Kleiner Hüter / Ich / Monade

RS ICH (2)

Der Begriff des „ICH“ bei Rudolf Steiner

Quelle GA  R.Steiner

„Ebenso, wie sorgfältig vorbereitet wurden diese Feste zur Johannizeit, um die große Frage an den Kosmos zu stellen, damit der Kosmos zu dieser Zeit dem Menschen verbürge, daß er ein Ich hat, das nur eben die Himmel in Schutz genommen haben, so wurde in derselben Weise vorbereitet das Wintersonnenwendefest, das Tiefwinterfest, das jetzt zu unserem Weihnachtsfest geworden ist. Aber wie zur Johannizeit alles getaucht war in das musikalisch‑poetische Element, in das tänzerische Element, so war in der Tiefwinterzeit alles zunächst so vorbereitet, daß die Menschen wußten: sie müssen still werden, sie müssen in ein mehr beschauliches Element hineinkommen. Und dann wurde hervorgeholt alles, was in alten Zeiten, von denen die äußere Geschichte ja nichts berichtet, von denen man nur wissen kann durch die Geisteswissenschaft, was in alten Zeiten da war während der Sommerzeit an verbildlichten Elementen, an plastisch verbildlichten Elementen, die ihren Höhepunkt erreichten in jenen tänzerischen, musikalischen Festen, von denen ich Ihnen soeben gesprochen habe. Während jener Zeit kümmerte sich die alte Menschheit, die gewissermaßen da aus sich herausging, um sich mit dem Ich in den Himmeln zu vereinigen, nicht um dasjenige, was man damals lernte. Außerhalb des Festes hatten sie ja zu tun mit der Besorgung all dessen, was eben in der Natur für den menschlichen Unterhalt zu besorgen war. Das Lehrhafte fiel in die Wintermonate, und das erlangte auch seine Kulmination, seinen Festesausdruck eben zur Wintersonnenwende, zur tiefen Winterzeit, zur Weihnachtszeit.“

TB 719, S 65/66

„So wie also in jenen alten Mysterienzeiten vermittelt wurde das Ich-Bewußtsein von den Himmeln herein, so wurde die menschliche Gestaltempfindung vermittelt aus der Erde heraus. Der Mensch lernte zur Weihnachtszeit die Erde in ihrer Formkraft, in ihrer plastisch bildnerischen Kraft kennen und lernte erkennen, wie ihm die Sphärenharmonien sein Ich hereinklangen in sein Traumbewußtsein zur Johannizeit im Hochsommer. Und so erweiterten zu besonderen Festeszeiten die alten Mysterien das Menschenwesen. Auf der einen Seite wuchs die Umgebung der Erde in den Himmel hinaus, damit der Mensch wissen konnte, wie die Himmel sein Ich in Schutz halten, wie da sein Ich ruht. Und zur Weihnachtszeit ließen die Mysterienlehrer die Erde auf die Anfrage der Menschen auf dem Wege durch das plastische Bilden antworten, damit der Mensch da allmählich das Interesse bekam für die menschliche Gestalt, für das Zusammenfließen aller tierischen Gestalt in die menschliche Gestalt. Der Mensch lernte sich innerlich seinem Ich nach in der Hochsommerzeit kennen; der Mensch lernte sich äußerlich in bezug auf seine Menschenbildung erfühlen in der tiefen Winterzeit. Und so war das, was der Mensch als sein Wesen empfand, wie er sich eigentlich fühlte, nicht allein zu erlangen dadurch, daß man einfach Mensch war, sondern daß man mit dem Jahreslauf mitlebte, daß einem, um zum Ich‑Bewußtsein zu kommen, die Himmel die Fenster öffneten, daß, um zum Bewußtsein der menschlichen Gestalt zu kommen, die Erde gewissermaßen ihre Geheimnisse entfaltete. Da war der Mensch eben innig, intim verbunden mit dem Jahreslaufe, so intim verbunden, daß er sich sagen mußte: Ich weiß ja von dem, was ich als Mensch bin, nur dann, wenn ich nicht stumpf dahinlebe, sondern wenn ich mich erheben lasse im Sommer zu den Himmeln, wenn ich mich einsenken lasse im Winter in die Erdenmysterien, in die Erdengeheimnisse.“

TB 719, S 68/69

„Erinnern wir uns daran, wie die Menschen unter diesem alten Mysterieneinfluß zur Hochsommerzeit, zu der Zeit, die wir heute als die Johannizeit empfinden, ein gewisses Verhältnis zu ihrem Ich empfunden haben; zu demjenigen Ich aber, das sie dazumal noch nicht sich selbst ausschließlich zuschrieben, sondern das sie noch versetzten in den Schoß des Göttlich‑Geistigen. Diese Menschen glaubten eben, daß sie durch alle diese Verrichtungen, die ich geschildert habe, sich während der Hochsommerzeit ihrem Ich näherten, das sich durch den übrigen Jahreslauf hindurch vor den Menschen verbirgt. Natürlich dachten sich die Menschen als ganzes Wesen überhaupt im Schoße des Göttlich‑Geistigen befindlich. Allein sie dachten, während der übrigen Dreiviertel des Jahres offenbart sich ihnen nichts von dem, was zu ihnen als ihr Ich gehört; nur in diesem einen Viertel, das seinen Höhepunkt zur Johannizeit hatte, da offenbart sich ihnen gewissermaßen durch ein Fenster, das hereinerrichtet war aus der göttlich‑geistigen Welt, die Wesenheit ihres eigenen Ich.“

TB 719, S 72

„Nun wurde aber diese Wesenheit des eigenen Ich innerhalb der göttlich‑geistigen Welt, in der sie sich offenbarte, nicht in einem so neutralen, gleichgültigen, ja, man kann schon sagen phlegmatischen Erkenntniswege gedacht, wie das heute der Fall ist. Wenn heute von dem Ich gesprochen wird, so denkt ja der Mensch eigentlich dabei kaum irgendwelche wirkliche Beziehung zu dieser oder jener Welt. Er denkt sich das Ich gewissermaßen als einen Punkt, von dem ausstrahlt, was er tut, in den einstrahlt, was er erkennt. Aber es ist durchaus eine Art phlegmatischer Empfindung, die der Mensch heute gegenüber seinem Ich hat. Man kann nicht einmal sagen, daß der heutige Mensch in seinem Ich, trotzdem dieses ja das Ego ist, den eigentlichen Egoismus empfindet; denn wenn er ehrlich sein will, kann er sich ja gar nicht sagen, er habe sein Ich besonders gern. Er hat seinen Leib gern, er hat seine Instinkte gern, er hat diese oder jene Erlebnisse gern. Aber das Ich ist ja nur ein Wörtchen, das als Punkt empfunden wird, und in dem eben all das Angedeutete so mehr oder weniger zusammengefaßt wird. Aber in jener Zeit, in der die Annäherung an dieses Ich festlich begangen wurde, in der man schon lange Vorbereitungen machte, um gewissermaßen sein Ich im Weltenall zu treffen, in der Zeit, in der man dann wiederum empfand, wie dieses Ich sich allmählich zurückzog und den Menschen mit seinem leiblich-seelischen Wesen ‑ was wir heute nennen würden physisch‑ätherischastralisches Wesen ‑ allein ließ, in jener Zeit empfand man das Ich wirklich in Beziehung zu dem ganzen Kosmos, zu der ganzen Welt.

Aber was man vor allen Dingen empfand gegenüber diesem Ich in seinem Verhältnis zur Welt, das war nicht etwas Naturalistisches, wenn wir das heutige Wort gebrauchen, das war nicht etwas, was nur als äußere Erscheinung aufgefaßt wurde, sondern es war etwas, was im wesentlichen als der Mittelpunkt der alten, der uralten moralischen Weltanschauung galt. Man nahm nicht an, daß dem Menschen große Naturgeheimnisse geoffenbart wurden in dieser Zeit. Gewiß, solche Naturgeheimnisse ‑ wir haben sie gestern ausgesprochen ‑, auf die achtete der Mensch nicht in allererster Linie damals, sondern er hatte die Empfindung, daß vor allen Dingen dasjenige, was er als moralische Impulse in sich aufnehmen soll, sich in dieser Hochsommerzeit offenbart, in der Licht und Wärme ihren höchsten Stand erreichen. Es war die Zeit, die der Mensch empfand als die göttlich‑moralische Erleuchtung. Und was man vor allen Dingen als Antwort von den Himmeln erhalten wollte durch die musikalischen, poetischen, tänzerischen Aufführungen, die damals gepflegt wurden, was man erwartete, das war, daß sich offenbarte aus den Himmeln in allem Ernste dasjenige, was die Himmel in moralischer Beziehung von den Menschen verlangten.“

TB 719, S 73/74

„Wenn wir das Verhältnis des Menschen zur Natur und zur ganzen Welt ins Auge fassen, das der Mensch heute hat, so werden wir sagen können, wenn wir nur unbefangen genug dieses heutige Verhältnis mit dem Verhältnis der früheren Zeiten vergleichen können: Der Mensch ist eigentlich im Grunde genommen heute ein wahrer Einsiedler gegenüber den kosmischen Mächten geworden, ein Einsiedler insofern, als er durch seine Geburt in das physische Dasein hereingeführt wird und nicht mehr jene Erinnerungen an das vorirdische Dasein hat, die wirklich einmal die ganze Menschheit hatte. In der Zeit, in welcher der Mensch sonst nur zum Gebrauche seiner Verstandes‑ und Gedächtniskräfte erwächst, bis zu welcher man sich im Erdenleben zurückerinnert, hatte einmal in der ganzen Menschheit der Mensch in den älteren Epochen der Menschheitsentwickelung zugleich das Aufleuchten einer wirklichen Erinnerung, eines wirklichen Zurückschauens an vorirdische Erlebnisse, an Erlebnisse, die er als geistig‑seelisches Wesen vor seinem Erdenleben durchgemacht hat. Das ist das eine, was den Menschen gewissermaßen zum Welteneinsiedler heute macht, daß er sich nicht bewußt ist, wie sein irdisches Dasein an ein Geistdasein angeschlossen ist. Das andere ist dieses, daß der Mensch heute seinen Blick hinausrichtet in die weiten des Kosmos daß er die äußeren Gestalten der Sterne und Sternbilder schaut, daß er aber ein inneres geistiges Verhältnis zu dem Geistigen im Kosmos nicht mehr hat. ja, man kann auch weiter gehen. Der Mensch richtet heute seinen Blick auf die Reiche der Natur, die ihn auf der Erde umgeben, auf die mannigfaltige Schönheit der Pflanzen, auf das Gigantische der Berge, auf die ziehenden Wolken und so weiter; allein auch da muß er sich auf dasjenige beschränken, was Eindruck macht auf seine Sinne, er fürchtet sich sogar sehr häufig, wenn er eine intimere, tiefere Beziehung zu den Weiten der Natur bekommt, daß ihm die naive Anschauung der Natur verlorengehen könne. Aber so notwendig diese Entwickelungsphase der Menschheit dazu war, daß der Mensch dasjenige entwickele, was wir im Bewußtsein der Freiheit, im Freiheitsgefühl erleben, so notwendig das für den Menschen war, um zu seinem vollen Selbstbewußtsein zu kommen, zu jener inneren Stärke, die das Ich mit voller Kraft im Menschen sich aufrichten läßt, so notwendig, wie gesagt, dieses Einsiedlerleben des Menschen im Kosmos war: es darf nur ein Übergang sein zu einer andern Epoche, in welcher der Mensch wiederum den Weg zurückfindet zu dem Geistigen, das allen Dingen und Wesenheiten denn doch zugrunde liegt. Und gerade dieses Zurückfinden zum Geistigen muß durch diejenige Kraft erreicht werden, die dem Menschen werden kann, wenn er die Michael‑Idee in ihrer wahren Gestalt und in derjenigen Gestalt, die sie für unsere Zeit annehmen muß, im rechten Sinne ergreifen kann.“

TB 719, S 106/107

„Wer diejenige feine Empfindung gegenüber der Natur, die ich charakterisieren wollte, nach und nach sich aneignet ‑ und der Anthroposoph wird nach einiger Zeit bemerken, daß dies das Gefühlsresultat, das Gemütsresultat seines anthroposophischen Strebens sein kann ‑, wird unterscheiden lernen: Naturbewußtsein, das da entsteht während der Frühlings‑ und Sommerzeit, und eigentliches Selbstbewußtsein, das da sich wohlfühlt während der Herbstes‑ und Winterzeit. Naturbewußtsein: die Erde entwickelt, wenn der Frühling kommt, ihr sprießendes, sprossendes Leben. Und wer die richtige Empfindung gegenüber diesem sprießenden, sprossenden Leben hat, wer sprechen läßt in sich, was da eigentlich während des Frühlings vorhanden ist ‑ man braucht es nicht bewußt zu haben, es spricht auch im Unterbewußtsein zum vollen menschlichen Leben ‑, wer das alles hat, der sagt nicht bloß: Die Blume blüht, die Pflanze keimt ‑, sondern der fühlt wahrhaftig ein Hingegebensein an die Natur, so daß er sagen kann: Mein Ich blüht in der Blume, mein Ich keimt in der Pflanze. ‑ Dadurch erst entsteht Naturbewußtsein, daß man mitmachen lernt dasjenige, was im sprießenden, sprossenden Leben sich entwickelt, sich entfaltet. Mit der Pflanze keimen können, mit der Pflanze blühen können, mit der Pflanze fruchten können: das ist das, was Herausgehen des Menschen aus seinem Inneren bedeutet, was Aufgehen in der äußeren Natur bedeutet. Geistigkeit entwickeln, bedeutet wahrhaftig nicht, sich verabstrahieren. Geistigkeit entwickeln bedeutet, dem Geist in seinem Weben und Werden nachfolgen können. Und wenn so der Mensch, indem er mit der Blüte blüht, mit dem Keime keimt, mit der Frucht fruchtet, selber in seiner feinen Naturempfindung die Frühlings‑ und Sommerzeit hindurch dieses Naturempfinden entwickelt, so bereitet er sich dadurch vor, gerade in der Hochsommerzeit hingegeben an das Weltenall, an den Sternenhimmel zu leben. Dann wird jedes Leuchtkäferchen etwas wie eine geheimnisvolle Offenbarung des Kosmischen; dann wird, ich möchte sagen, jeder Hauch in der Atmosphäre zur Hochsommerzeit eine Ankündigung vom Kosmischen innerhalb des Irdischen.“

TB 719, S 157

„Ebenso ist der vierte Brief ‑ an die Gemeinde von Thyatira ‑ an das Gebiet gerichtet, wo das Persönlichkeitsgefühl der Menschheit zur Darstellung kommt. Dieses «Ich» spielt bei all denen, die die Menschennatur herunterführen wollen, eine große Rolle. In der mitteleuropäischen Esoterik insbesondere wird das Ich überhaupt als der Mittelpunkt, als das eigentlich Aktive und Arbeitende des Menschen dargestellt. Der Mensch ist gleichsam wie ein Zusammenfluß von Kräften, die zusammenfließen in seinen Astralleib, Ätherleib und physischen Leib, und das Ich wird dargestellt als dasjenige, was an diesen drei Gliedern arbeitet. In der germanischen Mythe wird das dargestellt durch den Baum, der die Weltesche ist, das Symbolum für die dreigliedrige Menschennatur. Der Mittelpunkt für diese dreigliedrige Menschennatur ist das Ich; indem es sich eingegliedert hat, trägt es den ganzen Baum des menschlichen Werdens und Wachsens. «Ygg» ist die alte Form des Werdens und Wachsens. Das finden Sie in den alten Sprachformen als Bezeichnung für das, was eingegliedert ist. Die Weltesche heißt «Yggdrasil». Yggdrasil heißt das «tragende Ich» und der Name des Gottes, der mit der Ich‑Bildung zusammenhängt, ist ebenfalls von daher genommen. Im Laufe der Entwickelung hat der Mensch zuerst das Atemeinziehen gelernt; das hängt zusammen im Hebräischen mit dem Wort «Jehova». In der altdeutschen Sprache entspricht das dem Odin, der ein Windgott ist, der im Sturm dahinrast. «Jach» (Jahve) ist der «Wehende», und wenn wir von Wotan und seinem Heer sprechen, das im Sturme dahinsaust, so sprechen wir von dem Odem, der für die Ich‑Werdung nötig war. In der christlichen Esoterik wird überhaupt auf dieses Wort, als den Namen für das Ewige in der Menschennatur, ein ganz besonderer Wert gelegt, und es wird daher dargestellt als das, was die übrigen Leiber trägt, was ihren Mittelpunkt bildet. Bringen Sie sich in der deutschen Übersetzung nur eine Stelle vor die Seele: «Und er soll sie weiden mit einem eisernen Stabe, und wie eines Töpfers Gefäß soll er sie zerschmeißen, wie ich von meinem Vater empfangen habe und will ihm geben den Morgenstern.» (Apk. 2, 27 und 28) Dieses «Ich» bedeutet dasselbe, was den eigenen Namen des Christus Jesus bedeutet, wo hier fast in jedem Satze das Wort Ich wiederkehrt, um anzudeuten, daß es das Ewige in der Menschennatur ist. So könnten Sie überall sehen, daß das gemeint ist, was ich gesagt habe.“

GA 104a, S 49/50

„In der Bibel erlebt der Mensch die Götterkraft, die ihm zufließt, als das «Manna». Nehmen wir jetzt die volle Charakteristik des Zeitraumes: Es offenbart sich Jehova auf Sinai im brennenden Dornbusch. «Da sprach Jahve zu Moses: Ich bin der Ich‑bin.> Und er sprach: So sollst du den Söhnen Israels sprechen: Der Ich‑bin hat mich zu euch gesandt.> » (Vgl. 2. Mose 3, 14) Damit wurde den Menschen gesagt: Der Ich‑bin hat mich zu euch gesandt! Jahve ist der Name des unaussprechlichen Gottes. Niemals kann der Name «Ich» zum Menschen von außen erklingen; das ist der intime Gottesname, den der Mensch nur geheiligt empfangen durfte in der Brust. Der wurde geschrieben auf den Altar der Stiftshütte. Daher heißt es: «Wer überwindet, dem will ich geben vom verborgenen Manna, und will ihm einen weißen Stein geben und darauf einen neuen Namen geschrieben … »(Vgl. Apk. 2, 17) Diejenigen, die das Ich empfingen, lernten durch innere Geisteskraft den Namen mit dem verborgenen Manna erkennen. Dadurch, daß sich der Christus im menschlichen Leibe auf der Erde enthüllte, dadurch sollten die Menschen lernen, nicht wie die Asketen das physische Dasein zu verachten; sie sollten lernen, daß diese Erde ihnen etwas zu geben hat. Daher soll man nicht auslöschen den Durst nach Dasein, nur läutern soll man seine Begierden. Der Westen sollte sich sagen: «Hier wird gearbeitet; hier werden die Hände gerührt und das, was man sich hier erarbeitet, das nimmt man mit durch die Pforte des Todes.» Nicht Wunder wollen wir erzählen, sondern durch Legenden uns einmal klarmachen, was der Menschheit als Weisheitslehre gegeben worden ist.“

GA 104a, S 86/87

„Das Ich des Jesus von Nazareth hat ja die drei Hüllen bei der Johannestaufe verlassen; aber es ist doch ein Abbild dieses Ichs gleich einem Siegelabdruck verblieben in den drei Hüllen. Von diesen drei Leibern nimmt die Christus‑Wesenheit Besitz, aber auch von noch etwas, das wie ein Abdruck des Jesus-Ichs zurückbleibt. So etwas wie eine Ich‑Kopie des Jesus wird einverwoben vom 12., 13. und 14. Jahrhundert ab in solche Menschen, die nun zu sprechen beginnen von einem «inneren Christus». Meister Eckhart Tauler, sie sprechen dann aus ihrer eigenen Erfahrung heraus wie ein Ich‑Abdruck von Jesus von Nazareth.“

GA 104a, S 102/103

„Es sind nun noch viele Menschen da, die so etwas in sich tragen von Kopien der verschiedenen Leiber des Jesus von Nazareth, aber diese werden nun nicht mehr die führenden Persönlichkeiten. Wir sehen immer mehr, wie es in unserem fünften Zeitraum Menschen gibt, die sich auf sich selbst, auf ihr eigenes Ich stellen müssen. Immer seltener werden solche inspirierten Menschen. Deshalb mußte vorgesorgt werden, daß in unserem fünften Zeitraum eine geistige Strömung entstehe, die dafür zu sorgen hätte, daß auch noch weiter spirituelle Erkenntnisse zur Menschheit dringen könnten. Es mußte für die Menschen, die angewiesen sind auf ihr bloßes menschliches Ich, vorgesorgt werden von jenen Individualitäten, die in die Zukunft schauen konnten. Es wird uns erzählt in einer solchen Legende, daß das Gefäß, in dem der Christus Jesus das Abendmahl mit seinen Jüngern genommen hatte, aufbewahrt wurde. Das ist die Legende vom heiligen Gral, und wir sehen in der Erzählung von Parzival typisch ausgedrückt einen Schülerwerdegang unserer fünften nachatlantischen Zeit. Da hat er eins versäumt, der Parzival: Es war ihm nämlich gesagt worden, er solle nicht viel fragen. Das ist der wichtige Übergang von der alten Zeit zur neuen Zeit: Möglichst passive Hingabe war das Notwendige im alten Indien für den Schüler; später auch noch bei Augustinus, bei Franz von Assisi. Alle diese demütigen Leute ließen sich inspirieren durch das, was in ihnen lebte, was in sie einverwoben war. Nun aber sollte das Ich die Frage in sich tragen. Jede Seele, die heute einfach passiv hinnimmt, was ihr gegeben wird, kommt dadurch nicht über sich selbst hinaus. Sie kann dann nur beobachten, was in der physischen Welt um sie her vorgeht. Die Seele muß heute fragen, muß sich über sich selber erheben, aus sich selber herauswachsen. Die Seele muß heute fragen, wie einstmals Parzival fragen mußte nach den Geheimnissen der Gralsburg.“

GA 104a, S 103

„So ziehen wir durch diese theosophisch‑rosenkreuzerische Geistesströmung das wieder an uns heran, was vorhanden ist von den Kopien des Ichs des Jesus von Nazareth. So werden diejenigen, die sich dazu vorbereiten, hineinziehen in ihre Seelen das Abbild des Ichs des Jesus von Nazareth. Dadurch, daß sein Inneres wie ein Siegelabdruck ist von dem Ich des Jesus, dadurch wird ein solcher Mensch das Christus‑Prinzip in seine Seele aufnehmen. ‑ So bereitet das Rosenkreuzertum etwas Positives vor. Theosophie soll Leben werden und die Seele, die sie wirklich in sich aufnimmt, verwandelt sich nach und nach. Theosophie in sich aufnehmen, das heißt, die Seele so verwandeln, daß sie zu dem Christus‑Verständnis kommen kann.“

GA 104a, S 104

„Das, was aber den wesentlichsten Einfluß auf den Menschen hat, ist sein Ich. Das Ich arbeitet durchaus auf dem Umwege über den Astralleib.“

GA 104a, S 106

„Und nun kommen wir zum fünften Zeitraum, wo das Jahve-Christus-Prinzip den Seelen leuchtet auch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Da werden die Seelen immer lebendiger. Was geschieht in diesem fünften Zeitraum? Der Astralleib wird immer lichtvoller und heller durch das, was die Seele aufnimmt vom Christus-Impuls. Wir stellen uns vor, hellseherisch angesehen, den vom Ich durchstrahlten Astralleib; der erscheint dem Apokalyptiker nach dem Kriege aller gegen alle als weißes Kleid. So wird in dem fünften Zeitraum nach diesem Kriege die Seele durchdrungen erscheinen mit der Aura, die schon vom Christus‑Licht durchleuchtet ist … [Lücke]“

GA 104a, S 112

„Zwischen der atlantischen Katastrophe und dem großen Kriege aller gegen alle hat jeder Zeitraum seine ganz besondere Aufgabe für unsere Entwickelung. Niemals hat ein Mensch in einer neuen Inkarnation dieselbe Aufgabe wie in der vorherigen. Von Inkarnation zu Inkarnation treten neue Aufgaben an ihn heran und so hat diese nachatlantische Entwickelungszeit in besonderer Weise an den Menschen gearbeitet. Die Erdenzeit ist dazu da, den Menschen geeignet zu machen, das Menschen‑Ich besonders zu entwickeln. Im letzten Drittel der atlantischen Zeit hat der Mensch die erste Anlage dazu empfangen, sein Ich, das im ersten Keime war, heranzuziehen an den physischen Kopf. Aber der bedeutendste Impuls wurde ausgeübt auf das Ich durch das Ereignis von Golgatha. Alle vorhergehenden Epochen wirkten aber schon im voraus darauf hin. Wenn wir zurückschauen auf das letzte Drittel der atlantischen Entwickelung, so sehen wir, wie damals ein gewisser Punkt im Ätherkopf und im physischen Kopf sich nicht deckten, während heute der Ätherleib des Kopfes ungefähr gleich ist dem physischen Kopfe. Dadurch kam der Mensch nach und nach dazu, sein Ich zu entwickeln. Der ganze Rest der atlantischen Entwickelung wurde dazu verwendet, den Menschen geeignet zu machen, ein richtiger Ich‑Träger zu werden. Selbst in der letzten Zeit der atlantischen Kultur war das Gehirn noch ganz weich, ungefähr so, wie heute der Wasserkopf noch als atavistisches Erbteil zu finden ist. Nur durch das Hereinrücken des Ätherkopfes konnte das physische Gehirn fest genug werden. Als nun im alten indischen Zeitraum der Ätherkopf vollkommen im physischen Kopf drin war, konnte dieser Kopf doch noch nicht ein vollkommener Ich‑Träger sein. Deshalb sehnte sich der alte Inder nach der geistigen Welt und mußte dazu erzogen werden, daß sich das Ich nach und nach in ihm entwickeln konnte.“

GA 104a, S 124/125

„Der Mensch besteht zunächst aus den vier Wesensgliedern.‑ aus dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem Astralleib und dem Ich. Wollen wir aber genauer eingehen auf die nachatlantische Entwickelung, müssen wir die neungliedrige Wesenheit des Menschen in Betracht ziehen. Das ist der Unterschied zwischen orientalischer und nordischer Mysterienlehre. Das Ich arbeitet nun, um den Astralleib zu Manas oder Geistselbst, den Ätherleib zu Budhi oder Lebensgeist und den physischen Leib zu Atma ‑ durch den Atem ‑ umzugestalten. Das Ich bildet also den Astralleib, den Ätherleib und den physischen Leib um. Aber ehe das bewußt vor sich gehen kann, muß es durch höhere Wesenheiten geschehen.

Heute geschieht ein bewußtes Hineinarbeiten nur in den Mysterienschulen, in den Einweihungsschulen. Es ist zum Beispiel im letzten Drittel der atlantischen Zeit nur in unbewußter Weise der physische Leib soweit umgestaltet worden, daß er ein Ich‑Träger werden konnte. Das, was nun in dem Astralleib umgewandelt worden ist, nennt man Empfindungsseele, der so umgewandelte Ätherleib ist die Verstandesseele und der so unbewußt umgearbeitete physische Leib ist die Bewußtseinsseele. Und erst dann, wenn der Mensch die Bewußtseinsseele entwickelt hat, kann nach und nach, unbewußt anfangs, das Geistselbst in ihn hineingearbeitet werden.“

GA 104a, S 125

„Durch Weisheit, durch Theosophie wird das Ich so erzogen, daß es Manas oder Geistselbst empfängt und den Christus wiederzuerkennen imstande sein wird. Nicht um für die Theosophie zu agitieren wurden die theosophischen Lehren der Menschheit gegeben, sondern weil sie notwendig waren.“

GA 104a, S 126

„So haben die geistigen Seher durch die Jahrtausende hinüber zu den geistigen Sehern gesprochen und wir finden alles bis auf die Namen in der Apokalypse wieder. Wie Paulus sagt: «Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern der Christus in mir» (vgl. Gal. 2, 20), das finden wir auch dort wieder. In das Ich leuchtet der Christus hinein. So wird das Ich von dem Christus durchdrungen werden; derjenige, der mit seinem Namen das Ich befruchten kann, das ist der Christus: «… und ein Name ist geschrieben, welchen niemand kennt, außer er selbst.» (Apk. 19, 12)“

GA 104a, S 129

„Was der Kalender als Äußeres hat, ist nur die exoterische Seite, denn in Wahrheit schreiben wir 1879. Die Zeitverhältnisse, die geschaut werden können durch okkulte Beobachtung, sollen wirklich hier zum Ausdruck gebracht werden. Damit soll hier begonnen werden, denn es ist natürlich nur ein erster Anfang. Mt dem Mysterium von Golgatha ist gegeben die Geburt des Ich‑Bewußtseins innerhalb der Menschheit. Und diese Tatsache wird allmählich immer mehr und mehr in der geistigen Kultur unserer Erde erkannt werden als bedeutsam für alle Zukunft der Menschheit. So wird man nach und nach verstehen, daß es gerechtfertigt ist, das Jahr 1879 zu zählen heute, das heißt 1912 weniger 33. Damit ist auch gegeben, daß die Zeit gerechnet wird von Ostern zu Ostern, daß wir nicht mit dem Januar beginnen, weil, wenn man in der Geburt des Ich‑Bewußtseins etwas Wesentliches sieht für die geistige Menschheitsentwickelung, es auch gerechtfertigt ist, jedes Jahr daran erinnert zu werden, indem diese Geburt des Ich‑Bewußtseins selber bezogen wird auf Verhältnisse des Mikrokosmos und Makrokosmos. Ein bedeutsamer Zug des Verhältnisses von Mikrokosmos und Makrokosmos ist gegeben, wenn das Osterfest in Zusammenhang mit der Geburt des Ich‑Bewußtseins gedacht wird. Daß heute gesucht wird, das Osterdatum auf einen bestimmten Tag zu verlegen, statt es vom Himmel abzulesen, das gehört ganz selbstverständlich zur Signatur unserer Zeit, die für alle äußeren Verhältnisse immer mehr in den Materialismus hineinstürmt und vergißt, was mit dem Spirituellen zusammenhängt. Es wird notwendig sein vielleicht, daß in der anthroposophischen Strömung bewahrt werde gegenüber dem Industrialismus, dem Kommerzialismus, dem Materialismus überhaupt, die Erinnerung an die konkreten Daten, die nicht gegeben werden durch Geld‑ und Scheckauszahlen, sondern durch Verhältnisse des Weltenalls. Es wird das erste große Zeichen sein, daß die äußere und innere Kultur, der ganz materialistischen und der spiritualistischen Bahnen gründlich nebeneinanderher gehen müssen, wenn es der äußeren Kultur gelingen sollte, das Osterdatum loszureißen von der Bestimmung aus der Sternenwelt heraus. Man würde vor einer Hoffnungslosigkeit stehen, wenn man glauben wollte, daß aus der materialistischen Kultur heraus ein wirklicher Aufschwung zu spirituellen Tatsachen möglich sein sollte. Es ist ein erster Versuch für dieses Jahr; ich hoffe, daß, indem die Anthroposophen den Kalender benutzen, sie uns unterstützen werden, ihn in immer vollkommenerer Gestalt vor die Welt hintreten zu lassen.“

GA 133, S 62/63

„Nun tritt für den einzelnen Menschen das Ich eigentlich ganz unregelmäßig auf, und zwar grandios unregelmäßig. Ich kann heute ‑ in der Zukunft werde ich diese Tatsachen weiter ausführen ‑ nur andeuten, worum es sich dabei handelt. Denken Sie, wie in der regulären Menschenorganisation bis zum siebenten Jahre der physische Leib, bis zum vierzehnten Jahre der Ätherleib sich entwickelt und so weiter. Dann würde innerhalb der Verstandes‑ oder Gemütsseele ‑wie Sie nachlesen können in der «Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft » ‑ eigentlich erst das Ich regulär eintreten, denn erst dann haben wir in der äußerlichen Organisation das richtige Instrument für das Ich. Nun tritt aber das Ich schon in der allerersten Zeit ein für den Menschen, ganz unabhängig von der äußeren Organisation, in dem Zeitpunkte, bis zu dem man sich später zurückerinnert. Woher kommt das, daß der Mensch, wenn er als äußere Organisation betrachtet wird, sein Ich gebiert zwischen dem achtundzwanzigsten und fünfunddreißigsten Jahre, aber es in Wirklichkeit in frühester Kindheit gebiert? Das kommt von dem Verschieben des inneren Menschen gegenüber dem äußeren Menschen durch die luziferischen Kräfte. Es sind, wie wir es immer darstellen mußten, die luziferischen Kräfte dasjenige, was ein Zurückbleiben in der Zeit bedeutet. Unser Ich beruht, wie wir es in uns tragen, auf luziferischen Kräften, denn es beruht auf Zurückerinnerung auf das, was uns von unserem Erleben zurückgeblieben ist. Luzifer löst los dieses Ich. Daher lebt es losgelöst von der äußeren Organisation. Eine Zeitlang war die Sache so, daß der Mensch äußerlich anknüpfen mußte an noch etwas anderes als an sein bloßes Ich. Das war, daß er anknüpfen mußte, wenn es in der richtigen Weise sein sollte, an einen Menschen, der einmal in dem vierten nachatlantischen Kulturzeitraum gelebt hat, sein dreißigstes Jahr erreicht hat, dann inspiriert worden ist von dem Christus mit einer Kraft, die aber auf der Erde nicht hinüberleben konnte über das dreiunddreißigste Jahr, sondern die mit dem dreiunddreißigsten Jahr durch den Tod ging. Es war zunächst ein äußerlich historisches Anknüpfen, es mußte einfach von den Eltern den Kindern, von diesen den Kindeskindern und so weiter als eine geschichtliche Tatsache erzählt werden. Was ich Ihnen oft von der einen Seite entwickelt habe, nehmen Sie es jetzt von der innerlichen Seite. Bis zu diesem Zeitpunkt, wo die Entwickelung der Bewußtseinsseele liegt, erinnert sich der Mensch, wenn er zurückdenkt, an sein Ich, das einmal geboren worden ist: denn der Mensch schläft sich herein in das Erdendasein. Was vor diesem Zeitpunkt war, das sagen uns unsere Eltern, älteren Geschwister und so weiter. Wie sich der Mensch jetzt an dieses Ich erinnert, welches das luziferische Ich ist, so wird er sich später ‑ und das tritt in den nächsten drei Jahrtausenden als etwas ganz Besonderes in die Menschheitsentwickelung herein ‑ wie in einer Imagination gegenüberstehend sehen einem anderen Ich. Er wird sich künftig erinnern, daß in einem bestimmten Zeitpunkt seiner Kindheit das luziferische Ich aufgetaucht ist und daß in einem andern Zeitpunkt, an den er sich zurückerinnert, gegen das luziferische Ich, sagen wir, das Christus‑Ich sich hinstellt, und statt des einen Ich‑Punktes werden zwei auftreten. Daß dies als Erinnerung auftritt, das wird der Beweis dafür sein, daß das Christus‑Ereignis nicht erst zu geschehen hat, sondern daß es sich schon abgespielt hat. Kurz, wie sich der Mensch gegenwärtig an sein Ich erinnert, so wird er sich später erinnern an die Imagination des zweiten Ich und damit den Weg finden zu dem, was wir als die Christus‑Erscheinung charakterisiert haben.“

GA 133, S 75/76

„Sie erinnern sich an den Vortrag « Der Prophet Elias im Lichte der Geisteswissenschaft» vom 14.Dezember 1911 in Berlin. Sie erinnern sich, daß ich dazumal darauf hingewiesen habe, wie durch eine okkulte Forschung dieses Prophetenbild in einer ganz merkwürdigen Weise vor uns erscheint. Ich will auf die Einzelheiten nicht weiter jetzt eingehen, will nur sagen, wie an diesem Prophetenbilde durch die okkulte Forschung herausgekommen ist, daß Elias es war, der mit einer besonderen Intensität und Kraft darauf hingewiesen hat, daß das, was die Menschheit ein Göttliches nennen kann, eigentlich nur zu erblicken ist in seiner ureigenen Gestalt ‑ und zwar im tiefsten Zentrum des Menschen ‑, im eigentlichen Ich des Menschen. So daß wir, zusammenfassend, das große Prophetenwort des Elias so charakterisieren können: Von ihm ist die Erkenntnis ausgegangen, daß alles, was uns von der Außenwelt gelehrt werden kann, nur ein Gleichnis ist, und daß die Erkenntnis über die eigentliche Natur des Menschen nur aufgehen kann im eigenen Ich. ‑ Nur ist Elias nicht dazu gekommen, die Kraft und die Bedeutung des einzelnen Ich zu erkennen, sondern er stellte gleichsam ein außer dem Menschen stehendes göttliches Ich auf Aber erkennen sollte man dieses göttliche Ich, erkennen sollte man, daß es hereinstrahlt in das menschliche Ich. Daß es im menschlichen Ich aufersteht und seine volle Kraft entfaltet, das ist die Eroberung dann des Christentums. So erscheint die Wirksamkeit des Elias als etwas wie eine Heroldschaft für das Christentum. So etwa kann man sprechen, wenn man mit den okkulten Mitteln forscht und das einzelne Leben des Elias, wie es dasteht in der Geschichte der Menschheitsentwickelung, charakterisiert.“

GA 133, S 86

„So haben wir das dritte Glied des irdischen Menschen. Das erste ist das Bewußtsein, das als Werkzeug den physischen Leib hat. Das zweite ist Erinnerung und Gedächtnis, das als Werkzeug den Ätherleib oder Lebensleib hat. Und das dritte, das zum irdischen Menschen ebenso gehört, wie im physischen Erdenleibe sein Bewußtsein zu ihm gehört, das ist das Karma. Aus drei Gliedern besteht in dieser Beziehung der irdische Mensch: aus seinem Erdenbewußtsein, aus seinem Gedächtnis und aus seinem Karma, und ohne diese drei Glieder ist der Erdenmensch kein Erdenmensch. Ein Wesen, das auf der Erde herumgehen würde und im physischen Leibe kein solches Bewußtsein entwickeln würde wie der Erdenmensch, wäre kein Mensch. Und ein Wesen auf der Erde, das auf der Erde kein solches Gedächtnis ausbilden würde wie der Erdenmensch, wäre kein Mensch. Und ein Mensch, der herumgehen würde und durch das Leben im Erdenleibe kein Karma machen würde, wäre kein Erdenmensch. Das macht den eigentlichen irdischen Menschen aus: daß er ein Bewußtsein entwickelt durch den physischen Leib, daß er Gedächtnis und Erinnerung entwickelt durch den Äther‑ oder Lebensleib und daß er Karma macht durch den Astralleib. So haben wir gleichsam herausgeschält, was am Menschen Erdenmensch ist. Wir müssen ein Viertes hinzurechnen, von dem wir wissen, daß es erst auf der Erde aufgeleuchtet hat: das Ich selbst, jenes Ich, von dem wir wissen, daß es von Inkarnation zu Inkarnation geht, von dem wir also wissen, daß es drinnensteckt in uns, wenn wir unser Erdenbewußtsein entwickeln, daß es drinnensteckt in uns, wenn wir im Gedächtnis aufbewahren Erinnerungsvorstellung auf Erinnerungsvorstellung, daß es aber auch in uns drinnensteckt, wenn wir von Inkarnation zu Inkarnation Karma aufhäufen. Überall steckt das Ich darinnen. Aber es steckt in diesen drei Gliedern des Erdenmenschen drinnen. Wie also können wir diesen Erdenmenschen noch charakterisieren?

Wir wissen, daß der Erdenmensch das Ich aufleuchten gefunden hat erst auf der Erde. Aber wir wissen, daß sein physischer Leib sich zuerst gebildet hat während der alten Saturnzeit der Erde und daß die Erdenzeit zwar den physischen Erdenleib anders gemacht hat nach der Mondenentwickelung, doch ist der physische Leib nicht ein Erdenprodukt. Wir wissen dieses aber auch vom Ätherleibe, der die erste Anlage während der alten Sonnenzeit erhalten hat, und auch vom astralischen Leib, der ja seine erste Anlage auf dem alten Mond erhalten hat. Also stellen wir uns diesen Menschen vor: er kam herüber, als die Erde begann, aus einer vorirdischen Entwickelung, bestehend aus physischem Leib, Ätherleib und Astralleib. Aus dem, was er im Laufe der Erdenevolution geworden ist, gestaltete sich um sein physischer Leib zum Instrument des Erdenbewußtseins, sein ‑Ätherleib zum Instrument des persönlichen Gedächtnisses und sein Astralleib zum Träger des Karma. Da haben wir gleichsam herausgeschält, was die früheren Zustände dem Menschen gegeben haben in seinem physischen Leib, Ätherleib und Astralleib, und das, was die Erde erst durch ihre Mission in diesen dreigliedrigen Menschen hineingearbeitet hat. Halten wir einmal das recht genau auseinander. Sagen wir uns: dieser physische Leib des Menschen ist ja eine wunderbare Sache, etwas ganz Wunderbares. Er ist so wunderbar geworden, weil er dreimal eigentlich seinen Zustand verändert hat mit den vorirdischen Erdenverkörperungen. Er wäre, wenn er so geblieben wäre, wie er nach Ablauf der alten Mondenzeit war, mit allen denjenigen inneren Eigenschaften behaftet, die er hat; nur wäre er nicht so umgestaltet, daß er in sich erzeugen könnte die Werkzeuge des irdischen Menschenbewußtseins. Das ist also zum physischen Leib hinzugekommen, daß er nicht nur die Vollkommenheit hat, die er hatte nach der Mondenentwickelung, sondern noch umgestaltet worden ist zum Träger des menschlichen Erdenbewußtseins. Ebenso hat der Ätherleib alle Vollkommenheiten, die er sonst schon in sich hatte, aber innerhalb der Erdenentwickelung hat er erst diejenigen Kräfte ausgebildet, die ihn zum Träger des menschlichen persönlichen Gedächtnisses machen. Der Astralleib hat sich auf dem alten Monde manche Vollkommenheiten angeeignet, aber daß er das Instrument geworden ist für das Schaffen von Karma, das hat er sich erst während der irdischen Vorgänge angeeignet. Das Ich, das ist allein beim Menschen sozusagen mit seinen Kräften, mit alledem, was es ist, während der Erdenmission ausgestattet worden. Im Ich allein können wir also sozusagen alles das beobachten, was die Erde selber am Menschen erarbeitet hat.“

GA 133, S 142-144

„Was kommt denn also eigentlich durch dieses Ich zum Menschen noch hinzu? Nehmen wir an, der Mensch hätte alle die Dinge, die ihm die Erdenmission gegeben hat, bekommen, aber das Ich wäre nicht aufgeleuchtet. Es ist das, was ich jetzt sage, eine unmögliche Hypothese, selbstverständlich, denn es mußte das Ich zum Menschen hinzukommen. Aber nehmen wir an, ein Wesen hätte, ohne das Ich zu entwickeln, die Eigenschaften erhalten können, die wir eben ausgesprochen haben als irdische Eigenschaften von physischem Leib, Ätherleib und Astralleib. Wenn es auch nicht auf der Erde möglich gewesen wäre, solche Eigenschaften im physischen, ätherischen und astralischen Leib zu entwickeln, so ist eine solche Entwickelung immerhin möglich gewesen auf anderen Planeten, und für die geistige Wissenschaft ist es möglich, solche Zustände auf anderen Planeten sogar in ihrer Realität zu studieren. Es würde also das ein Wesen sein, das ein solches Bewußtsein entwickeln kann, wie der Mensch es entwickelt, wenn er aufwacht, ein Wesen, das vorstellt, fühlt, will, nur würde es nicht die Vorstellungen einem Ich zuschreiben, würde nicht die Empfindungen, die Gefühle einem Ich zuschreiben und die Willensimpulse ebenfalls nicht. Aber immerhin, es wäre möglich, daß ein solches Wesen ein Bewußtsein hätte wie die Erdenmenschen, daß es auch Erinnerungen hätte, daß die Vorstellungen in der Erinnerung blieben und daß es ein Karma hätte. Vom Erdenmenschen wäre das nicht möglich, aber nehmen wir an, daß wir uns ein solches Wesen vorstellen könnten. Was würde also alles dasein? Bewußtsein, Erinnerung und Karma. Nun sind aber beim Menschen diese drei Dinge vorhanden: Bewußtsein, Erinnerung, Karma. Aber es ist außerdem noch das Ich vorhanden. Was geschieht denn durch dieses Ich? Da Karma wesentlich durch den astralischen Leib bewirkt wird, was geschieht durch das Ich selber, dadurch daß es in seinem Karma eben drinnensteckt?“

GA 133, S 144/145

„Was durch das Ich selber geschieht, ist nun, man möchte sagen, etwas viel Schwerwiegenderes noch als das menschliche Karma. Denn Karma, was als Karma bleibt, bleibt mit uns verbunden. Und wenn wir in irgendeinem Leben Taten getan haben, so bleiben diese als unser Karma bestehen und wir können sie im späteren Leben ausgleichen. Unser astralischer Leib ist es eigentlich, der es bewirkt, daß unser Karma bestehen bleibt. Unser Ich ist auch eine geistige Potenz, eine geistige Wesenheit. Was dieses Ich nun aus sich herausbringt, so wie der astralische Leib das Karma aus sich herausbringt, sind nun nicht Dinge, die immer mit dem Menschen verbunden bleiben, sondern das sind Dinge, die sich von dem Menschen loslösen. Wir haben auch öfter schon darauf aufmerksam machen können: es sind die Gedankenformen, die sich von dem Menschen loslösen. Während das, was sich in unser Karma einschreibt, mit uns verbunden bleibt und eingegraben wird in den späteren Erdenzustand, gibt es noch etwas Besonderes, was im speziellen durch das menschliche Ich hervorgerufen wird und ebenso hinübergeht in die andere Welt, wie unsere Erinnerungen in den allgemeinen Lebensäther übergehen. Wie unser Karma in die allgemeine Weltenastralität eingeschrieben wird, so geht in die Welt hinaus, was unser Ich nun bildet und was wir kennen als Gedanken‑ und Gefühlsformen. Die sind noch etwas Besonderes neben dem Karma. Karma ist etwas, was wir behalten als mit uns zusammenhängend. Es gibt aber auch noch solche Erzeugnisse, die sich von uns loslösen, allerdings zunächst nur als Formen, so daß sie als geistige Formen sich loslösen und draußen weiterleben.“

GA 133, S 145

„Was lebt denn alles von uns weiter? Von uns lebt weiter: erstens unser persönliches Gedächtnis selbst, zweitens unser Karma, drittens die Formen unserer Gedanken. Während wir aber mit den beiden ersten verbunden bleiben, ist es für das letzte so, daß sich diese Formen von uns loslösen, daß sie selbständig werden als Form. Also wie gleichsam leblose Formen, die hinausgehen als Formen, so leben die Erzeugnisse unseres Ich in der äußeren Welt weiter. An diesem Punkte werden wir das nächste Mal anknüpfen und diese Betrachtungen fortsetzen.“

GA 133, S 145/146

„Nun müssen wir bei alledem, was aus dem menschlichen Ich stammt, unterscheiden, sehr stark unterscheiden: das menschliche Ich kann im wesentlichen mehr oder weniger selbstsüchtige und mehr oder weniger selbstlose innere Lebensvorgänge entwickeln. je nachdem dieses menschliche Ich selbstsüchtige oder selbstlose, liebevolle, mitleidvolle oder mitfreudenvolle Empfindungen oder Gedankenkräfte entwickelt, je nachdem sind auch diese Empfindungs‑ und Gedankenkräfte ganz anders wirksam. Wenn wir zunächst die mehr selbstsüchtigen Gedankenkräfte ins Auge fassen, so zeigen sich diese in bezug auf ihre Wirksamkeit in der Welt als störende Kräfte der Welt. Sie treten wirklich in die geistige Welt wie zerstörende Kräfte ein. Alle selbstlosen Gedankenkräfte dagegen greifen nicht als zerstörende, sondern als mehr aufbauende Kräfte in das geistige Leben der gesamten Erdenentwickelung ein. Aber indem gerade diese selbstlosen Gedankenkräfte sozusagen sich vom Ich des Menschen absondern, lassen sie im Menschen gewisse Spuren zurück. Wohlgemerkt: insbesondere bei den selbstlosen Gedanken‑ und Empfindungskräften ist es so der Fall, daß sie, indem sie gleichsam heraussprießen aus dem Ich, Spuren zurücklassen im Menschen. Diese Spuren sind am Menschen auch durchaus zu bemerken. Sie sind dadurch zu bemerken: je mehr selbstlose Gedanken‑ und Empfindungskräfte das Ich absondert, desto mehr bekommt der Mensch das, was man nennen kann seine eigene Form, seine Gebärde, sein Mienenspiel und so weiter, kurz, den ganzen Ausdruck seines Wesens in seine eigene Gewalt. Während mehr selbstsüchtige Gedanken‑ und Empfindungsformen dahin wirken, daß der Mensch wenig Kraft hat, sich seinen Ausdruck selbst zu geben. So werden wir uns zu fragen haben: Wie haben wir denn zu unterscheiden im Verlaufe des Entwickelungsganges der Menschheit die einzelnen Formen der Menschen?“

GA 133, S 148/149

„Und wiederum, wenn wir vom Fühlen zum Denken übergehen, so gehen wir von den zwei Dimensionen zu der einen Dimension über, also noch immer nicht ganz aus dem Raume heraus. Wir gehen allmählich von dem Räumlichen in das Unräumliche hinein. Ich habe es ja öfter ausgesprochen, daß das Tragische des Materialismus darinnen besteht, daß er gerade das Materielle, das Stoffliche in seiner dreidimensionalen Ausdehnung nicht versteht. Er glaubt es zu verstehen, aber er versteht gerade das Stoffliche nicht. Und im 19. Jahrhundert sind lüstorisch mancherlei bedeutsame Erscheinungen hervorgetreten, die mit dem gewöhnlichen Bewußtsein heute doch nicht in ordentlicher Weise enträtselt werden können. Denken Sie doch nur an das große Aufsehen, das bei vielen denkenden Menschen das Schopenhauersche philosophische System gemacht hat: «Die Welt als Wille und Vorstellung.» Danach hat nur die Vorstellung etwas Unwirkliches, der Wille allein ist das Wirkliche. Ja, warum ist denn Schopenhauer zu der Vorstellung gekommen, daß die Welt nur Wille ist? Weil er doch auch vom Materialismus angefressen war! Denn in die Welt, in der die Materie sich dreidimensional ausdehnt, da ist eben nur der Wille ergossen. Wer auch die Gefühle in diese Welt hineinstellen will, der muß die Beziehung aufsuchen, die besteht zwischen einem dreidimensionalen Ding und einem zweidimensionalen Schattenbilde. Was wir erleben in den Gefühlen, sind Schattenbilder desjenigen, worinnen auch unser Wille als dreidimensionale Gestaltung lebt. Und was wir erleben im Denken, das sind Gestaltungen in einer einzigen Dimension. Und erst wenn wir ganz aus den Dimensionen herausgehen, wenn wir übergehen zu dem dimensionslosen Punkte, dann sind wir bei unserem Ich angekommen. Das hat nun wirklich gar keine Ausdehnung, das ist ganz punktuell. So daß wir sagen können: Wir gehen über von dem Dreidimensionalen (weiß) zu dem Zweidimensionalen (rot), zu dem Eindimensionalen (gelb) und zu dem Punktuellen (blau).“

GA 213, S 19/20

„Aber indem wir beim Dreidimensionalen noch bleiben, haben wir in den drei Dimensionen unseren Willen drinnen. Es steckt auch das Fühlen, es steckt auch das Denken drinnen, aber nicht dreidimensional ausgedehnt. Indem wir die dritte Dimension weglassen und nur zu zwei Dimensionen kommen, haben wir den Schatten des äußeren Daseins, in dem sich aber dasjenige Geistig‑Seelische ausdehnt, das im Fühlen lebt. Wir kommen schon mehr aus dem Raume heraus. Gehen wir zum Denken, dann kommen wir noch mehr aus dem Raume heraus, und indem wir zum Ich übergehen, kommen wir noch mehr aus dem Raume heraus. Da werden wir gewissermaßen Stück für Stück aus dem Raume herausgeführt. Und wir sehen, daß es einfach keinen Sinn hat, bloß zu sprechen von dem Gegensatz des Geistig‑Seelischen und des Physisch‑Leiblichen. Es hat keinen Sinn, denn man muß fragen, wenn man die Beziehung entdecken will zwischen dem Geistig‑Seelischen und dem Physisch‑Leiblichen: Wie verhalten sich Dinge, die im dreidimensionalen Raum ausgedehnt sind, zum Beispiel unser eigener Körper, zu dem Seelischen als Willenswesen? Wie verhält sich das Körperlich‑Leibliche beim Menschen zu der Seele als einem Gefühlswesen? Zu der Seele als Willenswesen verhält sich das Leiblich‑Physische als ein Körperliches so, daß eben einfach das Leiblich‑Physische, wie ein Schwamm vom Wasser, vom Willen nach allen Seiten, nach allen Dimensionen durchtränkt wird.

Zum Gefühl verhält sich aber das Leiblich‑Physische so, wie Gegenstände sich verhalten, die ihre Schatten werfen auf eine Wand. Und wiederum, wenn wir von dem Gefühlsmäßigen zu dem Gedankenhaften übergehen wollen, dann müssen wir gar ein eigentümlicher Maler werden. Da müssen wir auf einer Linie dasjenige wiederum extra aufmalen, was sonst in den zwei Dimensionen des Gemäldes ist.“

GA 213, S 20/21

„Wenn wir von unserem geistig‑seelischen Wesen, nur insoferne es wollend, fühlend, denkend ist, zunächst sogar ohne das Ich eine Vorstellung bekommen wollen, müssen wir es eigentlich nicht vorstellen als eine Nebelwolke, sondern indem wir innerlich‑seelisch etwas vollziehen. Wir wollen uns also das Geistig‑Seelische schematisch vorstellen. Wir müssen gewissermaßen hinschauen: Da stellt es sich uns zunächst als eine Wolke dar. Aber das ist zunächst nur ein Willenswesen. Das hat immerfort die Tendenz, sich zusammenzuquetschen; da wird es Gefühlswesen. Wir sehen als erstes eine Lichtwolke, dann aber eine solche Lichtwolke, die in der Mitte sich selber als eine Ebene erzeugt und sich dadurch fühlt. Und diese Ebene wiederum hat das Bestreben, zur Linie zu werden. Wir müssen also fortwährend uns vorstellen: Wolke, Ebene, Linie, als ein in sich lebendes Gebilde: etwas, was fortwährend Wolke sein will, von der Wolke aber zur Ebene sich zusammenquetschen will, zur Linie sich verlängern will. Wenn Sie sich eine Linie vorstellen, die Ebene wird, die Ebene wird wiederum dreidimensionale Wolke, wenn Sie sich also vorstellen: Wolke, Ebene, Linie ‑ Linie, Ebene, Wolke und so weiter, dann haben Sie dasjenige, was Ihnen nun schematisch veranschaulichen kann, was Ihre Seele in ihrem innerlichen Wesen, in ihrer innerlichen Wesenhaftigkeit eigentlich ist. Sie kommen nicht aus mit einer Vorstellung, die nur in sich ruhig bleibt. Keine Vorstellung, die in sich ruhig bleibt, gibt dasjenige, was das Seelische ist, wieder. Sie müssen eine solche Vorstellung haben, die selber eine innerliche Tätigkeit ausführt, und zwar eine solche innerliche Tätigkeit, daß die Seele, indem sie sich vorstellt, spielt mit den Dimensionen des Raumes: Sie läßt verschwinden die dritte Dimension, verliert dadurch den Willen, läßt verschwinden die zweite Dimension, verliert dadurch das Gefühl; und das Denken verliert man erst, wenn man auch die erste Dimension verschwinden läßt. Dann kommt man bei dem Punktuellen an. Dann geht es erst zu dem Ich über.“

GA 213, S 22/23

„Nun aber, ein Wichtiges auf diesem Gebiete ist noch das Folgende: Sie wissen, die Luft, die auch zu unserer unmittelbaren Erdenumgebung gehört, besteht aus Sauerstoff und Stickstoff. Den Stickstoff können wir zunächst für unser physisches Leben nicht gut brauchen. Den Sauerstoff atmen wir ein. Er verwandelt sich in uns, beziehungsweise es bildet sich in uns Kohlensäure, die wir dann ausatmen. So könnte zunächst die Frage entstehen: Was ist denn eigentlich die Hauptbedeutung des Stickstoffes, der gar nicht chemisch gebunden an den Sauerstoff ist, sondern nur in einer Art innigeren Gemisches mit dem Sauerstoff zusammen da draußen lebt? In dem Stickstoff können wir nicht leben. Zu unserem Leben brauchen wir Sauerstoff. Aber ohne den Stickstoff hätten unser Ich und unser astralischer Leib, wenn sie im Schlafe außer dem physischen Leibe sind, keine Möglichkeit zu existieren. Wir würden vom Einschlafen bis zum Aufwachen zugrunde gehen, wenn wir nicht in den Stickstoff untertauchen könnten. Unser physischer Leib und unser Ätherleib brauchen den Sauerstoff von der Luft; unser Ich und unser astralischer Leib brauchen den Stickstoff.“

GA 213, S 94/95

„Denn was heißt Mensch werden? Das heißt: zum Ich‑Bewußtsein kommen. Sie können das nicht, wenn Sie sich als Ich nicht von einem Äußeren unterscheiden. Nur dadurch sind Sie ein Ich. Der Blumenstrauß ist hier, ich bin da, ich unterscheide mich als Ich von dem Objekte. Die Geister der Persönlichkeit hätten ewig nur ihr Ich ausgeströmt, wenn sie nicht etwas draußen gelassen hätten, was ihnen Widerstand geleistet hätte: Das andere ist draußen, ich unterscheide mich von dem objektiv gemachten Wärme‑Element. Dadurch sind die Geister der Persönlichkeit zu ihrem Ich, zum Selbstbewußtsein gekommen, daß sie einen Teil der Saturnwesenheiten hinabgedrängt haben in ein bloß äußeres Wärmedasein. Sie sagten sich: Ich muß etwas von mir nach außen strömen lassen und draußen lassen, damit ich mich davon unterscheiden kann, damit mein Ich‑Bewußtsein sich entzündet an diesem Äußeren. So hatten sie also ein Reich neben sich geschaffen, sie hatten sich gleichsam ein Spiegelbild ihres Innern in dem Äußeren geschaffen. Dadurch kam es auch, daß, als sozusagen das Leben des Saturn abgelaufen war, die Geister der Persönlichkeit gar nicht in der Lage waren, den Saturn verschwinden zu lassen. Er wäre, wenn sie alles Feuer eingeatmet hätten, verschwunden; so aber waren sie nicht imstande, das, was sie hinausgesetzt hatten aus sich selbst, zurückzuatmen. Sie mußten das Feld, das ihnen die Möglichkeit geboten hatte, zum Selbstbewußtsein zu kommen, sich selbst überlassen.“

GA 110, S 56

„Sie wissen, daß die erste Veranlagung zum Ich in der alten lemurischen Zeit vor sich ging, als der jetzige Mond von der Erde sich hinaustrennte.“

GA 110, S 137

„Und nun kommen wir zu zwei Kategorien von Wesenheiten: Erstens denjenigen Engeln, die sich hineingestürzt haben in das, was die Mächte während des Streites am Himmel angerichtet haben. Das waren solche Wesenheiten, die wir eben wegen ihrer weiteren Taten die luziferischen Wesenheiten nennen. Diese Wesenheiten haben sich dann herangemacht an den menschlichen Astralleib während der Erdenentwickelung und dem Menschen die Möglichkeit des Bösen gegeben, aber damit auch die Möglichkeit, aus eigener freier Kraft sich zu entwickeln. So daß wir innerhalb der ganzen Stufenfolge der Hierarchien nur bei einem Teil der Engel und beim Menschen die Möglichkeit der Freiheit haben. Sozusagen mitten in der Reihe der Engel beginnt die Möglichkeit der Freiheit; im Menschen ist sie aber doch erst in der richtigen Weise ausgebildet. Als der Mensch die Erde betrat, hat er allerdings zunächst verfallen müssen der großen Gewalt der luziferischen Geister. Sie durchdrangen den Astralleib des Menschen mit ihren Kräften, und das Ich wurde dadurch einbezogen in diese Kräfte; so daß wir während der lemurischen und atlantischen Entwickelung, und auch nachher noch, das Ich wie in einer Wolke haben, wie in eine Wolke gehüllt, die herbeigeführt worden ist durch die Einflüsse Luzifers. Der Mensch ist nur dadurch bewahrt worden vor der Überwältigung durch die ihn herabziehenden Kräfte, daß frühere Wesenheiten ihn überschattet haben, daß die Engel, die oben geblieben waren, und die Erzengel oben, in besonderen Individuen sich verkörpert und ihn geführt haben. Und das geschah bis in jene Zeit hinein, wo etwas ganz Besonderes eintrat, wo eine Wesenheit, welche bis dahin nur verbunden war mit dem Sonnendasein, so weit gekommen war, daß sie jetzt nicht nur, wie frühere Wesenheiten der höheren Welten, in den physischen Leib, Ätherleib und Astralleib des Menschen hineintreten konnte, sondern daß sie eindringen konnte in den Menschen bis in das Ich.“

GA 110, S 167

„Erinnern Sie sich, wie ich dargestellt habe, daß in vorherigen Zeiten höhere Wesenheiten heruntergestiegen sind und beseelt haben den menschlichen physischen Leib, den Ätherleib und den Astralleib. jetzt trat in einer besonderen Zeit, die dazu berufen war, ein Individuum auf, welches aufnahm in sich die höchste Wesenheit, die zunächst mit unserem Sonnendasein verbunden war und die bis in das Ich inspirierend einwirkte, bis in alle Kräfte des Ich hinein.

Das Ich findet seinen Ausdruck im Blut. Geradeso wie das Blut als materieller Stoff der Ausdruck des Ich, so ist die Blutwärme, das Blutfeuer, sozusagen der zurückgebliebene Rest des alten Saturnfeuers, der Ausdruck des Ich in den Elementen. In Zweierlei mußte sich dieses Wesen physisch zum Ausdruck bringen: zuerst in dem Feuer. Es kündigte sich im Feuer an dem Moses: im brennenden Dornbusch und in dem Blitz auf dem Sinai; denn es ist dieselbe Wesenheit, die in das menschliche Ich dann einziehen konnte, die zu Moses sprach aus dem brennenden Dornbusch, aus dem Blitz und Donner auf dem Sinai. Und sie bereitet ihr Kommen vor und erscheint dann in einem bluttragenden Leibe, in dem Jesus von Nazareth: Damit zieht die Sonnenwesenheit in ein irdisches Individuum ein. Dadurch, daß das Ich sich immer mehr und mehr durchdringen und durchtränken wird mit der Kraft, die damals eingedrungen ist in das Ich, dadurch wird dieses Ich die Fähigkeit erlangen, immer mehr aus eigener Kraft sich zu erheben über all die Einflüsse, die dieses Ich herunterziehen können. Denn dieses Wesen, das bis in das Ich vordringt, das ist anderer Art als die anderen Wesenheiten, die früher herniedergestiegen sind auf die Erde und welche den physischen Leib, den Ätherleib und den Astralleib beseelt haben.“

GA 110, S 167/168

„Sie können alle Lehren des Christentums verfolgen, alles, was als Lehre im Christentum gepredigt wird, und können jede christliche Lehre in einem anderen Religionssystem auch finden. Das ist gar nicht in Abrede zu stellen. Sie können sagen: Alles Wesentliche der christlichen Lehren ist in anderen Systemen enthalten. Aber hat das Christentum gewirkt durch den Inhalt seiner Lehren? Derjenige, der zunächst das Wesentliche zur Ausbreitung des Christentums getan hat, hat der sich auf die Lehren gestützt? Sehen Sie ihn an, den Apostel Paulus! Hat er sich durch das, was in den Evangelien steht, von einem Saulus zu einem Paulus machen lassen? Er verfolgt die Anhänger des Christus Jesus. Solange verfolgt er sie, bis ihm derjenige, der am Kreuz gestorben ist, aus den Wolken erschien, bis er, Paulus, die eigene, persönliche okkulte Erfahrung hatte, daß der Christus lebt. Die Wirkung des Todes, die Wirkung der Tat, das war der Impuls für den Paulus, und darauf kommt es an. Andere Religionssysteme wirken durch ihre Lehren, und ihre Lehren sind dieselben wie auch im Christentum; im Christentum handelt es sich aber nicht um die Lehren, sondern um das, was geschehen ist, um die Tat. Und diese Tat ist eine solche, daß sie auf keinen Menschen anders wirkt, als wenn er sich selbst dazu entschließt, sie auf sich wirken zu lassen, das heißt, wenn sie mit dem absolut freien Charakter seines individuellen Ich vereinbar ist. Denn nicht genügt es, daß der Christus anwesend wird im menschlichen Astralleib, sondern der Christus muß, wenn er wirklich verstanden werden soll, im menschlichen Ich anwesend werden. Und das Ich muß sich frei entschließen, den Christus aufzunehmen. Das ist es, worauf es ankommt. Aber gerade dadurch nimmt dieses menschliche Ich, wenn es sich mit dem Christus verbindet, eine Realität in sich auf, eine göttliche Kraft, nicht bloß eine Lehre. Daher kann hundertmal bewiesen werden, daß alle Lehren des Christentums schon zu finden sind da oder dort; aber darauf kommt es nicht an, sondern darauf, daß das Wesentliche im Christentum die Tat ist, die nur durch eine freiwillige Erhebung in die höheren Welten zum eigenen Besitz werden kann. Dadurch also nimmt der Mensch die Christus‑Kraft auf, daß er sie freiwillig aufnimmt, und keiner kann sie aufnehmen, der sie nicht freiwillig aufnimmt. Dies ist aber dem Menschen nur dadurch möglich geworden, daß der Christus auf der Erde Mensch geworden ist, daß er berufen war, auf der Erde Mensch zu werden.

In einer anderen Lage sind die abgefallenen Engel, die als luziferische sich herübergelebt haben auf die Erde. Die hätten ja auf dem Monde eigentlich Mensch werden sollen. Sie sind zurückgeblieben in ihrer Entwickelung, sie können daher in den Astralleib hinein; an das Ich können sie zunächst nicht heran. Nun sind sie in einer sonderbaren Lage, in einer Lage, die wir uns eigentlich nur graphisch darstellen können, wenn das auch pedantisch aussieht. Nehmen wir einmal an ‑ wenn wir von Ätherleib und physischem Leib absehen ‑. des Menschen Astralleib wäre während der lemurischen Entwickelung dieser Kreis, sein Ich wäre ein Einschluß in diesem Astralleib; das Ich hat sich allmählich in den Astralleib hineinbegeben. Was geschieht nun? Während der lemurischen Entwickelung schleichen sich die luziferischen Mächte überall in den astralischen Leib des Menschen ein und durchdringen ihn mit demjenigen, was ihre Taten sind, was bei ihm aber sich als niedere Leidenschaften darstellt. Dasjenige, wodurch er dem Irrtum und Bösen verfallen kann, das sitzt im Astralleib; die luziferischen Geister haben es ihm eingespritzt. Hätten sie es ihm nicht eingespritzt, so würde er niemals die Möglichkeit des Irrtums und des Bösen haben, er würde hinaufgehoben werden, wo er sein Ich empfängt, unberührt von allen hemmenden Einflüssen. Das geht so fort, nur beschützen die großen Führer die Menschen davor, so weit das notwendig ist, zu tief hinunterzusinken.“

GA 110, S 169-171

„Nun tritt das Ereignis des Christus ein. Nehmen wir einen Menschen, der freiwillig den Christus in sich aufnimmt, ‑ das Christentum ist erst im Anfange, aber nehmen wir das Ideal: des Menschen Ich hätte freiwillig die Christus‑Kraft in sich einfließen lassen. Wenn dieses Ich so weit ist, daß es sich mit dem Christus durchdrungen hat, dann strahlt die Christus‑Kraft auch in den Astralleib hinein. In denselben Astralleib strahlt die Christus‑Kraft von innen hinein, in den vorher hineingespritzt haben ihre Taten die luziferischen Mächte. Und was geschieht nun in der Zukunft? Dadurch, daß wir mit Hilfe und nur mit Hilfe des Christus alle diejenigen Eigenschaften des Menschen, die von Luzifer kommen, auslöschen, dadurch befreien wir als Menschen nach und nach die luziferischen Mächte mit. Und es wird eine Zeit kommen, wo die luziferischen Mächte, welche während der Mondenentwickelung zum Heile der menschlichen Freiheit heruntersinken mußten in eine gewisse niedere Entwickelung und auf der Erde nicht Gelegenheit hatten, selber die Christus‑Kraft zu erleben, wo diese durch den Menschen werden die Christus‑Kraft erleben und erlöst werden. Der Mensch wird Luzifer erlösen, wenn er die Christus‑Kraft in der entsprechenden Weise aufnimmt. Und dadurch wird der Mensch wiederum stärker, als er sonst geworden wäre. Denn denken Sie, der Mensch hätte nicht die luziferischen Kräfte bekommen: dann würde die Christus‑Kraft ausstrahlen, aber sie träfe nicht auf die Hindernisse der luziferischen Kräfte, und der Mensch würde unmöglich im Guten, im Wahren, in der Weisheit so weit kommen können, wie er kommen kann, wenn er diese widerstrebenden Kräfte zu besiegen hat.“

GA 110, S 171/172

„Sie werden aus dem, was ich gesagt habe, entnehmen, daß eigentlich das Schlafen im Sommer etwas ganz anderes heißt als im Winter, wenn auch zunächst das menschliche Leben und sein Bewußtsein innerhalb des gegenwärtigen Bewußtseinszustandes ein so dumpfes und herabgelähmtes ist, daß diese Dinge nicht wahrgenommen werden. In älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung unterschieden die Menschen durch ihre Empfindungen sehr genau zwischen dem Winterschlaf und dem Sommerschlaf. Und sie wußten auch, welche Bedeutung der Winterschlaf und der Sommerschlaf für sie hatten. Die Menschen wußten in diesen älteren Zeiten, daß der Sommerschlaf ein solcher war, daß sie sagen konnten: Während des Sommers ist die Erde mit Bildgedanken umwoben. ‑ Das drückten die Menschen der älteren Zeiten so aus: Da steigen die oberen Götter herunter während des Sommers und umschweben die Erde; während des Winters steigen die unteren Götter aus der Erde herauf und umschweben die Erde. ‑ Diese imaginative Welt, die anders gestaltet ist während des Winters und des Sommers, empfand man als das Weben von oberen und von unteren Göttern. Aber man wußte auch in diesen älteren Zeiten der Menschheitszivilisation, daß der Mensch mit seiner Ich ‑Wesenheit und mit seinem astralischen Leibe in dieser webenden imaginativen Welt ist.

Nun zeigt uns aber gerade diese Tatsache, die ich eben Ihnen entwickelt habe, wenn wir sie geisteswissenschaftlich beobachten, in welcher Beziehung der Mensch zum außerirdischen Weltenall schon während seines irdischen Daseins steht. Im Sommer, wenn es in irgendeiner Gegend der Erde Sommer ist, da ist der Mensch eigentlich während seines Schlafes immer umwoben von einer scharfkonturierten kosmischen Imagination. Dadurch ist er während dieser Sommerszeit an die Erde herangedrückt, möchte ich sagen, mit seinem geistig-seelischen Wesen. Während der Winterszeit ist es anders. Während der Winterszeit, da werden die Konturen dieser Imaginationen gewissermaßen weiter.

Während des Sommers, da sind ganz deutlich ausgeprägte Imaginationen ‑ in mannigfaltigsten Figuren ‑, innerhalb welcher wir während unseres Schlafes mit unserer Ich‑Wesenheit und unserer astralischen Wesenheit leben. Während des Winters sind weitmaschige Figuren um die Erde herum, und das hat zur Folge, daß jedesmal, links wenn der Herbst beginnt, das, was in unserer Ich‑Wesenheit und in unserem astralischen Leibe lebt, zur Nachtzeit weit in die Welt hinausgetragen wird. Während der heißen Sommerszeit bleibt dasjenige, was in unserem Ich und in unserem astralischen Leibe lebt, sozusagen mehr in der geistig‑seelischen Atmosphäre der Menschen. Während der Winterszeit wird dasjenige, was in unserer Ich‑Wesenheit und in unserer astralischen Wesenheit lebt, hinausgetragen in die Weltenweiten. Man kann schon sagen, ohne daß man irgend etwas bloß Bildliches, sondern indem man etwas ganz Wirkliches sagt: Das, was der Mensch seelisch in sich ausbildet und was er hinaustragen kann zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen durch seine Ich‑Wesenheit und durch seine astralische Wesenheit aus seinem physischen und aus seinem Ätherleibe, das speichert sich auf während der Sommerszeit und strömt während der Winterszeit in die Weiten des Kosmos hinaus.

Wir können nicht als Menschen nun so denken, daß wir uns gewissermaßen im Erdendasein abschließen und die Weite der Welt von uns nichts weiß. So ist es nicht. Man kann zwar sagen, zur Johannizeit, im Sommer, da kann sich der Mensch vor den Weltengeistern zunächst verstecken, und es könnte ihm gelingen, da auch verwerfliche Gefühle zu haben; das dichte Netz von Imaginationen läßt das nicht hinaus. Aber das bleibt ja. Und zur Weihnachtszeit, da schauen die Götter herein auf die Erde; da verrät sich alles, was in den Menschenwesen lebt und mit ihrem Ich und mit ihrer astralischen Wesenheit hinausgeht. Und man dürfte schon das Bild hinstellen, das eine Wirklichkeit darstellt: daß sich mit der Winterszeit die Erdenfenster öffnen und die Engel und Erzengel nachschauen, wie die Menschen auf der Erde sind.“

GA 219, S 35/36

„Von diesem Gedächtnis hängt es hier auf Erden ab, daß wir uns so recht in einem Ich fühlen. Würden wir nur in der Gegenwart leben, keine Erinnerungen haben, so würde unser Ich keinen inneren Zusammenhang haben. Wir würden uns überhaupt ‑ ich habe das schon öfter ausgeführt ‑ nicht in einem ausgesprochenen Ich fühlen können. Aber Sie sehen zugleich, diese Erinnerung kommt als irdische schattenhafte Fähigkeit dadurch zustande, daß in der geistigen Welt im vorirdischen Dasein eine mächtige Fähigkeit vorhanden ist: die Fähigkeit, die wir, ich möchte sagen, nach den Anweisungen der Wesenheiten höherer Hierarchien bekommen, wenn wir in dem andern Zustand mit ihnen leben, die Fähigkeit, daß wir nach den Anweisungen dieser Wesenheiten der höheren Hierarchien dann, wenn wir zu uns selbst kommen, unseren Leib vorbereiten.“

GA 219, S 65/66

„Dann aber kam die Zeit, deren Mitte unsere jetzige Weihnachtszeit ist. Es kam die Zeit, in welcher die Initiierten und Inspirierten des Jahresgottes ihre Schüler auf das Eigentümliche hinwiesen, was sich enthüllt, wenn das Wasser in den künstlerisch gestalteten Schneeflocken die Erde bedeckt. Da wurde das Lesen, das schon im Herbste zum Sinnen geworden war, zu einem inneren Leben, da wurde das Beobachten der Seele, das in früheren Jahreszeiten parallel gegangen war der äußeren physischen Arbeit, innere geistige Arbeit. Mystik, mystische Vertiefung wurde das Lesen. Der Mensch wußte, daß er sich nur dann in seinem tiefsten Wesen, in seinem Ich ‑Wesen begreifen kann, wenn er sich über dieses Ich‑Wesen sagen läßt, was der Weltenlogos hineingeheimnißt in alles, was mit der Natur vor sich geht, wenn die Schneedecke die Erde zuhüllt und Kälte das Leben zusammenzieht im Umkreise der Erde. Die Initiierten und Inspirierten des Jahresgottes sollten seine Schrift kennenlernen aus dieser Schrift der Jahreszeit des Winters heraus. Ihr Blick wurde geschärft, damit er dem Samenkorn nachfolgen konnte, das in die Erde hineingesenkt wurde, damit er den Insektentieren nachfolgen konnte, welche zu überwintern versuchten innerhalb der sich selber zusammenziehenden Erdenkräfte. Aus dem physischen Lichte wurden die Blicke hingeführt in das physische Dunkel.“

GA 219, S 140

„Und immer mehr wurde es so in jenen alten Zeiten, daß die Eingeweihten, indem sie ihre Schüler auf die Sonne zur tiefen Winterszeit in mitternächtiger Stunde hinwiesen, ihnen in einer gewissen Weise künden mußten, wie der Mensch auf der Erde in seinem Ich sich verlassen fühlt. Ein Schmerzensfest wurde immer mehr und mehr gerade bei denjenigen, die zu den Wissendsten gehörten, das Fest der Tiefwinternacht, ein Schmerzens‑ und ein Leidensfest, durch das der Mensch kennenlernen sollte, wie er innerhalb des physisch‑irdischen Daseins zu seinem Ich den Weg nicht finden kann. Lernen sollte er es dadurch, daß er aus den Zeichen ablas, die in der Tiefwinterszeit der Logos auf die Erde schrieb, wie er mit seinem Ich im Weltenlaufe verlassen ist, denn die Erde ward allein empfunden, und wonach sich das Ich sehnen muß, die Sonnenkraft, sie ward durch die Erde zugedeckt. Es erschien die Sonne zwar in mitternächtiger Stunde, aber der Mensch fühlte immer weniger Kraft, zu diesem Sonnenwesen in mitternächtiger Stunde zu kommen. Aber zu gleicher Zeit war dieses Aufmerksammachen auf die Verlassenheit des Menschen‑Ichs im Kosmos der prophetische Hinweis darauf, wie jenes Sonnenwesen an die Erde herankommen sollte, des Menschen Wesen im Lauf der Menschheitsentwickelung durchdringen sollte, erscheinen sollte, um die kranke Menschheit, die am Weltenall in Einsamkeit krankende Menschheit zu heilen.“

GA 219, S 141/142

„Heute, wenn wir von dem Weihnachtsmysterium sprechen, müssen wir das, was wir dabei empfinden, auf dem Hintergrunde jenes alten Leidens‑ und Schmerzensfestes finden, müssen gedenken, wie innerhalb der Menschheitsentwickelung in diese Entwickelung die Kraft eingetreten ist, durch die der Mensch sich dem entringen kann, was ihn durch die Schwere an die Erde selber fesselt. Wir müssen den Weihnachtsgedanken so gestalten können, daß wir uns sagen: Ja, wahr sind noch immer die Inspirationen des Jahresgottes, die er den alten Eingeweihten enthüllte, daß die Erde zu ihrer Selbstbesinnung sich aus dem Weltenall auf sich zurückzieht während der tiefen Winterszeit, daß der Mensch noch immer verstehen kann, wie zusammenhängt mit diesem Jahrgeheimnis das Geheimnis des menschlichen Ichs. Aber aus der menschlichen Einsicht, aus der einsichtsvollen Menschenempfindung, aus der einsichtsvollen menschlichen Herzensweisheit heraus kann sich der Mensch mit den Bildern des in das Erdenmenschenleben einziehenden Christus Jesus umgeben, kann der Mensch den tiefen Gedanken der Weihenacht empfinden lernen. Aber er wird ihn nur in der richtigen Weise empfinden, wenn er auch wirklich den Willen hat, den sich offenbarenden Christus durch alle Zeiten zu verfolgen.“

GA 219, S 142

„Indem wir von dem gesamten Menschen sprechen, sprechen wir zunächst, wenn wir von oben beginnen in der Viergliedrigkeit des Menschen, von seinem Ich. Alles dasjenige, was der Mensch seelisch‑geistig sein eigen nennt, wirkt in seinem physischen Dasein zwischen Geburt und Tod durch die Werkzeuge des physischen Leibes. Wir können uns bei jedem Gliede des Menschen fragen: Durch welche Partien der physischen Leiblichkeit wirkt das betreffende Glied? Und da zeigt sich uns bei einer durchgreifenden geistigen Beobachtung, daß dasjenige was wir das Ich des Menschen nennen, tatsächlich, so wie der Mensch ist zwischen Geburt und Tod, gebunden ist ‑ so grotesk es klingt, aber die Wahrheiten sind gewöhnlich verschieden von dem, was das Trivialbewußtsein sich vorstellt ‑, leiblich gebunden ist an dasjenige, was wir Unterleib nennen. Denn dieses Ich ist ja, wie ich oftmals gesagt habe, gegenüber der menschlichen Natur das Baby. Der physische Leib hat seine Anlage schon bekommen in der alten Saturnzeit, der Ätherleib in der alten Sonnenzeit, der Astralleib in der alten Mondenzeit, das Ich erst während der Erdenzeit. Es ist das jüngste unter den Gliedern der menschlichen Wesenheit. Es wird erst zur künftigen Vulkanzeit auf der Stufe stehen, auf der der physische Leib jetzt während der Erdenzeit steht. Das Ich ist gebunden an die niedrigste Leiblichkeit des Menschen, und diese niedrigste Leiblichkeit, die schläft eigentlich fortwährend. Sie ist nicht so organisiert, daß sie dasjenige, was in ihr verläuft, ins Bewußtsein heraufträgt. Was in der niederen Leiblichkeit des Menschen geschieht, das ist auch im gewöhnlichen Wachzustand dem Schlafe unterworfen. Unser Ich, das kommt uns als solches in seiner Wahrheit, in seiner wirklichen Wesenheit ebensowenig zum Bewußtsein, wie uns die Vorgänge unserer Verdauung zum Bewußtsein kommen. Was uns als Ich zum Bewußtsein kommt, ist die Reflexvorstellung, die Spiegelvorstellung, die in unser Haupt hinaufgeworfen wird. Wir sehen oder nehmen unser Ich eigentlich niemals wahr, weder im Schlafe, wo wir überhaupt bewußtlos sind im normalen Zustand, noch im Wachen, denn das Ich schläft auch während des Wachens. Das wirkliche Ich kommt nicht ins Bewußtsein herein, sondern nur der Begriff, die Vorstellung vom Ich, die wird heraufgespiegelt. Dagegen in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen, da kommt wirklich dieses Ich zu sich selber, nur wird der Mensch im normalen tiefen Schlafe nichts davon wissen, weil er eben noch unbewußt ist während des Erdenzustandes in diesem tiefen Schlafe. Dieses Ich ist also im Grunde genommen an die niederste Leiblichkeit des Menschen gebunden, und zwar während des Tages, während des Tagwachens von innen, während des Schlafes von außen.“

GA 175, S 94/95

„In dem, was ich damit gesagt habe, sind unzählige Geheimnisse des menschlichen Lebens verborgen, unzählige Geheimnisse. Vor allen Dingen werden Sie, wenn Sie in diese ganze Sache eingehen, verstehen, wie aus dem Geiste heraus der ganze Mensch gebildet ist, nur, möchte ich sagen, auf verschiedenen Stufen. Das Haupt des Menschen ist aus dem Geist heraus gebildet, allein es ist mehr ausgeprägt, es hat eine spätere Bildungsstufe als die Brust, von der wir ja sagen können, sie sei ebenso eine Metamorphose für das Haupt, wie das Blatt im Sinne der Goetheschen Metamorphosenlehre eine Metamorphose für die Blüte ist. Und wenn wir von diesem Gesichtspunkte aus den Rhythmus zwischen Schlafen und Wachen betrachten, dann werden wir sagen: Das Ich wellt während des Wachens in der Tat bei all den Tätigkeiten im menschlichen Leibe, die die niedersten Tätigkeiten sind, die zuletzt gipfeln in der Blutbereitung. Bei diesen Tätigkeiten weilt das Ich während des Wachens. Das sind diejenigen Tätigkeiten des Leibes, die gewissermaßen auf der untersten Stufe der Geistigkeit stehen, denn alles Leibliche ist ja auch geistig: aber das, wovon wir jetzt reden, steht auf der untersten Stufe der Geistigkeit. Dadurch aber, daß das Ich während des Wachens auf der untersten Stufe der Geistigkeit steht, steht es während des Schlafes ‑ beachten Sie das wohl! ‑ mit Bezug auf den Menschen in der höchsten Stufe der Geistigkeit. Denn bedenken Sie folgendes: Wenn wir das Haupt ansehen, so wie wir es als Menschen auf uns tragen, so ist es in bezug auf seine äußere Bildung am meisten den Geist offenbarend. Das Haupt ist am meisten Abbild des Geistes, am meisten Offenbarung des Geistes; der Geist ist am weitesten in die Materie eingegangen. Dadurch aber hat er am wenigsten zurückgelassen im Geiste selber. Indem der Mensch am Haupte so viel Arbeit darauf verwendet hat, die äußere Leiblichkeit vergeistigt zu offenbaren, ist wenig zurückgeblieben im Geiste. Indem in den niederen Gliedern der menschlichen Leiblichkeit dasjenige, was nach außen sich gebildet hat, am wenigsten vergeistigt ist, am wenigsten geistig ausgearbeitet ist, ist in bezug auf diese niederen Glieder am meisten im Geistigen zurückgeblieben. Dem Kopf als Kopf entspricht am wenigsten Geistiges, weil er am meisten Geist in sich hat; dem Unterleib entspricht am meisten Geist, weil er am wenigsten in sich hat. Aber in diesem meisten Geist, der nicht in der Leiblichkeit lebt, da lebt das Ich während des Schlafens drinnen.“

GA 175, S 96/97

„Denken Sie diesen wunderbaren Ausgleich: Während also der Mensch eine niedere Natur hat in bezug auf seine Leiblichkeit, und das Ich in diese niedere Natur untertaucht mit dem Aufwachen, ist diese niedere Natur nur deshalb niedere Natur, weil der Geist am wenigsten gearbeitet hat, weil der Geist so viel zurückbehalten hat im geistigen Gebiet. Aber in dem, was er zurückbehalten hat, da ist das Ich während des Schlafes drinnen. So also ist das Ich während des Schlafes mit demjenigen heute schon zusammen, was der Mensch erst in späterer Zeit ausbilden wird, was der Mensch erst in der Zukunft zur Entwickelung, zur Entfaltung bringen wird, was heute noch wenig, ich möchte sagen nur erst angedeutet ist, noch wenig ausgebildet ist in des Menschen Leiblichkeit. Wird daher das Ich bewußt des Zustandes, in dem es sich während des Schlafes befindet, wird es sich dieses Zustandes in Wahrheit bewußt, dann kann es sich sagen: Ich bin während des Schlafes in demjenigen, was meine heiligste menschliche Anlage ist. Und indem ich aus dem Schlafe heraustrete, indem ich aufwache, gehe ich aus der Welt meiner heiligsten Anlagen in dasjenige über, was heute nur eine schwache Andeutung dieser heiligsten Anlage ist.“

GA 175, S 97/98

„Nun wissen Sie aber, daß es in der selbstverständlich notwendigen Entwickelung des Menschengeschlechtes liegt, daß die Gruppenseelenhaftigkeit allmählich zurückgetreten ist. Das ist es ja, was wesentlich gleichzeitig mit der Tatsache des Mysteriums von Golgatha war: daß die Menschenseelen von ihrem Ich bewußt ergriffen worden sind. Das hat sich vorbereitet jahrhundertelang, aber zur Zeit des Mysteriums von Golgatha war ein Höhepunkt, eine Krisis auf diesem Gebiete. Man konnte nicht mehr die Voraussetzung machen, daß gewissermaßen der Einzelne die Kraft habe, die ganze Gemeinschaft wirklich mit sich zu reißen, seine Empfindungen, seine Impulse unegoistisch auf die ganze Gemeinschaft zu übertragen.“

GA 175, S 343/344

„Wenn wir nun mit unserer Betrachtung beim Menschen einsetzen ‑ und ich habe schon gestern gesagt, daß wir es im Okkultismus nicht so gut haben wie die äußere wissenschaftliche Betrachtungsweise, daß wir nicht sozusagen alles durcheinanderwerfen können dann müssen wir, wenn wir die menschlichen Organe betrachten, uns immer bewußt sein, daß diese Organe oder Organsysteme zu etwas gebraucht werden können, wozu die analogen Organsysteme im tierischen Organismus, wenn sie auch ähnlich ausschauen, nicht gebraucht werden können. Beim Menschen müssen wir das Blut als äußeres Werkzeug für das Ich ansehen, für alles, was wir als unser innerstes Seelenzentrum, das Ich, bezeichnen. So haben wir im Nervensystem ein äußeres Werkzeug des Astralleibes und in unserem Blut ein äußeres Werkzeug des Ich. Geradeso wie das Nervensystem im Organismus in gewisse Beziehungen tritt zum Blut, so treten diejenigen inneren Seelengebilde, die wir als unsere Vorstellungen, Wahrnehmungen, Empfindungen und so weiter erleben, in eine Beziehung zu unserem Ich. Das Nervensystem ist in der mannigfaltigsten Weise im menschlichen Organismus differenziert. Es zeigt sich uns als die inneren Nervenstränge, da, wo es sich aufschließt zum Beispiel zu Gehörnerven, Gesichtsnerven und so weiter. Das Nervensystem ist also etwas, was sich durch den Organismus so hinerstreckt, daß es in der mannigfaltigsten Weise differenziert ist, innere Mannigfaltigkeiten enthält. Wenn wir das Blut, durch den Organismus durchströmend, betrachten, so zeigt es sich uns ‑ wenn wir absehen wollen von der Veränderung von rotem in blaues Blut ‑im ganzen Organismus doch als einheitliches Blut. Als ein solches Einheitliches tritt es dem differenzierten Nervensystem entgegen, wie das Ich dem Seelenleben entgegentritt, das sich gliedert in Vorstellungen, Empfindungen, Willensimpulse, Gefühle und dergleichen. Je weiter Sie diesen Vergleich verfolgen werden ‑ und das soll ja zunächst auch nur vergleichsweise gesagt sein ‑, desto mehr wird sich Ihnen zeigen, daß eine weitgehende Ähnlichkeit besteht in der Beziehung der beiden Urbilder Ich und Astralleib zu ihren Abbildern, ihren Werkzeugen: Blutsystem und Nervensystem. Nun können wir allerdings sagen: Blut ist überall Blut, aber indem es durch den Organismus strömt, verändert es sich. Wir können diese Veränderungen des Blutes in Parallele bringen mit den Veränderungen, die das Ich durch die verschiedenen Seelenerlebnisse erfährt. Auch unser Ich ist ein Einheitliches. So weit wir zurückdenken können im Leben zwischen Geburt und Tod, können wir von uns sagen: Ich war da! In unserem fünften Jahr wie in unserem sechsten Jahr, gestern wie heute ist es dasselbe Ich. ‑ Aber wenn wir jetzt auf den Inhalt eingehen, auf das, was dieses Ich enthält, so werden wir finden, daß dieses Ich, wie es in mir lebt, angefüllt ist mit einer größeren oder kleineren Summe von Vorstellungen, Empfindungen, Gefühlen und so weiter, die dem Astralleibe zuzuschreiben sind und mit dem Ich in Berührung kommen. Vor einem Jahre war unser Ich mit einem anderen Inhalt erfüllt, gestern hatte es einen anderen Inhalt und heute wieder einen anderen. Das Ich kommt also mit dem gesamten Seeleninhalt in Berührung, durchströmt diesen gesamten Seeleninhalt. Geradeso wie das Blut den ganzen Organismus durchströmt und überall mit dem differenzierten Nervensystem in Berührung kommt, so kommt das Ich zusammen mit dem differenzierten Leben der Seele, mit Vorstellungen, Gefühlen, Willensimpulsen und dergleichen. So also zeigt uns schon diese nur vergleichsweise Betrachtung, daß eine gewisse Berechtigung existiert, in dem Blutsystem ein Abbild des Ich zu sehen und in dem Nervensystem ein Abbild des Astralleibes, dieser beiden höheren, übersinnlichen Glieder der menschlichen Natur, während der Ätherleib sich mehr an den physischen Leib anschließt.“

TB 732, S 39/40

„Nun ist es notwendig, uns zu erinnern, daß das Blut, welches in der angedeuteten Weise durch den Organismus strömt, auf der einen Seite sich darbietet der Außenwelt, vergleichsweise wie eine Tafel den Eindrücken der Außenwelt entgegentritt, auf der anderen Seite sich dem entgegenhält, was wir die innere Welt genannt haben. Ja, so ist es auch mit unserem Ich. Wir richten unser Ich zunächst auf die Außenwelt, nehmen die äußeren Eindrücke auf. Da ergibt sich ein mannigfaltiger Inhalt in unserem Ich; es wird erfüllt von den Impressionen, die von außen kommen. Dann gibt es auch diejenigen Augenblicke, wo das Ich sozusagen in sich selber bleibt, wo es hingegeben ist seinem Schmerz, seinem Leid, an Lust und Freude, an die inneren Gefühle und so weiter, wo es sogar aus dem Gedächtnis aufsteigen läßt, was es jetzt nicht unmittelbar durch die Berührung mit der Außenwelt empfängt, sondern das, was es in sich trägt. Also auch in dieser Beziehung ist das Ich zu parallelisieren mit dem Blut, daß es sich wie eine Tafel darbietet einmal der äußeren Welt und einmal der inneren Welt; und wir könnten dieses Ich genauso schematisch darstellen, wie wir das Blut schematisch dargestellt haben (siehe Zeichnung Seite 42). Wir können die äußeren Eindrücke, die das Ich bekommt, indem es sie als Vorstellungen, als Seelengebilde faßt, in dieselbe Beziehung bringen zum Ich, wie wir die realen, durch die Sinne zu uns kommenden äußeren Vorgänge zum Blut in Beziehung gebracht haben; wir können also die Seelenereignisse, genauso wie beim körperlichen Leben, auf der einen Seite zum Blut, auf der anderen Seite zum Ich in Beziehung bringen.“

TB 732, S 40/41

„Diese Beziehung ist nun etwas außerordentlich Wichtiges, wenn man den menschlichen Organismus so betrachten will, daß die Betrachtung eine Grundlage für die okkulte Anschauung der menschlichen Natur ergeben kann. Dann müssen wir uns sagen: Beim gewöhnlichen Leben, wie es im allgemeinen verfließt, geschieht der Vorgang so, daß eine Wirkung, die durch den Nerv sich fortpflanzt, in das Blut sich einschreibt wie in eine Tafel und dadurch in das Werkzeug des Ich sich eingeschrieben hat. Nehmen wir aber einmal an, wir würden die Beziehung zwischen Blutlauf und Nerv künstlich unterbrechen, das heißt, wir würden also künstlich den Menschen in eine solche Lage bringen, daß gleichsam der Nerv in seiner Wirksamkeit von dem Blutlauf entfernt wird, so daß sie nicht mehr aufeinander wirken können. Das kann man schematisch in der Weise zeichnen, daß man die beiden Glieder weiter auseinander zeichnet, so daß eine Wechselwirkung zwischen Nerv und Blut nicht mehr stattfinden kann. Da kann die Sache so liegen, daß zunächst auf den Nerven kein Eindruck gemacht wird. So etwas kann man ja erreichen, indem man zum Beispiel den Nerv durchschneidet. Wenn es auf irgendeine Weise zustande kommt, daß ein Nerv durchschnitten ist, daß also auf den Nerv kein Eindruck gemacht wird, dann ist es ja nicht weiter wunderbar, daß der Mensch auch nichts Besonderes durch diesen Nerv erleben kann. Nehmen wir aber an, es werde ‑trotzdem die Beziehung zwischen Nerv und Blut unterbrochen ist ‑ein gewisser Eindruck gemacht. Im äußeren Experiment kann das ja dadurch herbeigeführt werden, daß man zum Beispiel durch einen elektrischen Strom den Nerv reizt. Diese äußere Beeinflussung des Nervs geht uns hier aber nichts an. Es gibt aber noch eine andere Beeinflussung des Nervs, die zu einem Zustande führt, wo er auf die Blutbahn nicht wirken kann. Dieser Zustand kann für den menschlichen Organismus herbeigeführt werden ‑ und er wird auch herbeigeführt ‑ durch gewisse Vorstellungen, gewisse Ideen, Empfindungen und Gefühle, die der Mensch erlebt und sich angeeignet hat und die, damit ein solches Experiment gelinge, höhere moralische oder intellektuelle Vorstellungen sein sollten. Wenn der Mensch sich solche Vorstellungen macht, zum Beispiel von Sinnbildern, und sich in scharfer innerer Konzentration der Seele übt, dann bewirkt das, daß er gleichsam den Nerv voll in Anspruch nimmt und ihn dadurch zurückzieht vom Blutlaufe. Wenn der Mensch im wachen Bewußtsein sich den normalen äußeren Eindrücken überläßt, wie sie gerade kommen, dann ist die natürliche Verbindung zwischen Nerv und Blutlauf da. Wenn der Mensch aber sich durch scharfe innere Konzentration von der Wirkung der äußeren Eindrücke abzieht, dann hat er ja das in der Seele, was erst im Bewußtsein entsteht; was Inhalt des Bewußtseins ist, nimmt den Nerv vorzugsweise in Anspruch und trennt dadurch die Nerventätigkeit ab von der Bluttätigkeit. Die Folge einer solchen inneren Konzentration, die ‑ wenn sie stark genug ist ‑ wirklich die Leitung zwischen Nerv und Blut unterbricht, ist, daß der Nerv in einer gewissen Weise befreit wird von dem Zusammenhang mit dem Blutsystem, ja auch befreit wird von dem, wofür das Blutsystem das äußere Werkzeug ist, das heißt also befreit wird von den gewöhnlichen Erlebnissen des Ich. Und es ist in der Tat so ‑ und das kann vollständig experimentell belegt werden ‑, daß durch die Erlebnisse der geistigen Schulung, die in die höheren Welten hinaufführen soll, durch die anhaltende scharfe Konzentration das gesamte Nervensystem zeitweise dem gewöhnlichen Zusammenhang mit dem Blutsystem und dessen Aufgaben für das Ich entrückt wird. Da tritt nun eine gewisse Folge ein, nämlich die, daß das Nervensystem, das früher seine Wirkung auf die Tafel des Blutes geschrieben hat, nunmehr das, was es als Wirkung in sich enthält, in sich selbst zurücklaufen läßt, in sich zurücknimmt und diese Wirkung nicht bis zum Blut hinkommen läßt. Es ist also möglich, rein durch Vorgänge innerer Konzentration, sein Blutsystem von dem Nervensystem gleichsam abzutrennen und dadurch dasjenige, was sonst in das Ich ‑ bildlich gesprochen ‑ hineingeflossen wäre, zum Zurücklaufen in das Nervensystem zu bringen.

Nun ist das Eigentümliche, daß der Mensch, wenn er durch innere Seelentätigkeit wirklich so etwas bewirkt, dann eine ganz andere Art des inneren Erlebens hat und damit vor einem vollständig veränderten Bewußtseinshorizont steht. Wir können sagen: Wenn Nerven und Blut in der gewöhnlichen Weise miteinander in Wechselwirkung stehen, wie es im normalen Leben der Fall ist, dann bezieht der Mensch die Eindrücke, die von außen kommen, auf sein Ich. Wenn er aber durch innere Konzentration, durch innere Seelentätigkeit sein Nervensystem heraushebt aus der Wirkung auf sein Blutsystem, dann lebt er auch nicht in seinem bisherigen gewöhnlichen Ich; er kann dann nicht in demselben Sinne zu dem, was er jetzt als sein Selbst hat, «Ich» sagen. Der Mensch erscheint sich dann so, wie wenn er einen Teil seiner Wesenheit ganz bewußt aus sich herausgehoben hätte, abgesondert von seinem Blutsystem; es ist so, wie wenn etwas, was man sonst nicht sieht, ein Übersinnliches, in unsere Nerven hereinwirkt, das sich nicht auf unsere Bluttafel abdruckt und auf unser gewöhnliches Ich keinen Eindruck macht. Der Mensch fühlt sich hinweggehoben von dem ganzen Blutsystem, gleichsam herausgehoben aus dem Organismus. Es ist ein bewußtes Herausheben des Ich aus dem Wirkungsbereich des Astralleibes. Während nun früher die Nerventätigkeit im Blutsystem abgebildet wurde, wird sie jetzt in sich selbst zurückreflektiert; jetzt lebt der Mensch in etwas anderem, da empfindet er sich in einem anderen Ich, in einem [makrokosmischen] ich, das früher nur geahnt werden konnte. Er fühlt das Hereinragen einer übersinnlichen Welt.“

TB 732, S 42-45

„Nun habe ich am Ende des gestrigen Vortrages bereits eines ausgeführt. Ich versuchte zu zeigen, daß der Mensch durch gewisse Seelenübungen, durch starke Gedanken‑ und Empfindungskonzentration eine andere Art seines Lebenszustandes hervorrufen kann, als es die gewöhnliche ist. Der gewöhnliche Lebenszustand drückt sich ja dadurch aus, daß wir im wachen Tagesleben eine enge Verbindung haben zwischen Nerven und Blut. Wenn wir uns schematisch ausdrücken wollen, können wir so sagen: Was durch die Nerven geschieht, schreibt sich ein in die Tafel des Blutes. Durch Seelenübungen bringt man es nun dahin, die Nerven so stark anzuspannen, daß deren Tätigkeit sich nicht mehr hineinerstreckt bis ins Blut, sondern daß diese Tätigkeit wie in den Nerv selber zurückgeworfen wird. Weil nun das Blut das Werkzeug unseres Ich ist, fühlt sich dann ein Mensch, welcher durch starke Empfindungs‑ und Gedankenkonzentration gleichsam sein Nervensystem freigemacht hat vom Blute, wie entfremdet seiner eigenen gewöhnlichen Wesenheit, wie herausgehoben aus ihr, er fühlt sich gleichsam ihr gegenüberstehend, so daß er zu dieser seiner gewöhnlichen Wesenheit nicht mehr sagen kann: das bin ich ‑, sondern sagen kann: das bist du. Er tritt also sich selbst so gegenüber wie einer fremden, in der physischen Welt lebenden Persönlichkeit. Wenn wir einmal ein wenig auf den Lebenszustand eines solchen, in einer gewissen Art hellsichtig gewordenen Menschen eingehen, so müssen wir sagen: Ein solcher fühlt sich so, wie wenn eine höhere Wesenheit in sein Seelenleben hineinragen würde. ‑ Es ist dies ein ganz anderes Gefühl, als man es hat, wenn man im normalen Lebenszustand der Außenwelt gegenübersteht. Im gewöhnlichen Leben fühlt man sich den Dingen und Wesenheiten der äußeren Welt, Tieren, Pflanzen und so weiter, gegenüber fremd, man fühlt sich als ein Wesen neben ihnen oder außerhalb ihrer stehend. Man weiß ganz genau, wenn man eine Blume vor sich hat: Die Blume ist dort, und ich bin hier. ‑ Anders ist das, wenn man auf die gekennzeichnete Art sich aus seinem subjektiven Ich heraushebt, wenn man durch Losreißen seines Nervensystems vom Blutsystem in die geistige Welt hinaufsteigt. Dann fühlt man nicht mehr: da ist das fremde Wesen, das uns gegenübertritt, und hier sind wir ‑, sondern dann ist es so, wie wenn das andere Wesen in uns eindringen würde und wir uns mit ihm eins fühlten. So darf man sagen: Der hellsichtig werdende Mensch beginnt bei fortgeschrittener Beobachtung die geistige Welt kennenzulernen, jene geistige Welt, mit der der Mensch in steter Verbindung steht und die ja auch im gewöhnlichen Leben durch unser Nervensystem auf dem Umwege durch die Sinneseindrücke zu uns kommt.

Diese geistige Welt also, von welcher der Mensch im normalen Bewußtseinszustand zunächst nichts weiß, ist es, die sich dann einschreibt in unsere Bluttafel und dadurch in unser individuelles Ich. Wir dürfen nämlich sagen: Alle dem, was uns äußerlich in der Sinneswelt umgibt, liegt eine geistige Welt zugrunde, die wir nur wie durch einen Schleier sehen, der durch die Sinneseindrücke gewoben wird. Im normalen Bewußtsein sehen wir diese geistige Welt nicht, über die der Horizont des individuellen Ich einen Schleier ausspannt. In dem Augenblick aber, wo wir von dem Ich frei werden, erlöschen auch die gewöhnlichen Sinneseindrücke, die haben wir dann nicht. Wir leben uns hinauf in eine geistige Welt, und das ist dieselbe geistige Welt, die eigentlich hinter den Sinneseindrücken ist, mit der wir eins werden, wenn wir unser Nervensystem herausheben aus unserem gewöhnlichen Blutorganismus.“

TB 732, S 48/49

„Nun haben wir mit diesen Betrachtungen gewissermaßen das menschliche Leben verfolgt, wie es von außen angeregt wird und durch die Nerven auf das Blut wirkt. Wir haben aber schon gestern darauf aufmerksam gemacht, daß wir in dem rein organischen physischen Innenleben des Menschen eine Art zusammengedrückte Außenwelt sehen können, und wir haben namentlich darauf hingewiesen, wie eine Art in Organe zusammengedrängte Außenwelt vorhanden ist in unserer Leber, Galle und Milz. Wir können sagen: Wie das Blut nach der einen, der oberen Seite unseres Organismus das Gehirn durchläuft, um dort mit der Außenwelt in Berührung zu kommen ‑ und das geschieht, indem auf das Gehirn die äußeren Sinneseindrücke wirken ‑, so kommt das Blut, wenn es sich durch den Körper bewegt, in Beziehung zu den inneren Organen, von denen wir zunächst Leber, Galle und Milz betrachtet haben. Und daß in ihnen das Blut nicht mit irgendeiner Außenwelt in Berührung kommt, dafür sorgt die Tatsache, daß diese Organe sich nicht wie Sinnesorgane nach außen aufschließen, sondern in den Organismus eingeschlossen und von allen Seiten zugedeckt sind, so daß sie nur ein inneres Leben entfalten. Diese Organe können alle auch auf das Blut nur so wirken, wie sie selbst ihrer Eigenart nach sind. Leber, Galle und Milz bekommen nicht wie das Auge oder das Ohr äußere Eindrücke, können also auch nicht an das Blut Wirkungen weitergeben, welche von außen angeregt sind, sondern sie können in der Wirkung, welche sie auf das Blut haben, nur ihre eigene Natur zum Ausdruck bringen. Wenn wir also die innere Welt betrachten, in die die Außenwelt gleichsam wie zusammengedrängt ist, so können wir sagen: Hier wirkt eine verinnerlichte Außenwelt auf das menschliche Blut. Wenn wir uns das wieder schematisch zeichnen wollen, so können wir durch den schrägen Strich A‑B (siehe Zeichnung Seite 50) die Tafel des Blutes angeben, durch die oberen Pfeile können wir alles das veranschaulichen, was von außen kommend an die Bluttafel herandringt, und durch die unteren Pfeile alles, was von innen kommend sich der Bluttafel einschreibt. Oder, wenn wir die Sache etwas weniger schematisch ansehen wollen, so können wir sagen: Wenn wir das menschliche Haupt und das hindurchgehende Blut betrachten, wie es beschrieben wird von außen durch die Sinnesorgane, so wirkt das Gehirn in seiner Arbeit in derselben Weise umwandelnd auf das Blut, wie die inneren Organe auf das Blut umwandelnd wirken. Denn diese drei Organe, Leber, Galle, Milz, wirken von der anderen Seite her auf das Blut, welches wir hier so zeichnen wollen, als ob es die Organe umflösse. So also würde das Blut gleichsam Strahlungen, Wirkungen empfangen können von den inneren Organen und würde damit sozusagen als Werkzeug des Ich in diesem Ich das innere Leben dieser Organe zum Ausdruck bringen, so wie in unserem Gehirnleben das zum Ausdruck kommt, was uns in der Welt umgibt.“

TB 732, S 50-52

„Nun haben wir gestern gesagt, und es heute der Deutlichkeit wegen wiederholt, daß der Mensch imstande ist, seine Nerven, insofern sie in die Sinneswelt hinausführen, sozusagen frei zu machen von den Wirkungen der Außenwelt auf das Blutsystem. Die Frage müssen wir uns nun vorlegen, ob auch nach der entgegengesetzten Richtung hin etwas Ähnliches möglich ist? Und wir werden später sehen, daß in der Tat auch solche Übungen der Seele möglich sind, welche dieselbe Wirkung, von der wir heute und gestern gesprochen haben, nach der anderen Richtung möglich machen. Jedoch besteht hier ein gewisser Unterschied. Während wir durch Gedankenkonzentration, durch Gefühlskonzentration, durch okkulte Übungen die Nerven unseres Gehirns und Rückenmarkes vom Blute losbekommen können, können wir durch solche Konzentrationen, welche gleichsam in unser Innenleben, in unsere Innenwelt hineingehen ‑ und es sind dies namentlich diejenigen Konzentrationen, die man zusammenfassen kann unter dem Namen «mystisches Leben» ‑, so tief in uns eindringen, daß wir allerdings unser Ich dabei, also auch sein Werkzeug, das Blut, keineswegs unberücksichtigt lassen. Die mystische Versenkung, von der wir ja wissen ‑ was später noch genauer ausgeführt werden soll ‑, daß der Mensch durch sie gleichsam untertaucht in seine eigene göttliche Wesenheit, in seine eigene Geistigkeit, insofern sie in ihm liegt, diese mystische Versenkung ist nicht zunächst ein Herausheben aus dem Ich. Sie ist im Gegenteil ein Sichhineinversenken in das Ich, eine Verstärkung, ein Energischermachen, eine Steigerung der Ich-Empfindung. Davon können wir uns überzeugen, wenn wir ‑ abgesehen von dem, was die Mystiker der Gegenwart sagen ‑ uns ein wenig einlassen auf ältere Mystiker. Diese älteren Mystiker, gleichgültig, ob sie auf einem mehr oder weniger religiösen Boden stehen, sind vor allen Dingen bemüht, in ihr eigenes Ich hineinzudringen und abzusehen von alle dem, was die Außenwelt uns geben kann, um frei zu werden von allen äußeren Eindrücken und ganz in sich selber unterzutauchen. Diese innere Einkehr, dieses Untertauchen in das eigene Ich ist zunächst wie ein Zusammenziehen der ganzen Gewalt und Energie des Ich in den eigenen Organismus hinein. Das wirkt nun auf die ganze Organisation des Menschen weiter, und wir können sagen: Diese innere Versenkung, dieser im eigentlichen Sinne so zu nennende «mystische Weg» ist ‑ im Gegensatz zu dem anderen Weg, den wir beschrieben haben ‑ so, daß wir das Werkzeug des Ich, das Blut, nicht abziehen von dem Nerv, sondern es gerade mehr hinstoßen zum Nerv, zum sympathischen Nervensystem. Während wir also die Verbindung von Nerv und Blut lösen bei dem Vorgang, den wir gestern besprochen haben, machen wir im Gegensatz dazu durch die mystische Versenkung die Verbindung zwischen dem Blut und dem sympathischen Nervensystem stärker. Das ist das physiologische Gegenbild: Bei der mystischen Versenkung wird das Blut tiefer hineingedrängt zu dem sympathischen Nervensystem, während bei der anderen Art seelischer Übungen das Blut vom Nerv abgedrängt wird. Es ist also wie ein Eindrücken des Blutes in das sympathische Nervensystem, was in der mystischen Versenkung vor sich geht.“

TB 732, S 54-56

„Nehmen wir nun an, wir könnten für eine Welle von dem absehen, daß der Mensch, wenn er in mystischer Versenkung in sein Inneres hineingeht, nicht loskommt von seinem Ich, sondern es im Gegenteil tiefer hineindrängt in sein Inneres und dabei alle schlechten, alle minder guten Eigenschaften, die er hat, mitnimmt. Wenn man sich in sein Inneres hineinversenkt, ist man sich zunächst nicht klar, daß man auch alle minder guten Eigenschaften hineindrückt in dieses Innere, mit anderen Worten, daß alles, was im leidenschaftlichen Blute ist, mit hineingeprägt wird in das sympathische Nervensystem. Aber nehmen wir an, wir könnten eine Weile davon absehen und uns sagen, der Mystiker habe Sorge getragen, bevor er zu einer solchen mystischen Versenkung gekommen ist, daß die minder guten Eigenschaften immer mehr und mehr verschwunden sind und daß anstelle der egoistischen Eigenschaften selbstlose, altruistische Gefühle getreten sind, er habe sich dadurch vorbereitet, daß er versuchte, das Gefühl des Mitleides mit allen Wesen in sich rege zu machen, um die Eigenschaften, die nur auf das Ich hinspekulieren, zu paralysieren durch selbstloses Mitgefühl für alle Wesen. Nehmen wir also an, der Mensch habe sich genügend sorgfältig vorbereitet, um sich in sein Inneres hinein zu versenken. Trägt der Mensch dann das Ich durch das Werkzeug seines Blutes in seine innere Welt hinein, dann kommt es dazu, daß dieses innere Nervensystem, das sympathische Nervensystem, von dem der Mensch im normalen Bewußtsein natürlich nichts weiß, hereinrückt in das Ich‑Bewußtsein, daß er anfängt zu wissen: Du hast da in dir etwas, das dir ein Ähnliches von deiner inneren Welt vermitteln kann, wie dein Gehirn‑Rückenmark‑Nervensystem dir die äußere Welt vermittelt. ‑ Man wird gewahr seines sympathischen Nervensystems, und wie man durch das Gehirn-Rückenmark‑Nervensystem die äußere Welt erkennen kann, so kommt einem jetzt entgegen die innere Welt. Aber wie wir bei den äußeren Eindrücken auch nicht die Nerven selbst sehen, sondern durch die Sehnerven die äußere Welt in unser Bewußtsein hereindringt, so dringen bei der mystischen Versenkung auch nicht die inneren Nerven ins Bewußtsein herein; der Mensch wird nur gewahr, daß er in ihnen ein Instrument hat, durch das er in das Innere schauen kann. Es tritt etwas ganz anderes ein, es tritt vor dem nach innen zu hellsichtig gewordenen menschlichen Erkenntnisvermögen die innere Welt auf. Wie uns der Blick nach außen die Außenwelt erschließt, und uns dabei nicht unsere Nerven zum Bewußtsein kommen, so kommt uns auch nicht unser sympathisches Nervensystem zum Bewußtsein, wohl aber das, was sich uns als Innenwelt entgegenstellt. Nur müssen wir sehen, daß diese Innenwelt, die uns da zum Bewußtsein kommt, eigentlich wir selbst als physischer Mensch sind.“

TB 732, S 56/57

„Wir sehen daraus, daß in dem Werkzeug unseres Ich, in unserem Blutsystem, das seinen Rhythmus im Herzen zum Ausdruck bringt, etwas gegeben ist, was gewissermaßen in seiner ganzen Gestaltung, in seiner inneren Natur und Wesenheit durch das innere Weltsystem des Menschen bestimmt wird, und daß es in ein solches [makrokosmisches] Gesamtsystem eingebettet sein muß, damit es so leben kann, wie es eben lebt. In diesem menschlichen Blutsystem ‑ das habe ich schon öfter erwähnt ‑ haben wir zu sehen das physische Werkzeug unseres Ich. Wir wissen ja, daß unser Ich, so wie wir es haben, nur dadurch möglich ist, daß dieses Ich aufgebaut ist auf Grundlage eines physischen Leibes, eines Ätherleibes und eines Astralleibes. Ein frei in der Welt herumfliegendes menschliches Ich ist innerhalb der Welt, die unsere Welt ist, nicht denkbar. Ein menschliches Ich setzt voraus als Grundlage einen Astralleib, einen Ätherleib und einen physischen Leib. Wie nun dieses Ich in geistiger Beziehung die drei genannten Wesensglieder des Menschen voraussetzt, so setzt sein physisches Organ, das Blutsystem, auch physisch solche Abbilder des astralischen und des ätherischen Leibes voraus. Das Blutsystem kann sich also nur auf der Grundlage von etwas anderem entwickeln. Während die Pflanze sich einfach entwickelt auf der Grundlage der sie umgebenden unorganischen Natur, indem sie gleichsam aus derselben herauswächst, müssen wir sagen, daß für den menschlichen Blutorganismus als Grundlage nicht ohne weiteres bloß die äußere Natur als Unterlage nötig ist, sondern es muß diese äußere Natur erst noch eine Umgestaltung erfahren. Wie der physische Leib des Menschen erst einen Ätherleib und einen Astralleib haben muß, so muß das, was an Nahrungsstoffen einströmt, erst umgestaltet werden, damit es dem menschlichen Ich als Werkzeug dienen kann.“

TB 732, S 79

„Es gibt solche Organe, von denen man sagen muß, daß sie hauptsächlich bestimmt sind durch Kraftsysteme des Ätherleibes, andere, die mehr bestimmt sind durch Strömungen oder Kräfte des Astralleibes, während noch andere mehr bestimmt sind durch Strömungen des Ich. Aus den Ausführungen, die in den Vorträgen gemacht worden sind, können Sie sich schon sagen, daß insbesondere das Organsystem, das unser Blut führt, im wesentlichen von solchen Strahlungen abhängt, die von unserem Ich ausgehen, daß also das menschliche Blut im wesentlichen mit Strömungen und Strahlungen des menschlichen Ich zusammenhängt. Die anderen Organsysteme und ihre Inhalte sind in den verschiedensten Abstufungen von den übersinnlichen Gliedern der menschlichen Natur bestimmt.“

TB 732, S 93

„Wenn Sie dasjenige Organ betrachten, welches wir als das Mittelpunktsorgan für den menschlichen Organismus ansehen müssen, das Blutsystem, wenn Sie sehen, wie auf der einen Seite das Blut immerfort durch Aufnehmen von Sauerstoff sich auffrischt, und wenn Sie auf der anderen Seite das Blutsystem als das Werkzeug des menschlichen Ich betrachten, so können wir sagen: Wenn das Blut unverändert durch den menschlichen Organismus hindurchgehen würde, so könnte es nicht das Organ des menschlichen Ich sein, das im eminentesten Sinne das Organ ist, welches den Menschen sich innerlich erlebbar macht. Nur dadurch, daß das Blut in sich selber Veränderungen durchmacht und als ein anderes wieder zurückkehrt, daß also Absonderungen geschehen von verändertem Blut, nur dadurch ist es Möglich, daß der Mensch das Ich nicht nur hat, sondern es auch erleben kann mit Hilfe seines sinnlich‑physischen Werkzeuges, des Blutes.“

TB 732, S 100

„Das Blut als solches stellt sich uns nun dar als das beweglichste, als das regsamste aller unserer Systeme. Und wir wissen ja, wenn wir auch nur in geringem Maße irgendwie eingreifen in die Blutbahn, so nimmt das Blut sogleich andere Wege. Wir brauchen uns nur an irgendeiner Stelle zu stechen, so nimmt das Blut gleich einen anderen Weg als sonst. Das ist unendlich wichtig zu berücksichtigen, denn daraus können wir ersehen, daß das Blut das bestimmbarste Element im menschlichen Leibe ist. Es hat seine gute Unterlage an den anderen Organsystemen, aber es ist zugleich das aller bestimmbarste, das die wenigste innere Stetigkeit hat. Das Blut kann ungeheuer bestimmt werden durch die Erlebnisse des bewußten Ich. Ich will dabei nicht eingehen auf die phantastischen Theorien, die von seiten der äußeren Wissenschaft über das Erröten oder Erbleichen bei Scham‑ oder Angstgefühlen aufgestellt werden, ich will nur hinweisen auf die rein äußere Tatsache, daß solchen Erlebnissen wie Furcht oder Angst und Schamgefühl Ich‑Erlebnisse zugrunde liegen, die in ihrer Wirkung auf das Blut erkennbar sind. Beim Furcht‑ und Angstgefühl ist es so, daß wir uns gleichsam schützen wollen vor irgend etwas, von dem wir glauben, daß es gegen uns wirkt; wir zucken da gleichsam mit unserem Ich zurück. Beim Schamgefühl ist es so, daß wir uns am liebsten verstecken möchten, uns sozusagen hinter das Blut zurückziehen, unser Ich auslöschen möchten. Beide Male ‑ ich will dabei nur auf die äußeren Tatsachen eingehen ‑ folgt das Blut materiell, als äußeres materielles Werkzeug dem, was das Ich in sich erlebt. Beim Furcht und Angstgefühl, wo der Mensch sich so stark in sich zurückziehen möchte vor etwas, von dem er sich bedroht fühlt, da wird er bleich; das Blut zieht sich zurück von der Oberfläche zum Zentrum, nach innen. Wenn sich der Mensch beim Schamgefühl verstecken möchte, sich auslöschen möchte, wenn er am liebsten nicht wäre und irgendwo hineinschlüpfen möchte, da drängt sich das Blut unter dem Eindrucke dessen, was das Ich erlebt, bis zur Peripherie des Organismus, und der Mensch wird rot. So sehen wir, daß das Blut das am leichtesten bestimmbare System im menschlichen Organismus ist und den Erlebnissen des Ich am schnellsten folgen kann.“

TB 732, S 116/117

„Wenn wir nun das Blutsystem und das Knochensystem als zwei Pole bezeichnet haben, so wollten wir damit bildlich ausdrücken, daß in ihnen gleichsam die beiden äußersten Enden der menschlichen Organisation zu sehen sind. Im Blutsystem haben wir das beweglichste Element vor uns, das so regsam ist, daß es jeder Regung unseres Ich folgt. Und im Knochensystem haben wir dasjenige, was fast ganz dem Einfluß unseres Ich entzogen ist, wo wir nicht mehr hinunterreichen mit unserem Ich; dennoch aber liegt in seiner Form schon die ganze Organisation des Ich darinnen. Es stehen damit schon rein äußerlich betrachtet Blutsystem und Knochensystem im Menschen wie ein Anfang und ein Abschluß einander gegenüber. Und wenn wir so unser Blutsystem anschauen, das fortwährend allen Regungen des Ich folgt, so sagen wir uns: Im regsamen Blut drückt sich uns so recht das menschliche Leben aus. ‑ Wenn wir auf unser Knochensystem schauen, sagen wir uns: Es symbolisiert alles das, was sich unserem Leben entzieht und dem Organismus nur als Stütze dient. ‑ Unser pulsierendes Blut ist unser Leben; unser Knochensystem ist dasjenige, was sich dem unmittelbaren Leben schon entzogen hat ‑ weil es ein so alter Herr ist ‑, was sich schon ausgeschaltet hat und nur noch als Stütze dienen will, nur noch Form geben will. Während wir in unserem Blute am meisten organisch leben, sind wir im Grunde genommen in unserem Knochensystem schon gestorben. Und ich bitte Sie, diesen Ausspruch wie ein Leitmotiv für die folgenden Vorträge zu betrachten, denn es werden sich wichtige physiologische Dinge daraus ergeben. Während wir in unserem Blute leben, sind wir in unserem Knochensystem eigentlich schon gestorben. Unser Knochensystem ist wie ein Gerüst, es ist das am wenigsten Lebendige, es ist nur das uns stützende Gerüst in uns.“

TB 732, S 122/123

Wenn wir nun das Blutsystem und das Knochensystem als zwei Pole bezeichnet haben, so wollten wir damit bildlich ausdrücken, daß in ihnen gleichsam die beiden äußersten Enden der menschlichen Organisation zu sehen sind. Im Blutsystem haben wir das beweglichste Element vor uns, das so regsam ist, daß es jeder Regung unseres Ich folgt. Und im Knochensystem haben wir dasjenige, was fast ganz dem Einfluß unseres Ich entzogen ist, wo wir nicht mehr hinunterreichen mit unserem Ich; dennoch aber liegt in seiner Form schon die ganze Organisation des Ich darinnen. Es stehen damit schon rein äußerlich betrachtet Blutsystem und Knochensystem im Menschen wie ein Anfang und ein Abschluß einander gegenüber. Und wenn wir so unser Blutsystem anschauen, das fortwährend allen Regungen des Ich folgt, so sagen wir uns: Im regsamen Blut drückt sich uns so recht das menschliche Leben aus. ‑ Wenn wir auf unser Knochensystem schauen, sagen wir uns: Es symbolisiert alles das, was sich unserem Leben entzieht und dem Organismus nur als Stütze dient. ‑ Unser pulsierendes Blut ist unser Leben; unser Knochensystem ist dasjenige, was sich dem unmittelbaren Leben schon entzogen hat ‑ weil es ein so alter Herr ist ‑, was sich schon ausgeschaltet hat und nur noch als Stütze dienen will, nur noch Form geben will. Während wir in unserem Blute am meisten organisch leben, sind wir im Grunde genommen in unserem Knochensystem schon gestorben. Und ich bitte Sie, diesen Ausspruch wie ein Leitmotiv für die folgenden Vorträge zu betrachten, denn es werden sich wichtige physiologische Dinge daraus ergeben. Während wir in unserem Blute leben, sind wir in unserem Knochensystem eigentlich schon gestorben. Unser Knochensystem ist wie ein Gerüst, es ist das am wenigsten Lebendige, es ist nur das uns stützende Gerüst in uns.“

TB 732, S 121-123

„Wir haben schon am Anfang dieser Vortragsreihe im Menschen eine Zweiheit gesehen; jetzt tritt uns diese Zweiheit noch einmal in einer anderen Weise entgegen. Auf der einen Seite das Regsamste, Lebendigste im Blut, auf der anderen Seite etwas wie ein sich der organischen Regsamkeit am meisten Entziehendes, den Tod eigentlich schon in sich Tragendes im Knochensystem. Unser Knochensystem hat einen gewissen Abschluß schon erhalten ‑ in seiner Ausformung wenigstens, wenn es auch nachher noch wächst ‑ bis zu der Lebenszeit des Menschen, wo die Ich‑Erlebnisse beginnen regsam zu werden. Bis zum Zahnwechsel im siebten Lebensjahr hat das Knochensystem sich im wesentlichen seine Form gegeben. Gerade in der Zeit also findet die Hauptentwickelung unseres Knochensystems statt, wo wir selber noch der Regsamkeit unseres Ich in hohem Maße entzogen sind. In dieser Zeit, wo das Knochensystem sich aufbaut aus den dunklen Untergründen und Kräften unseres Organismus heraus, können auch die meisten Fehler in der Ernährung gemacht werden. Gerade in diesen ersten sieben Lebensjahren können in der Ernährung des Kindes besonders folgenschwere Fehler gemacht werden, die sich auf das Knochensystem übel auswirken, zum Beispiel in rachitischen Erkrankungen, die namentlich davon herrühren, daß die Ernährungsprozesse in diesen Jahren nicht in der richtigen Weise geleitet werden, zum Beispiel wenn man der Naschhaftigkeit der Kinder nachgibt und ihnen alles mögliche gibt, wonach sie Verlangen tragen. So sehen wir das, was dem Ich entzogen ist, in unser Knochensystem hineinwirken.“

TB 732, S 123

„Ganz anders ist es beim Blutsystem, welches regsam folgt unserem einzelmenschlichen Leben und mehr als alles andere abhängig ist von den Prozessen unseres inneren Erlebens. Es ist nur eine Art von Kurzsichtigkeit seitens der äußeren Wissenschaft, zu glauben, daß von den inneren Erlebnissen das Nervensystem mehr abhängig wäre als das Blutsystem. Ich will nur darauf hinweisen, daß wir die einfachste Art der Beeinflussung des Blutsystems durch die Ich‑Erlebnisse in der Scham und in der Furcht haben, wo eine Umlagerung des Blutes stattfindet, die deutlich ausdrückt die Ich‑Erlebnisse in dem Werkzeuge des Ich, dem Blut. Sie können sich also denken, wenn sich schon vorübergehende Prozesse so ausdrücken, wie sich dann dauernde oder gewohnheitsmäßige Erlebnisse des Ich ausdrücken müssen in dem erregsamen Elemente des Blutes. Es gibt keine Leidenschaft, keinen Trieb oder Affekt, ob wir sie gewohnheitsmäßig haben oder ob sie explosionsartig zum Ausdruck kommen, die nicht als innere Erlebnisse übertragen werden auf das Blut als Instrument des Ich. Alle ungesunden Elemente des Ich‑Erlebens kommen im Blutsystem zum Ausdruck.

Und überall, wo wir irgend etwas verstehen wollen, was im Blutsystem vorgeht, da ist es wichtig, nicht bloß zu fragen nach dem Ernährungsprozeß, sondern vielmehr nach den seelischen Prozessen zu suchen, insofern sie Ich‑Erlebnisse sind, wie Stimmungen, dauernde Leidenschaften, Affekte und so weiter. Nur eine materialistische Gesinnung wird bei Störungen im Blutsystem das Hauptaugenmerk auf die Ernährung lenken; denn die Bluternährung baut sich auf auf die Ernährung des physischen Systems, des Drüsensystems, des Nervensystems und so weiter, und im Grunde genommen sind die Nahrungsstoffe schon sehr filtriert, wenn sie an das Blut herankommen. Wenn daher das Blut von dieser Seite her beeinträchtigt werden soll, muß schon eine ganz wesentliche Erkrankung des Organismus aufgetreten sein; dagegen wirken alle seelischen, alle Ich‑Prozesse in unmittelbarer Weise auf das Blut zurück.“

TB 732, S 123/124

„So entzieht sich unser Knochensystem am meisten den Vorgängen unseres Ich, und so fügt sich unser Blutsystem am allermeisten den Vorgängen unseres Ich. Ja, dieses Knochensystem ist am allerwenigsten veranlagt, dem Ich zu folgen, man möchte sagen, es ist ganz unabhängig vom Ich, aber doch ist es für das Ich organisiert.“

TB 732, S 124

„Sie wissen, daß es eine Phrenologie, eine Schädelknochenuntersuchung, gibt. Diese hat nach und nach, trotzdem sie von materialistischer Seite als Aberglaube angesehen wird, nach den allgemeinen Gepflogenheiten unserer Zeit eine materialistische Nuance angenommen. Wenn wir grob charakterisieren wollen, können wir sagen: Im allgemeinen wird Phrenologie so beschrieben, daß in den Formen unserer Schädelbildung der Ausdruck gesucht wird für die innere Beschaffenheit unseres Ich, indem gleichsam allgemeine Gesichtspunkte aufgestellt werden und erklärt wird, der eine Höcker bedeute dies, der andere das und so weiter. Da will man die menschlichen Eigenschaften auffinden an den verschiedenen Höckern, die sich an unserem Schädel zeigen. In dem Knochensystem des Schädels wird also von der Phrenologie gesucht eine Art plastischer Ausdruck für unser Ich. Nun ist das aber, wenn es so getrieben wird, auch wenn scheinbar geistige Ausdrücke im Bau der einzelnen Knochen gesucht werden, doch ein Unfug. Denn wer wirklich ein feiner Beobachter ist, der weiß, daß kein einziger menschlicher Schädel dem anderen gleicht und daß man niemals Erhöhungen oder Vertiefungen angeben könnte, die für diese oder jene Eigenschaft allgemein typisch sind, sondern daß ein Jeder Schädel sich unterscheidet von dem anderen, so daß wir bei jedem Menschenschädel andere Formen vor uns haben.

Nun haben wir gesagt, daß sich unserem ich, dem das Blut in seiner Regsamkeit am meisten folgt, der Knochenbau entzieht, ihm am wenigsten folgt. Es ist merkwürdig, daß uns dennoch die Bildung des Schädels und der Gesichtsknochen dem Ich entsprechend gestaltet erscheinen, während der Knochenbau mehr allgemein typisch erscheint. Wer den Schädelbau betrachtet, der weiß: So wahr der Mensch selber individuell ist, so wahr ist auch sein Schädelbau individuell.

Wie kommt es, daß diese wunderbare Konfiguration des Schädels von Anfang an der einzelnen menschlichen Individualität entsprechend angelegt ist, wenn doch das Ich keinen Einfluß auf den Knochenbau hat? Woher kommt es, daß der Schädel, der sich so entwickeln muß, wie die anderen Knochen auch, anders ist bei jedem Menschen? Woher kommt das? Das kommt einfach aus demselben Grunde, aus dem die individuellen Eigenschaften des Menschen sich überhaupt entwickeln, nämlich daher, daß das individuelle menschliche Gesamtleben nicht nur verläuft von der Geburt bis zum Tode, sondern verläuft in vielen Inkarnationen. Während unser Ich also in der gegenwärtigen Inkarnation keinen Einfluß hat auf den Schädelbau, hat es durch die Erlebnisse seiner vorangegangenen Inkarnation die Kräfte entwickelt, die in der Zeit zwischen dem Tode und der nächsten Geburt die Konfiguration des Schädelbaues, die Schädelform, in dieser Inkarnation bestimmen. Wie das Ich in der vorherigen Inkarnation war, das bestimmt die Schädelform in der jetzigen Inkarnation, so daß wir in dem Bau unseres Schädels einen äußeren plastischen Ausdruck haben für die Art und Weise, wie wir, jeder einzelne, als Individualität, in der vorhergehenden Inkarnation gelebt und gewirkt haben. Während alle anderen Knochen bei uns etwas Allgemein‑Menschliches ausdrücken, drückt der Schädel in seiner äußeren Form das aus, was wir waren und was wir getan haben in der vorigen Inkarnation.“

TB 732, S 125/126

„Nun haben wir noch darauf hingewiesen, daß das, was wir als eine bewußte Tätigkeit des Ich auffassen, im Grunde genommen nur ein Teil der menschlichen Wesenheit ist und daß unter der Schwelle dessen, was auf diese Art in unseren Bewußtseinshorizont hereindringt, Prozesse sich abspielen, die unterhalb des Bewußtseins liegen und die gleichsam ferngehalten werden von unserem Bewußtsein durch das sympathische Nervensystem. Wir haben von verschiedenen Seiten her darauf hinweisen können, wie das, was wir dergestalt unbewußt in uns tragen, auch in einer gewissen Art im Zusammenhange steht mit unserem Ich. Wir haben von dem Unbewußtesten, von unserem Knochensystem, gesagt, daß es von vornherein so organisiert ist, daß es dem Werkzeuge des bewußten Ich geradezu die Grundlage geben kann. So wächst aus dem Unbewußten heraus eine unbewußte Ich‑Organisation der bewußten Ich‑Organisation entgegen. Gleichsam teilt sich für uns der Mensch in zwei Teile: Es wirkt von der einen Seite her die bewußte Ich‑Organisation und von der anderen Seite her die unbewußte Ich‑Organisation in den Menschen hinein (siehe Zeichnung S. 136). Wir haben in dieser Beziehung gesehen, daß Blutsystem und Knochensystem einen gewissen Gegensatz bilden, sich wie entgegengesetzte Pole ausnehmen. Während das Blut in seiner inneren Regsamkeit als ein schmiegsames Werkzeug der Tätigkeit des Ich folgt, entzieht sich der andere Pol, das Knochensystem, der Regsamkeit des Ich so, daß von allem, was im Knochensystem geschieht, das Ich kein Bewußtsein hat, das heißt, daß alle im Knochensystem vorgehenden Prozesse vollständig unter der Oberfläche der eigentlichen bewußten Ich‑Geschehnisse ablaufen. Es sind zwar Prozesse, welche unserer Ich‑Tätigkeit entsprechen, aber sie sind ebenso tot, wie unsere Blutprozesse lebendig sind; sie sind damit im Grunde genommen ein Teil solcher Prozesse, die dem Ich unbewußt bleiben, die sich nur stufenweise herauferheben aus dem Unbewußten zum Bewußtsein.“

TB 732, S 135/136

„Nun stammt dieses innere Weltsystem in seiner ganzen Organisation, weil es eben noch unter dem Bewußtsein liegt, gar nicht aus dem bewußten Seelenleben; es ist unserem Organismus eingefügt aus dem Makrokosmos. Es ist also damit dem Menschen etwas, was wir ein kosmisches Astrales nennen können, so eingefügt, daß es sich ausdrückt als unser inneres Weltsystem. Und in unserem Knochensystem haben wir wiederum in unseren Organismus etwas eingegliedert bekommen aus unserer Umgebung, aus dem großen Weltsystem, und weil das zusammenhängt mit der gesamten Form unseres physischen Organismus, müssen wir sagen: Dieses Knochensystem ist eigentlich dadurch die Grundlage für unser Ich in unserem physischen Leib, weil es ein makrokosmisches oder schlechtweg ein kosmisches System ist, das uns zu diesem physisch gestalteten Menschen macht. Neben diesem Knochensystem wird uns eingelagert ein makrokosmisches astrales Weltsystem als unser inneres Weltsystem. Insofern unser Ich als bewußtes Ich auftritt, hat es zum Werkzeug das Blutsystem, insofern unser Ich vorgebildet ist als Form und Gestalt, liegt ihm zugrunde ein kosmisches Kraftsystem, das hindrängt zur festen Gestaltung, das sich am dichtesten zum Ausdruck bringt in unserem Knochensystem.“

TB 732, S 139

„Ja, das Blut wird heruntergetrieben in die Ernährungsorgane ebenso wie in alle anderen Organe. Es macht in den Ernährungsorganen einen Prozeß durch, durch den es erst das vollständige Werkzeug des menschlichen Ich in der physischen Welt sein kann. Wir wissen, daß das Blut als Werkzeug des menschlichen Ich den Übergang durchmachen muß von dem sogenannten roten in blaues Blut. Das Ich wirkt mit seinem Werkzeuge, dem Blut, bis herunter zu den Anfängen der Verdauungs‑ und Ernährungsprozesse. Da haben wir es nun auch wieder mit einem Widerstand zu tun. Wie geschieht das? Das geschieht, indem das Blut durch das Pfortadersystem in die Leber eintritt und dort aus sozusagen verändertem Blut die Galle bereitet wird und die Galle sich wiederum unmittelbar dem Nahrungsstrom entgegenstellt. Hier in der Galle haben wir eine wunderbare Verbindung der beiden Enden der inneren menschlichen Organisation. Auf der einen Seite stellt der vom Verdauungskanal aufgenommene Nahrungsstrom das äußerste Materielle dar, was in unseren physischen Organismus hineingelangt, auf der anderen Seite steht das ich, das Edelste, was der Mensch innerhalb der Erdenwelt haben kann, mit seinem Werkzeug, dem Blut. Das Ich stellt eine unmittelbare Verbindung her mit dem äußersten Materiellen, indem es am Ende des Blutprozesses auf dem Umwege über die Leber die Galle bereitet, und in der Galle stemmt sich ‑ in dem umgewandelten veränderten Blut ‑ dem Nahrungsstrom entgegen das Ich.

Da sehen wir das Ich hinunterwirken bis in das gröbste Materielle und dann wieder hochorganisierte Stoffe wie die Galle aus sich heraussetzen. Und wer diese intimen Vorgänge zwischen Blut, Galle und Ernährungsprozeß verstehen will, der kann gerade in diesen Tatsachen etwas finden, was ihm viele Geheimnisse des menschlichen Organismus klarer erscheinen läßt; und er kann, wenn er diese Prozesse weiterverfolgt, zum Beispiel auch abnorme Prozesse, wie sie sich aus einer Rückstauung der Galle, einer Rückergießung der Galle ins Blut bei der sogenannten Gelbsucht ergeben, richtiger beurteilen und behandeln. Doch das würde heute zu weit führen, wenn wir solche Dinge auch noch ausführten.

So sehen wir, wie in der Tat die sieben Organe sich bis in das Wirken des Ätherleibes hinuntererstrecken und die Einwirkungen des Ich von oben in sich aufgenommen haben. Wir haben also in der Galle etwas, das sich unter dem Einfluß des Ich dem Nahrungsstrom direkt entgegenstellt. Will die Galle auf den Nahrungsstrom wirken, der im Verdauungsprozeß schon ein Lebendiges geworden ist, so muß sie ihm auch als eine lebendige Substanz entgegentreten können. Das geschieht dadurch, daß sie eben aus einem Organ heraus gebildet wird, welches zu den sieben Gliedern des inneren Weltsystems gehört, die das innere des Menschen beleben, so daß damit die Galle als inneres Leben dem von außen kommenden begegnet.“

TB 732, S 160/161

„Diese Liebe in der Erkenntnis hatte insbesondere die alte orientalische Zivilisation. Und warum muß man diese Hingabe haben? Man muß diese Hingabe haben, weil, wenn man mit dem gewöhnlichen menschlichen Ich hineinkommen wollte in die Welt jenseits der Sinne, man Schaden nehmen würde. Man muß sein Ich, wie man es gewöhnlich hat, aufgeben, wenn man in diese Welt jenseits der Sinne eindringen will. Dieses Ich, wodurch entsteht es? Dadurch. daß das Menschenwesen in ein Chaos der Zerstörung eintauchen kann, bildet sich dieses Ich. Dieses Ich muß gestählt und erhärtet werden in derjenigen Welt, die im Inneren des Menschen als die Welt eines Zerstörungsherdes ist. Mit diesem Ich kann man nicht jenseits der Sphäre der äußeren Sinneswelt leben.“

GA 207, S 23

„Stellen wir uns schematisch den Zerstörungsherd im Inneren des Menschen vor (siehe Zeichnung, rot). Er ist über den ganzen menschlichen Organismus ausgebreitet. Was ich da schildere, ist intensiv, nicht extensiv aufzufassen, aber ich werde es schematisch zeichnen. Da ist der Zerstörungsherd, da ist die menschliche Hülle. Wenn das, was im inneren ist, über die ganze Welt verbreitet würde, was würde in der Welt leben durch den Menschen? Das Böse! Das Böse ist nichts anderes, als das nach außen geworfene, im Inneren des Menschen notwendige Chaos. Und in diesem Chaos, in dem, was im Menschen sein muß, aber auch in ihm bleiben muß als ein Herd des Bösen, in dem muß das menschliche Ich, die menschliche Egoität erhärtet werden. Diese menschliche Egoität kann nicht jenseits der menschlichen Sinnessphäre in der Außenwelt leben. Daher verschwindet das Ich‑Bewußtsein im Schlafe, und wenn es auftritt in den Träumen, so erscheint es sich oftmals fremd oder geschwächt. Das Ich, das da in dem Herd des Bösen im Inneren eigentlich erhärtet wird, das kann da nicht hinein jenseits der Sphäre der Sinneserscheinungen. Daher die Anschauung des altorientalischen Weisen, daß man nur durch Hingabe, durch Liebe, durch Aufgabe des Ich da eindringen kann, und daß, wenn man ganz eindringt, man nicht lebt in einer Welt des Vana, des Webens in dem Gewohnten, sondern in der Welt, wo dieses gewohnte Dasein verweht ist, Nirvana ist. Auf diese Auffassung des Nirvana, des höchstgesteigerten Hingebens des Ich, wie es im Schlafe vorhanden ist, wie es in vollbewußter Erkenntnis vorhanden war für die Schüler der altorientalischen Zivilisation, würde anspielen solch ein altorientalischer Weiser, wie ich ihn sprechend hypothetisch vor Ihre Seele hingestellt habe. Und er würde eben sagen: Bei euch ist alles, weil ihr die Egoität ausbilden mußtet, auf die Furcht gegründet. Bei uns, weil wir die Egoität unterdrücken mußten, war alles auf Liebe gegründet. Bei euch spricht das Ich, das sich geltend machen will. Bei uns sprach das Nirvana, indem das Ich sich in die ganze Welt liebend ausgoß.“

GA 207, S 23/24

„Ein solcher Zerstörungsherd muß ja in uns sein, denn nur in einem solchen kann eigentlich das Ich des Menschen sich verfestigen. Da ist eigentlich auch der Herd zur Befestigung, zur Erhärtung des Ich. Ich sagte gestern: Wenn diese Ich‑Erhärtung, diese Egoität nach außen ins soziale Leben getragen wird, so entsteht eben gerade dadurch das Böse, das Böse im sozialen Leben, im Wirken des Menschen.“

GA 207, S 29

„Sie sehen daraus, wie kompliziert eigentlich das Leben, in das der Mensch hineingestellt ist, eingerichtet ist. Was im Inneren des Menschen seine gute Aufgabe hat, ohne das wir unser Ich nicht ausbilden können, das darf gar nicht nach außen getragen werden. Der schlechte, der böse Mensch trägt es nach außen, der gute Mensch behält es in seinem Inneren. Wenn es nach außen getragen wird, wird es Verbrechen, wird es das Böse. Wenn es im Inneren bewahrt bleibt, ist es das, was wir brauchen, damit das menschliche Ich die richtige Stärke erhalte. Es gibt eben nichts in der Welt, was nicht an seinem Orte seine segensreiche Bedeutung haben würde. Wir würden gedankenlose, unbesonnene Menschen sein, wenn wir nicht in uns diesen Herd hätten. Denn dieser Herd äußert sich ja so, daß wir in ihm etwas erleben, was wir in der äußeren Welt niemals erleben können. In der äußeren Welt sehen wir die Dinge materiell. Alles, was wir da sehen, sehen wir materiell, und wir sprechen dann nach den Gewohnheiten der heutigen Wissenschaft von der Erhaltung der Materie, von der Unzerstörbarkeit des eigentlichen Materiellen.“

GA 207, S 29

„Aber geradeso wie wir da die innere Aktivität erfühlen in der Rückerinnerung, so erfühlen wir ja eigentlich unser Ich aus unserem gesamten Organismus heraus. Wir erfühlen es so, wie wir die Schlafzustände als, ich möchte sagen, die finsteren Räume im Erinnerungsfortgang wahrnehmen. Wir nehmen das Ich nicht direkt wahr für das gewöhnliche Bewußtsein, sondern wir nehmen es nur wahr, wie wir die Schlafzustände wahrnehmen. Aber indem wir das imaginative Bewußtsein erwerben, tritt dieses Ich wirklich auf, und es ist willensartiger Natur. Und wir merken: Was in uns ein Gefühl, das in sich schließt, mit der Welt sympathisch oder antipathisch zu fühlen, was das in uns aktiviert zum Wollen, das spielt sich in einem ähnlichen Prozesse ab, wie er sich abspielt zwischen dem Wachen und dem Hineinkommen in das Schlafen. Man kann das wiederum geistesgegenwärtig beobachten, wenn man ebenso wie für das Aufwachen für das Einschlafen dieselben Eigenschaften entwickelt, von denen ich gesprochen habe. Da merkt man beim Einschlafen, daß man hineinträgt in den Schlafzustand, was ausstrahlt, als Aktivität ausstrahlt aus unserem Gefühlsleben, und was hineinstrahlt in die Außenwelt, und man lernt dann erkennen, wie man jedesmal, wenn man sich wirklich willensmäßig entwickelt, untertaucht jetzt in einen ähnlichen Zustand, wie man untertaucht in den Schlafzustand. In ein inneres Schlafen taucht man ein. Was einmal vorgeht beim Einschlafen, wo dann das Ich mit dem astralischen Leib herausrückt aus physischem Leib und Ätherleib, das tritt jedesmal innerlich ein beim Wollen.“

GA 207, S 57

„Natürlich müssen Sie sich darüber klar sein, daß das, was ich Ihnen da schildere, viel schwieriger zu ergreifen ist als das, was ich vorhin geschildert habe, denn der Moment des Einschlafens ist eben geistesgegenwärtig meistens noch schwieriger zu erfassen als der des Aufwachens. Nach dem Aufwachen sind wir wach; da haben wir wenigstens die Anlehnung an die Reminiszenzen. Beim Einschlafen müssen wir den Wachzustand noch in das Schlafen hinein fortsetzen, wenn wir zu einer Beobachtung kommen wollen. Aber der Mensch schläft eben meistens ein; er sendet nicht hinein in das Einschlafen die Aktivität des Fühlens. Kann er sie aber da hinein fortsetzen, was eben durch Schulung in imaginativer Erkenntnis geschieht, dann merkt er, daß tatsächlich im Wollen ein Untertauchen in dasselbe Element ist, in das wir untertauchen, wenn wir einschlafen. Wir werden tatsächlich im Wollen von unserer Organisation frei. Wir verbinden uns mit der realen Objektivität. So wie wir beim Aufwachen durch unseren Ätherleib einziehen, durch unseren physischen Leib und bis in die Sinnesregion, also bis an die Peripherie, des Leibes kommen, gewissermaßen von dem ganzen Leib Besitz ergreifen, den ganzen Leib durchtränken, so senden wir wiederum im Fühlen in den Leib zurück, indem wir innerlich untertauchen, unsere Träume; sie werden eben Gefühle. Aber wenn wir jetzt nicht im Leibe bleiben, sondern, ohne daß wir an die Peripherie des Leibes gehen, innerlich geistig aus dem Leibe herausgehen, dann kommen wir zum Wollen. So daß sich das Wollen tatsächlich eigentlich unabhängig vom Leibe vollzieht. Ich weiß, daß damit viel gesagt wird, aber ich muß das auch darstellen, weil es eine Realität ist. Und in dem Erfassen dessen kommen wir dazu, nun einzusehen, daß ‑ wenn wir nun hier das Ich haben (siehe Zeichnung Seite 51, blau) ‑ das Wollen sich abspielt zwischen dem astralischen Leib und dem Ich (lila).“

GA 207, S 57/58

„Zwischen dem astralischen Leib und dem Ich entwickelt sich das Wollen. Das Wollen wird Handlung, indem es so weit nach der Außenwelt geht, bis es an den Ort kommt, woher sonst die Sinneseindrücke kommen. Aber im Einschlafen geht ja eine ganze Menge hinaus, was wie Handlung werden will, aber eben nicht Handlung wird, sondern mit dem Ich verbunden bleibt, indem das Ich durch den Tod in die geistige Welt übergeht.“

GA 207, S 60

„Auf der anderen Seite haben wir gefunden, was willensartiger Natur ist. Und wir können sagen: Was willensartiger Natur ist, entwickelt sich zwischen dem Astralleib und dem Ich. Das Ich ist eigentlich so wie es der Mensch als Mensch hat, ganz und gar willensartiger Natur. Es entwickelt sich aber so, daß, wie ich angedeutet habe, zunächst während des Lebens zwischen Geburt und Tod die Impulse des Wollens in die Handlungen des Menschen übergehen, aber nicht vollständig; es bleiben Dinge zurück. Und was da zurückbleibt von Willensartigem, das geht in das werdende Karma über. So daß wir also, wenn wir den Menschen nach seinem physischen Leibe hin betrachten, in dem Gedankengewebe nach dem vergangenen Karma kommen, und indem wir den Menschen betrachten nach seinem Ich ‑ das Ich ist es ja, das eigentlich in seinen Handlungen lebt; dessen muß man sich nur vollständig bewußt sein, daß das Ich eigentlich völlig erst in den Handlungen lebt, eigentlich erst erwacht an dem Handeln des Menschen ‑, wird das, was das Ich gewissermaßen da zurückbehält in sich, dann durch die Pforte des Todes getragen und geht in das Zukunftskarma, in das werdende Karma über.“

GA 207, S 84/85

„Wenn wir das Menschenwesen im ganzen auffassen, so hat es sein Ich durch die Verbindung des Menschen mit der Erde; denn durch diejenigen Kräfte, die in der Erde vorhanden sind, wird das Ich gestaltet, gebildet. Wenn wir also sagen: Der Mensch tritt durch die Todespforte, indem er sein Ich durch sie durchträgt ‑, so bringt er ja eigentlich dasjenige durch die Todespforte hindurch, was er aus seiner irdischen Entwickelung hat, was er sich also innerhalb der irdischen Entwickelung aneignet. Wir tragen geradezu durch den Tod hindurch, was der irdischen Entwickelung angehört. Während der irdischen Entwickelung ist eben zu den anderen Reichen ‑ das können Sie wiederum aus meiner «Geheimwissenschaft» entnehmen ‑ die mineralische Welt dazugekommen. Also das Äußere, die mineralische Welt, gehört gewissermaßen mit der Ich‑Entwickelung zusammen. Daß das Ich mit einem mineralischen Bewußtsein durch des Todes Pforte tritt, das hängt im wesentlichen also mit dem zusammen, was der Mensch eigentlich von der Erde hat. Nun aber ist ja die Erde nur unvollständig aufgefaßt, wenn wir sie bloß so auffassen, wie sie uns zunächst als Weltkörper entgegentritt. Die Erde ist gewissermaßen als Weltkörper ein Wesen, das sich vergleichen läßt mit einem großen Tropfen im unendlichen Meere des Raumes. Aber dieser Tropfen ist ja gerade dadurch konstituiert, daß er in sich stofflich differenziert ist, daß er Stoffe enthält von verschiedener Schwere, verschiedener Dichte.“

GA 207, S 118

„Wir brauchen nur die Metalle, die in der Erde sind, ins Auge zu fassen. Wir finden Metalle verschiedener Dichte. Was der Mensch also in sich eingegliedert erhält von der Erde mit dem mineralischen Bewußtsein, das rührt von der ganzen Erde her, das rührt einfach davon her, daß die Erde eben dieser Gesamtplanet im Kosmos ist. Das nach den verschiedenen Mineralsubstanzen hin Differenzierte, das wirkt dann so, daß der Mensch nicht nur mitnimmt durch die Pforte des Todes, was sein Ich geworden ist, sondern daß er auch für einige Zeit mitnimmt, was sein astralischer Leib war, was ja auch beschrieben ist in der «Geheimwissenschaft» und im Buch «Theosophie» als der Durchgang des Menschen durch die Seelenwelt. (Während der folgenden Ausführungen wird an die Tafel gezeichnet, Zeichnung S. 129.) So daß wir sagen können: Wenn der Mensch die Erde verläßt, dann entwickelt er das mineralische Bewußtsein. Aber dieses mineralische Bewußtsein, es wird zunächst durchdrungen von demjenigen, was der Mensch von der differenzierten Erde mitnimmt, von der Erde, insofern sie aus verschiedenen Substanzen besteht. Das bildet dann die Zeit seines Durchganges durch die Seelenwelt. Und wir können sagen: Da nimmt der Mensch etwas mit, was zunächst nicht nur sein Ich ist, das dann weitergeht, sondern was in gewisser Weise eine astralische Erdenfrucht ist.

Wenn wir dann den Menschen weiter verfolgen, wenn er diese astralische Erdenfrucht abgelegt hat in dem Sinne, wie ich das beschrieben habe in meinem Buche «Theosophie», wo gezeigt ist, wie er einige Zeit nach dem Tode seinen Durchgang durch die Seelenwelt vollendet hat, dann wandert sein Ich weiter. Aber es ist zunächst durchdrungen von mineralischem Bewußtsein. Richten wir den geistigen Blick da hinauf, wo der Mensch ist, so gewahren wir das mineralische Bewußtsein des verstorbenen Menschen, das heißt die Gedankenwelt, die sich auf das Mineralische bezieht. Und es ist in der Tat so: An demjenigen, was nun mineralisches Reich ist auf der Erde und auch im Kosmos, arbeitet mit diese von dem Menschen durch den Tod getragene Gedankenwelt.“

GA 207, S 118/119

„Nun bleibt uns dann noch das menschliche Reich als solches. Verfolgen Sie wiederum in meiner «Theosophie», wie da dieses menschliche Reich, das nach Abstreifen des astralischen Leibes in die Geister-Welt aufsteigt, wie das in der Geisterwelt innere Erlebnisse hat, die aber dort durchaus so beschrieben werden können, daß die Beschreibungen Bilder einer geistigen Außenwelt sind. Ich habe, um das zu erreichen, geschildert, wie dort in dem Geisterlande durchaus etwas durchlebt wird wie ein Kontinentalgebiet des Geisterlandes, etwas wie ein Meeresgebiet, etwas wie ein Luftgebiet. In alldem, was da von mir geschildert worden ist in diesem Geisterland, haben Sie etwas, was Bilder sind von einer Welt, die heute für das Irdische nicht da ist. Die heutige irdische Umgebung ist anders. Aber dennoch, will man die Dinge wirklich so schildern, wie sie der Wahrheit gemäß geschildert werden sollen, dann muß man dies tun, indem man an die großen Zusammenfassungen des Erdenplaneten sich anlehnt: indem man, was sich hier als kontinentale Gebiete zusammenschließt, auch in diesem seinem Zusammenschlusse anwendet auf das, was man da im Geisterland findet; ebenso indem man das Meeresgebiet zusammenfaßt. Was dort als Kontinentalland, als Meeresgebiet, als Luftgebiet, als Wärmegebiet geschildert ist, es ist so geschildert, daß es zu gleicher Zeit durchsetzt ist von demjenigen, was der Mensch als Moralisches durch die Pforte des Todes trägt. Es ist so geschildert, daß die moralisch‑geistige Welt dort unmittelbar in sich auch das äußerlich Substantielle hat, daß das Moralische da ein Schattenriß ist, aber es noch nicht bringt bis zum Schaffen eines Himmelskörpers, eines Planeten. Aber das, was da des Menschen Ich durchlebt, es ist der Keim dieser Verteilungskategorien, dieser Zusammenhänge im großen für den künftigen Jupiterplaneten. Wir haben also in dem menschlichen Ich von heute den Keim für das, was dann die große Verteilung sein wird, das Zusammenleben in Gebieten, die dann anders aussehen werden, aber die in ähnlicher Weise behandelt werden können wie heute die Kontinentalgebiete, Meeresgebiete und so weiter. Wir haben da etwas, was wir aber nun, um es zu charakterisieren, um dafür eine Idee, einen Begriff zu bekommen, auch in anderer Weise wiederum zusammenfassen müssen.

Wir müssen etwa so sagen: In diesem Weben im Geisterland, das ich in dem Buche «Theosophie» beschrieben habe, da sieht man ja sofort: man hat es nicht mit dem einzelnen Menschen zu tun. Es gliedern sich gleich, wie Sie sehen, schon in dem zweiten Gebiete, in dem Meeresgebiete, die Menschen wie zu Menschenzusammenhängen, Menschengruppen zusammen: etwas Übermenschliches entsteht. Das Ich wird höher hinaufgehoben. Das Ich vereint sich mit anderen Ichen in Menschengruppen. Lesen Sie das doch nach in der Beschreibung des Geisterlandes: es ist etwas, was man nur beschreiben kann als ein Reich, das über dem Menschenreiche steht. Und in ein solches Reich wird der Mensch dann während des Jupiterdaseins eintreten. Es kann nicht dadurch beschrieben werden, daß ich etwa sage: ein «Engel‑Menschenreich»; das würde die Sache nicht genau treffen, weil, wenn ich Angeloi charakterisiere, so ist das ein Begriff für die Gegenwart, der dadurch charakterisiert ist, daß die Angeloi während der Mondenzeit Menschen waren. Wenn ich also das, was sich da entwickeln wird während des zukünftigen Erdendaseins oder Jupiterdaseins, charakterisieren will, so müßte ich schon so sprechen, daß ich sage: Es ist der Mensch in eine höhere Sphäre gehoben; es ist der Mensch in seiner äußeren Offenbarung, in seiner leiblichen Offenbarung so geworden, daß er das, was heute tief im Inneren lebt, was heute seelisch nur lebt, nach außen offenbart. Wie er heute, ich möchte sagen, auf geheimnisvolle Art sein Inneres im Inkarnat, in der Fleischfarbe offenbart, so wird er in der Zukunft sein Inneres, ob er gut oder böse ist, in seiner äußeren Konfiguration offenbaren. Heute kann man nur andeutungsweise der Menschengestalt entnehmen, ob irgend jemand ein Pedant ist, oder ein bissiger Mensch, oder ein grausamer Mensch, oder ein gefräßiger Mensch. Gewisse moralische Qualitäten, sie drücken sich heute auf leise Weise ab in der Physiognomie oder im Gange oder in sonstiger äußerer Gestaltung, aber immer so, daß sie auch geleugnet werden können, daß man sozusagen sich darauf berufen kann, man könne nichts dafür, daß man die gerade just auf Gefräßigkeit hindeutenden Lippen oder ein auf Gefräßigkeit deutendes Unterantlitz erhalten hat. Aber wie man heute sozusagen sich herausreden kann in bezug auf dieses äußere Auftreten des Seelischen, so wird das in der Zukunft ganz und gar nicht möglich sein. Menschen, die festhalten am Materiellen, werden das dann deutlich ausdrücken in ihrer Gestalt: sie werden ahrimanische Formen annehmen. Man wird in dieser Zukunft deutlich unterscheiden zwischen ahrimanischen Gestalten und luziferischen Gestalten. Für diese luziferischen Gestalten haben ja eine gute Anlage eine große Anzahl von Mitgliedern verschiedener theosophischer Gesellschaften, die immer schwärmen in höheren Regionen. Es werden auch Gestalten da sein, die den Ausgleich bilden. Die schwärmerischen Mystiker, sie werden die luziferischen Gestaltungen annehmen. Das aber, was angestrebt werden soll durch das Innewohnen des Christus, ist der Ausgleich. Kurz, als Entfaltung dessen, was heute Ich‑Keim ist, werden wir haben das Seelen‑Menschenreich.“

GA 207, S 138-140

„Was wir da in unserem Ich in uns tragen: Ein Mensch, der ganz tragisch gelitten hat an der Verfallszivilisation des 19. Jahrhunderts, Nietzsche, er hat gefühlt, daß eigentlich dieses Ich sich entringen muß, um seine Zukunft zu retten, demjenigen, was heute schon im Verfall drinnen ist. Er hat, weil die ganze Idee abstrakt geblieben ist, das abstrakte Wort «Übermensch» gewählt. Aber es ist ein unbestimmter dunkler Drang, auszudrücken, was im Ich nicht bloß fertig ist, sondern was im Ich keimhaft ist und als Keim hinweisen muß auf künftige kosmische Gestaltungen.“

GA 207, S 140

„Und wenn wir nun hinuntersteigen zu des Menschen Leiblichkeit, dann erscheint uns zunächst dieses Leibliche so, als ob es eigentlich für das Nichts bestimmt wäre. Der physische Leib, der für den Menschen diese große Bedeutung hat, während er auf der Erde lebt, er scheint gegenüber den einzelnen Gesetzmäßigkeiten ein Nichts zu sein, denn er löst sich in ihnen auf. Sie zerstören ihn. Der ätherische Leib, er wird noch, ich möchte sagen, erhalten kurze Zeit nach dem Tode, aber er verbreitet sich im Kosmos. Er entschwindet dem Menschen. Er hebt sich hinweg. Er scheint wiederum für den Kosmos nichts zu sein in der Gegenwart der Erde. Der astralische Leib, er wird dem Menschen am Ende seiner Seelenwanderung nach dem Tode wie resorbiert von dem seelisch‑geistigen Dasein, wiederum wie ein Nichts. Das Ich, es ist von der Erde gegeben, es scheint der Erde anzugehören. Wir bekommen aus dem Ich heraus zunächst nicht eine Idee, was es sein soll für die Zukunft. Betrachten wir aber diese Leibesglieder des Menschen im Lichte der Geistesforschung, so finden wir, wie im physischen Leib, im ätherischen Leib, im astralischen Leib, im Ich‑Leib eigentlich die Keime liegen für kosmische Welten. Es handelt sich bloß darum, daß wir die Wege finden, das, was wir da in uns tragen als Keime künftiger kosmischer Welten, in der richtigen Weise zu pflegen, so daß die Keime gedeihen können. Denn Keime, das wissen Sie, Keime können auch verfallen, und die Möglichkeit des Verfallens haben, wie andere Keime, auch diese Keime.“

GA 207, S 142/143

„Unsere Verbindung mit dem Mysterium von Golgatha gibt uns die Kräfte, die den Christus in uns zum Gärtner machen, der die Keime nicht verfallen läßt, sondern der die Keime hinüberführt in die Zukunftswelt. Wenn abschmilzt das mineralische Reich der Erde, wenn verwest das pflanzliche Reich der Erde, wenn hinstirbt das Reich der Tierklassen, wenn auch die gegenwärtige Menschengestalt nicht mehr möglich ist, weil sie ein Ausfluß der Erde ist, also zur Erde gehört, wenn also alles das wie in Nichts zerfällt, dann sind die Keime da, die der Gärtner hinüberführt in eine zukünftige Gestaltung der Erdenwelt, die ich in meiner «Geheimwissenschaft» die Jupiterwelt genannt habe.“

GA 207, S 143

„Aber wie steht es da nun, wenn wir jetzt fragen: Welches Verhältnis ist zwischen der Ich‑Kultur, die der Mensch zunächst während der Erdenzeit aufnimmt, und derjenigen Kultur, die angeeignet werden kann durch anthroposophische Geisteswissenschaft? Das kann eine einfache schematische Zeichnung klarmachen. Nehmen wir also an, wir hätten hier die Erde (siehe Zeichnung, rot). Ihr würden vorangegangen sein Mond, Sonne, Saturn. Wir hätten hier als nächsten Planeten, der sich aus der Erde herausverwandelt, nachdem die Erde ihrem Untergang entgegengegangen ist, den Jupiter (grün). An dem Jupiter sind nun intensiv beteiligt diejenigen Glieder der menschlichen Wesenheit, jetzt als Keim, die physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib sind; aber das Ich nur unter einer bestimmten Voraussetzung. Wenn das Ich nämlich nichts aufnimmt, als was es aufnehmen kann durch die Erdenkultur, dann hört dieses Ich‑Bewußtsein auch mit der Erde auf, dann ist der Mensch ein Erden‑Ich geworden, und er hört auf, ein Erden‑Ich zu sein mit der Erde. Er muß in andere Formen sich weiterentwickeln.“

GA 207, S 151/152

„Wenn aber der Mensch sich hineinentwickelt hat bis in seinen astralischen Leib, wenn er seinen astralischen Leib in Aktivität gebracht hat, dann strahlt diese Aktivität auch zu seinem Ich zurück. Der Mensch hat dann eine Wesenheit von Ich und astralischem Leib, die innerlich tätig sind. Er fühlt nicht, als ob er ‑ wie ich vorhin gesagt habe ‑ innerlich Läuse hätte, sondern er fühlt, als ob er innerlich von starken, gesunden Lebenskräften durchzogen wäre, von solchen Lebenskräften, die ihn nun verbinden mit dem, was eben schon von seinen Leibeshüllen als Keim hinausgeht in zukünftige Erdenmetamorphosen, um in zukünftigen Erdenmetamorphosen sich weiterzuentwickeln.

Anthroposophische Geisteswissenschaft muß durchaus als etwas Lebendiges betrachtet werden. Sie gibt dem Menschen nicht bloß eine Theorie oder eine theoretische Weltanschauung, sie gibt dem Menschen die Lebenskraft, die ihn über das bloße Erdendasein hinausführen kann.“

GA 207, S 152

„Man kann eigentlich mit dem gewöhnlichen Bewußtsein von diesem gedankenerfüllten dumpfen Ich kaum mehr als ein unmittelbar Wirkliches sehen, als dasjenige ist, was wir etwa kurz vor dem Aufwachen oder kurz nach dem Einschlafen als unser dumpfes Ich empfinden. Aber in dieses dumpfe Ich schlägt ja eben mit dem Aufwachen die Welt der Sinneswahrnehmungen ein. Werden Sie sich nur einmal bewußt, wie Ihr Leben zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen dumpf ist, so daß Sie die Dumpfheit fast als leer empfinden. Und erst mit dem Aufwachen, wenn Sie die Sinne nach außen öffnen, die Sinneseindrücke kommen, sind Sie an der Hand der Sinneseindrücke in der Lage, sich als Ich wirklich zu empfinden. Da schlägt der Schein der Sinneswahrnehmungen in das Ich herein. Da erfüllt jenes dumpfe Wesen, von dem ich eben gesprochen habe, der Schein der Sinneswahrnehmungen. So daß das Ich als vollbewußtes irn Erdenmenschen eigentlich nur lebt in demjenigen Zustande, in dem er durch die Sinnesbilder, durch alles das, was in seine Sinne hereindringt, in Verkehr mit der Außenwelt gekommen ist, und es tritt dann von innen entgegen noch als das Hellste, noch als das, was am meisten aufhellt, der abgeschattete Gedankeninhalt.

Man kann also sagen: Die Sinneswahrnehmungen dringen von außen herein. Der Willensinhalt wird nur dumpf wahrgenommen. Der Gefühlsinhalt schlägt herauf, verbindet sich mit den Sinneseindrücken. Wir sehen Rot, es erfüllt uns mit einem gewissen Gefühl; wir sehen Blau, wir hören Cis oder C und fühlen etwas dabei. Dann machen wir uns aber auch Vorstellungen über das, was die Sinneseindrücke sind. Der Gedankeninhalt, der von innen kommt, verwebt sich mit den Sinneseindrücken. Inneres verbindet sich mit Äußerem. Aber daß wir im vollen wachen Ich leben, das verdanken wir eigentlich dem Sinnenschein, und unser Ich steuert dazu so viel bei, als eben jetzt beschrieben werden konnte von dem, was da entgegenschlägt dem Äußeren.“

GA 207, S 156/157

„Diese Willenswelt, sie kann ja eigentlich im gewöhnlichen Bewußtsein von dem Ich nicht unterschieden werden. Sie verbindet sich ganz und gar mit dem Ich.. Aber alles das, was im Ich vorgeht, wenn das Ich will, handelt, alles das kommt nicht unmittelbar in das gewöhnliche Bewußtsein herein. Das ist eben, wie gesagt, unter dem gewöhnlichen Bewußtsein wie die Ereignisse des Schlafzustandes.

Im physischen Leib haben wir die Sinnesorgane, und die Sinnesorgane, sie haben die Wahrnehmungen. Durch diese Wahrnehmungen nehmen wir auch unsere Willensäußerungen wahr. Im physischen Leibe also sind Augen und Ohren, und was sich da aus Ich und Willenswelt entwickelt, das wird eigentlich durch die Sinne wahrgenommen. Also das, was das äußerste ist im Menschen, die Wahrnehmung, sie verbindet sich mit demjenigen, was der Mensch da erlebt durch seinen Willen und durch das Ich (großer Pfeil).

Nehmen Sie nur dieses, wenn wir durch unser Ich ein paar Schritte machen: was da im Willen lebt, wie in den Untergründen des menschlichen Organismus etwas vorgeht, was unsere Beine vorwärtstreibt, das alles entzieht sich dem Bewußtsein. Aber wir sehen, indem wir ein Stückchen vorwärtsgegangen sind, eine andere Umgebung oder wenigstens die Umgebung in einem anderen Anblicke. In diesem anderen Anblicke haben wir in der Sinneswahrnehmung gegeben, was uns im gewöhnlichen Bewußtsein die Vorstellung vermittelt, ein Bild gibt von dem, was sonst eigentlich unten in den Tiefen eines wachenden Schlafes ist. Indem wir unser Ich zum Willen aufraffen, die Willensimpulse in Handlungen umsetzen, erleben wir also diese Handlungen ‑ gleichgültig ob sie durch Gehen oder durch Greifen oder durch Schreiten, durch irgendeine Arbeit bewirkt werden ‑, alle diese Dinge erleben wir durch das Wahrnehmen. Wir gehören eigentlich mit unserem Willen unserer äußeren Wahrnehmungswelt an. Halten wir das nur durchaus fest: Wir gehören mit unserem Willen unserer äußeren Wahrnehmungswelt an. Wir kommen, indem wir das entwickeln, was wir da an Willensäußerungen, an unseren Willensoffenbarungen beobachten, wir kommen da nicht in unser eigentliches Inneres hinein. Wir absolvieren damit, obwohl der Wille aus unserem tiefsten Inneren strömt, für unser Bewußtsein eigentlich einen äußeren Vorgang, oder besser gesagt eine Summe von äußeren Vorgängen im Leibe.“

GA 208, S 15/16

„Nun, alles das, was Sie da im einzelnen getan haben, alles das webt sich zu einem Gewebe zusammen; das dehnt sich aus, das wird Sphäre, das wird Innenleben. Es wird Innenleben, und daß es Innenleben wird ‑, das verbürgt dem Menschen sein Ich während des Erdendaseins. Denn von der Erde hat er sein Ich oder durch die Erde hat er sein Ich. Daß er alles das, was er auf der Erde tut, nach dem Tode zusammengewebt erhält in einem solchen Wahrnehmungs‑Erinnerungsbilde, das bewirkt, daß er sein Ich eben durch den Tod trägt. Dagegen die eigentlichen inneren Erlebnisse, sie werden ja kurze Zeit nach dem Tode nacherlebt, indem sich der Ätherleib erst etwas später löst. Der Ätherleib löst sich aber in den Weltenraum hinaus auf, und das gibt die Grundlage dafür ab, daß alles das, was aus Gedanke und Gefühl so vom Ätherleib aus, aber auch mit dem astralischen Einschlag, gewoben ist, daß das wird zu jenem Wolkengebilde oder auch, wie ich angedeutet habe, Sternengebilde, das die Erde umgibt. Was da von uns abfällt nach zwei Richtungen hin, zur Erde und in den Luftraum gewissermaßen hinaus, das konstituiert unser Inneres und unser Äußeres, indem wir durchgehen durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.“

GA 208, S 22

„Indem wir nun aber weiter herabsteigen, von dem Angelos weiter nach abwärts steigen, wohin kommen wir da? Nun, da kommen wir zu uns selbst, da kommen wir zum menschlichen Ich. Im menschlichen Ich, da müssen wir nun in einer intensiveren Weise aus uns herausgehen, als wir dann aus uns herausgehen, wenn der Angelos in uns lebt. Und dieses Herausgehen findet statt, wenn wir eben Willensimpulse in äußeren Handlungen ausführen, wie ich gestern gezeigt habe.“

GA 208, S 40

„Wenn wir also die Vorstellungen des Gedankenlebens haben: abgestoßen wird da das Leben des physischen Leibes, der Mensch erlebt sich im Ätherleib, im astralischen Leib, im Ich ‑ im menschlichen Haupt ist das Ich, das durchwebt den astralischen Leib, das durchwebt den Ätherleib, stößt das Physische aus; dadurch erlebt das Ich mit Hilfe des astralischen Leibes im Ätherleib die Gedanken, das Denken.“

GA 208, S 113

„Aber daß der Mensch sich als ein individuelles Wesen fühlt, das verdankt er doch eigentlich dem Schlafe. Wenn der Mensch nur wachend dem Vorstellungsleben hingegeben wäre, so würde er die Welt gewissermaßen nur wie einen Ablauf von Bildern erleben. Er würde sich gewissermaßen ruhend fühlen, wie in einem Punkte des Weltenalls verharrend, und in Bildern würde das Weltenall vorhanden sein. Im Bildweben würde auch das Ich wie eine Art von Spiegelbild von etwas, aber doch eben nur wie ein Bild vorhanden sein. Nur dadurch, daß wir in dieses wache Vorstellungsleben gewissermaßen hineingießen erstens das fortwährende Erinnern daran, daß wir eigentlich Zustände haben, in denen wir nichts erleben, Schlafzustände, die Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen, das führt uns auf uns selbst zurück. Und auch die unbestimmte Besinnung darauf, was wir wollen, also daß etwas Schlafartiges in unser bewußtes Dasein hineinspielt, das gibt uns unser Ich‑Gefühl, unseren Ich‑Impuls. Wir erleben ihn im gewöhnlichen Leben nicht vollbewußt, wir erleben ihn gewissermaßen als den aus unserer Organisation kommenden Stoß in das Bewußtsein hinein, diesen Ich‑Impuls. Und wir erleben ihn auf der anderen Seite dadurch, daß wir vom Einschlafen bis zum Aufwachen eben mit unserem Ich, das aber sonst ja nicht in das gewöhnliche Bewußtsein hereintritt und mit unserem astralischen Leibe, der ebensowenig in das gewöhnliche Bewußtsein hereintritt, daß wir mit diesen uns in den Kosmos hinausbegeben und daß das gewissermaßen in unser Bewußtsein hereinschlägt, was wir als Verdunkelung dieses Bewußtseins erleben vom Einschlafen bis zum Aufwachen.“

GA 208, S 121/122

„Was ist es denn, was uns immer wiederum in den Schlaf versetzt, was unser Wollen und einen großen Teil unseres Fühlens in Unbewußtheit, gewissermaßen in die Nacht des Bewußtseins hinunterdrückt? Das ist es, daß wir im Wollen organische Tätigkeit entwickeln müssen. Wir haben ja das letzte Mal gesehen, wie der Mensch im Wollen sein Seelisches hineinwirken läßt bis in das Muskelleben. Es taucht gewissermaßen die Seele in das Muskelleben unter. Da wird sie unbewußt, geradeso wie sie unbewußt wird, wenn sie aus dem Leibe herausgeht und in dem Zustand zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen verharrt. Wir können also sagen: Es kommt von den Bedürfnissen, von den Bedingungen des Leiblichen, daß wir uns zunächst im gewöhnlichen Leben unseres Ich bewußt sind, es kommt davon, daß wir einen Leib an uns tragen, der, wenn Wollen ausgeführt werden soll, die Seele für sich in Anspruch nimmt, der, wenn er die Kräfte, die er im Wollen entwickelt, ausgleichen will, die Seele in die Unbewußtheit des Schlafes hinunterjagt, um eben immer voll das Bewußtsein des eigentlich unbewußt vorhandenen Ich vermitteln zu können.“

GA 208, S 122

„Und darunter liegt dann das Wollen. Das Wollen ist zunächst innerhalb der Lebensbetätigung des Menschen zwischen Geburt und Tod rein leiblich‑physische Betätigung, ist leiblich‑physisch zu erleben, denn der Geist wird in Anspruch genommen von der Muskeltätigkeit ‑ leiblich‑physisches Erleben, aber schlafend, denn bewußt kann man nur den Geist erleben. Hier schläft er. Da drinnen ist aber Intuition. Es ist wirkliche Intuition, was ich das letzte Mal geschildert habe, wo der Mensch seine Seelentätigkeit und damit auch das Geistige, das er erlebt, in Bildern hinübersendet in seine Muskeltätigkeit, so daß er regsam wird, so daß er ein Handelnder, ein Wollender wird. Da intuitiert er wirklich. Da geht er aus seinem Ich‑Leben heraus, läßt dieses Ich also in etwas ganz anderes, nämlich in die eigene Muskel‑Knochenbewegung hinein. So daß wir sagen können: Die Intuition schlüpft in die Stoffwechsel‑ und Bewegungstätigkeit. Der Geist aber lebt eben in Imagination, Inspiration, Intuition.“

GA 208, S 126/127

„Nun können wir zurückfragen: Mit welchem Kosmischen hängt denn das Polyedrische zusammen? Sehen Sie, indem die Erde uns entgegentritt, hat sie als Ganzes eigentlich die Lebeform, und sie würde nur diese Form zeigen, wenn sie nur Wasser wäre. Aber in das Wasser kommt in der mannigfaltigsten Weise Störung hinein. Sie können die Störungen beobachten zum Beispiel bei Ebbe und Flut. Da wird das Wasser gestaltet.

Und jetzt blicken wir zurück auf frühere Zeiten der Gestaltung der flüssigen Erde, wo sie die festen Einschläge bekommt. Heute noch kann man ja wissen, wie Ebbe und Flut zusammenhängt mit dem Monde. Ebenso hängt alles Polyedrische, alles das, was sich als Polyedrisches in die Erde hineingestaltet, mit dem Monde zusammen. So daß wir sagen können: Das polyedrische oder physische Wesen des Menschen hängt mit dem Monde zusammen, sein pflanzliches oder ätherisches Wesen mit der Erde, sein astralisches Wesen, das die Taschenform hervorbringen würde, mit der Planetensphäre, und die Erfüllung der Tasche mit dem Tierkreis.“

GA 208, S 145/146

„Nun wollen wir uns einmal zunächst an ein Einfachstes erinnern, das uns bekannt ist von den Elementen her: an die Tatsache, daß die menschliche Wesenheit, so wie sie vor uns im gegenwärtigen Weltenzyklus steht, wirksam an sich hat eben die vier Glieder des physischen Leibes, des ätherischen Leibes, des astralischen Leibes und des Ich. Und wir wollen uns einmal vor die Seele stellen, wodurch für den hauptsächlichsten Anblick, möchte ich sagen, diese vier Glieder der menschlichen Wesenheit sich offenbaren. Da müssen wir denn doch sagen, daß das Ich sich vorzugsweise offenbart durch alles das, was willensmäßig aus dem Menschen heraus kommt. Wenn der Mensch im Schlafe ist, so ruht ja, wie Sie wissen, vorzugsweise der Wille. Das heißt aber mit anderen Worten: das Willensmäßige drückt sich nicht aus durch die physische Organisation. Das Ich ist dann, wie wir wissen, außerhalb des physischen Leibes. Wir sehen gewissermaßen an dem Sichnicht‑Ausdrücken des Willensmäßigen dieses Nichtvorhandensein des Ich im physischen Leibe des Menschen.“

GA 208, S 176

„Wenn wir zunächst auf das Ich sehen, es ist willensmäßig. Dieses willensmäßige Ich, das seine ganze Struktur, seine ganze Konstitution vom Aufwachen bis zum Einschlafen im physischen und Ätherleib ausgebildet hat, das tritt mit dem Einschlafen vor die Wesenheiten der geistigen Welt. Wenn wir hier als Menschen in der physischen Welt herumgehen, nehmen wir durch unsere Tastorgane die festen Körper wahr. Wir sehen die Farben, wir nehmen wahr. Wir treten mit den physischen Kräften der Welt in eine gewisse Beziehung. So tritt auch das willensmäßige Ich mit den Kräften der Welt, in der es zwischen dem Einschlafen und Aufwachen ist, in eine gewisse Beziehung. Stellen wir uns diese Beziehung, so wie sie sich der geistigen Beobachtung ergibt, einmal graphisch dar. Ich kann sie natürlich nur schematisch darstellen. Es sei dies der physische Mensch, wie er im Einschlafen ist, und es sei das, was ich nun hier zeichne, der ihn durchdringende Ätherleib (siehe Zeichnung, gelb). Ich müßte nun, wenn ich den Menschen im Wachen zeichne, den astralischen Leib hineinzeichnen und das Ich.“

GA 208, S 180

„Das tue ich nicht, denn ich will ja den Zustand charakterisieren, der eintritt, wenn der Mensch in den Schlaf fällt. Das Willensmäßige, also das Ich, tritt vor die Wesenheiten der geistigen Welt.

Da tritt es so in Beziehung zu diesen Wesenheiten der geistigen Welt, wie wir durch unseren physischen Leib zu den Wesenheiten der physischen Welt während des Wachens in Beziehung treten. Nur ist diese Beziehung des willensmäßigen Ich zu den Wesen der geistigen Welt eine viel realere noch, möchte ich sagen, als die majaartige Beziehung, welche der physische Leib mit seiner Umgebung eingeht. Und vor allen Dingen drückt sich diese Beziehung dadurch aus, daß alles, was der Mensch als Böses in seiner Seelenverfassung hat vom Einschlafen bis zum Aufwachen, gewissermaßen ‑ man kann diese Dinge nur bildhaft ausdrücken ‑ das willensmäßige Ich bei dieser Berührung mit den Kräften der geistigen Wesenheiten verkümmern läßt, während das Gute, das in der Seelenverfassung liegt, dem willensmäßigen Ich gestattet, sich frei zu entfalten.

Wenn man graphisch darstellen will, wie das geschieht, so kommt man ‑ allerdings, Sie müssen das natürlich wiederum bildhaft ansehen ‑ zu einer gewissen Gestaltung dessen, was da als geistige, willensmäßige Ich‑Gestalt aus dem Menschen heraustritt. In bezug auf den Gliedmaßenmenschen ist ja das Ich auch während des Schlafes gerade ganz intensiv im Menschen darinnen. Ich möchte es nun graphisch so darstellen (die Zeichnung wird weitergeführt): Diese Furchungen, die ich zeichne (hell), die sind eigentlich entstanden durch die Gegenwirkungen der geistigen Wesenheiten, und ganz nach der moralischen Seelenverfassung gestalten sich diese Furchungen des Ich. Man kann schon sprechen von einer Geistgestalt, welche das Ich annimmt aus seiner moralischen Seelenverfassung heraus, indem es die geistige Welt betritt.“

GA 208, S 180-182

„Nun ist das menschliche Haupt innerlich so geformt, daß es erstens eine Nachbildung ist von dem, was sich hier gefurcht und tingiert hat im vorigen Erdenleben, daß aber in diesem Haupt auch ausgeprägt ist, man kann sagen, das ganze Universum. Den Erkenntnisvorgang begreift eigentlich die heutige Wissenschaft sehr schlecht, denn er ist so zu fassen, daß man sagt: In diesem menschlichen, kompliziert gebauten Gehirn, ist eigentlich durchaus eine Nachbildung des Universums vorhanden. Und was da drinnen an Formen auftritt, das ist so, daß es nicht durchdrungen werden kann von dem Ich und von dem astralischen Leibe. Die leben frei, wie ich in früheren Betrachtungen ausgeführt habe, in dem menschlichen Haupte. Darum weiß sich der Mensch gerade als Ich und astralischer Leib, weil diese frei leben. Nur mit dem Gliedmaßen‑Stoffwechselmenschen können sich Ich und astralischer Leib wirklich verbinden, wie wir gesehen haben. Da wuchern sie drinnen und machen ihn vorzugsweise zu einem Willenswesen, wie wir ja auch wissen. Dadurch aber lebt in dem Gliedmaßen‑Stoffwechselmenschen vorzugsweise das, was durch den Tod wiederum hinaustritt in die geistige Welt, die den Menschen seinem Ich und seinem astralischen Leib nach aufnimmt und zu weiteren Daseinsstufen trägt, während in dem Haupt des Menschen alles das vorhanden ist, was aus den früheren Leben und Leben zwischen Tod und neuer Geburt herkommt und sich gewissermaßen dieser Hauptesorganisation eingeformt und in sie eingelebt hat. Das Haupt des Menschen weist nach rückwärts, der Gliedmaßen‑Stoffwechselmensch weist nach vorwärts und der rhythmische Mensch ist eben das Hinundherpendeln zwischen Vergangenheit und Zukunft.“

GA 208, S 194/195

„Nehmen Sie das Entsprechende für das Ich. Das Ich tritt heraus aus dem physischen und dem Ätherleib, gestaltet sich in Gemäßheit der Kräfte der universellen Geistwesenheiten. Es wird so, wie es werden kann nach dem, wie es im physischen Leibe lebt. Würde es erwachen zum Bewußtsein des Geistesmenschen, dann würde es nicht bloß zu sich sprechen, wie der astralische Leib zu sich sprechen würde, wenn er plötzlich mit dem Bewußtsein des Lebensgeistes ausgestattet würde; sondern würde das Ich mit dem Bewußtsein ausgestattet, das in dem zurückgebliebenen physischen Leib wirkt, das die Kräfte von oben nach unten sendet in dem zurückgebliebenen physischen Leib, würde der Mensch also mit diesem Bewußtsein ausgestattet in seinem Ich, wenn es im schlafenden Zustand herausgetreten ist, dann würde der Mensch nicht nur eine Summe von Richtersprüchen über sich erleben, sondern dann schaut er, was er als Bild jetzt wird und was dann als Keim wirkt für seine folgenden Erdenleben.

Ich finde für diese Tatsache keinen anderen Ausdruck, wenn ich sie in einen Satz prägen will, als daß ich sage: Das Ich wird das Opfer seiner selbst, das Opfer des im Leibe wirkenden Geistes. ‑ Ein Opfer kann so sein, daß es wohlgefällig aufgenommen wird; das kann auch bei dem Ich sein, indem es draußen gestaltet wird. Ein Opfer kann auch so sein, daß es verworfen wird. Das sind die äußersten, radikalsten Enden des Vorganges. Das, was der Mensch erlebt, liegt natürlich im wesentlichen in der Mitte. Aber ein Opfer kann auch verworfen werden, wenn es nicht würdig ist, geopfert zu werden. Wenn der Mensch also so erscheint vor den geistigen Wesen des Universums, daß er stark verkümmern muß durch das, was er durchlebt im physischen und im ätherischen Leibe während des Wachens, dann wird er ein verworfenes Wesen.“

GA 208, S 205/206

„Sie sehen also, daß der Opferbegriff durchaus angewendet werden kann für das, was da stattfindet. Und mir scheint, daß diese zwei Sätze: Schlafend wird der astralische Mensch der Richter seiner Seele ‑, und: Das Ich wird das Opfer seiner selbst ‑, daß diese zwei Sätze außerordentlich wichtig sind für das vollständige Verständnis der menschlichen Wesenheit.“

GA 208, S 206

„Und wiederum, wenn wir hinblicken auf das, was uns als ein so ungeheuer ergreifendes Bild entgegentritt als das Bild des Gotteslammes, des Christus, jenes Christus, der sich verbindet mit dem menschlichen ich, der dieses menschliche Ich durchdringt, dann wird in unserer Seele rege der Gedanke ‑ gerade wenn wir auf das sich opfernde Lamm hinschauen ‑ des Opfers, das das Ich wird, indem es in den Schlafzustand übergeht, und wir finden, wie treffend durch das Bild des Lammes diese Opfernatur des Menschen während des Schlafes ausgedrückt wird. Wir kommen darauf, wie aus einem instinktiven Weisheitsbewußtsein heraus dieses Bild gefunden worden ist für jene Hilfe, welche das Ich in seinem Erdendasein braucht, weil es im Schlafe das Opfer wird seines eigenen Selbstes.“

GA 208, S 207/208

„Von da aus geht es immer weiter bis zu dem, was wir heute nennen: Der Mensch kommt zu der Ich‑Vorstellung. Dieser Ich‑Vorstellung gegenüber muß man aufrichtig sein. Die Menschen sprechen das Ich aus und haben in dem Aussprechen einen gewissen inneren Halt. Sie glauben mit Recht, in dem Ich‑Aussprechen das Ich zu erfassen. Mit Recht ist das so. Es ist dies eine Art Vorbereitung zur Erfassung des wirklichen höheren Ich. Dieses Erfassen hat seine große Schwierigkeit, sonst würde nicht das ganze philosophische Streben darauf gerichtet sein, dahinterzukommen. Ich habe in meiner «Philosophie der Freiheit» dahin gestrebt, klarzumachen, wie man dahinter kommt. Alles das gehört zur Selbstwahrnehmung. Man muß es innerlich erfassen, wodurch man als Ich sich anspricht. Wir haben also Sinne, durch welche wir die äußere Welt erfassen, und solche, wodurch wir uns selbst erfassen, wenn wir das tonlose Tönen hören.“

GA 150, S 40

Wenn wir den Blick richten auf die verschiedenen Dinge um uns herum, die unsere Augen sehen, die unsere Hände greifen, dann sehen wir, wie diese Dinge entstehen und vergehen. Wir sehen, wie die Blume entsteht und vergeht, wie die ganze Vegetation des Jahres heraufkommt und wieder hinuntergeht. Und wenn es auch Dinge gibt in der Welt, wie die Berge und Felsen, die den Jahrhunderten zu trotzen scheinen, schon in dem Sprichwort « Steter Tropfen höhlt den Stein » drückt es sich aus, daß die Menschenseele eine Ahnung davon hat, daß selbst die majestätischen Felsen und Berge den Gesetzen der Vergänglichkeit unterworfen sind. Und der Mensch weiß: Es entsteht und vergeht das, was selbst auferbaut ist aus den Elementen; es entsteht und vergeht das, was der Mensch nicht nur seine Leiblichkeit nennt, sondern was er nennt sein «vergängliches Ich ». Aber diejenigen, welche da wissen, wie man in eine geistige Welt gelangen kann, die wissen auch, daß der Mensch zwar nicht durch Augen und Ohren und durch die anderen Sinne hineindringt in diese geistige Welt, daß er aber dorthin gelangen kann durch den Weg der Erweckung, der Wiedergeburt, der Initiation. ‑Und was wird wiedergeboren?“

GA 112, S 13/14

„Der Mensch, wenn er in sein Inneres blickt, kommt zuletzt dazu, zu sagen: Was mir in meinem Innern entgegentritt, das ist das, wozu ich « Ich » sage. Dieses Ich unterscheidet sich schon durch den Namen von allen Dingen der Außenwelt. Zu einem jeden Ding der Außenwelt kann man den Namen von außen hinzufügen: zu dem Tisch kann jeder «Tisch », zu der Uhr jeder « Uhr » sagen. Niemals aber kann der Name « Ich » an unser Ohr klingen, wenn er uns selbst bedeuten soll; denn das « Ich » muß im Innern ausgesprochen werden. Für jeden anderen sind wir ein « Du ». Dadurch schon findet der Mensch, wie sich diese Ich-Wesenheit unterscheidet von dem, was sonst in ihm und um ihn herum ist. Aber nun kommt das hinzu, was die Geistesforscher aller Zeiten immer wieder und wieder aus ihren eigenen Erlebnissen für die Menschheit betont haben: daß innerhalb dieses Ich ein anderes, ein höheres Ich geboren wird, geboren wie das Kind aus der Mutter.

Wenn der Mensch uns in seinem Leben entgegentritt, können wir sagen: Wir sehen ihn zuerst als Kind, wie er ungeschickt in bezug auf die äußere Umgebung die Dinge anschaut, wie er dann nach und nach lernt, die Dinge zu begreifen, nach und nach verständig wird und an Intellekt und Willen wächst; wir sehen, wie der Mensch zunimmt an Kraft und Energie. Aber es gibt Menschen, die nicht nur in dieser Weise zunehmen, sondern es hat auch immer solche Menschen gegeben, die noch zu einer höheren Entwickelung gelangen über der gewöhnlichen, die dazu kommen, daß sie sozusagen ein zweites Ich finden, das zu dem ersten Ich vermag « Du » zu sagen, wie das Ich selbst zur Außenwelt und zu seinem Leibe « Du » sagt, das gewissermaßen hinunterschaut auf dieses erste Ich.“

GA 112, S 14/15

„So steht es als ein Ideal vor der Menschenseele, und so tritt es als eine Wirklichkeit ein für diejenigen, welche die Anweisungen der Geistesforscher befolgen und sich sagen: Das Ich, von dem ich bisher wußte, nimmt teil an der ganzen Außenwelt, es ist mit der Außenwelt vergänglich. Aber in mir schlummert ein zweites Ich, dessen sich die Menschen nicht bewußt sind, aber sich bewußt werden können, das ebenso verbunden ist mit dem Unvergänglichen, wie das erste Ich mit dem Vergänglichen und Zeitlichen verbunden ist. Und mit der Wiedergeburt kann dies höhere Ich ebenso hineinschauen in eine geistige Welt, wie das niedere Ich durch die Sinne ‑ Augen, Ohren und so weiter ‑ in die sinnliche Welt schauen kann. Was man so Erweckung, Wiedergeburt, Initiation nennt, das ist das größte Ereignis der menschlichen Seele auch nach der Ansicht derjenigen, die sich Bekenner des Rosenkreuzes nannten. Sie wußten, daß mit diesem Ereignis der Wiedergeburt des höheren Ich, das auf das niedere Ich herabschauen kann, wie der Mensch auf die äußeren Gestalten schaut, das Ereignis des Christus Jesus zusammenhängen muß. Das heißt, wie für den einzelnen Menschen innerhalb seiner Entwickelung eine Wiedergeburt stattfinden kann, so ist für die ganze Menschheit eine Wiedergeburt eingetreten mit dem Christus Jesus. Was für den einzelnen Menschen ein inneres, wie man sagt, mystisch‑geistiges Ereignis ist, was er als die Geburt seines höheren Ich erleben kann, das ist in der Außenwelt, in der Geschichte, mit dem Ereignis von Palästina durch den Christus Jesus für die ganze Menschheit eingetreten.“

GA 112, S 15

„Wie stellte sich das zum Beispiel einem Menschen dar wie dem, der das Evangelium des Lukas geschrieben hat? Er konnte sich sagen: Der Stammbaum des Jesus von Nazareth führt hinauf bis zu Adam und Gott selber. Was heute Menschheit ist, was heute im physischen Menschenleibe wohnt, das stieg einst herunter aus göttlich‑geistigen Höhen, das ist aus dem Geiste geboren, das war einmal bei Gott. Adam war derjenige, der aus den geistigen Höhen in die Materie heruntergeschickt worden ist; er ist in diesem Sinne der Sohn des Gottes. Es war also einst ein göttlich‑geistiges Reich, sagte sich der Schreiber des Lukas‑Evangeliums; das verdichtete sich gleichsam zu dem vergänglichen irdischen Reich: Adam entstand. Adam war ein irdisches Abbild des Sohnes des Gottes, und von Adam stammen die Menschen ab, die im physischen Leibe sind. Und in diesem Jesus von Nazareth lebte auf eine besondere Weise nicht nur das, was in jedem Menschen lebt, und was sonst in dem Menschen ist, sondern es lebte in ihm etwas, was man nur finden kann seiner Wesenheit nach, wenn man sich bewußt wird, daß das Wesentliche im Menschen vom Göttlichen abstammt. In dem Jesus von Nazareth ist noch etwas ersichtlich von dieser göttlichen Abstammung. Der Schreiber des Lukas‑Evangeliums findet sich daher genötigt zu sagen: Seht euch an den, der durch den Johannes getauft worden ist. Er hat besondere Kennzeichen an sich für das Göttliche, aus dem ursprünglich der Adam abstammt. Das kann sich in ihm erneuern. Wie der Gott herabgestiegen ist in die Materie und als Gott verschwunden ist im Menschengeschlecht, so erscheint er wieder. Die Menschheit konnte in ihrem Innersten, Göttlichen wiedergeboren werden in dem Jesus von Nazareth. ‑ Es wollte der Schreiber des Lukas‑Evangeliums sagen: Wenn wir den Stammbaum des Jesus von Nazareth hinaufverfolgen bis zu seinem Ursprung, so finden wir den göttlichen Ursprung und die Eigenschaften des Gottes‑Sohnes in ihm in einer erneuerten Weise wieder und mehr, als es in der bisherigen Menschheit sein konnte.

Und der Schreiber des Johannes‑Evangeliums betonte nur noch schärfer, daß in dem Menschen etwas Göttliches lebt, und daß dieses Göttliche in seiner großartigsten Gestalt erschien als der Gott und der Logos selber. Der Gott, der gleichsam in die Materie hinein begraben wurde, wird wiedergeboren als Gott in dem Jesus von Nazareth, das wollten diejenigen sagen, die also ihre Evangelien einleiteten.“

GA 112, S 15/16

„Und jene, welche die Weisheit dieser Evangelien fortsetzen wollten, wie sagten sie? Wie sagten die Johannes‑Christen? Also sagten sie: Irn einzelnen Menschen gibt es ein großes, gewaltiges Ereignis, das man nennen kann die Wiedergeburt des höheren Ich. Wie das Kind aus der Mutter geboren wird, so wird das göttliche Ich geboren aus dem Menschen. Die Initiation, die Erweckung ist möglich, und wenn sie einmal eingetreten ist ‑ so sagten die, welche etwas davon verstanden ‑, dann wird etwas anderes wichtig als das9 was vorher wichtig war. Was da wichtig wird, das wollen wir uns einmal durch einen Vergleich näherbringen.

Denken wir, wir haben einen Menschen vor uns, der siebzig Jahre geworden ist, aber einen erweckten Menschen, der sein höheres Ich gewonnen hat. Und denken wir uns, es wäre im vierzigsten Jahre gewesen, daß er die Wiedergeburt, die Erweckung seines höheren Ich, erlebt hat. Wäre damals jemand an ihn herangetreten und hätte sein Leben beschreiben wollen, so hätte er sich sagen können: Ich habe hier einen Menschen vor mir, der sein höheres Ich eben geboren hat. Das ist derselbe, den ich vor fünf Jahren in dieser Lage, und in jener Lage vor zehn Jahren gekannt habe. ‑ Und wenn er uns hätte darstellen wollen die Identität dieses Menschen, wenn er uns hätte zeigen wollen, daß dieser Mensch einen ganz besonderen Ausgangspunkt schon bei seiner Geburt hatte, dann würde er die Jahre von vierzig zurück in bezug auf sein physisches Dasein verfolgen, und dieses physische Dasein, so wie es in Betracht kommt, beschreiben im Sinne dessen, der vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus spricht. Mt dem vierzigsten Jahre ist aber in diesem Menschen ein höheres Ich geboren. Von jetzt ab überstrahlt das höhere Ich die ganzen Lebensverhältnisse. jetzt ist das ein neuer Mensch. Jetzt ist uns nicht mehr wichtig, was vorher da war, jetzt handelt es sich darum, daß wir vor allem erkennen, wie das höhere Ich von Jahr zu Jahr zunimmt und sich weiterentwickelt. Wenn dann dieser Mensch siebzig Jahre alt geworden ist, dann würden wir uns erkundigen, welchen Weg vom vierzigsten bis zum siebzigsten Jahre das höhere Ich durchgemacht hat. Und wichtig würde für uns sein, daß es das echt geistige Ich ist, das er uns in seinem siebzigsten Jahre darbietet, wenn wir uns zu dem bekennen, was damals vor dreißig Jahren in der Seele dieses Menschen geboren worden ist. ‑ So machten es die Evangelienschreiber, und so machten es im Zusammenhange damit die Johannes‑Christen des Rosenkreuzertums mit dem Wesen, das wir den Christus Jesus nennen.“

GA 112, S 16/17

„Die Evangelienschreiber hatten sich die Aufgabe gestellt, zunächst zu zeigen, daß der Christus Jesus seinen Ursprung hat in dem Urgeiste der Welt, in dem Gott selber. Der Gott, der in der ganzen Menschheitverborgen gelebt hat, tritt in dem Christus Jesus besonders hervor. Das ist derselbe Gott, von dem das Johannes‑Evangelium sagt, daß er im Urbeginn, von Anfang an da war. Dieses Interesse: zu zeigen, daß eben dieser Gott in dem Jesus von Nazareth war, das hatten die Evangelienschreiber. Diejenigen aber, welche bis in unsere Zeit hinein die urewige Weisheit fortzusetzen hatten, sie hatten jetzt das Interesse, zu zeigen, wie das höhere Ich der Menschen, wie der göttliche Geist der Menschheit, der durch das Ereignis von Palästina in dem Jesus von Nazareth geboren wurde, wie er derselbe geblieben und bewahrt worden ist bei all denen, die das rechte Verständnis dafür gehabt haben.“

GA 112, S 17/18

 

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