Spirituelles Studium

RS Astral-Leib (2)

Der Begriff des „Astral-Leib“ bei Rudolf Steiner

Quelle GA  R.Steiner

 

„Würde der Mensch, indem er mit seinem astralischen Leibe da hinauslebt, eindringen können in das Bewußtsein des Lebensgeistes, dann würde er sprechen können zu dem, was mit seinem astralischen Leib geschieht. Es geschieht das zunächst für den Menschen unbewußt, aber es geschieht. Wer würde denn sprechen, wenn der Mensch plötzlich schlafend das Bewußtsein des Lebensgeistes erlangte? Wer würde sprechen? Man kann da kein anderes Wort sagen als: Es würde sprechen der astralische Leib des Menschen als Richter über das Gute und Böse im Menschen. So daß man wirklich sagen muß: Schlafend wird der astralische Leib der Richter der Seele. ‑ Es ist dieses, wenn man es richtig versteht, ein wichtiger Satz für das menschliche Leben. Es ist eine Wahrheit, die wie von jenseits der Schwelle zur geistigen Welt herüberleuchtet und die der Mensch sich möglichst oft vor seine Seele stellen sollte.“

GA 208, S 205

„Jetzt aber waren diese auf der Mondesstufe zurückgebliebenen Wesenheiten da, die luziferischen Wesenheiten. Hätten sie richtig weiterwirken können, dann wären sie berufen gewesen, auf das Ich zu wirken. Sie hatten auf dem Monde aber nur gelernt, auf den astralischen Leib zu wirken, und das hatte etwas Bedeutsames zur Folge. Wären diese luziferischen Geister nicht dagewesen, so würde der Mensch seine Ich‑Anlage in sich aufgenommen haben und sich bis zum letzten Drittel der atlantischen Zeit so entwickelt haben, daß er das dämmerhafte Hellseherbewußtsein vertauscht hätte mit dem äußeren Gegenstandsbewußtsein. So aber drangen, gleichsam wie Strahlen von Kräften, die Wirkungen der luziferischen Geister in seinen astralischen Leib hinein. Worin bestanden diese Wirkungen?“

GA 112, S 90

„Der astralische Leib ist der Träger der Triebe, Begierden, Leidenschaften, Instinkte und so weiter. Der Mensch würde ganz anders im Aufbau seines astralischen Leibes geworden sein, wenn die luziferischen Geister nicht an ihn herangekommen wären. Er würde dann nur Triebe entwickelt haben, die ihn mit Sicherheit geführt und nur vorwärts gebracht hätten. Die Geister würden ihn geleitet haben zu dem Anschauen der Welt in Gegenständen, hinter denen die geistigen Wesenheiten sichtbar geworden wären. Aber Freiheit, Enthusiasmus, Selbständigkeitsgefühl und Leidenschaft für dieses Höhere würden ihm gefehlt haben. Der Mensch würde verloren haben das alte Hellseherbewußtsein. Die Herrlichkeit der Welt hätte er angeschaut wie eine Art Gott, denn er wäre ein Glied der Gottheit geworden. Und diese Anschauung der Welt hätte in seinem Verstande ihr Spiegelbild erschaffen mit einer großen Vollkommenheit. Aber der Mensch wäre eben nur wie ein großer Spiegel des Universums in seiner Vollkommenheit gewesen.“

GA 112, S 90/91

„Nun gossen die luziferischen Geister vor diesem Zeitpunkt in den astralischen Leib hinein Leidenschaften, Triebe, Begierden, die sich mit dem vereinigten, was der Mensch auf seinem Entwickelungsweg in sich aufnahm. Dadurch konnte er nicht nur der Sterne ansichtig werden, sondern zu gleicher Zeit dafür aufflammen, Enthusiasmus entfachen und Leidenschaft, nicht nur den vergöttlichten Trieben des astralischen Leibes folgen, sondern eigene Triebe entfalten aus seiner Freiheit heraus. Das hatten ihm die luziferischen Geister in seinen astralischen Leib hineingegossen. Aber damit hatten sie ihm zugleich etwas anderes gegeben: die Möglichkeit zum Bösen, zur Sünde. Die hätte er nicht gehabt, wenn er Schritt für Schritt von den erhabeneren Göttern geführt worden wäre. Die luziferischen Geister haben den Menschen frei gemacht, ihm Enthusiasmus eingepflanzt, aber ihm zu gleicher Zeit die Möglichkeit der niederen Begierden gegeben. Der Mensch hätte, bei einem normalen Entwickelungsgange, sozusagen mit einem jeglichen Ding die normalen Empfindungen verknüpft. So aber konnten ihm die Dinge der Sinneswelt mehr gefallen, als sie ihm hätten gefallen sollen. Er konnte mit seinem Interesse haften an den Dingen der Sinneswelt. Und die Folge war, daß er früher, als es sonst geschehen wäre, in diese physische Verhärtung hineinkam.“

GA 112, S 91

„Der Mensch ist also früher zu einer festen Gestalt gekommen, als es bei den göttlich‑geistigen Wesenheiten sozusagen beschlossen war. Eigentlich hätte er in dem letzten Drittel der atlantischen Zeit aus einer luftigen zu einer festen Gestalt heruntersteigen sollen. So aber ist er vor dieser Zeit heruntergestiegen und ein festes Wesen geworden. Es ist das, was uns in der Bibel als der Sündenfall beschrieben wird. Das ist der luziferische Einfluß, der sich da geltend macht. Wir haben aber auch in den Zeiten, die wir jetzt betrachtet haben, hohe geistige Wesenheiten, die auf das Ich des Menschen wirken, das sie ihm geschenkt haben. Die lassen die Kräfte einströmen, die den Menschen vorwärts bringen in seiner Bahn im Kosmos in demselben Maße, als wiederum diese Menschenwesenheiten herunterkommen und sich mit den Menschenkörpern vereinigen. Sie halten ihre Hand schützend über ihn. Auf der anderen Seite aber sind jene Wesenheiten, die sich nicht auf geschwungen haben, um auf das Ich zu wirken. Die wirken nun auf den astralischen Leib des Menschen und entwickeln in ihm ganz besondere Triebe.“

GA 112, S 91/92

„Wodurch nun kann der astralische Leib so stark wirken? Dadurch, daß er sich richtige Gefühle aneignet, sich richtigen Gefühlen hingibt in bezug auf das, was in unserer Umwelt geschieht, daß er vor allen Dingen sich in ein richtiges Verhältnis bringt zu dem menschlichen Egoismus.“

GA 112, S 193

„Ich habe Ihnen ja schon angedeutet, daß in der alten atlantischen Zeit ein ganz anderer Zusammenhang war zwischen dem menschlichen physischen Leibe und dem menschlichen Ätherleibe als später. Von den vier Gliedern der Menschennatur gilt heute, daß der physische Leib und Ätherleib so miteinander verbunden sind, daß sie sich ungefähr decken, und besonders ist das bei dem Kopfteil des Menschen der Fall. So ist es aber nur für die heutige Zeit. Wenn wir zurückgehen in die atlantische Zeit, so haben wir da einen solchen Zusammenhang, daß der menschliche Ätherleib in bezug auf den Kopfteil überall weit hinausragte. Der Mensch hatte seinen Ätherleib, besonders in bezug auf den Kopf, in der atlantischen Zeit weit aus dem physischen Leib heraußen. Nun ist die atlantische Entwickelung eben so, daß immer mehr und mehr der Ätherleib zur Deckung kam mit dem physischen Leibe, insbesondere in bezug auf den Kopf. Immer mehr zieht der Ätherleib sich in den physischen Leib hinein und verändert natürlich auch dadurch dieses Glied der menschlichen Wesenheit. Also das ist das Wesentliche in bezug auf diese Seite der menschlichen Entwickelung, daß der Ätherteil des menschlichen Kopfes immer weiter sich hineinzieht in den physischen Teil des Kopfes und daß beide zur Deckung kommen. Nun war der Ätherleib, solange er außerhalb des physischen Kopfes war, in einer ganz anderen Lage als nachher. Es war so, daß er von allen Seiten mit Strömungen verbunden war, mit anderen geistigen Wesenheiten; und was da aus‑ und einströmte, das gab diesem menschlichen Ätherleib in den atlantischen Zeiten die Fähigkeit des Hellsehens. Also diese Fähigkeit des Hellsehens rührt davon her, daß der Ätherleib noch nicht ganz im physischen Leibe drinnen war in bezug auf den Kopf, und daß von allen Seiten Ströme hineingingen in den Kopf und diesem Ätherleib die Fähigkeit des Hellsehens gaben.“

GA 112, S 225/226

„Aber der Gang der Entwickelung geht fort, und genau so, wie einstmals in der atlantischen Zeit der Mensch sich so entwickelt hat, daß sein Ätherleib untertauchte in seinen physischen Leib, so vollzieht sich die Entwickelung, indem wir in die Zukunft hineingehen, so, daß der Mensch allmählich wieder herausrückt aus seinem physischen Leib. Während der Ätherleib vorher hineingezogen ist und bis zum Erscheinen des Christus immer noch ein Stück weiter hineingegangen ist, kam jetzt die Zeit, wo der Gang der Entwickelung sich änderte. In dem Moment, wo der Christus erschien, da fing der Ätherleib wieder an herauszugehen, und heute ist er schon bereits weniger mit dem physischen Leibe verbunden als zur Zeit der Anwesenheit des Christus. Der physische Leib ist dadurch noch gröber geworden.“

GA 112, S 229

„Dieser Astralleib, der lebt ja abgesondert bei dem Esoteriker oder bei demjenigen, der eine ernsthafte theosophische Entwicklung durchmacht, der Theosophie zu seinem Lebensinhalte macht. Er lebt aber bei dem gewöhnlichen Menschen nicht so lose, so selbständig wie bei dem geschilderten in Entwicklung begriffenen Menschen. Dieser Astralleib wird in einer gewissen Weise selbständig, trennt sich ab bei demjenigen, der eine Entwicklung durchmacht. Er geht nicht unbewußt in eine Art Schlafzustand über, aber er wird selbständig, trennt sich ab, macht gleichsam auf andere Weise das durch, was der Mensch sonst im Schlafzustand durchmacht; dadurch kommt dieser astralische Leib in seinen ihm gemäßen Zustand. Beim gewöhnlichen Menschen, der draußen in der exoterischen Welt lebt, ist dieser Astralleib mit den anderen Leibern verbunden; die anderen Leiber üben ihren entsprechenden Einfluß auf ihn aus. Da kommt die einzelne hervorstechende Eigenschaft eines solchen menschlichen Gliedes nicht in Betracht. Wenn aber dieser Astralleib herausgerissen wird, dann macht er seine Eigentümlichkeiten geltend. Und was sind denn die Eigentümlichkeiten des astralischen Leibes?

Nun, meine lieben Freunde, ich habe schon vielleicht zum Entsetzen manches hier Sitzenden auf diese Eigentümlichkeit hingewiesen. Diese Eigentümlichkeit des menschlichen Astralleibes auf der Erde ist nämlich der Egoismus. Und wenn der Astralleib, abgesehen von den übrigen Einflüssen, die von den andern Gliedern der Menschennatur herkommen, seine ureigenste Eigenschaft geltend macht, so ist dies eben der Egoismus, das Streben, in sich und bei sich ausschließlich zu sein. Das kommt dem Astralleib zu. Und für den Astralleib als solchen wäre es schlecht und schlimm, es stellte eine Unvollkommenheit in ihm dar, wenn er nicht von der Kraft des Egoismus sich durchdringen könnte, wenn er nicht zu sich sagen könnte: Ich will im Grunde genommen alles nur durch mich erreichen, will alles, was ich arbeite, in mir verarbeiten, will einzig und allein alle Sorgfalt auf mich selber verwenden. Das ist die richtige Stimmung des Astralleibes. Wenn wir diese in Betracht ziehen, so werden wir verstehen, wie esoterische Entwicklung gerade nach dieser Richtung hin einzelne Gefahren hervorrufen kann. Es können zum Beispiel durch eine esoterische Entwicklung, weil diese notwendigerweise den Astralleib etwas freimachen muß, solche Menschen, die — sagen wir — ohne Beachtung alles dessen, was wahre Theosophie geben will, sich auf den Boden einer nicht ganz ernsthaften Theosophie stellen, es können gerade solche Menschen diese Eigenschaft des Astralleibes, den Egoismus, im Verlaufe ihrer esoterischen Entwicklung besonders hervorkehren. Diese Beobachtung kann gemacht werden in vielen theosophischen und okkulten Gesellschaften, daß, während als ein Moralgrundsatz wohl gepredigt und immer wiederholt wird Selbstlosigkeit, allgemeine Menschenliebe, durch die naturgemäße Loslösung des Astralleibes gerade der Egoismus blüht. Für den Seelenbeobachter hat es ohnedies etwas auf der einen Seite durchaus Berechtigtes, auf der anderen Seite Bedenkliches, wenn geradezu zum oft ausgesprochenen Grundsatz — wohlgemerkt, ich sage nicht zum Grundsatz, sondern zum oft ausgesprochenen Grundsatz — gemacht wird allgemeine Menschenliebe; denn unter gewissen Voraussetzungen des Seelenlebens sagt das der Mensch am liebsten und am häufigsten, was er am wenigsten hat, wovon er merkt, daß es ihm am meisten fehlt, und wir können oft bemerken, daß Grundsätze dort am meisten betont werden, wo sie am meisten fehlen.“

GA 145, S 120/121

„Nun hat zunächst die Vertretung dieses exoterischen Grundsatzes nichts zu tun mit dem, wovon eben gesprochen worden ist als der ureigensten Eigenschaft des astralischen Leibes: Egoismus, Streben in sich zu sein, bei sich zu sein, durch sich zu sein. Es fragt sich jetzt: Wie ist es denn möglich, diese — gebrauchen wir ruhig den Ausdruck — zunächst uns abscheulich erscheinende Eigenschaft des astralischen Leibes, daß er ein absoluter Egoist sein will, in einem richtigen Licht zu sehen? Gehen wir einmal so vor, daß wir von einfachen Tatsachen des Lebens ausgehen.“

GA 145, S 122

„Es gibt Fälle, wo der Egoismus sich erweitert schon im gewöhnlichen Leben, und wo wir gewissermaßen es als eine notwendige Einrichtung des Lebens ansehen müssen, daß der Egoismus sich erweitert. Betrachten Sie zum Beispiel den Grundzug mancher Mutterliebe und versuchen Sie zu verstehen, wie da der Egoismus sich erweitert von der Mutter auf das Kind. Man darf sagen: Je mehr man hineindringt in weniger gebildete Volksmassen und — man möchte sagen — die Löwenart, mit der die Mütter ihre Kinder verteidigen, beobachtet, desto mehr merkt man, wie der Mutter der Angriff auf ihr Kind einen Angriff auf sich selbst bedeutet. Ihr Selbst ist erweitert auf das Kind, und es ist so, daß die Mutter eine Attacke auf ein Glied von ihr selbst nicht mehr empfinden würde als eine Attacke auf ihr Kind. Denn das, was sie in ihrem Selbst fühlt, überträgt sie auf das Kind, und wir könnten nichts Besseres finden für die Einrichtung der Welt, als wenn in einer solchen Weise der Egoismus von einem Wesen auf die anderen sich übertrüge und das eine Wesen das andere gleichsam zu sich rechnete und gerade deshalb seinen Egoismus auf dieses Wesen ausdehnte. Wir sehen also, daß der Egoismus aufhört, seine Schattenseiten zu entwickeln, wenn sich das Wesen erweitert, wenn das Wesen sein Fühlen und Denken in ein anderes Wesen hineinverlegt und dieses als zu sich gehörig betrachtet. Mütter machen dadurch, daß sie auf der einen Seite ihren Egoismus auf das Kind ausdehnen, auch wiederum Anspruch auf das Kind als ihr Eigentum; sie rechnen es auch wiederum durchaus zu sich, sie machen es so, wie der astralische Leib es macht: Alles, was mit mir in Zusammenhang steht, durch mich, zu mir, mit mir und so weiter…“

GA 145, S 122/123

„Der astralische Leib ist dadurch zu charakterisieren, daß er ein Egoist ist. Die Folge davon ist, daß jede Entwicklung, die den Astralleib freimacht, damit rechnen muß, daß sich die Interessen des Menschen erweitern, immer weiter und weiter werden. Ja, wenn unser astralischer Leib sich in der richtigen Weise loslösen soll von den übrigen Gliedern der Menschennatur, dann muß das Interesse unseres Astralleibes über die ganze Erde und Erdenmenschheit gehen. Es müssen in der Tat die Interessen der Menschheit auf der Erde unsere Interessen werden; es muß aufhören das Interesse, irgendwie an Persönliches nur anzuknüpfen; es muß alles, was den Menschen betrifft, nicht nur in unserer Zeit, sondern was den Menschen jemals in der ganzen Erdenentwicklung betroffen hat, unser tiefstes Interesse erregen; wir müssen in die Lage kommen, nicht nur diejenigen, die mit uns blutsverwandt sind, nicht nur das, was für Haus und Hof und Feld mit uns zusammenhängt, wie eine Fortsetzung unseres Eigenen zu betrachten, sondern alles, was die Erdenentwicklung ausmacht, zu unserer Angelegenheit machen.

Wenn wir in unserem Astralleib Interesse haben für alle Angelegenheiten der Erde, wenn alle Angelegenheiten der Erde unsere eigenen Angelegenheiten sind, dann dürfen wir uns der Egoität unseres Astralleibes überlassen. Das aber ist notwendig, daß die Interessen der Menschheit auf der Erde unsere Interessen werden. Betrachten Sie von diesem Gesichtspunkt aus die zwei Legenden, von denen ich gestern gesprochen habe! Wenn sie einer Menschheit gegeben werden, dann werden sie gegeben unter dem Gesichtspunkt, daß der Mensch hinaufgehoben werde von jedem Einzelinteresse zu dem allgemeinen Erdeninteresse.

Die Paradieseslegende führt den Menschen unmittelbar hin bis zu jenem Ausgangspunkt der Erdenentwicklung, wo der Mensch die erste Inkarnation noch nicht betreten hatte, oder wo er sie eben betritt, wo Luzifer an ihn herantritt, wo er noch vor der Gesamtentwicklung steht, wo er tatsächlich alle menschheitlichen Interessen in seine eigene Brust hereinnehmen kann. Die größtdenkbare Erziehungslegende, das größtdenkbare Erziehungsproblem liegt in der Paradieseserzählung, in jener Erzählung, die den Menschen hinaufhebt zum Gesichtspunkt der ganzen Menschheit, die ein Interesse, welches in jedes Menschen Brust sprechen kann, auch in jedes Menschen Brust hineinprägt. Wenn die Bilder der Paradieseslegende, so, wie wir sie zu begreifen versuchten, in die Menschenseele hereindringen, so wirkt das so, daß der Astralleib sich davon durchdringt, und daß unter dem Einflusse dieses den Gesichtskreis über die ganze Erde erweiternden Menschenwesens der Astralleib auch alles das, was jetzt in seine Sphäre hereintritt, zu seinem Interesse machen darf. Er hat sich dazu erzogen, die Interessen der Erde als seine Interessen betrachten zu dürfen. Versuchen Sie, meine lieben Freunde, in vollem Ernst und in voller Würde zu betrachten, was eigentlich in einer solchen Legende für eine universelle pädagogische Kraft liegt, was für ein spiritueller Impuls in einer solchen Legende liegt.

Ähnlich ist es mit der Gralslegende. Während die Paradieses-legende sozusagen gegeben ist für die Menschheit der Erde, insofern sich diese Menschheit zurückwendet zum Ursprung, zum Ausgangspunkt der Erdenentwicklung, während die Paradieseslegende also dafür gegeben ist, auf den Horizont der ganzen Menschheitsentwicklung sich hinaufzuheben, ist die Gralslegende dazu gegeben, ins tiefste Innere des astralischen Leibes sich zu versenken, in die ureigensten Interessen dieses astralischen Leibes; weil dieser eben, wenn er nur sich selbst überlassen wird, ein Egoist wird, der nur seine ureigensten Interessen betrachtet.“

GA 145, S 124/125

„Man kann eigentlich, wenn es sich um die Interessen des Astralleibes handelt, nur nach zwei Richtungen hin abirren. Diese zwei Richtungen sind die Richtung nach dem Amfortas und, bevor Amfortas zur völligen Erlösung kommt, nach dem Parzival. Mitten drinnen liegt die richtige Entwicklung des Menschen, insofern sein astralischer Leib in Betracht kommt. Dieser astralische Leib strebt also danach, in sich die Kräfte des Egoismus zu entwickeln. Wenn er aber in diesen Egoismus persönliche Interessen hineinbringt, dann wird er angefressen; er wird gleichsam, während er sich über die ganze Erde ausdehnen sollte, zusammengeschrumpft auf die einzelne Persönlichkeit. Das darf nicht sein! Denn wenn es geschieht, wird durch die Wirkung der Persönlichkeit, die ihren Ichausdruck im Blute findet, die ganze menschliche Persönlichkeit verwundet: man irrt nach der Amfortasseite ab. Des Amfortas Grundfehler besteht darin, daß er in die Sphäre, wo der Astralleib sich die Berechtigung erworben haben sollte, Egoist zu sein, daß er in diese hinaufträgt dasjenige, was noch an persönlichen Begierden und Wünschen im Menschen sein kann. In dem Augenblick ist es heillos, wenn man in die Sphäre, wo der astralische Leib von den persönlichen Interessen sich lösen sollte, persönliche Interessen mitnimmt; dann ist man der verwundete Amfortas.“

GA 145, S 126

„Ich bitte Sie, gerade in diesem Punkte ja nicht einen Teil für das Ganze zu nehmen, sondern die heutige und morgige Betrachtung durchaus zusammenzunehmen, denn der einzelne Teil kann Mißverständnisse hervorrufen; aber es ist durchaus notwendig, daß an diesem Punkte der menschliche Astralleib in seiner Entwicklung zum Horizont der Menschheit hinaufgehoben werde in einer ganz besonderen Weise, so daß allgemeinste Menschheitsinteressen seine Interessen werden, daß er sich beleidigt, verletzt, trauernd fühlt in sich selber, wenn irgendwo die Menschheit verletzt wird. Dazu ist notwendig, daß der Mensch, wenn er allmählich dazu gelangt, daß sein astralischer Leib frei, unabhängig wird von den übrigen Gliedern der Menschennatur durch die esoterische Entwicklung, daß er dann sich wappnet und schützt zunächst, namentlich gegen die beliebigen Einflüsse anderer astralischer Leiber; denn wenn der astralische Leib frei wird, so ist er nicht mehr geschützt durch den physischen und Ätherleib, die gleichsam eine feste Burg sind für den astralischen Leib. Er ist frei, er wird durchlässig und es können sehr leicht die Kräfte, die in anderen Astralleibern sind, in ihn hereinwinken. Stärkere Astralleiber als der eigene können da Einfluss gewinnen auf ihn, wenn er sich nicht wappnen kann durch seine eigenen Kräfte. Es wäre verhängnisvoll, wenn jemand ganz bis zur freien Handhabung seines astralischen Leibes hinaufkäme und so unschuldig bliebe mit Bezug auf das Verhältnis des astralischen Leibes, wie Parzival im Anfang ist. Das geht nicht; denn dann würden alle möglichen, von Astralleibern ausgehende Einflüsse auf seinen Astralleib die entsprechende Wirkung haben können.“

GA 145, S 128/129

„Sehen Sie, meine lieben Freunde, in gewisser Beziehung kann auch in der äußeren, exoterischen Welt das Bedeutung haben, worauf jetzt eben hingedeutet wird. Die Menschen leben ja über die Erde hin in gewissen einzelnen Religionssystemen. Diese Religionssysteme haben ihre Kulte, sie haben ihre Ritualien. Diese Ritualien umgeben den Menschen mit demjenigen, was ja durchaus Imaginationen sind, die mit Hilfe des Astralleibes aus höheren Welten genommen sind. In dem Augenblick, wo solch eine Religionsgemeinschaft einen Menschen aufnimmt, ist er inmitten von Imaginationen, die seinen astralischen Leib, während der Ritus auf ihn wirkt, befreien; wenigstens für kurze Augenblicke wird bis zu einem gewissen Grade der astralische Leib frei innerhalb irgendeines religiösen Ritus. Und je stärker der Ritus ist, je mehr er unterdrückt die Einflüsse des Äther- und physischen Leibes, je mehr er mit solchen Mitteln arbeitet, daß der astralische Leib emanzipiert wird, desto mehr wird während der entsprechenden Zeremonie der astralische Leib herausgelockt aus dem Äther- und physischen Leib. Es ist deshalb auch — verzeihen Sie den Ausdruck, es könnte scheinen, als ob ich den Ausdruck mit einem gewissen Spott gebrauchen würde, es ist aber kein Spott —, es ist deshalb nirgends so gefährlich zu schlafen als in der Kirche, weil im Schlafe ohnedies schon der astralische Leib sich trennt vom physischen und Ätherleib und weil das, was im Ritus vorgeht, eben sich einnistet in den astralischen Leib; denn er ist mit Hilfe von astralischen Leibern aus den höheren Welten herabgenommen. Also der sogenannte Kirchenschlaf, der ja in manchen Gegenden bei vielen eine sehr beliebte Sache ist, der sollte eigentlich vermieden werden. Es handelt sich da mehr um Kirchen, die einen Ritus haben, weniger um diejenigen Religionsgemeinschaften, die vermöge der Anschauungen der Neuzeit schon von einem gewissen Ritus abgekommen sind oder auf ein Minimum eines Ritus sich beschränken. Hier werden diese Dinge nicht besprochen mit irgendeiner Vorliebe oder Nichtvorliebe für dieses oder jenes Bekenntnis, sondern rein nach Maßgabe der objektiven Tatsachen. Wenn der Mensch also seinen Astralleib von den übrigen Gliedern der Menschennatur emanzipiert hat, so haben auf ihn leicht die Impulse, die Kräfte Einfluß, die wiederum mit Hilfe von Astralleibern gewonnen sind. Und hier liegt auch die Möglichkeit, daß eine Persönlichkeit, die zur freien Benutzung ihres Astralleibes gekommen ist, wenn sie stärker ist als eine andere, die auch in gewisser Weise ihren Astralleib emanzipieren kann, daß die erste Persönlichkeit auf die zweite einen ungeheuren Einfluß gewinnen kann. Es ist dann förmlich wie ein Übertragen der Kräfte des einen Astralleibes der stärkeren Persönlichkeit auf den der schwächeren Persönlichkeit. Und wenn man dann hellseherisch die schwächere Persönlichkeit betrachtet, so trägt sie in ihrem Astralleibe eigentlich ganz die Bilder und Imaginationen der stärkeren astralischen Persönlichkeit.“

GA 145, S 129/130

„Solche Dinge kann man eigentlich nur so geben, daß man die Anregungen gibt zu den Vorstellungen, denn sie sind zu bedeutungsvoll, als daß man mehr geben könnte als eine Anregung dazu. Ich wollte zeigen, wie man allmählich dahin kommen kann, das, was in unserem Inneren lebt als astralischer Leib und Selbst, seiner wahren Gestalt nach, nicht in der Maja, zu erkennen; denn so wie der Mensch seinen astralischen Leib innerlich erlebt, so ist es nicht der wirkliche astralische Leib, so ist es der astralische Leib, wie er sich spiegelt im Ätherleib. Und was der Mensch sein Selbst nennt, ist nicht das wirkliche Ich, ist das Ich, wie es sich spiegelt im physischen Leib. Spiegelbilder seines Inneren erlebt der Mensch nur. Und wenn er unreif die Gestaltungen dieses eigenen inneren Astralleibes und Ichs erleben würde, so entstünden in ihm Zerstörungstriebe, so würde er ein aggressives Wesen, so entstünde in ihm die Lust zu schaden. Und diese Dinge liegen ja aller schwarzen Magie zugrunde. Wenn auch die Wege, welche die schwarze Magie geht, sehr verschieden sind, der Effekt, den sie erzielen, hat immer etwas von einem Bündnis mit Ahriman oder mit Schiwa. Und dadurch lernt man nur astralischen Leib und Ich in ihrer wirklichen Gestalt erkennen, daß man weiß: Man darf sie nur erkennen lernen, wenn man zugleich bejaht die Notwendigkeit, daß sie sich entwickeln und würdig und wert machen müssen, das zu sein, was sie sein sollen. Die innerste Natur des astralischen Leibes ist der Egoismus; das Ideal muß aber sein, Egoist sein zu dürfen, weil die Weltinteressen die eigenen Interessen werden. Das Ideal muß sein, in das andere Wesen untertauchen zu dürfen, weil der Wille vorliegt, in den anderen Wesen nicht sich zu suchen mit seinen Interessen, sondern das andere Wesen bedeutungsvoller zu finden, als man sich selber findet. Die Selbsterziehung muß so weit gehen, dieses obere Bild in seiner ganzen okkult-moralischen Bedeutung zu fühlen, dieses Bild: das, was man selber ist, allmählich so umzugestalten, daß einen die eigenen Affekte, die eigenen Triebe, Begierden und Leidenschaften nicht mehr wärmen können, sondern daß man mit dem Sicheinleben in den astralischen Leib sich einlebt in frostige Einsamkeit und dadurch sich der Wärme öffnet; das heißt, dem warmen Interesse, das von den anderen Welten ausströmt und sich den segnenden Kräften vereinen will, die von diesem anderen Wesen ausgehen. Damit ist uns zugleich der Ausgangspunkt gegeben für ein nach und nach Sicherheben zu den höheren Hierarchien in ihrer wirklichen Gestalt. Wir gelangen sonst nicht hinauf in die Wesenheiten der höheren Hierarchien, wenn wir nicht imstande sind, uns würdig dieser Imagination und Inspiration, wie sie geschildert worden ist, entgegenzustellen und ihr Gegenbild auszuhalten, das heißt: die Möglichkeiten in den Tiefen der menschlichen Natur, als sie herabgeworfen wurde aus den geistigen Welten in die physische Welt. Wenn man das Doppelbild Kam und Abel, unten sich und den Repräsentanten seines höheren Selbstes, aber den Vermittler zwischen sich und den höheren Hierarchien nicht schauen will, kann man nicht hinaufsteigen. Dann aber, wenn man imstande ist, dieses Gefühl, das hier angedeutet ist, in sich zu kultivieren, dann erlebt man sein Selbst und von diesem aus den Zugang zu den Hierarchien der höheren Ordnungen.“

GA 145, S 151/152

„Aus der Darstellung, die ich gegeben habe in meiner «Geheimwissenschaft», ersehen Sie, daß dem Menschen auf dem Monde der astralische Leib gegeben war. Das, was wir in unserem astralischen Leibe tragen, hat überhaupt auf dem alten Monde eine große Rolle gespielt. Wir haben es aber charakterisiert als die Egoität, als den Egoismus. Auf dem alten Mond mußte dem Menschen eingepflanzt werden dieser Egoismus, und da der Mensch auf dem alten Monde seinen Astralleib empfangen hat, so sitzt eben der Egoismus in seinem Astralleibe; und da Luzifer sein Mondwesen bewahrt hat, hat er sich als die innere Seeleneigenschaft seiner Schönheit in die Erde hereingetragen den Egoismus. Er ist daher auf der einen Seite der Geist der Schönheit, auf der anderen der Geist des Egoismus. Und das, was man sein Unrecht nennen kann, wäre nur dieses, daß er etwas, was sich für den Menschen — wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf — auf dem Mond gehörte, nämlich sich zu durchdringen, zu imprägnieren mit Egoismus, daß er das auf die Erde hereinverpflanzt hat. Dadurch aber wurde dem Menschen, wie oftmals erwähnt worden ist, eben gerade die Möglichkeit gegeben, in sich selber, in seinem Inneren zu werden eine in sich abgeschlossene, freie Wesenheit. Das wäre der Mensch niemals geworden, wenn Luzifer die Egoität vom Monde nicht nach der Erde herübergetragen hätte. So lernt man im inneren Erleben Luzifer kennen sozusagen als den nächtlichen Geist. Und es ist mit jener Veränderung, die mit unserem Selbst und mit unserem Astralleibe vorgeht während unserer okkulten Entwicklung, verbunden, daß wir uns fühlen in der Nacht in der Gesellschaft des Luzifer.“

GA 145, S 160/161

„Der astralische Leib des Menschen, der ist ja für die gewöhnliche Beobachtung sozusagen nur durch sein inneres Schattenbild zu sehen, durch Gedanken-, Willenserlebnisse, Gefühlserlebnisse; er wird immer mehr und mehr zu einem Ausdruck desjenigen, was der Mensch in bezug auf seine Wesenheit im Kosmos wert ist. Diese Schilderung, diese Darstellung bitte ich ganz besonders bedeutsam zu nehmen. Der astralische Leib des in einer okkulten Entwicklung begriffenen Menschen wird immer mehr und mehr der Ausdruck für den Wert des Menschen im Kosmos. Wir haben ja geschildert, wie wir darauf kommen, daß der astralische Leib seiner Urwesenheit nach eine Art Egoist ist, wie aber die okkulte Entwicklung diesen überwinden muß dadurch, daß Persönlichkeitsinteressen zu Weltinteressen hinaufgehoben werden. Beobachtet man den astralischen Leib einer in höherer Entwicklung begriffenen Persönlichkeit, dann wird man an diesem astralischen Leib sehen, je nachdem er sich finster oder dunkel erweist oder innerlich sich hell erglänzend zeigt, je nachdem er sich in schrillen Mißtönen zu erkennen gibt oder in harmonischen, melodischen Klängen, daran wird man sehen, ob der betreffende Mensch seine Entwicklung so geleitet hat, daß er mit seinen persönlichen Interessen verknüpft geblieben ist, von denen gesprochen worden ist, oder ob er wirklich Weltinteressen zu seinen Interessen gemacht hat. Das ist es, was sich ergeben kann an dem astralischen Leibe einer in höherer Entwicklung begriffenen Menschenpersönlichkeit, daß, wenn die Entwicklung in richtiger okkulter Moral vor sich gegangen ist, wir an ihm sehen, wie wunderbar der Mensch dadurch wird, daß er den Horizont seiner Interessen aus dem Persönlichen in das Allgemein-Menschliche und in die allgemeinen Weltintentionen hinaus erweitert. Immer strahlender, immer sonnenhafter wird der astralische Leib dadurch, daß der Mensch immer mehr und mehr lernt, die allgemeinen Menschheits- und Weltangelegenheiten zu .reinen Angelegenheiten zu machen.“

GA 145, S 172/173

„So wird ein astralischer Leib in richtiger okkulter Entwicklung wie eine Sonne, welche ihre Weltinteressen hinausstrahlt. Ein Selbst aber wird, wenn es sich höher entwickelt, wie die Planeten, die um diese Sonne des astralischen Leibes kreisen und welche bei ihrem Kreisen durch die Welt anderen Wesenheiten begegnen und, indem sie anderen Wesenheiten begegnen, von diesen anderen Wesenheiten Kunde bringen dem erkennenden Wesen des Menschen. So bietet in der Tat der astralische Leib und das Selbst bei einem in okkulter Entwicklung begriffenen Menschen das Bild einer Sonne — das ist der astralische Leib —, umgeben von ihren Planeten, — das ist eine Anzahl von Vervielfältigungen des Selbstes, die hinausgesandt werden in andere Wesenheiten, damit der Mensch durch das, was ihm zurückstrahlt sein vervielfältigtes Selbst von diesen anderen Wesenheiten, das Wesen dieser anderen Wesenheiten erkenne.“

GA 145, S 174

„Aber es gibt ja etwas, das mit dem Menschen selbst verbunden ist und das in dieser Verbindung mit dem Menschen zu gleicher Zeit alle Eigenheiten der astralischen Welt als Wirkungen auf den Menschen äußert; das ist des Menschen eigener Astralleib. Das ist das dritte Glied seiner Wesenheit, von dem Sie erfahren haben, daß es in einer gewissen Weise eine selbstbegrenzte Gestalt hat. Während des Lebens zwischen Geburt und Tod kann man allerdings sehen, daß im wesentlichen der Astralleib sich wie eine Art ovaler Wolke ausnimmt, in welcher der physische und Ätherleib eingebettet sind. Eine Art Eiform ist der Körper, auf dessen äußeren Grenzen beständig wogende Bewegungen geschehen, so daß von einer Regelmäßigkeit keine Rede sein kann. Der Astralleib zeigt eine verhältnismäßig feste, beständige Form, solange er im physischen Leibe drinnensteckt. Solange das der Fall ist, so lange bleibt diese Form. Schon in der Nacht, wenn der Astralleib sich herauszieht, beginnt dieser sich dem Seelenleibe anzupassen. Da kann man schon sehen, wie ein Mensch, der bei Tage in bösartigen Gefühlen lebt, in der Nacht eine andere Form zeigt als ein Mensch, der während des Tages in guten Gefühlen gelebt hat. Im allgemeinen bleibt aber doch die Form des astralischen Leibes in der Nacht bestehen, weil die Kräfte des physischen und Ätherleibes sehr stark wirken und im Ätherleib auch in der Nacht noch nachwirken, den Astralleib aber in seiner Form im wesentlichen, aber nur im wesentlichen, erhalten.

Aber wenn der Mensch im Tode, nach Beendigung seines physischen Lebens, zunächst den physischen Leib abstößt und dann auch denjenigen Teil des Ätherleibes abstößt, der abzustoßen ist, dann zeigt der Astralleib schon während der Kamalokazeit durchaus eine wechselnde Form. Ganz und gar angepaßt ist dieser Leib in seiner Form und Bildgestalt seinem Seelenleben, so daß ein Mensch, der seinen Leib im Tode mit häßlichen Gefühlen verloren hat, eine abschreckende Gestalt zeigt, während ein Mensch, der mit schönen Gefühlen gestorben ist, schöne, sympathische Formen des Astralleibes zeigt. Es kann so weit kommen, daß Menschen, die ganz und gar aufgehen in sinnlichen Begierden und die sich nicht erheben können zu irgendwelchen edlen Gefühlen und Trieben, nach dem Tode eine Zeitlang wirklich die Form von allerlei grotesken Tieren annehmen, nicht solchen, wie sie auf dem physischen Plan leben, sondern solchen, die nur daran erinnern. Derjenige nun, der Erlebnisse hat auf dem astralen Plan und verfolgen kann, welche Gestalten sich da dem hellseherischen Bewußtsein darbieten, der weiß, welches Bild einer Seele mit edlem und einer mit unedlem Inhalt entspricht; von dem kann also alles an den Gestalten erlebt und erschaut werden. Ich sagte schon, daß dieser astrale Menschenleib keineswegs absolut etwa ganz bestimmte innere und äußere Formen zeigt, sondern nur innerhalb bestimmter Grenzen ist das der Fall. Auch schon im physischen Leben, namentlich in jenem Teil des Leibes, der nach dem Einschlafen austritt. Dann paßt sich in einer gewissen Weise der Astralleib doch auch dem an, was die Seele erlebt. Und da kann man aus gewissen Bildungen und Gestaltungen, die der Astralleib in sich annimmt, sehen, was innerhalb im Menschen vorgeht und was er erlebt.“

GA 108, S 14/15

„Nur bezüglich einiger Dinge, die die Seele erleben kann, möchte ich Ihnen einiges angeben, nämlich, wie dann der astrale Leib gesehen wird. Nehmen Sie an, ein Mensch sei schwatzhaft, neugierig oder er neige zum Jähzorn oder anderen ähnlichen, sagen wir, Untugenden. Da drücken sich diese Untugenden in einer ganz bestimmten Weise in seinem Astralleib aus. Wenn der Mensch zum Beispiel geplagt wird von Zorn, Arger, namentlich wenn er jähzornig ist, dann zeigen sich in seinem Astralleib knollige Bildungen, Verdichtungen durch den Astralleib. Er wird unrein. Von diesen Verdichtungen gehen recht schlimm aussehende, schlangenartige Fortsetzungen aus, die sich auch in der Färbung von anderen Substanzen unterscheiden. Namentlich bei jähzornigen Menschen kann das leicht beobachtet werden. Wenn die Menschen schwatzhaft sind, dann zeigt sich dieses namentlich dadurch, daß der Astralleib allerlei Verdichtungen zeigt, die man so charakterisieren könnte, daß man sagt, durch die Verdichtungen werde nach allen Seiten ein Druck im Astralleib ausgeübt. Wenn die Menschen neugierig sind, dann zeigt sich das im Astralleib, indem er sich in Falten legt; gewisse Teile werden faltig schlaff, und es hängen sozusagen gewisse Teile einander entgegen; es zeigt sich ein allgemeines Schlaffwerden. Sie sehen also, daß dieser astrale Menschenleib in einer gewissen Art die allgemeinen Eigenschaften der Astralwesenheit teilt, daß er seine Form den inneren Seelenerlebnissen des Menschen anpaßt.“

GA 108, S 15/16

„Wenn das hellseherische Bewußtsein die Pflanze beschaut, so sieht es namentlich oben, wo die Blüten sind oder entstehen, die ganze Pflanze eingetaucht in eine astrale Wolke, eine helle Wolke, die die Pflanze namentlich an diesen Teilen umgibt und einhüllt, wo sie blüht und Früchte trägt. Also die Astralität senkt sich gleichsam auf die Pflanze nieder und hüllt einen Teil der Pflanze ein. Der Astralleib der Pflanze ist eingebettet in diese Astralität. Und das Eigentümliche davon ist, daß, wenn Sie sich die ganze Pflanzendecke der Erde denken, so werden Sie finden, daß die Astralleiber der Pflanzen einer an den anderen grenzen und sie ein Ganzes bilden, von dem die Erde eingehüllt ist, wie von physischer Luft, von der Pflanzenastralität. Wenn die Pflanzen nur einen Ätherleib hätten, würden sie so wachsen, daß sie nur Blätter, keine Blüten ansetzen würden, denn das Prinzip des Ätherleibes ist Wiederholung. Wenn eine Wiederholung und eine Bildung abgeschlossen werden soll, muß ein Astralleib dazukommen.“

GA 108, S 18/19

„Der Mensch könnte, wenn er ein klein wenig auf die spirituellen Lehren eingehen wollte, heute schon die Reinkarnation mit Händen greifen — dies ist nicht bildlich, sondern wörtlich zu nehmen —, wenn nur die materialistischen Theorien die entsprechenden Tatsachen nicht unrichtig, sondern richtig deuteten, Dies kann an bestimmten Fällen nachgewiesen werden. Es gibt Menschen, die in ihrer Entwickelung noch so wenig weit vorgeschritten sind, daß sie mit ihren Empfindungen noch ganz in ihrer Empfindungsseele drin stecken. Ihr ganzes Bewußtsein hängt zusammen mit der Empfindungsseele. Und das kann man den äußeren Gesten der Menschen schon ansehen: sie verraten ja gewisse Ursachen, die im Astralleib liegen. Wenn ein Mensch noch ganz in der Empfindungsseele drin steckt, sich innerlich so recht wohl fühlt, kommt es vor, zum Beispiel wenn er eine gute Mahlzeit hatte, daß er sich auf den Leib klopft vor Behagen. Das ist ein Zeichen, daß er noch eine zu starke Empfindungsseele hat. Wenn ein Mensch tief in der Gemütsseele steckt, so kommt dies auch zum Ausdruck. Weil die Wahrheitsempfindung im Gemüt steckt, so wird ein Mensch, der in der Gemüts- oder Verstandesseele steckt, um eine Wahrheit zu beteuern, sich auf die Brust klopfen. Ein Mensch, der tief in der Bewußtseinsseele steckt, greift an die Nase, wenn er überwiegend tief über etwas nachdenkt. Am unteren Leib kommt das, was auf die Empfindungsseele Bezug hat, zum Ausdruck; was auf die Verstandes- oder Gemütsseele Bezug hat, kommt am Brustleib, und was auf die Bewußtseinsseele sich bezieht, am Kopf zum Ausdruck: man kraut sich auch hinter den Ohren. Ich sage das nur, um zu zeigen, wie das, was im Astralleibe ist, im physischen Leibe zum Ausdruck kommt.“

GA 108, S 99/100

„Der Mensch hat den astralischen Leib als Träger des Vorstellungslebens. Dieser astralische Leib ist, solange der Mensch spekuliert, der Sklave des Ich. Aber er geht nicht in dieser bewußten Tätigkeit auf, er steht auch in einer gewissen Beziehung zum ganzen Kosmos.“

GA 108, S 222

„Und wenn Sie nun die eigentliche Sprache, diesen wunderbaren, sich vom Menschen absondernden Organismus richtig verstehen, dann fühlen Sie, indem die Sprache aus dem Menschen erklingt, zu gleicher Zeit die ganzen Vibrationen des astralischen Leibes, die da drinnen sind in den farbigen Schwingungen, die unmittelbar in die Sprache übergehen. Sonst wirken sie ja auch im Menschen, aber sie kommen in eine sonderbare Aufregung, konzentrieren sich zum Kehlkopf hin, bekommen ihre Einschläge von Sonne und Mond, und das gibt etwas wie ein Spiel im astralischen Leib, das sich äußerlich offenbart in den Bewegungen des Kehlkopfes. Und jetzt haben Sie die Möglichkeit, wenigstens als ein Bild vor Ihnen stehend: Sie hören irgendeiner Sprache zu, schauen den astralischen Leib an, der dann seine Vibrationen sogleich auf den Ätherleib überträgt, wodurch das Ganze noch intimer wirkt; Sie zeichnen nun das Ganze, dadurch bekommen Sie nur Bewegungen, die im menschlichen Organismus begründet sind, und Sie erhalten jene Eurythmie, die immer ausgeführt wird gemeinsam vom astralischen Leib und Ätherleib, wenn der Mensch spricht. Es ist keine Willkür möglich, sondern es wird dadurch lediglich in die Sichtbarkeit heruntergeholt, was sonst fortwährend unsichtbar geschieht.“

TB 730, S 48/49

„Und wenn wir dann die nächste Zeit betrachten, die Zeit vom 7. bis zum 14.Jahre, also bis zur Geschlechtsreife, so können wir wieder von der einen Seite sagen, ein willensartiges Element, ein musikalisches Element wird gewissermaßen aufgenommen. Der Vorgang wird schon so am besten geschildert seiner einen Seite nach, wenn wir sagen; aufgenommen; denn es ist das musikalische Element, das eigentlich in der Außenwelt liegt. Durchvibriert wird allerdings das, was da an Musikalischem, an Tonlichem aufgenommen wird, durch den astralischen Leib. Der wird dadurch von den, Zusammenhange, den er früher gehabt hat mit der ganzen Organisation emanzipiert. Wir können deshalb von der anderen Seite auch in bezug auf das Kind sagen: Mit der Geschlechtsreife erfolgt die Geburt des astralischen Leibes. — Aber wieder ist es das Ich, das sich jetzt als Ewiges mit dem, was sich da emanzipiert, verbindet; so daß wir von der Geburt bis zur Geschlechtsreife, also bis zum Ende der Volksschulzeit und auch noch darüber hinaus, ein fortwährendes Sichbefestigen des Ich in der ganzen menschlichen Organisation haben. Vom 7. Jahre an befestigt sich das Ich nur noch im Ätherleibe; vorher aber, wenn der Mensch ein Nachahmer ist, befestigt sich gerade durch diese nachahmende Tätigkeit das Ich im physischen Leibe; und dann später, noch nach der Geschlechtsreife, befestigt das Ich sich im astralischen Leibe. Also es ist ein fortwährendes Durchdringen der menschlichen Organisation mit dem Ich, die sich konkret so ausnimmt, wie ich es gesagt habe.“

TB 730, S 55/56

„Gehen wir einmal davon aus, uns wenigstens vergleichsweise eine Art von Vorstellung zu bilden, was denn dieser astralische Leib des Menschen eigentlich ist. Nicht wahr, im alltäglichen Wachleben erlebt sich der Mensch nicht in seinem astralischen Leibe, ebensowenig wie er sich im Ätherleibe erlebt. Der Mensch erlebt sich in seinem Ich vom Aufwachen bis zum Einschlafen, und alle Erlebnisse sind Ich-Erlebnisse. Im astralischen Leibe erlebt sich der Mensch nicht. Dieser astralische Leib ist nämlich – ich habe das schon bei anderen Gelegenheiten betont – im Grunde genommen unendlich viel weiser als der Ich-Mensch. Er kann viel mehr, als der Ich-Mensch kann. Dieser astralische Leib kann tatsächlich dasjenige lesen, was ich Ihnen andeutungsweise geschildert habe als okkulte Schrift. Der Astralleib kann diese okkulte Schrift lesen; er kann sie wirklich lesen.“

GA 156, S 114/115

„Wenn wir nun aber selbst in unserem bewußten, wachen Tagesleben einem Ereignis oder auch einem Gegenstande gegenübertreten, der auf uns einen Eindruck macht, dann bilden wir uns eine Vorstellung dieses Gegenstandes. Bei dem Bilden dieser Vorstellung des Gegenstandes ist zunächst der astralische Leib beschäftigt. Er ist in einer vehementen Bewegung, während wir uns eine Vorstellung von einem Gegenstande bilden, oder uns die Vorstellung des Eindruckes eines äußeren Ereignisses bilden. Was wir so als Vorstellung bilden, was wir als seelisches Erlebnis haben, das schreibt sich auch ein in den Ätherleib des Menschen, bleibt im Ätherleibe des Menschen eingeschrieben. Geradeso wie die Welt mit ihren Ereignissen fortwährend in unseren Ätherleib sich einschreibt, so schreiben wir auch dasjenige, was wir selbst seelisch erleben, in unseren ätherischen Leib ein. Darinnen bleibt es eingeschrieben. Wenn wir uns an etwas erinnern, so geschieht in der Tat ein komplizierter Vorgang. Unser Astralleib liest dasjenige, was in unseren Ätherleib eingeschrieben worden ist, und das Ergebnis dieses Lesens ist das Herauf dringen einer Vorstellung, die wir Erinnerung nennen.“

GA 156, S 115/116

„Wenn wir die zwölf Sternbilder des gesamten Tierkreises nehmen, so können wir sagen, daß in der Tat unser astralischer Leib in lebendiger Verknüpfung ist mit diesen zwölf Sternbildern. Diese zwölf Sternbilder bedeuten für ihn wirklich zwölf bestimmte Gewohnheiten, zwölf bestimmte Arten, sich zu bewegen. Und dann ist unser astralischer Leib auch in Verbindung mit den sieben Planeten, so wie wir das ja öfter auseinandergesetzt haben. Diese bedingen wiederum in ihm gewisse Gewohnheiten. Durch diese Gewohnheiten – ich sage ausdrücklich „Gewohnheiten“ -, die entzündet werden in unserem astralischen Leibe durch die Planeten unseres Sonnensystems, entsteht etwas ähnliches in dem Astralleibe wie die Selbstlaute; und durch die Gewohnheiten, die angeregt sind in ihm durch den Einfluß des Tierkreises, entsteht etwas ähnliches wie die Mitlaute.“

GA 156, S 117

„Ich will also sagen: Nehmen wir an, unser Astralleib steht in irgendeinem Momente des Lebens – und solche Momente gibt es ja immer, weil wir mit der Welt immer in Verbindung stehen – in Verbindung mit den Kräften, die aus dem Sternbilde des Widders herausströmen. Dadurch, daß unser astralischer Leib in Verbindung oder unter dem besonderen Einflusse desjenigen steht, was aus dem Sternbilde des Widders herausstrahlt, entwickelt sich in diesem Astralleibe die Möglichkeit, sich in seiner besonderen Gestalt abzuschließen, sich eine Grenze zu geben; während, wenn der Astralleib mehr unter dem Einfluß der Waage steht, sich in ihm eine Bewegung entwickelt, die ihn mehr offen sein läßt gegenüber der ganzen übrigen Welt.

So entwickelt sich eine bestimmte Bewegungstendenz unter dem Einflusse eines jeden Sternbildes. Unter dem Einflusse dieses oder jenes Sternbildes streckt der Astralleib seinen oberen Teil besonders in die Höhe, unter dem Einflusse eines der andern Sternbilder streckt er besonders seinen unteren Teil. Zwölf solche besonderen Bewegungsarten gibt zwölf solche Gewohnheiten, und wiederum sieben besondere Gewohnheiten unter dem Einflusse der Planeten. Das sind mehr innere Bewegungen unter dem Einflusse der Planeten, wodurch die inneren Teile sich bewegen oder sich in ein Verhältnis zueinander bringen. So hat im Grunde genommen unser astralischer Leib eingepflanzt durch den Kosmos 12 + 7 = 19 Gewohnheiten.“

GA 156, S 117/118

„Geradeso wie wir mit unseren Schriftzeichen, mit den Zeichen für die Vokale und Konsonanten durch Kombinierungen alles auf zeichnen können, wenn wir das zum Ausdruck bringen wollen, was wir mit unserer Weisheit zutage fördern, so formt unser Astralleib durch die Kombinationen dieser seiner neunzehn Gewohnheiten alles, was er zu formen hat. Wenn uns ein Mensch gegenübertritt mit einem Gesicht, das uns in bestimmter Weise gut oder böse anschaut, so macht also unser astralischer Leib bestimmte Bewegungen, die kombiniert sind aus diesen neunzehn Gewohnheiten. Das wird dann in den Ätherleib eingeschrieben, und in einer folgenden Zeit kann dasjenige, was da in den Ätherleib eingeschrieben ist, der astralische Leib wieder lesen. Und darauf beruht die Erinnerung! Sobald man nämlich über dasjenige hinausgeht, was die Sinne und der an die Sinne gebundene Verstand ergeben, kommt man sogleich zu der Beziehung des Menschen zum Kosmos. Der physische Leib verbirgt nur diese Beziehung des Menschen zum Kosmos.“

GA 156, S 118

„Das dritte Glied ist der Astralleib. Anfangs können wir auch ihn nicht beherrschen, und noch die wenigsten haben heutzutage eine bedeutende Macht über ihren Astralleib. In dem Maße, wie der Mensch von innen heraus den Astralleib beherrschen kann, nennen wir ihn mit Manas begabt.“

GA 93, S 177

„In der Mitte der lemurischen Zeit begann der Mensch an seinem Astralleib zu arbeiten. Wenn Sie einen Menschen betrachten könnten, der auf der Stufe steht, wo die lemurische Rasse begann, also zweigeschlechtlich, so finden Sie, daß dessen Körper von außen aufgebaut wird. Seit der Mitte der lemurischen Zeit beginnt nun der Mensch selbst an seinem Astralleib zu arbeiten. Alles was der Mensch von seinem Ich aus hineinarbeitet, was er durch Pflichten und Gebote zur Überwindung der rohen Begierden und Leidenschaften tut, trägt bei zur Veredelung des Astralleibes. Wenn er dann ganz durchdrungen sein wird mit der Arbeit des eigenen Ich, dann können wir ihn nicht mehr Astralleib nennen, dann ist er Manas geworden. Wenn der ganze Astralleib in Manas verwandelt ist, kann der Mensch beginnen in den Ätherleib hineinzuarbeiten, ihn in Buddhi zu verwandeln. Was er da hineinarbeitet, ist nichts anderes als das individualisierte Wort, das die christliche Esoterik auch den «Sohn» oder «Logos» nennt. Wenn der Astralleib zu Manas wird, nennt sie dies den «Heiligen Geist », und wenn der physische Leib Atma geworden ist, nennt sie dies «Vater».“

GA 93, S 177/178

„Ein Beispiel: Im ganzen Altertum gab es Mysterien. Diese hatten die Aufgabe, einzelne Menschen aufzunehmen und sie einzuweihen in die Geheimnisse des Daseins, oder — wie Johannes der Apokalyptiker sagt — zu zeigen, was «in Kürze», das heißt, in der Zukunft geschehen soll. In solchen Tempelstätten wurden diejenigen Schüler, die in den ersten Grad aufgenommen werden sollten, unterrichtet. Es gab dann auch einen Unterricht für höher und immer höher entwickelte Schüler. Die erste Stufe war die, daß die Betreffenden ihren Astralleib läuterten. Dies bestand darin, daß sie nicht bloß die gewöhnliche bürgerliche Ethik sich zu eigen machten. Die bürgerliche Ethik wurde vorausgesetzt; das was hier in Betracht kommt, mußte in strenger Pflichterfüllung befolgt werden. Wenn der Schüler dann mehr und mehr zu höheren Idealen aufstieg, aus den Leidenschaften und Trieben des gewöhnlichen Lebens hinaufstieg zu den Wünschen, die über allem Kleinlichen des Menschen stehen, und seine Lust und Unlust so reinigte, daß die großen, weltumfassenden Angelegenheiten des Menschengeschlechtes die seinigen wurden, wenn er über sich hinaus mitfühlte und mitempfand, dann war er auf dem Wege, das, was man die Reinigung des Astralkörpers nannte, zu vollziehen. Dann durfte er auch in die dichteren Leiber eingreifen. Er durfte an seinem Ätherkörper arbeiten, er durfte nicht nur die weiche, biegsame und schmiegsame astrale Materie in seinem Geist- und seinem Seelenkörper umgestalten, sondern er durfte hineinarbeiten in seinen Ätherleib. Dann war er das, was man einen Chela nennt. Ein solcher Chela ist derjenige, der nicht nur höhere Pflichten anerkennt, der nicht nur die Reinigung so weit vorgenommen hat, daß er die menschlichen Pflichten zu den seinigen gemacht hat, sondern so weit ist, daß er hinausgewachsen ist über die niederen und höheren Angelegenheiten der einzelnen Völker, selbst der einzelnen Bekenntnisse. Sein Blick ist auf das Leben der ganzen Menschheit gerichtet. Und durch den nunmehr durchorganisierten Ätherkörper wird er ein Teilnehmer an den großen Angelegenheiten des Erdenbaues. Dazu mußte folgendes geschehen.“

GA 93, S 201/202

„Es mußte der Chela alle die Kräfte lahmlegen, welche ihn an der Arbeit an seinem Ätherleib hinderten. Wenn Sie einen Menschen vor sich haben, so hat er ja den physischen Körper, Ätherkörper und Astralkörper. Der Chela hat seinen Astralkörper geläutert und darf hineinarbeiten in seinen Ätherleib. Sie werden begreifen, warum der Mensch diese Reinigung seines Astralleibes durchführen muß. Was geschieht denn, wenn der Astralleib gereinigt ist? Was dringt da ein in den Ätherleib? Dasjenige, was im Astralleib veranlagt ist. Die Dinge, die im Astralleibe leben, drücken sich dem Ätherleib ein. Solange Sie am Astralleib arbeiten, können Sie die Fehler immer wieder umarbeiten: die Astralmaterie ist dünn und weich; Sie können das immer wieder ins Gleichgewicht bringen. Hat ein Mensch aber als Chela den Ätherleib zu entwickeln begonnen, dann drücken sich diese Eigenschaften in den Ätherleib ein, und dieser ist viel dauernder. Der Mensch würde dadurch, daß er das irdisch Fehlerhafte dauerhaft macht, zu einem gefährlichen Mitgliede der Menschheit werden. Daher die immerwährende Betonung der notwendigen Reinigung. Dieser Ätherleib wird durch die Kräfte, die auf ihn wirken, beeindruckt. Denken Sie ihn sich getrennt von dem physischen Körper, so hat er eine ganz andere Elastizität. Wenn er darinnen steckt, so hält er diesen in der Form; aber er ist, solange er darinnen weilt, zunächst zu schwach, um das in sich hineinzudrücken, was als Astralität durch die Katharsis durchgegangen ist.

Daher hat man das Altertum hindurch folgendes machen müssen. Man mußte jene die Elastizität des Ätherleibes verhindernden Kräfte zunächst beseitigen. Das geschah dadurch, daß der ganze physische Leib in einen lethargischen Zustand gebracht wurde. Der Mensch lag da, und der Ätherleib wurde herausgeholt aus dem physischen Leibe. Der physische Körper blieb dann wie tot liegen und der Ätherleib wurde nach seinen eigenen Kräften geformt. Das ist die Grablegung. Der Betreffende wurde drei bis dreieinhalb Tage in lethargischen Zustand versetzt. Und dann konnte er am Ätherleib arbeiten. Und dann, nachdem er den Ätherleib dem Astralleib entsprechend geformt hatte, kehrte er zurück in den physischen Leib. Dann hatte er das innere Leben in sich erweckt, dann war er ein Auferstandener, und er bekam einen neuen Namen.“

GA 93, S 202/203

„Der heutige Mensch ist sozusagen verdichtet aus der astralen Grundsubstanz. Dieser Vorgang findet heute noch alltäglich statt. Wenn zwei Menschen sich gegenüberstehen, so sind es zunächst die beiden Astralkörper, die sich gegenüberstehen in Liebe oder Haß, Wohlwollen oder Mißfallen, Zorn oder Güte, abstoßend oder anziehend. Das alles sind Erscheinungen, die sich zwischen den Astralkörpern abspielen. Der Verkehr zwischen den Menschen ist ein fortwährender Austausch von Zuständen und Verhältnissen der Astralkörper. Wenn ich einem anderen Menschen gegenüberstehe, dann erfährt mein physischer Körper keine große Veränderung, auch der Ätherkörper nicht, wohl aber der Astralkörper. Wenn ein Mensch zu mir etwas sagt, das haßerfüllt ist, so gehen die haßerfüllten Ströme in meinen Astralkörper ein und verändern denselben. Ich muß dasjenige, was von ihm ausströmt, in meinen eigenen Astralkörper aufnehmen, und dieser bekommt dann ganz andere Eigenschaften, je nachdem mir von dem anderen Liebe, Geduld oder Zorn und Ungeduld zuströmt.“

GA 93, S 244/245

„Zwischen dem Erzieher und dem Kinde spielt sich etwas ganz Ähnliches ab. Es ist ein großer Unterschied, ob ein Erzieher liebevoll oder ob er ein engherziger Egoist ist. In dem kindlichen Astralkörper haben wir etwas, was anders aussieht als der Astralkörper des Erwachsenen. Der Astralkörper des Kindes ist licht und hell, er zeigt sich uns als etwas Jungfräuliches im Vergleich zu dem Astralkörper, wie er sich im Laufe des Lebens entwickelt. Was ist der Astralkörper des Kindes? Wie eine undiflerenzierte Lichtwolke erscheint er, die erst nach und nach gestaltet wird. Es ist noch wenig in ihn eingegraben, was ihn mehr und mehr in sich bestimmt macht, so daß noch alles mögliche aus ihm geboren werden kann. Er wird geformt durch die Vorstellungen, die das Kind aus der Umgebung aufnimmt. Sie gehen in ihn ein und färben ihn und machen ihn anders.

Je nachdem, was für Vorstellungen das Kind aufnimmt, ob von materialistischen oder idealistischen Gesichtspunkten ausgehend, strömen andere Gebilde in den Astralkörper des Kindes ein und formen ihn. Es tritt dann immer mehr eine Erfüllung der Seele mit solchen Vorstellungen ein. Wenn das Kind lieblos behandelt wird, tritt das Echo dieser Lieblosigkeit im Astralkörper des Kindes in Erscheinung. Er schließt sich dann wie mit einer Haut gegen die Außenwelt ab. Das alles zeigt uns, daß tatsächlich ein fortwährendes Umbilden des Astralkörpers stattfindet und daß der Verkehr mit den Menschen auf dieses Umbilden einen großen Einfluß hat.

Das Kind hat also noch einen gleichförmigen, aber eine unendliche Fülle von Möglichkeiten enthaltenden Astralkörper. Nehmen Sie den Astralkörper eines Kindes an, der einem idealistischen Erzieher gegenübersteht, der selbst eine harmonische Seele hat und mit Hingabe in die Welt hineinblickt und empfänglich ist für deren Schönheit und Erhabenheit, ,einem Erzieher, der imstande ist, in sich selbst ein Abbild der Schönheit der Welt zu schaffen. Ein solcher Erzieher wird auch die Eigenschaft entwickeln, auf die Anlagen der kindlichen Seele einzugehen. Er bildet dann im Kinde weiche und empfängliche Gebilde aus und sendet in diese Ströme hinein, die von dem eigenen Astralstoff des Kindes aufgelöst werden. Ein solcher in sich selbst harmonisch gebildeter Erzieher sendet dem Kinde fortwährend harmonische Ströme zu. Wie selbstverständlich fließt dann die Charaktereigenschaft des Erziehers in das Kind über, und damit fließt auch über alle jene Weltharmonie, die er in Form der Schönheit aus der Umgebung entnommen hat. Was er Großes aufnimmt, als edler Mensch und guter Beobachter, das sendet er als Erzieher in die Natur des Kindes und bringt diese dadurch zu harmonischer Entwickelung.“

GA 93, S 245/246

„Nehmen wir dagegen an, der Erzieher stehe dem Kinde als egoistischer, pedantischer Mensch gegenüber, als Mensch mit engen, eigensinnigen Vorstellungen und Begriffen. Diese Eigenschaften rufen in seinem eigenen Astralleibe Gebilde hervor, die ihn wie in einer festen Kruste eingeschlossen erscheinen lassen, ihn zu einem durch und durch festen, schwerbeweglichen Gebilde machen. Dann sendet er Strahlenströme aus, die fest in sich geschlossen sind, so daß es dem Astralkörper des Kindes unmöglich ist, sie aufzulösen. Sie verletzen höchstens wie ein Pfeil den Astralkörper des Kindes, können aber nicht aufgelöst werden und gehen einfach durch denselben hindurch.“

GA 93, S 246

„Oder nehmen Sie etwas noch Alltäglicheres an. Zwei Menschen sprechen miteinander. Man kann zwei solche Menschen sehr gut in bezug auf die Wirkungen ihrer Astralkörper aufeinander durch das gegenseitige Aufeinandereinsprechen beobachten.

In der astralen Substanz, im Astralen bildet sich immer etwas Neues. Ich will Ihnen dies in folgender Weise begreiflich machen. Der Mensch baut durch seine Vorstellungen fortwährend Gebilde in den Astralkörper hinein. Diese zeigen sich in den mannigfaltigsten Formen. Die astrale Substanz, die zwischen den einzelnen Gebilden unbenützt bleibt, nennt man eine intermediäre Astralsubstanz, im Gegensatz zu derjenigen, die sich zu Gebilden gestaltet hat. Diese intermediäre Astralsubstanz ergänzt sich fortwährend aus der Astralsubstanz unserer Umgebung, strömt fortwährend ein und aus, wird fortwährend erneuert. Aber die Gebilde bleiben fest, die der Mensch durch die Art seiner Empfindungen, Gedanken und Willensentschlüsse ausgebildet hat.

Nehmen wir also an, zwei Menschen stehen vor uns und führen ein gewöhnliches Gespräch miteinander. Der eine von ihnen hat starre, feste Begriffe ausgebildet, die auch sehr feste Gebilde in der Astralsubstanz erzeugt haben. Der andere spricht auf ihn ein und versucht, ihm etwas klarzumachen. Worauf beruht dieses einem anderen etwas klarzumachen? Es beruht darauf, daß er seinen eigenen Begriff in die astrale Substanz des anderen Menschen hineinsendet. Dieser Begriff, dieser Gedanke strömt dann zunächst in die fremde Astralsubstanz hinein. Dort muß er sich erst durch die Zwischensubstanz auflösen und sich entsprechend den bereits vorhandenen Formen wieder erzeugen und umgebildet werden.“

GA 93, S 246/247

„Nehmen wir nun an, der eine versuche dem anderen etwas klarzumachen, zum Beispiel, was sich auf Reinkarnation bezieht. Der andere hat sich aber über Reinkarnation bereits einen festen Begriff gebildet. Nehmen wir an, er sei ein befangener Mensch und habe sich den Begriff gebildet, daß sie etwas Törichtes und Unsinniges sei. Dieser Gedanke hat in seiner Astralsubstanz geschwebt. Nun kommt der Gedanke des ersteren und löst sich in der intermediären Astralsubstanz des anderen auf, müßte sich aber in die bei ihm bereits bestehenden Gedankenformen umbilden können. Das geht aber nicht, weil sein Begriff zu starr, zu fest ist. Er kann den ihm zugesandten Gedanken nicht in seine Gedankenform umbilden, und deshalb versteht er ihn nicht.

Je mehr sich ein Mensch die Beweglichkeit der Begriffe erhält, so daß diese immer von der sie umgebenden Zwischensubstanz aufgelöst werden können, desto mehr Verständnis wird er dem anderen Menschen entgegenbringen. Davon rührt es her, daß es so schwierig ist, akademisch gebildeten Leuten theosophisches Leben zu vermitteln. Die auf der Universität aufgenommenen Begriffe erzeugen starre, feste, in sich abgeschlossene Gebilde, die nicht leicht auflösbar sind. Mit solchen Gebilden erfüllt, kommt der Akademiker gewöhnlich zum theosophischen Vortrag und ist dann unfähig, theosophisches Leben zu erfassen. Ganz anders würde es sein, wenn er so erzogen wäre, daß er sich bei allen Begriffen sagte: Ja, es könnte möglicherweise auch anders sein, denn wir haben ja nur einen geringen Grad von Erfahrung, und manches, was wir jetzt für richtig halten, wird in der Zukunft noch korrigiert werden müssen. — Würde er das tun, dann wäre die Seele noch aufnahmefähig.“

GA 93, S 247/248

„Stehen Sie einem anderen dagegen gegenüber mit dem Gefühle des Neides, dann lebt in Ihnen eine andere Gedankenform, die Sie ihm entgegenbringen. Sie senden dann die rote Gedankenform des Egoismus, der Selbstliebe aus. Diese umschließt ihrerseits wieder eine andere Gedankenform, die voll ist von der Vorstellung des eigenen Selbstes, die vielleicht durch Ehrgeiz erzeugt wurde. Dieser drückt sich nicht in einem leeren Raum, in einem Hohlgebilde aus, sondern in einer ganz erfüllten Form, in die nichts mehr hinein kann. Sie ist rings umschlossen von dem Gefühl der Kälte und hat die entgegengesetzte Gedankenform, nämlich ringsherum einen bläulichen Kreis, in der Mitte einen roten Kern. Die Kälte der blauen Farbe stößt alles zurück, was hinein will, und die eitle rote Gedankenform bleibt wie sie ist. Sie nimmt nichts an. So steht der Neidische, der nicht verehren kann, dem anderen gegenüber.“

GA 93, S 248/249

„Sie sehen, was sich in unserem Astralleibe abspielt, ist nichts anderes als das Ergebnis des Alltagslebens. Was sich im Astralkörper abspielt, kann nur der sehen, der darauf trainiert ist. Aber die Wirkungen dieser Vorgänge im Astralkörper sind im Physischen fortwährend da, und von diesen kann sich jeder durch das Leben überzeugen. Jeder kann folgende Probe machen, indem er sich sagt: Ich lasse es ganz dahingestellt, ob die Mitteilungen des Okkultisten wahr oder falsch sind. Aber ich will sie unbefangen prüfen. Ich kann so leben, als ob diese Mitteilungen auf Richtigkeit beruhten. Ich kann mich dann meinen Mitmenschen gegenüber dementsprechend verhalten, und wenn ich das vorsichtig tue, dann werde ich ja sehen, ob das Leben mir in jedem einzelnen Falle bestätigt, was der Okkultist sagt. Und das Leben wird Ihnen das in jedem Fall bestätigen. Sie werden einen ungeheuren Gewinn davon haben.

Wer sich das durchdenkt und zum Beispiel sich als Erzieher nicht nur mit seinen pädagogischen Begriffen und Ideen durchdringt, und nicht nur durch das wirkt, was er sagt, sondern auch durch das, was er fühlt, empfindet und denkt, wer sich durchdringt mit dem Bewußtsein, daß zwei Astralkörper aufeinander einwirken und weiß, was bei dem Gegenüberstehen dieser Astralkörper vor sich geht, der weiß auch, daß er die Pflicht hat, sich immer besser und besser zu machen. In dem Grade, wie er besser wird, wirkt er auch besser auf die Anlagen des Kindes ein. Er tötet nicht die Anlagen, sondern holt sie heraus.

Es bedeutet noch etwas ganz anderes, als nur zu wissen, daß es eine Wahrheit, eine Wirklichkeit ist, was uns durch die Verehrung eines anderen Menschen, der verehrungswürdig ist, entgegengebracht wird; es bedeutet noch etwas anderes, zu erleben: wenn wir unzählige solcher Gedankenformen, umhüllt von Wärme, anderen Menschen zusenden, so wachsen wir durch die Größe des anderen Menschen. Es ist das noch etwas ganz anderes, als solche Dinge nur äußerlich mit dem Verstande zu erfassen, als nur zu wissen, was sie darstellen. So lernen wir im Okkultismus das Leben mit größerem Ernst erfassen, lernen erkennen, daß das, was nicht handgreiflich ist, was nicht mit Sinnen wahrgenommen werden kann, doch eine Wirklichkeit hat. Wir lernen die ganze Tragweite und Bedeutung unserer seelischen Welt verstehen und würdigen.“

GA 93, S 249/250

„Das ist die eine Seite, wie wir das Leben verstehen. Aber es gibt noch andere. Der Mensch lebt nicht allein als Individuum in der Welt er gehört auch einer Familie, einem Stamm, einem Volk, also einer Gesamtheit an. Er ist eigentlich nur seinem physischen und seinem Ätherkörper nach so abgegrenzt. Ich habe schon gesagt, daß ein Astralkörper fließende Grenzen hat, daß die Zwischensubstanz fortwährend geneigt ist, Strömungen von außen aufzunehmen und sich zu erneuern. Wenn wir aber bedenken, daß wir einem Volk, einem Stamm, einer Familie angehören, dann bekommt die Sache noch einen weiteren Gesichtspunkt.

Wenn wir den Astralkörper des einzelnen Menschen betrachten, so unterscheidet sich fast jeder von dem Astralkörper des anderen der Grundfärbung nach. Er hat eine gewisse Schattierung, die sich nach außen als Temperament äußert. Das Temperament kommt also in einer gewissen Grundfarbe zum Ausdruck. Der Mensch steht auf diese Weise zu seiner ganzen Umgebung in Beziehung, indem sich der Charakter der Familie, des Stammes oder Volkes, denen er angehört, in der Grundfarbe ausprägt.

Man kann da als Okkultist interessante Beobachtungen machen, wenn man zum Beispiel eine Stadt wieder besucht, die man vielleicht vor zehn Jahren gesehen hat. Wenn man die jungfräulichen Astralkörper der Kinder betrachtet, so findet man, daß diese außer der persönlichen Grundfarbe noch eine andere Grundfarbe haben. Hat man nun bei dem ersten Besuch diese jungfräulichen Astralkörper der Kinder genau angeschaut und vergleicht sie mit denen jener Kinder, die nach zehn Jahren in der Stadt leben, so findet man, daß sich deren Aussehen verändert hat. Es gibt etwas in der menschlichen Individualität, das so fortschreitet wie die Entwickelung der Stadt, des Stammes oder Volkes. Das kommt davon her, daß die Strömungen von einem Kollektiv-Astralkörper, der mich von außen umgibt, fortwährend mit meinem eigenen in Wechselwirkung steht, der in diesem Kollektiv-Astralkörper lebt. Daher haben wir auch ein Volkstemperament, das sich in dem gemeinsamen Astralkörper des Volkes ausdrückt.“

GA 93, S 251/252

„Jedes Volk und jede andere Gemeinschaft hat einen solchen Astralkörper, und dieser strömt in die Astralkörper der einzelnen Menschen ein. Das ist der Grund, weshalb eine gewisse Disharmonie entstehen kann zwischen den einzelnen Menschen und der Aufgabe des ganzen Volkes. Es gehen nämlich nicht immer alle Entwickelungsanlagen in der Welt den gleichen Gang. Das Umfassendere eilt sehr häufig demjenigen voraus, was weniger umfassend ist.

Betrachten wir zum Beispiel ein Volk. Ein Volk ist nicht ein beliebig in der Welt zusammengewürfeltes Gebilde, nicht etwas, was durch Zufall erzeugt wurde, sondern jedes Volk hat seine bestimmte Aufgabe im Entwickelungsgang der Menschheit. Wer ein Volk von einem höheren Gesichtspunkt aus betrachtet, der kann sich sagen, daß jedes Volk eine bestimmte Aufgabe hat und daß auch seinem Volke eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen obliegt. Er kann sich sagen: Ich gehöre diesem Volke an, so daß ich mit ihm der gemeinschaftlichen Volksaufgabe dienen muß, und ich kann ihr so dienen, weil in mir eine Astralität lebt, welche dem ganzen Volke angehört. Diese Bestimmung des Volkes ist auf dem Astralplane deutlich ausgedrückt, sie ist ein bestimmter Gedanke, etwas, das auf Planen, die höher sind als der Astralplan, lebt. Um die Gedanken der Weltordnung zu studieren, muß man über den astralen Plan hinaufsteigen zu dem mentalen Plane.“

GA 93, S 252

„Hierin können wir das Wirken eines devachanischen Prinzips erkennen. Das ist das Umfassende bei diesen Veränderungen im Laufe der Entwickelung, das uns zeigt, in welcher Weise ein Volksgedanke wirkt. Wie dieser Gedanke zum Ausdruck kommt, das hängt von dem gemeinsamen Astralkörper des Volkes ab, von dem Volkstemperament. Die Kunst zum Beispiel wäre bei einem anderen Volke als dem griechischen in einer ganz anderen Weise zum Ausdruck gekommen.“

GA 93, S 253

„Wenn der Mensch sich aber entwickelt, so hebt er seinen eigenen Astralkörper heraus, er wird differenzierter, bestimmter. Und dann ist es möglich, daß sein Astralkörper diejenige Form der Mentalität aufzunehmen imstande ist, welche über der Stufe der Mentalität seines Volkes liegt. Wenn man das, was von dieser höheren Stufe herunterleuchtet, verstandesmäßig oder gedanklich erfaßt, so kann man leicht die Ideale ergreifen. Manchmal kommt es auch vor, daß die Gefühle des Astralkörpers eines Menschen nicht so weit entwickelt sind wie seine Gedanken. Die Gedanken eines Volkes können so mächtig auf die Gedanken eines einzelnen einwirken, daß sie ihn ergreifen, bevor er sich sonst genügend entwickelt hat.“

GA 93, S 254

„Individuen, bei denen dies zutrifft, sind ideale Schwärmer, sind die Märtyrer für den Fortschritt eines Volkes. Sie sind es deshalb, weil sie selbst dem vorauseilen, was ihr sonstiger Astralkörper tatsächlich ist, weil sie ihre ganze edlere Seele dem einen Ideale in selbstloser Weise zuwenden. Wenn solche Menschen dann mit Tod abgehen, dann tritt ihre unentwickelte Astralität mit um so größerer Stärke hervor; dann tritt das, was nicht in dem Ideale des Volkes war, in Wirkung, denn sie haben es in Zukunft nur mit ihrer eigenen Entwickelung zu tun. Wenn ein solcher Mensch, der im Leben ein großer und edler Idealist war, der sich dem Ideale seines Volkes gewidmet hat, gestorben ist, wird er übertönt von dem in ihm noch vorhandenen persönlichen Element. Dann treten die niedrigen Eigenschaften seines Astralkörpers ganz hervor. Nehmen Sie nun an, ein solches Menschenwesen ist zum Märtyrer geworden. Er hat Edles geschaffen, ist aber von seinem Volke mißhandelt worden, wie manchmal solche fortgeschrittenen Naturen mißhandelt werden. Dann wird er gewöhnlich zwar trotzdem während seines Lebens kühn und mutig seinem Ideale nachgehen, nicht nach rechts und nicht nach links schauen. Ist er aber gemartert oder gar getötet worden wegen seines Ideals, dann treten unmittelbar nach seinem Tode die Rachegedanken auf. In Kamaloka bleibt dann übrig, was er als Persönliches zurückgedrängt hatte.“

GA 93, S 254/255

„Wir wollen uns heute beschäftigen mit drei wichtigen Vorstellungen, die zusammenhängen mit den Teilen der menschlichen Natur. Sie bilden sozusagen einen Leitfaden durch die ganze Welt. Es sind dies: Tätigkeit oder Bewegung, Weisheit, die auch Wort genannt wird, und drittens Wille. Wenn wir von Tätigkeit sprechen, meinen wir damit eigentlich etwas sehr Allgemeines. Der Esoteriker aber sieht in der Tätigkeit zunächst die Grundlage des ganzen Weltenalls, wie es uns umgibt. Die erste Gestalt des Weltenalls ist für den Esoteriker ein Produkt der Tätigkeit. Für den gewöhnlichen Menschensinn erscheint die Welt als etwas Fertiges; der Esoteriker aber sagt sich, was vorliegt, ist ein Produkt der Tätigkeit. Was scheinbar fertig ist, ist eine Stufe fortschreitender Tätigkeit, ein Durchgangspunkt. Die ganze Welt ist fortwährend in Tätigkeit. Diese Tätigkeit ist eigentlich Karma.“

GA 93a, S 22

„Wenn man vom Menschen spricht, spricht man von seinem Astralkörper als von Karma, als von Tätigkeit. Eigentlich ist der Astralkörper dasjenige, was dem Menschen am nächsten steht. Was der Mensch erlebt, so daß es entscheidet über sein Wohl und Wehe, über Lust und Leid, das geht von seinem Astralkörper aus. Liebe, Leidenschaft, Freude, Schmerz, Ideal, Pflicht hängen zusammen mit dem Astralkörper. Wenn man von Lust und Leid, Trieben, Wünschen und Begierden spricht, so spricht man vom Astralkörper. Der Mensch erlebt fortwährend den Astralkörper, der Seher aber sieht die Form des Astralkörpers. Dieser Astralkörper ist in einer fortwährenden Umwandlung begriffen. Zuerst ist er undifferenziert, solange der Mensch noch nicht daran gearbeitet hat. Der Mensch arbeitet aber fortwährend daran in unserer Zeit. Wenn er unterscheidet zwischen Erlaubtem und Verbotenem, arbeitet der Mensch von seinem Ich aus hinein. Seit der Mitte der lemurischen Zeit bis zur Mitte der sechsten Wurzelrasse arbeitet der Mensch an seinem Astralkörper.

Warum arbeitet der Mensch daran? Er arbeitet deshalb an seinem Astralkörper, weil auf dem Gebiet der Tätigkeit jede einzelne Tätigkeit einen Gegenschlag hervorruft. Jeder Schlag ruft einen Gegenschlag hervor. Wenn wir mit der Hand über die Tischplatte fahren, so wird sie heiß. Die Wärme ist der Gegenschlag zu unserer Tätigkeit. So ruft jede Tätigkeit eine andere hervor. Dadurch, daß gewisse Tiere in die finstern Höhlen von Kentucky einwanderten, brauchten sie ihr Augenlicht nicht mehr, sondern nur empfindliche Tastorgane, damit sie sich zurechtfinden konnten. Die Folge war, daß das Blut von den Augen abzog und sie blind wurden. Dies war die Folge ihrer Tätigkeit, des Einwanderns in die Höhlen von Kentucky.

Der menschliche Astralkörper ist in fortwährender Tätigkeit. Darin besteht sein Leben. Diese Tätigkeit nennt man im engeren Sinne das menschliche Karma. Was ich heute tue, hat seinen Ausdruck im Astralkörper. Wenn ich jemanden schlage, ist das Tätigkeit und ruft einen Gegenschlag hervor. Das ist die ausgleichende Gerechtigkeit: Karma. Tätigkeit ist ein Schlag, der einen Gegenschlag hervorruft. Damit muß dann der Begriff von Ursache und Wirkung verbunden werden. Im Karma ist immer etwas Unausgeglichenes; es fordert immer etwas anderes.“

GA 93a, S 22/23

„Allen diesen Dingen, die sich auf die Tätigkeit des Menschen oder Karma, beziehen, liegt die Begierde zugrunde. Der Mensch brauchte sich nicht zu betätigen, wenn er keine Begierde hätte. Er hat aber die Begierde, teilzunehmen an der Umwelt. Daher nennen wir seinen Astralkörper auch seinen Begierdenkörper.“

GA 93a, S 25

„Um den Ätherkörper herum tritt der Astralkörper auf. Der Astralkörper ist die äußere Form für alle seelischen Inhalte; für Leidenschaften, Affekte, Triebe, Begierden, Lust und Unlustgefühle, Enthusiasmus und so weiter. Er manifestiert sich in den mannigfaltigsten Formen. Ringsherum zeigen sich Wolkenbildungen er erstrahlt in den verschiedensten Farben. Manchmal hängen einzelne Gebilde wie Fetzen daran. Die Formen und Farben sind verschieden und wechseln. Grün zeigt Sympathie und Mitleid mit den Mitmenschen an. Die unteren Schichten der Bevölkerung zeigen viel Rot im Astralkörper, Braunrot, Ziegelrot, Blutrot. Besonders bei Droschkenkutschern ist eine solche rote, auf die niederen Leidenschaften hinweisende Farbe häufig zu beobachten.

Das ganze Gewoge des Astralkörpers nun ist bei jedem Menschen eingeschlossen in eine eiförmige Umhüllung. Diese hat eine blaue Grundfärbung und zeigt im wesentlichen in der Mitte des Gehirns eine dunkelviolette Stelle. Diese eiförmige Umhüllung nennt Helena Petrowna Blavatsky das aurische Ei. Bei kleinen Kindern ist das aurische Ei vorherrschend; bei ihnen treten darin viel helle, lichte Farbenwolken auf. In den unteren Partien haben aber auch kleine Kinder oft dunkle Wolken, die auf Niedriges deuten. Das ist das vererbte Karma, das sie mit ihren Voreltern gemeinsam haben. Das sind die Sünden der Väter. Bis zur siebenten Generation vererben sich diese Sünden der Väter. Die Eigenschaften der Menschen können zusammenhängen bis zum siebenten Urgroßvater. Nach der siebenten Generation löscht sich die Vererbung aus. Man rechnet drei Generationen während eines Jahrhunderts. Der Mensch von heute zeigt also immer noch etwas Gutes oder Schlechtes von den guten oder schlechten Eigenschaften der Vorfahren des 17. Jahrhunderts. So kann man durch zweihundert Jahre oder noch etwas mehr einen Blick werfen auf die Voreltern.“

GA 93a, S 74/75

„Die ganze menschliche Kulturentwickelung ist nichts anderes als das Hineinarbeiten des Ich in den Astralleib, ein Ausbilden des Astralleibes. Erfüllt mit Begierden, Trieben und Leidenschaften tritt der Mensch in das Leben ein. Indem er diese Triebe, Begierden und Leidenschaften überwindet, arbeitet er das Ich in den Astralleib hinein. Wenn die sechste Wurzelrasse, das sechste Hauptzeitalter vollendet sein wird, wird das Ich ganz in den Astralleib hineingearbeitet sein. Bis dahin ist der Astralleib immerfort darauf angewiesen, von den Devakräften unterstützt zu werden. Solange das Ich nicht den ganzen Astralleib durchsetzt hat, so lange müssen Devakräfte die Arbeit unterstützen.“

GA 93a, S 92/93

„Wir können nun fragen, was bedeutet der Astralleib, wozu hat der Mensch einen Astralleib? – Dazu, um dem Menschen auf dem Umwege über die Begierde Veranlassung zu geben, das zu tun, was ex sonst nicht getan hätte: sich auf den physischen Plan zu begeben. Denn bevor der Mensch auf dem physischen Plane objektiv erkennen kann, muß er seine Wünsche und Begierden auf ihn richten. Ohne diese hätte er nicht eine objektive Weltbetrachtung, auch nicht Pflichten und Moral entwickeln können. Erst durch eine nach und nach erfolgende Umwandlung der Begierden werden diese in Pflichten oder Ideale umgewandelt. Diesen Weg mußte der Mensch machen durch die antreibende, die organisierende Kraft des Astralleibes.“

GA 93a, S 93

„Bei den Rosenkreuzern hat man von Wesenheiten gesprochen, die zu Gruppen von Menschen gehören. Der physische Leib gehört einem jeden Menschen allein; der Astralleib gehört aber schon zu einer Gruppe. In einem Teil des Astralleibes hängt man mit einer Gruppenseele zusammen. Was der Mensch noch nicht kann, das tut heute der Deva. An seinem Astralleibe arbeiten auch noch die Devas. Bei dem, was der Mensch heute an Arbeit im Ätherkörper vollbringt, arbeiten die Devas noch stärker mit. Wir haben gesehen, daß die Kräfte des Menschen in einem Teil des Kamaloka für das Tierreich verwendet werden. Aber sie werden gelenkt durch die Devas. Dann ist der Mensch immer mehr und mehr auf dem Wege, Devachan zu erlangen.“

GA 93a, S 103

„Es gab sieben Arten oder Klassen solcher Gebilde, die alle etwas voneinander verschieden waren, von den schönsten, fast zu einer hohen edlen Form ausgebildeten Menschenformen bis hinab zu den allergroteskesten Formen. Diese sieben Arten von Menschengebilden mußten alle befruchtet werden. Man muß sich das Herabsteigen der « Söhne des Manas » in dieser bildlichen Weise vorstellen. Nur dann kann man verstehen, wie der Astralleib des Menschen entstanden ist. Er ist aus zwei verschiedenen Gliedern zusammengesetzt.“

GA 93a, S 142

„Wenn man die menschliche Entwickelung betrachtet, wird man finden, daß fortwährend der eine Teil des Astralleibes bestrebt ist, die andere Hälfte, die niedere Natur, zu überwinden und umgekehrt. Wenn der Mensch heute aus Astralleib, Ätherleib und physischem Leib besteht, so ist eigentlich nur der physische Leib ein Produkt, welches, so wie es ist, fertig ist. Die anderen zwei Leiber sind in einem fortwährenden Kampfe begriffen. Auch bei dem Ätherleibe sind zwei Teile, die ineinander aufzugehen suchen.“

GA 93a, S 142

„Was dem Menschen anhängt von jenem Astralkörper, den er vom Monde mitbekommen hat, das zwingt ihn, eine Zeitlang im Kamaloka zu verbringen, bis er sich für das einzelne Leben von diesem Teile des Astralkörpers befreit hat. Dann hat er noch den Teil des Astralkörpers, der den Ausgleich schon gefunden hat; mit diesem macht er den Weg durch Devachan und zurück zum physischen Leben. Deswegen sieht man im Astralraume glockenartige Gebilde herumrasen mit einer riesenhaften Geschwindigkeit. Das sind die sich wieder inkarnieren wollenden Menschenseelen. Wenn hier bei uns eine solche Menschenglocke durch den Astralraum zuckt und ein menschlicher Embryo in Südamerika zu ihr in karmischer Verwandtschaft steht, so muß diese Menschenglocke auch schon direkt dort sein. So rasen durch den Astralraum diese wiederkehrenden Seelen. Diese Glockengebilde erinnern eben noch an jene in der lemurischen Zeit erscheinenden Gebilde, nur daß sie schon ihren Ausgleich gefunden haben mit dem höheren Astralleibe.“

GA 93a, S 142/143

„Dazwischen ist der Astralkörper, der auch aus einer Verbindung von zweien entstanden ist. Er ist im Grunde auch ein doppeltes Gebilde. Man hat in ihm zu unterscheiden eine niedere und eine höhere Natur. Die höhere Natur ist ursprünglich mit dem Mentalkörper verbunden. Dies nun, was vom Astralkörper im Mentalkörper sitzt, was also von oben hereingekommen ist, das ist der andere Pol des unteren Astralkörpers. Eine Eigenschaft des unteren Astralkörpers ist, daß er Begierden hat. Der obere Teil hat statt dessen Hingabe, Liebe, die schenkende Tugend. Diesen Teil des Astralkörpers nennt man Buddhi. Diese Beschreibung des Menschen ist so gesehen in der kosmischen Beleuchtung. Wenn der Mensch selber in seine Hüllen hineinarbeitet, ist es anders. Das eine stellt dar, wie der Mensch kosmisch aufgebaut ist, das andere, wie er selbst hineinarbeitet.“

GA 93a, S 144

„Alles was kombiniert ist auf dem physischen Plan, hat keinen Ätherkörper; aber alles was wächst, hat einen Ätherkörper. Wirkt der Mensch künstlerisch, anschauend oder bildend, so wirkt er auf den Ätherkörper. Ein künstlerisch gestaltetes Tongebilde oder ein Gemälde wirkt unmittelbar auf den Ätherkörper. Eine Tugend wirkt dagegen auf den Astralkörper. Manche edle Menschen, die aus dem Devachan zurückkommen, treffen, weil sie gar nichts getan haben zu einer im Sinne der Schönheit organisierenden Tätigkeit, einen Ätherkörper an, der gar nicht zu ihrem fortgeschrittenen Astralkörper paßt. Daher geschieht es, daß viele Menschen, die in der letzten Inkarnation sehr heilig gelebt haben, aber ohne sich mit dem äußerlich sinnlich Edlen zu befassen, bei der Reinkarnation eine Furcht vor der Inkarnation haben, weil ihr Ätherkörper sich nicht durch das sinnlich Schöne veredelt hat.“

GA 93a, S 163

„In dem geläuterten Astralkörper entstehen nun Bilder der ihn umgebenden Welt. Nehmen wir an, der Mensch hätte vielleicht zehn verschiedene Formen ausgesondert, die ihn nun umgeben. Früher waren sie in ihm und jetzt sind sie um ihn herum. Nun entstehen in dem geläuterten Astralleibe Spiegelbilder der ihn umgebenden Welt, der außer ihm sich befindenden Formen. Diese Spiegelbilder werden in ihm zu einer neuen Kraft, sie wirken in ihm, gestalten den edleren Astralkörper um, der sich geläutert hat. Er hat zum Beispiel die Wildheit aus sich herausgesetzt; sie ist jetzt außer ihm als ein Bild und wirkt nun auf ihn als gestaltende Kraft. Der Astralleib wird auf gebaut durch die Bilder der ausgeschiedenen Welt, die früher in ihm war. Sie bauen in ihm einen neuen Körper auf. Der Mensch hatte früher den Makrokosmos in sich gehabt, ihn dann herausgesetzt, und das formte nun in ihm den Mikrokosmos, einen Abriß seiner selbst.“

GA 93a, S 171

„So treffen wir den Menschen auf einer bestimmten Stufe an in einer Gestalt, die ihm verliehen wird von seiner ganzen Umgebung. Die Spiegelbilder wirken so auf seinen Astralleib, daß sie ihn differenzieren und spalten. Durch die Spiegelbilder spaltete sich sein Astralkörper und er setzte ihn wieder neu zusammen aus den Teilen, so daß er dann ein gegliederter Organismus ist. Die gemeinsame Astralmasse ist differenziert worden zu den verschiedenen Organen, zum Herzen und so weiter. Zuerst war alles astral, und dann hat sich der physische Mensch herumgelagert. Die menschlichen Bildungen wurden dadurch immer mehr geeignet, sich zu verdichten und ein komplizierterer und mannigfaltigerer Organismus zu werden, der ein Abbild der ganzen Umgebung ist.“

GA 93a, S 171/172

„Was am allerdichtesten geworden ist, ist der physische Körper; weniger dicht ist der Ätherkörper, und am feinsten ist der Astralkörper. Sie sind im wesentlichen Spiegelbilder der Außenwelt, Mikrokosmos im Makrokosmos. Dabei ist der Astralkörper immer feiner und feiner geworden, so daß der Mensch an einem bestimmten Punkte der Erdenentwickelung einen entwickelten Astralkörper hat. Dadurch, daß der Astralkörper immer feiner geworden ist, hat er sich der feinen Astralmaterie um ihn herum angenähert.“

GA 93a, S 172

„Die Entwickelung des höheren Menschen geht so vor sich, daß der Mensch zunächst an seinem Astralleibe arbeitet. Da arbeitet er hinein Ideale, Enthusiasmus und so weiter. Die Instinkte bekämpft er. In dem Augenblicke, da der Mensch Ideale an die Stelle von Trieben, und Pflichten an die Stelle von Instinkten setzt, und Enthusiasmus statt Begierden entwickelt, schafft er Harmonie in die Teile seines Astralleibes hinein. Diese friedenstiftende Arbeit beginnt mit dem Eintritt der Monade und der Astralleib fängt an, immer mehr und mehr unsterblich zu werden. Von da an stirbt der Astralleib nicht mehr, sondern er überdauert in dem Maße, als er Frieden gestiftet hat, als der Friede gegenüber den zerstörenden Kräften standhalten kann. Von dem Augenblicke an, da die Monade hineinkommt, stiftet sie Frieden, zunächst im Astralleib. Da fangen die Instinkte an, sich zu vertragen. Harmonie entsteht in dem früheren Chaos und es entsteht ein astrales Gebilde, welches überdauert, leben bleibt. Im physischen Leib und im Ätherleib wird zunächst nicht Frieden gestiftet, sondern zum Teil nur im Astralleib. Er erhält sich in anderen Welten zunächst nur kurze Zeit, aber je mehr Frieden gestiftet worden ist, desto länger dauert die Devachanzeit.“

GA 93a, S 174

„Drittens der Astralleib. Er hat nicht die Form des ätherischen und des physischen Leibes. Er nimmt eine eiförmige Form an und überragt den physischen Leib wie eine Wolke, eine Aura. Der Astralleib kann in allen Farben des Regenbogens erscheinen, je nach den Leidenschaften, die ihn beseelen. Jede Leidenschaft hat ihre astrale Farbe Außerdem ist der Astralleib gewissermaßen die Synthese des physischen und ätherischen Leibes, und zwar auf folgende Weise : Der Ätherleib hat immer einen dem Geschlecht des physischen Leibes entgegengesetzten Charakter. Der Ätherleib eines Mannes ist weiblichen, der einer Frau männlichen Geschlechts. Der Astralleib ist beim Mann wie bei der Frau doppelgeschlechtlich. Er ist also in dieser Beziehung eine Synthese der beiden anderen Leiber.“

GA 94, S 38

„Bei dem zivilisierten Typus des Menschengeschlechts teilt sich der Astralleib in zwei Partien, eine niedere und eine höhere. Die niedere bleibt noch chaotisch und dunkel, die höhere ist leuchtend und schon durchdrungen von den Kräften des Manas, das heißt geordnet und regelmäßig.“

GA 94, S 39

„Sofern der Initiierte seinen Astralleib von allen tierischen Leidenschaften gereinigt und ihn vollkommen leuchtend gemacht hat – das ist die erste Phase seiner Einweihung -, ist er bei der Katharsis, der Reinigung, angekommen. Erst dann kann er an seinem Ätherleib arbeiten und mittels dessen dem physischen Leib sein Siegel aufdrücken. Der Astralleib hat an sich keinen Einfluß auf den physischen Leib. Er ist darauf angewiesen, durch den Ätherleib hindurch zu wirken.“

GA 94, S 39

„Es soll hier die Rede sein von dem astralischen Menschen, wie er dem hellsichtigen Schauen erscheint. Der Astralmensch umschließt die ganze seelische Welt der Empfindungen, der Leidenschaften, Emotionen und Triebe. Sie zeigen sich für den inneren Sinn in Formen und Farben. Der Astralleib selbst ist ein wolkenähnliches eiförmiges Gebilde, das den Menschen umfließt und einhüllt. Wir können es inwendig wahrnehmen.“

GA 94, S 66/67

„Das Gegenteil ist der Fall, wenn man die Imagination vom Astralleib hat, das heißt von seinem eigenen Astralleib. Wir empfinden ihn von innen durch unsere Leidenschaften und die verschiedenen Seelenregungen.“

GA 94, S 67

„Mit der Trennung der Geschlechter hat sich auch der Astralleib geteilt: in eine untere Partie, die den physischen Fortpflanzungsorganismus hervorbringt, und eine obere Partie, die den Gedanken, die Imagination, das Wort entzündet.

Das Fortpflanzungsorgan, die Zeugungskraft, und das stimmliche Organ, das schöpferische Wort, bildeten einst ein Ganzes. Man begreift das einigende Band dieser zwei Pole da, wo sie noch ein einziges Organ bildeten. Der negative tierische Pol und der positive göttliche Pol waren einst vereinigt und haben sich getrennt.“

GA 94, S 70

„Die Beschaffenheit des Menschen in seinem gegenwärtigen Zustand bringt es mit sich, daß sein Astralleib nicht zu gleicher Zeit diese nächtliche Aufbauarbeit leisten und wahrnehmen kann, was um ihn in der Astralwelt vorgeht. Wie kann man den Astralleib von seiner Arbeit entlasten, um ihn für das Leben in der Astralwelt frei zu machen?

Das Verfahren des Adepten zur Befreiung seines Astralleibes besteht darin, daß er die Gefühle und Gedanken pflegt, die schon durch sich selbst einen bestimmten, dem physischen Körper mitteilbaren Rhythmus besitzen, und auf der anderen Seite alle diejenigen Gefühle und Gedanken zu vermeiden, die Unordnung und Zerrüttung in ihn hineintragen. Er verschmäht es, sich extremen Freude- und Schmerzgefühlen zu überlassen und gibt ein Vorbild für völliges seelisches Gleichgewicht.“

GA 94, S 73

„Ein oberstes Gesetz beherrscht die Natur, das ist der Rhythmus. Wenn der Mensch die zwölfblättrige Lotusblume entwickelt hat, die sein astrales und geistiges Wahrnehmungsorgan darstellt, kann er über seinen Körper verfügen und ihm einen neuen Rhythmus geben der die Ermüdungserscheinungen in ihm aufhebt. Dank diesem Rhythmus und dieser Wiederherstellung der Harmonie hat der Astralleib nicht mehr nötig, während der physische Leib schläft, seine Wiederaufbauarbeit zu vollziehen, ohne welche der physische Leib zerfallen würde.“

GA 94, S 74

„Das ganze Tagesleben besteht durchweg in einer Zerrüttung unseres physischen Leibes. Alle Krankheiten haben ihren Ursprung in Ausschweifungen des Astralleibes. Wer zum Beispiel im Übermaß ißt, erweckt in seinem Astralleib Begierden nach Genüssen, die auf seinen physischen Leib zerstörend zurückwirken. Er ruiniert seinen Leib, um sich chaotisierende Genüsse zu verschaffen. Das ist der Grund, warum gewisse Religionen das Fasten vorschreiben. Durch das Fasten wird der Astralleib weniger belastet, er wird ruhiger und löst sich teilweise vom physischen Leibe. Seine Schwingungen werden besänftigt und verschaffen dem Ätherleib einen regelmäßigen Rhythmus. Das Fasten ermöglicht also dem Ätherleib, seinen Rhythmus zu bewahren. Es bringt das Leben, nämlich den Ätherleib und die Form, das heißt den physischen Leib in Harmonie und stellt damit zugleich die Harmonie zwischen der Welt und dem Menschen her.“

GA 94, S 74

„Jetzt wollen wir sehen, welche Rolle der Astralleib während des Schlafes spielt. Wo befindet sich während dieser Zeit das Ich des Menschen? Genau gesprochen im Devachan. Aber im Schlaf haben wir keinerlei Bewußtsein. Es gilt, den traumerfüllten Schlaf von Tiefschlaf zu unterscheiden. Der traumerfüllte Schlaf entspricht dem Astralbewußtsein. Der traumlose Tiefschlaf, der sich nach den ersten Träumen einstellt, entspricht dem Devachanzustand. Daran erinnern wir uns nicht, weil dieser Zustand dem gewöhnlichen physischen Gehirn nicht bewußt wird. Der Eingeweihte besitzt die Kontinuität des Bewußtseins während des Wachzustandes, des Schlafes mit Träumen und des traumlosen Schlafes. Er verbindet diese drei Zustände im Ganzen seines Daseins.“

GA 94, S 74

„Ein kurzer Aufenthalt des Menschen in der Astralwelt verläuft im Schlaf. Wenn der Mensch schläft, was geschieht da mit ihm? Sein physischer und Ätherleib bleiben im Bett, Astralleib und Ich treten heraus. Den Astralleib sieht der Hellseher während der Nacht in reger Arbeit. Der Mensch verbraucht am Tage seine physischen Kräfte in der Arbeit und so weiter. Deshalb ermüdet er. Diese Kräfte müssen wieder ersetzt werden. Und diese Arbeit besorgt der Astralleib während der Nacht. Was aber tut er am Tage? Da nimmt er die physische Welt wahr. Ist im Schlaf der Astralleib aus dem physischen und Ätherleib herausgegangen, dann sieht und hört der Mensch nichts. Denn durch den Astralleib nimmt der Mensch wahr. Auge, Ohr und alle Sinnesorgane sind nur die Werkzeuge des wahrnehmenden Astralleibes. Da setzt er beispielsweise alle Schwingungen der Luft in Tonempfindungen um. Während der Nacht ist ihm diese Arbeit erspart, er schafft dann für den physischen und vor allem für den Ätherleib neue Kräfte. Er muß aus dem physischen Leib heraussteigen, um diese Arbeit des Wiederherstellens des Gleichgewichtes leisten zu können. Wenn der Mensch viele Träume hat, dann wird diese Arbeit gleichsam unterbrochen. Daher sind unruhige Träume gesundheitsschädlich.“

GA 94, S 138

„Welche Veränderungen gehen im Schlaf bei dem vor, der allmählich hellsehend wird? Die Nacht wird für einen solchen Menschen etwas ganz anderes. Der gewöhnliche Mensch verliert beim Einschlafen sein Bewußtsein, um es beim Aufwachen wieder zu erhalten. Er kann nicht wahrnehmen, was astral vorgeht, weil ihm die Organe dazu fehlen. Für den Hellseher wird die Nacht zu etwas ganz anderem. Er wird nicht bewußtlos wie der gewöhnliche Mensch. Der nicht Geschulte erlebt die Astralwelt im Traume in chaotischer Weise. Für den Geschulten wird sie regelmäßig in ihrer Erscheinung. Zunächst werden es flüchtige, auf und ab wogende, aber regelmäßig sich bildende Wahrnehmungen sein. Nehmen wir an, ein Mensch schläft ein, und ein traumartiges Bild, eine braunrötliche Gestalt steigt auf, die menschliche, jedoch verzerrte Züge hat, die aber allmählich Ähnlichkeit annimmt mit den Zügen eines Freundes. Der Mensch wacht darüber auf und fragt sich: Was ist das? Der Freund ist doch in New York, denkt er – und hält das Bild für eine reine Einbildung. Nach einiger Zeit erfährt er, daß sein Freund in Gefahr, etwa bei einem Unglücksfall dabei war, der aber noch glücklich vorüberging. Er forscht nach, und es wird ihm klar, daß jener nächtliche Eindruck kam, als sein Freund in jene Gefahr geriet. Bildlich hatte sich dieses Ereignis vor seine Seele gestellt.

Mit solchen Erfahrungen kann das Hellsehen anfangen. Es werden dann die regelmäßigen Gestalten immer häufiger, und diese neue Welt gewinnt immer mehr Gestalt. Dem Hellseher ist das Innere des Menschen nicht mehr verschlossen. Wenn Sie hellsehend werden, dann werden Sie die Aura des Menschen, das Bild seines Seelenlebens sehen, das ihn umschwebt. Die Seelen der Menschen werden offen vor Ihren Augen liegen. Wie Sie die Hautfarbe und die Hand des Menschen sehen, werden Sie dann die Bilder des Seelenlebens vor sich haben.“

GA 94, S 138/139

„Im Anfange seiner Entwickelung hat der Mensch einen Astralleib, an dem sein Ich noch gar nicht gearbeitet hat. Im Laufe der Inkarnationen beginnt das Ich in den Astralleib hineinzuarbeiten. Dadurch wird dieser vollkommener. Die Fähigkeit, Wahrheit und Irrtum zu unterscheiden, ist erst eine Errungenschaft der späteren Inkarnationen. Alles im Leben muß erst durch Erfahrungen erlernt werden. Nur durch Irrtum entwickelt sich das richtige Urteil. Auch die mathematischen Wahrheiten ergeben sich daraus, daß das Gegenteil falsch ist. Fortwährend arbeitet der Mensch von seinem Ich aus an seinem Astralleib. Es ist für den Hellseher ein großer Unterschied, den Astralleib eines entwickelten oder eines unentwickelten Menschen anzuschauen. Infolge dieser Durcharbeitung des Astralleibes findet sich in allen Seelen der Menschen ein Teil, der noch von den niederen Trieben und Leidenschaften erfüllt ist, und ein vom Ich geistig umgearbeiteter Teil. Franz von Assisi hatte zum Beispiel seinen Astralleib ganz verwandelt und umgearbeitet. Das, was vom Astralleib durch das Ich umgearbeitet ist, bezeichnet der Okkultist mit dem orientalischen Ausdruck Manas.“

GA 94, S 157

„Gehen wir vom gewöhnlichen Schlafzustand aus. Was geschieht mit dem Menschen, der schläft? – Wir haben es beim Menschen zu tun mit dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem Astralleib und dem Ich. Was geschieht nun im okkulten Sinne mit dem Menschen im Schlaf? – Da bleibt im Bette der physische und der Ätherleib, und der Astralleib hebt sich mit dem Ich heraus und schwebt beim unvollkommenen Menschen in der Form eines Ringes, später in der Form des physischen Leibes über diesen. Der Astralleib ist nicht untätig, er hat etwas zu tun. Wenn der Mensch wach ist, durchwebt das Astralische den physischen Körper. Wenn es herausgetreten ist, dann arbeitet es am physischen Leibe, es hegt und pflegt ihn. Der Astralleib verhält sich zum physischen Leib so wie der Arbeiter zur Maschine, aber mit dem Unterschiede, daß der Arbeiter hier in der Maschine darin ist, er durchseelt die verschiedenen Teile, die er in Bewegung bringt. Aber dieses Gleichnis vom Arbeiter an der Maschine trifft besser zu, wenn der Mensch im Schlafe liegt: Es wirkt der Astralleib von außen. Und was tut er? Er gleicht durch seine Arbeit am physischen Leibe die Schäden aus, welche dieser während des Tages erleidet. Man ersieht daraus, welchen Nachteilen Menschen ausgesetzt sind, die einen schlechten Schlaf haben. Auf den Astralleib selbst haben Wesenheiten Einfluß, die dem dritten Elementarreich angehören. Wesenheiten aus dem zweiten Elementarreich machen sich über den Ätherleib des Menschen her, und solche, die dem ersten Elementarreich angehören, verschaffen sich Zugang zum physischen Leib, um ihn zu zerstören. Nur wenn der Astralleib während des Schlafes am physischen Körper arbeitet, werden die Zerstörungsvorgänge ausgeglichen.“

GA 94, S 202

„Geradeso wie in dem flüssigen Menschen dieser feinere Mensch lebt, den man eigentlich dem flüssigen Menschen abstiehlt, durch den man schmeckt, so lebt er in diesem luftförmigen Menschen, den wir in uns fortwährend erneuern, weil wir einatmen, ausatmen, den wir wieder abstoßen, der eigentlich in jedem Augenblick geboren wird, achtzehnmal geboren wird in einer Minute, wiederum stirbt, achtzehnmal in einer Minute. Sonst, nicht wahr, werden wir geboren, werden unter Umständen alte Kerle; es dauert jahrelang für den festen Menschen, bis er stirbt. Beim luftförmigen Menschen ist es so: der wird achtzehnmal in der Minute geboren beim Einatmen, und stirbt wieder beim Ausatmen. Es ist ein fortwährendes Geborenwerden und Sterben. Es ist geradeso. Und das, was da drinnen nun herausgenommen wird, das nennen wir den Astralleib, damit wir ein Wort haben. Aber es ist eben da. Und wie ich Ihnen das letzte Mal gesagt habe, daß dasjenige, was eigentlich da unten sein müßte, hinaufgeschoben, hinaufgeschoppt wird und dem Geruchssinn entgegenwächst, was uns da zum Denken bewegt, ist eben unser Astralleib, der das da hinaufschoppt. Kein Mensch kann das Gehirn richtig verstehen, das der Nase entgegenwächst durch den Astralleib, der eben nicht die ganze Sache so betrachtet, wie ich sie jetzt betrachtet habe. Das ist das, was aus einer richtigen Betrachtung unserer Sinne gerade hervorgeht.“

TB 722, S 134

„Also ich werde, was ich da rot gezeichnet habe, als das betrachten; ; was man gewöhnlich sieht, und dasjenige, was innere Tätigkeit ist, werde ich jetzt gelb hineinmachen. Aber dieses Gelbe ist eigentlich in einem fortwährenden inneren Erzittern, in einer fortwährenden Tätigkeit. Sehen Sie, jetzt sind Sie gewissermaßen ein leerer Schlauch, in dem es aber nicht ruhig ist, sondern in dem es drinnen rumort. In innerer Tätigkeit sind Sie. Und solange Sie für diese innere Tätigkeit etwas haben, worauf sich diese innere Tätigkeit richten kann, dann behagt es dieser inneren Tätigkeit. Das ist insbesondere nach der Mahlzeit der Fall. Da kann diese innere Tätigkeit alle Stoffe auflösen, vernichten. Sie ist damit zufrieden. Sehen Sie, das ist der Unterschied zwischen dieser inneren Tätigkeit, die wir in uns haben, und zwischen dem Menschen im ganzen, wie er unter uns ist. Er kann faul werden. Aber diese innere Tätigkeit wird nie faul, die hört gar nie auf. Und wenn ich nichts in mich hineintue, so ist es so, wie wenn ich einen leeren Mehlsack habe, aber da drinnen eine Tätigkeit ist, auch wenn ich alle Materie vermeide. In der Geisteswissenschaft nennen wir das den Astralleib, aus gewissen Gründen, die ich Ihnen später noch sagen werde; dieser ist niemals faul, ist immer tätig. Wenn er tätig sein kann, diese Nahrungsmittel zu zerstören, zu zersplittern, aufzulösen, dann ist er von innerer Behaglichkeit erfüllt, dann hat er seine innere Lust. Führe ich keine Nahrungsmittel in den Körper hinein, dann ist er unbefriedigt, dann äußert sich diese Unbefriedigung, und die Äußerung dieser Unbefriedigung ist Hunger. Hunger ist nichts Ruhendes; Hunger ist eine Tätigkeit in uns. So daß man sagen muß: Hunger ist richtig eine seelisch-geistige Tätigkeit in uns, die nicht befriedigt werden kann. Es ist eigentlich wirklich so, daß man sagen kann: Diese Tätigkeit in uns, die ist verliebt in die Nahrungsmittel, und wenn sie keine Nahrungsmittel kriegt, dann ist sie ebenso unbefriedigt wie irgendein Liebhaber, dem die Geliebte davongelaufen ; ist und nicht da ist. Und diese Unbefriedigung ist der Hunger. Das ist durchaus etwas Geistiges, der Hunger.“

TB 722, S 161/162

„Nun, die Tätigkeit, die da drinnen ausgeübt wird, die besteht also darin, daß die Nahrungsmittel zerstäubt werden, daß das, was von ihnen brauchbar ist, in die Blutadern übergeht, das andere durch den Urin oder die Fäkalien ausgeworfen wird. Und auf diese Weise geht regelmäßig die gesunde Tätigkeit des Menschen vor sich, daß sein Astralleib Gelegenheit hat, richtig zu arbeiten, richtig die Nahrungsmittel zu zerstören, aufzulösen, das, was brauchbar ist, in den Körper hineinzuschieben, das, was nicht brauchbar ist, auszustoßen.

Diese Tätigkeit des Menschen, die kann nicht eine so ganz allgemeine Tätigkeit sein, sondern in dieser Tätigkeit drinnen ist etwas ungeheuer Weisheitsvolles enthalten. Denn nehmen Sie an, da heroben wäre die Lunge (siehe Zeichnung S. 160), und weiter unten haben wir die Milz; Mitte da oben die Lunge, da unten die Milz. Sowohl zu der Lunge wie zu der Milz gehen Blutadern hin, durch die immerwährend aufgelöste Nahrungsmittel, verwandelte Nahrungsmittel hingeschickt werden. Ja, die Lunge braucht ganz andere Stoffe als die Milz! Es ist gerade so, wenn Sie diese Tätigkeit, die ich Ihnen beschrieben habe als Astralleib, betrachten, als ob der Astralleib viel gescheiter wäre als der Mensch. Der Mensch, der kriegt ohnedies nichts fertig, als daß er die Nahrungsmittel in den Mund hereinstopft. Aber diese Tätigkeit, die ich angeführt habe, die sondert aus – wie wenn Sie damit beschäftigt wären, zwei Stoffe voneinander abzusondern, und den einen dorthin zu werfen, weil er dort verwendet werden soll, den andern dahin zu werfen. Das tut diese Tätigkeit. Gewisse Stoffe sondert sie ab und schickt sie in die Lunge, gewisse Stoffe schickt sie in die Milz, andere Stoffe schickt sie in den Kehlkopf und so weiter. Da drinnen ist eine weise Verteilung. Und was wir unseren Astralleib nennen, das ist ungeheuer weise, weiser als wir selber. Wenn Sie den gelehrtesten Menschen heute fragen würden, wie er das einrichten soll, daß er die richtigen Stoffe in die Lunge oder in den Kehlkopf oder in die Milz kriegt – ja, der wüßte nichts darüber zu sagen. Aber innerlich weiß das der Mensch nämlich; sein Astralleib weiß das. So sind schon die Dinge, wenn man sie richtig betrachtet.“

TB 722, S 162/163

„Allerdings kann dieser Astralleib auch dumm werden – noch immer nicht so dumm wie der Mensch, aber er kann im Verhältnis zu seiner eigenen Gescheitheit auch dumm werden. Dieser Astralleib kann auch dumm werden. Nehmen wir einmal an, er wird auf folgende Weise dumm.

Der Mensch ist dadurch, daß er so oder so geboren ist, innerlich mit gewissen Kräften ausgestattet. Sein astralischer Leib nun, dasjenige, . was in ihm tätig ist, was auch Hunger kriegt, ist eigentlich darauf angewiesen, nicht nur eine solche innere Tätigkeit zu entwickeln. Die Tätigkeit, die da entwickelt wird für die Nahrungsmittel, die wird auch entwickelt, wenn sich einer hinsetzt und den ganzen Tag so wie eine Pagode, so wie ein orientalisches Götzenbild dasitzt; da würde immer noch der astralische Leib tätig sein. Aber das genügt nicht. Wir müssen auch äußerlich etwas tun. Wir müssen herumgehen. Und wenn wir gar nichts zu arbeiten haben, so müssen wir spazieren gehen. Der Astralleib verlangt auch, daß wir herumgehen. Und das ist bei jedem Menschen verschieden: der eine braucht mehr, der andere weniger Bewegung.

Nehmen wir nun an, dadurch, daß einer in einer gewissen Weise seine Anlagen hat von seiner Geburt aus, wird er ein Sitzer. Es gefällt ihm in seinem dummen Kopf, man könnte auch sagen, in seinem Ich, viel herumzusitzen. Wenn er also da nun viel herumsitzt, sein astralischer Leib aber veranlagt ist, viel herumzugehen, so wird sein astralischer Leib dumm, geradeso wie wenn einer sich übernimmt beim Gehen. In beiden Fällen wird der Astralleib dumm und macht das nicht mehr ordentlich, daß er richtig die Nahrungsmittel aussondert, nach den richtigen Organen hinschickt, sondern er macht das ungeschickt. Sagen wir zum Beispiel, er kriegt das nicht mehr ordentlich zusammen, nach dem Herzen oder nach dem Kehlkopf die richtigen Stoffe hinzuschicken. Ja, dann geschieht etwas! Wenn man, sagen wir, zum Herzen unrichtige Stoffe hinschickt, so bleiben die Stoffe – in den Nahrungsmitteln sind sie schon richtig drinnen – irgendwo liegen im Körper. Und weil sie eigentlich brauchbar sind, kommen sie weder an den richtigen Platz zu liegen, noch werden sie mit dem Urin, noch mit den Fäkalien abgestoßen. Sie setzen sich im Körper an. Aber das verträgt der Mensch nicht, daß irgend etwas, was nicht in der richtigen Tätigkeit ist, sich in seinem Körper ablädt; das verträgt der Mensch nicht.“

TB 722, S 163/164

Leave a Reply

WP2Social Auto Publish Powered By : XYZScripts.com