Kleiner Hüter / Ich / Monade

RS ICH (1)

Der Begriff des „ICH“ bei Rudolf Steiner

Quelle GA  R.Steiner

 

„Das ist nun so, daß geradeso, wie mit dem Festen der physische Körper, mit dem Flüssigen der Ätherleib, mit dem Gasförmigen der Astralleib zu tun hat, so mit dem Wärmeartigen das Ich.

GA 352, S 38

Das eigentliche Ich hängt auch zusammen mit dem Blut, daher ist das Blut Wärme-erzeugend. Aber das eigentliche Ich, das, was der Mensch im Bewußtsein erlebt, hängt zum Beispiel auch mit der Drüsenabsonderung zusammen. Daher ist die Drüsenabsonderung nur mit Wärme verknüpft. Das eigentliche Ich ist es auch, das nun vom Übersinnlichen her durch die Kräfte des Kopfes die Gärungen verhindert.

GA 352, S 38

„Und an den Fingerspitzen sind wir für das Gefühl von Sachen besonders empfindlich.

…, gerade in den äußersten Fingerspitzen, weil das Ich am meisten an der Oberfläche des Körpers sitzt. Dasjenige, was der Mensch in seinem Innern als Ich ist, das kann man an der äußersten Oberfläche am besten erkennen.“

GA 352, S 53

„Bei einem Menschen, der viel beweglich ist, wird man schon sagen, daß er sein Ich stark ausdrückt.“

GA 352, S 54

„Aber was das Übersinnliche ist, der astralische Leib und das Ich, die sind zum Absondern da; die sondern fortwährend ab. Nur der physische Leib und der Ätherleib bauen auf. Der astralische Leib und das Ich bauen wieder ab.“

„Der Mensch fühlt, du bist jetzt zwar in der geistigen Welt, du kannst dein anderes Selbst, indem du dich innerhalb deines astralischen Leibes in der geistigen Welt aufhältst, als eine geistige Wesenheit finden, aber dein ganz wahres Wesen, das, was du eigentlich bist, kannst du in dieser Welt doch noch nicht finden. Dasjenige, wovon dein Ich in der physischen Welt das Schattenbild ist, das findest du trotz des Aufstieges in die geistige Welt noch nicht. Da lernt man und nach erkennen, was man für ein bedeutsames Erlebnis noch haben muß, um das wahre innere, noch in diesem anderen Selbst eingehüllte Wesenheit zu finden.“

GA 147, S 128

„Will man aber als hellsichtig gewordene Seele zum wahren Ich vordringen, dann lernt man erkennen, daß ein Entschluß, eine geistige Tat notwendig ist. Und von dieser geistigen Tat kann gesagt werden, sie muß der starke Willensentschluß sein, das, was man heraufgetragen hat in die geistige Welt, was man als Erinnerung seiner selbst heraufgetragen hat in die geistige Welt, was man als Erinnerung seiner selbst heraufgebracht hat, in sich auszutilgen, in sich zu vergessen, durch Willensentschluß auszutilgen die Erinnerung dessen, was man gewesen ist mit allen Einzelheiten. Da kommt man dann an dasjenige, was ja schattenhaft hereinleuchten kann auch schon für frühere hellsichtige und Erkenntnisstufen.“

GA 147, S 129

„Aber es ist eben etwas ganz anderes, mit vollem Bewußtsein sein Erinnerungs-Ich der Vernichtung, dem Vergessen, dem Abgrund anheimzugehen, wirklich eine Weile zu stehen in der geistigen Welt am Abgrund des Seins gegenüber dem Nichts als Nichts.“

GA 147, S 129

„Um als Nichts an den Abgrund zu gehen, ist notwendig, daß man das Vertrauen hat, daß einem aus der Welt dann das wahre Ich entgegengebracht wird.“

GA 147, S 130

„Aber dir kommt aus einer Welt, die du selbst bis jetzt nicht erkannt hast, aus einer, ich möchte sagen, übergeistigen Welt dein wahres Ich entgegen, das in dem anderen Selbst nur noch eingehüllt war. – Jetzt erst begegnet man sich, nachdem man sich völlig ausgelöscht hat, mit seinem wahren Ich, von dem das Ich innerhalb der physischen Welt das Schattenbild, die Maja ist. Denn das wahre Ich des Menschen gehört der übergeistigen Welt an, und der Mensch steckt mit seinem wahren Ich, von dem ein schwaches Schattenbild das physische Ich ist, in der übergeistigen Welt darinnen.“

GA 147, S 130

„Aber dieses wahre Ich, erst erlebt, den man begegnet an der Schwelle in die geistige Welt, ist in einer eigentümlichen Weise vorhanden, man möchte sagen in einer eigentümlichen Weise vorhanden, man möchte sagen in einer eigentümlichen Ausstaffierung. An der Schwelle zur geistigen Welt kann sich dieses wahre Ich kleiden in alles das, was unsere Schwächen, unsere Mängel sind, in alles das, was uns sozusagen geneigt macht, hängen zu bleiben mit unserem ganzen Wesen an der physisch-sinnlichen Welt oder wenigstens an der elementarischen Welt.“

GA 147, S 137

„Wir wandeln allerdings alle als unser anderes Selbst in den geistigen Welten herum, aber wir sind gar sehr ein anderer.“

GA 147, S 137

„Es ist also eine Selbstbegegnung, aber in Wahrheit doch die Begegnung mit einer anderen Wesenheit.“

GA 147, S 138

„Er muß ja hindurch zwischen einer Schar von Verführern seiner Seele. Sie alle wollen sein „Ich“ verhärten, in sich selbst verschließen. Er aber soll es aufschließen für die Welt.“

TB 600, S 21

„Das Herzorgan ist gerade dasjenige, durch welches das höhere Ich das sinnliche Selbst zu seinem Werkzeug macht und von dem aus dies letztere gehandhabt wird.“

TB 600, S 117

„Mit der geschlechtlichen Fortpflanzung trat erst die Einverleibung des Ich im ersten Keime in die Menschheit ein.“

GA 105, S 40

„Er empfindet dieses selbstbewußte Ich namentlich in seinem Gegensatz: der Mensch verfällt immer mehr in einen Zustand, wo er ein Bewußtsein hat, das heller ist, und ein anderes, dunkles; das eine kommt ihm von der Sonne, das andere vorzugsweise von der Erde. Das Ich, der ewige Kern, muß wechseln zwischen einer Gestalt, wo er in einer ewigen Form ist, und einer solchen, die geboren werden kann und stirbt.“

GA 105, S 44

„Das Ich des Menschen ist auf dem physischen Plane, das Ich der Tiere auf dem Astralplane, das der Pflanze auf den niederen Stufen der devachanischen Welt, und das Ich der Mineralien auf den höchsten devachanischen Stufen.“

„Daher ist das menschliche Ich überall Mittelpunkt, wo der Mensch steht; das mineralische Ich ist überall im Umkreise: genau das Entgegengesetzte wie beim Menschen.“

GA 105, S 55

„Und es wird eine Zeit kommen, wo das Ich den Astralleib ganz beherrscht, ihn durchglüht und durchzieht. Dann wird der Mensch ein höheres Glied ausgebildet haben, das wir Manas oder Geistselbst nennen.“

GA 105, S 60

„Wenn wir den heutigen Menschen betrachten, so müssen wir sagen, sein Astralleib besteht eigentlich aus zwei Teilen, aus dem, was er schon umgewandelt hat, was unter der Herrschaft des Ich steht, und dem, was sein Ich noch nicht beherrschen kann. Dieser Teil ist noch von anderen, niederen Kräften und Trieben erfüllt, und wenn das Ich diese hinaustreibt, fügt es dem astralischen Leibe allerlei Kräfte hinzu. Damit aber der Astralleib überhaupt erhalten bleibe, damit er nicht durch das Niedere zerstört werde, muß er immer noch durchdrungen, durchsetzt sein von höheren Wesenheiten, die ihn heute so beherrschen können, wie einst der Mensch es tun wird, wenn er am Ziele seiner Entwickelung angelangt sein wird. Diese Wesen, die die Aufgabe haben, den vom Menschen unbeherrschten Teil seines Astralleibes zu beherrschen, stehen eine Stufe höher als der Mensch, es sind die Engel oder Geister des Zwielichts. In der Tat wacht sozusagen über jedem Menschen ein solch höherer Geist, der über seinen Astralleib Macht hat, und es ist nicht bloß eine kindliche Vorstellung, sondern eine Tiefe Weisheit, wenn man von Schutzengeln spricht. Sie haben eine große Aufgabe, diese Schutzengel.“

GA 105, S 61

„Das Herausgehen des Mondes geschah etwas später. Erst in dem Augenblicke, als der Mond von der Erde fortging, wurde der Mensch fähig, ein Ich-Bewußtsein in seiner allerersten Anlage aufzunehmen, da begann er erst, sich sozusagen als ein besonderes Wesen zu fühlen.“

GA 105, S 75

„…; denn solange man sich nicht von dem Äußeren unterscheiden kann, so lange ist man kein Ich. Die erste Fähigkeit, das erste Aufblitzen des Ich-Bewußtseins fällt deshalb zusammen mit dem Öffnen der Augen nach außen.“

GA 105, S 76

„Dieses Ich wird uns verliehen von den Geistern, die da lenken die kosmischen Entwickelung, von den Geistern der Form, von den Gewalten oder Exusiai. Diese Geister der Form treffen wir hier wieder an: es sind die Elohim, die uns ihr Sonnenlicht zustrahlen, und Jehova, der von der Mondseite her an dem Menschengeiste formt.“

GA 105, S 93

„…, und er würde gelernt haben, Ich zu sich zu sagen, denn man kann nur dann zu sich Ich sagen, wenn man sich von den anderen Dingen unterscheiden kann.“

GA 105, S 100

„Nun wissen wir ja, daß das Ich dazu berufen ist, die anderen Glieder der menschlichen Wesenheit umzugestalten, daß es damit beginnen muß, nach und nach den astralischen Leib in seine Gewalt und Herrschaft zu bekommen; das heißt nichts anderes, als daß der Mensch seine Leidenschaften und Triebe beherrscht.“

„…; nach und nach sollte der astralische Leib umgewandelt, sollte das Geistselbst ausgebildet werden.“

GA 105, S 101

„Sein Ich hat sich der Mensch erobert im Laufe der Zeiten, als er durch die verschiedenen Inkarnationen in der äußeren physischen Welt gegangen ist; das hatte er früher nicht.

Andere Wesenheiten, von denen wir gesagt haben, daß sie auf früherer Stufe ihre Menschheit durchgemacht haben, hatten das Ich, und der Mensch lernte, indem er diese Wesenheiten anschauen konnte, das Ich kennen; er lernte es im rechten Maße eigentlich erst kennen in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt.“

GA 105, S 165

„Wenn man Ideen findet, dann muß auch solche Wesensart in der Welt vorhanden sein, in der Ideen leben könnten.“

GA 151, S 39/40

„Wer da einsieht, daß Ideen, wenn sie überhaupt da sein sollen, an ein Wesen gebunden sind, das Ideen eben haben kann, der wird nicht mehr bloßer Idealist sein, sondern er schreitet vor zu der Annahme, daß die Ideen an Wesen gebunden sind.“

GA 151, S 40

„Daß heißt, wer das Ich in seiner Welt kennenlernen will, der muß sich eine solche Welt vor Augen stellen können, wie die alte Saturnwelt war.“

GA 132, S 12

„Und indem wir Menschen selber noch ohne unser heutiges Erden-Ich-Bewußtsein diese Phase der Entwickelung durchgemacht haben, müssen wir uns vorstellen, daß wir während dieser Entwickelungsphase dasjenige, was wir heute durch unser Ich erlangen, noch nicht haben, daß wir da wesen und weben im Weltall, indem in uns etwas lebt, was wir uns heute nur vergegenwärtigen können, wenn wir die Sehnsucht kennen.“

GA 132, S 68

„Was der menschliche Leib ohne Seele und Geist wäre, ist diese Lebensroutine ohne die Befruchtung durch Ideen, die nur aus der Anerkenntnis, aus der Erkenntnis der geistigen Regionen kommen können.“

GA 77b, S29

„Das Ich fließt nicht nur aus in diesem Strom der eigenen persönlichen Erlebnisse für dieses Erdenleben, das Ich fließt aus in den Kosmos.“

„Man gelangt nicht in dieses wellende, wogende Leben des Kosmos anders als dadurch, daß man die Egoität steigert bis zu dem Grade, wo sie ankommt an ihrer Kulmination, sich dann selber im Welterfassen aufhebt und sich ausergießt in das objektive Weltendasein.“

GA 77b, S 63

„…, daß durch die Fortsetzung solcher Übungen das Ich, das man eigentlich in einem gewissen Sinne psychologisch verloren hat, daß dieses Ich wiedergefunden wird.“

„…, entwickelt man die Kraft, die Gedanken hineinzutragen in das Bild-Erleben, und übt man dieses Hineintragen der Gedankenkraft in das ätherische Bild-Erleben lange genug -…- übt man dieses lange genug, übt man es gewissermaßen so lange, bis es die nötige Stärke hat, um zu bekämpfen die fortdauernde Sucht, daß man den Gedanken verliert in den Bildern, behält man gewissermaßen Oberhand mit seiner Besonnenheit, mit dem Durchtränktsein der ätherischen Bild-Erlebnisse von der Gedankenkraft, dann tritt das Ich-Erlebnis wieder auf.“

GA 77b, S 64

„Man möchte sagen: Während sonst unser Ich, wenn es heraustritt, so erlebt, so angeschaut wird, wie wenn es aus dem physischen Leibe käme, wie wenn es also aus einem menschlichen Zentrum herauskäme, erleben wir es jetzt, wie, ich möchte sagen, aus der unbestimmten Peripherie des Weltenalls unser Ich herunterstrahlt, wie es in einem Zentrum zusammenlaufen will, statt auseinanderzulaufen. Und wir merken: Von der Welt, in die wir jetzt versetzt sind mit voller innerer Besonnenheit, mit voller innerer Erkenntniskraft, von der Welt träumen wir eigentlich im gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod nur dann, wenn wir eine Kraft anwenden, die zunächst keine Erkenntniskraft sein kann, wenn wir die Kraft des Fühlens anwenden.“

GA 77b, S 64/65

„Noch weiter kann man vordringen in diesem Durchsetzen der Imagination mit Gedankeninhalten, und dem Durchsetzen der Inspiration mit Gedankeninhalten, man kann immer verstärken dasjenige, was besonnenes Gedankenerlebnis in Imagination, in Inspiration ist, und dann kommt man zum Erleben der wahren Gestalt des zentralen menschlichen Ich. Dann dringt man durch den menschlichen Astralleib, der sich eigentlich darstellt als aus der Peripherie der Welt sich gegen unser menschliches Zentrum hin entwickelnd, der sich darstellt als ein Glied des ganzen astralischen Kosmos. Man gelangt von diesem aus in das eigentliche wahre Ich, von dem man ja im gewöhnlichen Leben nur einen Schatten hat, zu dem man „Ich“ sagt, man gelangt zu demjenigen, was man als Ich nunmehr objektiv anschaut, wie man sonst äußere Dinge objektiv anschaut.“

GA 77b, S 68/69

„Dieses Ich stellt sich dar als ein Objektives, als dasjenige, das gewissermaßen die Summe darstellt all derjenigen Iche, die wir durchlebt haben in unseren abgelaufenen Erdenleben.“

GA 77b, S 69

„Dasjenige, was man von diesem Menschenwesen erfährt, indem man zuerst in der ätherischen Erkenntnis ausgegossen hat sein Ich, seine Egoität, in den Strom des Lebens zwischen Geburt und Tod, das steht jetzt als das Subjekt denjenigen Ichen gegenüber, die objektiv geworden sind auf dem Wege von unserem früheren Erdenleben zu unserem gegenwärtigen Erdenleben.“

GA 77b, S 69/70

„Wir sehen, indem wir erleben das wogende, webende Seelenleben, gewissermaßen eine leere Stelle, die wir so verschlafen, wie wir unseren Schlafzustand verschlafen, und zu dieser leeren Stelle sagen wir Ich, nicht zu etwas real Erfülltem.“

GA 77b, S 70

„Und durch dieses Außerhalb-des-Kopfes-Leben, durch dieses Schlafen des Kopfes, und durch die durch die Härte des Schädels bewirkte Zurückwerfung der Tätigkeit des Ich und Astralleibes wird gemacht, daß wir eben das Innere des Ich und das Innere des Astralleibes empfinden als unser eigenes.“

GA 157, S 195

„Der Mensch sagt nur dadurch zu sich Ich, daß er ein Willenswesen ist.“

GA 157, S 242

„In dem Einströmen dieser unterbewußten Willensimpulse in die Gedankenschatten ersteht das freiwaltende Selbstbewußtsein. In diesem Selbstbewußtsein lebt das „Ich“.“

GA 26, S 202

„Er verliert im Zeitalter der selbstbewußten Ich-Entfaltung die wahre Gestalt seiner inneren Impulse wie auch diejenige seiner Umgebung aus dem Geistesauge. Aber gerade in diesem Schweben über dem Sein der Welt erlebt der Mensch das Sein des Ich, erlebt er sich als selbstbewußtes Wesen. Über ihm der außerirdische Kosmos, unter ihm im Irdischen eine Welt, deren Wesenhaftigkeit verborgen bleibt; dazwischen die Offenbarung des freien „Ich“, dessen Wesenhaftigkeit in vollem Glanze der Erkenntnis und des freien Wollens erstrahlt.“

GA 26; S 203

„Es ist so, daß sich der Mensch mit dem eigenen Ich-Sein aus dem Sein der Welt im Wachzustande herausheben muß, um zum freien Selbstbewußtsein zu kommen. Im Schlafzustande vereinigt er sich dann wieder mit dem Welt-Sein.“

GA 26, S 205

„Und so haben wir den physischen Leib des Menschen, der eigentlich ganz der Erde angehört, den Ätherleib des Menschen, der dem wässerigen, dem flüssigen Elemente der Erde angehört, der zu diesem eine besondere Beziehung hat, den Astralleib, der dem luftartigen Elemente angehört, und das Ich, das dem Wärmeelemente, dem Feuerelement angehört.“

GA 211, S 22

„So daß tatsächlich die Gestalt, die unser physischer Leib hat, nur ein Ergebnis der Ich-Wirkung in unserer menschlichen Wesenheit ist.“

GA 211, S 80

„Und dann tragen wir noch den Luftmenschen und den Wärmemenschen in uns. Der Luftmensch, der die Atmung besorgt, steht unter den Kräften des astralischen Leibes, und der Wärmemensch ist vorzugsweise unter die Wirkung der Ich-Organisation gestellt. Sie brauchen nur sich daran zu erinnern, daß, wenn Sie mit dem Thermometer an irgendeiner Stelle des Körpers messen, außen oder innen, diese Temperatur differenziert ist. Schon bei dieser groben Art der Wärmemessung zeigt sich, daß der Mensch ein differenzierter Wärmeorganismus ist.“

GA 346, S 31

„Wenn der Mensch «Ich» sagt, spricht er sein Inneres aus in diesen wenigen Lauten. Es kann nichts anderes damit gemeint sein als die eine, individuelle menschliche Wesenheit. Aber dieses eine enthält einen reichen Inhalt. Und ein reicher Inhalt ist der Inhalt der Apokalypse.“

GA 346, S 41

„Denn sehen Sie, wir wissen ja: In der Zeit, als sich die alte Saturnzeit wiederholte, da war in der Erdenentwickelung viel von der Eigentümlichkeit des alten Saturns, wenn auch in einem verdichteten Zustand. Als der zweite Zeitraum in der Erdenentwikkelung die Wiederholung der alten Sonnenzeit brachte, trennte sich die Sonne von der Erde, die während der Saturnentwickelung noch mit ihr verbunden war, und mit ihr alle Wesen, die zur Sonne gehörten. In der dritten Zeit der Erdenentwickelung, der lemurischen, trennte sich auch der Mond von der Erde, so daß diese Dreiheit: Erde, Sonne und Mond, die nächste irdische Realität ist. Wie die Planeten dazukamen, finden Sie in meinem Buche «Die Geheimwissenschaft» charakterisiert. Aber wir müssen dann hinblicken auch auf alle die Vorgänge, die ich geschildert habe in bezug auf das Wiederzurückkommen der Menschenseelen während der atlantischen Zeit. Das sind Erdenvorgänge, von der Erdenperspektive aus gesehen.

Wir wollen jetzt noch ein anderes hinzufügen. Sehen Sie, meine lieben Freunde, seit dem Mysterium von Golgatha wurde von denjenigen, die als Initiierte die Weltengeheimnisse erfaßten, der Christus als das Sonnenwesen angesehen, das vor dem Mysterium von Golgatha mit der Sonne verbunden war. Die Mysterienpriester der vorchristlichen Zeit sahen zur Sonne hinauf, wenn sie sich mit dem Christus verbinden wollten. Christus ist seit dem Mysterium von Golgatha Erdengeist geworden. Im Erdenleben, im Erdenwirken haben wir ihn zu suchen: Christus, den Sonnengeist. Die ihn schauen wollten, die mit ihm Gemeinschaft haben wollten vor dem Mysterium von Golgatha, mußten sich zur Sonne erheben.

Dieser Sonnengeist, den wir in der Art, wie er zur Erde gekommen ist, durchaus zu Recht als ein männliches Wesen ansprechen, der ist in dieser Form – obwohl ähnliche Ereignisse auch für frühere Zeiträume geschildert werden können, wie ich es wiederholt getan habe – glänzend geschildert im Gesichte des Apokalyptikers, in jener tiefen Schauung, ener Vision, die unmittelbar, wie materiell, n der Mitte des atlantischen Zeitraumes in glänzender physischer Erscheinung dasteht. Nach diesem Zeitpunkt sahen die Mysterienweisen, wenn sie hinauf zur Sonne sahen, in der Sonne den Christus sich heranentwickeln und reif werden, bis zu dem Punkte, wo er durch das Mysterium von Golgatha gehen konnte. Sahen sie hin zu jenem Punkt der Entwickelung in der atlantischen Zeit, so sahen sie in dieser atlantischen Zeit eine Geburt sich vollziehen im Kosmos draußen innerhalb der Sonne.

Die Priester, die in der Mitte der atlantischen Zeit die Geburt des Christus als männliches Wesen in der Sonne sahen, sie sahen vorher in der Sonne ein weibliches Wesen. Das ist der bedeutungsvolle Umschwung, der sich vollzog in der Mitte der atlantischen Zeit, daß man vor der Mitte der atlantischen Zeit innerhalb der geistigen Sonnenaura das kosmische Weib sah, «das Weib, mit der Sonne bekleidet». Dies ist wirklich dasjenige, was dazumal dem Geschehen im Überirdischen, im Himmel entsprach: «das Weib, mit der Sonne bekleidet, das dann ein Knäblein gebiert». Es wird von dem Apokalyptiker richtig bezeichnet als die Geburt eines Knäbleins, das dieselbe Wesenheit ist, die dann durch das Mysterium von Golgatha ging und die früher andere Formen durchgemacht hat. Eine Art Geburt, die allerdings eine komplizierte Art von Metamorphose war, ging damals in der atlantischen Zeit vor sich. Man konnte sehen, wie die Sonne ihr Männliches, ihr Sohnhaftes gebar. Nun, was bedeutet das für die Erde? In der Mitte der atlantischen Zeit empfand man so etwas wie das Sonnendasein natürlich ganz anders als heute. Heute schaut man die Sonne so an, wie wenn sie eine Ansammlung von Kratern und brennenden Massen wäre; es ist das ein greulicher Anblick, den die heutigen Physiker beschreiben. Aber dazumal sah man so etwas, wie ich es jetzt beschrieben habe. Man sah wirklich das mit der Sonne bekleidete Weib, den Drachen unter ihren Füßen, ein Knäblein gebärende Diejenigen, die so etwas sahen und verstanden, sagten sich: Das ist für den Himmel die Geburt des Christus, das ist für uns die Geburt unseres Ich – auch wenn dieses Ich erst viel später in das Innere des Menschen einzog.“

GA 346, S 174-176

„Seit diesem Zeitpunkt in der Mitte der Atlantis spielte sich die Entwickelung so ab, daß die Menschen sich ihres Ichs immer bewußter wurden. Allerdings waren sie sich ihres Ichs nicht so bewußt wie wir heute, sondern mehr auf elementare Art, aber sie wurden sich ihres Ichs immer bewußter, indem sie von den Mysterienpriestern darauf aufmerksam gemacht wurden: Die Sonne entzündet im Menschen das Ich. – Und durch diese Geburt, wie sie der Apokalyptiker im Bilde zeigt, entzündete sich fortwährend von außen durch die Sonneneinwirkung das Ich, bis zum vierten nachatlantischen Zeitraum, wo im Menschen das Ich eingezogen war. Das fühlte man; man fühlte den Menschen eigentlich als der Sonne angehörig. Das war eine dazumal ganz tief in die menschliche Natur einschneidende Empfindung.“

GA 346, S 176

„Heute, wo wir in bezug auf das seelische Erleben solche Zärtlinge geworden sind, können wir gar nicht ermessen, wie wogend und stürmend die Seelenerlebnisse der Menschen in früheren Zeiten waren. Denn gegenüber dieser Tatsache, daß dem Menschen das Ich aus dem Kosmos geschenkt wurde, empfand der Mensch dazumal auf der Erde so, daß alles das, was seine frühere Natur gewesen war, nun eine andere wird. Früher war er ja im wesentlichen auf seinen astralischen Leib angewiesen, auf dasjenige, was im Astralischen lag, und das wirkte in dem Seelisch-Geistigen so, daß der Mensch während dieser alten Zeit die Vorstellung hatte: Hier (siehe Zeichnung auf Tafel 9, links) steht er, da oben ist die Sonne, das Ich ist noch nicht da, aber von der Sonne wirkt herunter das Astralische. Der Mensch trägt von der Sonne den astralischen Leib in sich, den astralischen Leib, der noch nicht durch das Ich beherrscht wird, der innerlich noch zwar verfeinerte, aber tierähnliche Emotionen trägt. – jetzt ist er ein ganz anderer Mensch geworden, der Ich-Gewordene, der vorher nur von dem astralischen Leib durchsprudelt war. Das alles kam von der Sonne her.“

GA 346, S 176/177

„Nun stellen wir uns einmal vor das Auge – ich will es ganz schematisch zeichnen (Tafel 9, unten links) -, wie das Bild, das Sonnenbild der ältesten atlantischen Zeit, durchdrungen war mit lebendigem Lichtschein, der sich sprudelnd in der unteren Hälfte des Sonnenwesens bewegte. Da heraus wird oben etwas geboren, man fühlte unbestimmt etwas von dem Antlitz hier. Da drunten. im Sonnenwesen fühlte der Mensch den Ursprung dessen, was im eigenen astralischen Leib als Emotionen brodelte, aber auch alles dasjenige, was dem Menschen Oberhaupt sein seelisches und geistiges Wesen gab. Die nächste Phase, wie man die Sonne später gesehen hat, würde diese gewesen sein (siehe Tafel 9, unten Mitte): Deutlich sich herausschöpfend, das Antlitz klarer werdend, die Figur eines Weibes annehmend, noch undeutlich dasjenige, was dem Menschen bringen soll die Beherrschung durch das Ich. Immer kleiner wird der Raum, dasjenige, was sich da unten tierisch windet; endlich kommt die Zeit, wo eben das Weib da ist in der Sonne, das Knäblein gebiert, und unter den Füßen des Weibes nun dasjenige, was früher da war (Zeichnung), also wo das Ich gebärende Weib von der Sonne aus das Bild zeigt, den Drachen zu beherrschen: die astralische Welt der früheren Epoche, die jetzt unter ihren Füßen ist.“

GA 346, S 177

„Da begann dazumal in der Sonne der Streit Michaels mit dem Drachen, und der führte dazu – das sah man durchaus in physischer Erscheinung -, daß alles dasjenige, was da in der Sonne war, sich langsam zur Erde hinbewegte und Erden-Ingredienz wurde, Erdeninhalt wurde, dadurch den Menschen nun in seinem Unbewußten beherrschend, während in sein Bewußtsein immer mehr einzog das Ich.“

GA 346, S 178

„Eigentlich ist das der Grundgedanke meiner « Philosophie der Freiheit » gewesen, daß ich aufmerksam darauf gemacht habe.‑ In das Denken, das sich der moderne Mensch erworben hat, kann er sein Ich-Wesen wirklich hineinschieben. jenes Ich‑Wesen, das er ‑ ich konnte es dazumal noch nicht aussprechen, aber es ist so ‑ während des Schlafzustandes in der modernen Zeit freikriegt, das kann er hineinschieben in das reine Denken. Und so wird der Mensch seines Ich‑Wesens sich wirklich bewußt im reinen Denken, wenn er so die Gedanken faßt, daß er aktiv, tätig in ihnen lebt.“

GA 221, S 36

„Nun ist es heute bei dem Menschen anders geworden, und darin besteht gerade der allerwichtigste Impuls in der Menschheitsentwickelung. Was der Mensch in alten Zeiten nach dem Tode durchgemacht hat, daß er ein denkendes Wesen für sich geworden ist, daß er ein freies Wesen für sich geworden ist, das muß der Mensch heute in der Zeit finden, die zwischen der Geburt und dem Tode liegt. Aber wie findet er es da? Er findet zunächst seine Gedanken, wenn er Selbsterkenntnis übt. Aber nun haben wir die ganze Zeit her, in der wir uns von einem gewissen Gesichtspunkte aus mit dem Wesen des Menschen beschäftigt haben, gefunden: diese Gedanken, namentlich die Gedanken, die der Mensch seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts, seit der Zeit des Nikolaus Cusanus entwickelt, sind eigentlich als Gedanken tot, sie sind Leichname. Dasjenige, was lebte, lebte im vorirdischen Dasein. Bevor der Mensch als seelisch‑geistiges Wesen heruntergestiegen ist auf die Erde, war er in einem geistigen Leben. Dieses geistige Leben ist mit dem Erdenantritt gestorben, und das Gestorbene erlebt er in sich als sein Denken. Das erste, was der Mensch erkennen muß, ist, daß er zwar in der neueren Zeit zu einer wirklichen Selbsterkenntnis kommen kann, zu einer Erkenntnis seiner selbst als eines geistig‑seelischen Wesens, daß aber das, was sich dieser Selbsterkenntnis ergibt, ein Totes, ein geistig Leichnamhaftes ist und daß eben in dieses Tote, in dieses geistig Leichnamhafte hineinfließen muß dasjenige, was aus dem Willen kommt, aus jenem Willen, von dem ich gestern gesagt habe, daß er vom Einschlafen bis zum Aufwachen eigentlich im Nichts drinnen, verankert im astralischen Leibe und in dem Ich ist. Das Ich muß hineinschießen in die toten Gedanken und muß sie beleben.“

GA 221, S 41/42

„Wenn wir den menschlichen Organismus prüfen, dann kommen wir dazu, einzusehen, daß diese unmittelbare Strömung, die also vom Ich direkt in das Physische hineingeht und sich dann im Körper verzweigt, entlang den Nervenbahnen geht (siehe farbige Zeichnung i, gelb). So daß also, wenn die menschlichen Nerven im Organismus sich ausbreiten, der äußere sichtbare Nervenstrang das äußere sichtbare Zeichen ist für die Ausbreitung derjenigen Strömung, welche direkt vom Ich nach dem ganzen Organismus geht, aber unmittelbar vom Ich aus in die physische Organisation hineingeht. Längs der Nervenbahnen läuft zunächst die Ich‑Organisation. Diese ist für den Organismus eine wesentlich zerstörende. Denn da kommt der Geist direkt hinein in die physische Materie. Und überall, wo der Geist direkt in die physische Materie hineinkommt, liegt Zerstörungsprozeß vor, so daß also längs der Nervenbahnen, von den Sinnen ausgehend, ein feiner Todesprozeß im menschlichen Organismus sich ausbreitet.“

GA 221, S 78

„Diejenige Strömung, welche zuerst im unsichtbaren Menschen nach dem astralischen, ätherischen und dem physischen Leibe geht, die können wir im Menschen verfolgen, wenn wir die Blutbahnen bis zu den Sinnen hin verfolgen (siehe farbige Zeichnung I, rot), so daß wir also, wenn wir den Menschen, so wie er vor uns steht, prüfen, sagen können: In dem Blute strömt das Ich. ‑ Aber das Ich strömt so, daß es zuerst seine Kräfte durchseelt hat durch die Astralorganisation, durch die ätherische und durch die physische Organisation. Das Ich strömt, nachdem es zuerst die astralische, die ätherische Organisation mitgenommen hat, durch die physische Organisation im Blute von unten hinauf. Es strömt also der ganze unsichtbare Mensch in dem Blutvorgang als ein aufbauender, als ein Wachstumsvorgang, als derjenige Vorgang, der immer von neuem den Menschen erzeugt durch die Verarbeitung der Nahrungsmittel. Dieser Strom strömt im Menschen von unten nach oben, können wir schematisch sagen, ergießt sich dann in die Sinne, also auch in die Haut, und kommt derjenigen Strömung entgegen, die direkt vom Ich aus die physische Organisation ergreift. Allerdings ist die Sache in Wirklichkeit noch komplizierter. In Wirklichkeit müssen wir auch auf den Atmungsvorgang sehen.“

GA 221, S 78/79

„Beim Atmungsvorgang ist es so, daß das Ich allerdings bis in den astralischen Leib strömt, dann aber direkt in die Lunge mit Hilfe der Luft. So daß den Atmungsvorgängen auch etwas vom übersinnlichen Menschen zugrunde liegt, aber so, daß nicht wie beim Nerven‑Sinnesprozeß das Ich direkt eingreift in die physische Organisation, sondern das Ich sich noch durchtränkt mit den Astralkräften, den Sauerstoff ergreift, und dann erst, jetzt nicht als reine Ich‑Organisation, sondern als Ich‑Astralorganisation, in den Organismus eingreift mit Hilfe des Atmungsprozesses (siehe farbige Zeichnung I, dritter Pfeil). Man könnte also sagen: Der Atmungsprozeß ist ein abgeschwächter Zerstörungsprozeß, ein abgeschwächter Todesprozeß. Der eigentliche Todesprozeß ist der Nerven‑Sinnesprozeß, ein abgeschwächter Zerstörungsprozeß ist der Atmungsprozeß.“

GA 221, S 79

„Daß das Blut gewissermaßen nicht bloß den horizontalen Weg macht, sondern daß das Blut hinaufströmen muß als Träger der inneren Ich‑Kräfte, das macht, daß der Mensch dieses Ich als sein Ich, als sein individuelles Ich erlebt.“

GA 221, S 112

„Und wie ist es nun? Wie erlebt der Mensch dieses Seinsgefühl? Er erlebt es etwa in der folgenden Weise. Das kann man vielleicht nur durch ein Bild ausdrücken. Man schaue hin auf ein weites Meer. Die Wogen gehen auf und ab. Da eine Woge, dort eine Woge, überall Wogen, die von sich aufbäumendem Wasser herrühren. Da wird der Blick gefesselt durch eine besondere Woge. Denn diese eine besondere Woge zeigt, daß in ihr etwas lebt, daß das nicht bloß aufgepeitschtes Meer ist, daß hinter dieser Woge etwas lebt. Aber das Wasser umhüllt dieses Lebende von allen Seiten. Man weiß nur, daß etwas drinnen lebt in dieser Woge, aber man sieht auch in dieser Woge nichts anderes als das dieses Leben umhüllende Wasser. Die Woge sieht aus wie die anderen Wogen. Nur an der Stärke ihres Aufspringens, an der Kraft, mit der sie sich hinstellt, hat man das Gefühl, da lebt etwas Besonderes in ihr. Sie geht wieder hinunter, diese Woge. An einer anderen Stelle erscheint sie wiederum, wiederum verdeckt das Wasser der Woge dasjenige, was sie innerlich belebt. So ist es mit dem Seelenleben des Menschen. Da wogen auf Vorstellungen, Gedanken, da wogen auf Gefühle, da wogen auf Willensimpulse; überall Wogen. Eine der Wogen, die taucht herauf in einem Gedanken, in einem Willensentschluß, in einem Gefühl. Ich ist da drinnen. Aber die Gedanken oder die Gefühle oder die Willensimpulse, sie verdecken wie das Wasser in der Wasserwoge das Lebendige. Sie verdecken dasjenige, was als Ich drinnensteckt. Und der Mensch weiß nicht, was er selbst ist. Denn alles, was sich ihm zeigt an der Stelle, von der er nur weiß: da wogt mein Selbst herauf, da wogt mein eigenes Sein herauf, all dasjenige, was sich ihm zeigt, ist nur Schein. Der Schein in der Seele verdeckt das Sein, das ja ganz gewiß da ist, das der Mensch erfühlt, innerlich erlebt. Aber der Schein deckt es ihm zu, wie das Wasser der Wasserwoge ein Lebendiges zudeckt, das heraufkommt aus den Tiefen des Meeres, das man nicht kennt. Und der Mensch fühlt sein eigenes wahres Wesen verhüllt durch die Scheingebilde seiner eigenen Seele. Und es ist, als ob der Mensch sich fortwährend an sein Sein anklammern wollte, als ob er es irgendwo erfassen wollte. Er weiß, es ist da. Aber in dem Augenblicke, wo er es erfassen will, entschlüpft es ihm schon wieder, eilt von ihm fort. Der Mensch ist nicht imstande, das, was er weiß, was er ist, ein seiendes Wesen, in dem Gewoge seiner Seele zu erfassen. Und wenn dann der Mensch darauf kommt, daß dieses wogende Scheinleben der Seele etwas zu tun hat mit jener anderen Welt, die ihm vor die Vorstellung tritt, wenn er in die Natur hinausschaut, dann, dann tritt erst recht ein furchtbares Rätsel auf. Das Naturrätsel ist wenigstens ein solches, das sozusagen im Erleben vorhanden ist. Das Rätsel der eigenen Seele ist nicht im Erleben vorhanden, weil es selber lebt, weil es sozusagen lebendes Rätsel ist, weil es auf die fortdauernde Frage des Menschen: Was bin ich? ‑ dasjenige vor ihn hinstellt, was bloßer Schein ist.

Indem der Mensch in das eigene Innere blickt, wird er gewahr, daß dieses Innere ihm fortwährend die Antwort gibt: Ich zeige dir von dir selbst nur einen Schein; und schreibst du dich von einem geistigen Dasein her, ich zeige dir in deinem Seelenleben von diesem geistigen Dasein einen Schein.“

GA 234, S 22/23

„Man kann natürlich über diese Dinge philosophisch phantasieren oder phantastisch philosophieren. Dann kann man sagen: Der Mensch hat in seinem Ich, das heißt in dem gewöhnlichen Ich‑Bewußtsein, eine sichere Grundlage ‑ das beginnt bei dem heiligen Augustinus so zu denken, das setzt sich fort über Cartesius, das gewinnt einen etwas koketten Ausdruck im Bergsonianismus der Gegenwart ‑, aber jeder Schlaf widerlegt das. Denn von dem Augenblicke, wo wir einschlafen, bis zu dem Augenblicke, wo wir aufwachen, verfließt eine Zeit für uns. Wenn wir auf sie zurückschauen im wachen Zustande, so ist das Ich eben nicht da als Erlebnis innerhalb dieser Zeit. Es ist ausgelöscht. Und was da ausgelöscht ist, hängt mit dem Wertvollsten, mit dem moralischen Einschlag in unserem Leben zusammen.“

GA 234, S 68/69

„Wahrhaftig, unser Ich wird, indem es durch die Pforte des Todes geht, durch die geistige Welt geht bis zu einem neuen Erdenleben, ganz geistig. Und wer glaubt, es mit ganz gewöhnlichen Kräften des alltäglichen Bewußtseins erringen zu können, der kann es nicht erringen. Man kann es nur erringen, wenn die Liebe in der Weise höchstgesteigert ist, wie ich es angeführt habe. Denn der, der wir waren im früheren Dasein, der ist ebenso außer uns, wie ein anderer Mensch in der Gegenwart außer uns ist. Derselbe Grad von Außensein haftet unserem Ich an. Gewiß, es wird dann unser Eigentum. Wir erleben es als uns selbst, aber wir müssen erst so lieben lernen, daß diese Liebe gar nichts Egoistisches hat. Es wäre ja etwas Furchtbares, wenn man in seine vorige Inkarnation sich verlieben würde im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Es muß die Liebe im höchsten Sinne gesteigert werden, daß man eben diese vorige Inkarnation zugleich als etwas ganz anderes erleben kann. Und dann dringt man, wenn die Kraft der Erkenntnis durch das leere Bewußtsein aufsteigt zu der Kraft der Erkenntnis durch die höchstgesteigerte Liebe, dann gelangt man zu dem vierten Gliede der menschlichen Wesenheit, zu dem eigentlichen Ich.“

GA 234, S 101/102

„Der Mensch hat seinen physischen Leib. Durch den lebt er in jedem Augenblick in der physischen Gegenwart der Erde. Der Mensch hat seinen Ätherleib. Durch den lebt er eigentlich fortdauernd bis ein Stückchen vor seine Geburt hin, wo er sich den Ätherleib gesammelt hat aus dem allgemeinen Weltenäther. Nun hat er seinen Astralleib. Durch den lebt er durch das ganze Dasein zwischen seinem vorigen Tode und diesem Heruntersteigen auf die Erde. Und dann hat er sein Ich. Da lebt er ins vorige Erdenleben hinein. So daß wir beim Menschen überall, wo wir von seiner Gliederung sprechen, sprechen müssen von seiner Ausdehnung in der Zeit. Wir tragen unser voriges Ich-Bewußtsein unterbewußt in der Gegenwart in uns. Und wie tragen wir es in uns? Ja, wenn Sie das studieren wollen, wie wir es in uns tragen, dann müßten Sie aufmerksam werden darauf ‑ und das ist auch der Weg dazu, an das Ich heranzukommen ‑, wie der Mensch nun hier in der physischen Welt nicht nur fester Leib ist, nicht nur ein flüssiger Mensch, ein luftförmiger Mensch, sondern wie der Mensch ja ein Wärmeorganismus ist. Primitiv, wenigstens sehr partiell weiß das schon jeder; wenn er Fieber mißt, so bekommt er verschiedene Fieberangaben, je nach den verschiedenen Stellen des Organismus, wo er mißt. Aber so ist es durch den ganzen menschlichen Organismus hindurch. Eine andere Temperatur haben Sie oben im Kopfe, eine andere in der großen Zehe, eine andere innerlich in der Leber, eine andere innerlich in der Lunge. Sie sind ja nicht nur das, was Sie in einem anatomischen Atlas in festen Konturen gezeichnet finden; Sie sind ein Flüssigkeitsorganismus, der in fortwährender Bewegung ist; Sie sind ein Luftorganismus, der Sie immerfort durchdringt, wie wenn Sie da immer ein mächtiges Symphonisches, Musikorganisches durchdränge. Und Sie sind bei alledem ein wogendes, warm‑kalt Organisiertes, ein Wärmeorganismus, und in diesem Wärmeorganismus leben Sie selber drinnen. Das spüren Sie auch. Schließlich haben Sie nicht ein sehr starkes Bewußtsein davon, daß Sie, sagen wir, in einem Schienbein‑ oder in einem anderen Knochen leben, auch nicht ein starkes Bewußtsein davon, daß Sie in Ihrer Leber leben oder in den Säften Ihrer Gefäße. Aber daß Sie in Ihrer Wärme leben, davon haben Sie ein starkes Bewußtsein, wenn Sie das auch nicht differenzieren, wenn Sie auch nicht sagen: Da ist meine Wärmehand, da ist mein Wärmebein, da ist meine Wärmeleber und so weiter; aber es ist da, und ist es einmal gestört, ist nicht die menschlich angemessene Differenzierung im Wärmeorganismus vorhanden, dann spüren Sie es als Erkrankung, als Schmerz.“

GA 234, S 102/103

„Wenn man das Ätherische schaut, wenn man mit dem entwickelten Bewußtsein zur Bildhaftigkeit, zur Imagination gedrungen ist, dann hat man webende Bilder. Nimmt man das Astralische wahr, hat man die Weltensphärenmusik. Die dringt an einen heran, oder auch sie dringt aus uns heraus. Denn unser eigener Astralleib führt uns zurück in unser vorirdisches Dasein. Und gehen wir weiter zu jener Erkenntnis, die sich aufschwingt bis zur intensivsten Liebe, wo die Liebeskraft Erkenntniskraft wird, wo wir zunächst unser eigenes Dasein aus einem vorigen Erdenleben hereinfluten sehen in unser gegenwärtiges Erdenleben, so spüren wir dieses vorangehende Erdenleben in der normalen Differenzierung unseres Wärmeorganismus, in dem wir drinnen leben. Das ist die wirkliche Intuition. Da leben wir drinnen. Und wenn irgendein Impuls in uns aufsteigt, das oder jenes zu tun, so wirkt dies ja nicht nur, wie es im astralischen Leib ist, aus der geistigen Welt heraus, sondern von noch weiter zurück aus dem früheren Erdenleben. Das frühere Erdenleben wirkt in die Wärme Ihres Organismus herüber und erzeugt diesen oder jenen Impuls. Schauen wir in dem irdischfesten Menschen den physischen Leib, in dem flüssigen den ätherischen Leib, in dem luftförmigen den astralischen Leib, so schauen wir in dem Wärmemäßigen des Menschen das eigentliche Ich. Das Ich der gegenwärtigen Inkarnation ist nie fertig; das bildet sich. Das eigentliche, in den unterbewußten Tiefen wirkende Ich ist das des vorigen Erdenlebens. Und vor dem schauenden Bewußtsein nimmt sich ein Mensch, dem Sie gegenübertreten so aus, daß Sie sagen: Hier steht er; ich erblicke ihn zunächst so wie er dasteht, mit meinen äußeren Sinnen. Ich schaue dann das Ätherische, ich schaue das Astralische, dann aber hinter ihm den anderen Menschen, der er war in der vorigen Inkarnation.“

GA 234, S 103/104

„In der Tat, je weiter dieses Bewußtsein ausgebildet wird, desto mehr erscheint ‑ perspektivisch macht sich das so (es wird gezeichnet) ‑ das menschliche Haupt der gegenwärtigen Inkarnation, etwas darüber das menschliche Haupt der vorigen Inkarnation, etwas darüber das menschliche Haupt der noch weiter zurückliegenden Inkarnation. In Zivilisationen, die von diesen Dingen durch ein instinktives Bewußtsein noch etwas geahnt haben, finden Sie Bilder, wo hinter dem deutlich gezeichneten Antlitz, das auf das gegenwärtige Erdenleben bezogen wird, ein anderes, etwas weniger deutlich gemaltes ist, und ein noch weniger deutlich gemaltes als drittes. Es gibt solche ägyptische Bilder. Derjenige, der erblickt, wie eigentlich hinter dem Menschen der Gegenwart der Mensch der vorigen Inkarnation und der weiter zurückliegenden Inkarnation aufsteigt, versteht solche Bilder. Und es ist erst eine Realität, von dem Ich zu sprechen als dem vierten Gliede der menschlichen Natur, wenn man zugleich das zeitliche Dasein zu den vorigen Inkarnationen zurückerweitert.“

GA 234, S 104/105

„Jetzt aber, wenn Sie das so betrachten, dann kommen Sie über eines hinaus, was gerade dem Menschen der Gegenwart, wenn er wirklich unbefangen mit seiner Seele zu Werke geht, ein großes Rätsel aufgeben sollte. Ich habe von diesem Rätsel gesprochen. Ich sagte, wir fühlen uns moralisch verbindlich gegenüber gewissen Impulsen, die uns rein geistig gegeben sind. Wir wollen sie ausführen. Wie das in die Knochen, in den Muskel schießt, wozu wir uns moralisch verbunden fühlen, das kann man zunächst nicht einsehen. Wenn man aber weiß, daß man sein Ich aus der vorigen Inkarnation, das schon ganz geistig geworden ist, in sich trägt, daß dieses Ich in die Wärme hereinwirkt, dann hat man den Übergang da in diesem Wärmemenschen. Auf dem Umwege durch das Ich der vorigen Inkarnation wirken die moralischen Impulse. Da bekommen Sie erst den Übergang vom Moralischen ins Physische. Wenn Sie bloß die gegenwärtige Natur betrachten und den Menschen als einen Ausschnitt aus der Natur, bekommen Sie diesen Übergang nicht.“

GA 234, S 105

„Dieser Prozeß, auf den Sie da hinschauen, ist dann wahrhaftig nicht so, wie ihn aus der gewöhnlichen Anatomie heraus der heutige Naturforscher oder Mediziner konstatiert, sondern der ist ein großartiger geistiger Prozeß, ein Prozeß, der ungeheuer viele Geheimnisse birgt, ein Prozeß, welcher schon bei sich selber zeigt, daß im Grunde genommen der eigentliche treibende Motor, der da im Inneren des Menschen wirkt, gar nicht das gegenwärtige Ich ist. Es ist ja ein bloßer Gedanke, was der Mensch sein Ich nennt im gewöhnlichen Leben. Aber was da im Menschen wirkt, das ist das Ich der vorigen Erdenleben. Und Sie schauen in diesem ganzen innerlichen Verlauf, namentlich von Wärmeprozessen, wie aus weit zurückliegenden Zeiten das reale ich, das durch die Zeitentwickelung durchgegangen ist zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, da drinnen wirkt, wie da ein ganz Geistiges drinnen wirkt, wie der geringste Stoffwechselprozeß und der stärkste Stoffwechselprozeß überall der Ausdruck dessen ist, was gerade höchste Wesenheit des Menschen ist.“

GA 234, S 116

„Und Sie kommen darauf, daß das Ich seinen Schauplatz gewechselt hat. Es wirkte innen in der Verarbeitung des Atems aus den bloßen Atmungsentwickelungen. Aber dasjenige, was als Wärmeentwickelungen aus den Atmungsentwickelungen hervorgeholt wird, das schauen Sie dann von außen an, schauen das ganze wirksame Ich, schauen es, wie es von Urzeiten herauf als reales Ich des Menschen wirkt, den Menschen eigentlich organisiert.“

GA 234, S 116/117

„Jetzt beginnen Sie zu wissen, daß tatsächlich während des Schlafes das Ich und der astralische Leib den menschlichen physischen und Ätherleib verlassen haben, außer ihnen sind und alles das, was sie sonst von innen erleben und treiben, nun von außen erleben und treiben. Dieses ist nun aber so, daß für das gewöhnliche Bewußtsein diese Ich‑Organisation und diese astralische Organisation noch zu schwach sind, zu wenig entwickelt sind, um das bewußt mitzuerleben. Die Inspiration besteht eben nur darin, das Ich und den astralischen Leib so innerlich zu organisieren, daß sie das, was sonst nicht wahrnehmbar ist, wahrnehmen können.“

GA 234, S 117

„So daß in der Tat gesagt werden muß: Durch die Inspiration werden wir auf das geführt, was im Menschen astralischer Leib ist, durch die Intuition auf dasjenige, was im Menschen Ich ist. Intuition und Inspiration werden während des Schlafes im Ich und astralischen Leib unterdrückt; aber wenn sie erweckt werden, dann schaut sich durch sie der Mensch von außen an. Und was ist denn schließlich dieses Von-außen-Ansehen?“

GA 234, S 117

„Wenn wir dann den Menschen im Leben betrachten, so finden wir, daß dieses Leben allerdings von seinem Ich beherrscht wird, je nachdem der Mensch Willens‑ und Charakterstärke hat, mehr oder weniger, daß aber das Eingreifen dieses Ich in das menschliche Leben etwas außerordentlich Ähnliches hat mit dem Traumerlebnis der ersten Art. Versuchen Sie es nur einmal, intim zu prüfen, ob jemand Träume hat, in denen seine äußeren Erlebnisse stark, vehement verändert werden. Wenn jemand solche Träume hat, werden Sie in ihm einen starken Willensmenschen finden. Träumt jemand sein Leben fast wie es ist, verändert er dieses Leben nicht im Traume, so wird er ein willensschwacher Mensch sein.“

GA 234, S 131

„Sie sehen also: An der Art, wie der Mensch seine Träume gestaltet, drückt sich das Eingreifen des Ich in sein Leben aus. Wir werden die Träume der ersten Art gerade aus solchen Erkenntnissen heraus mit dem Ich des Menschen zusammenbringen müssen. Und wenn wir gedenken, daß wir ja in den letzten Betrachtungen Kenntnis davon genommen haben, wie das Ich und der astralische Leib im Schlafe außer dem physischen und dem Ätherleib sind, so wird es uns nicht weiter auffällig sein, wenn Geisteswissenschaft zuletzt darauf führt, daß das außer dem physischen und dem Ätherleib befindliche Ich im Traume die Bilder des Lebens ergreift, die es sonst durch den physischen und Ätherleib eben in der äußeren Wirklichkeit ergreift. Der Traum der ersten Art ist ein Wirken des Ich außerhalb des physischen und Ätherleibes.

Was ist der Traum der zweiten Art? Er muß auch etwas sein, selbstverständlich, was zu tun hat mit dem, was im Schlafe außerhalb des physischen und Ätherleibes ist. Das Ich kann es nicht sein, denn das Ich weiß nichts von dem, was der Traum als symbolische Gestaltungen der Organe vorzaubert. Man wird gedrängt dazu, zu erkennen, wie es der astralische Leib des Menschen ist, der diese symbolischen Bilder der inneren Organe so im Traume gestaltet, wie das Ich die Bilder der äußeren Erlebnisse gestaltet. Und so haben wir durch die zwei Arten der Träume einen Hinweis auf das Wirken des Ich und des astralischen Leibes vom Einschlafen bis zum Aufwachen.“

GA 234, S 131/132

„Nun, was will ich denn durch die Darstellung von all dem? Durch die Darstellung von alledem möchte ich darauf hinweisen, wie es eine intime Art der Betrachtung des Menschenlebens gibt, die wirkliche Lebensrätsel aufwirft. Es ist so, daß der Mensch heute das Leben eigentlich recht oberflächlich betrachtet. Würde er es genauer, intimer betrachten, so würden ihm die Dinge auffallen, von denen ich heute gesprochen habe. Aber in einem gewissen Sinne fallen sie ihm auf, nur weiß er eigentlich nichts davon, wie sie ihm auffallen. Der Mensch wird sich eigentlich gar nicht bewußt, wie stark das doch auf sein Leben einen Einfluß hat, was er träumt. Er betrachtet den Traum als etwas Vorüberhuschendes, weil er nicht weiß, daß in die eine Art der Träume sein Ich, in die andere Art der Träume sein Astralleib eingreift. Wenn wir aber das Leben erfassen in bezug auf noch einschneidendere Erscheinungen, dann werden die angedeuteten Rätsel noch brennender.“

GA 234, S 138/139

„Für diejenigen, die längere Zeit hier sind, sind solche Tatsachen schon erwähnt worden. Ich will wieder darauf hinweisen, wie es einen pathologischen Zustand im Menschen gibt, der darin besteht, daß der Mensch erinnerungsmäßig den Zusammenhang an sein Leben verliert. Ich habe es für einen Bekannten von mir angeführt, der eines Tages, ohne daß er davon in seinem Bewußtsein etwas weiß, aus seiner Wohnung, von seiner Familie fortgeht nach dem Bahnhof, sich ein Billett ersteht, bis zu einer bestimmten Station fährt wie ein Nachtwandler. Auf der Umsteigestation löst er sich das andere Billett, fährt weiter, fährt lange Zeit herum. Er hat die Fahrt von einer Stadt Süddeutschlands angetreten. Man konnte später konstatieren, als man dem Fall nachgegangen war, daß er in Budapest, in Polen, Lemberg und so weiter gewesen ist. Er hat sich zuletzt entdeckt ‑ da fing sein Bewußtsein wieder an zu wirken ‑ in einem Obdachlosenasyl in Berlin, wo er zuletzt gelandet ist. Diesem Momente, wo er im Obdachlosenasyl angekommen war, waren ein paar Wochen vorangegangen, die in seinem Bewußtsein ausgelöscht waren. Er erinnerte sich an das letzte, was er noch zu Hause gemacht hatte; das andere war ausgelöscht. Man mußte von außen die ganze Reise verfolgen.“

GA 234, S 139

„Sie sehen, da ist das Ich nicht bei dem, was der Mensch tut. Wenn Sie die entsprechende Literatur verfolgen, so werden Sie Hunderte und Hunderte von Fällen eines solchen aussetzenden Ich‑Bewußtseins finden. Was liegt denn da eigentlich vor? Wenn Sie sich darauf einlassen würden, die Traumwelt eines solchen Menschen, der in diesen pathologischen Zustand verfällt, zu studieren, so würden Sie auf etwas Merkwürdiges kommen. Sie würden zunächst finden, daß er, wenigstens zu gewissen Zeiten seines Lebens, die denkbar lebhaftesten Träume hatte, Träume, die ganz besonders dadurch charakterisiert sind, daß er sich im Traum etwas vornimmt, Absichten hat im Traume.“

GA 234, S 139/140

„Derjenige, der Menschenbeobachtung hat, sieht es unter Umständen schon dem Menschen an, ob ihm jemals so etwas passieren könnte wie ein ausgelöschtes Bewußtsein. Solche Menschen haben etwas, was zeigt, daß sie mit Bezug auf gewisse innere und äußere Erlebnisse nie ganz aufwachen: Man kommt nach und nach darauf, wenn man einen solchen Menschen beobachtet, daß er jede Nacht in seinem Schlafzustand mit seinem Ich zu weit herausgeht aus dem physischen und dem Ätherleib, sich zu weit entfernt, so daß er nicht mehr alles mitnehmen kann, was er da draußen erlebt. Er geht zu tief in den Geist hinein, um all das, was er in der geistigen Welt erlebt, wiederum zurückzutragen in den physischen und Ätherleib. Und endlich, weil er das so oft nicht völlig zurückträgt, hält es ihn dann zuletzt draußen. Das, was er da zu tief im Geiste erlebt, das hält zuletzt überhaupt das Ich aus dem physischen Leib draußen und er kommt in diesen Zustand, wo das Ich nicht im physischen Leib drinnen ist.“

GA 234, S 140/141

„Ja, da sehen Sie schon eine Art Verbindung des Ich mit der ganzen Traumwelt auftreten. Ich möchte sagen, Sie können sie greifen, diese Verbindung des Ich mit der Traumwelt. Und es entstehen folgende Fragen vor uns: Wie ist es denn nun mit den Traumbildern, die sich auf innere Organe beziehen, im Verhältnis zu den Imaginationen, die sich auf innere Organe beziehen, wie ist es denn da?“

GA 234, S 141

„Aber ich frage Sie: Wenn Sie in sich hineinblicken, um einmal so recht darauf zu kommen, was Sie eigentlich nach dem sind, was Sie ihr Ich nennen, ist denn das etwas anderes als die Erinnerungen? Sie werden kaum etwas anderes in sich finden als die Erinnerungen an das Leben, wenn Sie auf Ihr Ich zurückgehen wollen. Sie finden allerdings diese Erinnerungen von einer Art Aktivität durchzogen, aber die bleibt sehr schattenhaft und dunkel. Das, was lebendig erscheint als Ich, sind eben für das Erdenleben die Erinnerungen.“

GA 234, S 149/150

„Aber vergleichen Sie diese entweder frei auftauchenden oder gesuchten Erinnerungsbilder in ihrer Schattenhaftigkeit, in ihrem bloßen Gedanken‑ und Vorstellungssein mit der Robustheit der Erlebnisse, auf die sie sich beziehen, so werden Sie sich sagen: Es sind die Erinnerungen eben Bilder. Aber als Bilder sind sie das, was wir in unserem Ich von unseren Erlebnissen in der Außenwelt für uns behalten. Wir tragen sozusagen als den erarbeiteten Schatz aus unseren Erlebnissen die Erinnerungen mit uns. Und wenn uns irgend etwas in krankhaften Fällen ‑ ich habe ja auch davon gesprochen ‑ verlorengeht von diesen Erinnerungen, dann ist das ein Schadhaftwerden unseres Ich selber. Wir fühlen, daß unser innerstes Wesen, unser Ich, schadhaft geworden ist, wenn es in krankhaften Fällen dies oder jenes aus dem Schatze der Erinnerungen auslassen muß, der unser Leben zu einem Ganzen macht. Man könnte auch hinweisen auf die furchtbaren Zustände, die zuweilen auf anderem Felde bei Gehirnschlägen dadurch eintreten, daß gewisse Partien des verflossenen Lebens in der Erinnerung ausgelöscht werden. ‑ Blicken wir zurück von einem gewissen Zeitpunkte unseres Lebens auf das verflossene Dasein seit unserer letzten Geburt, dann müssen wir schon den Zusammenhang der Erinnerungen fühlen und empfinden, damit wir uns so recht als seelischer Mensch ansehen können.“

GA 234, S 160/161

„Es ist so, wie wenn wir dasjenige Ich, das wir eigentlich als unser Ich bezeichnet haben während des Erdenlebens, hinschwinden sehen würden in die Weiten des Weltenalls. Und das Ende der wenigen Tage, in denen wir solches erleben, ist dieses, daß wir uns gegenüber unseren enteilenden Erinnerungen sagen müssen: Wir werden selbst zerstreut, verweitet in das Weltenall, verweitet so weit in das Weltenall, daß wir den Augenblick erleben, wo wir eigentlich in dem, worin wir uns gefühlt haben zwischen Geburt und dem Tode, wie genommen uns fühlen von den Weiten des Weltenalls.“

GA 234, S 163

„Jener Bodhisattva, der in Jeshu ben Pandira war und auch in anderen Persönlichkeiten reinkarniert war, der kommt immer wiederum, bis er in dreitausend Jahren aufsteigt zum Buddha und als Maitreya-Buddha seine letzte Inkarnation erlebt. jene Individualität, welche die Christus‑Individualität war, die war nur drei Jahre auf Erden, in dem Körper des Jesus von Nazareth, und kommt nicht wieder in einem physischen Leibe; nur in der fünften Kulturepoche im Ätherleibe, in der sechsten Kulturepoche im astralen Leibe, und wieder weiter, in der siebenten Kulturperiode, in einem großen kosmischen Ich, das gleich einer großen Gruppenseele der Menschheit ist. Wenn der Mensch stirbt, fällt von ihm ab sein physischer, sein Ätherleib, sein Astralleib, und von ihm geht sein Ich über zur nächsten Inkarnation. Gerade so ist es aber auch mit dem Planeten unserer Erde. Dasjenige, was an unserer Erde physisch ist, fällt am Ende der Erdenperiode ab, und die Gesamtheit aller Menschen, die der Menschenseelen, geht hinüber in den Jupiter, in den nächsten planetarischen Zustand der Erde. Von den Stadien der Entwickelung, die sie erreicht haben wird, geht sie über zu dem nächsten Stadium der Erdenentwickelung, dem Jupiterdasein. Und wie beim einzelnen Menschen das menschliche Ich der Mittelpunkt ist seiner weiteren Entwickelung, so ist nachher für die ganze Menschheit das Christus‑Ich, das in ihre astralischen und Ätherleibes gesenkte Ich, dasjenige, was weitergeht, um in der folgenden planetarischen Entwickelung das Jupiterdasein. zu beseelen.“

GA 130, S 52

„Dann wird ein Zeitalter kommen, wo im Menschen noch höhere Kräfte erwachen. Das wird das Zeitalter sein, wo sich Christus in noch höherer Weise offenbart: in einer astralen Gestalt in der niederen Devachanwelt. Und das letzte Zeitalter der moralischen Impulse wird dasjenige sein, wo die Menschen, die durch die anderen Stufen hindurchgegangen sind, den Christus sehen in seiner Glorie, als Gestalt des größten Ich, als das vergeistigte Ich‑Selbst, als großen Lehrer der menschlichen Entwickelung im oberen Devachan.“

GA 130, S 117

„Der Mensch hat sich seit der Saturnzeit durch die Sonnen‑ und Mondenzeit in seinem physischen, ätherischen und astralen Leib entwickelt. Das Ich konnte erst auf der Erde in die genügend vorbereiteten Körper eintreten und sich dort weiter entfalten unter den fördernden Einflüssen des Christus‑Impulses, weil Christus makrokosmisch das ist, was unser Ich mikrokosmisch ist und für uns Menschen bedeutet. Die vier Prinzipien des Makrokosmos stehen in vielfacher Beziehung zu unseren vier unteren Prinzipien, einschließlich des bedeutendsten derselben, des Ich. In unserer Zeitepoche leuchten auch schon die höheren menschlichen Prinzipien in unsere Entwickelung hinein. Lebensgeist, Geistselbst und Geistesmensch werden aus den höheren geistigen Welten durch die makrokosmischen Prinzipien in uns entwickelt, aber nicht durch das vierte makrokosmische Prinzip, sondern dadurch, daß Wesenheiten, die selbst für sich keine makrokosmische, sondern nur eine mikrokosmische Bedeutung haben, in der Menschheit förmlich als Lehrer wirken, da sie schon um eines oder mehrere Prinzipien weitergeschritten sind als die Menschen selbst. Dagegen ist Christus eine makrokosmische Wesenheit, die auf der vierten Stufe ihrer makrokosmischen Entwickelung steht, wie der Mensch mikrokosmisch auf der vierten Stufe.“

GA 130, S 150/151

„Die erste Offenbarung an die sich entwickelnde Menschenseele des gegenwärtigen Menschheitszyklus, von der wir hier sprechen können, ist die Offenbarung, die erflossen ist vom Sinai herunter, die ihren Ausdruck gefunden hat in den Zehn Geboten des Moses. Derjenige, der tiefer nachdenkt über die eigentliche Bedeutung dieser Offenbarung an die Menschheit, die in den Zehn Geboten gegeben ist, der wird Wundersames gerade in den Zehn Geboten beobachten können. Nur sind diese Dinge so, daß sie sozusagen bereits zu dem alltäglichen Geistesgut des Menschen gehören, über das er nicht mehr scharf nachdenkt. Wenn er aber anfängt nachzudenken, dann wird er sich sagen müssen: Merkwürdig, in diesen Zehn Geboten ist etwas gegeben, was als Gesetz, seitdem es gegeben worden ist, durch die Welt geht und was im Grunde genommen heute noch gilt, was im Grunde genommen den Gesetzgebungen aller Länder des Erdenkreises, sofern sie nach und nach in die neuere Kultur sich einfügen, oder sich einfügten im Laufe der letzten Jahrtausende, zugrunde liegt. Es ist etwas Umfassendes, Großartiges, Universelles der Menschheit geoffenbart worden, als ihr sozusagen gesagt worden ist: Es gibt in der geistigen Welt ein Urwesen, dem hier auf der Erde entspricht sein Abbild, das Ich, und dieses Urwesen kann sich so in das Ich des Menschen hineinkraften, sich so hineinergießen, daß der Mensch jenen Normen, jenen Gesetzen folgt, die in den Zehn Geboten gegeben sind.“

GA 130, S 161/162

„Die zweite Offenbarung geschah durch das Mysterium von Golgatha. Was können wir von diesem Mysterium von Golgatha sagen? Es ist ja sogar gestern im öffentlichen Vortrag angedeutet worden, was wir von diesem Mysterium von Golgatha sagen können. Wie wir die ganze leibliche Menschheit auf ein Stamm‑Menschenpaar der Erde zurückführen müssen und wie wir nur verstehen können diese leibliche Menschheit als generationsweise hervorgehend aus diesem Stamm‑Menschenpaar der Menschheit, so müssen wir, wenn wir richtig verstehen dasjenige, was unseres Ichs wertvollstes Gut ist, was sich in unser Ich immer mehr und mehr während des Erdendaseins hinein versenken muß, ableiten von dem Mysterium von Golgatha. Wenn wir ‑ mag nun die althebräische Tradition auch verschieden sein in dieser Beziehung von der heutigen naturwissenschaftlichen Auffassung, darauf kommt es jetzt nicht an ‑, wenn wir der Menschen Blutsverwandtschaft, den leiblichen Zusammenhang, der Menschheit zurückführen auf das Stammpaar der Menschen, Adam und Eva, die also einmal auf der Erde gestanden haben als physische Urpersönlichkeiten, Ureltern der Menschheit, und wir also sagen müssen, das, was die Menschen als Menschenblut fortrinnen haben in ihren Adern, führt zuletzt zurück zu diesem Stamm‑Menschenpaar, so können wir auf der anderen Seite sagen, das, was wir als Wertvollstes in unsere Seele hereinnehmen können, als heiligstes, teuerstes Gut, was ein immerwährendes Wunder in den Menschenseelen vollzieht, was wir hereinnehmen können als das Bewußtsein, daß etwas in unserer Seele leben kann, das höher ist als unser gewöhnliches Ich, wenn wir also das, was des Menschen teuerstes Seelengut ist, was gleichsam sein Seelenblut werden muß, seinem Ursprung nach untersuchen wollen, dann müssen wir kommen zu demjenigen, was aus dem Grabe auf Golgatha auferstanden ist. Denn was dazumal auferstanden ist, das lebt in denjenigen Menschenseelen, die eine innere Erweckung erfahren, ebenso fort, wie das Blut von Adam und Eva fortlebt in den leiblichen Menschen. Eine Art Stamm‑ oder Urvatertum haben wir im auferstandenen Christus zu sehen: den geistigen Adam, der in die Seelen der Menschen, wenn diese ihre Erweckung erleben, einzieht und sie erst zu ihrem vollen Ich bringt, zu demjenigen, was das Ich in der richtigen Weise belebt. So wie des Adam Leibesleben in den physischen Leibern der Menschen, so rinnt dasjenige, was aus dem Grabe von Golgatha sich erhoben hat, in den Seelen derer, die den Weg dazu finden. Das ist die zweite Offenbarung, die an die Menschen ergangen ist, daß sie Kunde erlangt haben von dem, was durch das Mysterium von Golgatha geschehen ist.“

GA 130, S 162/163

„Wenn wir noch einmal anknüpfen an das Mysterium von Golgatha so war es so, daß dazumal das, was vom Christus aus dem Grabe von Golgatha auferstanden ist, nunmehr bei der Erde blieb, so bei der Erde blieb, daß es unmittelbar ergreifen kann jede einzelne Menschenseele und in jeder einzelnen Menschenseele das Ich zu einer höheren Stufe des Daseins erwecken kann. Der Christus wurde Erdengeist, können wir sagen, wenn wir in dieser Art von dem Mysterium von Golgatha sprechen. Und er ist seither Erdengeist geblieben. Aber in unserer Zeit tritt eine bedeutsame Veränderung in der Beziehung des Christus zur Menschheit ein, die ja verknüpft sein wird mit dem, was Sie mehr oder weniger alle schon wissen, mit der neuen Offenbarung des Christus für die Menschen.“

GA 130, S 164

„So haben wir im Mittelpunkte des menschlichen Wesens des Menschen zentralen Wesenskern, das Ich. Umgeben haben wir dieses Ich von seiner nächsten Hülle, dem Glaubensleib, und den Glaubensleib wiederum umgeben von dem Liebeleib.“

GA 130, S 175

„Mögen diejenigen, die immer nur an Materielles glauben können, es zunächst wiederum so machen, wie es viele Menschen heute in bezug auf die Ereignisse von Palästina machen. Während Johannes der Täufer gesagt hat: Ändert die Seelenverfassung, die Reiche der Himmel sind nahe herbeigekommen; nehmt an das menschliche Ich, das sich nicht mehr zu entäußern braucht, um in die geistige Welt zu kommen ‑ damit ist klar und deutlich gesagt, um was es sich handelt, gesagt, daß die Zeit herangekommen ist, mit den Ereignissen von Palästina, wo das Übersinnliche hineinleuchten kann in das menschliche Ich, so daß die Himmel heruntergestiegen sind bis zum menschlichen Ich ‑ während früher das Ich ins Unbewußte untertauchen mußte, um zu ihnen zu kommen, sagen diejenigen, die alles materiell ausdeuten: ja, der Christus hat, mit den Schwächen und Fehlern, mit den Vorurteilen seiner Zeit rechnend, eben verkündigt wie die Leichtgläubigen seiner Zeit: Das tausendjährige Reich werde sich verwirklichen oder es werde eine große Erdenkatastrophe kommen. Die sei aber gar nicht gekommen.“

GA 130, S 179/180

„„So sehen wir, daß jenes eigentliche Ich‑Bewußtsein, das der Mensch heute hat, gar nicht über so viele Inkarnationen reicht, als man gewöhnlich glaubt. Wir brauchten nur zurückzugehen durch ein paar Inkarnationen, so würden wir dieses Ich‑Gefühl nicht in der Weise, wie es heute charakteristisch für den Menschen ist, haben. Daher brauchen wir uns auch nicht zu verwundern, da das Ich‑Gefühl in inniger Weise zusammenhängt mit dem Gedächtnis, daß heute für viele Menschen noch nicht eingetreten ist dasjenige, was man nennen kann eine Rückerinnerung an die früheren Inkarnationen. Der Mensch erinnert sich ja auch nicht dessen, was in seinen ersten Kindheitsjahren an ihn herangetreten ist, weil da sein Ich‑Gefühl noch nicht ausgebildet ist. Ist es da nicht ganz erklärlich, daß der Mensch sich heute noch nicht zurückerinnern kann an seine früheren Inkarnationen, weil eben auch sein Ich‑Gefühl noch nicht ausgebildet war. Aber jetzt stehen wir an dem Übergang, wo der Mensch sein Ich-Gefühl ausgebildet hat und wo sich die Kräfte ausbilden, die bewirken, daß für die nächsten Inkarnationen die Notwendigkeit eintritt, sich an die früheren Inkarnationen zu erinnern. Es nahen sich die Zeiten, wo die Menschen gar nicht anders mehr werden können, als sich zu sagen: Wir blicken ja merkwürdig zurück in Zeiten, in denen wir in anderen Lebensformen bereits auf der Erde waren, wir blicken zurück so, daß wir uns sagen müssen, wir waren eben schon da auf der Erde. ‑ Und unter den Fähigkeiten, die immer mehr und mehr auftreten werden, wird auch die sein, die den Menschen darauf hinweisen wird: Ich kann gar nicht anders als zurückzublicken auf meine früheren Inkarnationen.“

GA 130, S 190

„Das ist das eine, was wir uns sagen müssen aus dem ganzen Charakter des großen Umschwunges heraus, der jetzt stattfindet. Das andere ist aber, daß eben das Ich dieses alles durchgemacht hat, um immer mehr und mehr auf sich selber zu bauen, selbständiger und selbständiger zu werden. Dieses Bauen auf sich selber von seiten des Ich ist wiederum etwas, was eintreten wird, was kommen wird für alle Seelen, was aber wiederum zum Verderben sein wird für diejenigen Seelen, welche nicht Bekanntschaft machen mit den spirituellen Weistümern. Denn diese Seelen werden das Individueller‑ und Individueller‑Werden empfinden wie eine Vereinsamung. Diejenigen dagegen, die sich bekannt machen werden mit den großen Geheimnissen der geistigen Welten, werden dadurch die Möglichkeit finden, im Geistigen immer mehr und mehr Bande zu schließen von Seele zu Seele. Die alten Bande werden sich immer mehr auflösen und neue werden geschlossen werden müssen. Das geschieht nun stufenweise in den nächsten Zeiten.“

GA 130, S 193

„Nun wissen wir aber, daß diese ganze Ausbildung des Menschen, diese ganze Entwickelung der einzelnen Seelenglieder, wie wir sie unterscheiden, wesentlich gebunden ist an noch etwas anderes, wesentlich gebunden ist an die allmähliche Eingliederung des menschlichen Ich. Denn diese Eingliederung des menschlichen Ich in die Menschennatur, das ist überhaupt die Aufgabe der Erdenentwickelung. So daß wir gleichsam zwei ineinanderlaufende Entwickelungsströmungen haben dadurch, daß wir die Erdenentwickelung nach der Saturn‑, Sonnen‑ und Mondenentwickelung durchmachen müssen und daß wir als Erdenmenschen insbesondere dieses vierte Glied der menschlichen Natur, das Ich, zur Ausbildung bringen, hinzufügen dieses Ich zu den anderen Hauptgliedern der menschlichen Natur, die schon früher veranlagt worden sind: zu dem physischen Leib, dem Ätherleib und dem astralischen Leib. Sie müssen nun unterscheiden diese große hauptsächlichste Entwickelungsströmung, die gebunden ist an die großen Verkörperungen unseres Erdenplaneten selber, von jener kleineren Entwickelungsströmung, von jener engeren Entwickelungsströmung, die ich vorhin bezeichnet habe als solche, die innerhalb einer so kurzen Zeit sich abspielt, wie es die nachatlantische Periode ist.“

GA 130, S 204

„Wenn Sie nun die ganze Evolution nehmen und das berücksichtigen, was jetzt gesagt worden ist, so wird Ihnen die vierte nachatlantische Kulturepoche, die griechisch‑lateinische, als ganz besonders wichtige Epoche erscheinen. Denn da muß in einer gewissen feineren Gestaltungsweise bearbeitet werden innerhalb der Menschennatur dasjenige, was wir nennen die Verstandes‑ oder Gemütsseele. Aber bis zu jener Zeit hin hat schon das Ich, welches also der großen Entwickelungsströmung angehört, eine ganz besonders hohe Ausbildung erfahren. So daß wir sagen können: Dieses Ich des Menschen, das hat sich bis in die vierte nachatlantische Kulturperiode, bis in die griechischlateinische Zeit, auf eine gewisse Stufe hinauf entwickelt, und es obliegt ihm da, hineinzuarbeiten in die Verstandes‑ oder Gemütsseele, und in unserer Zeit in die Bewußtseinsseele.

In einer gewissen Beziehung besteht nun eine innige Verwandtschaft zwischen dem menschlichen Ich und den drei Gliedern seiner Seelennatur: der Empfindungs‑, Verstandes‑ oder Gemütsseele und der Bewußtseinsseele. In diesen drei Gliedern lebt vorzugsweise zunächst das menschliche Ich sein inneres Leben, und es lebt und wird gerade in unserer fünften nachatlantischen Kulturepoche am innerlichsten in der Bewußtseinsseele leben, weil sozusagen in der Bewußtseinsseele, ganz ungehindert durch die anderen Glieder, das reine Ich sich zum Ausdruck bringen kann. Ja, wir leben einmal in unserer Zeit in einer solchen Epoche, in welcher dieses Ich eben den großen besonderen Beruf hat, sich auszubilden, auf sich selbst zu bauen.“

GA 130, S 205

„Wenn wir dann eine Art Zukunftsblick werfen auf das, was folgen wird, wenn wir sagen, der Mensch wird entwickeln in der nächsten, in der sechsten nachatlantischen Kulturepoche das Geistselbst oder Manas, so erkennen wir: Das Geistselbst oder Manas liegt eigentlich schon über die Sphäre des Ich hinaus. Und der Mensch könnte sein Geistselbst im Grunde nicht aus eigenen Kräften in dieser späteren Zukunft entwickeln, sondern da muß ihm, wenn er sein Geistselbst entwickeln wird, in gewisser Weise das helfen, was durch die Kräfte höherer Wesen der Erde zufließt. Der Mensch ist mit der Entwickelung seines Ich so weit, daß er eigentlich, so recht auf sich selbst gebaut, sich nur entwickeln kann bis zur Bewußtseinsseele. Aber diese Entwickelung würde nicht abgeschlossen sein, wenn der Mensch nicht schon vorausnehmen würde in gewisser Beziehung das, was erst auf dem Jupiter, auf der nächsten Verkörperung unseres Planeten, seine rechte, seine volle, seine selbsttätige menschliche Entwickelung erlangt. Bis zum Ende der Erdenentwickelung sollte der Mensch sein Ich ausbilden. Diese Ausbildung zu vollziehen hätte er Gelegenheit innerhalb von Empfindungs‑, Verstandes‑ und Bewußtseinsseele. Aber das eigentliche Geistselbst soll erst auf dem späteren Jupiter menschliches Eigentum werden, da soll es erst so recht menschliches Gut werden. Auf dem Jupiter wird der Mensch zum Geistselbst sich ungefähr so stellen, wie er sich auf der Erde zum Ich stellt. Wenn also der Mensch schon während der Erdenzeit auch das Geistselbst ausbildet, so kann er sich nicht zu diesem Geistselbst so stellen wie zum ich. Von unserem Ich sagen wir: Das sind wir selbst, das sind wir in Wahrheit. Wenn nun in der nächsten Epoche, der sechsten nachatlantischen, das Geistselbst zum Ausdruck kommen wird, dann werden wir nicht dieses Geistselbst als unser Selbst ansprechen können, sondern dann werden wir sagen: ja, unser Ich hat sich bis zu einer gewissen Stufe entwickelt, so daß hereinleuchten kann wie aus höheren Welten unser Geistselbst wie eine Art Engelwesen, das wir nicht selbst sind, das in uns hereinleuchtet und Besitz ergreift von uns. ‑ So wird uns unser Geistselbst erscheinen. Und erst auf dem Jupiter wird es so erscheinen, daß es unser eigenes Wesen ist wie unser Ich. So geht die menschliche Entwickelung vorwärts.“

GA 130, S 205/206

„Also wir werden uns in der nächsten, in der sechsten nachatlantischen Kulturepoche wie hinaufgezogen fühlen zu etwas, was in uns hereinleuchtet. Wir werden nicht sagen: Du Geistselbst in mir da drinnen ‑, sondern werden sagen: Ich Teilnehmer an einer Wesenheit, die aus den oberen Welten in mich hereinleuchtet, die mich führt und lenkt, die mir durch die Gnade höherer Wesenheiten ein Führer und Lenker geworden ist! ‑ Das, was uns erst auf dem Jupiter als unser Eigentum zukommen wird, werden wir wie eine Art aus den höheren Welten hereinleuchtenden Führer empfinden. Und so wird es später sein mit dem Lebensgeist oder Buddhi, mit dem Geistesmenschen und so weiter. So daß eine Zeit kommen wird, in welcher der Mensch anders von sich sprechen wird, als er jetzt von sich spricht. Wie spricht jetzt der Mensch von sich, wenn er im geisteswissenschaftlichen Sinne von sich spricht? Er sagt: Ich habe drei Hüllen, meinen physischen Leib, meinen Äther‑ oder Lebensleib und meinen astralischen Leib. Darinnen habe ich mein Ich, das eigentliche Erdengut, welches sich innerhalb dieser drei Hüllen entwickelt. Diese drei Hüllen sind gleichsam meine niedere Natur. Ich bin über sie hinausgewachsen, ich sehe herunter zu dieser meiner niederen Natur und sehe in demjenigen, was mein Ich geworden ist, mein vorläufiges eigenstes Wesen, das immer mehr und mehr wachsen soll, immer mehr und mehr sich entwickeln soll.“

GA 130, S 206/207

„Wenn wir zunächst zurückblicken zu der alten Mondenentwickelung, so haben wir während derselben von solchen Wesenheiten zu sprechen, die nun geradeso, wie wir Menschen während der Erdenentwickelung, dazumal hätten kommen sollen bis zu ihrem siebenten Grundteil, aber ebenso, wie wir Menschen auf der Erde bis zum siebenten Grundteil kommen, daß sie es nicht sich voll einverleiben, sondern zu ihm hinaufschauen. Wenn wir von den luziferischen Wesenheiten sprechen, so sprechen wir von solchen, die etwa während der alten Mondenentwickelung in der Lage geblieben sind, in der ein Mensch wäre, der während der Erdenentwickelung nicht zur vollen Ausbildung sein fünftes, sechstes, siebentes Grundteil bringen würde, sondern es ablehnen würde, der vielleicht beim vierten schon stehen bliebe oder beim fünften und so weiter. Sie sind also nicht voll zur Entwickelung gekommen, diese Wesenheiten, die auf den mannigfaltigsten Stufen von eben luziferischen Wesenheiten stehen. So daß wir sagen können: Herübergekommen sind von der alten Mondenentwickelung zur Erdenentwickelung die Menschen. Die Menschen sind herübergekommen so, daß sie von der alten Mondenentwickelung sich mitgebracht haben eine normale Entwickelung. Diejenigen Menschen, die zum Abschluß gekommen sind, haben sich mitgebracht eine normale Entwickelung: ihren physischen Leib, Äther‑ oder Lebensleib und astralischen Leib, und sollen auf der Erde so recht eigentlich das Ich entwickeln, in das sie dann das andere aufnehmen sollen. Andere Wesen, die höher stehen als der Mensch, sollten auf dem alten Mond schon ausbilden, was bei ihnen dem menschlichen Ich entspricht. Doch hätten sie dieses Ich des Mondes bei sich nur voll zur Entwickelung bringen können, wenn sie vorausgenommen hätten alles, was für sie nun fünftes, sechstes, siebentes Grundteil wäre, was sie als fünftes voll auf der Erde hätten entwickeln sollen. Bis zu ihrem siebenten Grundteil hätten sie kommen sollen. Aber diese luziferischen Wesenheiten sind eben nicht bis zu diesem siebenten Grundteil gekommen. Sie haben eben gerade noch den fünften oder sechsten entwickelt, sind also nicht stehen geblieben beim vierten als solchem, aber sie haben ihn nicht voll ausgebildet dadurch, daß sie nicht vorausgenommen haben den fünften, sechsten und siebenten Grundteil, sondern beim fünften oder sechsten stehen geblieben sind.“

GA 130, S 208/209

„Nehmen wir die ganze Sachlage, so haben wir im Beginn der Erdenentwickelung drei Klassen von Wesenheiten: Menschen, die ihr viertes Prinzip voll ausgebildet erhalten sollen auf der Erde, eine Klasse luziferischer Wesenheiten, die ihr sechstes, und eine Klasse luziferischer Wesenheiten, die ihr siebentes Prinzip ausbilden sollen, die also dadurch, daß sie das sechste und siebente Prinzip ausbilden sollen, höher stehen als der Mensch, die also in dieser Beziehung über den Menschen hinausragen. Aber sie ragen in dieser Beziehung auch über den Christus hinaus, denn der Christus soll gerade sein viertes Prinzip auf der Erde in Hingebung an die Menschen zum Ausdruck bringen. Der Christus wird es nicht sein, welcher, sagen wir, die Menschen anregen wird, in der Zukunft etwas anderes zum Ausdruck zu bringen als das eigentliche Ich, die innerste Menschenwesenheit, zu immer höherer und höherer Stufe. Die luziferischen Geister werden es sein, welche dann den Menschen über sich selbst hinausführen werden in einer gewissen Beziehung.“

GA 130, S 215/216

„Was ist nun damals eigentlich geschehen? In jener Zeit geschah das, was man nennen kann: die Krisis der Dämonenwelt. Was ist das? Wir wissen, daß in früheren Zeiten die Menschen ein primitives Hellsehen besaßen. Das wurde dann immer schwächer und schwächer, bis es nahe zum Verlöschen kam. Die Sache ist nämlich so, daß die Menschen bis zu jenem Zeitpunkt hauptsächlich im Astralleibe lebten mit ihrem Bewußtsein, und nicht so sehr im Ich. Die Krisis wurde nun dadurch herbeigeführt, daß das alte Hellsehen sich immer mehr verdunkelt hatte. Daher konnte der Mensch nur noch in den untersten Regionen der geistigen Welt wahrnehmen. Das Ich lebte noch im Astralen; aber die Mächte, die das Ich wahrnehmen konnte, waren immer schlechter und schlechter, immer unreinlicher und unreinlicher geworden. Der Mensch hatte nicht mehr einen Blick auf die guten Mächte, sondern er sah bei seinem Ausblick ins Astralische nur noch diese bösartigen Wesenheiten. Die Heilung sollte kommen durch die Ich‑Kultur. Der Anfang davon war das, was in der Johannestaufe im Jordan sich abspielte. Was erlebte ein solcher Mensch, der sich taufen ließ? Zuerst erlebte er die physische Prozedur des Untergetauchtwerdens in das Wasser und damit das Getrenntwerden des astralischen und Ätherleibes vom physischen Leibe. Dadurch konnte der Mensch sehen, wie eine Krisis in der Dämonenwelt ausbrechen mußte. Und die Täuflinge sagten sich: Wir müssen unsern Sinn ändern! Die Zeit muß kommen, wo der Geist unmittelbar ins Ich‑Bewußtsein eindringen kann. Ein solcher Mensch fühlte: Oh, sie stecken noch alle in mir, diese gräßlichen astralischen Wesen, sie dringen fortwährend in mich hinein.“

GA 130, S 234

„Es mußte etwas kommen, was über das Astralische hinausgeht, und das ist das Ich. Durch das Ich wird es möglich sein, daß sich rein menschliche Gemeinschaften bilden aus der Freiheit der Seele heraus, die nicht mehr an Blutsbande geknüpft sind. Stellen Sie sich nun einen solchen Menschen vor, besessen von Dämonen schlimmster Art, die wissen, daß eine Krisis für sie bevorsteht. Denken Sie sich, daß diesem Menschen eine Wesenheit gegenübertritt, die gerade die Mission hat, den Dämonen entgegenzuarbeiten. Wie müssen diese sich fühlen? Unbehaglich im höchsten Grade müssen sie sich fühlen! Unbehaglich fühlten sich die Dämonen dem Christus Jesus gegenüber.

Das Rosenkreuzertum hat in sich die Impulse, die entgegengestellt werden sollen den Dämonen. Das Ich soll durch diese Impulse wieder heraufgehoben werden. Nur ist es mit dieser Heraufhebung des Ich noch nicht weit gekommen.“

GA 130, S 235

„Diese Betrachtung kann sich schon ergeben aus einer trivialen Anschauung des Lebens zwischen Geburt und Tod. Wenn wir auf das Gesamtleben eingehen und uns wirklich in einer solchen Weise unserem Karma gegenüberstellen, wie es namentlich im vorgestrigen Vortrag gezeigt worden ist, werden wir immer zur Überzeugung kommen, daß alle Schmerzen, die uns treffen, alle Leiden, die uns in den Weg gestellt werden, von der Art sind, daß sie gesucht werden von unserer Unvollkommenheit. Und zwar die weitaus meisten Schmerzen und Leiden werden gesucht von jenen Unvollkommenheiten, die wir herübergebracht haben aus früheren Inkarnationen. Und weil diese Unvollkommenheiten in uns sind, sucht ein Gescheiterer in uns, als wir sind, den Weg zu den Schmerzen, zu den Leiden. Denn das ist eine goldene Regel des Lebens, daß wir alle als Menschen stets einen Gescheiteren in uns tragen, als wir selber sind, einen viel Weiseren. Denn weniger weise ist der, zu dem wir im gewöhnlichen Leben « ich » sagen. Dieser «Weniger‑Weise » würde, wenn es ihm überlassen wäre, entweder einen Schmerz aufzusuchen oder eine Lust, den Weg zur Lust gehen. Der « Gescheitere » ist derjenige, der in den Tiefen unseres Unterbewußtseins ruht, zu dem sich unser gewöhnliches Bewußtsein nicht hinab erstreckt. Er verhüllt uns den Blick zu einer leichten Lust und entzündet in uns eine magische Kraft, die den Weg geht zu den Schmerzen hin, ohne daß wir es wissen. Aber was heißt denn: ohne daß wir es wissen? Das heißt, daß der Gescheitere die größere Macht bekommt über den weniger Gescheiten, und der Gescheitere handelt stets so in uns, daß er unsere Unvollkommenheiten zu unseren Schmerzen hinleitet und uns leiden läßt, weil wir mit jedem inneren und äußeren Leide eine Unvollkommenheit ausmerzen und uns vollkommener machen.“

GA 130, S 247/248

„Ich habe gestern schon darauf aufmerksam gemacht: Unsere Vorstellungen können wir nicht aus einem Leben in das andere unmittelbar mitnehmen. Ich habe aufmerksam gemacht, daß selbst Plato die Vorstellungen seiner Seele nicht unmittelbar mitnehmen konnte in die andere Inkarnation. Wir nehmen das mit hinüber, was wie unser Wille, unser Gemüt aussieht, so daß wir eigentlich unsere Vorstellungen geradeso wie unsere Sprache mit jedem Leben neu bekommen. Denn der größte Teil der Vorstellungen lebt ja in der Sprache, so daß wir den größten Teil der Vorstellungen aus der Sprache uns aneignen. Dieses Leben zwischen Geburt und Tod gibt uns Vorstellungen, die eigentlich immer aus dem Leben zwischen Geburt und Tod sind. Wenn das aber nun so ist, dann müssen wir uns ja sagen, also hängt es eigentlich immer von unserem Karma ab, immer hängt es von den jeweiligen Inkarnationen ab, wie viele Inkarnationen wir auch durchmachen, welche Vorstellungen wir aufnehmen. Dasjenige, was Sie als Vorstellungsweisheit erleben können, nehmen Sie immer von außen auf. Das hängt nun davon ab, wie Sie das Karma hineingestellt hat in Sprache, Volk, Familie. Wir wissen im Grunde genommen von der Welt in unseren Vorstellungen und Gedanken nichts anderes, als was abhängig ist von unserem Karma. Damit ist recht viel gesagt. Damit ist gesagt, daß all das, was wir im Leben wissen können, was wir als Erkenntnis uns aneignen können, etwas ganz Persönliches ist, daß wir nie über die Persönlichkeit hinauskommen durch das, was wir uns im Leben aneignen können. Wir kommen im Leben nie bis zum Gescheiteren, sondern bleiben immer beim Weniger‑Gescheiten stehen. Wenn jemand sich einbildet, daß er mehr wissen kann von seinem höheren Selbst aus sich selbst, aus dem, was er sich in der Welt aneignet, dann stellt er sich nach seiner Bequemlichkeit etwas Unrichtiges vor. Es ist nichts Geringeres damit gesagt, als daß wir von unserem höheren Selbst gar nichts wissen durch das, was wir uns im Leben aneignen.“

GA 130, S 256/257

„Von der Mitte der atlantischen Zeit an kann das Christus‑Prinzip erst in den ersten Keimanfängen wirken. Beim Menschen geschieht das durch die Anlage des ersten Ich‑Keims. Die erste direkte, wirkliche Einwirkung geschah in unserer Zeit in der Offenbarung auf dem Sinai, wo der Christus sich unter dem Jahve‑ oder Jehova‑Namen dem Moses offenbarte. Dann geschah die direkte Verbindung des Christus mit der Erde durch die Jordantaufe und die drei Jahre in den Leibern des Jesus von Nazareth. Der Christus‑Impuls ist also zugleich mit dem Ich‑Impuls in die Menschheit eingeflossen. Christus bedeutet daher das makrokosmische Ich.“

GA 130, S 332

„Wenn der Mensch von Freiheit seines Willens reden kann, so ist es, weil in der menschlichen Seele das Ich-Bewußtsein viel tiefere Wege geht als das astralische Bewußtsein, so daß man sich oft im Grunde der Seele sehnt nach dem, das man bewußt haßt.“

GA 130, S 336

„Auf dieses Geheimnis wollen solche Erzählungen hinweisen wie diejenige, die anknüpft an den Namen des Nikolaus von der Flüe. Eine Trivialanschauung, die stark beeinflußt ist von materialistischer Denkungsart, die spricht in ihrer Einfalt, daß der Mensch nach und nach im Leben sein Ich entwickelt von der Geburt bis zum Tode hin, daß dieses Ich immer mächtiger und immer stärker wird, immer deutlicher hervortritt. Es ist eine einfältige Denkungsart. Denn sieht man hin auf das wahre Ich des Menschen, auf dasjenige, was zur physischen Umkleidung mit der Geburt des Menschen aus der geistigen Welt heraus kommt, dann spricht man über diese ganze physische Entwickelung des Menschen anders. Dann weiß man nämlich, daß das wahre Ich des Menschen nach und nach, indem er physisch heranwächst, in den physischen Leib hinein gerade verschwindet, daß es immer weniger und weniger deutlich wird, und daß dasjenige, was sich entwickelt hier in der physischen Welt zwischen Geburt und Tod, nur ein Spiegelbild geistiger Ereignisse ist, ein totes Spiegelbild eines höheren Lebens. Das ist die richtige Ausdrucksweise, daß man sagt: In den Leib hinein verschwindet nach und nach die ganze Fülle des menschlichen Wesens; sie wird immer unsichtbarer und unsichtbarer. Der Mensch lebt sein physisches Leben hier auf der Erde, indem er sich nach und nach an den Leib verliert, um sich im Tode im Geiste wiederzufinden. ‑ So spricht derjenige, der die Verhältnisse kennt. Derjenige aber, der die Verhältnisse nicht kennt, spricht so, daß er sagt: Das Kind ist unvollkommen, und nach und nach entwickelt sich das Ich zu immer größerer und größerer Vollkommenheit, es wächst heraus aus den unbestimmten Untergründen des menschlichen Daseins. ‑ Die Erkenntnis desjenigen, was der Geistessucher schaut, muß anders sprechen gerade auf diesem Gebiete, als da spricht das in äußere Illusionen verstrickte sinnliche Bewußtsein unserer heute noch immer materialistisch empfindenden Zeit.“

GA 187, S 14/15

„Wenn wir die Sache anders aussprechen, so können wir so sagen: Der Mensch fand, wenn auch dunkel, wenn auch nicht in vollbewußten Begriffen, in jenen alten Zeiten, indem er in sich hineinging, doch sein Ich. Das widerspricht nicht dem, daß man sagt, daß das Ich in einer gewissen Weise durch das Christentum erst geboten worden ist. Deshalb sage ich: Wenn auch dunkel, wenn auch nicht in vollbewußten Begriffen, der Mensch fand doch sein Ich. Es war als aktives Bewußtsein erst durch das Christentum geboren worden, aber der Mensch fand sein Ich. Denn von diesem Ich, von diesem wirklichen, wahren Ich ist im Menschen der damaligen Zeit etwas zurückgeblieben, nachdem er geboren worden ist. Sie werden sagen: Soll nun jetzt etwa der Mensch heute nicht sein Ich finden? ‑Nein, er findet es auch nicht: das wirkliche Ich macht einen Stillstand, indem wir geboren werden. Dasjenige, was wir erleben als unser Ich, ist nur ein Spiegelbild des Ich. Das ist nur etwas, was das vorgeburtliche Ich in uns abspiegelt. Wir erleben in der Tat nur ein Spiegelbild des Ich, etwas vom wirklichen Ich erleben wir nur ganz indirekt. Das, wovon die Psychologen, die sogenannten Seelenforscher als vom Ich reden, ist nur ein Spiegelbild; das verhält sich zum wirklichen Ich so, wie das Bild, das Sie von sich im Spiegel sehen, sich zu Ihnen verhält. Aber dieses wirkliche Ich, das während der Zeit des atavistischen Hellsehens und bis in die christlichen Zeiten herein gefunden werden konnte, ist heute nicht in dem Menschen, der auf seine eigene Wesenheit ‑ insofern die eigene Wesenheit verbunden ist mit dem Leibe hinschaut. Nur indirekt erlebt der Mensch etwas von seinem Ich, dann, wenn er mit andern Menschen in Beziehung tritt und sich das Karma abspielt.“

GA 187, S 79/80

„Wenn wir einem andern Menschen gegenübertreten und sich etwas abspielt zwischen uns und dem andern Menschen, was zu unserem Karma gehört, da tritt etwas von dem Impulse des wahren Ich in uns herein. Aber das, was wir in uns Ich nennen, was wir mit dem Worte bezeichnen, das ist nur ein Spiegelbild. Und gerade dadurch wird der Mensch reif gemacht während unseres fünften nachatlantischen Kulturzeitraumes, das Ich im sechsten Zeitraum in einer neuen Gestalt zu erleben, daß er gewissermaßen durch den fünften Zeitraum dieses Ich nur als Spiegelbild erlebt. Das ist gerade das Charakteristische des Zeitalters der Bewußtseinsseele, daß der Mensch sein Ich nur als Spiegelbild erhält, damit er in das Zeitalter des Geistselbstes hineinlebt und das Ich anders gestaltet, in neuer Gestalt wieder erleben kann. Nur wird er es anders erleben, als er es heute gerne möchte! Heute möchte der Mensch sein Ich, das er nur als Spiegelbild erlebt, alles eher nennen als das, was sich ihm im zukünftigen sechsten nachatlantischen Zeitraum als solches präsentieren wird. jene mystischen Anwandlungen, wie sie heute die Menschen noch haben: durch Hineinbrüten in ihr Inneres das wahre Ich zu finden ‑ das sie sogar das göttliche Ich nennen! ‑, solche Anwandlungen werden die Menschen in der Zukunft seltener haben. Aber gewöhnen werden sie sich müssen, dieses Ich nur in der Außenwelt zu sehen. Das Sonderbare wird eintreten, daß jeder andere, der uns begegnet und der etwas mit uns zu tun hat, mehr mit unserem Ich zu tun haben wird als dasjenige, was da in der Haut eingeschlossen ist. So steuert der Mensch auf das soziale Zeitalter zu, daß er sich in Zukunft sagen wird: Mein Selbst ist bei all denen, die mir da draußen begegnen; am wenigsten ist es da drinnen. Ich bekomme, indem ich als physischer Mensch zwischen Geburt und Tod lebe, mein Selbst von allem Möglichen, nur nicht von dem, was da in meiner Haut eingeschlossen ist.“

GA 187, S 80/81

„Dieses, was so paradox erscheint, es bereitet sich heute indirekt vor dadurch, daß die Menschen ein wenig empfinden lernen, wie sie in dem, was sie ihr Ich nennen, in diesem Spiegelbild drinnen eigentlich furchtbar wenig sind. Ich habe neulich einmal davon gesprochen, wie man dadurch auf die Wahrheit kommen kann, daß man sich seine Biographie, aber sachlich, vor Augen führt und sich frägt, was man eigentlich dem und jenem Menschen verdankt von seiner Geburt ab. Man wird sich allmählich so langsam auflösen in die Einflüsse, die von andern kommen; man wird außerordentlich wenig finden in dem, was man als sein eigentliches Ich zu betrachten hat, das, wie gesagt, doch nur ein Spiegelbild ist. Etwas grotesk gesprochen, kann man sagen: In jenen Zeiten, in denen das Mysterium von Golgatha sich abgespielt hat, ist der Mensch ausgehöhlt worden, ist er hohl geworden. Das ist das Bedeutsame, daß man erkennen lernt das Mysterium von Golgatha als Impuls, indem man es in seiner Wechselbeziehung zu diesem Hohlwerden des Menschen betrachtet. Der Mensch muß, wenn er von der Wirklichkeit spricht, sich klar sein, daß der Platz irgendwie ausgefüllt sein muß, den er früher noch hat finden können, sagen wir, in den ägyptisch‑chaldäischen Königsmysterien. Der wurde damals noch etwas ausgefüllt von dem wirklichen Ich, das heute haltmacht, wenn der Mensch geboren wird, oder wenigstens in den ersten Kindheitsjahren haltmacht, es scheint noch etwas herein in die ersten Kindheitsjahre. Und diesen Platz, ihn nahm der Christus‑Impuls ein. Da sehen Sie den wahren Vorgang. Sie können sich sagen: Hier (siehe Zeichnung, links) die Menschen vor dem Mysterium von Golgatha, hier (Mitte) das Mysterium von Golgatha, (rechts) die Menschen nach dem Mysterium von Golgatha.“

GA 187, S 81/82

„Die Menschen vor dem Mysterium von Golgatha hatten etwas in sich, das, wie gesagt, durch die Einweihung gefunden wurde (rot). Die Menschen nach dem Mysterium von Golgatha haben dieses nicht mehr in sich (blau), sie sind gewissermaßen da ausgehöhlt, und der Christus‑Impuls senkt sich herein (violett) und nimmt den leeren Platz ein. Der Christus‑Impuls soll also nicht aufgefaßt werden wie eine Lehre bloß, wie eine Theorie, sondern er muß hinsichtlich seiner Tatsächlichkeit aufgefaßt werden. Und jeder, der die Möglichkeit dieses Hinabsenkens im Sinne der alten Mysterieninitiation wirklich versteht, der versteht erst die Bedeutung des Mysteriums von Golgatha seiner innerlichen Wahrheit nach. Denn heute könnte, so wie das in der alten ägyptischen Königseinweihung der Fall war, der Mensch nicht ohne weiteres ein Christophor werden; er wird aber ein Christophor unter allen Umständen, indem gewissermaßen in den Hohlraum, der in ihm ist, der Christus sich hineinsenkt.“

GA 187, S 82/83

„In den Betrachtungen dieser Tage wollte ich vor allen Dingen klarmachen, daß für den, der mit geisteswissenschaftlicher Gesinnung genauer auf die Entwickelung der Menschheit hinschaut, auch in historischer Zeit ‑ denn im wesentlichen haben wir in diesen Tagen historische Zeiten betrachtet ‑, die Tatsache sich enthüllt, daß die ganze menschliche Seelenverfassung, die Auffassungsweise, die Weltanschauung, die Handlungsimpulse, alles, was zur menschlichen Seelenverfassung gehört, sich wandelt, so umwandelt, daß eine Ahnung von dieser Umwandlung in der äußeren Wissenschaft gar nicht entstehen kann, die eben durchaus auf diesem Gebiete nur mit unzulänglichen Mitteln arbeitet. Wir haben gestern versucht zu zeigen, wie namentlich das, was man das Zentrum des menschlichen Seelenlebens nennen kann, das eigentliche Ich‑Bewußtsein, vor einer intimeren Betrachtung sich ganz anders zeigt in älteren Zeiten als in neueren Zeiten, in unserer Gegenwart. Und ich habe versucht, diesen Unterschied dadurch zu charakterisieren, daß ich sagte: Für ältere Zeiten, namentlich also für vorchristliche Zeiten, haben wir es mit einem Selbstbewußtsein beim Menschen zu tun, welches noch reale Elemente in sich enthält, Wirklichkeitselemente, während in diesem unserem Zeitraum, der im wesentlichen die Entwickelung der Bewußtseinsseele darstellt, wir es bei dem, was der Mensch bewußt sein Ich nennt, nur zu tun haben mit einem Spiegelbilde des wahren Ich. In öffentlichen Vorträgen habe ich auf dieselben Tatsachen dadurch hingewiesen, daß ich sagte: Der Mensch kommt heute, insbesondere wenn er Philosoph sein will, nicht auf die Wahrheit, weil er beirrt ist durch einen philosophischen Satz, der eine große und heute schon verhängnisvoll werdende Rolle in der Weltbetrachtung spielt, durch den Satz: Ich denke, also bin ich. ‑ Wahr ist nicht dieser Augustinisch-Descartische Satz, sondern wahr ist für den heutigen Menschen der Satz: Ich denke, also bin ich nicht! ‑ Dasjenige, was vor allen Dingen dem heutigen Menschen zum Bewußtsein kommen muß, das ist, daß er in dem, was er zusammenfaßt mit dem Worte «Ich» oder «Ich bin», in dem, was er im Bewußtsein hält, wenn er auf sich selbst innerlich seelisch blicken will, nur ein Spiegelbild hat, ein Spiegelbild, das auch in sich schließt alle unsere unmittelbar mit unserem Ich zusammenhängenden, von unserem Ich zu bearbeitenden Begriffe. So daß wir in unserem Seelenleben als gegenwärtige Menschen nicht mehr irgendwie etwas Wirkliches tragen ‑ das spielt nur herein; ich habe gestern angeführt, wodurch es hereinspielt ‑, sondern in uns das Spiegelbild unserer wahren Wesenheit tragen. Diese Tatsache kann sich nur zeigen, wenn man auf die Initiationswissenschaft eingeht, wenn man den Unterschied ins Auge faßt, wie man auf den Wegen übersinnlicher Schulung in die übersinnliche Welt eindringen konnte in alten Zeiten, wie man einzudringen hat in dieser unserer Zeit, und daß die Wege in die übersinnlichen Welten ganz andere werden, indem wir uns von der Gegenwart aus in die Zukunft bewegen, als sie in alten Zeiten waren. Das wollte ich gestern vor allen Dingen klarmachen.“

GA 187, S 92/93

„Erinnern Sie sich an eine Bemerkung, die ich gestern gemacht habe: daß die Menschen heute ‑höchstens, sagte ich ‑ anfangen, ihr wirkliches Ich zu empfinden, indem sie mit andern Menschen in Berührung kommen. Der alte Mensch kannte das «Erkenne dich selbst» in der äußeren Welt. Für das übersinnliche Erkennen ist das anders, aber in der äußeren Welt, in der Welt, in der wir zwischen Geburt und Tod leben und mit dem gewöhnlichen Bewußtsein leben, hatte der Mensch der alten Zeiten, wenn er von seinem Ich reden wollte, etwas Wirkliches. Der neuere Mensch hat nur das Spiegelbild des wahren Ich, er hat etwas hereinstrahlend von dem wahren Ich, gerade wenn er mit andern Menschen in Berührung kommt; der andere Mensch, der mit ihm karmisch oder sonst irgendwie verbunden ist, der gibt ihm eigentlich etwas Reales. Wenn man es radikal ausdrücken möchte ‑ es ist ein Charakteristikon für die Menschen der heutigen Zeit ‑: Wir sind innerlich hohl mit Bezug auf die Realität unseres Ich. Wir sind alle innerlich hohl, und wir müßten uns das eigentlich gestehen. Wenn wir wirklich aufrichtig und ehrlich Lebensrückblick halten, so finden wir, um wieviel wichtiger die Einflüsse sind, die die andern Menschen auf uns gehabt haben, als das, was wir uns so angeblich selbst erobert haben. Der heutige Mensch erwirbt sich außerordentlich wenig selbst, wenn er nicht Wissen aus übersinnlichen Quellen erwirbt. Auf äußeren Wegener braucht dazu nicht hellsichtig zu sein ‑wird der Mensch heute zur Sozialität hin gezwungen, weil er eigentlich nur real in dem andern ist, in dem Verhältnis zu dem andern. Und das wird gegen den sechsten nachatlantischen Zeitraum, der seine heutigen embryonalen Impulse gerade in Rußland hat, so stark werden, daß es dann als ein Axiom gelten wird: Kein Glück eines einzelnen Menschen ist möglich ohne das Glück der Gesamtheit, so wie ein einzelnes Organ im Menschen nicht funktionieren kann, ohne daß eigentlich das Ganze funktioniert. ‑ Das wird man später als ein Axiom ansehen einfach durch die Bewußtseinstatsache. Wir sind noch lange nicht da ‑ also Sie können sich, bitte, noch beruhigen, können noch lange Ihr persönliches Glück als etwas betrachten, was möglich ist, wenn auch dieses persönliche Glück aufgebaut ist auf so und so viel Unglück ‑, aber das ist die Richtungslinie, die Richtungsströmung, in der sich die Menschheit entwickeln wird. Das ist einfach so, wie man heute, wenn man sich erkältet hat, husten muß. So wie das unangenehm ist, so wird es unangenehme Seelenzustände erwecken in einigen Jahrtausenden, wenn man irgend etwas als einzelner Mensch von Glück in der Welt haben will, ohne daß die andern es auch haben. Dieses Durchorganisieren der Menschheit liegt in der menschlichen Entwickelung, und das rumort heute in den sozialen Forderungen herum. Das ist eben der Weg, den die menschliche Seelenverfassung macht.“

GA 187, S 109/110

„Die gewöhnlichen Träume verfließen ja so, daß das eintritt, was ich vorhin charakterisiert habe, daß sich das Traumgewebe vor uns abrollt und wir kein deutliches Ich‑Bewußtsein dabei haben, sondern erst nachher das Traumgewebe überdenken mit unserem Ich‑Bewußtsein. Wer genau die Verhältnisse prüft, wird finden, daß es so ist. Aber es treten auch Träume auf, wo wir uns gleichsam selber objektiv gegenübertreten. Nicht nur daß wir uns, wie es auch vorkommt, selber wirklich sehen, denn das kann auch eintreten, sondern es kann auch etwas anderes eintreten. Bekannt ist ja der Traum, wie der Schuljunge träumt, daß er in der Schule sitzt, wie eine Rechenaufgabe gegeben wird, und wie er sie so gar nicht lösen kann. Da kommt ein anderer und löst sie spielend. Das träumt er wirklich. Nun werden Sie ja einsehen, daß er es selber war, der sich entgegengetreten ist und die Aufgabe löste. Man tritt sich also auch so gegenüber, erkennt sich aber nicht. Darauf kommt es aber nicht an. In einem solchen Falle spaltet sich gleichsam das Ich des Menschen. Es wäre ja ganz nett, wenn das auch in der physischen Welt so sein könnte, daß einem dann, wenn man irgend etwas nicht weiß, das andere Ich gegenübertritt, und man wüßte dann die betreffende Sache vorzüglich. Aber im Traume tritt es auf.“

GA 154, S 20/21

„Will man dasjenige, was um die Menschenseele herum ist, wenn diese Menschenseele hellsehend wird, mit einer Erscheinung des gewöhnlichen Lebens vergleichen, so kann man es höchstens mit den Erscheinungen des Traumes, die aber wie ein Surrogat des Hellsehens sind. Wir erinnern uns, daß wir im Traume leben und weben in einer Bilderwelt, welche sich so darstellt, daß darin, wenn wir sie genau betrachten, uns nichts erscheinen kann von dem, was wir nennen «das Berührungsgefühl mit einem äußeren Gegenstand», und daß uns zunächst in dem gewöhnlichen Falle des Traumes nichts erscheint, was wir vergleichen können mit unserem gewöhnlichen Ich‑Bewußtsein. Wenn uns im Traume doch etwas erscheint von unserem Ich, so erscheint es uns als von uns getrennt, wie ein äußeres Wesen. Wir treten unserem Ich wie einem anderen Wesen gegenüber, so daß man sprechen kann von einer Verdoppelung des Ich, wobei man aber im Traume nur das herausgetretene Ich wahrnimmt, nicht das subjektive Ich. Alles dasjenige, was zu widersprechen scheint dem eben Gesagten, rührt davon her, daß die meisten Menschen vom Traume nur aus der Erinnerung wissen und in der Erinnerung nicht genau festhalten können die Tatsache, daß im wirklichen Träumen das subjektive Ich ausgelöscht ist.“

GA 154, S 83

„Dieselben Eigenschaften, die dadurch entstehen, daß das Berührungsgefühl und das subjektive Ich ausgelöscht sind im Traum, dieselben Eigenschaften hat zunächst das Feld, das Bilderfeld der hellsichtigen Forschung. Wenn der Hellseher sich erinnert an die Erfahrungen des Hellsehens, so muß er das Gefühl haben in der Erinnerung, daß die Realitäten des Hellsehens durchlässig sind, daß man sie durchgreifen kann, nicht daß sie Widerstand leisten wie ein physischer Gegenstand. Und bezüglich des Ich‑Gefühls: In der physischen Welt haben wir das Ich‑Gefühl dadurch, daß wir wissen: Ich stehe da, der Gegenstand ist außer mir. ‑ In dem Felde der hellsichtigen Beobachtung sind wir in dem Gegenstand drinnen, wir trennen uns nicht, wir scheiden uns nicht von den Gegenständen des hellsichtigen Feldes. Diese Eigentümlichkeit des hellsichtigen Feldes hat die ganz bestimmte Folge, daß die einzelnen Objekte nicht feststehen wie die abgegrenzten Gegenstände des physischen Feldes, sondern in fortwährender Bewegung und Verwandlung sind. Die Gegenstände des physischen Feldes sind dadurch fest, daß wir sie berühren können, daß sie uns Grenzen setzen. Solche Grenzen setzen uns die Objekte des hellsichtigen Feldes nicht. Dasjenige, welches bewirkt, daß unser Ich zusammenfließt mit den Objekten des hellsichtigen Feldes, das bewirkt nun, daß alles, was uns auf dem physischen Plan als ein Ich entgegentritt, das heißt der Mensch selbst, im hellsichtigen Felde, wenn er auftritt, uns außerordentliche Vorsicht der Beobachtung notwendig macht. Ich will den zunächst bedeutungsvollsten Fall ins Auge fassen, daß wir auf dem hellsichtigen Felde, durch die entwickelten hellsichtigen Fähigkeiten, einem verstorbenen Menschen gegenübertreten. Wenn wir einem verstorbenen Menschen entgegentreten, so kann dies so geschehen, daß uns zunächst, wie ein mit großer Lebhaftigkeit auftretendes Traumbild, die Gestalt des verstorbenen Menschen im hellsichtigen Felde entgegentritt, so wie wir ihn uns vorstellen oder vorzustellen haben, als er noch lebte. Dies ist aber nicht etwa der gewöhnliche Fall, sondern dies ist der äußerste Ausnahmefall.“

GA 154, S 83/84

„Allein die Vorstellungen, die frei im Geiste leben, die frei leben im astralischen Leib und im Ich, mit denen erkennt man nicht nur, sondern man lebt mit ihnen. Das sind Vorstellungen, die nicht nur etwas abbilden, sondern die innerlich regsam, lebendig sind, die etwas aus sich und aus uns machen.“

GA 154, S 132

„Also diese Feste hatten einen wunderbaren intimen menschlichen Inhalt. Es war eine Frage an das göttlich‑geistige Weltenall. Die Antwort bekam man, weil man so, wie man das Fruchtende, das Blühende, das Grunelnde der Erde empfindet, von oben herunter aus der sonst bloß mineralischen Luft etwas Pflanzenhaftes empfand. Dadurch trat in den Traum des Daseins, in dieses träumerische alte Bewußtsein auch der Traum des Ich herein.

Und wenn dann das Johannifest vorüber war und der Juli und August wieder kamen, dann hatten die Menschen das Gefühl: Wir haben ein Ich; aber das Ich bleibt im Himmel, das ist da oben, das spricht nur zur Johannizeit zu uns. Da werden wir gewahr, daß wir mit dem Himmel zusammenhängen. Der hat unser Ich in Schutz genommen. Der zeigt es uns, wenn er das große Himmelsfenster öffnet; zur Johannizeit zeigt er es uns! Aber wir müssen darum bitten. Wir müssen bitten, indem wir die Festesverrichtungen der Johannizeit aufführen, indem wir da bei diesen Festesverrichtungen uns in die unglaublich traulichen, intimen musikalisch‑poetischen Veranstaltungen hineinfinden. So waren schon diese alten Feste die Herstellung einer Kommunikation, einer Verbindung des Irdischen mit dem Himmlischen. Und Sie spüren, meine lieben Freunde: Dieses ganze Fest war in Musikalisches getaucht, in Musikalisch‑Poetisches, es wurde plötzlich in der Hochsommerzeit für ein paar Tage ‑ aber es war gut von den Mysterien her vorbereitet ‑, es wurde plötzlich in den einfachen Ansiedlungen der Urmenschen überall poetisch. Das ganze soziale Leben war in dieses musikalisch‑poetische Element getaucht. Die Menschen glaubten eben, sie brauchten das, wie das tägliche Essen und Trinken, zu dem Leben im Jahreslaufe, daß sie da in diese tänzerisch‑musikalisch‑poetische Stimmung hineinkamen und auf diese Weise ihre Kommunikation mit den göttlich‑geistigen Mächten des Kosmos herstellten. Von diesem Feste blieb dann das, was in der späteren Zeit kam: daß, wenn ein Mensch dichtete, er zum Beispiel sagte: Sing‘ mir, o Muse, vom Zorn des Peleiden Achilleus ‑, weil man sich da noch erinnerte, daß einstmals die große Frage an das Göttliche gestellt worden war und das Göttliche antworten sollte auf die Frage der Menschen.“

TB 719, S 64/65

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