Chakra-Schulung

Nabelchakra – Uebungen

Sonnengeflechts-Chakra

Über das Sonnengeflechtschakra werden hier nur Andeutungen gemacht. Es wird vor allem in den höheren Stufen ausgebildet. Namentlich eine künstlerische Schulung ist eine gute Vorbereitung der Fähigkeiten, die mit dem Sonnengeflechtschakra verbunden sind. R.Steiner zu diesem Chakra: „Welche Wahrnehmungen gewinnen wir über das Sonnengeflechtschakra? Es sind dies die Seelenfarben, die Seelenformen und Seelenerfahrungen, die sich hier offenbaren. Durch den Sinn in der Nähe der sogenannten Magengrube erlangt man Kenntnis von den Fähigkeiten und Talenten der Seelen; man kann durchschauen, welche Rolle Tiere, Pflanzen, Steine, Metalle, atmosphärische Erscheinungen und so weiter im Haushalte der Natur spielen.“ Das Sonnengeflechts-Chakra besteht aus 10 Blätter; wiederum sind 5 dieser Blätter aus alter Zeit veranlagt und 5 Blätter wollen in unserer Zeit ausgebildet werden, damit wir die Wahrnehmungen dieses Chakra in unser Bewusstsein integrieren können.

Wissen zum 1. Blatt als Schritt I.

Der erste Schritt knüpft sich an das bewusste Erleben der vier oberen Sinne an. Das sind der Gehörsinn, der Gedankensinn, der Sprach- oder Wortsinn und der Ichsinn. Eine detaillierte Darstellung, wie man diese Wahrnehmungsorgane ausbildet und wie man mit diesen vier Sinnen wahrnehmen lernt, findet sich weiter unten. Die Ausbildung dieser vier Sinne erfüllt den 1. Schritt. Nach der Ausbildung dieser vier Sinne suche man gelegentlich einen inneren Abstand zu den Wahrnehmungen dieser vier Sinne zu bekommen und diese Erfahrungen aus ihrer Sinnesbindung zu lösen. Eine detaillierte Anweisung gehört zu den höheren Stufen.

Wissen zum 2. Blatt als Schritt II.

Der zweite Schritt knüpft an das bewusste Erleben der vier unteren Sinne an. Das sind der Tastsinn, der Lebenssinn, der Eigenbewegungssinn und der Gleichgewichtssinn. Eine detaillierte Darstellung, wie man diese Wahrnehmungsorgane erleben und aus dem Unbewussten herausnehmen lernt, findet sich weiter unten. Nach der Ausbildung dieser vier Sinne suche man gelegentlich einen inneren Abstand zu diesen körperlichen Erfahrungen zu bekommen und diese Erfahrungen aus ihrer Sinnesbindung resp. Unterbewusstheit zu lösen. Man nehme sich einige Minuten Zeit, um diese unbewusst-körperlichen Erfahrungen sowohl in ihrer körperlichen Offenbarungsform zu erleben, als auch in ihrer übersinnlichen Qualität zu erleben. Man bildet damit aus den sinnlichen Qualitäten gleichnishaft übersinnliche, qualitative resp. ästhetische Wahrnehmungsorgane aus, mit denen man die Geistes-Wesen-Merkmale erfassen lernt. Eine detaillierte Darstellung, wie man sich die Wahrnehmungen dieser vier Körpersinne erarbeitet wird in den höheren Stufen gegeben.

Wissen zum 3. Blatt als Schritt III.

Man suche gelegentlich ein bewusstes Erleben des eigenen Geschmacks- und Geruchssinn, der Seherfahrungen und der Wärmeempfindungen zu bekommen und diese Erfahrungen sinnlich zu erleben. In der sinnlichen Erlebensform spiegeln sich bereits Hinweise, welche übersinnlichen Fähigkeiten mit diesen vier Sinnen verbunden sind. Man nehme sich einige Minuten Zeit um die qualitativen, ästhetischen Empfindungen, die sich mit den sinnlichen Erfahrungen verbinden, klar zu erleben. Dann beginne man damit, dieses Erleben von den sinnlichen Erfahrungen zu lösen. Man löse das ästhetische Empfinden von der sinnlichen Erfahrung. Man wende diese Tätigkeit auf die Wahrnehmungen der vier genannten, der Seelensinne an.

Wissen zum 4. Blatt als Schritt IV.

Die sinnlichen Erfahrungen, die mit dem Schritt II verbunden sind, übersetze man in übersinnliche, ästhetische Merkmale. Diese Merkmale erlebe man sinnlich und übersinnlich. Dann ergeben sich die Fähigkeiten, die mit dem Schritt IV. verbunden sind. Dazu meditiert man mit den entsprechenden Hierarchien über die gegebenen Siegel. Dann lerne man, die ästhetischen Qualitäten als spirituelle Fähigkeiten innerhalb der Imagination anzuwenden. Dann lerne man denselben Schritt in der Inspiration zu gehen. Dann gehe man zum Schritt V.

Wissen zum 5. Blatt als Schritt V.

Ähnlich dem Schritt IV. werden auch die sinnlich-übersinnlichen Qualitäten rein geistig verwandt. Zunächst nehme man sich Zeiten des „inneren Abstand“ und lebe meditativ ganz mit Gehörerfahrungen, Spracherfahrungen, Gedankenwahrnehmungserfahrungen und Ich-Erfahrungen an anderen Menschen mit. Man erlebt erst die sinnliche Erfahrung und knüpft daran an die meditative, übersinnliche Erfahrung. Dann suche man mit den entsprechenden Siegeln und deren Hierarchien die Gesetzmäßigkeit der jeweiligen Fähigkeit zu erkunden. Daran schließe man die Verwendung dieser vier Geistessinne in der Inspiration. Dann beginne man, diese vier Fähigkeiten in der Intuition zu verwenden, namentlich beim Scheiden der Geister. Dann erfährt man, aus welchem Quell die Fähigkeiten des Sonnengeflechtschakra stammen und wie sich dasselbe in den Kundalinistrom einbindet.

Hintergrundstudium zu den zwölf Sinnen

Die zwölf Sinne, wie sie als Grundlage zur Entfaltung des Sonnengeflechtschakra erfahren werden können, werden von R.Steiner in einem Vortrag entwickelt und beschrieben: „Und ich habe ja das letztemal ausgeführt, dass dasjenige, was verbreitet ist über die Nervensubstanz des Menschen im Zusammenhange mit seinen Sinnen, nach der Zwölfzahl geordnet ist, weil der Mensch einmal in diesem tiefsten Sinne ein Mikrokosmos ist und den Makrokosmos abbildet. Zwölf Sternbilder, durch die der Sonne Kreislauf im Jahre geht, draußen im Makrokosmos — zwölf Sinne, in denen das Ich des Menschen eigentlich lebt hier auf dem physischen Plan! Gewiss, die Dinge sind draußen, in der Zeit aufeinanderfolgend etwas anders: Die Sonne bewegt sich vom Widder durch den Stier und so weiter bis wieder zurück durch die Fische zum Widder. Aber der jährliche Sonnenkreislauf geht durch diese zwölf Sternbilder. Alles, auch was wir in uns tragen, was wir in uns seelisch erleben, steht im Verhältnis zur Außenwelt durch unsere zwölf Sinne. Diese zwölf Sinne habe ich dazumal aufgezählt: der Tastsinn, der Lebenssinn, der Bewegungssinn, der Gleichgewichtssinn, der Geruchssinn, der Geschmackssinn, der Sehsinn, der Wärmesinn, der Gehörsinn, der Sprachsinn, der Denksinn, der Ichsinn. Im Umkreise gleichsam dieser zwölf Sinne bewegt sich unser ganzes Seelenleben, gerade so, wie die Sonne sich im Umkreis der zwölf Sternbilder bewegt. Aber der äußere Vergleich schon geht auch noch viel weiter. Bedenken Sie, dass die Sonne während des Jahres durch die Sternbilder vom Widder gehen muss bis hin gegen die Waage, dass die Sonne gleichsam im Lichte des Tages durch die oberen Sternbilder, während der Nacht durch die unteren Sternbilder geht, und dass dieses Gehen der Sonne durch die unteren Sternbilder zunächst dem äußeren Lichte verborgen ist. So ist es auch mit dem Leben der Menschenseele in diesen zwölf Sinnen. Tagessinne sind eigentlich nur annähernd die eine Hälfte davon, wie die eine Hälfte der Sternbilder nur Tag-Sternbilder sind, die anderen Nacht-Sternbilder.“ (Steiner: „Weltwesen und Ichheit“, GA 169 / 3. Vortrag Berlin, 20. Juni 1916).

 

Übung 4.1 – Das Scheiden der Geister am Ichsinn

Und Steiner weiter („Weltwesen und Ichheit“, GA 169 / 3. Vortrag Berlin, 20. Juni 1916): „Der Ichsinn ist nicht der Sinn für das eigene Ich, sondern für die Wahrnehmung des Ichs im ändern, natürlich — es ist ja Wahrnehmung, es ist ja Sinn! Das Bewusstsein vom Ich, vom eigenen Ich, ist etwas ganz anderes. Das habe ich dazumal in den Anthroposophie-Vorträgen auseinandergelegt. Es kommt hierbei nicht darauf an, dass man von seinem eigenen Ich weiß, sondern dass man dem anderen Menschen gegenübersteht und dass er einem sein Ich öffnet. Die Wahrnehmung für das Ich des anderen, das ist der Ichsinn, nicht das eigene Ich-Wahrnehmen.“ Den Ich-Sinn studieren, bedeutet: Andere Menschen beobachten und wahrnehmen lernen, wann das authentische Selbst und wann andere Seelengestalten sprechen.

Übung 4.2 – Logische Prozesskompetenz am Gedankensinn

Man studiere den Vorgang, wenn ein anderer Mensch einen Gedanken äußert. Es gibt in der Selbstbeobachtung einen Punkt, an dem man beginnt, den Gedanken eines anderen Menschen zu verstehen; und dann gibt es einen zweiten Punkt, da glaubt man, einen Teil des ganzen Gedankens verstanden zu haben. Dann wendet man sich dem Organ zu, dass diese beiden Punkte wahrgenommen hat. Steiner zum Gedankensinn: „Unsere gegenwärtige Wissenschaft wird noch den Tonsinn gelten lassen, aber nicht mehr den Sprachsinn, obwohl niemals das gesprochene Wort in seiner höheren Bedeutung durch den bloßen Tonsinn erfasst werden könnte. Dazu muss der Sprachsinn kommen, der Sinn für die Bedeutung desjenigen, was im Worte sich ausdrückt. Und der Sprachsinn wiederum ist nicht einerlei mit dem Denksinn, und der Denksinn nicht mit dem Ichsinn.“

Im Schritt V. geht es dann darum, die Vorstellung meiner Gedanken aufzugeben und zu beobachten, wie die Gedanken von Wesen kommen, von Engeln geprägt werden und sich in mir, von Doppelgängern beeinflusst, gestalten. Darin wandelt sich die Erfahrung der Gedanken als Eigenprodukte zur Erfahrung der Weltenkräfte, mit denen die Kommunikation mit geistigen Wesen und das Lenken geistiger Kooperationen vollbracht werden kann. Die Erfahrung, dass die Gedanken aus den hermetischen Kräften der Welt gebildet werden, führt in die differenzierte Erfahrung, dass Ich oder geistige Wesen sie lenken und gestalten können.

Übung 4.3 – Seelenwirken im Sprach- oder Wortsinn

Der Mensch folgt im Alltag seinen Trieben, wenn er Worte wählt um zu sprechen. Die Übung „richtiges Reden und Sprechen“ führt uns zu der Erfahrung einer gemeinsamen Seelenwelt, aus der alle Wesen schöpfen und ihre Seelen-Kräfte entfalten. Das Wort, die Sprache und das eigene Sprechen wird jeden Tag mehr und mehr zum Ausdruck der zwölf Tugenden, die in dieser Seelenwelt wirken. In den Tugenden erfahren wir ewige Geistwesen, die das Leben, die Kultur und die Seelenentfaltung in der Zeit tragen. Beobachten wir das Sprechen, das Formulieren, dann bemerken wir, wie jedes Wort einen geistigen Begriff in eine bestimmte Laut-Gebärde kleidet. Diese Lautgebärde ist die Seele, die zwischen dem Geistigen (Begriff) und seinem Ausdruck (physische, naturwissenschaftliche Klangwelt) vermittelt.

Übung 4.4 – Die Geistige Substanz im Gehörsinn

Auch das Hören ist dem Triebleben des Alltag unterworfen und nur bei wenigen Menschen von Natur „begabt“. Die Schulung des Hörens wird vor allem durch musikalische Übungen gepflegt. In der Musik finden wir verschiedene Kräfte, die sich als intervallisches Hören (Melodiebildung), als harmonisches Hören (Harmoniebildung, Zusammenspiel der Musiker), als rhythmisches Hören (Rhythmisierung der Harmonie, der Melodie, des Zusammenspiels) und als tonales Hören (Gestaltung des Tones durch den Instrumentenbauer, auf der Geige oder im Synthesizer) beschreiben lassen. Diese vier Hörformen offenbaren Seelische Bewegung, Seelenleben, und nur ihre sinnlichkeitsfreie Form erhebt uns in die geistige Wahrnehmung, in der wir Wesen sprechen und ihre Seele offenbaren hören. Das Hören führt zur unmittelbaren Wesensbegegnung, zur Inspiration. Ohne ein lebendiges Gehör bleibt die Seelenwelt regungslos und still. In den vier Grundsubstanzen (Melodie, Harmonie, Rhythmus, Klang), in denen sich Musik offenbart, erkennen wir ein Spiegelbild der vier Elemente und ihrer Elementargeister. In diesem Bilde ist die Musik und das sie gestaltende Gehör die Substanzbasis für die Inspiration.

 

Übung 4.5 – Die vier Körpersinne und die Basis im Tastsinn

Steiner (ebenda): „Und versuchen Sie nur einmal, sich zu erklären, wie wenig der Tastsinn im Grunde genommen mit dem Tages-, das heißt mit dem wirklichen bewussten Seelenleben zusammenhängt. Das können Sie daraus sehen, dass Sie die Eindrücke der anderen Sinne leicht werden im Gedächtnisse aufbewahren können, aber versuchen Sie selbst, wie wenig Sie die Erfahrungen des Tastsinnes im Gedächtnisse aufbewahren können. Versuchen Sie, wie wenig Sie sich erinnern, wie irgendein Stoff sich angefühlt hat, den Sie vor Jahren anfühlten, ja, wie wenig Sie sogar das Bedürfnis haben, sich daran zu erinnern. Das taucht schon hinunter, so wie das Licht aufhört und in die Dämmerung versinkt, wenn die Sonne in dem Sternbild der Waage hinuntergeht in die Nacht, in die Region der Nacht-Sternbilder hinein. Und völlig verborgen, möchte ich sagen, für das wache, offene Seelenleben sind dann die anderen Sinne.“

Es ist nichts Falsches daran, Körpergenuss, Wellness und Tastsinnerfahrungen zur eigenen Entspannung aufzusuchen. Doch diese Besinnung bleibt oft genug im reinen Genuss verhaftet. Wenn sie durch den Genuss hindurch stößt und am Körpererleben die Erfahrung des Übersinnlichen erwacht, dann tritt eine Vergeistigung ein, wie sie für die Entwicklung des Sonnengeflechtschakra notwendig ist. Über den Tastsinn ist das Sonnengeflechtschakra mit dem Wurzelchakra verbunden. Im Wurzelchakra ist der Mensch  mit den Weltenschöpferkräften der Kundalini verbunden. Hier spricht Jahve als Verwalter des väterlichen Schöpfungsstromes durch die vier Elementarwesen zum Menschen. Und diese Wesen und ihre Werte wollen vom Menschen erkannt, achtsam berührt und wert geschätzt werden. Das bewusste Erleben des Tastsinnes in Verbindung mit den Übungen zum Wurzelchakra pflegt die Erleuchtung des Sonnengeflechts-Chakra.

Übung 4.6 – Das  Organismus-Prinzip vermittelt im Lebenssinn

Woran erkennen wir, ob wir Hunger haben? Wie erleben wir Schmerzen? Wer in uns nimmt die Schmerzen, nimmt den Hunger wahr? R. Steiner zum Lebenssinn: „Es ist dieser Lebenssinn der Sinn, durch den wir unser Leben in uns fühlen, aber eigentlich nur, wenn es gestört wird, wenn es krank wird, wenn uns dies oder jenes schmerzt oder gerade weh tut; dann kommt der Lebenssinn und zeigt uns an: Dir tut es da oder dort weh. Wenn das Leben gesund ist, ist es getaucht in die Untergründe, so wie das Licht nicht da ist, wenn die Sonne im Skorpion steht, überhaupt in einem Nacht-Sternbild steht.

Wenn man am Schmerz ansetzt und die nicht sinnliche, die übersinnliche Seite des Schmerzes erforscht, dann begegnet man den verschiedenen Schattenwesen, die in der Seele wirken und im Ätherleib Unterbrechungen des Ätherströmens oder andere Prozesse verursachen. Man beginnt, den Äther nach Innen zu erforschen. Etwas ähnliches, nur auf einem ganz anderen Gebiet, geschieht, wenn man das Herzdenken, das Denken in Gedankenorganismen übt und bemerkt, wie dasselbe Gefühl, das die Sättigung nach dem Hunger oder die Ruhe nach dem Schmerzen vermittelt, eintritt, wenn ein Gedankenorganismus stimmig, wenn eine Sache „rund ist.“ Der Lebenssinn wirkt indirekt, wenn wir Systeme, Zusammenhänge, Harmonien zwischen Kräfte und Wesen wahrnehmen und bemerken, wie ein Zusammenhang, ein System unterschiedlich ist zu einem benachbarten Zusammenhang oder System. Wir bemerken, dass ein Organismus mit Organen heil, rund, gesund ist oder eben unvollständig, hungrig oder ergänzungsfähig. Im Schmerz und im Hunger spricht der Lebenssinn zu uns in sinnlicher Form, übersinnlich vermittelt er sich uns als Organ für „eine runde Sache“ im Sozialen oder in der Gestaltung des Herzdenkens.

Übung 4.7 – Der körperliche Gedankensinn im Eigenbewegungssinn

An den Bewegungen erkennen wir die Seelenregungen eines Menschen, wir erleben an der Körperbewegung den Ätherfluss und die Seelenprägung eines Menschen. Der Eigenbewegungssinn offenbart uns Bewegungen. Wir beobachten ihn im Zusammenspiel mit dem Körper und dem Gleichgewichtssinn beim Kind oder in unserem Leben in der Selbsteinschätzung, „wie schnell wir fahren.“ Auch der Bewegungssinn kann aus der sinnlichen Wahrnehmung heraus gelöst werden. Beobachten wir beispielsweise die Verwandtschaft mit dem Gedankensinn, so bemerken wir, wie wir aus der Bewegung der Worte und Begriffe ableiten, welcher Gedanke gemeint ist. Ähnlich ist es in der Kunst, Tanz und Schauspiel zerlegt Bewegung in ihre symbolischen, urbildlichen Kräfte, in der Malerei wird „Bewegung“ nur noch im symbolischen Sinne erlebbar. In der Musik verwandeln sich alle vier Substanzeben in einer gemeinsamen Bewegung, die mehr ist als die Kombination der einzelnen Ebenen  oder eine einfache Melodie.

Übung 4.8 – Das Ich wirkt im Körper: Gleichgewichtssinn

Steiner: „Nehmen Sie weiter den Gleichgewichtssinn. Wir erringen ihn uns ja eigentlich im Leben erst allmählich. Aber wir denken nicht daran, weil er in der Nacht des Bewusstseins liegt. Das Kind hat ihn noch nicht, es kriecht auf dem Boden. Der Gleichgewichtssinn wird erst erworben. Die Wissenschaft hat erst in den letzten Jahrzehnten das Sinnesorgan für den Gleichgewichtssinn entdeckt. Ich habe davon gesprochen, dass im Ohre die drei halbzirkelförmigen Kanäle sind, die in den drei Richtungen des Raumes aufeinander senkrecht stehen. Wenn diese beschädigt sind in uns, dann bekommen wir Schwindel, das heißt, wir haben das Gleichgewicht nicht mehr. So wie wir für das Gehör das äußere Ohr haben, für das Sehen das Auge, so haben wir für das Gleichgewicht die drei halbzirkelförmigen Kanäle, die nur durch einen besonderen Verwandtschaftsrest von Ton und Gleichgewicht an das Ohr gebunden sind. Aber sie sind da drinnen in der Felsenbein-Höhle des Ohres. Es sind drei Halbkreise aus kleinen, winzig kleinen Knöchelchen gebildet. Aber sie brauchen nur beschädigt zu sein, und die Möglichkeit, das Gleichgewicht zu halten, ist dahin. Wir erwerben uns die Empfänglichkeit für diesen Gleichgewichtssinn erst im Laufe unserer ersten Kindheit; aber er ist in Nacht des Bewusstseins getaucht. Wir merken ihn nicht.“

Wie beobachten wir den Gleichgewichtssinn? Das Gleichgewicht im Körper lässt uns aufrecht gehen, es ist die Manifestation des Geistigen in seinen Erscheinungsformen der sinnlichen Welt. Das ist einfach. Doch die Herauslösung des Gleichgewichts aus der sinnlichen Erfahrung ist ebenso wesentlich: Wie erfahren wir das Ungleichgewicht im Erleben (Gefangenschaft im Sinnesleben, Befreiung im übersinnlichen Erleben)? Was tut der Gleichgewichtssinn, wenn er in der Malerei (Sehsinn) wirkt, oder in der Musik (in polaren Empfindungen beispielsweise von Leise und Laut). Und wie nehmen wir Gleichgewicht innerhalb der unteren Sinne wahr: im Lebensinn? Im Bewegungssinn? Oder in seelischen Einseitigkeiten?

Übung 4.9 – Die gespaltenen Seelensinne, Geruchsinn

Steiner führt wiederum aus, wie die Tag- und Nachtseite der Sinne zum Vorschein kommt. „Denken Sie aber, wie wenig eigentlich diejenigen Sinne, die nun auch noch etwas verborgen sind — Geruchssinn und Geschmackssinn — mit unserem Seelenleben in höherem Sinne zu tun haben. Wir müssen schon untertauchen in das Körperleben, um so recht uns hineinleben zu können in den Geruch. Geschmackssinn ist ja nun schon eine starke Dämmerung für die Menschen, da dämmert es schon herauf ins Bewusstsein. Aber Sie können noch immer gleichsam das Seelenexperiment machen, das ich vorhin angeführt habe für den Tastsinn: Sie werden sich sehr schwer erinnern an die Wahrnehmungen des Geruchs- und des Geschmackssinnes. Und nur dann, wenn das Seelenleben mehr ins Unbewusste hinuntertaucht, kommt gewissermaßen der Geruchssinn für das bewusste Seelenleben ein wenig zur Geltung.“ Studieren wir den Geruchssinn, dann können wir versuchen zu fühlen, warum bestimmte Gerüche mit den Seelenwesen verbunden sind, die sie ausstoßen. Oder wir erleben die Gerüche der Natur.

Übung 4.10 – Die Kommunion mit dem Kosmos im Geschmacksinn

Der Geschmackssinn zeichnet sich dadurch aus, dass wir ihn erst betätigen können, wenn wir mit unserem äußeren Körper (Leib) ein anderes Wesens in uns aufnehmen und mit diesem körperlich ganz verschmelzen (Körperhingabe). Und dieser Vorgang hat ja schon etwas sehr intimes. Zum einen gehört der Geschmackssinn noch zu den eher unbewussten Sinnen, er liegt an der Grenze und erwacht immer wieder zum Bewusstsein. Zum anderen ist die intensive Verbindung notwendig, und kaum, dass wir etwas geschmeckt haben, geht es auch schon in unsere Konstitution über. Und wie erwacht der Geschmackssinn nun im Übersinnlichen?

Übung 4.11 – Wenn die Seele an die Oberfläche kommt: Gesichtssinn

Der Sehsinn ist der wohl bewussteste aller Sinne. Auf keinen anderen Sinn fühlt sich der Mensch so sehr angewiesen, wie auf den Sehsinn. Mag es doch so erscheinen, dass es grausamer sei, taub zu sein denn nichts zu sehen. In dieser Weise ist der Sehsinn stark eingebunden in unsere funktionale Betrachtung der Umwelt. Kaum kommen die wahren Farben und Formen zum Bewusstsein, die sich dem Sehsinn erschließen. Die Farben und Formen bewusst zu erleben, die Grundfarben, die Mischfarben in ihren hellen und dunklen Schattierungen zu erleben, bedeutet erst das wahre Erwachen des Gesichtssinn. In diesem Sinne schläft auch der Gesichtssinn lange Zeiten am Tage, und erst, wenn wir uns über die Schönheit einer Landschaft freuen oder die Ästhetik eines Kunstwerkes oder die Gestalt eines Menschen bewundern, erwacht uns der Gesichtssinn zum Bewusstsein.  Die Seelenfarben und –Formen im Übersinnlichen ähnlich zu erleben, wie sie sich uns an diesen besonderen Stunden des Tages erschließen bedeutet den Sehsinn ins Übersinnliche zu erheben.

Übung 4.12 – Wärmesinn

Wenn wir Wärme spüren, dann fühlen wir uns als Menschen wohl. Wärme, nicht Hitze oder Kälte. Wärme, Temperierung vermittelt uns, angenommen, verbunden sein zu dürfen mit dem Kosmos, der uns in verschiedenen Temperaturen umgibt. Und so ist es auch die Körperwärme, die uns eine Beziehung zu unserem eigenen Körper ermöglicht. Beobachten wir unsere körperliche Selbstwahrnehmung, dann bemerken wir, wie sie mit zunehmender Hitze oder mit zunehmender Kälte immer weniger wird. Und studieren wir unsere Beziehung zur Außenwelt, so können wir dort etwas Ähnliches bemerken. Unser Seelenwesen braucht Wärme, um eine Beziehung zu sich selbst oder zum Kosmos aufbauen zu können. Und ähnlich ist es auch mit der übersinnlichen Erfahrung; wir brauchen seelische Wärme, damit sich uns die Seelensinne, die Geistessinne öffnen und die Geisteswahrnehmungen eröffnen können.

Selbstführung und Selbstkontrolle

Wir können uns eine Tabelle anlegen, in der zu jedem Sinn die sinnliche und übersinnliche Charakterkraft aufgeschrieben steht. Diese Hilfe kann uns im Alltag als Stütze für die Wahrnehmungsschulung dienen. Und sie kann uns in der imaginativen und inspirativen Schulung dienen, eine seelisch-geistige Wahrnehmung auf diese Qualitäten zu untersuchen.

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