Bildekräfte

Formbildner (1-12)

Phänomenologie der Formbildner

Die zwölf Formbildner

Die Formbildner spiegeln sich in jenem Wissensgebiet, das heute in den Organisations- und Systemwissenschaften seine stärksten Vertreter findet. Jedes systemische Phänomen beruht auf Zusammenhängen und Gliederungen, die von den zwölf Formbildnern ausgehen.

Der 1. Formbildner

Die einheitliche Organisation des Menschen folgt dem Prinzip der Eins, der 1. Formbildner ist hier tätig gewesen und damit folgt der 1. Formbildner dem Prinzip der Eins.

Der 2. Formbildner

In der einheitlichen Menschen-Organisation treten Links-Rechts-Polaritäten auf, zwei Organe kooperieren und bilden im besten Fall eine Funktion. Zwei Augen bilden ein Sehorgan, zwei Ohren bilden ein Hörorgan, zwei Arme kooperieren in Greif- und Hebebewegungen, zwei Beine kooperieren im Laufen und so weiter. Polar organisierte Organe, welche eine funktionelle Einheit bilden, sind zugleich Mitglied in einem System, und sind in diesem einen System nach dem Prinzip der zwei organisiert. Die Augen und Ohren folgen also sowohl dem Prinzip der Eins als auch dem Prinzip der Zwei oder der Polarität. Diesen Tatbestand verkörperte der 1. Formbildner in Verbindung mit dem 2. Formbildner.

 Der 3. Formbildner

Ähnliches tritt in der Dreigliederung der menschlichen Konstitution zutage. Kopf-, Brust- und Gliedmaßensystem bilden eine Einheit (1. Formbildner), folgen aber zugleich dem Prinzip des 3. Formbildners, in dem der Kopf einen gemeinsamen Inhalt in Gedankenerfahren vermittelt, die Brust den gleichen Inhalt in Gefühlsbilder kleidet und die Gliedmaßen-Organisation die Impulsorganisation desselben Inhalt offenbart. Der 3. Formbildner offenbart zu einem Inhalt die Dreiheit von Gedankenbild, Gefühlsbild und Impulsinhalt und spiegelt damit gewisse Ordnungen des 3. Begriffsbildners oder des 3. Tätigkeitsbildners.

Ähnlich wirkt die Dreigliederung auch im Innenohr des Menschen oder in der Gedächtnisstruktur. Ordnet der 3. Formbildner im Innenohr eine Funktion der Lage- mit einer Funktion der Gleichgewichts- und der Bewegungswahrnehmung[1] zueinander, so gliedert er die Gedächtnisstruktur in ein stör- und ablenkbares Kurzzeitgedächtnis, in ein reines Gedächtnis und in die Funktion der Gedächtnisaktivierung[2].

Der 4. Formbildner

Das Prinzip des vierten Formbildners tritt substantiell in den vier Elementen auf und kann dem Beispiel von Galen[3] folgend in den vier Temperamenten wiedergefunden werden, die Galen den vier Säften „Blut, Schleim, gelbe und schwarze Gallenblasenflüssigkeit“ zugeordnet hat. Das Prinzip des 4. Formbildners wird deutlich, wenn man in der Menschenbeobachtung erleben lernt, wie manche Menschen unter ihrem materiellen Leib zu leiden scheinen (Melancholie), wie andere in ihrer vitalen Organisation ruhen (Phlegma) und wie wieder andere den Eindrücken ihrer Nervenorganisation ausgeliefert erscheinen (Sanguinik) und wie eine vierte Gruppe all diese Körper- und Reizbindungen nicht erlebt sondern vielmehr diese Bindungen den eigenen Zielen und Ideen unterzuordnen versteht (Choleriker). Das Prinzip des 4. Formbildner ermöglicht es nun, wenn man eines der vier Prinzipien gefunden und erlebt hat, allein durch Fragen und Suchen die anderen drei Prinzipien des 4. Formbildners auch zu finden.

In ähnlicher Weise tritt der 4. Formbildner bei der Gliederung der Wahrnehmungsorgane auf. In der visuellen Wahrnehmung ermöglicht er die Stufen der 1) Farbwahrnehmung, des 2) Farbklangs und der Helldunkel-Differenzierung, der 3) Formwahrnehmung und der 4) Motiverkennung. In der auditiven Wahrnehmung lässt uns der 4. Formbildner den 1) Ton vom 2) Rhythmus und von der 3) Harmonie und 4) Melodieführung unterscheiden. In ähnlicher Weise treten auch andere Formbildner gliedernd in den Wahrnehmungsorganen[4] auf.

Der 5. Formbildner

Das Prinzip des fünften Formbildners knüpft unmittelbar an den 4. Formbildner an. Tritt zu den vier Elementen oder zu den vier Temperamenten ein fünftes Element hinzu, dann werden die vier zu einer niederen oder untergeordneten Verkörperung des höheren Fünften. Der 5. Formbildner gliedert eine sichtbare Verkörperung einer unsichtbaren Ursache unter. Zwei Beine und zwei Arme werden dem Kopf untergeordnet, den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer tritt das Licht hinzu. (…Rudolf Steiner).

Der 6. Formbildner

Im 6. Formbildner tritt das Prinzip des 3. Formbildners (Denken, Fühlen, Handeln) in Kombination mit dem 2. Formbildner (Polarität) auf. Durch den 6. Formbildner wird ein körpergebundenes und ein geistsensibles Denken sichtbar; es wird ein sympathiegebundenes und ein unbefangenes Fühlen sichtbar und es wird ein getriebenes und freies Handeln erfahrbar. (Rudolf Steiner/Vertiefung folgt)

Der 7. Formbildner

Im 7. Formbildner ordnet sich eine dreigliedrige, höhere Organisation (Tierseele aus Gedankenleben, Gefühlen, Impulsen) eine viergliedrige Körperorganisation unter (Physischer Körper, Lebenskräfte, Nervensystem, Bewusstseins-Gehirnorganisation). Im Werk Rudolf Steiner wird daraus das Wesensgliedergefüge analog der sieben Kraftbildner, die Phantom-, Äther-, Astral- und Ich-Organisation dem Geistselbst unterordnen, das Heilungsprozesse aus dem Geistselbst und Entwicklungsprozesse aus dem Geistesmenschen empfängt.

Der 8. Formbildner

Im 8. Formbildner ordnet sich eine ichbegabte höhere Organisation (Menschenseele mit Körpersinnen, Seelensinnen und Geistessinnen und der selbstbewussten Tätigkeit darin)  eine einfache, viergliedrige Verkörperung unter (Physischer Körper, Lebenskräfte, Nervensystem, Gehirnorganisation). (Rudolf Steiner/Vertiefung folgt)

Der 9. Formbildner

Im 9. Formbildner interagiert eine viergliedrige Verkörperung (Physischer Körper, Lebenskräfte, Nervensystem, Gehirnorganisation) mit einer dreigliedrigen Seele (Empfindung, Verstand, Bewusstsein), in der eine polarisierende Ich-Tätigkeit lebt (Körperbindung, Geistesstreben).

10. und 11. Formbildner

Der 10. und 11. Formbildner soll hier aus hygienischen Gründen zunächst nicht besprochen werden, da das Wissen darum leicht für Menschenbeschädigung missbraucht werden kann.

Der 12. Formbildner

Der 12. Formbildner drückt sich aus in den 12 Sinnen oder in einem Geistesmenschen, der sich seiner drei Bewusstseinsquellen, seiner drei Sozialisierungsquellen und seiner drei Verwirklichungsquellen bewusst ist und diese in seinen drei reinen Körperorganisationen geistbewusst verkörpert.

Die 12 Formbildner sind in der Konstitution des Menschen mit den 4 Kraftbildner organbildend tätig. Alle folgenden Beschreibungen seelischer und geistiger Bildekräfte-Erfahrung in organischen und seelischen Verkörperungen fußen auf einer Verkörperung durch die Kraftbildner 1 bis 4 und der Formbildner 1 bis 12.

[1] b2350 Vestibulärer Lagesinn. Und b2352 Vestibulärer Bewegungssinn. Und b2351 Gleichgewichtssinn. Ebd.

[2] Vergl. Dies mit den drei Elementen des ICF: b1440 Kurzzeitgedächtnis  i.V.m. b1441 Langzeitgedächtnis. Und i.V.m.b1442 Abrufen von Gedächtnisinhalten. ebd.

[3] Galenos von Pergamon, Quelle ?

[4] Spezifische mentale Funktionen, die die Erkennung und Interpretation sensorischer Reize betreffen Inkl.: Funktionen, die visuelle, auditive, olfaktorische, gustatorische, taktile und räumlich-visuelle Wahrnehmung betreffen. Ebd.

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