Kleiner Hüter / Ich / Monade

RS Höheres Selbst

Der Begriff des „Höheren Selbst“ bei Rudolf Steiner

Quelle GA R.Steiner

 

„Ich habe gestern schon darauf aufmerksam gemacht: Unsere Vorstellungen können wir nicht aus einem Leben in das andere unmittelbar mitnehmen. Ich habe aufmerksam gemacht, daß selbst Plato die Vorstellungen seiner Seele nicht unmittelbar mitnehmen konnte in die andere Inkarnation. Wir nehmen das mit hinüber, was wie unser Wille, unser Gemüt aussieht, so daß wir eigentlich unsere Vorstellungen geradeso wie unsere Sprache mit jedem Leben neu bekommen. Denn der größte Teil der Vorstellungen lebt ja in der Sprache, so daß wir den größten Teil der Vorstellungen aus der Sprache uns aneignen. Dieses Leben zwischen Geburt und Tod gibt uns Vorstellungen, die eigentlich immer aus dem Leben zwischen Geburt und Tod sind. Wenn das aber nun so ist, dann müssen wir uns ja sagen, also hängt es eigentlich immer von unserem Karma ab, immer hängt es von den jeweiligen Inkarnationen ab, wie viele Inkarnationen wir auch durchmachen, welche Vorstellungen wir aufnehmen. Dasjenige, was Sie als Vorstellungsweisheit erleben können, nehmen Sie immer von außen auf. Das hängt nun davon ab, wie Sie das Karma hineingestellt hat in Sprache, Volk, Familie. Wir wissen im Grunde genommen von der Welt in unseren Vorstellungen und Gedanken nichts anderes, als was abhängig ist von unserem Karma. Damit ist recht viel gesagt. Damit ist gesagt, daß all das, was wir im Leben wissen können, was wir als Erkenntnis uns aneignen können, etwas ganz Persönliches ist, daß wir nie über die Persönlichkeit hinauskommen durch das, was wir uns im Leben aneignen können. Wir kommen im Leben nie bis zum Gescheiteren, sondern bleiben immer beim Weniger‑Gescheiten stehen. Wenn jemand sich einbildet, daß er mehr wissen kann von seinem höheren Selbst aus sich selbst, aus dem, was er sich in der Welt aneignet, dann stellt er sich nach seiner Bequemlichkeit etwas Unrichtiges vor. Es ist nichts Geringeres damit gesagt, als daß wir von unserem höheren Selbst gar nichts wissen durch das, was wir uns im Leben aneignen.“

GA 130, S 256/257

„Ja, wie können wir denn überhaupt etwas über unser höheres Selbst wissen, wie kommen wir zu solchem Wissen? Nun, einfach in folgender Weise müssen wir fragen: Was wissen wir denn eigentlich überhaupt? Zunächst das, was wir uns durch Erfahrung angeeignet haben. Das wissen wir, weiter nichts! Und der Mensch, der sich selbst erkennen will und nicht weiß, daß in seiner Seele nur ein Spiegel der äußeren Welt drinnen liegt, kann sich vordeklamieren, daß er durch das Hineingehen in sich sein höheres Selbst finden kann. Wohl wird er etwas finden, aber nichts anderes ist es, als was von außen hereingekommen ist. Auf diesem billigen Wege der Bequemlichkeit geht es nicht. Wir müssen uns fragen über dasjenige, was in den anderen Welten vorkommt, in denen unser höheres Selbst auch ist, und da gibt es nichts anderes, als was uns erzählt wird, was uns gesagt wird über die verschiedenen Verkörperungen der Erde, über dasjenige überhaupt, worüber Geisteswissenschaft spricht. Wie man eine Kindesseele in bezug auf das äußere Leben durchforscht, wenn man frägt, was hat das Kind um sich herum, so müssen wir fragen, was hat das höhere Selbst um sich? Von den Welten aber, in denen unser höheres Selbst ist, erfahren wir durch Geisteswissenschaft, durch das, was uns erzählt wurde vom Saturn und von allen seinen Geheimnissen, vom Monde, von der Entwickelung der Erde, von Reinkarnation und Karma, vom Devachan und Kamaloka und so weiter. Dadurch erfahren wir einzig und allein etwas über unser höheres Selbst, über dasjenige Selbst, das wir über den physischen Plan hinaus haben. Und wer diesen Geheimnissen nicht folgen will, dem muß gesagt werden: Du bist eigentlich ein rechtes Schmeichelkätzchen zu dir selbst. ‑ Denn es ist so, daß es sich so recht sehr dieser Seele einschmeichelt: Schau nur in dich, da findest du den Gottmenschen. ‑ jawohl, nichts weiter als was er von außen erlebt und was er innen abgelagert hat! Den Gottmenschen finden wir nur, wenn wir das in uns aufsuchen, was sich von außerhalb dieser Welt in ihr spiegelt, so daß alles, was unter Umständen uns unbequem zu lernen sein kann, nichts anderes ist als Selbsterkenntnis. Und wahre Theosophie ist in Wirklichkeit wahre Selbsterkenntnis! So daß wir, wenn wir Geisteswissenschaft empfangen, sagen können, wir nehmen sie hin als dasjenige, was uns aufklärt gerade über unser Selbst. Denn wo ist eigentlich dieses Selbst? Ist es innerhalb unserer Haut? Nein, es ist ausgegossen in der ganzen Welt, und was in der Welt ist, ist mit unserem Selbst verbunden, und auch was in der Welt war, ist mit unserem Selbst verbunden, und nur wenn wir die Welt kennen lernen, lernen wir das Selbst kennen.“

GA 130, S 257/258

„Wenn wir noch einmal die Beziehung zwischen dem Nerv oder dem gesamten Nervensystem, wie es die Eindrücke einer äußeren Welt in sich hereinnimmt, zum Blut genauer schematisch zeichnen wollen, so kann es in folgender Weise geschehen: Würden äußere Eindrücke, äußere Erlebnisse einfließen, dann würden sie sich abdrücken m Blutsystem. Haben wir aber das Nervensystem herausgehoben aus dem Blutsystem, dann fließt alles innerhalb des Nervensystems zurück, dann ergießt sich eine Welt, von der wir früher keine Ahnung hatten, gleichsam bis an die Enden unseres Nervensystems, und das fühlen wir als Rückstoß. Während es beim gewöhnlichen Bewußtsein so ist, daß man eine Welt aufnimmt, die hineingeht bis zum Blutsystem, dem Blutsystem wie auf einer Tafel eingeschrieben wird, geht man nunmehr mit den Eindrücken nur bis dahin, wo die Nerven endigen und in sich selbst einen Widerstand finden. An diesen Nervenendungen prallt man gleichsam zurück und lebt sich hinaus in die übersinnliche Welt. Wenn wir einen Farbeneindruck haben, den wir durch das Auge empfangen, so geht er in unseren Sehnerv hinein, drückt sich ab auf der Tafel des Blutes, und wir fühlen das, was wir mit den Worten ausdrücken: Ich sehe rot. ‑ Nehmen wir aber an, wir gehen mit unseren Eindrücken nicht bis zum Blut hin, sondern nur bis zur Endung des Nervs, prallen da zurück, so leben wir im Grunde genommen bis zu unserem Sehnerv hin. Wir prallen vor dem körperlichen Ausdruck unseres Blutes zurück, leben außerhalb unserer selbst; wir sind eigentlich in den Strahlen des Lichtes, die sonst den Eindruck «rot» in uns hervorriefen, darinnen. Wir sind also wirklich aus uns herausgekommen, und zwar dadurch, daß wir nicht so tief in unser Inneres hereindringen, wie wir es sonst tun, sondern daß wir nur bis zu den Nervenenden gehen. Das bewirkt aber ein solches Seelenleben, das den physischen Menschen wie etwas Äußerliches empfindet und sich nicht länger mit ihm identifiziert. Das normale Bewußtsein geht bis zum Blute hin. Wenn wir aber die Seele so entwickelt haben, daß wir gleichsam an den Nervenenden kehrtmachen, dann haben wir das Blut ausgeschaltet von dem, was wir den höheren Menschen nennen, zu dem wir kommen können, wenn wir von uns selber loskommen.

Durch diese Betrachtungen haben wir zunächst eine Anschauung von den Vorgängen gewonnen, die eintreten, wenn wir das Blutsystem, welches wir betrachtet haben wie eine Art Tafel, die sich auf der einen Seite den äußeren, auf der anderen Seite den inneren Eindrücken darbietet, ausgeschaltet haben von dem, was wir nennen können den höheren Menschen, zu dem wir uns entwickeln können, wenn wir von uns selber loskommen und frei werden von den Einwirkungen des gewöhnlichen Ich. Wir werden nun am besten die ganze innere Natur dieses Blutsystems studieren können, wenn wir uns nicht in allgemeinen Phrasen bewegen, sondern das am Menschen betrachten, was real ist, den übersinnlichen, unsichtbaren Menschen, zu dem wir uns selber aufschwingen können. Wenn wir diesen übersinnlichen Menschen so betrachten, wie er sich hineinbegibt bis zum Blute hin, dann werden wir zu dem Gedanken vorrücken können, daß der Mensch in der Außenwelt leben kann, daß er sich ergießen kann über die ganze Außenwelt, aufgehen kann in dieser Außenwelt und daß er gleichsam den umgekehrten Standpunkt einnehmen kann zu seinem inneren Wesen. Kurz, wir werden die Funktionen des Blutes und der Organe, die in den Blutkreislauf eingeschaltet sind, dadurch kennenlernen, daß wir die Frage beantworten: Wie muß nun diese höhere Welt, zu der sich der Mensch aufschwingen kann, die er genau kennenlernen kann, sich auf die Tafel des Blutes abmalen? ‑ Da wird sich uns das ganze differenzierte Blutleben als der Mittelpunkt des Menschen ergeben, wenn wir unmittelbar die Beziehungen dieses wunderbaren Systems zu einer höheren Welt betrachten. Denn das wird ja unsere Aufgabe sein, daß wir den Menschen ansehen können als eine Offenbarung des Übersinnlichen, daß wir den äußeren Menschen ansehen können als ein Abbild desjenigen Menschen, der in der geistigen Welt wurzelt. Dadurch werden wir den menschlichen Organismus erkennen können als ein getreues Abbild des Geistes.“

TB 732, S 45-47

„Nun werden Sie begreifen, wie das mit dem ersten Beispiel zusammenhängt: Sie bauen die Kirche für andere, nicht für sich selbst. Sie können eine große, schöne und herrliche Welt aufsaugen, wenn Sie sie groß, schön und herrlich machen. Etwas für das höhere Selbst zu tun, ist nicht selbstisch, weil man es nicht bloß für sich tut. Dieses höhere Selbst wird ja vereinigt sein mit allen übrigen höheren Selbsten, so daß es gleichzeitig für alle ist.“

GA 93, S 121

„Wenn nun auch der physische Leib und der Ätherleib hier auf dem physischen Plan bleiben, so dürfen wir durchaus nicht glauben, daß deshalb auf den physischen Leib mit dem Ätherleib nur physische Kräfte Einfluß hätten und nur physische Wesen zu ihnen Zutritt hätten. Alles was als Gedanken und Vorstellungen lebt, gewinnt auf den Ätherleib einen Einfluß. Wenn ein Mensch schläft, so ist der Ätherleib hier auf dem physischen Plan. Wenn wir in der Umgebung des schlafenden Menschen etwas denken, so werden wir auf seinen Ätherleib einen Einfluß ausüben; nur würde der Schlafende darüber nichts erfahren. Im Wachen ist der Mensch so mit der Außenwelt beschäftigt, daß er alle Gedanken, die auf den Ätherleib eindringen, zurückdrängt. Aber in der Nacht ist der Ätherleib allein, ohne das Ich, und ist ausgesetzt all den herumschwirrenden Gedanken, ohne daß der schlafende Mensch etwas davon weiß. Auch während des Wachens weiß er nichts davon, weil der Astralleib, der im Ätherleib wohnt, mit der Außenwelt beschäftigt ist. Wenn der Mensch in einem schlafenden Zustande ist, so kann auf ihn eine jede Wesenheit, die die Kraft hat, Gedanken auszusenden, einen Einfluß gewinnen. So können einen Einfluß auf ihn gewinnen höhere Individualitäten, solche die wir Meister nennen. Sie können dem Schlafenden Gedanken in den Ätherleib senden. So kann der Mensch also hohe, reine Gedanken der Meister in den Ätherleib aufnehmen, wenn die Meister sich bewußt damit beschäftigen wollen. Zunächst kommen aber auch nachts die Gedanken in den Ätherleib hinein, die aus der Umwelt hineinschwirren. Die findet der Mensch dann morgens vor, wenn er wieder in den Ätherleib hineinkriecht. Es gibt zweierlei Arten von Träumen. Eine entsteht direkt durch die Erlebnisse in der astralen Welt: durch den Widerhall der Tageserlebnisse und einige Dinge von der astralen Welt. Das Ich erlebt nachts im Astralraum in der Regel nicht viel anderes als Dinge, die an das tägliche Leben anknüpfen. Kehrt es nun zurück, so bringt es die Erfahrungen der Astralwelt in das wache Leben mit oder nicht mit. Es findet aber auch im Ätherleib einen Tatbestand vor. Was da vorgefunden wird, wird auch vom Astralleib aufgenommen und erscheint uns dann auch als Träume. Aber was in der Nacht mit dem Ätherleib geschehen ist, ist eine andere Art von Erlebnissen. So werden also morgens im Ätherleib vorgefunden erstens Gedanken, die aus der Umgebung an ihn herangetreten sind, und zweitens auch die Gedanken, die in bewußter Weise die Meister oder andere Individualitäten in ihn versenkt haben. Dies letztere kann dadurch herbeigeführt werden, daß der Mensch meditiert. Dadurch daß der Mensch sich mit reinen, edlen Ewigkeitsgedanken beschäftigt während des Tages, bringt er in seinen Astralleib Neigungen für diese Gedanken hinein. Würde ein Mensch Neigungen für solche Gedanken nicht haben, dann würde es nutzlos sein, wenn ein Meister sich mit seinem Ätherleib befassen wollte. Wenn man «Licht auf den Weg» liest und darüber meditiert, so präpariert man den Astralleib so, daß wenn der Meister den Ätherleib mit erhabenen Gedanken angefüllt hat, der Astralleib diese Gedanken wirklich antreffen kann. Diese Beziehung nennt man das Verhältnis des Menschen zu seinem höheren Selbst. Der innere wirkliche Vorgang ist ein solcher. Das höhere Selbst des Menschen ist nichts, was in uns lebt, sondern um uns herum. Das höhere Selbst sind die höherentwickelten Individualitäten. Der Mensch muß sich klar darüber sein, daß das höhere Selbst außer ihm ist. Wenn er es in sich suchte, würde er es nie finden. Er muß es bei denjenigen suchen, die den Weg schon gegangen sind, den wir gehen wollen. In uns ist nichts als unser Karma, das, was wir schon erlebt haben in früheren Inkarnationen. Alles andere ist außer uns. Das höhere Selbst ist um uns herum. Wenn wir uns ihm nähern wollen für die Zukunft, so ist es vor allen Dingen zu suchen bei denjenigen Individualitäten, die nächtlicherweile auf unseren Ätherkörper wirken können. Es ist im Universum; deshalb sagt der Vedantist: «Tat tvam asi» = Das bist du! – Wenn man durch geeignete Schriften, wie «Licht auf den Weg» oder das Johannes-Evangelium, den Astralleib geneigt macht, hohe Ingredienzien aufzunehmen und dann die Meister zu verstehen, so wirkt man damit zugunsten der Entwickelung zum höheren Selbst.“

GA 93a, S 151-153

„Wir finden also in der Nacht im Astralraum die schlafenden Leiber oder die Schüler mit ihren Meistern insofern, als derjenige, welcher ein verbindendes Band mit dem Meister hergestellt hat, durch eine geeignete Meditation die Verbindung hat, die ihn zu dem Meister hinzieht. Das ist der Vorgang, der nächtlicherweile sich abspielen kann. Jeder Mensch kann durch Versenkung in inspirierte Schriften zur Teilnahme an solchem Verkehr kommen und dadurch zur Entwickelung des höheren Selbst. Das was in einigen tausend Jahren unser Selbst sein wird, das ist jetzt unser höheres Selbst. Um aber wirklich Bekanntschaft mit dem höheren Selbst zu machen, müssen wir es da suchen, wo es heute schon ist, bei den höheren Individualitäten. Das ist der Verkehr der Schüler mit den Meistern.“

GA 93a, S 153/154

„Nicht durch müßige Beschaulichkeit gelangt der Mensch auf der Erde weiter, sondern indem er der Erde Weisheit, Schönheit und Stärke einverleibt. Durch die Arbeit unseres höheren Ich gestalten wir die uns von den Göttern gegebenen vergänglichen Leiber um und schaffen uns selbst ewige Leiber. Der Chela, der seinen Ätherleib veredelt (so daß er erhalten bleibt), verzichtet allmählich auf die Maharajas. Der Meister, bei dem auch der physische Leib erhalten bleibt, kann auf die Lipikas verzichten. Er steht über Karma. Das müssen wir als den Fortschritt des Menschen in seinem Inneren bezeichnen. Was höher ist, außerhalb von uns, müssen wir suchen zu betreten. Daher ist unser höheres Selbst nicht in uns zu suchen, sondern in den höhergestiegenen Individualitäten.“

„Was spielt sich im einzelnen Menschen individuell ab, wenn er wirklich die Initiationserfahrung durchmacht? Dasjenige, was mit ihm geboren wird, was die vererbten Eigenschaften trägt, was im gewöhnlichen Sinne des Wortes heranerzogen werden kann durch die gewöhnliche Erziehung, das geht ins Unbewußte hinunter. Das stirbt ab, wird abgelähmt, und aus den Tiefen der Seele heraus aufersteht des Menschen höheres Ich, dasjenige Ich, das nicht angehört dieser physischen Welt, das aber berufen ist, eine Mission auszuüben in dieser physischen Welt. Das, was da im Inneren des Menschen vorgeht, das ist ein individueller Vorgang, ein Auferstehen des besseren, des höheren Selbstes des Menschen. Vorher hat er in seinem Bewußtsein dieses höhere Selbst nicht. Denken wir uns diesen Vorgang ausgedehnt auf die ganze Erde: Denken wir uns die ganze Erde als eine Art von Lebewesen, von bewußtem Lebewesen, wie es ja auch ist in Wirklichkeit, dann muß man sagen: Bis zu dem Mysterium von Golgatha im Laufe der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit hatte diese Erde ihr höheres Selbst nicht, denn dieses höhere Selbst ist eben nicht mit dem, was aus der Erde heraus sich entwickelt hat, in die Erde eingezogen, lebte also auch nicht in der alten heidnischen Weisheit, auch nicht in der jüdischen Weisheit, lebte überhaupt nicht mit der Erde. In dem Menschen Jesus von Nazareth wohnte nun dieses höhere Selbst der Erde, zog ein, wie wir wissen, durch die Johannestaufe am Jordan und ist seit dem Vollzuge des Mysteriums von Golgatha wirksamer Impuls im Erdenleben. Das Erdenleben hat dadurch sein höheres Selbst bekommen. Man kann also sagen: Mikrokosmisch spielt sich ein gewisser innerer spezieller Vorgang in jedem Menschen ab, der ihn nur anstrebt und haben will; makrokosmisch ist derselbe Vorgang durch das Mysterium von Golgatha für die Erde gegeben. Was mikrokosmisch die Auferweckung des höheren Selbstes im Menschen ist, ist makrokosmisch das Mysterium von Golgatha. Damit ist aber schon verknüpft, daß das Christus-Wesen, welches in dem Menschen Jesus von Nazareth wohnte, früher nicht auf der Erde war, sondern herabstieg aus geistigen, aus kosmischen Höhen und sich mit der Erdenevolution verband.“

GA 198, S 232/233

 

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