Kleiner Hüter / Ich / Monade

RS Kleiner Hüter

Der Begriff des „Kleinen Hüter“ bei Rudolf Steiner

Quelle GA R.Steiner

„Aber dieses wahre Ich, erst erlebt, den man begegnet an der Schwelle in die geistige Welt, ist in einer eigentümlichen Weise vorhanden, man möchte sagen in einer eigentümlichen Weise vorhanden, man möchte sagen in einer eigentümlichen Ausstaffierung. An der Schwelle zur geistigen Welt kann sich dieses wahre Ich kleiden in alles das, was unsere Schwächen, unsere Mängel sind, in alles das, was uns sozusagen geneigt macht, hängen zu bleiben mit unserem ganzen Wesen an der physisch-sinnlichen Welt oder wenigstens an der elementarischen Welt.“

GA 147, S 137

„Wenn wir mit unserem Bewußtsein in der physischen Welt verweilen, dann ist unser anderes Selbst wirklich recht sehr ein anderes, ein uns Fremdes, eine Wesenheit, der wir wahrhaftig viel fremder entgegentreten als einem anderen Menschen der Erdenwelt. Und dieses andere Selbst, dieses wahre Ich kleidet sich in unsere Schwächen, in all das, was wir eigentlich verlassen müssen und nicht verlassen wollen, weil wir gewohnheitsmäßig als physisch-sinnliche Menschen daran hängen, wenn wir die Schwelle überschreiten wollen“

GA 147, S 137/138

„Es ist also eine Selbstbegegnung, aber in Wahrheit doch die Begegnung mit einer anderen Wesenheit.“

GA 147, S 138

„Und dieser Hüter der Schwelle ist eigentlich ein recht großer Wohltäter, daß er sich nicht sehen läßt, denn die Menschen würden ihn nicht ertragen. Was wir unbewußt in jeder Nacht der Tatsache nach erleben, zum Wissen zu bringen, heißt eingentlich, die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle haben.“

GA 147, S 139

„Aber die Seele kann das nicht ertragen, und noch früher, als der ganze Vorgang zum Bewußtsein kommen kann, betäubt sich sozusagen diese Seele das Bewußtsein durch den Abscheu, den sie hat. Und solche Momente, wo die Seele ihr Bewußtsein betäubt sind die besten Angriffspunkte für die ahrimanischen Wesenheiten. Wir kommen in der Tat hin zum Hüter der Schwelle, indem mit einer ganz besonderen Stärke und Kraft sich zum Beispiel unser Selbstgefühl ausgebildet hat.“

GA 147, S 139

„Wichtige Erlebnisse beim Erheben in die höheren Welten sind die Begegnungen mit dem „Hüter der Schwelle“. Es gibt nicht nur einen, sondern im wesentlichen zwei, einen „kleineren“ und einen „größeren“ „Hüter der Schwelle“. Dem ersteren begegnet der Mensch dann, wenn sich die Verbindungsfäden zwischen Willen, Denken und Fühlen innerhalb der feineren Leiber (des Astral- und Ätherleibes) so zu lösen beginnen, wie das im vorigen Kapitel gekennzeichnet worden ist. Dem „größeren Hüter der Schwelle“ tritt der Mensch gegenüber, wenn sich die Auflösung der Verbindungen auch auf die physischen Teile des Leibes (namentlich zunächst das Gehirn) erstreckt.“

TB 600, S 137

„So schrecklich die Gestalt dieses Hüters auch ist, sie ist doch nur die Wirkung des eingenen vergangenen Lebens des Schülers, ist nur sein eigener Charakter, zu selbständigem Leben außer ihm erweckt. Und diese Erweckung geschieht durch die Auseinanderlösung von Wille, Denken und Gefühl.“

„Es muß nun die Vorbereitung des Geheimschülers dahin zielen, daß er ohne eine jegliche Scheu den schrecklichen Anblick aushält und daß er im Augenblicke der Begegnung seine Kraft wirklich so gewachsen fühlt, daß er es auf sich nehmen kann, die Verschönung des „Hüters“ mit vollem Wissen auf sich zu laden.“

TB 600, S 141

„Von dem Zeitpunkte an, wo der Geheimschüler dem Hüter der Schwelle begegnet, hat er nicht bloß seine eigenen Aufgaben als Persönlichkeit zu kennen, sondern er muß wissentlich mitarbeiten an denen seines Volkes, seiner Rasse.“

„Eine weitere Enthüllung, die ihm nun der „Hüter der Schwelle“ macht, ist die, daß fernerhin diese Geister ihre Hand von ihm abziehen werden.“

TB 600, S 142

„…: Nachdem der „Hüter der Schwelle“ über seine ersten Forderungen sich ausgesprochen hat, dann erhebt sich von dem Orte aus, an dem er steht, ein Wirbelwind, der all die geistigen Leuchten zum Verlöschen bringt, die bisher den Lebensweg erhellt haben. Und eine völlige Finsternis breitet sich vor dem Geheimschüler aus. Sie wird nur unterbrochen von dem Schein, den der „Hüter der Schwelle“ selbst ausstrahlt. Und aus der Dunkelheit heraus ertönen seine weiteren Ermahnungen: „Überschreite meine Schwelle nicht, bevor du dir klar bist, daß du die Finsternis vor dir selbst durchleuchten wirst; tue auch nicht einen einzigen Schritt vorwärts, wenn es dir nicht zur Gewißheit geworden ist, daß du Brennstoff genug in deiner eigenen Lampe hast.“

TB 600, S 143

„Betritt der Geheimschüler die übersinnliche Welt, dann erhält das Leben für ihn einen ganz neuen Sinn, er sieht in der sinnlichen Welt den Keimboden für eine höhere. Und in einem gewissen Sinne wird ihm diese „höhere“ ohne die „niedere“ als eine mangelhafte erscheinen. Zwei Ausblicke eröffnen sich ihm. Der eine in die Vergangenheit, der andere in die Zukunft.“

TB 600, S 146

„So stellt der erste „Hüter der Schwelle“ das Ebenbild des Menschen in seiner Doppelnatur dar, aus Vergänglichem und Unvergänglichem gemischt. Und klar zeigt sich an ihm, was noch fehlt bis zur Erreichung der hehren Lichtgestalt, welche wieder die reine geistige Welt bewohnen kann.“

TB 600, S 148

„Aber der Mensch muß in die zukünftige übersinnliche Welt alles mitbringen, was er aus der Sinnenwelt herausholen kann. Wollte er nur das mitbringen, was in sein Gegenbild bloß aus der Vergangenheit hinein verwoben ist, so hätte er seine irdische Aufgabe nur teilweise erfüllt. Deshalb gesellt sich nun zu dem „kleineren Hüter der Schwelle“ nach einiger Zeit der größere. Wieder soll in erzählender Form dargelegt werden, was sich als Begegnung mit diesem zweiten „Hüter der Schwelle“ abspielt.

Nachdem der Mensch erkannt hat, wovon er sich befreien muß, tritt ihm eine erhabene Lichtgestalt in den Weg. Deren Schönheit zu beschreiben ist schwierig in den Worten unserer Sprache.“

TB 600, S 149

„Doch ebenso steht da die Gewißheit, daß diese Vereinigung erst möglich wird, wenn der Eingeweihte alle Kräfte, die ihm aus dieser Welt zugeflossen sind, auch aufgewendet hat im Dienste der Befreiung und Erlösung dieser Welt. Entschließt er sich, den Forderungen der höheren Lichtgestalt zu folgen, dann wird er beitragen können zur Befreiung des Menschengeschlechts.“

„Zieht er seine eigene vorzeitige Erhöhung in die übersinnliche Welt vor, dann schreitet die Menschheitsströmung über ihn hinweg.“

TB 600, S 151

„Er soll es nicht erreichen, weil der Hüter der Schwelle davorsteht, weil es unten ist in jenen Untergründen, von denen die alten Mysterienlehren gesagt haben, man soll es nicht aussprechen, weil gerade sündhaft ist der Mund, der es ausspricht, wie das Ohr sündhaft ist, das es hört.“

GA 208, S 169/170

„Es ist ebenso wichtig, dieses Gefühl zu haben, wie allmählich sich der Paradieses-Imagination zu nähern. Und wenn diese beiden Kräfte, der Egoismus, der sich zu Weltinteressen ausdehnt, und die frostige Einsamkeit zusammenwirken, dann nähert man sich immer mehr und mehr der Paradieses-Imagination. Und wenn diese aufgetreten ist mit der entsprechenden Lebendigkeit, wenn sie wirklich da ist, dann ist auch der Zeitpunkt gekommen, wo man in der ganz richtigen Weise die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle erlebt. Es ist schwierig, diesen Hüter der Schwelle auf einmal zu charakterisieren — ich habe es ja an verschiedenen Stellen unserer Betrachtungen getan. Heute soll es weniger darauf ankommen, diesen Hüter der Schwelle zu charakterisieren, als das innere Erleben an den menschlichen Hüllen und an dem menschlichen Selbst. Kommt man also nahe der Paradieses-Imagination, daß heißt, wird sie immer lebendiger und lebendiger und begegnet man dann dem Hüter der Schwelle, dann fühlt man erst recht stark die geschilderten magnetischen Kräfte, und indem man dem Hüter der Schwelle gegenübersteht, fühlt man sich — und das ist eine furchtbar erschütternde Empfindung — wie gefesselt, wie gebannt. Denn alle diese magnetischen Kräfte, die einen in das Persönliche hinunterziehen, die üben jetzt ihren stärksten Einfluß aus; und nur wenn man es so weit gebracht hat, wenn einem die frostige Einsamkeit so zum Erzieher geworden ist, daß man imstande ist, wirkliche Weltinteressen zu seinen Interessen zu machen, dann kommt man vorbei an dem Hüter der Schwelle. Und dann kann man das fühlen, was man nennen kann: Man vereinigt sich mit der Paradieses-Imagination, man wird eins mit ihr. Man fühlt sich dann drinnen in ihr. Dieses Erlebnis, sich drinnen zu fühlen, das ist wie ein Gerechtfertigt-sich-Fühlen in den Welteninteressen, so daß man sich gestehen darf: Ja, du darfst deine eigenen Interessen geltend machen, denn sie sind jetzt die Welteninteressen. — Wenn man aber nicht vorbeikommt, wenn man noch nicht allgemeine Interessen genug gewonnen hat, dann ziehen einen die persönlichen Interessen zurück, und dann tritt das ein, was man im Okkultismus nennt: man kommt nicht an dem Hüter der Schwelle vorbei. Dann verdunkeln diese persönlichen Interessen die Paradieses-Imagination; dann gewinnt man sozusagen einzelne Stücke aus derselben, gewinnt undeutliche Eindrücke, aber nicht vollständige, und man wird wie zurückgerissen wiederum in das persönliche Leben. Aber es kann dann der Fall eintreten, daß man bis zu einem gewissen Grade die Möglichkeit erhalten hat, hellseherische Erlebnisse zu haben. Diese hellseherischen Erlebnisse sind dann erst recht Maja-Erlebnisse, die können ganz irrtümlich sein; denn sie sind überall durchzogen und benebelt von den persönlichen Interessen.“

GA 145, S 139/140

„Ich nehme hypothetisch an, ein Mensch sei an dem Hüter der Schwelle vorbeigekommen, hätte gefeiert seine Vereinigung mit der Paradieses-Imagination, fühlte sich so darinnen, wie wenn diese Paradieses-Imagination jetzt seine eigene größere astralische Hülle geworden wäre. Also so, daß er zwar seinen astralischen Leib an sich genau noch empfindet, daß er weiß: der ist mit seinem Selbst zusammenhängend; aber daß dieser astralische Leib zugleich seine Interessen nach alledem ausdehnt, was die Dinge und Wesenheiten der Paradieses-Imagination angeht. Wenn der Mensch diese Vereinigung mit der Paradieses-Imagination gefeiert hat, dann kann er etwa den folgenden Eindruck haben: Er wird seinen eigenen astralischen Leib als zu ihm gehörig wahrnehmen, und wenn er genügend gefühlt hat das, was eben als frostige Einsamkeit geschildert worden ist, so wird dieses Gefühl in ihm eine Kraft sein, und dieses Gefühl frostiger Einsamkeit wird ihn davor bewahren, nur sich selber zu schauen, wenn er die Vereinigung mit der Paradieses-Imagination gefeiert hat. Er wird dadurch gleichsam das Organ sich schaffen, andere Wesenheiten zu schauen. Sein okkulter Blick wird zunächst fallen auf eine andere Wesenheit, auf eine Wesenheit, die auf ihn dadurch einen besonderen Eindruck machen wird, daß sie ihm ähnlich so erscheinen wird, wie er selber ist. Er selber fühlt sich in seinem Selbst und seinem astralischen Leibe; das andere Wesen wird ihm zunächst auch mit einem Selbst und einem astralischen Leibe erscheinen. Die Sache kommt davon her, weil die Eigenschaften und Kräfte, die sich der Mensch mitbringt für einen solchen Augenblick, es bewirken, daß er gerade solch ein Wesen schauen kann, welches sich wie in einem Selbst und in einem astralischen Leibe darstellt. — Nun wird der Mensch folgendes fühlen, und dieses Fühlen wird bewirkt durch die frostige Einsamkeit, die er ertragen gelernt hat: Sein astralischer Leib wird sich in seinen Kraftwirkungen so darstellen, als wenn er nach aufwärts strömen wollte. Wenn ich schematisch das darstellen wollte, so müßte ich es so zeichnen — aber wie gesagt, ich mache nur eine ganz schematische Zeichnung: Das Selbst zeichne ich wie einen Kometenkern und den astralischen Leib wie einen nach oben ausschweifenden Kometenschweif. Aber das ist schematisch; denn man schaut ein Wesen, man schaut sich selber als ein Wesen — und das Anschauen ist viel komplizierter als das Anschauen des eigenen Wesens als physischer Mensch. Das andere Wesen, zu dem man hinüberschaut, sieht man auch in seinem Selbst —, wie gesagt, es ist das ein typisches Erlebnis, es ist so gemeint, daß einfach der Blick zuerst auf ein solches Wesen fällt —aber man fühlt: Dieses Wesen steht nicht in einer solchen Sphäre frostiger Einsamkeit wie man selber, und dadurch zeigt es den astralischen Leib wie nach abwärts gerichtet. — Es ist höchst bedeutsam, dieses zu erleben: sich selber wie in einem Astralleib fühlend, der nach oben sich öffnet, nach oben seine Kraftwirkungen entfaltet, nach oben strömen will, und den anderen, das andere Wesen erblickend wie ein Selbst, dessen Astralleib nach unten seine Kräfte entfaltet.“

GA 145, S 141-143

„Nun taucht diesem typischen Erlebnis gegenüber im Selbstbewußtsein etwas auf wie: Du bist im Nachteil, du bist weniger wert als dieses andere Wesen. Das ist wertvoll an dem anderen Wesen, daß es seinen astralischen Leib nach unten öffnen kann, seine Kräfte nach unten gleichsam ergießen kann; das ist wertvoll an diesem Wesen. Und man bekommt den Eindruck, man habe ja die physische Welt verlassen, die Kräfte, welche von dem astralischen Leib des anderen nach unten gehen, die gehen nach der physischen Welt und wirken dort als Segenskräfte. Kurz, man hat den Eindruck, daß man einem Wesen gegenübersteht, das dasjenige, was es sich errungen hat in der geistigen Welt, wie einen segnenden Geistesregen nach abwärts auf die Erde schicken darf; und selber kann man seinen astralischen Leib nicht nach abwärts dirigieren, der will nach aufwärts. Man bekommt das Gefühl, daß man dadurch weniger wert ist, weil man den astralischen Leib nicht nach abwärts dirigieren kann. Und man bekommt weiter das Gefühl: Dieses Bewußtsein, das da in dir aufgestiegen ist, muß dich zu einer geistigen Tat führen. Ein geistiger Entschluß reift. Der geistige Entschluß, welcher reift, ist der, daß man seine Einsamkeit zu diesem zweiten Wesen hinträgt und daß man seinen Frost erwärmen läßt an der Wärme des anderen Wesens, daß man sich vereinigt mit diesem anderen Wesen. Man hat einen Augenblick den Eindruck, als ob jetzt das Bewußtsein auslöschen würde, als ob man eine Art Ertötung des eigenen Wesens, wie eine Art Verbrennung des eigenen Wesens bewirkt hätte. Dann tritt das ein, was man nennen kann: es bricht in das Selbstbewußtsein, das sich wie ausgelöscht schon fühlte, etwas herein, was man jetzt erst kennenlernt: die Inspiration. Man fühlt sich inspiriert. Es ist wie ein Gespräch, wie ein typisches Gespräch, das jetzt geführt wird mit einem Wesen, das man nur kennenlernt deshalb, weil es seine Inspiration einem zuteil werden läßt. Ist man fähig, das, was dieses Wesen als seine inspirierende Stimme hereinschickt, wirklich zu verstehen, so könnte man das, was dieses inspirierende Wesen sagt, etwa übersetzen in die Worte: Weil du den Weg zu dem anderen gefunden hast und dich vereinigt hast mit seinem Opferregen, so darfst du mit ihm, in ihm, zurückkehren zur Erde und ich werde dich auf der Erde zu seinem Hüter bestellen. Und man hat das Gefühl, daß man dadurch etwas unendlich Bedeutsames aufgenommen hat in seine Seele, daß man diese Worte hat hören dürfen, die Worte durch Inspiration. Es gibt im Geistigen ein Wesen, das wertvoller ist als man selbst, das segnend seine Astralität nach abwärts ergießen darf. Daß man sich vereinigen darf mit ihm und daß man, wenn man unten angekommen ist, sein Hüter sein darf, durch diesen Eindruck lernt man erst verstehen, wie man als physischer Mensch, der auf der Erde herumgeht, sich wirklich verhält mit seiner physischen und ätherischen Hülle zu dem, was einem als höhere Kräfte imprägniert wird in das Selbst und in den astralischen Leib. Man ist mit dem, was man als physische und ätherische Hülle hat, der Hüter desjenigen, was zu höheren Sphären sich immer weiter und weiter entwickeln soll. Und im inneren Erleben hat man eigentlich erst ein richtiges, wahres Verstehen des Verhältnisses der äußeren Hüllen zu der inneren Wesenheit des Menschen, wenn man die äußere Wesenheit als Hüter der inneren Wesenheit fühlt.“

GA 145, S 143/144

„Nun aber, wenn man an dem Hüter der Schwelle vorbeigekommen ist, bleibt dieses Erlebnis, das ich hier geschildert habe, nicht allein, sondern es wird von einem anderen gefolgt. Zunächst habe ich Ihnen das rein Hellseherische und inspirierte Erlebnis geschildert, das man haben kann, wenn man außer dem physischen und Ätherleib dazu gekommen ist, mit der Paradieses-Imagination sich zu vereinigen, und dann jene Inspiration bekommen hat, die einem eigentlich erst einen Begriff gibt von dem Verhältnis der Hüllen zum Selbst. Wenn man aber an diesem Hüter der Schwelle vorbeigekommen ist, so gesellt sich zu diesem ersten Eindruck ein zweiter; es öffnet sich gleichsam der Blick an dem Hüter der Schwelle vorbei in die physische Welt hinunter. Ich zeichne diesen Strich wie die Grenzlinie zwischen den höheren geistigen Welten und der physischen Welt, so daß da oben das Gebiet der geistigen Welten wäre und da unten das der physischen Welt.“

GA 145, S 144/145

„Nun sieht man gleichsam in die physische Welt hinunter, und da tritt ein anderes Bild auf, das Bild, daß man selber hier unten als Mensch steht. Man merkt an sich seinen astralischen Leib; aber dieser astralische Leib, der sich jetzt wie im Spiegelbild zeigt, er ist nach abwärts gerichtet, er will nicht die Kraft entfalten, nach der geistigen Welt hinzuströmen; er bleibt gleichsam an dem physischen Plan kleben und hängen, er erhebt sich nicht nach der Höhe. Man sieht auch das Spiegelbild des anderen Wesens; dessen astralischer Leib strömt nach aufwärts. Man hat das Gefühl: dieser astralische Leib strömt in die geistige Welt ein. Man sieht sich, man sieht den anderen, man hat das Gefühl: Du stehst da unten noch einmal; an der Stelle des anderen Wesens steht ein wirklich anderer Mensch da unten; es ist ein Mensch, der besser ist als du; sein astralischer Leib strebt nach oben, geht wie Rauch nach oben. Dein astralischer Leib strebt nach der Erde zu, geht wie Rauch nach unten. Man bekommt ein Gefühl von dem Selbst, das in einem drinnen lebt, indem man da hinunterschaut, und man bekommt den furchtbaren Eindruck: In dir dämmert ein Entschluß auf, ein furchtbarer Entschluß auf — der Entschluß, den anderen, den du als besser fühlst, zu töten. Man weiß: dieser Entschluß kommt nicht ganz aus dem Selbst; denn das Selbst hat man da oben. Es ist ein anderes Wesen, das da unten aus einem spricht; aber dieses gibt den Entschluß ein, den anderen zu töten. Und jetzt hört man wieder die Stimme, die vorher inspiriert hat die Inspiration, aber jetzt wie eine furchtbare rächende Stimme: «Wo ist dein Bruder? » Und es ringt sich aus diesem Selbst die Gegenstimme los zu der früheren. Früher war die Inspiration diese: Dadurch, daß du dich vereinigt hast mit den segnenden Mächten der anderen Wesenheit, wirst du mit diesen segnenden Mächten nach abwärts dich ergießen, und ich werde dich zum Hüter machen des anderen Wesens. Jetzt entringt sich diesem Wesen, das man als sich selbst erkennt, das Wort: «Ich will nicht der Hüter meines Bruders sein.» Zuerst der Entschluß, den anderen zu töten, dann der Protest gegen die Stimme, die also inspirierend war: Ich bestelle dich, weil du deine Kälte mit jener Wärme hast vereinigen wollen, zum Hüter des anderen … der Protest: Ich will nicht der Hüter sein.“

GA 145, S 145/146

„Wenn man dieses imaginative Erlebnis gehabt hat, meine lieben Freunde, dann weiß man, wessen alles eine Menschenseele fähig sein kann, und dann weiß man vor allen Dingen eines: daß, wenn sie verkehrt werden in ihr Gegenteil, die edelsten Dinge der geistigen Welten zu den furchtbarsten Dingen der physischen Welt werden können. Man weiß, daß auf dem Grunde der menschlichen Seele durch Verkehrung der edelsten Opferwilligkeit der Wunsch entstehen kann, den Mitmenschen zu töten. Von diesem Augenblicke an weiß man, was mit der Kain- und Abelgeschichte in der Bibel gemeint ist; aber erst von diesem Momente an, denn die Kain- und Abelgeschichte, die ist nichts anderes als die Wiedergabe eines okkulten Erlebnisses, und zwar jenes, von dem eben gesprochen worden ist. Hätte — aus anderen Gründen als denen, die da vorlagen im Laufe der Menschheitsentwicklung — hätte der Schreiber der Kain- und Abelgeschichte schildern können dasjenige, was mit dem Menschen vorgegangen ist vor dem Zeitpunkt der Paradiesesgeschichte, so hätte er das erste (auf der Zeichnung), das obere Erlebnis geschildert. So beginnt er mit der Paradiesesgeschichte und schildert die Spiegelung; denn so fühlte der Kam dem Abel gegenüber, bevor der Zeitpunkt in der Erdenentwicklung da war, der durch die Paradiesesgeschichte angedeutet ist, so fühlte der Kam dem Abel gegenüber, wie es hier oben angedeutet worden ist. Und nach der Versuchung und nach dem Verlust jener Anschauung, die wieder errungen wird in okkultem Schauen durch die Paradieses-Imagination, war bei Kam die Opferwilligkeit übergegangen in das, was hier unten auftritt. Und der Wunsch der Seele, den anderen zu töten, hatte sich in Wirklichkeit umgewandelt. Und der Ruf, der uns in der Bibel mitgeteilt wird: Soll ich denn der Hüter meines Bruders sein?, der ist das Spiegelbild der anderen Inspiration: Ich will dich hier unten auf Erden zum Hüter des anderen bestellen.

Gerade aus dieser Darstellung werden Sie ermessen, daß solche typischen Erlebnisse gewiß bedeutungsvoll sind; denn sie stellen eine gewisse Verbindung her zwischen dem, was wir heute sein können, und den allgemeinsten Menschheitsinteressen. Aber zu gleicher Zeit zeigen sie uns gerade ganz deutlich, wie in dem, was wir an ihnen erleben im auf- und abwogenden Seelenleben, die Hauptsache ist, zu empfinden, wie die Menschheitsentwicklung diesen kolossalen Sprung gemacht hat von dem, was ich Ihnen als die erste, sozusagen vorirdische Imagination geschildert habe, zu dem, was hingestellt wird in der Kain-Abel-Geschichte als Menschheitsereignis nach der Vertreibung aus dem Paradiese, nach jener Vertreibung, durch welche unsichtbar geworden ist der Hüter der Schwelle für die Menschen. Die Bekanntschaft mit diesem Sprung in der Entwicklung der Menschheit, dies zeigt uns eigentlich erst, was dieser Erdenmensch ist; denn wenn man das, was jetzt erzählt worden ist, ganz durchfühlt, dann erfährt man allmählich, wie dieser Erdenmensch gleichsam so, wie er hier auf die Erde gestellt ist, die Verkehrung desjenigen ist, was er einstmals war. Und ganz gewiß weiß man, was man geworden wäre, wenn nichts anderes eingetreten wäre. Würde man ohne alles andere einfach in dieser Erdenentwicklung sich entfaltet haben, dann würde man gewußt haben, wovon das auf der Erde die Widerspiegelung ist. Das durfte man zunächst nicht wissen.“

GA 145, S 146-148

„Aber es gibt doch eine Stärke der okkulten Entwicklung, welche bis an die Möglichkeit heranführt, daß der physische und der Ätherleib sich innerliche Zerstörungskräfte heranerziehen; und im Grunde genommen ist das immer da, wenn der Mensch die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle hat. Diese Begegnung mit dem Hüter der Schwelle ist gar nicht möglich, ohne daß man vor der Gefahr steht, in gewisser Beziehung Zerstörungskräfte einzupflanzen seinem physischen und ätherischen Leibe; aber eine jede richtige okkulte Entwicklung schafft zugleich die Gegenmittel, und diese Gegenmittel sind gegeben in dem, was Sie in meiner «Geheimwissenschaft» als die sechs okkulten Nebenübungen bezeichnet finden: Gedankenkonzentration, das heißt starkes Anspannen seiner Gedanken, konzentriertes Zusammenfassen seiner Gedanken; Herausentwicklung einer gewissen Initiative des Willens, eines gewissen Gleichmaßes von Lust und Leid, eine gewisse Positivität im Verhalten zur Welt, einer gewissen Unbefangenheit.“

GA 145, S 184/185

„Bevor der Mensch als Schüler bis zu dem Punkte geführt wird, daß er willkürlich an seinem Ätherkörper arbeiten kann, muß er wenigstens teilweise in die Lage kommen, das Karma zu beurteilen, Selbsterkenntnis zu erlangen. Darum darf Meditation nicht ohne fortwährende Selbsterkenntnis, Selbstschau vorgenommen werden. Dadurch wird erreicht, daß der Mensch im rechten Augenblick den Hüter der Schwelle sieht: das Karma, das er noch abzutragen hat. Wenn man diese Stufe in normalem Zustande erreicht, bedeutet das nichts anderes als die Erkenntnis des noch vorhandenen Karmas. Fange ich an, in den Ätherkörper hineinzuarbeiten, muß ich mir vorsetzen, das Karma, das noch da ist, auszugleichen. Es kann vorkommen, daß der Hüter der Schwelle auf abnorme Weise auftritt. Das geschieht, wenn der Mensch eine so starke Anziehung hat zu dem einen Leben zwischen Geburt und Tod, daß er wegen des geringen Maßes an innerer Tätigkeit nicht lange genug im Devachan bleiben kann. Wenn der Mensch sich zu sehr gewöhnt hat, nach außen zu schauen, hat er im Inneren nichts zu sehen. Er kommt dann bald ins physische Leben zurück. Seine Begierden bleiben dann vorhanden, das kurze Devachan ist bald vorüber; und wenn er zurückkehrt, ist das Gebilde seiner früheren Begierden noch im Kamaloka vorhanden; er trifft es dann noch an. Er verkörpert sich. Da mischt sich zu seinem neuen Astralkörper der alte hinzu; das ist das vorhergehende Karma, der Hüter der Schwelle. Er hat dann sein früheres Karma fortwährend vor sich, dies wird eine eigentümliche Art von Doppelgänger.“

GA 93a, S 27/28

„Viele von den Päpsten der berüchtigten Päpstezeit, wie zum Beispiel Alexander VI., haben solche Doppelgänger in der nächsten Inkarnation gehabt. Es gibt Menschen, und zwar jetzt gar nicht selten, die ihre frühere niedere Natur fortwährend neben sich haben. Das ist eine spezifische Art von Wahnsinn. Das wird immer stärker und heftiger werden, weil das Leben im Materiellen sich immer mehr ausbreitet. Viele Menschen, die jetzt ganz im materiellen Leben aufgehen, werden in der nächsten Inkarnation die abnorme Form des Hüters der Schwelle neben sich haben. Würde nicht der spirituelle Einfluß jetzt sehr stark ausgeübt, so würde eine Art epidemischen Sehens des Hüters der Schwelle eintreten als Folge der materialistischen Kultur. Ein Vorbote ist die Nervosität unseres Jahrhunderts. Sie ist eine Art Aufgehen in der Peripherie. Alle Nervösen von heute werden gehetzt sein durch den Hüter der Schwelle in der nächsten Inkarnation. Sie werden gehetzt werden in eine zu frühe Inkarnation, eine Art kosmischer Frühgeburt. Was wir mit der Theosophie anzustreben haben, ist eine genügend lange Devachanzeit, um solche zu frühe Inkarnationen zu vermeiden.“

GA 93a, S 28/29

„Schon auf dem Monde hatte der Mensch ein wenig die Fähigkeit gehabt, die beiden vorderen Gliedmaßen als Greiforgane zu benutzen, so daß jetzt eine Zeit des Aufrichtens kam. Die anderen lebenden Kameraden der Menschen waren zur lemurischen Zeit reptilienartige Tiere von grotesken Formen, die keine Spuren zurückgelassen haben. Ichthyosaurier und so weiter sind Abkömmlinge von jenen Tieren. Tatsächlich war damals die Erde mit Wesen bevölkert, die einen reptilienartigen Charakter hatten; auch die Menschenleiber hatten damals einen reptilienartigen Charakter. Indem sich nun das damals reptilienartige menschliche Wesen aufrichtete, wurde eine nach vorn ganz offene Kopfbildung sichtbar, aus der eine feurige Wolke hervorquoll. Das hat Veranlassung gegeben zu der Erzählung vom Lindwurm, von dem Drachen. Das ist die groteske Bildung, die damals der Mensch selbst war, ein reptilienartiges Gebilde. Der Hüter der Schwelle, die niedere Natur des Menschen, erscheint gewöhnlich auch in einer derartigen Gestalt. Es ist die niedere Natur mit der offenen Kopfbildung. Dazumal trat nun die Ehe ein zwischen diesen Bildungen auf der Erde und dem vorher beschriebenen anderen Wesen. Der Astralleib mit der Kopfform verband sich mit dem lindwurmartigen Körper mit der feurigen Öffnung. Es war die Befruchtung der mütterlichen Erde mit dem väterlichen Geist.“

GA 93a, S 141

„Nehmen wir noch einen anderen Vergleich. Die höhere Seele ist eng gebunden an die tierische Seele. Ihre Verbindung untereinander ist es, die die Leidenschaften mäßigt, sie vergeistigt und beherrscht nach dem Grade der Vernunft und des Willens. Diese Verbindung hat einen Vorteil für den Menschen. Aber er bezahlt diesen Vorteil mit dem Verlust seiner Hellsichtigkeit. Stellen wir uns eine Flüssigkeit von grüner Farbe vor, die chemisch aus Blau und Gelb zusammengesetzt ist. Wenn es Ihnen gelingt, sie chemisch zu trennen, werden Sie zum Beispiel sehen, daß die gelbe Flüssigkeit sich auf dem Grund absetzt, während die blaue an die Oberfläche aufsteigt. Ebenso verhält es sich beim Menschen, wenn der Einweihungsweg die tierische Seele von der geistigen Seele trennt. Für die höhere Seele erfolgt daraus die Hellsichtigkeit, aber die allein gelassene tierische Seele überliefert sich nun, sofern sie noch nicht durch das Ich gereinigt ist, ohne Kontrolle dem Exzeß der Leidenschaften. Man kann diese Tatsache häufig bei den Medien konstatieren. Die Vorbeugung gegen diese Gefahr wird manchmal in der Einweihung bezeichnet durch das Wort: der Hüter der Schwelle.“

GA 94, S 43

„Im Verlauf der Etappe, die man in der christlichen Einweihung die Dornenkrönung nennt, tritt ein furchteinflößendes Phänomen auf, das die Bezeichnung «Hüter der Schwelle» trägt und das man auch die Erscheinung des Doppelgängers nennen könnte. Das geistige Wesen des Menschen, gebildet aus seinen Willensströmungen, seinen Wünschen und seinen Verstandesfähigkeiten, erscheint alsdann dem Eingeweihten als Bild im Traumbewußtsein. Und dieses Bild ist manchmal abstoßend und Schrecken einflößend, denn es ist ein Ergebnis seiner guten und schlechten Eigenschaften und seines Karma; von diesem allem ist es die bildhafte Personifikation auf dem Astralplan. Das ist der schlimme Fährmann im Totenbuch der Ägypter. Der Mensch muß ihn besiegen, um sein höheres Ich zu finden. Der Hüter der Schwelle, ein Phänomen des hellsichtigen Schauens bis in die ältesten Zeiten hinein, ist der eigentliche Ursprung all der Mythen über den Kampf des Helden mit dem Ungeheuer, des Perseus und des Herakles mit der Hydra, des heiligen Georg und des Siegfried mit dem Drachen.“

GA 94, S 56/57

„Der vorzeitige Eintritt der Hellsichtigkeit und die plötzliche Erscheinung des Doppelgängers oder des Hüters der Schwelle kann denjenigen, der nicht alle Vorbereitungen befolgt und alle dem Schüler auferlegten Vorsichtsmaßnahmen wahrgenommen hat, zum Wahnsinn führen.“

GA 94, S 57

„Heute möchte ich aus dem Gebiete dieser anthroposophischen Weltanschauung einige intime Fragen des menschlichen Seelen‑ und Geisteslebens besprechen. Vielleicht können wir dann von dem Gesichtspunkte, den wir durch eine solche Besprechung gewinnen, zum Schluß in Kürze auch auf einige Zeitereignisse die Blicke werfen. Anthroposophische Geisteswissenschaft will sprechen von denjenigen Welten, die zunächst der äußeren Sinnesanschauung und auch dem Intellekt, der an diese Sinnesanschauung sich bindet, verborgen bleiben. Anthroposophische Geisteswissenschaft will von dem in erster Linie sprechen, womit das Ewige der Menschenseele zusammenhängt. Die Welten, in welche diese anthroposophische Weltanschauung eindringen will, von ihnen sagt man, daß sie nur erreicht werden können, indem der Mensch die Schwelle des Bewußtseins überschreitet. Man meint damit, daß diese Schwelle des Bewußtseins eben bewußt überschritten werden müsse, damit man Erkenntnisse dieser übersinnlichen Welten gewinnen könne. Denn unbewußt überschreitet eigentlich der Mensch diese Bewußtseinsschwelle mit jedem Eintritt in den Schlafzustand, und wir sprechen im Zusammenhang mit dem Wechsel zwischen Wachen und Schlafen, im Zusammenhang mit der Schwelle, die der Mensch, indem er einschläft, überschreitet, jeden Tag überschreitet, wir sprechen da auch von dem Hüter der Schwelle als von einer geistigen Macht, die der Geistesforscher als eine wirklich reale geistige Macht kennt, wie man andere Menschen als reale Menschen kennenlernt. Wir sprechen von dem Hüter der Schwelle aus dem Grunde, weil eben in der gegenwärtigen Entwickelungsphase der Menschheit der Mensch wirklich zunächst seinem Bewußtsein nach behütet werden muß vor einem unvorbereiteten Eintritt in die geistigen Welten.“

GA 210, S 51/52

„Und wenn wir einschlafen, tragen wir unsere Gefühle über diese Schwelle, und diese sind es, die sich während des Schlafes in gewissem Sinne sogar aufhellen zu den Traumbildern. Wir tragen unseren Willen in diese Welt hinein, der aber so schlafend schon ist während des Tagwachens, wie er während des Schlafes ist. Und so können wir sagen: Dasjenige, was der Mensch durch die Schwelle des Bewußtseins hindurchträgt, ist das Gefühls‑ und Willenselement seines Seelenwesens. Gefühl und Wille gehören dem Schlafbewußtsein an. Das Vorstellungsleben und ‑ allerdings, weil der Traum sich aufhellt, so auch das Gefühlsleben ‑ ein Teil des Gefühlslebens gehören dem Tagwachen an, liegen noch diesseits der Schwelle des Bewußtseins. Nun spricht man von dem Hüter der Schwelle, weil es für den Menschen im gegenwärtigen Bewußtseinszustand notwendig ist, daß er nicht unvorbereitet, bewußt die Schwelle überschreitet, die er bei Herabdämpfung seines Bewußtseins jedesmal beim Einschlafen überschreitet. Wenn man erkennen lernt diejenigen Kräfte, innerhalb welcher der Mensch sich befindet jenseits der Schwelle des Bewußtseins, dann lernt man auch erfahren, warum der Mensch durch einen Hüter, durch etwas, was ihn bewacht, abgehalten werden soll, unvorbereitet über die Schwelle in die geistige Welt hineinzutreten.“

GA 210, S 55

„In dem Augenblicke, wo der Leib von dieser Seele verlassen wird, wird er zerstört. Und wenn wir diesen Leib verlassen im Einschlafen, wandern wir in die Welt hinein, die unseren Leichnam zerstört. Diese müssen wir kennenlernen [Lücken in der Nachschrift.] Wir treten in die Welt der zerstörenden Kräfte hinein, wenn wir einschlafen, und diese Welt ist doch die geistige, denn warum? Derjenige, der erwartet, daß er jenseits der Schwelle etwas antreffen solle, was ähnlich ist dem, was hier in der physischen Sinneswelt ist, der erwartet ja nur eine andere physische Sinneswelt jenseits der Schwelle. Wenn dort Geist sein soll, dann kann nicht die physische Sinneswelt dort sein. Was wir dort erleben, werden solche Kräfte sein, die fortwährend die Neigung haben, die physische Sinneswelt zu zerstören. Und das erfahren wir ,gründlich, wenn wir bewußt die Schwelle überschreiten. Wir erfahren gründlich, daß wir in dieser geistigen Welt dasjenige finden, das fortwährend die Neigung hat, die physische Welt zu zerstören. Würde der Mensch nun unvorbereitet, unbehütet, diese Schwelle überschreiten, dann würde es ihm, wenn ich mich jetzt trivial ausdrücken darf, in dieser Welt außerordentlich gefallen. Gerade niedrige Instinkte würden zunächst außerordentlich befriedigt werden, und der Mensch würde zusammenwachsen mit der Welt, in die er zunächst eintritt, mit der Welt der zerstörenden Kräfte, und er würde ein Verbündeter werden dieser zerstörenden Kräfte. Er würde nicht wollen ein Mitarbeiter werden an dem, was als physische Welt uns umgibt. Man muß zuerst liebgewinnen diese physische Welt als auch eine weisheitsvolle, damit man gut vorbereitet ist, in die geistige Welt eintreten zu können. Man muß gewissermaßen, bevor man an die Seite der Schöpfer treten darf, die Schöpfung liebgewonnen haben, muß gründlich verstanden haben, daß die Welt, wie sie geschaffen ist, nicht sinnlos von den göttlichen schöpferischen Mächten hervorgerufen worden ist. Man muß den Sinn des Erdenlebens ergründet haben, wenn man gut vorbereitet in die geistige Welt eintreten will. Sonst würde man jeden Morgen beim Aufwachen mit einem furchtbaren Haß auf die Sinneswelt zurückkommen, mit dem Trieb, diese Sinneswelt zu zerstören. Einfach durch die Notwendigkeit des menschlichen Daseins würde der Mensch mit Haß und Zorn aufwachen, wenn er die Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen in einem solchen Bewußtseinszustande verbringen würde.“

GA 210, S 56/57

„Wir leben auf unserer Erde. Diese Erde ist zunächst eine physische kosmische Bildung. Es wird eine Zeit kommen, wo diese Erde dem sogenannten Wärmetod verfallen wird, wo die Erde durch das wirkliche physische Feuer gehen wird, wo die zerstörenden Kräfte die ganzen Erdenbildungen ergreifen werden, nicht nur die Leichname. Dasjenige, was diese Erde dem Feuertod entgegenführt, sind geistige Mächte, die mit der Erde verbunden sind, die man kennenlernt im ersten Stadium, das man betritt, wenn man an dem Hüter der Schwelle vorbeischreitet in die geistige Welt hinein.“

GA 210, S 59

„Was liefert Ihnen das Anschauen eigentlich? Die Täuschung. Indem Sie nur durch einen Sinn die Welt anschauen, sind Sie überall der Täuschung unterworfen. Täuschung ringsherum! Und nur dadurch überheben Sie sich der Täuschung, daß Sie unbewußt, instinktiv Ihre Erfahrung zu Rate ziehen. Also ist eigentlich die Welt ganz darauf aus, uns zunächst zu täuschen, schon in der äußeren Sinneswelt. Wir leben, im Grunde genommen, in einer Welt, die uns fortwährend täuscht, die geradezu darauf ausgeht, uns zu täuschen. Die Täuschung kann heute recht naturalistisch sein. Maler, Bildhauer, die gehen darauf aus, für einen Sinn irgend etwas hinzustellen. Sie bedenken dabei nicht, daß sie damit nur die Maja, nur die Täuschung hinstellen; denn gerade wenn man versucht, recht realistisch für einen Sinn die Sache hinzustellen, stellt man nur die Täuschung, nur die Maja hin. Aber das ist notwendig, denn wenn diese Täuschung nicht da wäre, so könnten wir nicht im Bewußtsein vorwärtsschreiten. Dieser Täuschung verdanken wir das Vorwärtsschreiten im Bewußtsein. Wenn ich bei meinem Beispiel von der äußeren Sinneswelt verbleibe: Würden alle Dinge, auch wenn sie nur dem Auge erscheinen würden, in ihrem wahren Gewicht erscheinen, würde ich stets, indem ich mit dem Auge herumschaue, die Last empfinden all der Gegenstände, die ich anschaue, könnte ich doch nicht ein Bewußtsein von der Außenwelt entwickeln, ganz selbstverständlich nicht. Wir verdanken unser Bewußtsein der Täuschung. Auf dem Grund der Dinge, die unser Bewußtsein ausmachen, ruht die Täuschung. Wir müssen getäuscht werden, um vorwärtszukommen, um das Bewußtsein vorwärtszubringen, denn das Bewußtsein ist ein Kind der Täuschung. Die Täuschung darf nur zunächst nicht hereindringen in den Menschen, sonst wird er beirrt. Die Täuschung bleibt jenseits der Schwelle des Bewußtseins. Der Hüter bewahrt uns davor, daß wir bei jedem Schritt und Tritt sogleich sehen, daß die Umwelt uns täuscht. Wir ringen uns empor, indem uns die Welt ihr Gewicht nicht zeigt und uns dadurch über sich erheben läßt, bewußt sein läßt. Das Bewußtsein hängt noch von manchen andern Dingen ab; aber es hängt vor allem davon ab, daß die Welt, die uns umgibt, durchsetzt ist von der Täuschung.“

GA 177, S 115/116

„Der Mensch ist im allgemeinen durch das, was man den «Hüter der Schwelle,. nennt, behütet davor, in der Nacht die um ihn liegende geistige Welt wahrzunehmen. Allein wenn der Mensch durch die Todespforte gegangen ist und die ersten Tage verbracht hat, in denen er den Ätherleib abgelegt hat, dann tritt er zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in ein Dasein, das rückwärtslaufend ist, wo wir mit dem Todestage beginnen, weitergehen zum vorhergehenden Tage und so weiter, und so das Leben noch einmal durchleben, doch jetzt in der Richtung vom Tode bis zur Geburt hin. Nun aber durchleben wir nicht die Tage, sondern wir durchleben die Nächte. Daher nimmt auch die Zeit, in der wir in dieser Weise rückwärts das Leben verbringen, ungefähr ein Drittel unserer Lebenszeit in Anspruch. Bei einem Menschen, der sechzig Jahre alt geworden ist und dann stirbt, dauert diese Rückwärtswanderung etwa zwanzig Jahre. Dreimal so schnell wird also dieses Leben durchlebt als das Erdenleben. Und dann durchleben wir dieses Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt so, daß wir hinschauen auf die Nächte, in denen sich, allerdings unbewußt, Bilder erzeugt haben, die in einer gewissen Weise negative Abbilder des Lebens sind.

Wäre der Mensch nicht durch den «Hüter der Schwelle» behütet, so würde er jede Nacht – aber in einer Art, die er nicht ertragen kann, von der er solche Folgen haben würde, wie ich sie eben beschrieben habe -, jede Nacht würde er so erleben, wenn er jemandem etwas Böses getan hat, wie wenn er sich hineinversetzen müßte in den anderen Menschen, in das, was der empfindet und erlebt durch das Böse, das er ihm zugefügt hat. Der Mensch ist dann während des Schlafes richtig in demjenigen Wesen darinnen, dem er das eine oder das andere zugefügt hat. Nur durchleben wir aus dem angegebenen Grunde das während des Schlafes nicht. Aber nach dem Tode erleben wir es in der gekennzeichneten Zeit, und wir erleben es sehr, sehr stark. Wir leben da das Erdenleben zurück und erleben überall die Ausgleichserlebnisse für dasjenige, was wir getan oder unterlassen haben. Wodurch erleben wir diese Ausgleichserlebnisse?“

TB 716, S 120/121

„Sehen Sie, in dieser Konkretheit gab es diese Lehre noch zu Aristoteles‘ Zeiten. Und eine Spur davon, wie gesagt, war bis ins 19. Jahrhundert vorhanden. Da ist wirklich ein Abgrund. In den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts gingen im Grunde genommen diese Dinge wirklich verloren. Es ist der Abgrund da bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, wo durch die Michael-Zeit die Dinge wieder gefunden werden konnten. Da aber, indem die Menschen über diesen Abgrund schritten, schritten sie eben eigentlich über eine Schwelle. Und an dieser Schwelle steht ein Hüter. Und die Menschheit konnte ihn zunächst nicht gleichzeitig beobachten, indem sie zwischen dem Jahre 1842 und 1879 an ihm vorbeigegangen ist. Aber sie muß zu ihrem Heil nunmehr zurückschauen und den Hüter beachten. Denn das Nichtbeachten und das Weiterhineinleben in die folgenden Jahrhunderte, ohne ihn zu beachten, würde eben zum alleräußersten Unheile der Menschheit führen.“

GA 233a, S 81/82

„Es sind also viele, viele Dinge, welche zu berücksichtigen sind, wenn der Mensch in der richtigen Weise über jenen Abgrund hinübersetzen will, von dem ich gestern gesprochen habe und an dem im Grunde genommen ein Hüter steht. Wie dieser Abgrund sich auftat in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts, wie sich nun unter dem Einflusse solcher Erkenntnisse, wie ich sie heute wieder dargelegt habe, der Mensch, rückschauend zu diesem Abgrund, zu diesem Hüter verhalten kann, davon sollen dann die nächsten Vorträge handeln.“

GA 233a, S 99

„Nun lesen Sie, wie der einzelne Mensch, wenn er in die übersinnliche Welt hinaufrückt, anfängt, sich dreizuteilen. Lesen Sie es in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Die Durcheinanderschmelzung von Denken, Fühlen und Wollen, die hier in der Sinneswelt beim Menschen das Natürliche ist – lesen Sie das Kapitel vom «Hüter der Schwelle» -, Denken, Fühlen und Wollen treten auseinander, wenn man in diese übersinnliche Welt hineinkommt. Das macht die Menschheit heute im geheimen durch im Unterbewußtsein. Da wird eine Schwelle überschritten. Die Menschen gliedern sich innerlich in einen dreigliedrigen Menschen in anderer Weise, als das früher vorhanden war. Dieses Beobachten des Durchganges des Menschen durch eine gewisse Schwelle, die belehrt einen, daß aus den geistigen Untergründen des Daseins selbst heraus uns diktiert wird die Dreigliederung des sozialen Organismus. Wenn wir in Zukunft finden wollen ein Bild von uns in der Außenwelt, so daß wir damit zusammenpassen, dann müssen wir den sozialen Organismus dreigegliedert haben.“

TB 733, S 60

„Und dann müssen Sie diese Empfindung weiter ausbilden. Da kommt man dann auf Punkte, die dem gegenwärtigen Menschen recht unbequem sind, weil sie hart an das heranstreifen, was man die Erlebnisse beim Hüter der Schwelle nennt. Unbequeme Erlebnisse sind das; aber ohne daß man an sie herantritt, wird man nicht weiterkommen in der inneren Entwickelung. Man muß die Unbequemlichkeit auf sich nehmen, aus dem Theoretischen heraus- und ins Reale hineinzukommen. Erkenntnis muß gewissermaßen mit den Tatsachen rechnen. Wer die Anschauung hat, daß innerhalb der Welt, die wir die materielle nennen, Materie zu finden sei – mancher wird schon glauben, weil man sagt «Materie» so ist es Materie; mit solcher Wortweisheit geht man heute handeln -, wer also sagt, innerhalb der Wahrnehmungswelt sei Materie zu finden, der begeht nicht bloß einen theoretischen Irrtum. Und wer meint, damit sei alles getan, daß man sagt: Falsch ist es, innerhalb der Wahrnehmungswelt Materie zu suchen -, der steht auch noch nicht in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft darinnen; denn die bloße Korrektur einer theoretischen Anschauung ist noch nicht Geisteswissenschaft. Geisteswissenschaft muß die Erkenntnis als Tat nehmen, Geisteswissenschaft muß mit dem Willen durchdrungenes Erkennen sein, muß also in Realitäten hineingehen, schon wenn sie ihre Definitionen, ihre Erklärungen gibt. Und da wird die Sache unbequem.

Es ist leicht, wenn man sagt: Du hast die falsche Ansicht, daß innerhalb der äußeren Wahrnehmungswelt Materie zu finden sei; also korrigiere deine Ansicht! – Ja, das ist theoretisches Herumreden. Theorien annehmen, Theorien bekämpfen, sie richtigstellen, ist einfach theoretisches Herumreden, ist etwas, womit Geisteswissenschaft in Wirklichkeit nicht befriedigt sein darf; sondern es handelt sich darum, daß man in der Empfindung vorschreitet dazu, daß derjenige, der hängenbleibt an der materialistischen Vorstellung dem Materiellen gegenüber, in seinem ganzen Organismus ungesund ist. Man muß von der bloßen logischen Bezeichnung als unrichtig zu einer Bezeichnung übergehen, welche ins Wirkliche hineinfaßt, also in die Konstitution des Menschen hineinfaßt. Man muß überzeugt werden, daß es nicht bloß logisch unrichtig ist, zu sagen, in der Wahrnehmungswelt trete uns Materie entgegen, sondern daß derjenige, der in der Wahrnehmung Materie sieht, wirklich auf dem Weg zum konstitutionellen Schwachsinn ist, daß es also eine Krankheit ist, in dem angedeuteten Sinne Materialist zu sein.

Da will man mit seinem Vorstellen die Wirklichkeit erfassen. So lange man im Theoretischen bleibt, erfaßt man sie nicht. Und da setzt jeder voraus: Nun, man muß nur gut belehrt werden, dann kann man sich umstellen. – Geisteswissenschaft setzt aber überall die lebendige Entwickelung voraus, setzt voraus, daß man sich gesund macht, wenn man materialistisch in dem angedeuteten Sinn ist, weil das Abirren eine Krankheit ist, weil es der Weg ist zum Schwachsinn.“

GA 197, S 99/100

„Da werden die Dinge hart herangerückt an dasjenige, was man als Erkenntnisse bekommt in der Begegnung mit dem Hüter der Schwelle. Denn wenn man in dieser Begegnung mit dem Hüter der Schwelle eintritt in die Welten, die andere sind als die physische Welt, die dieser physischen Welt etwas Neues hinzufügen, da hört alles Theoretisieren auf, hört alles auf, was im Intellekt nebelt, da beginnt Realität, da wird jedes Wort durchtränkt von Realität. Da kann man nicht mehr davon sprechen: Du behauptest etwas Richtiges oder Unrichtiges -, sondern da muß man sagen: Du behauptest etwas aus krankem oder aus gesundem Geist heraus. – Da kommt man auf Realitäten. Da kann man auch nicht sagen: Du mußt deine Ansicht berichtigen -, sondern da muß man sagen: Du mußt dich, wenn du auf dem Wege zum Kranksein, zum Schwachsinn bist, wiederum zum gesunden Starksinn umentwickeln. – Sie sehen, es genügt nicht, daß man heute sogenannte Weltanschauungen, die herumnebeln, rektifiziert, korrigiert, sondern es handelt sich tatsächlich, wenn man Geisteswissenschafter werden will, darum, daß man an sich einen realen Prozeß vollzieht und sich nicht begnügt mit etwas Intellektuellem oder Verstandesmäßigem oder Theoretischem. Wir leben heute in einer so ernsten Zeit, daß uns das Krankhafte des verstandesmäßigen Weltbetrachtens ganz lebendig vor die Seele treten muß.

GA 197, S 100/101

„Einseitig ist die Mystik und einseitig ist auch der Materialismus. Und wissen muß man, daß man beide ineinanderweben muß in lebendigem Tun und daß in diesem lebendigen Tun die tatsächliche Innerlichkeit des Menschen gesucht werden muß. Unsere Zeit will dagegen einseitig mit dem Materialismus sich befreunden und ist dadurch tatsächlich auf dem Wege zum Schwachsinn. Ich habe gezeigt, daß man nicht beim Theoretisieren stehenbleiben darf, sondern daß man wissen muß im Realen, im Wirklichen: Sobald du dem Hüter der Schwelle begegnest, zeigt sich dir, was der Materialismus ist – ein Weg zum Schwachsinnigwerden! Man muß sich gesund machen, muß nicht bloß widerlegen, um zu etwas anderem zu kommen. Das andere Extrem ist die abstrakte Mystik. Von ihr muß man die Empfindung bekommen können: Sie ist in Wirklichkeit der Weg zum Infantilismus, zur – wenn wir es deutsch sagen wollen, es gibt kein anderes deutsches Wort dafür – Kindsköpfigkeit, zum Auffassen der Welt in dem Sinne, wie es nur angemessen ist dem ganz jungen Kinde – Infantilismus! Also das noch nicht von der Welt berührte, rein in der physischen Materialität, in den physischen organischen Vorgängen lebende Kind stellt uns den Typus des Mystikers dar, nur wird man als Mystiker später dieselben Erlebnisse haben wie das Kind. Sie nehmen sich natürlich anders aus, diese Erlebnisse, aber das Kind empfindet auch dieses Sich-Konzentrieren der organischen Tätigkeit im Herzen, und wenn es dieses Konzentrieren empfindet, dann strampelt es, dann sehen wir, wie das peripherische Strampeln, das Bewegen nach außen das Gegenteil darstellt von dem Sich-Konzentrieren im Herzen. Wenn der Mensch sein ganzes Leben hindurch kindsköpfig bleibt, wenn er zu bequem ist, sich zu durchdringen mit demjenigen, was nur der Materialismus geben kann, dann lehnt er ab die äußere Materie; sie ist für ihn nichts, ist für ihn das Niedrige, über das er noch hinausstreben muß. Dann aber strampelt er auch, und indem er strampelt, bringt er seine Mystik hervor. Das ist die Schwellenwahrheit, die unbequeme Schwellenwahrheit. Aber alles abstrakt Mystische, was, so wie die Leute es heute treiben, wie Wollust berührt, so daß sie sich die Finger ablecken, wenn Dinge hingedruckt werden, die eigentlich nur ein Strampeln in Gedanken sind, das ist Infantilismus. Und man muß sich klar sein darüber: Wie der Materialismus zum Schwachsinn führt, so führt die abstrakte Mystik in die Krankheit des Infantilismus, der Kindsköpfigkeit. Aber das wahre Leben besteht darin, daß wir das Gleichgewicht, das Äquilibrium finden zwischen dem Materialismus und der Mystik.“

GA 197, S 107/108

„Ebenso ist derjenige, welcher das abstrakt Geistige in seinem Inneren sucht, nicht bloß zu widerlegen; sondern derjenige, der das Geistige sucht auf dem Wege bloßer einseitiger innerer Mystik und nicht daraufkommt, daß er, wenn er durchschaut das Gewebe dieser Mystik, gerade auf die Materialität kommt, der ist auf dem Wege – ich habe es so genannt, wie man es wohl nennen kann, wenn man es von jenseits der Schwelle aus bezeichnet – zur Erkrankung seines Organismus: der Infantilität, der Kindsköpfigkeit. Wenn hier die Schwelle ist zwischen der sinnlichen und der übersinnlichen Welt und der Hüter der Schwelle da steht, so ist diesseits des Hüters dasjenige, was wir hier Genialität nennen; das aber kann mit Recht jenseits der Schwelle Kindsköpfigkeit genannt werden. Denn kommt es in unrichtiger Weise hier in der sinnlichen Welt zum Ausdruck, dann ist es Kindsköpfigkeit durch das ganze Leben hindurch, während Genialität das ist, daß ein gewisser Fond von Kindlichkeit durch das ganze Leben bewahrt ist. Wir gelangen nur dadurch zur Genialität, daß wir bis ins späte Alter hineintragen können die Art der Seele, die sonst im kindlichen Alter vorhanden ist, und das wird in seiner wahren Gestalt von jenseits der Schwelle aus gesehen. Wenn aber einseitig erfolgt jenes Hineintragen der kindlichen Art der Seele in das spätere Alter, wird das, was, richtig hineingestellt in die menschliche Welt, Genialität wird, zur Kindsköpfigkeit. Das ist wiederum etwas, was uns zeigt, wie wir die bloß logischen Begriffe, sobald wir in das Gebiet der Geisteswissenschaft kommen, ersetzen müssen durch reale Begriffe, durch das, was den Menschen nicht bloß zu andern Ansichten bringt, sondern was ihn innerlich seiner organischen Struktur nach verändert.“

GA 197, S 118/119

„Alles, was hier in der physischen Welt erscheint, ist ja ein Abbild der übersinnlichen Welt. Wovon sind denn dann die Parteien ein Abbild? Was ist denn in der übersinnlichen Welt dafür da, daß hier in der sinnlichen Welt Parteien sind? Dasjenige, um was es sich da handelt, versteht nur der richtig, der die Voraussetzungen dazu verstanden hat, der versteht, daß man zu etwas ganz anderem, nämlich zu den Realitäten kommt, wenn man die Schwelle der geistigen Welt überschreitet. Hier in der physischen Welt ist man Idealist oder Skeptiker oder Realist oder Spiritualist oder wie die -isten alle heißen. Man ist etwas, was man in ein Programm, in ein politisches, soziologisches System zusammenfassen kann, kurz, man ist ein -ist. Da richtet man sich nach einer Abstraktion. Denn alles das, was den Parteien zugrunde liegt, sind ja solche Parteiprogramme oder Systeme oder dergleichen, sind irgendwelche Abstraktionen. Sobald man die Schwelle zur geistigen Welt überschreitet, hat man es nicht mit bloßer Logik und Abstraktionen zu tun, sondern mit Realitäten. Das wird nur gewöhnlich nicht sehr ernst genommen. Aber Sie können nicht auf Parteifahnen schwören, sobald Sie am Hüter der Schwelle vorbeigekommen sind, sondern da können Sie sich nur zu Wesen halten, da wird alles wesenhaft. Da können Sie sich nur an irgendein Wesen der höheren Hierarchien halten und sagen: Das ist derjenige, dem ich nachfolge, mit dem ich mich verbinde. Der andere mag seine Sache in seiner Art vertreten, ich bin mit dem verbunden, ich ergreife dessen Partei. Da bekommt das Wort «Ich ergreife Partei von dem oder jenem» eine sehr reale, nicht bloß eine abstrakte Bedeutung. Für uns Menschen liegt es nahe, uns zu sagen: Sobald wir jenseits der Schwelle hinüberblicken, finden wir die dreifache Art von Wesenheiten: das Christus-Wesen, Ahriman und Luzifer. Man kann nun allerdings zunächst, indem man sich sorgfältig vorbereitet hat für das Erfassen der geistigen Welt, sagen: Ich wähle die Partei des Christus oder die des Ahriman oder die des Luzifer. Man kann aber die Sache auch maskieren, man kann schlecht vorbereitet sein und kann Ahriman wählen und ihn Christus nennen. Aber man folgt einem Wesen – es wird alles wesenhaft jenseits der Schwelle! Man hat es immer mit Realitäten zu tun, nicht mit irgendwelchen programmatischen oder systemhaften Dingen!“

GA 197, S 121/122

„Damit muß man sich schon einmal bekanntmachen, daß in den übersinnlichen Welten alles anders ist als in dem Sinnensein, denn eine genaue Wiederholung eines Weltendaseins findet sich eigentlich nirgends im Universum. Wenn nun alles anders ist, warum sollte dann durchaus angenommen werden, daß die menschlichen Vorstellungen und Begriffe für die höheren Welten in gleichem Maße gültig seien, wie sie gültig sind für das Sinnensein? Das sind sie eben nicht. Wer den praktischen Aufstieg in diejenigen Welten, welche die Initiation eröffnet, wirklich vollführt, das heißt wer Erfahrungen hat im übersinnlichen Erleben, der weiß, wie wir gleich hören werden, daß er nicht nur vieles sonstiges an sich wandeln muß, ich könnte hier gleich sprechen: zurücklassen muß beim Hüter der Schwelle, sondern auch viele von seinen Gewohnheiten, Vorstellungen, Begriffen und Ideen dort ablegen muß, bevor er in die übersinnlichen, höheren Welten eindringen kann.“

GA 138, S 47/48

„Nehmen wir an, jemand gelangt, nachdem er sich die Fähigkeit angeeignet hat, die gekennzeichnete Grenze zu überschreiten, von der Sinneswelt in die übersinnliche Welt hinein. An der Grenze frage er sich: Was muß ich jetzt zurücklassen, wenn ich mich auskennen will in der übersinnlichen Welt? Ich muß zurücklassen – so kann er sich bei guter Selbstbesinnung sagen – eigentlich alles, was ich in den verschiedenen Inkarnationen vom Erdenurbeginn an bis in die Jetztzeit auf der Erde erlebt, gelernt, mir angeeignet habe. Das muß ich hier ablegen, denn ich betrete eine Welt, in welcher das, was man innerhalb der Inkarnationen lernen kann, keinen Sinn mehr hat. Es ist leicht, möchte ich sagen, so etwas auszusprechen; es ist leicht, so etwas anzuhören; es ist leicht, das in Begriffsabstraktionen zu fassen. Aber es ist eine ganze innere Welt, so etwas zu empfinden, zu fühlen, zu erleben: alles dort abzulegen wie die Kleider, was man in all den Inkarnationen in dem Sinnensein sich angeeignet hat, um in eine Welt hineinzugehen, innerhalb welcher das alles keinen Sinn mehr hat. Hat man diese Empfindung lebendig, dann hat man auch eine lebendige Erfahrung – wirklich nichts, was mit irgendeiner Theorie zusammenhängt -, wie man sie hat, wenn man in der wirklichen Welt eben einem wirklichen Menschen gegenübertritt, den man kennenlernt, indem er zu einem spricht, sich zu einem verhält, den man nicht kennenlernt, indem man sich von ihm Begriffe konstruiert, sondern indem er mit einem lebt. So steht man an der Grenze zwischen Sinnensein und Geistessein nicht einem Begriffssystem, sondern einer Realität gegenüber, die nur als eine übersinnliche Realität wirkt, aber so konkret, so lebendig wie ein Mensch: das ist der Hüter der Schwelle. Er ist da als ein konkretes, reales Wesen. Und lernt man ihn kennen, so lernt man ihn auch kennen als ein Wesen, das in die Kategorie von Wesen gehört, die in einer gewissen Weise mitgemacht haben das Leben vom Erdenurbeginn, dann aber nicht dasjenige mitgemacht haben, was man als Seelenwesen erlebt. Das ist das Wesen, das in dem Mysteriendrama «Der Hüter der Schwelle» dramatisiert werden sollte mit den Worten:

 

Bekannt ist dir, der dieses Reiches Schwelle

Behüten muß seit Erdenurbeginn,

Was, um es zu betreten, Wesen brauchen,

Die deiner Zeit und deiner Art gehören.

GA 138, S 61/62

„Dieses «deiner Zeit und deiner Art» ist etwas, was aus dem Wesen der Sache heraus folgt. Andere Zeiten und andere Art haben die Menschen – andere Art und andere Zeiten haben die Wesen, die in einer gewissen Weise getrennt gegangen sind von den Wegen der Menschheit seit dem Erdenurbeginn. Da kommen wir mit einem Wesen zusammen, demgegenüber man sich sagt: Ich habe ein Wesen vor mir, das erfährt und erlebt vieles in der Welt; aber es beschäftigt sich nicht mit dem, was man an Liebe, an Schmerzen und Pein, aber auch an Fehlern und Unmoralischem auf der Erde erleben kann; es weiß nichts und will nichts wissen von dem, was sich abgespielt hat in der menschlichen Grundwesenheit bis jetzt. Die christliche Überlieferung drückt diesen Tatbestand dadurch aus, daß sie sagt: Vor dem Geheimnis der Menschwerdung verhüllten diese Wesenheiten ihr Antlitz. Eine ganze Welt ist in dem Unterschiede zwischen diesen Wesenheiten und den menschlichen Wesenheiten ausgedrückt.“

GA 138, S 62/63

„Und nun kommt eine Empfindung, die man unmittelbar hat, die sich so einstellt, wie wenn man einem Menschen gegenüber, der blonde Haare hat, die unmittelbare Empfindung hat: der hat blonde Haare. So tritt die Empfindung auf: Dadurch, daß du durch die Erdenkulturen durchgegangen bist, hast du dir notwendigerweise Unvollkommenheiten angeeignet, aber du mußt wieder zurückkommen zu dem ursprünglichen Zustand, mußt auf der Erde den Weg wieder zurückfinden, und dieses Wesen kann dir das zeigen, weil es deine Fehler nicht angenommen hat. Jetzt steht man einem Wesen gegenüber wie einem wirklichen Vorwurf, groß und grandios, wie ein Ansporn zu dem, was man nicht ist. Das zeigt einem dieses Wesen in lebendigster Weise, und da kann man sich ganz ausgefüllt fühlen vor dem Wesen von dem Wissen dessen, was man ist oder nicht ist. Da steht man dem lebendigen Vorwurf gegenüber. In die Klasse der Erzengel, der Archangeloi, wie wir sagen, gehört dieses Wesen. Es ist eine ganz reale Begegnung, und sie veranlaßt, daß einem plötzlich vor Augen tritt, was man als Erdenmensch im Sinnensein geworden ist. Selbsterkenntnis ist es zugleich im wahrhaftigen, umfassendsten Sinne. Sich selbst schaut man, wie man ist, und sich selbst schaut man, wie man nun werden soll!“

GA 138, S 63

„Zu diesem Schauen ist der Mensch nicht immer geeignet. Ich habe heute nur von der Begriffs- und Vorstellungswelt gesprochen, die abgelegt werden muß. Vieles andere muß ebenso abgelegt werden. Man muß, wenn man bis zum Hüter der Schwelle hinkommt, eigentlich alles ablegen, was man von sich weiß. Man muß nur dann noch etwas haben, um es durchzubringen. Darauf kommt es an! Daß man an der Grenze alles zurücklassen muß, das bewirkt ein inneres Erlebnis, dem man eben gewachsen sein muß, und die Vorbereitung bis zu dieser Stufe der Hellsichtigkeit muß darin bestehen und besteht bei einer richtigen Schulung darin – bei einer richtigen Schulung darf man nicht von Gefahren sprechen, denn gerade eine richtige Schulung beseitigt die Gefahren -, daß man ertragen lernt, was sonst schauervoll, schreckensvoll wäre. Zum Ertragen muß man kommen durch die Vorbereitung, denn das ist die Grundkraft zu allem weiteren Erleben. Im gewöhnlichen Leben ist der Mensch nicht fähig, alles das zu ertragen, was man ertragen muß, wenn man vor dem Hüter der Schwelle steht. Denn der Hüter der Schwelle ist zu etwas höchst Sonderbarem genötigt, das beurteilt werden muß von dem Gesichtspunkt der übersinnlichen Welt, wenn es nicht mißverstanden werden soll. Der Mensch ist immer so, daß sich die Tätigkeiten der übersinnlichen Welt in ihm abspielen; er weiß nur nichts davon. Während wir denken, empfinden, wollen, läuft immer eine Tätigkeit des astralischen Leibes und ein Zusammenhang mit der astralen Welt nebenher. Aber der Mensch weiß nichts davon, weil er, wenn er das wissen würde, was seine eigenen Leiber sind, es nicht ertragen könnte und davon betäubt würde. Daher muß diese Wesenheit, wenn ihr der Mensch ohne genügende Vorbereitung gegenübertritt, ihm das alles verhüllen und sich selber verhüllen; sie muß einen Schleier ziehen vor die übersinnliche Welt. Sie muß es tun zum Schutze des Menschen, der, im Sinnensein stehend, den Anblick nicht ertragen könnte. Da sehen wir so recht einen Begriff, den wir im Sinnensein nur moralisch beurteilen können, als unmittelbarste Naturordnung. Der Schutz des Menschen vor dem Sehen der übersinnlichen Welt ist die Funktion des Hüters der Schwelle, die Erhaltung des Menschen in dem Zustande, in dem er ist, bevor er sich in genügender Weise auf die übersinnlichen Welten vorbereitet hat.

So haben wir versucht, einige Vorstellungen zusammenzufügen, die uns hinführen können zu einem Begriff von dem Hüter der Schwelle. Solche Vorstellungen, solche Begriffe und Ideen, Erfahrungen und Erlebnisse versuchte ich in einem kleinen Buche zusammenzustellen, das in den nächsten Tagen Ihnen hier noch dargeboten werden soll und das Ihnen neben den Vorträgen selbst eine wichtige Hilfe sein kann. Es wird in eine Reihe von acht Meditationen zerfallen und wird sich so darstellen, daß der Leser, wenn er diese Meditationen durchmacht, dadurch für sein Seelenleben etwas haben wird. Einige von den Vorstellungen, die uns zum Hüter der Schwelle hinführen können, versuchte ich heute zu charakterisieren. Von diesem ausgehend werden wir versuchen, an dem Hüter der Schwelle vorbeigehend, einige Einblicke und Ausblicke zu charakterisieren, um dann noch tiefer die Christus-Wesenheit und die Christus-Initiation verstehen zu können.“

GA 138, S 63-65

„Wir haben darauf aufmerksam gemacht, wie der Mensch, wenn er an die Grenze zwischen Sinnensein und Geistessein kommt, seine Vorstellungen ändern muß, wie er zurücklassen muß, was er gedacht hat über häßlich und schön, über wahr und falsch, über gut und böse, weil diese Begriffe eine ganz andere Bedeutung und einen nach ganz anderen Richtungen hin gehenden Wert erhalten, wenn man die geistigen Welten betritt. Daraus schon können wir eine Idee bekommen, wie wir uns wandeln müssen, wenn wir in die geistigen Welten eintreten wollen. Nun, nachdem wir beobachtet haben, als was sich der Mensch weiß im wachen Tagesleben zwischen Geburt und Tod, können wir uns mit Beziehung auf das gestern Gesagte einmal fragen: Was kann der Mensch von alledem, als was er sich so weiß, mitnehmen über die Grenze, wo der Hüter der Schwelle steht? Was kann er von allem, was er an Trieben, Begierden und Leidenschaften im Sinnensein erlebt und erfährt, von seinen Empfindungen und Vorstellungen, von Verstandesbegriffen und Urteilen, die er durchmacht, mit hinübernehmen über die Grenze, wo der Hüter der Schwelle steht? – Ja, es gehört zu den ersten Schritten der Initiation, daß der Mensch erfährt: von alledem, was man so anführen kann, was man selber ist, kann man gar nichts mitnehmen! Und es ist nicht etwa übertrieben oder paradox gesprochen, sondern wörtlich wahr gesprochen, wenn man sagt: Von allem, worüber man eigentlich im Sinnensein reden kann, kann man gar nichts in die geistige Welt mit hinübernehmen, sondern man muß alles zurücklassen an der Grenze, an welcher der Hüter der Schwelle steht.“

GA 138, S 67/68

„Aber machen Sie sich nunmehr eines klar: An alledem, was man da als sich weiß im Sinnensein, haftet doch eines, ein höchst Erhebliches daran, und zwar wirklich das, worauf es ankommt bei den Schritten der Initiation. Es haftet daran, daß man das liebt und gern hat und daß man gar nicht einmal auskommt, wenn man den gewöhnlichen, etwas unsympathischen Begriff des Egoismus darauf anwendet. Dadurch ist man nicht fertig, daß man sagt: Der Mensch soll seinen Egoismus ablegen, dann wird er selbstlos hinüberkommen in die Region der geistigen Welt. Das ist, wenn man trivial sprechen darf, leicht gesagt. Aber dieser Egoismus ist in den geheimeren, feineren Gliederungen seines Wesens innig zusammenhängend mit dem, was wir nicht nur egoistisch für wertvoll halten im Leben, sondern für wertvoll halten müssen, weil wir dadurch Mensch sind in der Welt, in der wir uns aufzuhalten haben. Wir sind Menschen dadurch, daß wir zusammenhalten können, was wir erfahren, und daß wir in einer gewissen Weise darüber denken können, daß wir erleben können. Durch das alles sind wir die Menschen, die wir sind. Und was wir Tüchtiges leisten können im gewöhnlichen Sinnensein, leisten wir dadurch, daß wir wertschätzen unsere Fähigkeit, zusammenzuhalten in unserer Persönlichkeit, in unserer Individualität, was wir erleben. Und würden wir das nicht wertschätzen, was wir erleben, so würden wir Faulenzer oder träge Menschen im Leben werden und nichts für die gewöhnliche Welt erreichen. Es wäre daher oberflächlich, zu sagen: Der Egoismus ist unter allen Umständen als etwas Schädliches anzusehen. Denn in seiner feineren Gliederung bedeutet er die Kraft, welche den Menschen vorwärtstreibt in der Welt, in der er nun einmal inkarniert ist. Und dennoch: es muß das alles abgelegt werden, es muß zurückbleiben, muß aus dem einfachen Grunde zurückbleiben, weil es ungeeignet ist für die Welt, die wir betreten müssen. Wie unser Sinnenleib ungeeignet ist für ein Eisenbad von 900°C, so ist das, was wir unser Selbst nennen, mit dem, was wir lieben in der gewöhnlichen Welt, ungeeignet in der geistigen Welt. Und man muß es aus dem Grunde zurücklassen, weil einem etwas Ähnliches passieren würde, wie unserm sinnlichen Leib passieren würde, wenn wir uns in ein Eisenbad von 900° C hineinstürzen würden: wir würden keinen Aufenthalt darin haben können, würden darin zugrunde gehen.

Nun wird Ihnen ein Gedanke auftauchen, der ganz selbstverständlich ist, der nur in seiner Tiefe erfaßt und erfühlt werden muß, der Gedanke: Wenn ich nun alles ablege, was ich bin, wovon man überhaupt reden kann im Sinnensein, was bleibt mir denn dann eigentlich? Kann ich denn dann noch selber hineingehen in die geistige Welt, wenn ich mich zuerst ablegen muß? – Das ist es, daß der Mensch nichts von dem, wovon er weiß, daß er es ist, in die übersinnlichen Welten hinein mitnehmen kann, und daß alles, was er in diese Welten hinein mitnehmen kann, etwas ist, wovon er nichts weiß in der gewöhnlichen Welt. Das sind die verborgenen, in den Untergründen der Seele liegenden Daseinselemente, die in dem Menschen drinnenstecken, von denen er nichts weiß. Und die müssen so stark sein, daß der Mensch aus dem, wovon er nichts weiß, in die geistigen Welten das Nötige hineinbringt, wenn er alles das, wovon er weiß, draußen ablegen muß. Um den Gedanken, oder besser gesagt, die Empfindung recht gründlich zu erfassen, verbinden Sie das, was eben gesagt worden ist, mit dem gewöhnlichen Todesgedanken. Es ist nur selbstverständlich für das gewöhnliche Sinnesleben, daß der Mensch alles das, als was er sich bezeichnen kann, liebt. Und weil er nichts weiter von sich weiß, so hat er bei der Unsterblichkeitssehnsucht die Sehnsucht, das zu behalten, was er im Sinnensein liebt. Deshalb kann der Schauer so groß werden und es kann eine Furchterfülltheit eintreten vor der geistigen Welt, weil der Gedanke auftauchen muß: Du gehst in ein wesenloses Unbestimmtes hinein, du weißt nicht, ob du dich darinnen bewahren kannst, denn das, wovon du weißt, geht dir verloren!“

GA 138, S 68-70

„In einem Vergleich möchte ich mich darüber aussprechen. Aber indem Sie den Vergleich anwenden auf die ganze Weltenordnung, werden Sie empfinden können, wie Ahriman für sich das, was er gut nennen kann, anstrebt, wie es aber unmöglich ist, dieses Gute in seiner Gesamtheit der Weltenordnung einzufügen. Nehmen Sie irgendein tierisches Wesen, das zu seiner fortschreitenden Entwickelung im Sinnensein sich häuten muß, das von Zeit zu Zeit die Haut ablegen muß wie ein Abbild seiner selbst und in einer neuen Daseinsform weiter fortschreiten muß. Da muß etwas abgestreift werden zu einer neuen Daseinsmöglichkeit des betreffenden Wesens. Ahriman möchte alles retten, möchte keine Schlange sich häuten lassen, sondern alles verarbeiten, was da im Sinne der Weltenordnung abgestreift werden muß. Aber der Mensch möchte das auch im Sinnensein; er möchte vieles nicht lassen, sondern es mitnehmen, trotzdem es im Sinne einer höheren Weltenordnung für das Zeitliche, für den Augenblick bestimmt ist. Und wenn der Mensch es könnte, so würde er – weil der Hang dazu in ihm so stark ist – im Sinnensein immerdar unter all den Fragen, die er nach unbekannten oder sonstigen Wegen stellt, am meisten sich erkundigen: Wo findet man Ahriman, wo kann einem Ahriman wieder helfen, um das, was der Augenblick enthält, in die Ewigkeit hinaufzutragen? Da ist es das eine Gute, daß der Mensch in der Sinneswelt nicht Ahriman finden kann, weil er unsichtbar, übersinnlich in ihr ist. Und dies gehört zu den Obliegenheiten des Hüters der Schwelle, daß Ahriman möglichst stark unsichtbar in der sinnlichen Welt bleibt, so daß der Mensch nur das, was in seinen eigenen Kräften liegt, zur Bewahrung des Augenblickes in der Ewigkeit entfalten kann und sich nicht unbewußterweise von Ahriman helfen lassen kann. Gutes und Schlimmes spielen da wieder als zwei Pole in das Sinnensein des Menschen herein. Der Mensch schreitet als Seele durch die Menschheitsevolution. Eine Aufgabe innerhalb derselben, die gut und echt und wahr ist, ist diejenige, alles, was Ewigkeitswert hat, hinauszutragen aus der Sinneswelt und einzuverleiben dem Reiche der Ewigkeit. Das ist es ja gerade, was uns obliegt: die wertvollen Schätze der Augenblicke zu nehmen und hinzuopfern am Altare der Ewigkeit. Wenn wir uns für die wertvollen Schätze der Zeitlichkeit von Ahriman helfen lassen, so ist das gut. Wenn wir Ahriman in dem Augenblicke, wo wir die übersinnliche Welt betreten – vorher können wir ihn ja nicht sehen -, kennenlernen und ihm den Hang zeigen, der uns noch verblieben sein kann, auch Wertloses aus der Sinneswelt hinaufzutragen in die übersinnliche Welt, dann ist das ja für ihn ein Wertvolles – für seine Gegner ist es ein Wertloses. Da sind wir gute Werkzeuge für ihn, um aus der Sinneswelt in die Ewigkeit überzuleiten, was hier geliebt wird, und was dadurch, daß es von uns geliebt wird, auch seinerseits in diese Ewigkeit hineingestellt wird.“

GA 138, S 114/115

„Ich wollte mit alledem, was gerade in diesem Vortragszyklus gesagt worden ist, auch davon eine Vorstellung hervorrufen und wollte schon durch die Dramen zeigen, wie in der Tat ganz anders, gewaltig und groß die Welten sind, in die wir eintreten, wenn wir die Pforte zu den übersinnlichen Welten durchschreiten, und ich wollte eine umfassendere Vorstellung davon hervorrufen, als es durch bloße Theorien und Dogmen geschehen kann. Ich wollte manches nicht bloß durch Wortcharakteristiken darstellen und beschreiben, sondern ich wollte eine Empfindung von dem hervorrufen, was hinter der Schwelle ist, wo der Hüter der Schwelle steht. Wenn jemand in unserer heutigen Zeit das Geistesleben überblickt, so geht ihm vielleicht besonders in die Seele herein, was über den Hüter der Schwelle zu sagen ist. Der Hüter steht an der Schwelle, weil die im gewöhnlichen Sinnensein drinnenstehende Menschenseele nicht reif ist zu erleben und zu erfahren, was in den übersinnlichen Welten vorgeht. Er steht zum Schutze da. Das ist ebenso wahr, wie es wahr ist, daß die in die Zukunft hinein lebende Menschenseele mehr und mehr wird erfahren müssen von den übersinnlichen Welten. Warum steht der Hüter da? Weil die Menschenseele, wenn sie unreif den Schritt in die übersinnlichen Welten hinein machen würde was niemals auf einem gerechten okkultistischen Wege geschehen kann -, sich unendlicher Furchtsamkeit, unendlichem Schrecken verfallen glauben würde, weil die Menschen aus ihrer Kleinheit, aus ihrer Unreife, aus ihrer Liebe und ihrem Hang zur Sinneswelt nicht ertragen würden, was alles mit dem Eintritt in die übersinnlichen Welten zusammenhängt. Kann man doch nicht einmal denen gegenüber, die fortgeschritten sein wollen, mit dem kommen, was Anspruch erhebt an unsere Zeit! Von der Stätte aus, von der wir bis jetzt noch die übersinnlichen Wahrheiten verkünden dürfen, mußten wir darauf hinweisen, wie ein übersinnliches Ereignis mit dem übersinnlichen Leib des Menschen im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts eintreten wird, indem die Menschen – wie durch ein Naturereignis – den wiedererscheinenden Christus finden werden. Darauf konnten wir hinweisen. Aber dieser wiedererscheinende Christus wird nicht auf Schiffen über Meere oder in Eisenbahnen fahren, wird auch nicht im Luftballon fahren, sondern er wird im Individuellen des Menschen – in dem, was von Menschenseele zu Menschenseele geht, und je nachdem, wie die Menschenseelen selbst beschaffen sind – mit den Mitteln erkannt werden, die im Ätherischen gegeben sind. Was wir so sagen dürfen, wie die Erscheinung des wiedererscheinenden Christus sein werde, erweist es sich schwach gegenüber dem, was rein aus der übersinnlichen Welt heraus an die Menschenseele herankommen wird. Denn die Menschen lieben es, mit sinnlichen Augen zu sehen den Großen, der da kommen soll; sie lieben es, sich vorzustellen, daß er im Aeroplan fährt, daß er über die Meere fährt, lieben es, sinnlich greifen und fassen zu können den, der da kommen soll. Warum ist das? Weil es sie in Angst versetzt, wirklich mit den übersinnlichen Welten in Berührung zu kommen. Dem Okkultisten stellen sich auch solche Dinge, wie sie geschehen, als maskierte Furcht und Angst vor dem Wahren dar. Das sei ohne Emotion gesagt, nur als eine Hinstellung des Objektiven. Da wird dann der Okkultist, der den Hüter an der Grenze zwischen Sinnensein und Geistessein erkennt, merken, daß die, welche draußen im gewöhnlichen Leben stehen, es nicht fassen können, daß überhaupt ein Anfang gemacht werden soll mit dem Schreiten in die übersinnliche Welt. Denn furchtsame Persönlichkeiten sind sie im Grunde genommen alle. Ihre Furchtsamkeit ist ihnen unbekannt, aber sie maskiert sich ihnen als die besondere Art von Wahrheitssinn, als ein materialistischer Wahrheitssinn. Als ein gewisser Haß, eine Wut, ein Entbranntsein der Kleinheit gegen die andern, die übersinnlichen Welten, erscheint sie bei denen, die sich entgegenstellen der Erkenntnis der übersinnlichen Welt und der übersinnlichen Wesenheiten. So mag es kommen, daß auf der einen Seite die stehen, welche die übersinnlichen Welten erkennen wollen, und auf der anderen Seite die, welche nichts davon wissen wollen, oder die sagen werden: die objektive Wissenschaft sagt nichts von den übersinnlichen Welten, denn man kann sie nicht beweisen. Und dasselbe ist es, was auch andere Menschen abhalten wird, hinzugehen zu dem Hüter der Schwelle, nämlich die populären Nachtreter der Wissenschaft, welche da sagen, daß sie die übersinnlichen Welten ablehnen, weil es bei ihnen Wahrheitssinn, persönliche wissenschaftliche Überzeugung sei. Es ist aber die Furcht, die sie nicht an den Hüter der Schwelle herankommen läßt, und es ist die ganze Kraft dieser Furcht dahinein maskiert, was sich heute als ein Kampf auftun möchte gegen das Herankommen dessen, was aus den übersinnlichen Welten als das Geisteslicht gegenüber dem Lebensdunkel kommen soll. Das ist eine Vorstellung, welche der empfindet, der den Hüter an der Schwelle des Geistesseins kennt und der da weiß, welche Bedeutung die übersinnlichen Erkenntnisse für das ganze Geistesleben der Gegenwart haben.“

GA 138, S 133-135

„Sie wissen wenn der Mensch eintritt in diejenige Welt, die wir die übersinnliche nennen, dann hat er dasjenige zu überschreiten, was wir die Schwelle des Hüters nennen. Man kommt hinüber in die übersinnliche Welt durch das Überschreiten dieser Schwelle. Dieses Überschreiten finden Sie in dem kleinen Büchelchen «Die Schwelle der geistigen Welt» von mir geschildert. Wenn Sie dasjenige, was dort geschildert ist, zusammennehmen mit gewissen Kapiteln der Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» dann bekommen Sie nach einer gewissen Richtung hin genauere Vorstellungen. Sie wissen, daß jene Zusammenfügung, die in der Menschenseele aus Denken, Fühlen und Wollen besteht, mehr gespalten wird, wenn man die Schwelle überschreitet, daß gewissermaßen das Denken an sich selbständiger wird, das Fühlen an sich selbständiger wird, das Wollen selbständiger wird, während im gewöhnlichen Geistesleben diesseits der Schwelle diese drei Tätigkeiten des Menschen mehr zusammengeschmolzen sind, mehr ineinandergewoben sind.

Also diese zwei Tatsachen wollen wir ganz genau berücksichtigen, daß, wenn man in die übersinnliche Welt eintreten will, man zu überschreiten hat die Schwelle, daß dann gewissermaßen eine Art Spaltung eintritt der drei Haupttätigkeiten des menschlichen Seelenlebens, die selbständig macht Denken, Fühlen und Wollen. Das, was der Mensch so bewußt beim Übergang in die übersinnliche Welt durchmachen kann, das macht, ohne daß es dem einzelnen Menschen bewußt werden müßte, die ganze Menschheit durch in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum. In diesem fünften nachatlantischen Zeitraum liegt die Schwelle (siehe Zeichnung), durch die die Gesamtmenschheit durchgehen muß.“

GA 190, S 146

„Das alles gibt die wirkliche Gestalt jenes Überganges, den ein Mensch wie Fritz Mauthner fühlt, indem er so etwas ausspricht, wie ich es Ihnen vorhin charakterisiert habe. Das alles aber sind Begleiterscheinungen des Durchganges durch die Schwelle von seiten der ganzen Menschheit. Durch den ernsten Hüter, an dem ernsten Hüter vorbei muß die ganze Menschheit in diesem fünften nachatlantischen Zeitalter. Und zum Bewußtsein sollte es kommen gerade im Zeitalter der Bewußtseinsseelen-Entwickelung, daß die Menschheit durch dieses Stadium ihrer Entwickelung durchgeht. Da muß aber eine Art von Spaltung des Seelenlebens eintreten. Dasjenige, was früher als Einheit zentralisiert war, muß in eine Dreiheit auseinandergespalten werden, und jedes einzelne Glied muß für sich zentralisiert werden. Das kann nur geschehen – weil es um die Menschheit sich handelt in ihrem Zusammenleben, nicht um den einzelnen Menschen -, wenn äußere Anhaltspunkte da sind, an denen sich diese Tendenz zu der inneren Dreigliederung fortentwickeln kann. Diese äußeren Anhaltspunkte müssen nun da sein in dem sozialen Organismus, in dem der Mensch drinnen lebt. Das ist durchaus nicht ein beliebig aufgebrachtes Apercu, daß heute gesprochen werden muß von dem dreigliedrigen sozialen Organismus. Das ist dasjenige, was aus den Zeichen der Zeit heraus der Menschheit klargemacht werden muß, aus jenen Zeichen der Zeit heraus, die sich ergeben, wenn man bedenkt, daß die Menschheit vorbeigehen muß an dem ernsten Hüter der Schwelle. Und wenn Sie nach einer inneren Charakteristik suchen der Gründe, warum im sozialen Organismus die Dreigliederung eintreten muß, dann bitte lesen Sie noch einmal nach jenes Kapitel in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», das vom Hüter der Schwelle handelt. Da steht von einem anderen Gesichtspunkte aus schon alles darinnen.“

GA 190, S 159/160

„Sie sehen daraus, daß, indem man Geisteswissenschaft studiert, man die wichtigsten Impulse der gegenwärtigen Menschheitsentwickelung studiert, daß hingedeutet wird durch die Geisteswissenschaft von den verschiedensten Gesichtspunkten aus auf die intensivst wirkenden Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart. Und indem in jenem Kapitel von dem Hüter der Schwelle in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» hingewiesen wird auf die Spaltung der Menschenseele in die drei Glieder Denken und Fühlen und Wollen, wird zu gleicher Zeit für die ganze Menschheit herausgefordert das Denken an den dreigliedrigen sozialen Organismus.

So hängen die Dinge zusammen. Betrachten Sie den Einzelmenschen, der die Schwelle zur übersinnlichen Welt überschreitet, so können Sie sich sagen: Dieser Mensch erlebt in sich die Spaltung in ein Gedankenleben, in ein Gefühlsleben, in ein Willensleben. Betrachten Sie die heutige Menschheit, die, indem sie den fünften nachatlantischen Zeitraum durchmacht, hinter den Kulissen des geschichtlichen Werdens die Schwelle überschreitet, dann müssen Sie sagen: Diese Menschheit muß ihr Gedankenleben in einem selbständigen Geistesorganismus finden; ihr Gefühlsleben, das heißt die Verhältnisse der Gefühle, die zwischen Mensch und Mensch spielen, in dem selbständigen Rechtsorganismus; das Willensleben in dem Wirtschaftskreislauf, Wirtschaftsorganismus.“

GA 190, S 160

„Sie oder besser gesagt, diejenigen unter Ihnen, die jahrelang mitgemacht haben die geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, insofern sie anthroposophisch orientiert sind, Sie haben ja alle Gelegenheit, sich auf dem Weg zu finden, das Geheimnis der Schwelle zu finden. Sie werden, wenn Sie dem Geheimnis der Schwelle nahekommen, durchaus das Bewußtsein durch die Sache selbst empfangen, daß man zwar über die Wege gut sprechen kann, die zum Geheimnis der Schwelle führen, daß man aber nicht eine unmittelbare Mitteilung über das Geheimnis der Schwelle machen kann. So ist in gewisser Beziehung das Geheimnis der Schwelle individuelle Sache eines jeden einzelnen Menschen, und dennoch liegt die Notwendigkeit vor, daß von jenseits der Schwelle gerade die wichtigsten Ideen für das soziale Werden geholt werden. Heute ist es ja überhaupt mit dem Geheimnis der Schwelle so eine eigene Sache, denn heute ist wenig Vertrauen von Mensch zu Mensch. Das ist ja etwas, was furchtbar geschwunden ist unter den Menschen, das Vertrauen von Mensch zu Mensch, und es stünde um unser soziales Leben ganz anders, wenn nur ein wenig größeres Vertrauen von Mensch zu Mensch vorhanden wäre. So kommt es, daß zu demjenigen, der heute das Geheimnis der Schwelle kennt, der das Geheimnis der Schwelle durch Bekanntwerden mit dem Hüter der Schwelle kennt, ein viel zu geringes Vertrauen sich festsetzt, oder ein falsch gerichtetes, ein falsch orientiertes, ein falsch eingestelltes Vertrauen.

Es wäre, wie Sie daraus ersehen können, diese Sache eine ziemlich hoffnungslose, wenn nicht etwas anderes der Fall wäre. Denn man könnte sagen: Also kann zum Beispiel die soziale Frage überhaupt nur von Initiierten gelöst werden. – Man wird aber den Initiierten aus dem Mangel an Vertrauen, das heute der Mensch dem Menschen entgegenbringt, eben einfach nicht glauben. Man wird nicht glauben, daß sie die Einsicht in das Leben haben. Dies ist nur auf einem gewissen Gebiete wahrzunehmen, nämlich jenseits der Schwelle, von dem sie nicht unmittelbar von Mensch zu Mensch, wenigstens nicht jederzeit und aus allen Voraussetzungen heraus von Mensch zu Mensch sprechen können. Würde zum Beispiel jemand in unvorsichtiger Weise seine Erfahrungen, die er mit dem Hüter der Schwelle gemacht hat, einem anderen mitteilen, der sie emotionell oder, sagen wir, so aufnimmt, daß er sich nicht stellt in dasjenige Gebiet seiner Seele, in dem er eine bis zu einem gewissen Grad gedrungene Selbstzucht geübt hat, und würde vielleicht sogar ein solcher, der auf diese Weise das Geheimnis der Schwelle mitgeteilt erhielte, dieses Geheimnis der Schwelle weiter ausplaudern, so würde dies zwar ein Übergang des Geheimnisses der Schwelle in das soziale Leben sein, aber es würde eine sehr schlimme Folge haben. Es würde nämlich, was manchmal schon die bloße Mitteilung des Weges zum Geheimnis der Schwelle bewirkt, die Menschen mehr oder weniger in zwei Lager teilen, es würde die Menschen feindlich gegeneinander stellen. Denn während die Ideen, die von jenseits der Schwelle kommen, geeignet sind, wenn sie in ihrer wahren Kraft, in ihrer gereinigten spirituellen Kraft wirken, geradezu soziale Harmonie unter den Menschen zu bewirken, ist es, wenn sie ungeläutert unter die Menschen verstreut werden, so, daß sie Streit und Krieg unter den Menschen bewirken.“

GA 185a, S 199/200

„Betrachten wir dieses Gefühlsmoment, das ich eben charakterisiert habe, gerade vom anthroposophischen Gesichtspunkte aus mit Bezug auf das Erkennen. Mit Bezug auf das Erkennen will der Mensch in die Geheimnisse, in die Rätsel des Weltendaseins eindringen. Die neuere Menschheit ist so stolz auf ihre äußeren naturalistischen Erkenntnisse. Man darf schon sagen, in bezug auf das äußere Naturalistische hat es die neuere Menschheit seit drei bis vier Jahrhunderten wirklich außerordentlich weit gebracht. Wunderbare Naturzusammenhänge liegen vor dem betrachtenden Blicke des Menschen da. Aber gerade gegenüber diesen Naturzusammenhängen muß sich die heutige Naturwissenschaft, wenn sie sich auf ihr eigenes Wesen besinnt, mit aller Intensität sagen, im Grunde gelangt man in der Weltbetrachtung mit dem, was man durch die Sinne, was man durch den irdischen Leib erkennen kann, nur gerade bis zu demjenigen Tore der Weltzusammenhänge, das einem die eigentlichen Weltengeheimnisse und Weltenrätsel verschließt. Und wir wissen aus anthroposophischer Vertiefung, daß, um durch dieses Tor hindurchzugehen, um wirklich in die Gebiete hineinzukommen, wo man eine Anschauung gewinnen kann von dem, was hinter der äußeren Sinneswelt liegt, daß da, wo diese Wege gegangen werden sollen, die durch dieses Tor hindurchführen, zunächst für den Menschen gewisse innerliche Gefahren liegen, daß der Mensch sowohl in gedanklicher wie in willensmäßiger und gefühlsmäßiger Weise zu einer gewissen inneren Festigkeit gekommen sein muß. Man nennt auch deshalb das Durchschreiten dieses Tores das Vorbeigehen an dem Hüter der Schwelle. Es muß also aufmerksam darauf gemacht werden, wenn wirkliche Erkenntnis der geistig-göttlichen Grundlage der Welt erworben werden soll, daß Gefahren überwunden werden müssen, daß also nicht unmittelbar mit dem, was man als Mensch zwischen Geburt und Tod durch die natürlichen Verhältnisse ist, dieses Tor, das in die geistige Welt hineinführt, durchschritten werden kann.“

GA 276, S 60/61

„Man kann sich vorstellen, daß auch noch unserem materialistischen Zeitalter gruselig wird, wenn die Menschen hören, was da eigentlich auf dem Grunde der Menschennatur sich abspielt. Weil den Menschen gruselig wird davor, war es ja so eingerichtet in der Weltenordnung, daß in alten Zeiten göttliche Lehrer den Menschen ein überbewußtes Wissen mitteilten, damit die Menschen nicht selber sich diesem Geisteskampfe entgegenzustellen brauchten. Da konnten dann die Eingeweihten gegenüber der äußeren Welt schweigen von diesem Geisteskampfe. Menschen, die von diesem Geisteskampfe, der sich gewissermaßen bei jedem Menschen hinter der Szene des Lebens abspielt, wissen, wußten, die gab es immer. Immer gab es Menschen, welche sich davon überzeugt hatten, daß das Leben ein Sich-Hindurchwinden durch einen Kampf ist, daß das Leben eine Gefahr in sich schließt. . Aber immer mehr und mehr bestand auch der Grundsatz, die Menschen nicht hinzuführen zur Schwelle der geistigen Welt, sie nicht hinzugeleiten zu dem Hüter der Schwelle, damit sie nicht – verzeihen Sie den trivialen Ausdruck, aber er paßt – das Gruseln bekommen. Aber die Zeiten sind vorüber, in denen das möglich ist. Denn Zeiten werden eintreten in der zukünftigen Erdenentwickelung, in welcher die Scheidung wird eintreten müssen zwischen den Kindern des Luzifer und den Kindern des Ahriman, entweder das eine oder das andere. Aber wissen, daß man drinnensteht und im Drinnenstehen das Leben wissend führen muß, das muß heute als Lebensnotwendigkeit für die menschliche Zukunft gesagt werden und muß verstanden werden. Eine bloße Wissenschaft des Schweigens kann es für die Zukunft nicht geben.“

GA 184, S 166/167

„In dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» wird davon gesprochen, daß in dem Augenblick, wo man sich hinauferhebt in die geistige Welt – und jeder Mensch ist ja in der geistigen Welt, es handelt sich hier nur um ein Erkennen dessen, was immer da ist -, dann jene bequeme Einheit des Menschenwesens auf hört, in der wir in der physischen Welt leben. Spaltungen geht das Menschenwesen ein; abgesehen von jenen Spaltungen, die dort erwähnt sind, und die man beobachten kann nach der Begegnung mit dem Hüter der Schwelle, treten manche andere Spaltungen ein, zum Beispiel diejenige, die von einer tiefen Bedeutung für unser ganzes Gemütsleben sein muß. Wir müssen anerkennen, daß, indem wir in einer bestimmten Inkarnation gegenüber dem Volkstum, in dem wir eben stehen, voll unsere Pflicht zu tun haben, ihm voll unsere Liebe darzubringen haben, dieses Volkstum im ganzen Entwickelungsprozeß der Erde darinsteht. Wir müssen uns klar sein, daß wir, indem wir auch geistige Wesenheiten sind im Ich und Astralleib, wirklich der ganzen Menschheit angehören und mit unseren Impulsen mit der ganzen Menschheit fühlen müssen. Und nicht ist es so, daß die Geisteswissenschaft zuläßt, daß wir in ihr in einer Einseitigkeit leben, sondern wir müssen diese beiden Seiten unseres Wesens in einen vollen Einklang bringen können.“

GA 159, S 161/162

 

Schreibe einen Kommentar

WP2Social Auto Publish Powered By : XYZScripts.com