommen hat an luziferischer Kraft, das ist der Überschuß des Ich über den Astralleib, das ist die größere Ichlichkeit, die eigentlich eine Luziferität ist.“

GA 134, S 59

„Wenn Sie nun dieses, was hier als Tabelle sich ergeben hat, anschauen, so werden Sie sagen: Man erkennt daran, wovon eigentlich die ursprüngliche Unordnung ausgegangen ist. Was muß denn die erste Unordnung gewesen sein bei der luziferischen Verführung? Selbstverständlich die, welche wir nennen: Obergewicht des Ich über den Astralleib.“

GA 134, S 61/62

„Davon ging aller luziferische Einfluß aus, daß dem Ich luziferische Kraft zugefügt worden ist, daß dieses Ich sich unrein vermischt hat mit Denken, Fühlen und Wollen und dann das luziferische Übergewicht erhalten hat über den Astralleib. Dadurch hat der Astralleib erst wiederum seinerseits sein Übergewicht über den Ätherleib erlangt. Und jetzt war das Gleichgewicht im Menschen gestört. Das ist so, sehen Sie, wie wenn durch den luziferischen Einfluß ein Schlag ausgeübt worden wäre auf den Astralleib; der seinerseits setzt das fort und hat sein Übergewicht über den Ätherleib. Aber da geht es nicht weiter. Der Ätherleib setzt nicht einfach den Schlag wieder fort. Das ist so, wie wenn Sie auf eine elastische Kugel aufschlagen: da kommen Sie mit dem Schlag bis zu einer gewissen Grenze, dann gibt die Kugel das zurück. Wir können sprechen vom Überschuß des Astralleibes über den Ätherleib; dann dreht sich die Geschichte um, jetzt A kriegt der Ätherleib über den Astralleib ein Obergewicht, er schnappt zurück, schnellt wiederum zurück. Das ist das umgekehrte Übergewicht, hier bei 2. Und dann folgt das Übergewicht des physischen Leibes über den Ätherleib. Diese beiden schlagen zurück. Warum schlagen sie zurück? Aus dem Grunde, weil, während hier Luzifer gewirkt hat, um hinzuschlagen, von der anderen Seite im physischen Leib und Ätherleib Ahriman zurückschlägt. So daß tatsächlich hier in der Mitte, wo auf der einen Seite das Übergewicht des Ätherleibes über den Astralleib und des physischen Leibes über den Ätherleib, und auf der anderen Seite das Übergewicht des Astralleibes über den Ätherleib und des Ich über den Astralleib ist, zusammenprallen Ahriman und Luzifer. Da kommen sie zusammen. Es gibt im Menschenr einen Mittelpunkt, wo sich begegnen in seiner eigenen Wesenheit Luzifer und Ahriman. Da hat der Mensch Gelegenheit, entweder mit dem Luzifer hinzuschwingen und den Astralleib tiefer in den Ätherleib einzubohren, als das gut ist, oder aber er hat Gelegenheit, die Stoßkraft des Ahriman aufzunehmen und den Ätherleib tiefer in den Astralleib hineinschlagen zu lassen, als es richtig und regelmäßig ist. Mit solchen Kraftwirkungen haben wir es zu tun.“

GA 134, S 62

„Hier haben Sie drei Stufen von Stofflichkeit: zuerst die gewöhnliche Stofflichkeit, die Sie draußen in der Sinneswelt antreffen, dann die Stofflichkeit, die Sie in den Pflanzenkörpern finden, und dann die Stofflichkeit, die Sie finden im menschlichen und im tierischen Leib dadurch, daß da Unregelmäßigkeiten zustande gekommen sind. Denken Sie, was wir nun alles tun müßten, wenn wir die verschiedenen Bedingungen für die mannigfaltigen Stoffe in der Welt aufzählen wollten! So mancherlei haben wir ja gestern durch den luziferischen Einfluß entstehen sehen als Unregelmäßigkeiten, haben dann gesehen, wie wiederum die Ätherleiblichkeit überwiegen kann die Astralleiblichkeit. Wenn in eine solche Astralleiblichkeit, die überwogen ist von Ätherleiblichkeit, Geist hineinsprüht in gewisser Weise, dann entsteht Muskelmaterie. Deshalb, sehen Sie, haben Nervenmaterie und Muskelmaterie ein so sonderbares Aussehen, das sich mit allem andern, was draußen ist, nicht vergleichen läßt, weil sie auf so komplizierte Weise entstehen. Es ist so vorzustellen, daß Sie die Unterschiede ins Auge fassen müssen, wie wenn Sie irgendein flüssiges Metall aussprengen, zunächst in die freie Luft und dann ins Wasser und dann vielleicht in feste Materie hineinspritzen lassen: auf so komplizierte Weise kommen die verschieden gearteten Materien in der Welt zustande. Das Hauptsächlichste, das ich heute damit wollte, war, Ihnen zu zeigen, in welche Tiefen des Seins man hinuntersteigen muß, wenn man diese Dinge wirklich ergründen will. Wenn Sie nämlich Geist nun einsprühen lassen in das, was noch weiter materiell folgt, in das, wo das Ich hineinwirkt mit Überschuß in den Astralleib, wenn also Geist hineinsprüht und zerstiebt in das, was ihm da entgegentritt in jener Unregelmäßigkeit der Leiblichkeit, die zustande gekommen ist dadurch, daß das Ich in seiner Ichlichkeit den Astralleib überwiegt, da entsteht – aber erst auf vielen Umwegen – Knochenmaterie. Es hängt also im wesentlichen, wie Sie sehen, davon ab, wie Materie aufsprüht, zusammenschießt, wenn sie also aus dem Geiste entsteht. Halten Sie dies nun fest, was ich Ihnen gesagt habe, wenn Sie es auch im einzelnen nicht mit Ihren Gedanken verfolgen können. Den Sinn des Ganzen werden Sie erfaßt haben, der darin liegt, daß man Materie überall als zersprühenden, zerberstenden Geist anzusehen hat, daß aber schon etwas entgegenkommen kann dem zerberstenden Geist. Und je nachdem dieses oder jenes ihm entgegenkommt, wird er gleichsam zersprüht in anderes hinein und es entstehen die verschieden konfigurierten Materien: Nerven-, Muskel-, Pflanzenmaterie und so weiter.“

GA 134, S 77/78

„Diese Blutsubstanz als solche war nämlich ursprünglich veranlagt, auch bis zu einer gewissen Grenze der Form zu kommen. Denken Sie sich, da (a) wären rein geistige Formstrahlen der Blutsubstanz, hier (b) wäre seine Kraft erschöpft. Nun sollte aber das Blut vermöge seiner ursprünglichen Anlage nicht versprühen, so daß es in den Raum hinaussprüht, sondern es sollte nur hier (b) an der Grenze ein klein wenig, ich möchte sagen, materiell werden und dann in sich selber zurücksprühen (Punkte nach oben), wiederum unmittelbar zurück ins Geistige sprühen. So hätte das Blut werden sollen. Also es hätte das Blut, wenn ich mich grob ausdrücken soll, gleichsam nur immer bis zu einer feinen Häutchenbildung es bringen sollen, bis zum Anfang des Materiellen, so daß es immer nur für einen Moment aus dem Geistigen herausschießt, gerade bis zum materiellen Wahrnehmen ein wenig Materie wird, dann wiederum ins Geistige zurückschießt und wiederum vom Geistigen aufgenommen wird. Ein fortwährendes Herauswogen und Zurückschießen ins Geistige, das hätte das Blut werden sollen. Dazu hat nämlich das Blut seine Anlage. Also das Blut sollte sein ein fortwährend bloßes Aufglänzen, Aufleuchten im Materiellen und sollte eigentlich etwas ganz Geistiges sein. Das wäre es geworden, wenn die Menschen im Beginne der Erdenevolution nur von den Geistern der Form aus ihr Ich bekommen hätten; dann würden die Menschen nämlich dieses Ich empfinden durch den Widerstand, den dieses momentane Aufleuchten im Blut bedeutet. In dem Aufleuchten im Blute würde der Mensch empfinden das «Ich bin», und das würde das Organ seiner Ich-Wahrnehmung sein. Das wäre aber die einzige Sinneswahrnehmung, die der Mensch überhaupt hätte, denn die anderen wären nicht da, wenn alles gegangen wäre ohne luziferischen Einfluß. Das wäre ein Mitleben mit dem waltenden Willen. Zugedacht war dem Menschen als einzige Sinneswahrnehmung diese: in dem Aufglänzen der Blutsubstanz und gleich wieder Zurückschießen in das Geistige sein Ich wahrzunehmen. Statt daß der Mensch Farben sieht, Töne hört, Geschmäcke wahrnimmt, sollte er eigentlich in dem waltenden Willen leben; das sollte wie ein Schwimmen in dem waltenden Willen sein. Zugedacht war ihm, daß er aus dem geistigen Weltenall, in das er hineinversetzt wäre als bloße Imagination, Inspiration, Intuition, herunterschaute auf ein Wesen auf der Erde oder im Umkreise der Erde, von dem er nicht fühlte: Ich stecke da drinnen, – sondern: Ich schaue da hinunter, das gehört zu mir, da glänzt mir als einzig Materielles auf, was materiell werdendes, spirituelles Blut ist, und darin nehme ich mein Ich wahr.

Die einzige Sinneswahrnehmung, die hätte kommen sollen, ist eigentlich die Wahrnehmung des Ich, und die einzige Substanz im Materiellen, die dem Menschen zugedacht war, ist das Blut in dieser Form des momentanen Aufglänzens. So daß der Mensch, wenn er so geworden wäre, wenn er der paradiesische Mensch geblieben wäre, aus dem Weltall herunterschauen würde auf das, was bestimmt ist, ihn auf dieser Erde zu symbolisieren und ihm das Bewußtsein des Ich zu geben. Ein rein geistiges Wesen, aus Imaginationen, Inspirationen, Intuitionen bestehend, in denen aufschießt mit dem aufglänzenden Blute das Ich. Und in diesem Aufglänzen könnte der Mensch sagen: Ich bin, denn ich bewirke das, was da unten von mir ist.

Nicht wahr, es ist sonderbar, aber es ist wirklich so, daß man sagen kann: Eigentlich war der Mensch dazu bestimmt, im Umkreise der Erde zu leben. Wenn nun hier (a) ein Mensch im Umkreise lebt, so sollte er auf der Erde selbst sein Spiegelbild (b) hervorbringen, und nur durch dieses Aufglänzen sein Ich wieder zurückstrahlen und sagen: Da unten ist das Zeichen für mich. So hätte es nicht kommen sollen, daß der Mensch seinen Knochen-, Muskel-, Nervenmenschen, seinen Drüsenmenschen mit sich herumträgt und gar noch fortwährend das groteske Urteil fällt: Das bin ich; sondern anders hätte es kommen sollen. Im Umkreise des Erdplaneten hätte der Mensch leben sollen und ein Zeichen eingraben in der Erde durch die aufglänzende Blutform und sagen: Da schlage ich meinen Pfahl ein, mein Siegel und mein Zeichen, das mir das Bewußtsein meines Ich beibringt. Denn mit dem, was ich geworden bin aus Saturn-, Sonnen- und Mondendasein, schwebe ich draußen im Weltenall. Ich brauche nur das Ich hinzuzufügen. Das aber nehme ich dadurch wahr, daß ich mich da unten einschreibe und immer lesen kann in dem aufglänzenden Blut, was ich bin. – Also nicht dazu sind wir ursprünglich bestimmt als Menschen, daß wir in solchen Knochen- und Fleischesleibern herumwandeln, wie wir sind, sondern dazu, daß wir die Erde umkreisen und unten Eintragungen machen und an diesen erkennen, daß wir das sind, daß wir ein Ich sind. Wer dies nicht berücksichtigt, kennt nicht das Wesen des Menschen.

Nun kam Luzifer und brachte den Menschen dazu, daß er nicht nur sein Ich als Sinneswahrnehmung, sondern auch alles das als sein Ich empfinden solle, was er schon auf dem Mond gehabt hat als Astralleib: Denken, Fühlen und Wollen. Das Ich wurde damit vermischt. Damit aber war die Notwendigkeit gegeben, daß der Mensch in die Materie herunterfiel. Die Vertreibung aus dem Paradies ist der Fall in die Materie. Und zunächst geschah jene Veränderung an dem Blute des Menschen, die dadurch zustandekam, daß nun das Blut nicht bloß aufglänzt für einen Augenblick und wieder zurückgenommen wird in die Geistigkeit, sondern daß tatsächlich die Blutsubstanz hindurchdringt und zersprüht, veranlagt wurde zum Zersprühen. Und so sprüht die Blutsubstanz, die eigentlich zurückkehren sollte ins Geistige, in dem Augenblick, wo sie materiell wird, in den übrigen Menschen hinein und füllt seine übrige Organisation aus, entsprechend sich verändernd nach den Kräften dieser Organisation. Je nachdem sie eindringt in einen Überschuß, sagen wir des physischen Leibes über den Ätherleib oder des Ätherleibes über den Astralleib und so weiter, wird sie zur Nerven-, Muskelsubstanz und so weiter. So drängte Luzifer das Blut zu seiner gröberen Stofflichkeit. Während das Blut bestimmt war, gerade aufzusprühen und gleich wieder als Materie zu verschwinden, ließ Luzifer das Blut hereinfahren in die grobe Stofflichkeit. Das ist die unmittelbare Tat, die er im Stoffe vollbracht hat, dieser Luzifer, daß er eigentlich das Blut, so wie es ist, als Materie fabriziert hat, während er in die anderen Dinge wenigstens nur Unordnung hineingebracht hat. Das Blut wäre überhaupt nicht so da, wie es da ist, sondern nur in seiner Geistigkeit, die nur bis zur Grenze der Materialität kommt, nur bis zu dem Status nascendi, dann gleich wiederum zurückgeht. So wie es materiell da ist, ist das Blut luziferische Schöpfung, und indem der Mensch mit dem Blute zugleich den physischen Ausdruck seines Ich hat, ist der Mensch mit seinem Ich verknüpft hier auf dieser Erde mit der Schöpfung des Luzifer. Und da wiederum Ahriman an den Menschen herangekommen ist dadurch, daß Luzifer vorher da war, so können wir sagen: Das Blut ist das, was Luzifer hingeworfen hat, daß es Ahriman auffangen konnte, so daß beide nun an den Menschen herankommen können. Brauchen wir uns nun noch zu wundern, daß im Sinne einer uralten Empfindung Luzifer-Ahriman das Blut als sein irdisches Eigentum betrachtet? Wundern wir uns noch, daß er mit dem Blute seine Verträge schreiben läßt und daß er Wert darauf legt, daß ihm Faust mit seinem Blut den Vertrag unterschreibt? Denn das ist ganz und gar dasjenige, was ihm zukommt. Alles übrige enthält in gewisser Beziehung ein Göttliches; bei dem ist ihm nicht recht wohl. Selbst die Tinte ist für Luzifer göttlicher als das Blut, das so recht sein Element ist.“

GA 134, S 94-98

„Wenn wir dies, was jetzt geschildert worden ist, ins Auge fassen, so werden wir sagen: Die Menschen hatten dann offenbar von dem Ursprunge der Erdenentwickelung aus ein Gemeinsames. Sie hatten zunächst etwas sehr Gemeinsames im Blut, nämlich daß, wenn das Blut so geblieben wäre, wie es dem Menschen bestimmt war, dieses Blut eigentlich ein reiner Ausfluß wäre der Geister der Form. So daß also in dem ursprünglichen Blute die Geister der Form in uns leben würden. Diese Geister der Form sind, wie die meisten von Ihnen nun schon wissen, nichts anderes als die sieben Elohim der Bibel. Sie brauchen nur den Münchener Zyklus von der Genesis durchzublättern, so werden Sie darauf kommen: Der Mensch wäre, wenn er dies behalten hätte, was sein Blut ursprünglich hätte werden sollen, so, daß er in sich fühlen würde die sieben Elohim. Das heißt, sein Ich würde er in einer Siebengliedrigkeit empfinden, wovon eines das Hauptglied wäre, das dem Jahve oder Jehova entspricht, und die anderen sechs wären zunächst Nebenglieder für den Menschen. Diese Siebengliedrigkeit, die der Mensch als sein Ich empfinden würde wie Hereinragungen der sieben Elohim oder Geister der Form, die würde dem Menschen ursprünglich, wenn sein Blut durch Luzifer nicht verdorben worden wäre, das beigebracht haben, was wir jetzt uns mit großer Mühe wieder aneignen als Erkenntnis der siebengliedrigen Menschennatur. So lange hat die Menschheit durch ihr verdorbenes Blut warten müssen darauf, zu erkennen, daß eigentlich eine Siebengliedrigkeit hereinspielt, so lange, bis sie umgekehrt durch genügende Ausstrahlungen von intuitiver, inspirativer und imaginativer Substanz aus Nerven, Muskeln und Knochen reif geworden ist, diesen Menschen wiederum hereinzubekommen, diese siebengliedrige Menschennatur! Jetzt sind wir eben dabei, erst in abstrakter Form aufzuzählen jene Natur des Menschen, die ins Ich vom physischen Leib und vom Ätherleib hereinspielt, jene Natur, die hereinspielt vom Astralleib, von sich selbst – Jahve oder Jehova -, die hereinspielt vom Manas oder Geistselbst, jene Natur, die hereinspielt von Budhi oder Lebensgeist, und jene, die hereinspielt vom Atma oder Geistesmenschen. Aber der Mensch hätte es nicht bringen können zu einer speziellen Verdunkelung der sechs anderen Glieder und einer besonderen Erhellung des einen Gliedes, des Ich, wenn nicht abkommandiert worden wäre Luzifer im Verlaufe der Weltenentwickelung. Und daß beim Beginne der Erdenentwickelung verdunkelt worden sind die anderen Glieder und das Ich besonders hell, zu einer helleren Ichlichkeit erleuchtet worden ist, das ist materiell dadurch geschehen, daß dieses Ich hereinbefördert worden ist in die dichte Materie, damit es so recht zu seinem Bewußtsein als Einzelheit, als Singularität hat kommen können, während es sich sonst vom Anfang an als Siebenheit gefühlt hätte.“

GA 134, S 99/100

„So sehen wir, daß auf der einen Seite der Mensch, wenn sein Blut geblieben wäre, wie es war, zu einem Ich gekommen wäre, das von vorneherein einen siebenfältigen Charakter gehabt hätte. Dadurch, daß Luzifer dem Menschen beigegeben worden ist, ist er gekommen zu dem Einheitscharakter des Ich, ist er dazu gekommen, das Ich als den Mittelpunkt seines Wesens zu empfinden, zu fühlen, zu wissen. Daher können wir es begreifen, daß im Grunde genommen – weil dieselben sieben Elohim sich durch alle menschlichen Iche anfangs hätten offenbaren sollen – in dem, wozu das Blut ursprünglich veranlagt war, etwas die Menschen Zusammenbringendes, die Menschen Vergesellschaftendes lag, etwas von dem, daß sich die Menschen gefühlt hätten als ein gemeinsames Menschengeschlecht. In dem, was Luzifer dem Menschen gab, liegt, daß der Mensch sich als Einzel-Ich, als besondere Individualität fühlt und sich herausgliedert in seiner Selbständigkeit aus dem allgemeinen Menschengeschlecht. Daher sehen wir auch, daß der Weltprozeß auf der Erde so verläuft, daß der Mensch durch Luzifer veranlaßt wird, immer selbständiger und selbständiger zu werden, während er durch die sieben Elohim veranlaßt wird, immer mehr und mehr sich als Glied der gesamten Menschheit zu fühlen. Wie das nun sich für die Moralität und das ganze Leben der Menschheit in ihrer Entwickelung darstellt, davon wollen wir dann morgen weiter reden.“

GA 134, S 100/101

„Die alten Zeiten hatten das noch nicht so notwendig, weil sie Geistiges aus ihrem Innern heraussetzen konnten, sie hatten einen Reservefonds. Der ist aber seit der vierten nachatlantischen Kulturepoche so weit erschöpft, daß in der Zukunft nur immer das in gewisser Weise herausgesetzt werden kann, was zuerst eingeatmet, eingesogen wurde. Daß der Mensch in diese neue Mission seines Erdendaseins sich verständnisvoll hineinfinden könne, dazu ist ja gerade Anthroposophie oder Geisteswissenschaft da, welche den Menschen, die heute schon einen Zug zu ihr hin haben, wahrhaftig nicht aus dem Grunde gefällt, weil unter anderen Marotten eben auch diese geisteswissenschaftliche Marotte einmal in die Welt gekommen ist; sondern Geisteswissenschaft oder Anthroposophie hängt im Innersten zusammen mit der ganzen Erdenentwickelung, hängt damit zusammen, daß der Mensch darauf angewiesen ist, nach und nach Verständnis für das Geistige um sich herum zu entwickeln. Denn die Menschen, die von unserer jetzigen Zeit ab kein Verständnis entwickeln werden für den Geist hinter den Sinnen, für die geistige Welt hinter der Sinneswelt, sie werden denen gleichen, welche im physischen Leibe ihr Atmungssystem so verdorben haben, daß sie keine Luft bekommen können zum Atmen, daß sie an Atemnot leiden. Heute ist es noch so, weil ein gewisses Erbgut uralter menschlicher Weisheit in Begriffen geblieben ist, daß die Menschen von diesen alten Begriffen zehren. Wer aber mit geistigen Augen die Entwickelung der Menschheit in der letzten Zeit betrachtet, der wird wahrnehmen: Wieviel auch im äußeren Materiellen die Erfindungen und Entdeckungen sich häufen, geistiger Inhalt ist in einer gewissen Weise merkwürdig der Erschöpfung entgegengegangen. Neue Begriffe, neue Ideen, sie sprießen der Menschheit immer weniger. Nur diejenigen, welche die alten Ideen nicht kennen und immer das Alte gerade für sich wiederum entdecken, das heißt, die in gewisser Weise ihr ganzes Leben lang etwas unreif bleiben, nur die können glauben, daß jetzt neue Ideen als solche reifen können. Nein, die Welt der abstrakten Ideen, die Welt der Verstandesideen, sie hat sich erschöpft. Neue Ideen sprießen nicht mehr.“

GA 134, S 116

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