Vogelsberg Akademie

RS Geistselbst

Der Begriff des „Geistselbst“ bei Rudolf Steiner

Quelle GA R.Steiner

 

„Wenn wir dann eine Art Zukunftsblick werfen auf das, was folgen wird, wenn wir sagen, der Mensch wird entwickeln in der nächsten, in der sechsten nachatlantischen Kulturepoche das Geistselbst oder Manas, so erkennen wir: Das Geistselbst oder Manas liegt eigentlich schon über die Sphäre des Ich hinaus. Und der Mensch könnte sein Geistselbst im Grunde nicht aus eigenen Kräften in dieser späteren Zukunft entwickeln, sondern da muß ihm, wenn er sein Geistselbst entwickeln wird, in gewisser Weise das helfen, was durch die Kräfte höherer Wesen der Erde zufließt. Der Mensch ist mit der Entwickelung seines Ich so weit, daß er eigentlich, so recht auf sich selbst gebaut, sich nur entwickeln kann bis zur Bewußtseinsseele. Aber diese Entwickelung würde nicht abgeschlossen sein, wenn der Mensch nicht schon vorausnehmen würde in gewisser Beziehung das, was erst auf dem Jupiter, auf der nächsten Verkörperung unseres Planeten, seine rechte, seine volle, seine selbsttätige menschliche Entwickelung erlangt. Bis zum Ende der Erdenentwickelung sollte der Mensch sein Ich ausbilden. Diese Ausbildung zu vollziehen hätte er Gelegenheit innerhalb von Empfindungs‑, Verstandes‑ und Bewußtseinsseele. Aber das eigentliche Geistselbst soll erst auf dem späteren Jupiter menschliches Eigentum werden, da soll es erst so recht menschliches Gut werden. Auf dem Jupiter wird der Mensch zum Geistselbst sich ungefähr so stellen, wie er sich auf der Erde zum Ich stellt. Wenn also der Mensch schon während der Erdenzeit auch das Geistselbst ausbildet, so kann er sich nicht zu diesem Geistselbst so stellen wie zum ich. Von unserem Ich sagen wir: Das sind wir selbst, das sind wir in Wahrheit. Wenn nun in der nächsten Epoche, der sechsten nachatlantischen, das Geistselbst zum Ausdruck kommen wird, dann werden wir nicht dieses Geistselbst als unser Selbst ansprechen können, sondern dann werden wir sagen: ja, unser Ich hat sich bis zu einer gewissen Stufe entwickelt, so daß hereinleuchten kann wie aus höheren Welten unser Geistselbst wie eine Art Engelwesen, das wir nicht selbst sind, das in uns hereinleuchtet und Besitz ergreift von uns. ‑ So wird uns unser Geistselbst erscheinen. Und erst auf dem Jupiter wird es so erscheinen, daß es unser eigenes Wesen ist wie unser Ich. So geht die menschliche Entwickelung vorwärts.“

GA 130, S 205/206

„Also wir werden uns in der nächsten, in der sechsten nachatlantischen Kulturepoche wie hinaufgezogen fühlen zu etwas, was in uns hereinleuchtet. Wir werden nicht sagen: Du Geistselbst in mir da drinnen ‑, sondern werden sagen: Ich Teilnehmer an einer Wesenheit, die aus den oberen Welten in mich hereinleuchtet, die mich führt und lenkt, die mir durch die Gnade höherer Wesenheiten ein Führer und Lenker geworden ist! ‑ Das, was uns erst auf dem Jupiter als unser Eigentum zukommen wird, werden wir wie eine Art aus den höheren Welten hereinleuchtenden Führer empfinden. Und so wird es später sein mit dem Lebensgeist oder Buddhi, mit dem Geistesmenschen und so weiter. So daß eine Zeit kommen wird, in welcher der Mensch anders von sich sprechen wird, als er jetzt von sich spricht. Wie spricht jetzt der Mensch von sich, wenn er im geisteswissenschaftlichen Sinne von sich spricht? Er sagt: Ich habe drei Hüllen, meinen physischen Leib, meinen Äther‑ oder Lebensleib und meinen astralischen Leib. Darinnen habe ich mein Ich, das eigentliche Erdengut, welches sich innerhalb dieser drei Hüllen entwickelt. Diese drei Hüllen sind gleichsam meine niedere Natur. Ich bin über sie hinausgewachsen, ich sehe herunter zu dieser meiner niederen Natur und sehe in demjenigen, was mein Ich geworden ist, mein vorläufiges eigenstes Wesen, das immer mehr und mehr wachsen soll, immer mehr und mehr sich entwickeln soll.“

GA 130, S 206/207

„Halten wir verschiedene einzelne Tatsachen, die wir im Laufe der Zeit gefunden haben, aneinander. Die Entwickelung des Menschen geht so vor sich, daß das Ich hinunterarbeitet in den Astralleib, ihn durchgeistigt, und daß wir denjenigen Teil, den wir von dem Ich aus bearbeiten, mit den Worten «Geistselbst» oder «Manas» bezeichnen. Den «Astralleib pflegen» heißt also, Manas hineinarbeiten. So viel Sie ihren Astralleib gepflegt haben, so viel haben Sie Manas hineingearbeitet. In der christlichen Esoterik ist mit dem Worte Manna dasselbe wie Manas gemeint, und was in der Bibel mit Manna angedeutet wird, ist das, wo wir von dem Einfließen der manasischen Natur sprechen.“

GA 104a, S 48

„Bei der Eröffnung des fünften Siegels wird uns etwas Bedeutendes gesagt: «Und da es das fünfte Siegel auftat, sah ich unter dem Altar die Seelen derer, die erwürget waren um des Wortes Gottes willen und um des Zeugnisses willen, das sie hatten.» (Apk. 6, 9) ‑ Was geschieht mit einer Seele, die sich zur fünften Stufe hin entwickelt? Sie wird in ihrer niederen Seele gewürgt; was dem Menschen an Unreinem anhaftet, wird abgetan, und die Seele erscheint hierbei im Gewand der Unschuld: «Und ihnen wurde gegeben einem jeglichen ein weißes Kleid … » (Apk. 6, 11) Die Seele ist weiß, ist unschuldig geworden, wenn sie sich zu der fünften Stufe hinaufentwickelt hat.“

GA 104a, S 53/54

„Heute geschieht ein bewußtes Hineinarbeiten nur in den Mysterienschulen, in den Einweihungsschulen. Es ist zum Beispiel im letzten Drittel der atlantischen Zeit nur in unbewußter Weise der physische Leib soweit umgestaltet worden, daß er ein Ich‑Träger werden konnte. Das, was nun in dem Astralleib umgewandelt worden ist, nennt man Empfindungsseele, der so umgewandelte Ätherleib ist die Verstandesseele und der so unbewußt umgearbeitete physische Leib ist die Bewußtseinsseele. Und erst dann, wenn der Mensch die Bewußtseinsseele entwickelt hat, kann nach und nach, unbewußt anfangs, das Geistselbst in ihn hineingearbeitet werden.“

GA 104a, S 125

„Nach und nach wird nun in den Kulturepochen unserer Erdenentwickelung das ausgebildet, daß sich Manas hineinschlebt in den Astralleib. Die Bewußtseinsseele muß, nachdem sie vorbereitet worden ist im letzten Drittel der atlantischen Zeit, in den nächsten Kulturepochen wieder umgebildet werden durch das Jahve-Christus-Prinzip.“

GA 104a, S 125

„Durch Weisheit, durch Theosophie wird das Ich so erzogen, daß es Manas oder Geistselbst empfängt und den Christus wiederzuerkennen imstande sein wird. Nicht um für die Theosophie zu agitieren wurden die theosophischen Lehren der Menschheit gegeben, sondern weil sie notwendig waren.“

GA 104a, S 126

„In dem Zeitraum, der repräsentiert wird durch die sieben Siegel, wird nun eintreten durch den zunehmenden Materialismus so etwas wie ein Meteorregen und die anderen Menschen werden aufsteigen in einem geistigen Zustande. Das, was sich die spiritualisierten Menschen in unserer nachatlantischen Kultur erarbeitet haben, das wird sich innig in ihrem Innern durchdringen. Wenn im Zeitraum des sechsten Siegels alles, was der Mensch hat an Empfindungs‑, Verstandes‑ und Bewußtseinsseele, in die anderen Glieder hineingearbeitet sein wird, dann wird der Mensch die Fähigkeit erlangt haben, im Äußeren einen Abdruck zu schaffen des Innern in seinen Gesten, seinen Zügen, seinem ganzen Leben. Dadurch, daß er gearbeitet hat an seiner Entwickelung, wird er im vierten, fünften, sechsten Zeitraum in der Epoche der Siegel gerade dazu fähig sein, durch die Durchdringung mit diesen drei Seelenkräften ‑ der Empfindungs‑, Verstandes‑ und Bewußtseinsseele ‑ an sich zu arbeiten, um Manas aufnehmen zu können.“

GA 104a, S 126

„In dieser Beziehung müssen wir uns nur ganz klar sein, daß wir innerhalb unserer geistigen Bewegung bewußt diese Mission anstreben müssen und daß die Erdenentwickelung, die Erdenkultur diese Mission braucht. Denn durch das bloße Fortleben der alten Ereignisse und der alten Erkenntnisse würde die Fortentwickelung der Kultur nicht geschehen können. Ich habe auch genügend hervorgehoben, was es für das menschliche Gemüt bedeutet, zu bereichern, zu befruchten, was aus den alten Zeiten gekommen ist, mit dem neu wieder zu Gewinnenden. Aber wir müssen uns klar sein, daß wir uns allerdings ‑ wie es für die Menschen ganz außerordentlich bedeutsam war, einen Übergang zu erleben von dem Leben im Astralleibe zu dem geistigen Leben der Seele vorzugsweise in der Empfindungsseele ‑jetzt allmählich herausarbeiten von dem Leben in der Bewußtseinsseele zu dem Leben ins Geistselbst hinein. Ich habe es öfter angedeutet, wodurch das Eintreten in das Geistselbst erscheint. Ich habe darauf hingewiesen, daß die Leute, welche die Erscheinung des Christus-Impulses erleben werden in den nächsten dreitausend Jahren, immer zahlreicher werden, daß die Menschen allmählich fähig werden, in den geistigen Welten den Christus‑Impuls zu erleben. Aber das ganze Erleben und Hereinströmen der geistigen Welt wird etwas sein, mit dem sich die Menschen im Verlaufe der nächsten Epoche immer mehr und mehr werden bekanntzumachen haben. Und es wird nicht genügen, daß man zum Beispiel theoretisch wisse, daß die Menschen im allgemeinen nach dem Tode fortleben, sondern man wird empfinden, daß das ganze Leben, die ganze Lebensbetrachtung, das ganze Lebensbild in jene Anschauung gestellt werden muß, die da weiß: Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, lebt er weiter fort; es ist nur ein Übergang. Wenn ein Mensch noch nicht gestorben ist ‑das wird man immer mehr und mehr zeigen, nicht als eine Theorie, sondern als ein Wissen ‑, so wirkt er physisch auf uns durch seinen Leib, wenn er gestorben ist, so wirkt er geistig aus der geistigen Welt auf unsere physische Welt. Er ist da. Die Menschen werden lernen, das Leben in das Licht solcher Tatsache zu stellen und mit den entsprechenden Tatsachen zu rechnen.“

GA 133, S 127/128

„Nehmen Sie an, es liest jemand heute noch eine der vielen Biographien von Raffael. Dann wird er den Eindruck bekommen, daß Raffael in einer gewissen Beziehung wie eine Erscheinung dasteht, in sich abgeschlossen, aus sich ihr Bestes gebend, aber auf dem Gebiete, wo sie wirkt, eben so abgeschlossen, daß sie sich nicht gesteigert denken läßt, daß sie nicht über das betreffende Niveau hinausgehend gedacht werden kann. Und wieder: wenn wir die eigentümliche Art von Raffaels Schaffen betrachten, so ist sie auf einmal da. Und wie sie ganz merkwürdig beim jungen Raffael entsteht, darüber läßt die Biographie eine Lücke. Warum?

Die Biographen erzählen, daß Raffael den Giovanni Santi zum Vater hatte, der neben anderm auch ein Schriftsteller war, und der starb, als Raffael elf Jahre war, den Knaben aber vorher zu einem Maler in die Lehre gebracht hatte. Wir wissen auch, was für ein Maler, von was für einer Begabung in der Malerei Giovanni Santi war. Wir wissen aber auch, daß in ihm etwas steckte, was bei ihm nicht herauskommen konnte. Wenn man ins Auge faßt, was in seiner Seele lebte, so hat man das Gefühl: in ihm steckte etwas, was nicht herauskam, weil die äußere Natur dafür ein Hindernis war. Nun stirbt er, als der Knabe Raffael elf Jahre ist. Wenn wir nun verfolgen, wie die Entwickelung Raffaels weitergeht, so wissen wir, woher die Kräfte kommen, die Raffael dahin bringen, so rasch zur Vollendung zu kommen, eine Ganzheit zu werden, wir wissen, es sind die Kräfte, die aus der geistigen Welt von seinem Vater hereinkommen! Und wer künftig eine Biographie Raffaels geben will, der wird schreiben müssen: Giovanni Santi war der Vater Raffaels, und Raffael war elf Jahre alt, als sein Vater 1494 starb. Dieser Vater war ein ausgezeichneter Mensch, der zeit seines Lebens Außerordentliches wollte. Und viel wollte er, als er ungehindert in der geistigen Welt war und zu dem geliebten Sohne seine Impulse ‑ bis in die feinsten, intimen geistigen Dinge hinein ‑ über das sandte, worüber ihn selbst seine äußere Organisation das auszusprechen in der physischen Welt hinderte.“

GA 133, S 130/131

„Das ist natürlich keine Herabwürdigung des Genies Raffaels, denn selbstverständlich mußte der Grund vorhanden sein. Wir wissen, daß er die Wiederverkörperung von Johannes dem Täufer war, daß also nur das Spezifische hineingegossen werden mußte, was da herauskommen sollte. Wenn wir das ins Auge fassen, dann sehen wir das Zusammenwirken von der geistigen Welt und dem physischen Plan. Auf Schritt und Tritt wird man in der Zukunft bei der Betrachtung des Lebens Raffaels dasjenige einfügen müssen, was aus der geistigen Welt in die physische hereinwirkt. Dann wird man vor einem Ganzen der Welt stehen, die in uns, um uns, durch uns wirkt. So führen wir die Spiritualität wiederum in unsere Kultur ein. Deshalb dürfen wir uns aber auch nicht verwundern, wenn die, welche heute nichts von dieser Einführung der Spiritualität in unsere Kultur hören wollen, eben recht schnöde noch diese spirituelle Weltanschauung behandeln; denn es ist etwas völlig Neues. Es ist ein Auftauchen der neuen Kraft des Geistselbst des Menschen. Und es wird eine Zeit kommen ‑ und ich bitte Sie, diese Tatsache recht sehr in Ihr Gemüt hineinzuschreiben ‑, in welcher die Menschen über die jetzt zu Ende gehende materialistische Kultur gerade so denken werden, wie man einst gedacht hat über die der Sintflut vorangegangene Zeit und nach der kommenden Kultur sich sehnte, als etwas ganz Neues da kam. Die Theosophen aber sollen sich nicht nur ein theoretisches Verhältnis zu solchem Ideal suchen, sondern es aufnehmen in ihr Herz, in ihr Gemüt; sie sollten sich klar sein, daß es ihr gutes Karma ist, zu wissen von dem Gange der Menschheit, der der Gang der menschlichen Kultur ist.“

GA 133, S 131/132

„Wir wissen, daß der Mensch, so wie er zunächst die Erde betreten hat und sich auf der Erde entwickelt, im wesentlichen aus vier Gliedern besteht. Diese vier Glieder sind also der physische Leib, der Ätherleib, der astralische Leib und das Ich. Wir wollen heute schematisch einmal hinzeichnen, so wie wir es gerade brauchen, diese vier Glieder der menschlichen Wesenheit. Wir zeichnen zunächst des Menschen physischen Körper als einen Kreis, ebenso den Ätherleib, den astralischen Leib und endlich das Ich als einen kleinen Kreis. Sie wissen nun, wie des Menschen Entwickelung vor sich geht. Der Mensch beginnt im Laufe seiner Erdenentwickelung vom Ich aus den Astralleib zu bearbeiten. Und wir können im allgemeinen sagen: So viel der Mensch von seinem Ich aus am astralischen Leib verarbeitet hat, so daß dieser verarbeitete Teil des Astralleibes unter die Herrschaft des Ich gekommen ist, so viel nennt man Manas oder Geistselbst; so daß also eigentlich Manas oder Geistselbst, wie oft betont worden ist, nicht wie irgend etwas neu Angeflogenes anzusehen ist, sondern einfach ein umgewandeltes Produkt des Astralleibes des Menschen ist. Wohlgemerkt, alle diese Dinge, die jetzt hier gesagt werden, gelten für den Menschen. Es ist wichtig, daß wir uns das nicht verallgemeinern, sondern uns klarwerden, daß die Wesen der Welt sehr, sehr verschieden voneinander sind.

Nun zeichnen wir als ein fünftes Glied den umgewandelten Astralleib, also Manas als einen besonderen Kreis ‑ eigentlich müßte es ja in den Astralleib hineingezeichnet werden. Ebenso müssen wir hier darüber zeichnen den umgewandelten Ätherleib, denn so viel von dem Ätherleib umgewandelt ist, bezeichnen wir als Budhi oder Lebensgeist, und wenn er ganz umgewandelt ist, so ist er eben ganz Budhi. Ebenso ist der physische Körper zu Atma umgewandelt, wenn wir den Menschen in der Vollkommenheit betrachten, die er erlangen kann in der Entwickelung durch Jupiter, Venus und Vulkan. Wenn der Mensch also im Vulkanzustand seine höchste Vollkommenheit erreicht haben wird, so können wir ihn schematisch in der folgenden Art zeichnen: Wir müßten sagen, wir haben sein Atma, Budhi, Manas, das Ich, den astralischen Leib, den Ätherleib, den physischen Leib. Und wir würden dann in diesem Schema als das Charakteristische anzusehen haben, daß der Mensch mit seinen sieben Prinzipien ein Ganzes ist, daß diese sieben Prinzipien alle ineinander sind. Das ist das Wesentliche.“

GA 110, S 110/111

„Aber noch weiter haben wir solche Spiegelbilder. Wir haben ja gesehen, daß die Throne nur dadurch Throne geworden sind, daß sie in den Stand kamen, aus Geschöpfen zu Schöpfern zu werden, aus einem Zustand des Nehmens in einen Zustand des Gebens zu kommen. Wir haben gesagt: Die Throne haben auch einstmals in anderen Weltensystemen ihre Entwickelung durchgemacht, sie haben es so weit gebracht, daß sie ausströmen lassen konnten ihre Substantialität. Das ist ein höherer Entwickelungsgrad, daß man hingeben kann, Opfer bringen kann, statt selber einzuheimsen, was es im Kosmos gibt. Dies tritt wiederum im Spiegelbild beim Menschen ein. Wie ist denn diese Menschenentwickelung? Blicken Sie zurück im Geiste durch die atlantische Zeit, durch die lemurische Zeit, und blicken Sie vorwärts. Physischen Leib, Ätherleib, astralischen Leib und Ich erhält der Mensch, und dann wiederum haben Sie das Zurückarbeiten vom Ich in die übrigen Glieder, die Umgestaltung des Astralleibes, die Umgestaltung des Ätherleibes, die des physischen Leibes, zu Manas, Budhi, Atma, zu Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch. So hat die Urweltweisheit in allen Zeitaltern gelehrt, daß der Mensch seinen Astralleib so umgestaltet, daß dieser Astralleib zuerst teilweise noch besteht aus der alten Astralität und teilweise aus Manas, daß er aber nach und nach ganz und gar umgestaltet, ganz und gar vom Ich und seiner Arbeit durchdrungen wird. Nehmen Sie einen Menschen, der es noch nicht bis zu jenem Grade der Entwickelung gebracht hat, daß sein Astralleib schon ganz durchdrungen ist von der Arbeit des Ich. In diesem Falle sind ja im Grunde genommen noch alle Menschen mit ganz wenigen Ausnahmen. Dasjenige, was der Mensch schon umgearbeitet hat, das geht mit ihm durch alle Ewigkeiten, was er noch nicht umgearbeitet hat, so daß das Ich noch keinen Anteil daran genommen hat, das muß, wenn der Mensch durch Kamaloka durchgegangen ist, wie eine Art astralische Schale sich entfernen, das löst sich in der astralischen Welt auf, nicht ohne daß es beträchtlichen Unfug stiften kann, wenn es als Astralleib aus schlechten Begierden und Leidenschaften bestand. So können wir sagen, daß die Entwickelung des Menschen darin besteht, immer weniger und weniger von sich zurückzulassen in der astralischen Welt.“

GA 110, S 149/150

„Verfolgen wir den Vorgang. Der Mensch stirbt, bald nach dem Tode löst sich der Ätherleib los, ein Extrakt bleibt zurück. Der Mensch geht durch Kamaloka, da löst sich die unverarbeitete Schale los; das, was verarbeitet ist, geht im Ich durch alle Ewigkeit, es wird zurückgebracht zur neuen Inkarnation. je vollkommener der Mensch ist, desto weniger werden diese Reste sein, die er in der astralischen Welt zurückläßt, bis er zuletzt so weit ist, daß nichts mehr von seinem Astralleib in Kamaloka zurückbleibt, bis er so weit ist, daß er sozusagen niemandem auf der Erde durch die Reste, die er in Kamaloka zurückläßt, schädlich werden kann. Ein solcher Mensch, der hat dann auch die Möglichkeit, in die geistigen Welten hineinzuschauen. Denn es ist ja nicht möglich, diesen Zustand zu erreichen, ohne eben bis zu einem gewissen Grade der Hellsichtigkeit im Astralen gekommen zu sein. Der ganze Astralleib ist dann vergeistigt, ist eben Geistselbst geworden, der ganze Astralleib wird mitgenommen. Früher mußte das zurückgelassen werden, was schlecht war, jetzt kann der ganze Astralleib mitgenommen werden in die ganze Folgezeit. Und in dem Augenblick, in dem der Astralleib so weit ist, daß er ganz durchgearbeitet ist, da drückt sich die ganze neue Form des Astralleibes, des Geistselbstes, in den Ätherleib hinein, so daß dann der Ätherleib ein Abdruck ist dieses also umgearbeiteten Astralleibes. Er braucht noch nicht selber ganz umgearbeitet zu sein, aber was in den Astralleib hineingearbeitet werden konnte, das ist in den Ätherleib hinein abgedruckt. Kurz, Sie sehen, wir haben damit geschildert eine besonders hohe Wesenheit, die im eminentesten Sinn weit gekommen ist dadurch, daß sie das ganze Geistselbst entwickelt hat. Diese Wesenheit wird nun in der östlichen Wissenschaft Nirmanakaya genannt, denn es hat sein Astralleib, sein astralischer Kaya die Stufe erreicht, wo er keine Überreste hinterläßt. Das ist ein Nirmanakaya.“

GA 110, S 150

„Es wird also der Mensch durch solche Einflüsse immer mehr und mehr in den Stand kommen, Herr zu werden über seinen astralischen Leib und über seinen Ätherleib. Solches Herrwerden macht es dann dem Menschen möglich, in einer gewissen Beziehung diesen Astral und diesen Ätherleib auch zu dirigieren. Derjenige, der den Astralleib noch nicht unter die Herrschaft des Ich gebracht hat, der muß natürlich warten, bis er so weit gekommen ist. Wer aber die Herrschaft schon hat über den Astral‑ und Ätherleib, der kann nun frei verfügen darüber. Er kann sich sagen: Dadurch, daß ich mit meinem Ich durchgemacht habe all die Verkörperungen, die mich gelehrt haben, meinen Astralleib und meinen Ätherleib so weit umzubilden, dadurch bin ich fähig geworden, mir, wenn ich wieder auf die Erde gehen soll, aus Äthersubstanz und Astralsubstanz einen neuen Astralleib und Ätherleib zu bilden, die ebenso vollkommen sind. ‑ Und dadurch ist er imstande, den eigenen Astral‑ und Ätherleib, wie man sagt, hinzuopfern, ihn auf andere zu übertragen. Sie sehen also daraus, daß es Individualitäten gibt, welche dadurch, daß sie Herr in ihrem Astralleib und Ätherleib geworden sind, auch fähig werden, diesen Astralleib und Ätherleib hinzuopfern, weil sie gelernt haben, sich diese Dinge aufzubauen. Wollen sie wiederum auf die Erde, so werden sie sich neu aufbauen aus dem vorhandenen Material einen Astralleib und einen Ätherleib. Was sie aber in Vollkommenheit erreicht haben, übergeben sie anderen Persönlichkeiten, welche gewisse Aufgaben in der Welt zu bewirken haben. So werden späteren Persönlichkeiten solche Astral‑ und Ätherleiber von Persönlichkeiten der Vorzeit einverwoben, einverleibt. Wenn das geschieht, so sehen Sie, daß die Persönlichkeit der Vorzeit nicht bloß da wirkt, wo sie steht, sondern daß sie mit dem, was in ihr ist, noch in die Zukunft hineinwirkt.“

GA 110, S 151/152

„So konnte zum Beispiel der Zarathustra, der fähig war, seinen Astralleib zu behandeln, und der ihn später hinübergeleitet hat in den Hermes, sich sagen: Ich lebe, aber ich werde nicht nur wirken, wie ich selber jetzt wirke als äußere Persönlichkeit, sondern ich durchwebe auch noch den Astralleib des ägyptischen Hermes, desjenigen, mit dem die ägyptische Kulturepoche beginnt. ‑ Eine solche Persönlichkeit hat einen Körper, einen Kaya, welcher nicht nur an dem Orte wirkt, wo er ist, sondern welcher in die Zukunft hineinwirkt, welcher das Gesetz für die zukünftige Entwickelung abgibt. Gesetz in die Zukunft hinein heißt Dharma. Einen solchen Leib nennt man Dharmakaya. Das sind gewisse Ausdrücke, die häufig wiederkehren in der östlichen Wissenschaft. Hier haben Sie die wahre Erklärung, wie sie in der Urweltweisheit immer gegeben worden ist.“

GA 110, S 152

„Wir wissen ja alle, daß wir zunächst, so wie wir als Erdenmenschen wandeln, an uns tragen den physischen Leib und den Ätherleib, den Astralleib und das Ich. Jede von diesen zwei Wesenheiten, die wir angeführt haben, trägt wiederum, ich möchte sagen, zwei Unterwesenheiten in sich: der mehr äußere Mensch den physischen Leib und Ätherleib, der mehr innere Mensch das Ich und den Astralleib. Nun wissen wir aber, daß der Mensch sich weiterentwickeln wird. Die Erde wird einen Abschluß erlangen. Die Erde wird sich weiterentwickeln durch eine Jupiter‑, Venus‑, durch eine Vulkan‑Planetenentwickelung. Da wird der Mensch von Stufe zu Stufe aufsteigen. Zu seinem Ich, wissen wir, wird sich hinzuentwickeln eine höhere Wesenheit, die sich in ihm offenbaren wird: das Geistselbst, das so recht sich offenbaren wird während der Jupiterentwickelung, die auf unsere Erdenentwickelung folgen wird. Der Lebensgeist wird sich voll offenbaren im Menschen während der Venuszeit, und der eigentliche Geistesmensch wird sich offenbaren während der Vulkanzeit. Wir sehen also, indem wir der großen kosmischen Menschenzukunft entgegenblicken, auf diese dreistufige Entwickelung des Geistselbst, des Lebensgeistes, des Geistesmenschen. Aber diese drei, die uns gewissermaßen erwarten in unserer Zukunftsentwickelung, sie stehen heute schon in einer gewissen Beziehung zu uns, wenn sie auch noch gar nicht entwickelt sind; denn sie liegen beschlossen im Schoße der göttlich‑geistigen Wesenheiten, die wir als höhere Hierarchien kennen gelernt haben. Sie werden uns herausgespendet aus diesen höheren Hierarchien. Und heute schon stehen wir in Beziehung zu diesen höheren Hierarchien, die uns in der Zukunft das Geistselbst, den Lebensgeist, den Geistesmenschen bescheren werden. So daß wir einfach sagen können, statt daß wir den komplizierten Ausdruck gebrauchen «Wir stehen in Beziehung zur Hierarchie der Angeloi»: «Wir stehen in Beziehung zu dem, was da kommen soll in der Zukunft, zu unserem Geistselbst.» Und statt daß wir sagen: «Wir stehen in Beziehung zu den Archangeloi», sagen wir: «Wir stehen in Beziehung zu dem in der Zukunft kommenden Lebensgeist» und so weiter.“

GA 175, S 47/48

„Und in der Tat, wir Menschen sind in einer gewissen Beziehung mehr, jetzt schon der Anlage nach mehr ‑ und in der geistigen Welt bedeuten Anlagen etwas weit Höheres als in der physischen Welt ‑, als bloß dieser viergliedrige Mensch: physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Wir tragen als Keim schon das Geistselbst in uns, auch den Lebensgeist, auch den Geistesmenschen. Entwickeln aus uns werden sie sich später, aber wir tragen sie als Keim in uns. Und nicht nur so abstrakt, daß wir sie als Keim in uns tragen, ist das zu sagen, sondern dieses In‑uns‑Tragen ist ganz konkret gemeint, denn wir haben mit diesen höheren Gliedern unserer Wesenheit Begegnungen, wirkliche Begegnungen. Und diese Begegnungen, die liegen in der folgenden Weise: Wir würden als Menschen immer mehr und mehr dahin kommen, eine gewisse für die gegenwärtige Entwickelung des Menschen schwer erträgliche Entfremdung von allem Geistigen zu fühlen, wenn wir nicht von Zeit zu Zeit begegnen könnten unserem Geistselbst. Unser Ich muß jenem Höheren, jenem Geistselbst begegnen, das wir erst entwickeln werden und das in einer gewissen Beziehung gleichartig ist mit Wesenheiten aus der Hierarchie der Angeloi. So daß man in der populären Sprache auch sagen kann, wenn wir christlich sprechen: Wir müssen von Zeit zu Zeit begegnen einem Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, das uns besonders nahesteht, weil dieses Wesen, indem es uns begegnet, an uns geistig dasjenige vornimmt, was uns in die Lage versetzt, einstmals ein Geistselbst aufzunehmen. Und wir müssen eine Begegnung haben mit einem Wesen aus der Hierarchie der Archangeloi weil dieses Wesen dann mit uns etwas vornimmt, was dazu führt, d~ der Lebensgeist einstmals entwickelt wird und so weiter.“

GA 175, S 48/49

„Ob wir im christlichen Sinne dieses Wesen versetzen in die Hierarchie der Angeloi, oder ob wir mehr im antiken Sinne sprechen von dem, was die älteren Völker gemeint haben, wenn sie von dem Genius, von dem führenden Genius des Menschen sprachen, das ist im Grunde genommen ganz gleich. Wir wissen, wir leben in einer Zeit, wo es nicht vielen, sondern nur wenigen Menschen gestattet ist ‑ aber diese Zeit wird bald anders werden ‑, hineinzuschauen in die geistige Welt, die Dinge und Wesenheiten der geistigen Welt zu schauen. Die Zeit ist vorbei, aber sie war da, wo man in einem viel umfänglicheren Sinne allgemein die Wesenheiten der geistigen Welt und auch die verschiedenen Entwickelungsvorgänge der geistigen Welt geschaut hat. Und in der Zeit, in der man gesprochen hat von dem Genius eines jeden Menschen, da hat man auch ein unmittelbar konkretes Anschauen von diesem Genius gehabt. Dieses konkrete Anschauen war in einer nicht so fern zurückliegenden Vergangenheit so stark noch, daß die Menschen es beschreiben konnten in aller Konkretheit, in aller Sachlichkeit; in einer Sachlichkeit, die die gegenwärtige Menschheit für Dichtung hält, die aber nicht als Dichtung gemeint ist. So schildert Plutarch ‑ und ich möchte die Stelle wörtlich mitteilen ‑ das Verhältnis des Menschen zu seinem Genius in der folgenden Art. Plutarch, der griechische Schriftsteller, sagt, daß außer dem in den irdischen Leib versenkten Teil der Seele ein anderer, reiner Teil derselben außerhalb, über dem Haupte des Menschen schwebend bleibt, als ein Stern sich darstellend, der mit Recht sein Dämon, sein Genius, genannt wird, welcher ihn leitet, und dem der Weise willig folgt. ‑ Also so konkret schildert Plutarch das, was er nicht als eine Dichtung, sondern als eine konkrete äußere Wirklichkeit meint, daß er ausdrücklich darauf hinweist: Für das übrige ist der geistige Teil des Menschen gewissermaßen mit dem physischen Leibe zugleich zu schauen, so daß der geistige Teil den physischen in demselben Raume normalerweise ausfüllt; aber, was den Genius betrifft, den leitenden, führenden Geist des Menschen, der ist noch als etwas Besonderes außerhalb des Hauptes für jeden Menschen zu sehen. ‑ Und Paracelsus, einer der letzten, die ohne besondere Anleitung oder ohne besondere Veranlagung kräftige Kunde von diesen Dingen hatten, sagte aus sich heraus ungefähr das gleiche über diese Erscheinung. Und viele andere. Dieser Genius ist nichts anderes als das werdende Geistselbst, getragen allerdings von einem Wesen aus der Hierarchie der Angeloi.“

GA 175, S 49/50

„Der Mensch muß wirklich von Zeit zu Zeit eine innigere Gemeinschaft mit seinem Geistselbst eingehen, mit dem Geistselbst, das nun auch in der astralischen Aura, die so sichtbar wird in dem, was ich Ihnen angedeutet habe, veranlagt, nicht entwickelt ist, die gleichsam von oben, von dem Zukünftigen überstrahlt wird, der Mensch muß mit seinem Geistselbst von Zeit zu Zeit zusammentreffen. Und wann geschieht dieses?“

GA 175, S 52

„Da kommen wir auf die erste Begegnung, von der wir zu sprechen haben. Wann geschieht dies? Es geschieht einfach jedesmal ungefähr beim normalen Schlafe in der Mitte zwischen Einschlafen und Aufwachen. Bei den Menschen, die dem Naturleben näherstehen, bei den einfachen Landleuten, die mit der sinkenden Sonne schlafen gehen und entsprechend mit der aufgehenden Sonne aufstehen, fällt diese Mitte der Schlafenszeit auch wiederum mit der Mitte der Nacht mehr oder weniger zusammen. Bei dem Menschen, der sich herausreißt aus den Naturzusammenhängen, ist das weniger der Fall. Aber darauf beruht ja die menschliche Freiheit, daß dies möglich ist. Der Mensch der modernen Kultur kann sich sein Leben einrichten, wie er will; zwar nicht, ohne daß das von einem gewissen Einfluß ist auf dieses Leben, aber er kann es sich in gewissen Grenzen einrichten, wie er will. Dann kann er doch in der Mitte einer längeren Schlafenszeit das erleben, was man nennt ein innigeres Zusammensein mit dem Geistselbst, also mit den geistigen Qualitäten, aus denen das Geistselbst genommen sein wird, eine Begegnung mit dem Genius. Diese Begegnung mit dem Genius findet also beim Menschen, cum grano salis gesprochen, jede Nacht, das heißt jede Schlafenszeit, statt. Und dies ist wichtig für den Menschen. Denn was wir auch haben können an einem die Seele befriedigenden Gefühl über den Zusammenhang des Menschen mit der geistigen Welt, es beruht darauf, daß diese Begegnung während der Schlafenszeit mit dem Genius nachwirkt. Das Gefühl, das wir im wachen Zustand bekommen können von unserem Zusammenhang mit der geistigen Welt, ist eine Nachwirkung dieser Begegnung mit dem Genius. Das ist die erste Begegnung mit der höheren Welt, von der man als zunächst etwas Unbewußtem für die meisten Menschen heute sprechen kann, das aber immer bewußter und bewußter werden wird, je mehr die Menschen die Nachwirkung gewahr werden dadurch, daß sie ihr waches Bewußtseinsleben in den Empfindungen durch Aufnahme der Ideen und Vorstellungen der Geisteswissenschaft so verfeinern, daß die Seele eben nicht zu grob ist, um die Nachwirkung aufmerksam zu betrachten. Denn nur darauf kommt es an, daß die Seele fein genug ist, in ihrem inneren Leben intim genug ist, um diese Nachwirkungen zu betrachten. In irgendeiner Form kommt diese Begegnung mit dem Genius bei jedem Menschen oftmals zum Bewußtsein, nur ist die heutige materialistische Umgebung, das Erfülltsein mit den Begriffen, die aus der materialistischen Weltanschauung kommen, namentlich das von der materialistischen Gesinnung durchzogene Leben, nicht geeignet, die Seele aufmerksam sein zu lassen auf dasjenige, was durch diese Begegnung mit dem Genius hergestellt wird. Es wird einfach dadurch, daß die Menschen sich mit geistigeren Begriffen, als der Materialismus ihnen liefern kann, vertiefen, die Anschauung von dieser Begegnung mit dem Genius in jeder Nacht etwas mehr und mehr Selbstverständliches für den Menschen.“

GA 175, S 52/53

„Eine gewisse Zeit unseres Lebens, wo wir vorbereitet werden, sollte daher die Erziehung dahin wirken ‑ durch die mannigfaltigsten Mittel kann das geschehen ‑, dem Menschen recht tief möglich zu machen diese Begegnung mit dem Vater‑Prinzip. Es kann dadurch geschehen, wenn der Mensch während seiner Erziehungszeit angetrieben wird, so recht das Gefühl zu entwickeln von der Herrlichkeit der Welt, der Größe der Welt, der Erhabenheit der Weltvorgänge. Wir entziehen dem heranwachsenden Menschen viel, wenn wir ihn zu wenig merken lassen, so daß es auf ihn übergeht, daß wir für all das, was sich offenbart an Schönheit und Größe in der Welt, die hingebungsvollste Ehrfurcht und Ehrerbietung haben. Und indem wir so recht den Gefühlszusammenhang des menschlichen Herzens mit der Schönheit, mit der Größe der Welt den heranwachsenden Menschen fühlen lassen, bereiten wir  ihn vor für eine rechte Begegnung mit dem Vater‑Prinzip. Denn diese Begegnung mit dem Vater‑Prinzip bedeutet viel für das Leben, das zwischen dem Tode und einer neuen Geburt verläuft. Dieses Begegnen mit dem Vater‑Prinzip, das in den angedeuteten Jahren

normalerweise eintritt, bedeutet, daß der Mensch eine starke Kraft und Stütze hat, wenn er, wie wir wissen, zurückzuleben hat, nachdem er durch die Todespforte geschritten ist, im Rücklauf seelisch seinen Lebensgang, sein Erdenleben, indem er durch die Seelenwelt geht. Und stark und kräftig, wie es eigentlich der Mensch soll, kann er diese Rückwanderung ‑ die, wie wir wissen, einen dritten Teil der Zeit bedeutet, die wir zubringen zwischen der Geburt und dem Tode ‑erleben, wenn er immer wieder schaut: Da, an dieser Stelle bist du begegnet demjenigen Wesen, das der Mensch stammelnd, ahnend ausdrückt, wenn er von dem Vater der Weltenordnung spricht. Das ist eine wichtige Vorstellung, die neben der Vorstellung des Todes selber der Mensch, nachdem er durch die Todespforte geschritten ist, immer haben soll.

Natürlich entsteht in Anbetracht dessen, was wir gerade besprochen haben, eine wichtige Frage. Es gibt Menschen, welche, bevor sie des Lebens Mitte, wo normalerweise die Begegnung mit dem Vater‑Prinzip geschieht, durchlaufen haben, sterben. Wir müssen den Fall ins Auge fassen, daß der Mensch eben dann durch Veranlassung von außen, durch Krankheit ‑ die ja auch eine Veranlassung von außen ist ‑, durch Schwäche stirbt. Wenn durch dieses frühe Sterben die Begegnung mit dem Vater‑Prinzip in den tiefen unterbewußten Seelengründen noch nicht hat stattfinden können, dann findet sie in der Todesstunde statt. Mit dem Tode wird diese Begegnung zugleich erlebt. Und hier ist es, wo wir anders ausdrücken können etwas, was ja, eben wieder anders, im entsprechenden Zusammenhang schon ausgedrückt ist zum Beispiel in meiner «Theosophie», wo von der ja immer im höchsten Grade betrüblichen Erscheinung gesprochen ist, daß Menschen durch ihren eigenen Willen ihrem Leben ein Ende machen. Das würde keiner tun, der die Bedeutung einer solchen Tat einsieht. Und wenn einmal Geisteswissenschaft wirklich in die Empfindungen der Menschen übergegangen sein wird, wird es keinen Selbstmord mehr geben. Denn daß der Mensch in der Todesstunde, wenn dieser Tod vor der Lebensmitte eintritt, zugleich wahrnehmen kann das Vater‑Prinzip, das hängt davon ab, daß eben der Tod von außen an ihn herankommt, nicht daß er ihn sich selbst gibt. Und die Schwierigkeit, die die Menschenseele hat, die von einem anderen Gesichtspunkt in meiner «Theosophie» geschildert wird, könnte nun von dem Gesichtspunkt, von dem wir heute sprechen, auch so geschildert werden, daß wir sagen könnten: Der Mensch entzieht sich durch den eigenwilligen Tod eventuell der Begegnung mit dem Vater-Prinzip in der entsprechenden Inkarnation.“

GA 175, S 58-60

„Betrachten wir von diesem Gesichtspunkte einmal unsere heutige Zeit und versuchen wir, eine solch wichtige Empfindung, wie wir sie heute auch wieder in der Erwähnung der Begegnung mit dem Vater-Prinzip entwickelt haben, als Empfindung zu erleben, nicht bloß als abstrakte Vorstellung, versuchen wir mit dieser Empfindung auf die zahlreichen frühzeitigen Tode hinzublicken, dann müssen wir sagen: In ihnen liegt die Prädestination, die Vorbereitung dazu, daß in der kommenden Zeit viel gewirkt werden kann von der geistigen Welt herunter in die physische Erdenwelt. Und da haben Sie von einem anderen Gesichtspunkte dasjenige, was ich jetzt unter den Eindrücken der traurigen Ereignisse schon seit Jahren gesagt habe, daß diejenigen Menschen, die frühzeitig heute durch die Pforte des Todes gehen, ganz besondere Helfer werden sollen für die künftige Entwickelung der Menschheit, die starke Kräfte braucht, um sich aus dem Materialismus herauszuwinden. Aber das alles muß uns zum Bewußtsein gebracht werden; das alles soll ja nicht im Unbewußten oder Unterbewußten vor sich gehen. Und es ist deshalb schon notwendig, daß hier auf der Erde die Seelen sich dafür empfänglich machen ‑ ich habe es schon einmal angedeutet ‑, sonst gehen die Kräfte, die entwickelt werden aus der geistigen Welt, nach anderen Seiten hin. Damit der Erde fruchtbar werden können diese Kräfte, die prädestiniert sind, die da sein können, dazu ist notwendig, daß auf der Erde Seelen sind, welche sich mit Erkenntnis der geistigen Welt durchdringen. Und immer mehr und mehr müssen Seelen sein, die sich mit der Erkenntnis der geistigen Welt durchdringen. Versuchen wir deshalb fruchtbar zu machen dasjenige, was ja schon einmal durch Worte gesagt werden muß, nämlich den Inhalt der Geisteswissenschaft. Und versuchen wir mit Hilfe der Sprache ‑ ich habe das Wort im vorletzten Vortrage hier gebraucht ‑, die wir durch die Geisteswissenschaft lernen, wieder zu beleben solche alten Vorstellungen, die nicht umsonst hereinverwoben werden in unser gegenwärtiges Leben ‑ versuchen wir zu beleben, was wir hören von so einem Plutarch: daß der Mensch, sonst eben als physischer Mensch, durchdrungen ist von dem geistigen Menschen, daß aber noch im besonderen normalerweise ein höheres Glied außerhalb des Hauptes zum Menschen dazugehört geistig, das seinen Genius darstellt, dem der Weise willig folgt. Versuchen wir zu, ich möchte sagen, Hilfsempfindungen zu kommen, um nicht in Unaufmerksamkeit diesen Erscheinungen des Lebens gegenüberzustehen.“

GA 175, S 61/62

„Und zum Schlusse lassen Sie uns heute eine Hilfsvorstellung, eine Hilfsempfindung unserer Seele besonders nahegelegt sein: Es ist leider schwierig für viele Menschen heute in unserem modernen materialistischen Leben, etwas zu empfinden, das ja die traurige Prüfungszeit mildert, aber die nicht nur gemildert bleiben sollte ‑ was ja kaum zu hoffen ist, wenn der Materialismus in der Stärke andauern sollte, in der er da ist, das sehr, sehr erhöht und mehr und mehr erhöht werden sollte-, es ist für viele Menschen in unserer materialistischen Zeit sehr, sehr schwierig, dasjenige zu empfinden, was ich nennen möchte: die Heiligkeit des Schlafes. Wenn erlebt wird, daß geradezu die in der Menschheit geltende Intelligenz allen Respektes entbehrt für die Heiligkeit des Schlafes, so ist das eine weittragende Kulturerscheinung. Solche Dinge sollen ja nicht getadelt werden, sie sollen auch nicht in dem Sinne hier aufgezählt werden, daß sie zu einer nun einmal nicht durchzuführenden Askese führen. Wir müssen mit der Welt leben, aber wir müssen sehend mit der Welt leben. Denn nur dadurch reißen wir unsere Körperlichkeit… [Lücke im Stenogramm]. Man denke nur, wieviele Menschen, die mit rein dem Materiellen Zugewendeten die Abendstunden verbringen, sich dann dem Schlafe übergeben, ohne die Empfindung zu entwickeln ‑ sie wird ja nicht recht lebendig aus der materialistischen Gesinnung heraus ‑, ohne die Empfindung zu entwickeln: Der Schlaf vereinigt uns mit der geistigen Welt, der Schlaf schickt uns hinüber in die geistige Welt. ‑ Und wenigstens sollten die Menschen nach und nach dasjenige entwickeln, was sie sich mit den Worten sagen können: Ich schlafe ein. Bis zum Aufwachen wird meine Seele in der geistigen Welt sein. Da wird sie der führenden Wesensmacht meines Erdenlebens begegnen, die in der geistigen Welt vorhanden ist, die mein Haupt umschwebt, da wird sie dem Genius begegnen. Und wenn ich aufwachen werde, werde ich die Begegnung mit dem Genius gehabt haben. Die Flügel meines Genius werden herangeschlagen haben an meine Seele.“

GA 175, S 62/63

„Sehen Sie, am besten werden wir dazu kommen, einzusehen, um was es sich da handelt, wenn wir nunmehr an die drei Begegnungen, die ich das letztemal erwähnt habe, ein wenig denken, aber in anderem Sinne, als ich das neulich ausgeführt habe. Jedesmal, sagte ich, wenn der Mensch schläft, in dem Zustand zwischen Einschlafen und Aufwachen, begegnet er Wesen der geistigen Welt; Wesen der geistigen Welt, die mit seinem Geistselbst, wie wir es gewohnt sind zu nennen, substantiell gleichartig sind. Das heißt: Der Mensch kommt aus dem Schlafe, wenn er aufwacht, so heraus, daß er geistigen Wesen begegnet ist und die Nachwirkung der Begegnung, wenn es ihm auch unbewußt bleibt, in das äußere physische Leben hineinträgt. Sehen Sie, was sich da in der Seele abspielt, während wir diese alltägliche Begegnung haben, das bezieht sich in einer gewissen Weise durchaus auf die menschliche Zukunft. Der Mensch, der sich nicht mit Geisteswissenschaft befaßt, weiß heute ja noch wenig über dasjenige, was eigentlich in den Tiefen der Seele vorgeht, wenn der Mensch schläft. Die Träume, die für das gewöhnliche Leben etwas verraten könnten von diesen Vorgängen im Schlafe, sie verraten zwar etwas, aber sie verraten es auf eine solche Weise, daß die Wahrheit doch nicht so leicht an den Tag treten kann. Wenn der Mensch im Traum oder aus Träumen heraus aufwacht oder sich an Träume erinnert, so hängen diese Träume doch meist zusammen mit irgendwelchen Vorstellungen, die er sich schon im Leben angeeignet hat, mit Reminiszenzen. Das aber ist doch nur das Gewand desjenigen, was im Traume eigentlich lebt, respektive im Schlafzustand lebt. Wenn Sie sich den Traum in solche Vorstellungen kleiden, die aus Ihrem Leben sind, so sind diese Vorstellungen nur das Gewand; denn im Traume kommt umkleidet das zum Vorschein, was während des Schlafes eigentlich in der Seele vorgeht. Und was während des Schlafes in der Seele vorgeht, das bezieht sich weder auf die Vergangenheit noch sogar auf die Gegenwart, sondern das bezieht sich auf die Zukunft. Im Schlafe werden die Kräfte ausgebildet, die sich für die menschliche Wesenheit vergleichen lassen mit den Keimeskräften, die sich in der Pflanze entwickeln für eine nächste Pflanze. Wenn die Pflanze so heranwächst, dann entwickeln sich ja in der Pflanze immer schon für die nächste Pflanze die Keimeskräfte für das nächste Jahr. Diese Keimeskräfte gipfeln dann in der Samenbildung; da werden sie sichtbar. Aber wenn die Pflanze so wächst, heranwächst, sind schon die Keimeskräfte für die nächste Pflanze vorhanden. So sind die Keimeskräfte, sei es für die nächste Inkarnation, sei es aber auch für die Jupiter‑Periode, im Menschen, und der Mensch bildet sie vorzugsweise aus im Schlafzustand. Was er da an Kräften ausbildet, das bezieht sich nicht gleich auf einzelne Ereignisse, es bezieht sich mehr auf die Grundkräfte der nächsten Inkarnation zum Beispiel, aber doch eben auf diese Kräfte der nächsten Inkarnation. Also im Schlafe arbeitet der Mensch an seinen Keimen für die nächste Inkarnation, überhaupt in die Zukunft hinüber. So daß der Mensch, wenn er schläft, schon in der Zukunft ist.“

GA 175, S 70-72

„Das Geistselbst ist es in der Tat, was als Bild der Erde hinausstrahlt in den Weltenraum. Das Ich lebt in der Sonne, im Sonnendasein, und das Geistselbst strahlt von der Erde, so wie ich es beschrieben habe, zurück. Die anderen Gebilde sind höhere Gebilde, die dann aus dem Kosmos dem Menschen zukommen, die mit seinem eigenen Inneren zunächst nichts zu tun haben. Dieses, was ihm da entgegenstrahlt. das erscheint in einem neuen Leben; dadurch wird es Lebensgeist. Und das, was er als seine Taten hat, wird von einer hohen geistigen Substantialität durchzogen, durchzittert ‑ Geistesmensch. Das ist etwas, was ihm dann vom Kosmos aus hinzugefügt wird, was er gewissermaßen da draußen empfängt. So wie er, wenn er herunterkommt durch die Geburt, seinen physischen, seinen Ätherleib bekommt, so bekommt er seinen Lebensgeist, seinen Geistesmenschen, wenn er durch des Todes Pforte gegangen ist, als dasjenige, mit dem er dann umkleidet wird. Dagegen stammt wirklich von ihm das, was dann Ich ist ‑ ich habe es hier etwas skizziert. Und das, was ihm hinausstrahlt von der Erde, dieses Geistselbst, ist in der Tat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ein feingewobenes planetarisches Dasein, etwas, was man dann empfindet wie eine umgewandelte Erde, auf die man zurückblickt, die man von Leben zu Leben weiterwebt. So daß dann, wenn die Erde am Ende ihrer Entwickelung angelangt sein wird, der Mensch mit ihr selbst zum Jupiter hinübergehen wird und er gerade durch das, was er da gewoben hat, sein Geistselbst auch auf dem Jupiter physisch wird entwickeln können, denn er hat die Grundlage davon während des Erdendaseins durch sein eigenes Inneres gelegt.“

GA 208, S 28/29

„Das dritte Glied ist der Astralleib. Anfangs können wir auch ihn nicht beherrschen, und noch die wenigsten haben heutzutage eine bedeutende Macht über ihren Astralleib. In dem Maße, wie der Mensch von innen heraus den Astralleib beherrschen kann, nennen wir ihn mit Manas begabt.“

GA 93, S 177

„In der Mitte der lemurischen Zeit begann der Mensch an seinem Astralleib zu arbeiten. Wenn Sie einen Menschen betrachten könnten, der auf der Stufe steht, wo die lemurische Rasse begann, also zweigeschlechtlich, so finden Sie, daß dessen Körper von außen aufgebaut wird. Seit der Mitte der lemurischen Zeit beginnt nun der Mensch selbst an seinem Astralleib zu arbeiten. Alles was der Mensch von seinem Ich aus hineinarbeitet, was er durch Pflichten und Gebote zur Überwindung der rohen Begierden und Leidenschaften tut, trägt bei zur Veredelung des Astralleibes. Wenn er dann ganz durchdrungen sein wird mit der Arbeit des eigenen Ich, dann können wir ihn nicht mehr Astralleib nennen, dann ist er Manas geworden. Wenn der ganze Astralleib in Manas verwandelt ist, kann der Mensch beginnen in den Ätherleib hineinzuarbeiten, ihn in Buddhi zu verwandeln. Was er da hineinarbeitet, ist nichts anderes als das individualisierte Wort, das die christliche Esoterik auch den «Sohn» oder «Logos» nennt. Wenn der Astralleib zu Manas wird, nennt sie dies den «Heiligen Geist », und wenn der physische Leib Atma geworden ist, nennt sie dies «Vater».“

GA 93, S 177/178

„Was hier im kleinen mit dem Menschen geschieht, geschah auch im großen mit der Welt draußen. Diese Weltgeheimnisse vollzog man schon in den Mysterien bei der Einweihung, man vollzog so etwas, was die Menschen allgemein erst in einer fernen Zukunft sein werden. Schon in den ägyptischen Mysterien konnte nur der eingeweiht werden, der seinen ganzen Astralleib durchgearbeitet hatte, so daß der Astralleib vollständig von dem Ich aus geleitet werden konnte. Ein solcher Mensch stand so vor dem Einweihungspriester: er hatte keinen Einfluß auf den physischen Leib und auch keinen auf den Ätherleib; aber sein Astralleib war sein eigenes Geschöpf. Nun wurde ihm gezeigt, wie er auf den Äther- und auf den physischen Leib einwirken kann. Der physische Leib wurde in einen lethargischen Zustand versetzt — drei Tage und drei Nächte mußte er in diesem Zustand bleiben —, und während dieser Zeit war der Ätherleib herausgehoben. Und da der Einzuweihende mächtig geworden war in bezug auf den Astralleib, so konnte er nun die Macht gewinnen, auf den Ätherleib einzuwirken. Was er im Astralischen hatte, konnte er lernen in den Ätherleib hineinwirken zu lassen. Das waren die drei Tage der Grablegung und Auferstehung in einem Ätherleib, der ganz und gar durchsetzt ist von dem, was man den Heiligen Geist nennt. Man nannte einen solchen Eingeweihten einen mit dem Logos, dem «Wort» begabten Menschen. Dieses «Wort» ist nichts anderes als die Weisheit, Manas, das in den Astralleib hineingearbeitet ist. Niemals kann die Weisheit in den Ätherleib kommen, wenn nicht vorher der Astralleib damit durchdrungen ist.“

GA 93, S 178

„Wenn auch unsere Zeit noch nicht dahin gekommen ist, in der äußeren lebendigen Natur herrschen zu können, wenn auch jene Kulturepoche noch nicht erreicht ist, wo auch die lebendigen, die lebengebenden Kräfte gemeistert werden, so gibt es doch heute schon die Vorschule dazu, die inauguriert wurde durch jene Bewegung, die man die Loge vom Heiligen Gral genannt hat. Die Zeit wird aber kommen, und es ist ein ganz bestimmter Zeitpunkt, wo die Menschen, abweichend von ihrer heutigen Neigung, einsehen werden, daß man über innere tiefere Seelenkräfte nicht durch Majoritätsbeschlüsse entscheiden kann, daß es unmöglich ist, über das umfangreiche Gebiet der Liebe, über das, was man empfindet, was man fühlt, durch Abstimmung etwas auszumachen. Diejenige Kraft, die in allen Menschen einheitlich lebt und die sich im Intellektuellen ausdrückt in jener großen Einheit, über die es keinen Streit geben kann, nennt man Manns. Und wenn es die Menschen so weit gebracht haben werden, daß sie nicht nur dem Verstande nach zusammenstimmen, sondern auch in ihrem Empfinden und Fühlen, in ihrem tiefsten Seelenleben harmonieren, daß sie sich finden in dem, was edel und gut ist, in Liebe sich zusammenfinden im Objektiven, im Gemeinsamen, so wie sie sich heute schon streitlos zusammenfinden in dem, daß zwei mal zwei vier und drei mal drei neun sind, dann ist die Zeit gekommen, wo die Menschen auch das Lebendige werden bemeistern können. Einigkeit, objektive Einigkeit im Empfinden und Fühlen, ein wirklich über die Menschheit ausgegossenes objektives Leben in der Liebe, das ist die Voraussetzung für die Bemeisterung des Lebendigen.“

GA 93, S 277/278

„Wenn Menschen, die noch nicht geläutert sind, nicht leidenschaftslos genug sind, meditieren und dann starke Gedankenformen schaffen, erzeugen sie eine starke Leidenschaftsaura um sich. Darin verkörpern sich solche asurischen Wesenheiten, die den Menschen dann herunterziehen können. Wenn der Mensch in Schlaftrunkenheit meditiert und dann sich nicht genügend hoch erhebt in Gedanken, dann schafft er diese Materie, und da er kein Gegengewicht hat, verkörpern sich in seinen Gedankenformen solche Wesenheiten. Diese sind höhere Wesen, weil sie das Manas schon vollkommen ausgebildet hatten auf dem Monde, bevor der Buddhieinschlag kam; sie haben also nicht den Einschlag von Buddhi. Daher ist das Manas bei ihnen selbstsüchtig. Würde der Mensch auf der Erde von dem Punkte an, als von außen Manas an ihn herankam, nicht auch den Einschlag von Buddhi empfangen haben, würde er nur das vorwärtsdrängende Manas weiterentwickelt haben, so würde er ein im höchsten Sinne selbstsüchtiges Wesen geworden sein. Die manasische Entwickelung ist eine zur Selbstsucht und Selbständigkeit neigende. Sie sollte den Menschen selbständig machen, aber dann mußte der Einschlag der Buddhinatur kommen. Die erwähnten asurischen Wesenheiten haben, weil sie zu früh Manas in sich entwickelt haben, den Einschlag der Buddhinatur verpaßt. Deshalb stehen sie einerseits höher und andererseits können sie nicht fortschreiten, sondern bilden das Kama-Manas, das Egoistische weiter aus.“

GA 93a, S 148/149

„Den letzten Grad von Vollkommenheit, den wir hinausgesetzt haben, den wir um uns gestiftet haben, werden wir mit uns nehmen. Daher sagten die Rosenkreuzer: Gestalte die Welt so, daß sie in sich enthält Weisheit, Schönheit und Stärke, dann spiegelt sich in uns Weisheit, Schönheit und Stärke. Hast du die Zeit dazu benutzt, dann ziehst du selbst aus dieser Erde hinaus mit dem Spiegelbild von Weisheit, Schönheit und Stärke. Weisheit ist das Spiegelbild des Manas; Schönheit, Frömmigkeit, Güte ist das Spiegelbild der Buddhi; Stärke ist das Spiegelbild des Atma.“

GA 93a, S 176/177

„Zuerst entwickeln wir um uns her ein Reich der Weisheit dadurch, daß wir die Weisheit fördern. Dann entwickeln wir ein Reich der Schönheit auf allen Gebieten. Dann tritt sichtbar Weisheit auf und es spiegelt sich in uns : Buddhi. Zuletzt verleihen wir dem Ganzen physisches Dasein, Weisheit im Inneren, Schönheit nach außen.“

GA 93a, S 177

„Die fünfte Wurzelrasse wird der Mensch durch das, was man das Böse nennt, zugrunde richten. Dann kommt die sechste Wurzelrasse. Die fünfte Wurzelrasse ist diejenige, die Manas auf dem physischen Plane entwickelt.

 

Indische Unterrasse

Persische Unterrasse

Babylonisch-ägyptische Unterrasse

Römisch-griechisch-semitische Unterrasse

Germanische Unterrasse

Slavische Unterrasse

Amerikanische Unterrasse

GA 93a, S 229

„In der urindischen Kultur lebte man in einem Zustande, der dem Manas in einer Art tiefem Trancezustande entspricht. Da wird den alten Indern von den Rishis die uralte Weisheit geoffenbart. Die zweite Offenbarung geschah bei den Persern in einem Zustande, ähnlich dem unseres tiefen Schlafes. In diesem Zustande hörte der Mensch das Wort. Es war der Zustand des alten persischen Schlaftrance. «Honover» heißt das Wort bei den Persern.

Dritte Offenbarung: Die vorderasiatischen Völker, Babylonier, Ägypter nehmen durch Manas im Bilderbewußtsein wahr; sie haben Visionen oder Traumgesichte.

Vierte Offenbarung: Helles, waches Tagesbewußtsein wurde ausgebildet bei den Semiten, den Griechen und Römern. Da wird Manas wahrgenommen im hellen Tagesbewußtsein, als verkörperter Mensch, Christus Jesus.

Bei den Indern finden wir also den Trance des physischen Körpers. Bei den Persern finden wir den Tiefschlaf des Ätherkörpers. Bei den vorderasiatischen Völkern finden wir das Bilderbewußtsein des Astralkörpers. Bei den semitischen, griechischen, römischen Völkern das Wachbewußtsein des Ich.

Jetzt, in der fünften Unterrasse, hat man nicht die Wahrnehmung eines wandelnden Manas, sondern das Höchste sieht diese Rasse in dem psychischen Erleben der einfachen Begriffe. Unsere Unterrasse hat das psychische Manas entwickelt, die gewöhnliche Wissenschaft.“

GA 93a, S 229/230

„Die sechste Unterrasse wird ein überpsychisches Manas entwickeln. Was beim Menschen jetzt bloß eine Art Wissen ist, das wird in der sechsten Unterrasse unmittelbare Wirklichkeit, soziale Kraft. Die sechste Unterrasse hat den Gesellschaftsorganismus sozial zu durchdringen mit demjenigen, was alle vorhergehende Entwickelung hervorgebracht hat. Da wird erst das Christentum sozial gestaltend hervortreten. Die sechste Unterrasse wird die grundlegende Keimrasse für die sechste Wurzelrasse. Die fünfte Wurzelrasse stammt ab von den Ursemiten, der fünften Unterrasse der vierten Wurzelrasse. Die haben das eigene Ich entwickelt, das den Egoismus hervorbringt. Das Selbständigwerden verdankt die Menschheit den Ursemiten. Der Mensch muß sich erst selbst finden, dann aber auch sich selbst wieder hingeben. Er muß sich dem hingeben, was den Gedanken wirklich macht. Die sechste Unterrasse ist dazu bestimmt, anstelle der Verwandtschaft des Blutes die Verwandtschaft des Manas zu setzen, die Verwandtschaft im Geiste. Der Gedanke, der altruistisch ist, wird die Anlage zur Überwindung des Egoismus entwickeln.“

GA 93a, S 230

„Die siebente Unterrasse wird eine Frühgeburt sein. Sie wird zu früh in eine noch viel stärkere Wirklichkeit umsetzen, was aus dem Manas herauskommt.

In der sechsten Unterrasse wird die Anlage gegeben werden zur Überwindung des Egoismus, aber so, daß Gleichgewicht gehalten wird zwischen Selbstheit und Selbstlosigkeit. Der Mensch der sechsten Unterrasse wird sich weder verlieren nach außen, noch sich abschließen nach innen. Bei der siebenten Unterrasse tritt eine Art Hypertrophie ein. Der Mensch strömt dann nach außen aus, was er jetzt in sich hat: seinen Egoismus. Die Mitglieder der sechsten Unterrasse dagegen halten das Gleichgewicht. Die siebente Unterrasse verhärtet den Egoismus. Da wird später das englisch-amerikanische Volk als etwas Starres hineinragen in die sechste Wurzelrasse, wie heute die Chinesen ein starrer Rest sind der atlantischen Zeit, der vierten Wurzelrasse.“

GA 93a, S 230/231

„Im Anfange seiner Entwickelung hat der Mensch einen Astralleib, an dem sein Ich noch gar nicht gearbeitet hat. Im Laufe der Inkarnationen beginnt das Ich in den Astralleib hineinzuarbeiten. Dadurch wird dieser vollkommener. Die Fähigkeit, Wahrheit und Irrtum zu unterscheiden, ist erst eine Errungenschaft der späteren Inkarnationen. Alles im Leben muß erst durch Erfahrungen erlernt werden. Nur durch Irrtum entwickelt sich das richtige Urteil. Auch die mathematischen Wahrheiten ergeben sich daraus, daß das Gegenteil falsch ist. Fortwährend arbeitet der Mensch von seinem Ich aus an seinem Astralleib. Es ist für den Hellseher ein großer Unterschied, den Astralleib eines entwickelten oder eines unentwickelten Menschen anzuschauen. Infolge dieser Durcharbeitung des Astralleibes findet sich in allen Seelen der Menschen ein Teil, der noch von den niederen Trieben und Leidenschaften erfüllt ist, und ein vom Ich geistig umgearbeiteter Teil. Franz von Assisi hatte zum Beispiel seinen Astralleib ganz verwandelt und umgearbeitet. Das, was vom Astralleib durch das Ich umgearbeitet ist, bezeichnet der Okkultist mit dem orientalischen Ausdruck Manas.“

GA 94, S 157

„Vergleichen wir zu diesem Zweck den Kulturmenschen mit dem Wilden. Der Wilde folgt zuerst hemmungslos seinen Trieben, Begierden und Leidenschaften, jedem Gelüste. Er kann aber dann beginnen an seinem Selbst mitzuarbeiten. Zu gewissen Trieben sagt er: bleibe; zu anderen: hebe dich von hinnen. So hört etwa der Menschenfresser auf mit seiner Gewohnheit, seinesgleichen zu fressen; er verläßt damit eine gewisse Kulturstufe und wird ein anderer. Oder er lernt logisch handeln, lernt zum Beispiel pflügen. Dadurch wird sein Astralleib immer mehr gegliedert. Früher bestimmten äußere Mächte den Menschen, jetzt tut er es selbst. Der Astralleib eines Hottentotten kreist in wilden dunkelroten Wirbeln, bei einem Menschen wie Schiller in hellen grünen und gelben, bei Franz von Assisi in wundervollem Blau. So wird an dem Astralleib gearbeitet. Das nun, was ganz bewußt in den Astralleib vom Ich hineingearbeitet wird, nennt man Geistselbst oder Manas. Mit dem bewußten Hineinarbeiten des Ich beginnt etwas ganz Eigenartiges. Vorher jedoch, ehe man zur Bildung dieses Manas kommt, bleibt im Astralleib jener Teil, den auch das Tier hat, ganz unverändert. Trotz Zunahme an Verstand kann der Astralleib im wesentlichen unverändert, etwa voll tierischer Begierden bleiben. Es gibt aber Einflüsse, die den Empfindungsleib sehr wohl umwandeln: bewußte Religiosität und Kunst. Aus diesen saugen wir Kraft zur Selbstüberwindung und Veredlung, das ist eine viel stärkere Macht als bloße Moral. So viel hat der Mensch von Manas oder Geistselbst, als er in seinen Astralleib hineingearbeitet hat. Dieses ist nicht etwas Äußerliches, es ist ein Umwandlungsprodukt dessen, was früher Empfindungsseele war.“

GA 94, S 239/240

„Nach der christlichen Terminologie entsprechen sich die Bezeichnungen:

 

Vater                           Sohn-Wort                             Geist, Heiliger Geist

Atman                         Buddhi                                   Manas

GA 94, S 243

„In der ersten Unterrasse hatte der Empfindungsleib oder Astralleib die allgemeine manasische Einfühlungsarbeit zu leisten. Unser heutiger physischer Leib umfaßt eine mannigfache komplizierte Summe von Organsystemen. In dem Zeitalter, in dem wir leben, umfaßt er das Knochen- und Muskelsystem. Die gesamten Sinnesapparate sind von den Kräften des physischen Leibes gebildet. Der Ätherleib bewirkt alles Vegetative, alle Organe, die der Ernährung, Verdauung, Fortpflanzung dienen. In diesen leiblichen Komplex baut der Astralleib das Nervensystem hinein. Alle unbewußten Bewegungen, alle Reflexe hängen von dem sympathischen Nervensystem ab, das sich symmetrisch zu beiden Seiten des Rückenmarks erstreckt. Den Teil, der sich in der Bauchhöhle ausbreitet, nennen wir den Solarplexus. In der lemurischen Zeit war das sympathische Nervensystem das eigentliche astralische Wahrnehmungsorgan. Es war damals von anderer Beschaffenheit und diente dem Hellsehen. Unter der Einwirkung der Empfindungsseele gliederte sich das Rückenmark ein, das dann unter dem Einfluß der Verstandesseele zum Gehirn wurde, indem sich die zwei Stränge des Rückenmarks an ihren Enden gleichsam aufplusterten und erweiterten. Das Vorderhirn bildete sich erst gegen Ende der atlantischen Epoche aus. Parallel mit dieser Entwickelung ging eine andere, nämlich die höhere Ausbildung der Atmung und Blutzirkulation, der Ernährungs- und Wachstumsvorgänge.“

GA 94, S 247

„Das Stärkste am Menschen war beim Anbruch der fünften Wurzelrasse der Empfindungsleib. So daß in der ersten Unterrasse, der indischen, Manas in den Empfindungsleib hineingesenkt wird. Die Führer dieser Epoche suchten das alte Hellsehen in sich wieder zu erwecken. Die höheren Verstandeskräfte, die noch nicht stark genug waren, wurden ausgeschaltet. So wurde mit Hilfe des sympathischen Nervensystems ein traumartiges Hellsehen ausgebildet. Manas senkte sich in das sympathische Nervensystem und damit in den Empfindungsleib. Auf diese Weise wird die ganze herrliche Traumwelt des alten Indiens begreiflich, das große und weite, aber dämmrige und dumpfe Erfassen des Brahman, das Außer-sich-Sein des alten Jogasystems.“

GA 94, S 247/248

„In der zweiten Unterrasse steigt das Manas höher hinauf, steigt in die Empfindungsseele. Die Urperser stellen uns dieses dar. Bei ihnen lebt das Geistselbst oder Manas in der Empfindungsseele. Der erste Ausdruck davon ist das Sich-Entgegentreten von Welt und Seele, von Welt und Ich. Das ist ausgedrückt in den Geistgestalten von Ormuzd und Ahriman. Der Mensch sucht den dadurch entstandenen Zwiespalt durch die Arbeit zu überwinden. Auch hier gibt es noch keine Verstandestätigkeit, kein rechnendes Vermögen, aber einen mächtigen Dualismus im Mythos.“

GA 94, S 248

„Die dritte Unterrasse lebt sich dar in den ägyptischen, assyrischen, israelitischen Völkern. Das Manas oder Geistselbst steigt bis in die Verstandesseele hinauf. Manas in ihr sucht nunmehr die Welt um sich herum verstandesmäßig zu begreifen. Oder mit anderen Worten: der Mensch trachtet Manas im Kosmos zu finden. Daraus ergeben sich die weisheitsvollen Systeme der chaldäischen Astrologie, die Kombinationen zwischen den ewigen Gesetzen, welche den Kosmos und die Menschenschicksale leiten und bewegen. Hinauf zu den Sternen blickt der chaldäische Priesterweise, und es entsteht jenes wunderbare Wissen von der Planetenbewegung. In besonderem Maße gilt aber das Walten von Manas bei dem einen Volke, dem auserwählten. Die Israeliten wenden das manasische Prinzip so an, daß das Volk selbst nach dem Verstande eingerichtet, als geschlossene Volksgemeinschaft geschaffen wird. Die Gesetzgebung des Moses, sie ist ein Abbild der Sternenweisheit der chaldäischen Priester.“

GA 94, S 248

„In der vierten Unterrasse dringt das Geistselbst hinauf bis in die Bewußtseinsseele bei der griechisch-lateinischen Rasse. Eben das ist das Erwachen des Bewußtseins, daß es sich selbst gleichsam am Schopfe packt. Das voll erwachte Bewußtsein legt nunmehr nicht nur seinen Verstand und sein Gemüt in die Welt, wie in Jehovas Gesetz, sondern in Hellas legt es sein ganzes Ich in seine Götter hinein, in reine Menschenbilder. Rom aber schafft sich sein idealisiertes Ich in seinem Staate wieder. Die griechischen Götter und der römische Staat sind also das Abbild dessen, was das Ich in sich hat und nun objektiv zu machen sucht.“

GA 94, S 248/249

„Die fünfte Unterrasse, das ist unsere anglo-germanische Rasse, die zum Ausdruck bringen soll das Geistselbst im Geistselbst, Manas in Manas. Das heißt, der Mensch wird begreifen lernen, was das Geistselbst eigentlich ist; der Mensch wird drinnen stehen in Manas. Manas wird endlich in sich selbst wirken. Heute begreifen nur wenige Menschen eigentlich das Manas. Das Denken mit dem Denken zu begreifen, das Denken im Denken zu erhaschen, die Ewigkeitsschlange fertig zu runden, das ist die Aufgabe der fünften Unterrasse. Das Denken ist das Organ, wo sich zunächst das menschliche Wesen wie an einem Zipfel ergreift. Dies im Menschen anzuregen, ist der Zweck des Buches «Die Philosophie der Freiheit».“

GA 94, S 249

„Die sechste Unterrasse ist die künftige. Das Geistselbst dringt bis in die Buddhi hinauf; da scheint in Manas, wie ein Licht von oben, die Buddhi in den Menschen herein. Zuerst aber ist die Buddhi noch eine Gabe von oben. Diesem Hereinleuchten der Buddhi entspricht der christliche Begriff der Gnade. Der Anfang des Einfließens geht bis in die vierte Unterrasse zurück. Diesen Zeitpunkt haben wir als den Anfang des Christentums zu bezeichnen. Und derjenige, der die Buddhi in die irdische Menschenwelt hereingebracht hat, ist der Christus Jesus. Und der Christus Jesus erschien als der Hereinbringer jener bisher völlig fremden Macht.“

GA 94, S 249

„Zusammenfassend sei gesagt: Was der Mensch sich während der fünf Rassen angeeignet hat, das ist Manas – Manas, das Geistselbst. Ihm kommt wie eine Gabe von oben die Buddhi entgegen, das entspricht der christlichen Grundidee der Gnade. Dieses also ist das Thema des Johannes-Evangeliums. Doch wie wurde dazu der Ansatz gemacht? Zwei Dinge müssen, mußten zusammenkommen, um die Buddhi wirklich wirkend werden zu lassen: erstens, die Menschen mußten als Träger der bisherigen Entwickelung nun ein aus Manas gebildetes Organ für Buddhi haben. Sie mußten durstig sein nach Buddhi, durstig, über den Verstand hinauszukommen. Gehirnentwickelung endet ohne Zusammenhang mit den höheren Gliedern immer in einer Sackgasse, sie kommt über manasische Entwickelung, über astrale Dinge nicht hinaus.“

GA 94, S 249/250

„Es gab solche Menschen, die aus dem Manas heraus der Buddhi ein hochentwickeltes Seelenorgan entgegenbrachten. Das muß so sein. Es mag noch so viel Licht scheinen, wenn kein Auge da ist, wird es nicht wahrgenommen. So ist es auch mit Buddhi. Es gab einen Namen für alle die Menschen, die ein solches Organ entwickelt hatten, die durstig waren nach der Buddhi, einen Gattungsnamen: Johannes. Er ist auch besonders anwendbar auf den Täufer. Christus und Buddhi ist dieselbe Strömung in geistiger Beziehung.“

GA 94, S 250

„Wir müssen nun auch das andere bedenken: Manas gestaltet auch den physischen Menschen um. Allmählich erstarkten die Organe, allmählich gliederte sich das erstarkende Rückenmark ein, und es bildeten sich immer neue Kraftzentren. Diesen geistigen Vorgängen mußten wie immer leibliche entsprechen. Die Aufgabe der fünften Hauptrasse war die Etablierung von Manas, dem entsprechend im Körper: die Bildung des Gehirns. Es steht bevor in der sechsten Hauptrasse: Etablierung von Buddhi; Vollendung des Herzens als eines völlig willkürlichen Muskels. In der siebenten Hauptrasse: Etablierung von Atman; Vollendung des Atmens.“

GA 94, S 250

„Wir sahen, wie das Herz und die Atmungsorgane sich bildeten. Im Zirkulationssystem ist mit dem Herzen vorgebildet die Buddhi-Entwickelung. Das Herz steht nämlich erst am Anfange seiner Entwickelung. Vor dem Herzen steht die Anatomie wie vor einem Rätsel, denn es macht in ihre Theorie ein Loch. Das Herz ist ein quergestreifter Muskel, wie alle willkürlichen Muskeln es sind, dabei ist das Herz aber ein unwillkürlicher Muskel. Damit verhält es sich nun so, daß es eben zu einem willkürlichen bestimmt ist, und zwar in der Zukunft, wenn Buddhi ausgebildet ist. Das Herz ist für die Zukunft organisiert, es wird dann ein überaus wichtiges Organ sein. Wie jetzt Manas im Menschen durch die Blutzirkulation genährt wird, so wird dann Manas im Herzen und vom Herzen aus wirken.“

GA 94, S 250

„Sie kennen die Stelle im Johannes-Evangelium: «Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben, die Gnade und Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden.» Betrachten Sie ferner, wie der Christus Jesus seine Sendung in Gegensatz bringt zu den Geschehnissen in der Wüste: «Eure Väter haben Manna gegessen in der Wüste und sind gestorben. Ich gebe euch ein anderes Brot, ich bin das Brot des Lebens.» Moses gab das Brot in der Wüste, Christus gibt das Brot des Lebens.

Erinnern wir uns noch einmal daran, wie die vier Glieder der menschlichen Wesenheit sich zu verschiedenen Zeiten herausbildeten. Das Ich tritt als Bewußtsein erst gegen Ende der atlantischen Zeit auf. Erst in unserer fünften Wurzelrasse treten auf die manasischen Fähigkeiten, und zwar tritt Manas in der urindischen Epoche innerlich im Empfindungsleib auf. In einer höheren Form tritt Manas bei den Urpersern in die Empfindungsseele. Bei den Chaldäern und Ägyptern tritt Manas in die Verstandes- oder Gemütsseele.

Machen wir uns klar, was das heißt. Anders als die heutigen Astronomen betrachteten die chaldäisch-babylonischen Priesterweisen die Sterne. Sie sahen in ihnen lebendige, geistbeseelte Welten. Wenn sie vom Planeten Merkur sprachen, so meinten sie damit nicht bloß ein Materielles, sondern den Merkurgeist – so wie wir das tun, wenn wir einen Menschen mit Namen benennen. Die Bewegung der Sterne, ihre Sternenschrift war ihnen der Ausdruck von etwas Geistigem. Das ist manasische Erkenntnis, ein Durchdringen des Weltenraumes mit Gedanken.

Was ihre chaldäischen Vorgänger auf himmlische Zusammenhänge beschränkten, das zogen die ägyptischen Weisen in den Dienst mehr und mehr irdisch werdender Angelegenheiten und animalischer Bedürfnisse; sie stellten die manasische Wesenheit in den Dienst der Materie.

Beachten Sie das wohl. Ein Beispiel dafür ist die Anlage des Mörissees. Die Ägypter legten damit ein Reservoir zur Regulierung der Nilflut an. Die Bebauung ganz Ägyptens erfolgte nach manasischer Kenntnis. Manasisch, das ist: rein geistig. Manasische Wesenheiten wurden in den Dienst höchster menschlicher Bedürfnisse gestellt. Eben das ist der Charakter der Verstandesseele, daß sie die manasische Weisheit benützt und damit äußere Bedürfnisse und Wünsche zu befriedigen sucht.

Heute ist diese Entwickelung, die ägyptische Finsternis, die Manasverfinsterung, noch viel weiter gediehen. Aber ist es so entscheidend, ob der Mensch sein Getreide zwischen zwei Steinen mahlt oder ob er es per Kabel in New York bestellt? Kama Manas nennt man in der Theosophie eine solche Verbindung höheren Bewußtseins mit tierischen, irdischen, materiellen Zwecken. Die alten Religionen hätten auf die Errungenschaften all unserer Technik, unseres Verkehrs und Handels mit sehr gemischten Gefühlen herabgeblickt. Eine Verunreinigung heiliger Dinge sahen sie darin, wenn der Mensch sein höheres Geistesvermögen in den Dienst der niederen Naturbedürfnisse stellte. Schlimmer war dies, als wenn das Tier seinen Instinkt, der ja zu nichts Besserem taugt, zur Befriedigung seiner Bedürfnisse benutzt. Es wurde empfunden als ein Abfall, ein Mißbrauch des zu höheren Aufgaben berufenen Manas, ein Abfall des Geistes von sich selbst. Dieser Abfall drückt sich in einer merkwürdigen Benennung aus : Ägypten. Hiermit ist nicht nur das Land gemeint, sondern die Bezeichnung ist das Symbol für solchen Abfall; denn in Ägypten geschah es zuerst im großen Stile. Das Wort Ägypten ist also nicht nur als die Bezeichnung des Landes hier gemeint, sondern des bestimmten seelischen Zustandes, der Manasblendung, wo die höhere Natur in den Dienst der niederen gestellt wird. Das soll keine Kritik sein, sondern eine Schilderung von Tatsachen der geistesgeschichtlichen Evolution.

Dieses Stadium mußte durchschritten werden, Manas mußte in drei Unterrassen untertauchen in niedere Kräfte, um dann aufzuerstehen aus seiner eigenen Natur. Innerhalb Ägyptens erwuchs aber auch das Volk, das berufen war, Manas sozusagen rein zu machen, zu einem höheren Bewußtsein zu erheben. Das israelitische Volk wurde zum Träger der Aufgabe berufen, Manas aus dem eigenen Volk herauszuarbeiten. Und der große Missionar dafür ist Moses. Die Israeliten sind nach Ägypten verpflanzt worden, wo sie die Anregung für Manas empfingen. Der Auszug aus Ägypten ist zugleich der Auszug von Manas in die höhere Wirklichkeit.“

GA 94, S 263-265

„Um dies zu erreichen, mußte etwas geschehen, was umgestaltend auf das Ich einwirkt. Moses wird zunächst der Gesetzgeber Israels. Die Zehn Gebote mußten damit beginnen, daß auf das bewußte Ich hingearbeitet wird. Gott muß sich ankündigen als der Ausdruck des Ich im Menschen.

Im dritten Kapitel des zweiten Buches Mose wird erzählt, wie Moses, als er die Schafe Jethros hütet, einen brennenden Dornbusch erblickt, aus dem die Stimme Jahves ertönt: «Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.» Das ist die Geburt des Manas im Selbstbewußtsein. Moses spricht zu Gott: «Wer bin ich, daß ich zu Pharao hingehe und führe die Kinder Israel aus Ägypten?» Gott erwidert ihm: «Ich will mit dir sein. Und das soll dir das Zeichen sein, daß Ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus Ägypten geführet hast, werdet ihr Gott opfern auf diesem Berge.» Moses fragt weiter: «Wenn ich zu den Kindern Israel komme und spreche zu ihnen : Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt, und sie sagen werden: Wie heißt sein Name? was soll ich ihnen sagen?» Und Gott erwidert ihm: «Ich bin der Ich-Bin. Also sollst du den Kindern Israel sagen: Ich-Bin hat mich zu euch gesandt.» Das ist die Geburt des klaren Selbstbewußtseins, das früher dumpf war.

Jetzt wird es sich darum handeln, den Gott in seiner Geistigkeit zu begreifen; den Gott, der sich im Inneren ankündigt, auch wirklich heilig zu halten. Das Gesetz gilt nämlich schon etwas Höherem. Der Gott Jehova spricht zu dem Volke: «Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.» Das Volk machte sich aber doch ein Bild und betete das goldene Kalb an, obwohl ihm geboten war, sich kein Bild zu machen, und keinen Namensmißbrauch zu treiben. Gott wollte aber der bildlose Gott, der gestaltlos ist, für sie sein.“

GA 94, S 265/266

„Wollen wir diesen ganzen Vorgang noch genauer begreifen, so muß jetzt auf ein anderes hingewiesen werden. Das Ich hat nämlich eine lange Entwickelungsgeschichte in der Menschheit. Damit das Ich entstehen konnte, mußte der sich ihm entgegen entwickelnde Menschenkörper sich in vieler Hinsicht umbilden.“

GA 94, S 266

„Bei den alten Atlantiern war noch ein Teil des Ätherkopfes außerhalb des physischen Kopfes. Diesem Teil entspricht unser Vorderhirn. Der Kopf mußte dem ätherischen Leib entgegenwachsen, er mußte der Geistigkeit entgegenreifen. Das war die Voraussetzung für die Einkehr des Selbstbewußtseins. Die Selbständigkeit bildete sich in dem Moment der physischen Evolution heraus, als sich im Menschen zuerst ein Knochensystem ablagerte. Die Standfestigkeit, welche der Mensch damit erhalten hat, hängt mit seiner Anlage zur Geistigkeit zusammen. Und wenn wir auf die Zukunft des Menschen schauen, wird es uns um so klarer, wie wichtig die Bildung dieses Knochensystems war. Wie wird sich das Menschengeschlecht umgestalten – in seinem Leibe, nicht in seiner Seele? Immer mehr wird es sich verfestigen. Ähnlich wie die Auster ihre Schale beherrscht, wird der Mensch seinen Leib, sein Werkzeug, von außen beherrschen. Um das zu verstehen, brauchen Sie nur vom Zustand des Schlafes auszugehen, in dem die Seele von außen den physischen Organismus beherrscht. In zukünftigen Zeiten wird die Seele bewußt den Körper als ihr Instrument von außen beherrschen. Die Knochenbildung ist daher die Anlage zu etwas Großem, Herrlichem. Daher die alten Religionsvorschriften : Bewahret euer Knochensystem. Zerbrecht eure Knochen nicht. – Den symbolischen Ausdruck dafür gab das in Ägypten eingesetzte Opfer zur Erinnerung an die dort erfolgte Rettung bei der Erwürgung der ägyptischen Erstgeburt. Zum äußeren Zeichen soll ein Lamm genossen werden, und bezeichnend sind daher die Worte : «Und sollt kein Bein an ihm zerbrechen!» So wird an der Stelle, wo die Befreiung durch Manas einsetzt, diese Wichtigkeit der Knochenbildung nachdrücklich angedeutet in der Ritualvorschrift für das Passahlamm. – Und bei dem großen Lamm, dem Repräsentanten der Menschheit, bei dem Christus Jesus wurden, was sonst bei allen Gekreuzigten üblich war, die Beine nicht gebrochen. «…daß die Schrift erfüllet würde: <Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen>.»“

GA 94, S 266/267

„Die Juden wurden also aus Ägypten herausgeführt. Sehen wir, ob unsere Auffassung in der Bibel des genaueren bestätigt wird. Jawohl, wörtlich! Das ist eine der großen Errungenschaften der Geisteswissenschaft, die Angaben der religiösen Urkunden über alte symbolische Handlungen in ihrer Wörtlichkeit lesen zu können. Das Volk Israel zieht in die Wüste. Was ist die Wüste? Wenn das Ich in sich selbst sich versenkt, um den Gott in sich zu suchen, dann muß es in die Wüste, in die Einsamkeit, und diese Wüste muß der Mensch nach Erwachen des Manas in sich selbst dann wieder beleben. Als die Kinder Israel murrten, weil sie dem Hungertode nahe waren, verhieß ihnen der Herr, daß sie am anderen Morgen Brot die Fülle haben sollten. Am anderen Morgen «lag‘ s in der Wüste rund und klein wie der Reif auf dem Lande». Da fragten die Israeliten einander: «Man hu – was ist das ?» Das ist die Frage, die sich der Mensch vorlegt, wenn er etwas erkennen soll. Sie nannten die Speise, die vom Himmel kam, Manna. Es ist das gleiche Wort wie Manas. Gewiß werden die Philologen manches gegen diese Erklärung einwenden, aber es verhält sich doch so. Die Aufgabe des jüdischen Volkes war es, reines Manas in die Zukunft hinüberzutragen.“

GA 94, S 267/268

„Die ganze Art und Weise des Lebens war beim Frühlemurier anders als bei dem der späteren Zeit. Aus seinem Ätherleib sonderten sich fortwährend Teile heraus, und neue Äthersubstanz zog hinein: Erneuerung und Ausscheidung fand statt. Es fanden auch fortwährende intensive Veränderungen darin statt, entsprechend der höheren Feinheit des Ätherleibes; fortwährend geschah dieses ohne den schroffen Wechsel von Geburt und Tod. Es gab also nicht Geburt und Tod, nur eine Transformation trat ein. Das Sterben und Geborenwerden konnte erst stattfinden nach dem Einzug des Ätherleibes in die Materie.

Geburt und Tod ist, genau gesprochen, Änderung eines Bewußtseinszustandes. Tod kann und muß auch nur da eintreten, wo eine Seele in einem ihr eigentlich fremden Leibe wohnt und fremde Organe benützt. Der frühere Lebensinhalt der Seele löst sich dann auf, wenn der physische Leib abgelegt wird. Zwei ganz verschiedenen Gesetzen und Welten unterliegen diese beiden Leiber, gehört doch der Leib der Erde, die Seele dem Astralen an. Der obere Geistesmensch, der in dem Leibe wohnt, erhält diesen bei seinem Eintritt in die Welt, und die Erde nimmt ihn ihm wieder weg. Es ist, wie wenn ich im Erdenland zur Miete wohne : das Mietshaus untersteht den Eigentumsvorschriften und Gesetzen – so der Erdenleib. Durch ihn kann der Mensch nach außen schauen. Dieses Schauen nach außen ist Erkenntnisbedingung; darum ist Geburt und Tod mit dem Aufkommen der Erkenntnis unzertrennlich. Die Bibel besagt das mit den Worten: «Eure Augen werden aufgetan, und ihr werdet wissen, was gut und böse ist.»

So ist denn seit Lemurien Manas vorbereitet worden, entgegenorganisiert worden dem, was sich in den unteren Reichen ausbildete. Durch die Sinne zieht Manas ein in den physischen Leib; durch Manas ist der Tod bedingt, ohne Manas gäbe es keinen Tod. Das ist die Stelle, die im Johannes-Evangelium lautet: «Eure Väter haben Manna gegessen und sind gestorben.» Am Brote des Lebens kann man nicht sterben. Christus ist es, der wieder die Ätherentwickelung bringt. Der Christus-Impuls ist das Eindringen der Buddhi.

Manas ist also ein Durchgangspunkt, der stattfand, als in Lemurien der Ätherleib in den physischen Leib fuhr. Buddhi wird durch Christus in den Ätherleib, aber von innen hineingebracht. Dieses Prinzip des Von-innen-heraus-Belebens bringt das Christentum. «Ich bin das Brot des Lebens.» Solange in der Welt geherrscht hat die Gebundenheit an den physischen Leib, das Prinzip der Vererbung, hat der Mensch keine Möglichkeit, über den Tod hinauszublicken. Das geschieht aber in dem Augenblick, wo sein Lebensleib, sein Ätherleib von innen heraus durch Buddhi belebt werden kann, wo Manas die Buddhi aufnimmt. Moses ist also der Sendbote für Manas, Christus der Bringer der Buddhi. Der Eingeweihte kann auf dieser Stufe außerhalb seines Leibes sein.“

GA 94, S 269/270

„Nun fragen wir uns noch eines : Ein Volk wird zum Träger der Manasentwickelung gemacht, das ganze Volksbewußtsein wird verdichtet in dem einen Eingeweihten. Als das jüdische Volk nahe daran war, seine Mission zu verscherzen, sagte der Herr: Ich werde sie vertilgen, dich aber, Moses, will ich zu einem großen Volke machen. – Diese Stelle ist wörtlich zu nehmen, es ist eine höhere Einweihung des Moses. Damit wird dem Moses seine Sendung so übertragen, daß er zum Eingeweihten mit einem Volksbewußtsein gemacht wird.“

GA 94, S 270

„Ein weiterer tief bedeutungsvoller Umstand ist die Rolle, die das Blut in dem Manasprozeß spielt, denn im Blut muß sich der obere Vorgang natürlich abspiegeln. Moses nimmt das Opferblut und sprengt es über das Volk. Dies ist das Zeichen für die Wahrheit des Bundes durch die Blutsverwandtschaft. Wenn Manas das Blut auf genommen hat und die Buddhi auch, dann verstehen wir die Stelle, die im Johannes-Evangelium lautet: «Wer mein Fleisch isset und mein Blut trinket, der bleibet in mir und Ich in ihm.» Will Christus auf die Menschheit wirken können, so muß er durch sein Blut einen Bund mit ihr schließen. Es mußte der Mensch, wenn Christus die Buddhi ihm einpflanzen soll, Christi Blut im Abendmahl empfangen.“

GA 94, S 270

„Erinnern Sie sich an eine Stelle unserer geisteswissenschaftlichen Erkenntnis, die Sie zum Beispiel in meiner «Theosophie» finden. Da werden Sie sehen: Es ist zunächst die Rede von dem physischen Leib, Ätherleib, Astralleib, dann: Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele, Bewußtseinsseele, und schließlich die einzelnen Verbindungen mit dem Geistselbst. Da sind verschiedene Auseinandersetzungen darüber, wie sich das Geistselbst in die Bewußtseinsseele hineinarbeitet. Das ist aber genau auch die Stelle, die man ins Auge fassen muß, wenn man in das Verweilen des Christus in dem Menschen Jesus hineinschauen will, wenn man das verstehen will. Das ist die Voraussetzung, daß man weiß, wie in der allgemeinen Menschheit das Geistselbst in die Bewußtseinsseele hineinkommt; das ist Voraussetzung, wie man verstehen kann, wie die Christus-Natur als ein besonderes kosmisches Geistselbst in die Bewußtseinsseelennatur des Jesus von Nazareth hineinkam. Nur ein Surrogat für dies fand Tertullian, und man kann das, was er sich als einen Begriff ausbildete, so fassen, wie wenn man heute sagte: Es findet keine Vermischung statt – nach Tertullian – zwischen dem Christus, entsprechend dem Geistselbst, und dem Jesus, entsprechend der Bewußtseinsseele und allem, was an niederen Wesensgliedern dazugehört, keine Vermischung, sondern nur eine Verbindung. Und solche Verbindung wird die Menschheit auch nur dann kennenlernen, wenn das Geistselbst einmal ordnungsgemäß sein wird. Jetzt leben wir im Zeitalter der Bewußtseinsseele. Jeder Mensch wird etwas viel Loseres im Zusammenhang haben, wenn das Geistselbst im sechsten nachatlantischen Zeitraum regelmäßig entwickelt sein wird. Da werden die Menschen auch besser verstehen, wie anders zum Beispiel die Christus-Natur an die Jesus-Natur gebunden war, als, sagen wir, die Bewußtseinsseele an die Verstandesseele. Die Bewußtseinsseele ist mit der Verstandesseele selbstverständlich innerlich immer vermischt. Aber das Geistselbst ist mit der Bewußtseinsseele verbunden, nicht vermischt. Und diesen Begriff bildete sich Tertullian wirklich aus. Er sagt: Nicht vermischt ist der Christus mit dem Jesus, sondern verbunden. So stellte sich ihm der eine Gottmensch hin, der Christus Jesus, um an ihm sich noch einmal im Zeitalter, in dem dies alte begriffliche Hellsehen nicht mehr da war, zu veranschaulichen, wie das Göttliche und das Physisch-Seelische in der Menschennatur miteinander verbunden war. Der Christus tritt gleichsam vor diesen Tertullian wieder Repräsentant der allgemeinen Menschheit hin. An dem Christus studierte er die Konstitution des Menschen, um den Christus Jesus zu verstehen. Der Christus trat in den Mittelpunkt seines ganzen Denkens, das jetzt nicht mehr auf die eine menschliche Natur anwendbar war. Und dadurch, daß Tertullian sich klargemacht hat: Nicht vermischt ist der Christus mit dem Jesus, sondern verbunden – er konnte nicht sagen, wie wir sagen würden: wie das Geistselbst mit der Bewußtseinsseele -, aber er sagte: nicht vermischt, sondern verbunden -, dadurch trat für ihn hervor, daß er sich sagte: Alles dasjenige, womit sich der Christus verbunden hat, das kommt auch aus dem Geiste der Welt heraus; das ist das Vaterprinzip in der Welt. – Das Vaterprinzip wurde für Tertullian dasjenige, was sozusagen zu der irdischen Erscheinung des Jesus gehörte. Da liegt das Vaterprinzip, das schöpferische Prinzip, in der Natur, dasjenige, was alles hervorbringt in der Natur. Mit dem vereinigte sich das Christus-Prinzip, das Sohnesprinzip. So wurde es für Tertullian, und durch den Vater und den Sohn, durch Läuterung des Äußeren, Natürlichen, durch den Christus, entsteht nun wiederum der Geist, den er den Heiligen Geist nennt.“

GA 165, S 212/213

„Eine Sache ist nun von ganz besonderer Gewichtigkeit: Wenn heute die Welt den Blick nach dem Osten richtet, nach dem, was da eigentlich lebt im europäischen Osten, dann sieht die europäische Welt, die mitteleuropäische Welt, dann sieht Amerika diese Welt des europäischen Ostens gerade so, wie einer Gewichte sieht, die aus Papiermache sind: sie sieht nicht das, was an geistiger Schwere eigentlich darin liegt. Ja, es ist durchaus so, daß die Menschen, die im europäischen Osten selber leben, auch nicht eine rechte Ahnung haben von dem, was geistig in diesem europäischen Osten lebt. Geradeso wie man Luther kennen kann, der als Mensch in seinem Inneren der vierten nachatlantischen Zeit angehört, aber hereingestellt ist in den Ausgangspunkt der fünften nachatlantischen Zeit, so muß die Welt kennenlernen, wie die Geistigkeit dieses europäischen Ostens sich eigentlich verhält, weil das der Art entspricht, wie man sich betätigen muß in der fünften nachatlantischen Zeit. Nehmen Sie alles das, was in den verschiedenen Vorträgen und Vortragszyklen über diesen europäischen Osten gesagt worden ist, wie sich da das Geistselbst heraufarbeitet, wie es sich verbinden muß mit der Bewußtseinsseele des Westens, und nehmen Sie dazu, daß sich da vorbereiten die Impulse für den sechsten nachatlantischen Zeitraum, dann haben Sie dasjenige, was dem europäischen Osten als Gewicht gebend entspricht. Und nehmen Sie dagegen alles das, was an noch so geistvollen Schilderungen Ihnen die Leute heute sagen, dann haben Sie jene Gewichte, die ebensogut aus Papiermache gemacht werden können. Aber handeln kann man nicht mit dem, was in der Maja, in der Täuschungvorhanden ist; handeln kann man nur mit dem, was in der Wirklichkeit vorhanden ist. Sie würden sich selbstverständlich bedanken, wenn Ihnen der Kaufmann statt wirklicher Gewichte, Gewichte aus Papiermache auf die Waage legte. Da verlangen Sie schon, daß das nicht nur so aussieht, sondern daß es ein wirkliches Gewicht hat. Alle politischen Grundsätze, alle politischen Impulse, über die im Zusammenhang mit Rußland geredet wird, werden nichts sein, werden Nullitäten sein, wenn sie nicht aus dem Bewußtsein heraus kommen, das sich durch die Erkenntnis der geistigen Gewichtigkeit ergibt. Was die Leute heute reden, kommt einem wirklich so vor, wie wenn sie auf die Waage der Weltgeschichte Gewichte aus Papiermache legen würden. Weil Bewußtsein sich entwickeln muß, muß Täuschung in einer gewissen Periode herrschen. Dann aber, wenn das Bewußtsein sich entwickelt hat, dann darf es nicht durch Schlendrian und Bequemlichkeit weiter angewendet werden in der alten Weise, sondern dann muß es sich auf die Wirklichkeit richten, nicht bloß auf die äußere Täuschung. Ein Übergang wird stattfinden müssen von Anschauungen, welche die Menschheit liebt, weil sie ihr heute bequem sind, zu Anschauungen, die eine viel größere Lebendigkeit der Begriffe haben, die nur unbequemer sind, weil sie auch aufrütteln. Es läßt sich nicht so bequem leben mit den Anschauungen der Zukunft wie mit den bisherigen Anschauungen. Warum denn nicht? Das möchte ich Ihnen durch einen Vergleich sagen, der Sie wiederum wahrscheinlich frappieren wird. Aber ich will nicht davor zurückschrecken, auch solche Dinge zu sagen, ganz gleichgültig, was der eine oder der andere über die entsprechenden Wahrheiten empfindet.“

GA 177, S 116-118

„Betrachten wir jetzt wieder den heutigen Menschen, der einen physischen Leib, einen Ätherleib, einen astralischen Leib und ein Ich hat. Wenn das Ich nun hineinarbeitet in den astralischen Leib und ihn immer mehr läutert in intellektueller, moralischer und geistiger Beziehung, dann wird aus diesem Astralleib Geistselbst oder Manas. Wenn in ferner Zukunft das vollendet sein wird, was heute kaum begonnen hat, wenn der Mensch seinen ganzen astralischen Leib umgewandelt haben wird, dann wird dieser astralische Leib «physisch» leuchtend sein. So wie die Pflanze schon den Keim zu neuem Leben in sich trägt, so enthält der astralische Leib schon den Keim eines Lichtes, das dereinst hinausstrahlen wird in den Weltenraum, wenn der Mensch seinen Astralleib immer mehr und mehr gereinigt und geläutert haben wird. Unsere Erde wird sich in andere Planeten verwandeln. Heute ist sie dunkel. Wer sie von außen beobachten könnte, würde sehen, daß sie nur durch das zurückgeworfene Licht der Sonne hell erscheint. Aber einst wird sie selbst leuchtend sein, leuchtend durch die Menschen, die dann ihren ganzen Astralleib umgewandelt haben werden. Die Summe aller Astralleiber wird hinausstrahlen als Licht in den Weltenraum.“

GA 101, S 148

„Fünf ist die Zahl des Bösen. Das können wir uns am besten klarmachen, wenn wir wieder den Menschen betrachten. Der Mensch hat sich zu einer Vierheit entwickelt, zu einem Wesen der Schöpfung, aber auf der Erde tritt zu ihm das fünfte Glied, das Geistselbst. Wäre der Mensch nur eine Vierheit geblieben, dann würde er immer von oben, von den Göttern, zum Guten dirigiert worden sein; zur Selbständigkeit hätte er sich niemals entwickelt. Er ist dadurch frei geworden, daß er auf der Erde die Keimanlage zu dem fünften Glied, dem Geistselbst, bekommen hat. Dadurch hat er die Möglichkeit erhalten, das Böse zu tun, dadurch aber ist er auch selbständig geworden. Kein Wesen, das nicht in der Fünfheit auftritt, kann das Böse tun, und überall, wo uns ein Böses begegnet, das tatsächlich aus sich selbst verderblich wirken kann, da ist eine Fünfheit im Spiele. Das ist überall, auch draußen in der Welt, der Fall. Der Mensch beobachtet das nur nicht, und die heutige materialistische Weltanschauung hat keinen Begriff davon, daß man die Welt in dieser Weise betrachten kann. An einem Beispiel können wir sehen, wie überall da, wo die Fünf uns entgegentritt, die Berechtigung sich ergibt, von einem Bösen in irgendeinem Sinne zu reden. Wie segensreich würde es sich auswirken, wenn die Medizin sich dies einmal zunutze machen und den Verlauf von Krankheiten danach studieren würde, wie sich eine Krankheit vom Ausbruch an bis zum fünften Tage entwickelt, oder wie an den einzelnen Tagen in der fünften Stunde nach Mitternacht oder in der fünften Woche. Denn immer beherrscht die Zahl Fünf dasjenige, wo der Arzt am fruchtbarsten eingreifen kann. Vorher kann er nicht viel anderes tun, als die Natur ihren Lauf gehen lassen; aber da kann er helfend eingreifen, wenn er das Gesetz der Zahl Fünf beachtet, weil da das Prinzip der Zahl Fünf in die Tatsachenwelt einfließt, das mit Berechtigung schädigend oder böse genannt werden kann. So können wir auf vielen Gebieten zeigen, wie die Zahl Fünf eine große Bedeutung für das äußere Geschehen hat.“

GA 101, S 177/178

„Das wollen wir auf der einen Seite festhalten. Auf der anderen Seite wollen wir jetzt einmal die Glieder der menschlichen Natur selber näher betrachten. Es ist Ihnen ja hinlänglich bekannt, da es immer wieder und wieder gesagt wurde, daß der Mensch zunächst vier Glieder seiner Wesenheit hat: den physischen Leib, den Äther- oder Lebensleib, den Astralleib und das Ich. Und dieses Ich, wenn wir es genauer betrachten, erscheint uns wiederum gegliedert in drei Teile, die wir kennen unter den Namen: Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele. In der Empfindungsseele und in der Verstandes- oder Gemütsseele dämmert erst das selbständige Ich auf, und erst in der Bewußtseinsseele haben wir die erste Ankündigung des selbstbewußten Ich. Da erst scheint auch allmählich das in den Menschen hinein, was man den fünften Teil seiner Wesenheit, das Geistselbst oder Manas nennt. Wir haben also beim heutigen Menschen folgende Gliederung: Den physischen Leib, den Äther- oder Lebensleib, den Astralleib; dann mit dem Astralleib innig verbunden die Empfindungsseele, die wie eingebettet ist in ihm; dann die Verstandesseele und die Bewußtseinsseele; und wiederum in der Bewußtseinsseele, die die eigentliche Ich-Seele ist, eingegliedert das Geistselbst oder Manas. So etwa würden wir uns den heutigen Menschen vorzustellen haben.“

GA 101, S 210

„Das Ich arbeitet am Astralleib und gliedert einen Teil aus ihm heraus. Dieser Teil wird im Laufe der menschlichen Entwickelung immer größer, während der ererbte Teil immer kleiner wird. In einem Franz von Assisi ist der gesamte Astralleib vom Ich aus durchgearbeitet und umgewandelt worden. Dieser vom Ich umgewandelte Astralleib bildet das fünfte Glied der menschlichen Natur: das Geistselbst oder Manas.“

GA 100, S 206

„In der Mondperiode verdichtet sich die Stofflichkeit zum Flüssigen, und der dichteste Stoff könnte in bezug auf seine Konsistenz mit dem Wachs verglichen werden. Auch der Mensch entwickelte sich weiter, und es bildet sich einerseits der Astralleib aus, andererseits, von der geistigen Seite, das Geistselbst oder Manas. Der damalige Mensch besaß aber noch kein Ich; er war dem jetzigen Tiere zu vergleichen, nur im Aussehen von ihm verschieden.“

GA 100, S 210

„Zum Verständnis des folgenden ist es notwendig, sich die Zusammensetzung des Menschen noch einmal zu vergegenwärtigen:

 

Ich

Astralleib                                            Geistselbst

Ätherleib                                            Lebensgeist

Physischer Leib                                  Geistesmensch

 

Durch die Arbeit des Ich am Astralkörper wird derselbe zum Geistselbst umgewandelt. Dies geschieht aber stufenweise, indem sich zuerst die Empfindungsseele, dann die Verstandesseele, dann die Bewußtseinsseele herausbildet. In die gereifte, geläuterte Bewußtseinsseele ergießt sich das Geistselbst. Ebenso arbeitet das Ich am Ätherleib, und die Impulse, welche dort am meisten Wirksamkeit haben, sind diejenigen der Kunst, der Religion und der Geheimschulung.“

GA 100, S 223

„Durch die Erscheinung des Christus Jesus tritt etwas ganz Neues auf in bezug auf die Einweihungsart. Denken Sie sich, der Mensch hätte den ganzen Astralleib umgewandelt in Geistselbst. Dann drückt sich dieses Geistselbst dem Ätherleib ein wie ein Siegel im Siegellack und gibt ihm sein Gepräge. Hierdurch wird der Ätherleib zum Lebensgeist umgewandelt. Wenn dies vollständig geschehen ist, drückt sich der Lebensgeist dem physischen Körper ein und macht ihn zum Geistesmenschen. Erst durch die Erscheinung des Christus Jesus wurde es möglich, das, was Lebensgeist war, direkt einzudrücken in den Lebensleib. Die Erfahrungen, die in den höheren Welten gemacht wurden, konnten jetzt dem physischen Gehirn einverleibt werden, ohne daß eine vorherige Abtrennung des Ätherleibes notwendig wurde. Der erste, der einen Ätherleib besaß, der ganz durchsetzt war vom Geistselbst, und einen physischen Leib, der ganz durchsetzt war vom Lebensgeist, war der Christus Jesus. Dadurch, daß der Christus Jesus auf die Erde gekommen war, ist es für die, welche mit ihm verbunden sind, möglich geworden, dieselbe Initiation durchzumachen, ohne den Ätherleib vom physischen Leib zu trennen. Also alle vorchristlichen Eingeweihten hatten die Erfahrungen der Einweihung außerhalb des physischen Leibes gemacht, waren wieder in den physischen Leib hineingestiegen und konnten nun als eigenes Erlebnis verkündigen, was in der geistigen Welt vorgegangen war.“

GA 100, S 224

„Der Mensch ist zusammengesetzt aus:

 

Vater                           7. Geistesmensch

Sohn                           6. Lebensgeist,                                   ferne Zukunft

umgewandelter Ätherleib

Heiliger Geist             5. Geistselbst, Bewußtseinsseele       Jungfrau Sophia, gereinigte Bewußtseinsseele

  1. Verstandesseele, Astralseele Maria, Kleophas Weib
  2. Empfindungsseele, Maria Magdalena

Empfindungsleib

  1. Ätherleib
  2. Physischer Leib

 

GA 100, S 227

„Der Geistesmensch wird sich erst in ferner Zukunft entwickeln. Der Lebensgeist ist ebenfalls bei den meisten Menschen erst in der Keimanlage vorhanden. Die Entwickelung des Geistselbst hat gegenwärtig begonnen. Es ist in unzertrennlicher Verbindung mit der Bewußtseinsseele, ähnlich wie ein Schwert in der Scheide. Die Empfindungsseele steckt wiederum im Empfindungsleib oder Astralleib. So finden wir in der menschlichen Persönlichkeit neun Glieder. Weil aber Geistselbst und Bewußtseinsseele sowie Empfindungsseele und Astralleib in unzertrennlicher Verbindung stehen, spricht man in der theosophischen Literatur gewöhnlich von sieben Gliedern. Geistselbst ist gleichbedeutend mit dem Heiligen Geist, der im Sinne der Christen die leitende Wesenheit auf dem astralen Plan ist. Der Lebensgeist wird von den Christen das «Wort» oder der «Sohn» genannt. Geistesmensch ist der «Vatergeist» oder der «Vater».

GA 100, S 227/228

„Diejenigen, welche in sich das Geistselbst geboren hatten, wurden «Gottes Kinder» genannt; bei ihnen «schien das Licht in die Finsternis» und «sie nahmen das Licht auf». Äußerlich waren sie Menschen von Fleisch und Blut, aber in sich trugen sie einen höheren Menschen. In ihrem Inneren war aus der Bewußtseinsseele das Geistselbst geboren worden. Die «Mutter» eines solchen vergeistigten Menschen ist nicht eine leibliche Mutter; sie liegt in seinem Inneren; es ist die geläuterte und vergeistigte Bewußtseinsseele. Sie ist das Prinzip, aus dem der höhere Mensch geboren wird. Diese geistige Geburt, eine Geburt im höchsten Sinne, wird im Johannes-Evangelium dargestellt. In die geläuterte Bewußtseinsseele ergießt sich das Geistselbst oder der Heilige Geist. Hierauf hat auch der Ausdruck Bezug: «Ich sah, daß der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm.»“

GA 100, S 228

„In der persischen Kultur kommt der Astralleib zur Entwickelung. In der ägyptisch-assyrisch-chaldäisch-babylonischen Kultur kommt im Astralleib die Empfindungsseele zur Entwickelung. In der griechisch-lateinischen Kultur wird die Verstandesseele zur Entwickelung gebracht. Unsere eigene Kultur bringt die Bewußtseinsseele zur Entwickelung. Im sechsten Zeitraum wird das Geistselbst sich entwickeln, das heute erst in der Keimanlage vorhanden ist. Es braucht die gewaltige Antriebskraft des Christus-Geistes, um diese Keimanlage zur Entwickelung zu bringen. Das wahre Christentum wird erst dann erblühen, wenn das Geistselbst entwickelt ist. Dann bereitet sich die Menschheit vor, die Buddhi, den Lebensgeist in sich aufzunehmen. Anfänglich wird nur eine kleine Schar von Menschen diese Kraft in sich entfalten, sie wird aber zu einem wunderbaren spirituellen Leben gelangen. Das Christentum steht heute erst am Anfange seiner Entwickelung. Die, welche sich heute vorbereiten auf die Ausbildung des Geistselbstes in ihrem Inneren, werden im nächsten Zeitraum dieses tiefere, geistige Christentum der Menschheit immer mehr zugänglich machen.“

GA 100, S 238

„Dies ist dadurch ausgedrückt, daß Christus zu der Samariterin geht – Samariter hatten ja keine Gemeinschaft mit den Juden. Was der Mensch in sich hat, was seine Entwickelung möglich macht, ist etwas Weibliches, Passives, gegenüber dem Geiste, der das Befruchtende, das männliche, aktive Prinzip darstellt. Die Folge dieser ständigen Einwirkung des männlichen auf das weibliche Prinzip ist zunächst die Entfaltung des Ätherleibes, dann des Astralleibes, der Empfindungsseele, der Verstandesseele und der Bewußtseinsseele. In der letzteren gestaltet sich dann das Geistselbst. Dies ist im Gespräch des Christus mit der Samariterin (Kap. 4, 18) angedeutet mit den Worten: «Fünf Männer hast du gehabt, und den du jetzt hast, der ist nicht dein Mann.» Die fünf Männer, die das Weib gehabt hat, sind die fünf geistigen Leiber, die auf den physischen einwirkten, und der sechste, das Geistselbst, ist nicht mehr im alten Sinne der Mann. Die fünf andern sind niedere, vergängliche Stufen der Entwickelung, während der sechste, das Geistselbst, das Göttliche, Ewige darstellt. So sehen wir auch im Gespräch mit der Samariterin eine Verkündigung der kommenden Zeit durch den Christus Jesus.“

GA 100, S 241

„Während die fünf Leiber der Läuterung von außen bedürfen, wird das Geistselbst den Menschen selbst reinhalten. Der Leib Christi ist bereits erfüllt von Reinheit. Er will auch die Menschheit reinigen und tritt daher hin und reinigt den Tempel von Händlern und Wechslern (Kap. 2, 14-22), das heißt, er reinigt den Tempel des Heiligen Geistes, den Leib des Menschen von den ihm anhängenden niederen Prinzipien und macht ihn fähig, den Geist aufzunehmen.“

GA 100, S 241

„Christus sagt (Kap. 14, 6): «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.» Wo ist dieser Weg, der zur höchsten Gottheit führt durch Christus? Das «Ich bin» arbeitet am Astralleib und bildet daraus das Geistselbst, es arbeitet am Ätherleib und bildet daraus den Lebensgeist, es arbeitet am physischen Leib und bildet daraus den Geistesmenschen. Wenn das Menschen-Ich an ihm arbeitet, so wird also das Geistselbst herausgearbeitet, und in ihm entsteht dann der Lebensgeist. So kommt der Mensch zum wahren Leben. In dem «Ich bin» liegt der Weg zur Wahrheit und zum wahren Leben, weil das «Ich bin» die niederen Leiber durcharbeitet und das wahre Leben in ihnen entstehen läßt. Wir können dies so darstellen:

 

Ich bin             der Weg,                     die Wahrheit   und      das Leben

Richtung         Geistselbst                  Lebensgeist                 Geistesmensch

 

Das «Ich bin» zeigt die Richtung, die der Mensch einschlagen muß, um Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch zur Entfaltung zu bringen.“

GA 100, S 259/260

„Wir hüllen uns nämlich, wenn wir durch die Pforte des Todes getreten sind, in das Geistselbst ein. Dies ist ja ein Glied der menschlichen Natur, das der Mensch in der Zukunft während der Jupiterentwickelung bei sich entfalten wird. Dasjenige, was ich jetzt Geistselbst nenne für die Welt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, ist nicht genau dasselbe, was sich dann entwickeln wird, wenn der Mensch weiterschreitet von der Erde zum Jupiter hin; sondern dasjenige, was der Mensch entwickeln wird auf dem Jupiter, wird eine Art äußerliches Abbild sein, eine Art für die Sinne auftretendes Gegenbild der geistigen Wesenheit, in die sich der Mensch einhüllt, wenn er die Zeit durchmacht zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Das ist schon so, daß man auch dieses Glied, in das sich da der Mensch einhüllt, wenn er die Zeit durchmacht zwischen Tod und neuer Geburt, als Geistselbst bezeichnen kann.“

GA 168, S 40

„So viel über dasjenige, was über das Ätherisch-Leibliche zu sagen ist. Dann schreitet der Mensch weiter. Er hat sich zunächst eingehüllt in eine Art von Geistselbst, welches auf eine etwas andere Weise gebildet wird als alles dasjenige, was gebildet wird, wenn wir hier im Erdendasein leben. Man könnte sagen: Das Geistselbst ist etwas, was von allen Seiten zu uns herandringt, und in dessen Mitte wir uns fühlen. Dann lebt sich der Mensch weiter ein in die anderen Hüllen, indem er zu gleicher Zeit durchlebt, wie ich öfter geschildert habe, eine Art geistigen Rückgang, indem er durchlebt – aber jetzt in einer anderen Art als durch das bloße Tableau, das geschildert worden ist – dasjenige, was wie eine Art von Gegensatz wirkt zu dem Erdenleben. Man kann sich klarmachen, wie nun die folgende Zeit verläuft, nachdem der Ätherleib abgelegt ist und wir mit unserem Astralleib und mit unserem Ich, in das Geistselbst eingehüllt, weiterleben. Dieses Geistselbst ist eine Art Triebkraft. Das führt uns eben zurück, so daß wir zurückerleben, wirklich rückwärtsgehen unser letztes Erdenleben vom Tod bis zur Geburt hin. Wenn wir zum Beispiel hier auf Erden irgend jemandem etwas gesagt haben, das ihm Leid zugefügt hat, so erleben wir ein solches Ereignis von unserem Gesichtspunkte hier auf der Erde im physischen Leib. Wir können es nicht von dem Standpunkte des anderen erleben. Wir würden ja überhaupt nicht im physischen Leib leben können, wenn wir anders leben wollten, als eben von uns aus alles zu erleben. Aber nehmen wir den extremen Fall: Wir haben jemandem sehr weh getan durch ein Wort, das wir aus Rache gesagt haben. Was er spürt, was er empfindet, das erleben wir hier nicht. Bei dem Rückgang, den ich jetzt beschreibe, erleben wir das, was der andere empfindet, immer als die Wirkung dessen, was wir verrichtet haben. Also wir leben in der Welt der Wirkungen drinnen. Ganz aus uns herausgegangen erleben wir das, was die anderen durch uns während unseres physischen Lebens durchlebt haben, bis wir durchkommen zu dem Punkt, wo wir unsere Geburt erreicht haben. Dann umhüllen wir uns mit dem, was man nun nennen könnte das geistige Gegenbild zu dem, was sich auf der Venus entwickeln wird: wir umhüllen uns mit dem Lebensgeist.“

GA 168, S 49/50

„Wir werden also von dem Lebensgeist gleichsam umhüllt. Das äußert sich in einer gewissen Weise, und es ist wesentlich, daß wir das verstehen. Das Geistselbst leitet uns zuerst zurück; das Geistselbst hat es hauptsächlich mit unserer Wesenheit, mit unserer Individualität zu tun, und es führt uns dann auch weiter. Nachdem es uns bis zu unserer Geburt gebracht hat, führt es uns weiter die Wege, die wir in der geistigen Welt zu tun haben.“

GA 168, S 50

„Wem gehört eigentlich jetzt, nachdem wir gestorben sind, dasjenige an, was wir im Leben innerlich dadurch gewonnen haben, daß wir denken können, daß wir Gemütsempfindungen haben, wem gehört es an? – Nach unserem Tode gehört es der Welt an! So aber, wie wir auf unseren Tod zurückblicken, so blicken wir mit dem, was uns bleibt, mit unserem astralischen Leib und mit unserem Ich, zurück auf dasjenige, was sich da einverwoben hat dem Universum, der Welt. Während unseres Lebens tragen wir das, was sich da dem Universum eingewoben hat, als Ätherleib in uns. Jetzt ist es aufgesponnen und einverwoben der Welt. Wir blicken darauf hin, schauen es an. Wie wir es hier innerlich erleben, so schauen wir es nach dem Tode an, so ist es in der Welt draußen. Wie wir hier Sterne anschauen und Berge und Flüsse, so schauen wir nach dem Tode auch neben dem, was geworden ist mit Blitzesschnelle, sagte ich, aus unserem physischen Leib, das an, was sich der Welt einverwoben hat aus unseren eigenen Erlebnissen. Und dasjenige, was sich da aus unseren eigenen Erlebnissen dem ganzen Weltenbau einverleibt, das spiegelt sich jetzt in dem, was wir noch haben, im astralischen Leib und Ich, geradeso wie sich spiegelt die äußere Welt in unseren physischen Organen durch unseren physischen Menschen hier. Und indem sich das spiegelt in uns, bekommen wir etwas, was wir hier während dieser Erdenzeit nicht haben können, was wir in einem äußeren, mehr physischen Abdruck später während der Jupiterzeit haben werden, was wir aber in einer geistigen Art dadurch bekommen, daß jetzt unser ätherisches Sein außerhalb ist und auf uns einen Eindruck macht. Statt daß es vorher von uns erlebt wurde als unser Inneres, macht es jetzt auf uns einen Eindruck. Der Eindruck, der auf uns gemacht wird, ist allerdings zunächst ein Geistiges, er ist bildhaft, aber er ist als Bildhaftes schon ein Vorbild für das, was wir erst auf dem Jupiter haben werden: das Geistselbst. Dadurch also, daß sich einwebt unser Ätherisches dem Universum, wird für uns geboren – aber geistig, nicht so, wie wir es später auf dem Jupiter haben werden – ein Geistselbst, so daß wir jetzt haben, nachdem wir unseren ätherischen Leib abgelegt haben: astralischen Leib, Ich, Geistselbst. Dasjenige, was uns von unserem Erdendasein bleibt, das ist also unser Astralleib und unser Ich.“

GA 168, S 77/78

„Wenn Sie die ganze Evolution, diese ganze Entwickelung des Menschen betrachten, so werden Sie finden, daß unser heutiges Menschenwesen zum größten Teil in die Vergangenheit hineinweist, unser physischer Leib in eine längst verflossene Vorzeit, in die alte Saturnzeit, unser Lebensleib in die alte Sonnenzeit und so weiter, daß unser Ich zwar noch nicht voll entwickelt ist, aber daß es in seiner eigentlichen Wesenheit auf das Gegenwärtig-Irdische hinweist. Damit ist aber schon der Hinweis darauf gegeben, daß dasjenige, was wir als Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen bezeichnen, eigentlich in dem Irdischen selbst nicht begründet ist, daß, indem wir als Mensch die Entwickelungsmöglichkeit zum Geistesmenschen, zum Lebensgeist, zum Geistselbst in uns tragen, wir damit etwas in uns tragen, was wir über das Irdische hinausentwickeln müssen, was wir so entwickeln müssen, daß uns dazu das Irdische keine Anleitung gibt. Wir stehen gewissermaßen als Mensch auf der Erde und wir sollen auf dieser Erde zunächst unser Ich voll entwickeln, haben es schon bis zu einem gewissen Grade entwickelt. Indem wir es bis zu einem gewissen Grade entwickelt haben, haben uns die Kräfte, das Wesenhafte der Erde die Anleitung dazu gegeben. Was wir noch durch den Rest der Erdenentwickelung hier entfalten werden, eine gewisse Vertiefung, eine gewisse Verstärkung des Ich, das werden wir der Erde und ihren Kräften verdanken. Aber wir müssen uns auch sagen: Wenn wir bloß der Erde und ihren Kräften unser menschliches Wesen verdanken wollten, dann könnten wir niemals einen Geistesmenschen, einen Lebensgeist und ein Geistselbst entwickeln. Denn das kann die Erde nicht hergeben. Sie kann uns nur anregen zur Ich-Entwickelung. Wir müssen daher die Erde in bezug auf den Menschen als etwas betrachten, was uns von sich aus nicht zum Vollmenschen machen kann. Wir stehen auf der Erde und müssen über die Erde hinaus. Das ist ja auch angedeutet in unserer Literatur, indem darauf hingewiesen ist, wie die Erde abgelöst werden muß für unsere Entwickelung durch eine spätere Jupiter-Venus- und Vulkanzeit. Während dieser Zeiträume werden wir auch äußerlich voll zu entwickeln haben das Geistselbst, den Lebensgeist, den Geistesmenschen.“

GA 197, S 190

„Aber wir sind einmal mit unserem gegenwärtigen Dasein auf der Erde. Wir müssen uns auf der Erde entwickeln. Wir können nicht alles, was wir in uns entwickeln müssen, damit wir in die Zukunft hinüberkommen zum Geistselbst, zum Lebensgeist, zum Geistesmenschen, von der Erde nehmen. Würden wir alles, was wir in uns entfalten können, nur von der Erde nehmen müssen, dann müßten wir ja verzichten auf die Entfaltung des Geistselbst, des Lebensgeistes, des Geistesmenschen.“

GA 197, S 191

„Der Wissenschaftsgeist muß wieder persönlich werden. Dazu gibt die Erde ihre Anregungen nicht mehr her. Dazu brauchen wir die Durchchristung der Wissenschaft selber. Und wenn wir die Wissenschaft durchchristen, dann legen wir die ersten Keime zur Entwickelung des Geistselbst.“

GA 197, S 199/200

„Seien wir uns doch klar: Diese Erde, die uns angeregt hat zur Entwickelung des Ich, die uns in ihrem Untergang noch anregen wird zu einer weiteren Erstarkung des Ich, diese Erde ist etwas, was wir für spätere Entwickelungsformen im Jupiter und so weiter verlassen müssen. Diese Erde ist also etwas, mit dem wir unser gesamtes Vollmenschentum nicht verbinden können. Wir müssen unseren Menschen gewissermaßen zurücknehmen von der Erde. Würden wir nur die Erdenwissenschaft entwickeln, zu der Goethe und Schiller nicht hinwollten – Schiller nicht, indem er die abstrakten Begriffe persönlich hielt, Goethe nicht, indem er bei Halbimaginationen stehenblieb -, würden wir uns nur von den Erdeningredienzien anregen lassen, so würden wir das Geistselbst niemals entwickeln können. Wir würden nur eine tote Wissenschaft entwickeln können. Wir würden immer mehr und mehr jenes Leichenfeld vergrößern, das in den Bibliotheken vorhanden ist, das in unseren Büchern vorhanden ist, das abgesondert vom Menschen ist. Und wir würden zwischen diesen Gedankenleichen hinwandeln, selber gewissermaßen verzaubert in ihnen und würden so das Ideal Ahrimans erfüllen. Denn unter andern Dingen, die uns Ahriman bescheren will, ist dieses: Recht viele Bibliotheken zu machen, recht viel totes Wissen um uns aufzuspeichern. Ahriman möchte, daß, so wie die alten Ägypter hingewandelt sind unter ihren Gräbern, wie noch die ersten Christen herumgewandelt sind und Leichen um sich gehabt haben, wir mit unserem menschlichen Wesen immer mehr und mehr in das bloße Instinktwesen, in das egoistische Instinktwesen zurücksinken und daß das, was wir an Gedanken aufbringen können, aufgespeichert wäre in unseren Bibliotheken. Man könnte sich vorstellen, daß eine Zeit heranrückt, wo irgendein junger Mann oder sogar eine junge Dame von etwa zwanzig bis dreiundzwanzig Jahren zunächst nicht wüßte, wodurch sie in der Welt des silbernen Königs weiterkäme – man nennt es äußerlich: sich den Doktor erwerben. Da unten aus dem Menschen steigt ja weniges herauf; denn wenn man das, was aus dem Menschen heraufsteigt, etwa in eine Doktordissertation schreiben würde – ich rede also davon, daß eine solche Zeit kommen könnte, wenn Ahriman siegt! -, so würde diese Doktordissertation zurückgewiesen werden, denn das wäre etwas Persönliches, etwas Subjektives. Also setzt man sich in Bibliotheken, nimmt ein Buch nach dem andern, möglichst bloß nach den Katalogen, in denen alles verzeichnet ist, was sich an dieses oder jenes Stichwort anknüpfen läßt – wenn wieder ein neues Stichwort kommt, nimmt man wieder ein neues Buch heraus -, und zimmert eine Schrift zusammen, die einen dann zum Doktor macht. Man ist eigentlich nur mit seiner äußeren physischen Persönlichkeit dabei. Man hat ein Pult vor sich, da liegen viele Bücher drauf. Mit seiner Persönlichkeit ist man insofern dabei, als man, wenn man ein paar Stunden dabei sitzt, hungrig wird und dann diesen Hunger als persönliches Schicksal fühlt. Vielleicht ist man auch dadurch mit seiner Persönlichkeit dabei, daß man menschliche Beziehungen hat, an die man sich erinnert, die man wiederum erfüllen muß nach den paar Stunden. Aber dann klappt man die Bücher zu und ist nicht mehr persönlich damit verbunden. Dasjenige, was man nunmehr zusammengezimmert hat aus den verschiedenen Büchern, wird wiederum ein kleines Buch oder ein dickes Buch und steht wiederum unter den Büchern und wartet, bis es ein andrer wieder benützt. Ich weiß nicht, ob ein solcher Zustand heute schon irgendwo existiert, aber es könnte, wenn Ahriman sein Ideal erreichte, durchaus einmal so werden, und das wären fürchterliche Zustände. Die menschliche Persönlichkeit würde verkümmern unter diesen fürchterlichen objektiven, außermenschlichen, unpersönlichen Zuständen.“

GA 197, S 200/201

„Demgegenüber muß dasjenige, was Wissen ist, eine persönliche Angelegenheit werden. Die Bibliotheken müssen womöglich schrumpfen und die Menschen müssen dasjenige, was in den Bibliotheken steht, mehr in ihren eigenen Seelen tragen. Geistselbst kann nur aus dieser Verpersönlichung des Wissens hervorgehen. Das wird nicht kommen, ohne daß die Menschen sich bekanntmachen mit dem, was nun nicht mehr irdisch ist. Denn die Erde ist über den Mittelpunkt ihrer Entwickelung hinüber. Das ist eben Absterben. In unseren Bibliotheken stirbt das Wissen. In unseren Büchern, diesen Särgen unseres Wissens, stirbt es ebenfalls. Wir müssen wiederum zurücknehmen in unsere Persönlichkeit dasjenige, was Wissen ist. Wir müssen es in uns tragen. Dazu wird uns vor allen Dingen die Wiedererneuerung des Mysteriums von Golgatha verhelfen. So wird sie den Wissenden helfen, so wird sie denjenigen helfen, die die Jünger des goldenen Königs sind.“

GA 197, S 201/202

„Sie sehen, dasjenige, was man nennen kann die geistige Wiedererneuerung des Mysteriums von Golgatha, hängt schon zusammen mit demjenigen, was wir auch aus der anthroposophischen Kosmologie heraus erkennen, was wir erkennen dadurch, daß wir uns sagen, wir tragen die Entwickelungsmöglichkeiten von Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch in uns. Wir sind aber so abstrakt geworden, daß es heute dem Menschen eigentlich als etwas furchtbar Nüchternes, Prosaisches erscheint, wenn ihm gesagt wird, etwas Hochgeistiges wie der Geistesmensch müsse in den Assoziationen des Wirtschaftslebens, des «niederen» Wirtschaftslebens, des materiellen Wirtschaftslebens zuerst sich ankündigen. Das Wirtschaftsleben ist doch nicht etwas, worauf, ohne daß er sich «entehrt», ein Geistesforscher hinweisen darf. Denn ein Geistesforscher muß die Menschen in Konventikeln vereinigen, wo nichts gesprochen wird von dem, was zusammenhängt mit irgend etwas Eßbarem oder Trinkbarem, wo man nur im «Geiste», in Wirklichkeit aber in Abstraktionen lebt.

Allerdings, was dann dabei herauskommt, ist, daß wenn die Leute lange genug in Konventikeln als Sekten sich innerlich wohlgetan haben, sie schließlich dann doch wiederum herausgehen und ja dann doch auch wiederum Brot und – ich will, um nicht gar zu sehr anzustoßen, sagen – Wasser brauchen. Aber dann nehmen sie in der Regel furchtbar wenig von den Grundsätzen, die sie zu ihren seelischen Wollüsten in den Konventikeln entwickelt haben, in diese Außenwelt mit.“

GA 197, S 203

„Wenn wir dann von den höheren Gliedern der Menschenwesenheit sprechen wollen, zunächst von dem Geistselbst, so können wir nur sprechen als von etwas, was noch außerhalb der menschlichen Wesenheit ist. Denn wir beginnen erst in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum allmählich dieses Geistselbst zu einem inneren Gliede zu machen. Aber wenn der Mensch das aufnimmt als von einem Höheren kommend und in sein Ich hineinsenkt, also wiederum untertaucht mit dem, was heute nur geahnt werden kann, wie der Schwimmer im Wasser untertaucht, in das Ich mit den Ahnungen von seinem Geistselbst, dann entsteht die Dichtung.

 

Dichtung

Geistselbst

GA 275, S 46

„Und wenn man noch weitergehen wollte, dann können Sie, bis zu einem gewissen Grade natürlich, sich sagen: Es könnte dann auch, weil in unserer Umgebung, in unserer geistig-spirituellen Umgebung von demjenigen, was wir später aufnehmen werden, auch der Lebensgeist liegt, der Lebensgeist einmal eingesenkt werden in das Geistselbst. Aber natürlich muß das jetzt noch etwas sein, was erst in einer sehr fernen Zukunft einen gewissen Grad der Vollkommenheit erreichen kann. Denn der Mensch, indem er versucht, den Lebensgeist hineinzuversenken in das Geistselbst, muß ja ganz und gar leben in einem Element, das einem heute noch durchaus fremd ist. Man kann also höchstens auf diesem Gebiete sprechen so, wie man spricht von dem Lallen des Kindes gegenüber der späteren Vollkommenheit der Sprache. Man kann ahnen, daß es einmal in großer Vollkommenheit eine Kunst geben wird, welche gewissermaßen über die Dichtung so hinausragt, wie die Dichtung – womit selbstverständlich keine Superiorität gemeint ist, sondern bloß eine Anordnung – ragt über die Musik, die Musik über die Malerei, die Malerei über die Skulptur, die Skulptur über die Baukunst. Sie ahnen selbstverständlich, daß ich dabei auf etwas hindeute, was wir heute nur in der allerallerersten Anfänglichkeit kennen, was wir nur in den allerersten Andeutungen

haben können : auf die Eurythmie. Die Eurythmie ist wahrhaftig etwas, was heute als Notwendigkeit eintreten muß in die menschliche Evolution, was aber zu Hochmut keine Veranlassung gibt, denn es kann selbstverständlich heute nur ein Lallen sein gegenüber dem, was einstmals aus dieser Kunst wird entstehen müssen.

 

Eurythmie

Lebensgeist

GA 275, S 46/47

„Schauen wir hinüber nach dem Osten, nach dem Gebiet, das die russische Kultur trägt. Das ganz Eigentümliche der russischen Kultur ist dieses, daß die russische Kultur erst dann zur Entfaltung kommen kann, wenn einmal der Zeitpunkt eintreten kann, wo die russische Volksseele sich verbindet mit dem Geistselbst – das ist auch schon ausgesprochen in dem genannten Zyklus. Das heißt, es muß ein späterer Zeitraum kommen, in dem dasjenige, was Charakteristik dieser Eigentümlichkeit des europäischen Ostens sein kann, sich erst ausprägen wird. Und das wird dann ganz verschieden sein von demjenigen, was im Westen von Europa oder in der Mitte von Europa sich abwickelt. Vorläufig aber ist es ganz erklärlich, daß dasjenige, was der russischen Kultur zugeteilt ist, überhaupt noch gar nicht da ist, sondern daß die russische Kultur – wie der einzelne Mensch – so zum Geistselbst steht, daß sie sich immer nach oben wendet. Der einzelne Angehörige des russischen Volkes und selbst tiefsinnige russische Philosophen sprechen nicht so, wie in Mitteleuropa das Größte gerade gesagt wird, sondern sie sprechen in ganz anderer Weise.“

GA 159, S 187

„Wenn wir uns fragen, wo ist im Werden der Menschen heute noch das luziferische Prinzip da, dann müssen wir hinübersehen nach dem Osten. Im Osten, in Asien und im europäischen Rußland, waltet Luzifer durch die Kultur hindurch. Und obwohl, wie ich in dem Zyklus über die Mission der Volksseelen ausgeführt habe, das russische Element dazu berufen ist, in der weiteren Entwickelung das Geistselbst herauszubilden, so ist doch bei der russischen Kultur die Gefahr vorhanden, von Luzifer umstrickt zu werden. Sie ist auf dem Wege dazu. Das luziferische Prinzip besteht darinnen, daß gute Geister zurückbleiben. In der griechisch-orthodoxen Kirche war bis in das 6., 7. Jahrhundert ein guter Geist, aber das, was zu einer Zeit ein guter Geist ist, verwandelt sich in einen luziferischen Geist, wenn es über diese Zeit fortbehalten wird. Das Festhalten an der orthodoxen Religion ist ein «in den Klauen des Luzifer sein». Und viel intensiver noch ist das der Fall bei den geistigen Formen, welche sich im Orient entwickeln, die für Urzeiten ihre Berechtigung hatten. Dadurch, daß sie sich konservieren, laufen sie ein in das luziferische Element. Überall drüben im Osten finden wir bei sehr vielen Menschen, welche dort inkarniert sind, daß sie etwas durchzumachen haben in der Welt des Luziferischen.“

GA 159, S 235/236

„In unserer Kulturperiode muß es so sein, daß wir uns bewußt werden: Das, was sich in uns durch die gewöhnliche Zivilisation, durch die gewöhnliche Kultur ausgebildet hat, muß die Bewußtseinsseele sein; das muß dasjenige sein, was seit dem 14., 15., 16. Jahrhundert angefangen hat, als Wissenschaft, als äußeres materialistisches Bewußtsein die Menschen zu ergreifen, was sich immer weiter und weiter ausbreiten wird, und was nach Ablauf der fünften Kulturperiode, bis an das Ende der fünften Kulturperiode sich ganz und gar durchentwickelt haben wird. Dasjenige aber, was die sechste Kulturperiode ergreifen muß, muß das Geistselbst sein. Das Geistselbst muß dann in den Seelen darinnen selber ausgebildet werden, wie jetzt die Bewußtseinsseele ausgebildet wird. Das ist aber die Eigentümlichkeit des Geistselbst, daß es diese drei Charakterzüge, von denen ich gesprochen habe; in den Menschenseelen voraussetzt, wie Geisteswissenschaft es sagt: Brüderliches soziales Zusammenleben, Gedankenfreiheit und Pneumatologie. Eine Menschengemeinschaft, innerhalb welcher das Geistselbst so ausgebildet wird wie in unseren Seelen der fünften nachatlantischen Kulturperiode durch die äußere Kultur die Bewußtseinsseele, braucht eben diese Charakterzüge. Daher dürfen wir uns vorstellen, daß dadurch, daß wir uns in Arbeitsgruppen brüderlich vereinigen, unsichtbar über unserer Arbeit schwebt dasjenige, was wie das Kind jener Kräfte ist, welche die Kräfte des Geistselbst sind, das von den Wesen der höheren Hierarchien gepflegt wird, damit es dann herunterströmen kann in unsere Seelen, wenn sie wieder da sein werden in der sechsten Kulturperiode. Arbeit leisten wir in unseren brüderlichen Arbeitsgruppen, die heraufströmt zu den für das Geistselbst vorbereitet werdenden Kräften.“

GA 159, S 306

„Wir wissen nun eines aus den zahlreichen Vorträgen, die in den verflossenen Jahren gehalten worden sind: daß im Osten Europas ein Volk lebt, welches insbesondere dazu berufen sein wird, dasjenige, was an elementaren Kräften in ihm ist, erst in der sechsten Kulturperiode zur besonderen Ausprägung zu bringen. Wir wissen, daß das russische Volk erst in der sechsten Kulturperiode reif sein wird, die Kräfte, die in ihm heute elementar vorhanden sind, zur Ausprägung zu bringen. West- und Mitteleuropa ist dazu berufen, dasjenige in die Menschenseelen hineinzubringen, was durch die Bewußtseinsseele hineingebracht werden kann. Dazu ist der Osten nicht berufen. Der Osten Europas wird warten müssen, bis das Geistselbst herabsteigt auf die Erde und die Menschenseelen durchdringen kann. Das ist oftmals erwähnt worden; wir müssen es im rechten Sinne verstehen. Im unrechten Sinne verstanden, kann es sehr leicht zu Hochmut und zu Überhebung gerade im Osten führen. Die Höhe der nachatlantischen Kultur ist schon in der fünften nachatlantischen Kulturperiode zu erreichen. Dasjenige, was folgen wird in der sechsten und siebenten Kulturperiode, das wird eine absteigende Entwickelung sein. Dennoch aber wird es so sein, daß diese absteigende Kulturentwickelung in der sechsten Kulturperiode inspiriert sein wird, durchdrungen sein wird von dem Geistselbst. Heute fühlt instinktiv, aber man möchte sagen, oftmals recht verkehrt instinktiv, der Mensch des Ostens, derjenige, der von den Geistern des Ostens selbst «der russische Mensch» genannt wird, er fühlt, daß das mit ihm so steht; er hat nur meistens ein höchst unklares Bewußtsein davon. Schon charakteristisch ist es, daß so vielfach heraufkommen konnte dieser Ausdruck «der russische Mensch». In der Sprache herrscht ein Genius, wenn so etwas aus der Sprache herausgeholt wird und man nicht sagt, wie im Westen: der Brite, der Franzose, der Italiener, der Deutsche, sondern «der russische Mensch». Und viele der russischen Intellektuellen legen einen Wert darauf, daß immer gesagt werde «der russische Mensch». Das liegt tief begründet in dem ganzen Genius der entsprechenden Kultur. Man meint schon dasjenige, was sich als Menschentum, gleichsam als Brüderlichkeit über eine Gemeinsamkeit ausbreitet. Man will es andeuten dadurch, daß man eben das Menschsein im Ausdruck gebraucht. Aber man zeigt zugleich, daß man noch nicht auf der vollen Höhe ist, die man zu erreichen hat in ferner Zukunft, indem man dazusetzt etwas, was im Grunde grell widersprechend ist dem Hauptwort. Der «russische» Mensch: man nimmt gleichsam im Eigenschaftswort das zurück, was man im Hauptwort ausspricht. Denn wenn das Menschentum erreicht werden soll, so darf es kein solches Eigenschaftswort haben, welches dieses Menschentum ja wiederum zu etwas Ausschließendem macht.“

GA 159, S 308/309

„Aber noch viel, viel tiefer ist gegenwärtig gerade in den Mitgliedern der russischen Intelligenz das darinnen begründet, daß eine gewisse, in der Zukunft zu verstehende Gemeinschaftlichkeitsidee, eine Brüderlichkeitsidee herrschen müsse. In dieser Beziehung fühlt die russische Seele schon: Das Geistselbst soll einmal herabsteigen, es kann aber nur herabsteigen in eine Menschengemeinschaft, welche von Brüderlichkeit durchdrungen ist. Niemals kann es sich ausbreiten in einer Menschengemeinschaft, die nicht von Brüderlichkeit durchdrungen ist. Deshalb ist es, daß die russischen Intellektuellen, wie sie sich nennen, dem Westen Europas und auch Mitteleuropa folgenden Vorwurf machen. Sie sagen: Ihr achtet ja gar nicht auf dasjenige, was echtes Gemeinschaftsleben ist, ihr pflegt nur den Individualismus. Jeder will ein Eigener sein, jeder will nur eine Individualität sein. Ihr treibt das Persönliche, durch das sich jeder einzelne Mensch als Selbst, als Individualität fühlt, auf die höchste Spitze. – Das ist dasjenige, was in sehr vielen Vorwürfen in bezug auf Barbarei und so weiter Mitteleuropa und Westeuropa vom Osten her entgegentönt. Und diejenigen, die sich bewußt werden wollen über das, was da eigentlich vorliegt, sagen: Dieses ganze West- und Mitteleuropa hat schon alles Gefühl für menschliche Zusammenhänge verloren. Und indem man jetzt Gegenwart und Zukunft verwechselt, sagt man: Wirkliche menschliche Zusammenhänge, wo sich jeder als der Bruder des andern fühlt, wo sich derjenige, der über dem andern steht, fühlt als dessen «Väterchen» und «Mütterchen», wirkliches menschliches Gemeinschaftsleben ist nur in Rußland. – So sagt die russische Intelligenz. Und sie sagt, deshalb hat es das westeuropäische Christentum nicht zustande gebracht, das wirkliche menschliche Gemeinschaftswesen zu pflegen. Der Russe kennt noch, so sagen sie, die Gemeinschaft. Und ein solcher ausgezeichneter russischer Intellektueller wie der im 19. Jahrhundert lebende Alexander Herzen kam, als auf die letzte Konsequenz, dazu, zu sagen: In Westeuropa kann niemals Glück entstehen. Was man auch für Versuche machen mag in der westeuropäischen Kultur und Zivilisation, niemals wird da Glück entstehen. Niemals wird die Menschheit zufrieden sein können. Da kann nur das Chaos herrschen. Der einzige Segen liegt im russischen Wesen, wo die Menschen sich noch nicht von der Gemeinschaft getrennt haben, wo sie in ihren Dorfgemeinden noch etwas haben wie Gruppenseelenhaftigkeit, an dem sie festhalten.“

GA 159, S 309-311

„Was wir Gruppenseele nennen, aus dem sich die Menschheit nach und nach herausgearbeitet hat und in dem noch ganz und gar die Tierheit drinnen lebt, das verehren gerade die russischen Intellektuellen bei ihrem Volk als etwas besonders Großes und Bedeutsames. Sie können sich nicht erheben zu dem Gedanken, daß die Zukunftsgemeinschaftlichkeit als hohes Ideal vorschweben soll, ein Ideal, das erst geltend gemacht werden muß. Sie halten an dem Gedanken fest: Schauen wir, was uns als den letzten in Europa geblieben ist! Die andern haben schon sich herausgehoben aus der Gruppenseelenhaftigkeit, wir haben sie uns noch bewahrt; wir müssen sie uns bewahren. Diese Gruppenseelenhaftigkeit wird in Wirklichkeit gar nicht sein dürfen für die Zukunft, denn das ist die alte Gruppenseelenhaftigkeit. Es würde nur eine luziferische Gruppenseelenhaftigkeit, eine auf früherer Stufe zurückgebliebene Gruppenseelenhaftigkeit sein, während die wahre, die zu erstrebende Gruppenseelenhaftigkeit diejenige ist, die wir innerhalb unserer Geisteswissenschaft suchen. Aber gerade an dem Drang und der Sehnsucht der russischen Menschen, namentlich der Intellektuellen, ist zu erkennen, wie man zum Herabsteigen des Geistselbst den Geist der Gemeinschaft braucht. Wie er dort nur auf falschem Wege gesucht wird, so muß er in unserer geisteswissenschaftlichen Strömung auf rechtem Wege gesucht werden. Und wir möchten hinüberrufen nach dem Osten: Gerade das müssen wir bis ins Äußerste überwinden, was ihr auf äußere Art zu bewahren sucht: die alte luziferisch-ahrimanische Gemeinschaft. – Die Gemeinschaftlichkeit luziferischer und ahrimanischer Art, sie wird einen so festen Glaubenszwang haben, wie ihn begründen mußte die orthodox gebliebene katholische Kirche in Rußland. Diese Gemeinschaftlichkeit wird nicht verstehen, was Gedankenfreiheit ist, und sie wird am allerwenigsten sich zur völligen Individualität und doch zum sozialen brüderlichen Zusammenleben heraufschwingen können. Daher möchte sie das bewahren, was in Blutsbrüderschaft geblieben ist, in bloßer Zusammengehörigkeit durch das Blut. Eine Gemeinschaft, die sich nicht auf das Blut, sondern auf den Geist, auf die Gemeinschaft der Seelen gründet, das ist, was angestrebt werden muß auf geisteswissenschaftlichem Wege. Und das ist es, was wir anstreben, indem wir uns sagen: Gemeinschaften müssen wir anstreben, in denen das Blut nicht mehr spricht. Es wird fortbestehen selbstverständlich, das Blut, es wird in Familienzusammenhängen sich ausleben – was bleiben muß, das wird nicht ausgerottet, aber etwas Neues muß entstehen! Das, was in dem Kind bedeutsam ist, wird in den Greisenkräften erhalten sein, aber der Mensch muß im späteren Lebensalter Neues hinzubekommen.“

GA 159, S 311/312

„Dasjenige, was das Blut bringt, darf nicht so umgedeutet werden, als ob es die großen Menschengemeinschaften der Zukunft umfassen würde. Das ist der große Irrtum, der vom Osten in die heutigen blutigen Ereignisse hineinspielt, daß man einen Krieg entbrannt hat unter dem Titel einer Gemeinschaft des Blutes der slawischen Völker. Da spielt in unsere schicksaltragende Zeit all dasjenige hinein, was jetzt eben auseinandergesetzt worden ist, was aber im Grunde wiederum den richtigen Kern in sich enthält, nämlich das instinktive Fühlen: das Geistselbst kann nur in einer brüderlichen Gemeinschaft erscheinen. Es darf aber nicht eine Gemeinschaft des Blutes sein, sondern es muß eine Gemeinschaft der Seelen sein. Was dann erwächst als Gemeinschaft der Seelen, was das sein soll, das pflegen wir in seiner Kindhaftigkeit in unseren Arbeitsgemeinschaften, in unseren Zweigen. Dasjenige, was so wie der Osten Europas an der Gruppenseelenhaftigkeit festhält, indem er zum Beispiel die slawische Gruppenseele als etwas bezeichnet, aus dem er nicht heraus will, das er im Gegenteil zum umfassenden Prinzip für seine ganze Staatenbildung ansehen will, das ist etwas, was gerade überwunden werden muß.“

GA 159, S 312

 

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