Bildekräfte

Bildekraefte (2)

Kategorien der Bildekräfte

Der Bildekräfte-Begriff wird in Rudolf Steiners Werk in vielen verschiedenen Kontexten erwähnt. In den Kontexten offenbaren sich die Bildekräfte-Kategorien, die uns zu einem differenzierten Verständnis einzelner Bildekräfte führen.

Konstitutionsbildner

Am Beginn des menschlichen Lebens fließen „die Bildekräfte in den physischen Leib.“ Sie wirken vor[1] und in der Geburt, „als das, was in der geistigen Welt gegeben war und dann durch die Vererbungskräfte durch Vater und Mutter“ zu „Leibesleben“ wurde. „Der Leib ist nicht ihre Ursache sondern ihre Wirkung“. Die Bildekräfte werden „verdunkelt“, wenn sie nicht „zu Erkenntniskräften verwendet werden können“; solange sie nur in den Leib eingearbeitet werden, werden sie vom Karma überlagert „weil man nicht zum ersten Mal im physischen Leib lebt.“[2]

Hier darf die These erlaubt sein, dass Bildekräfte als Konstitutionsbildner auftreten, deren Eigenschaften sowohl leiblich („der Leib ist … ihre Wirkung“) als auch seelisch und geistig (wenn die Bildekräfte nicht „zu Erkenntniskräften verwendet werden können“) wirksam werden können.

Organisationsbildner

Dann skizziert Rudolf Steiner die Kindheitsentwicklung als ein Werk der Bildekräfte. Die Bildekräfte haben in der Kindheit „die Aufgabe, noch zu arbeiten an den zar­ten Organen des Menschen, an dem Nervensystem und dem Gehirn des Menschen; an dem Nervensystem und Gehirn haben sie plastisch zu arbeiten. Sie waren da noch Bildekräfte des menschlichen Organismus“ und formten aus dem Kind das individuelle Kind, so „daß der Mensch dieser bestimmte Mensch ist“[3]. Die Bildekräfte fließen in den Körper und später in die Seele des Kindes ein. Sie entstammen dem höheren Selbst, welches „ein ganzes langes Leben den Leib mit Bildekräften“ versorgt[4].

An diese Schilderung möchte ich anlehnen die Begriffsbildung der Organ- und Organisationsbildner. Bildekräfte treten auf als Organbildner, und sie bilden aus das Zusammenspiel der Organe als Organisationsbildner.

Unterscheidungs- oder Begriffsbildner

An die kindliche Leibbildung knüpfen die Bildekräfte das kindliche Lernen unmittelbar an: „Das Kind bringt Bildekräfte mit, die aus seinem Organismus herauswollen“ und die nun im „Lesen und Schreiben … sich betätigen.“ Rudolf Steiner folgt den Bildekräfte, und lässt „Buchstaben oder selbst Worte“ aus  „seinen Bildekräften“ entstehen, in dem es mit Bildern und Imaginationen  beginnt.[5] Von der Buchstaben- und Wortbildung lassen die Bildekräfte eine sich immer weiter ausdehnenden Begriffsbildung im Wechselspiel von Innen- und Außentätigkeit im Kind entstehen, sie richten den Blick der Seele nach Außen (Begriffe) und nach Innen (Bilder) aus.[6]

Für die beiden letztgenannten Zitate aus der Zeit nach 1917 muss gelten, dass offen bleibt, in welchem Maße Rudolf Steiner hier Äther-Begriffe zeichnete und welche Schilderung sich auf den reinen Bildekräfte-Begriff bezieht.

Neben der rein äußerlichen Sinnesentwicklung im Kind ereignet sich auch eine übersinnliche Entwicklung durch den Bildekräfte-Leib, der im höheren Selbst ankert. Rudolf Steiner spricht von einer Sinnesentwicklung, „wobei aber nicht gemeint sind die stofflichen Sinnesorgane – die gehören zum physischen Leibe – sondern die Kräfte, die zugrunde liegen als die Bildekräfte, die ganz übersinnlich sind.[7] Da dieses Zitat von einem esoterischen Vortrag handelt, der vor 1917 gehalten wurde, würde ich den hier gezeichneten Bildekräfte-Begriff als eindeutig bezeichnen. Ähnliches möchte ich auch für die nächsten beiden Zitate geltend machen.

Im Prozess des kindlichen Lernens, der äußeren und inneren Bild- und Begriffsbildung treten Bildekräfte als Unterscheidungs- und Begriffsbildner auf.

Moral- und Intelligenzbildner

Zu der schulischen Entwicklung des Kindes kommt hinzu eine sozialethische Prägung, die sich am Elternhaus und an der Schulgemeinschaft entzündet. Durch sie werden „alle die­jenigen Bildungsgesetze“ aktiv, die „einer menschlichen Form eingeboren sind.“ In ihr kommen „Bildekräfte zum Ausdruck“ die „tief im Innern des Menschen“ ruhen und als „moralische Impulse“ bezeichnet werden. Rudolf Steiner zeichnet den „Menschen nicht wie die übrigen Naturwesen“ als einen triebhaft abgeschlossenen Charakter, sondern als ein durch moralische Impulse mit den Mitmenschen verbundenes Wesen, das in dieser Verbundenheit „seine natürlichen Bildekräfte zum Ausdruck bringt“[8].

Am Beispiel Kants zeichnet Rudolf Steiner den Bildekräfte-Begriff 1914 in seiner Intelligenz-bildenden Dimension: Kant – so Rudolf Steiner – sah sich genötigt, „sein Weltbild geradezu in zwei völlig voneinander geschiedene Teile zu scheiden: in den einen Teil, der alles darstellt, was von der Außenwelt zu erkennen ist“  was er von „seinen organi­schen Bildekräften hineinstellt […] und in den anderen Teil, der zunächst ins menschliche Dasein hereinragt“ und „durch den «kategorischen Imperativ»“ zum Ausdruck kommt: „Handle so, daß die Maxime deines Handelns Gebot des Handelns für alle Menschen werden könnte. […] Aber wie fasst ihn Kant auf? So, daß er seiner Natur nach aus einer ganz anderen Welt heraus spricht als aus jener, die mit dem Wissens- und Erkenntnisweltbilde umfasst wird.“ Daran sieht Rudolf Steiner, „daß des Men­schen Wesenheit nicht abgeschlossen ist.“[9]

Sowohl die sozialethische Prägung des Kindes als auch der Philosophische Höhenflug Kants im „kategorischen Imperativ“ sind Ausdrucksformen derjenigen Kategorie von Bildekräften, welche als Moral- bzw. Intelligenzbildner bezeichnet werden könnten. Die hier verwandten Begriffe sind erste Tastversuche um jene Gruppen von Bildekräften zu skizzieren, die sich auftun, wenn der Meditierende  den Versuch unternimmt, in das „Meer seiner Bildekräfte“ hinunter zu schreiten, und zuletzt „an einen Punkt“ zu kommen, „der in der Nähe des Ursprungs liegt“[10]

Bildekräfte als Meditationsbildner

Vor allem die Moral- und Intelligenzbildner können nun durch meditative Schulung weiter entwickelt werden. Im Prinzip aber lebt in allen Kategorien der Bildekräfte eine Neigung, ins Geistige zu führen. Rudolf Steiner führt dazu aus, wie durch die Schulung das „imaginative Vorstellen“ so lebendig werden „wie sonst der Mensch in seinen äußeren Wahrnehmungen lebt.“ Damit sei verbunden, dass das Vorstellungsleben durch die geistige Übung „innerlich von Kräften erfüllt wird, die ge­wissermaßen in das Seelenleben hereinschießen. Die Vorstellungen sind nicht mehr bloß dieses Leichtflüssige, wenn sie durch Medita­tion, durch Konzentration ausgebildet werden, sondern sie werden durchkraftet, durchzogen von Kräften, die ich gestaltende Kräfte nennen möchte […]. Und man entdeckt nach einiger Zeit, daß man durch diese Ausbildung des Vorstellungslebens mit demjenigen zusammenwächst, was die Bildekräfte des menschlichen Leibes sel­ber sind; man macht nach einiger Zeit die Entdeckung, daß das Gedankenleben gewissermaßen nichts anderes ist als das verdünnte Kraftleben des menschlichen Wachstums.“[11] Eine solche Formulierung darf jedoch nicht zu dem häufig in anthroposophischen Kreisen anzutreffenden Irrglauben werden, dass diese Entwicklung eine zwingende oder automatische sei. Wie schon in anderen Zitaten erwähnt, können diverse Überlagerungen stattfinden, entweder kann das Karma durch die Konstitution oder eine Gewohnheit durch die Konstitution bindend wirken auf die Bildekräfte, und in gleicher Art können noch dutzende andere Konstitutionsdynamiken so wirken, dass die gewünschte und von Rudolf Steiner angeregte Entwicklung verhindert wird. Dieser Sachverhalt liegt in der Regel dann vor, wenn jahrelanges Üben nicht von den beschriebenen Erfahrungen gekrönt wird. Der Meditierende, der unmittelbar zu den beschriebenen Erfahrungen durchbricht, hat einen Bildekräfte-Leib, der sich ohne Überlagerungen dafür eignet, eben diese Erlebnisse zu ermöglichen.

Wahrnehmungsbildner

Die erste Kategorie der Bildekräfte sind die Wahrnehmungsbildner. Sie vermitteln ein Organerleben, ein Äther- und Intelligenzerleben in den seelischen Wahrnehmungsorganen, wie sie Rudolf Steiner in „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“ zeichnet. Einen Anhaltspunkt dafür beschreibt Rudolf Steiner im „Wanderer der Chymischen Hochzeit“ der sich dazu befähigt, den „Bildekräfteleib als Wahrnehmungsorgan zu gebrau­chen.“[12] Zwei Erfahrungsarten skizziert Rudolf Steiner im Weiteren, ein leibgebundenes geistiges Erleben und ein leibfernes geistiges Erfahren.[13] In beiden Erfahrungsformen ist der Bildekräfte-Leib tätig, im leibgebundenen Geisterleben wirken die Wahrnehmungsbildner im Verbund mit den Organ- und Konstitutionsbildnern, im leibfernen Geisterfahren wirken sie im Verbund mit den Unterscheidungs- und Intelligenzbildnern.

Die Differenzierung des Bildekräfte-Begriffes in seinen sechs Hauptkategorien (1. Wahrnehmungsbildner, 2. Unterscheidungs- und Begriffsbildner, 3. Intelligenzbildner, 4. Organ- und Organisationsbildner, 5. Konstitutionsbildner und 6. Form- und Persönlichkeitsbildner) und seinen primären und sekundären Erfahrungsmöglichkeiten wird das erste Anliegen dieser Arbeit sein. Diese wiederum am Werk Rudolf Steiners zu beobachten und daran die Gestaltungsstufen in Rudolf Steiners Biografie neu anzuschauen wird mein wesentliches Interesse binden. Doch nicht nur die differenzierende Bildekräfte-Betrachtung des Lebens und des Werkes Rudolf Steiners soll – dem „Mystiker“ gleich – im Fokus dieser Arbeit stehen, auch sein verwandelndes Werk in der Anthroposophie – eher dem „Alchimist“ zugeneigt – wird zeigen, wie die Bildekräfte die Anthroposophie gestalten.

Form- und Persönlichkeitsbildner

Die Zeichnung der Form- und Persönlichkeitsbildner gelingt an der Beschreibung des menschlichen Vorstellens. Rudolf Steiner beschreibt das menschliche Vorstellen, und wie im menschlichen Vorstellungsleben sich der Bildekräfte-Leib „betätigt innerhalb desjenigen, was nun das Vorstellen trägt, was im Vorstellen lebt, und das ist erst der Geist. Nicht das Vor­stellen ist der Geist, sondern dasjenige, was im Vorstellen so lebt“ wie die Bildekräfte.[14] Das Zitat ist begrifflich nicht eindeutig, aber sinngemäß verständlich und mit Sicherheit in der von mir bestimmten Weise auszulegen.

Das Vorstellen selbst ruht auf einem Getrennt-Sein der menschlichen Seele (das ist der 3. Persönlichkeitsbildner, der den Astralleib vom kosmischen Astralen abgrenzt und formt) und die Bildekräfte-Tätigkeit beginnt, wenn der 4. Persönlichkeitsbildner als die Ich-bestimmte Grenz-Formung des Astralen durch die von Rudolf Steiner gekennzeichneten Übungen in der „Geheimwissenschaft im Umriss“ tätig wird. Der 3. Persönlichkeitsbildner drückt sich aus im Zustand des „Selbstbewusstseins“ und im Prozess der „Selbsterkenntnis“, der „Doppelgänger-Erfahrung“ und der „Doppelgänger-Verwandlung“[15]. An den in diesem Zitat gefassten Seelenbegriffen lassen sich unmittelbar einige wesentliche Eigenschaften und Wirkungen der Persönlichkeitsbildner begreifen. Das Bild des „Doppelgängers“ als Spiegel der menschlichen Charaktereigenschaften wird ebenso wie die Astrale Haut um den Astralleib vom dritte Persönlichkeitsbildner erzeugt. Bilden sich in einem Menschen-Astralleib keine Doppelgänger, sind sie nicht anschaubar oder hat der Betroffene ein zu schwaches Selbstbewusstsein, dann liegt dies an einem zu schwachen astralen Persönlichkeitsbildner. Auch die Scham tritt unmittelbar aus dem dritten Persönlichkeitsbildner heraus. So wie die Scham dazu „antreibt, etwas in sein Inneres zu verschließen und dies nicht äußerlich wahrnehm­bar werden zu lassen,“ so verschließt der dritte oder astrale Persönlichkeitsbildner den Astralleib für die geistige Wanderung oder für die Imaginationen des Makrokosmos. Veränderungen im „Doppelgänger“, Begegnung mit dem „kleinen Hüter an der Schwelle zur geistigen Welt“[16] oder Initiationserfahrungen sind Veränderung in der astralen Konstitution des dritten Persönlichkeitsbildners, welche vom Selbst-gebundenen 4. Persönlichkeitsbildner ausgehen. Durch die „Übungen für die höhere Erkenntnis zur Pflege seiner ge­sunden Urteilskraft, seines Gefühls- und Charakterwesens“ wird der Mensch mit seinem Ich als dem 4. Persönlichkeitsbildner am astralen Persönlichkeitsbildner tätig und wandelt diesen um. Durch die „regelrechte Schulung lernt der Mensch […] so viele Mittel zur Selbsterkenntnis und Selbstbeobachtung […] um kraftvoll seinem Doppelgänger zu begegnen.“ In dieser Schulung werden unter anderem die Unterscheidungs- und Begriffsbildner tätig[17] und mit dem vierten Persönlichkeitsbildner wird die bestimmende Macht des 3. Persönlichkeitsbildner im Astralleib abgelöst.

Der 1. und 2. Persönlichkeitsbildner ist in den körperlichen Prozessen des Menschen tätig. Dazu gibt es ein Zitat, in dem Rudolf Steiner die Bildekräfte-Tätigkeit wiederum mit der Äthertätigkeit verknüpft. Rudolf Steiner beschreibt – in meiner Interpretation als Beispiel für die Form- bzw. Persönlichkeitsbildner – die Funktion des Eiweiß im Organismus. “ Das Eiweiß ist diejenige Substanz des lebenden Körpers, die von seinen Bildekräften in der mannigfaltigsten Art umgewandelt werden kann, so daß, was sich aus der um­geformten Eiweißsubstanz ergibt, in den Formen der Organe und des ganzen Organismus erscheint. Um in solcher Art verwendet werden zu können, muß das Eiweiß die Fähigkeit haben, jede Form, die sich aus der Natur seiner materiellen Teile ergibt, in dem Augenblicke zu verlieren, in dem es im Organismus aufgerufen wird, einer von ihm geforderten Form zu dienen.“[18]  Hier zeigt sich sehr anschaulich, wie eine Substanz die Eigenschaft bekam, Formen anzunehmen und sie wieder abzulegen. Und genau diese Eigenschaft vermittelt die sechste Kategorie der Bildekräfte, sie formt im Leib, der erste Persönlichkeitsbildner formt im physischen Leib und der zweite Persönlichkeitsbildner formt direkt die Struktur im Ätherleib. Indirekt wirken natürlich alle Bildekräfte im Leib und im Äther, im Ätherleib finden sich Gestaltungsformen der Wahrnehmungsbildner, der Unterscheidungs- und Begriffsbildner, der Intelligenz- und Organisationsbildner, der Konstitutions- und Persönlichkeitsbildner.

Der Äther ist aber auch der Ort, an dem die alchemistische Kombination der Bildekräfte in fortwährender Tätigkeit sich befindet; und dies dürfte ein Motiv sein, warum Rudolf Steiner aus verschiedenen Gründen den Ätherbegriff durch den Bildekräfte-Leib-Begriff ab einem bestimmten Zeitpunkt ersetzen konnte. Diese begriffliche Variante ist kein Ergebnis von Fremdeinflüssen[19] aus der Anthroposophischen Gesellschaft; die begriffliche Kombination von Ätherleib und Bildekräfte-Leib ist vielmehr ein Verweis auf das Herunterholen der Bildekräfte-Tätigkeit durch das Bildekräfte-Bewusstsein, für das die Anthroposophische Bewegung gegründet wurde.

Aus der Perspektive der Bildekräfte ist die siebte Kategorie der Bildekräfte die Berufung der Anthroposophie, die Gestaltungen der kombinierten Bildekräfte in der siebten Kategorie immer weiter auszudehnen. Dieses Motiv liegt im Titel dieser Arbeit „Bildekräfte der Anthroposophie“ verborgen.

Begriffsgenese

In der allgemeinen aber auch Rudolf Steiner-spezifischen Literatur sind Begriffe für Bildekräfte noch kaum etabliert. Vielmehr ist die Aufgabe dieser Schrift, den Bildekräfte-Begriff aus anderen Begriffen heraus zu entwickeln.

In den ersten zwei Jahren meiner Bildekräfte-Forschung gliederte ich die Bildekräfte-Begriffe in der folgenden Art[20]. Diese Bildekräfte-Begriffe folgten der „Ursache“ aus der die einzelnen Bildekräfte-Kategorien entstanden. Ab März 2016 und für alle folgenden Seiten dieser Schrift (ab Seite 29) möchte ich eine erste Bildekräfte-Begriffsgenese zur Anwendung bringen, welche eher den Erfahrungs- und Erlebnisgehalt der Bildekräfte begrifflich fasst als deren unsichtbare Ursachendimension.

Konstitutionsbildner werden zu Kraftbildnern

Die Kategorie der Konstitutionsbildner bekam zunächst ihren Namen von der Tatsache, dass ohne die Tätigkeit der Konstitutionsbildner ein Wesen keinen Körper bekommen konnte. Die Konstitutionsbildner schaffen das sinnliche und übersinnliche „Konstitutionsgebilde“ – das den sinnlichen Körper erhält und das dem übersinnlichen Körper Erfahrungsraum schenkt.

Ab März 2016 nenne ich diese Kategorie Kraftbildner, denn die Erfahrung, die mit der Konstitutionserfahrung einher geht, ist jene, dass eine vorhandene Konstitution dem Inhaber Kraft gibt.

Organisationsbildner werden zu Formbildner

Die Kategorie der Organisationsbildner bekam ihren Namen von der Erfahrung, dass eine Konstitution immer eine Ordnung ihrer Organe benötigt, innerhalb derer die Organe kooperieren, interagieren und zusammenwirken. Die Wirkung der Organisationsbildner besteht darin, einem Wesen einen wirksamen Zusammenhang der Organe zukommen zu lassen. Die Organisationsbildner schaffen Ordnung in den Konstitutionsbildnern. Sowohl in der sinnlichen als auch in der übersinnlichen „Konstitution“ wirken sie gliedernd und Zusammenhang bildend – so dass zwei Augen wie ein Sehorgan agieren, so dass zwei Ohren wie ein Hörorgan agieren oder so dass zwölf Sinne synästhetische Phänomene erzeugen können. Zu Beginn der Arbeit gliederte ich die Begriffe nach der Ursache, die sie setzten.

Ab März 2016 ordne ich meine Darstellungen erfahrungsgeleite, ab März 2016 nenne ich diese Kategorie Formbildner, denn die reine Erfahrung der Organisation von Organen zeigt sich als Form.

Unterscheidungs- und Begriffsbildner, Tätigkeitsbildner

Die Kategorie der Unterscheidungs- und Begriffsbildner entwickelte sich zunächst in der Denkschule, und gab den Anwendern die Fähigkeit, Konstitutionen und Organsysteme unterscheiden und begreifen zu können. Daher entstand der Begriff der Unterscheidungs- und Begriffsbildner. Die Unterscheidungs- und Begriffsbildner bildeten begrifflich ab, was in den Konstitutionsbildnern – im sinnlichen Körper als auch im übersinnlichen Körper – in den Erfahrungsraum trat.

Es gab und gibt dort einen direkten Zusammenhang, zwischen den Konstitutions- bzw. Formbildnern und den Unterscheidungs- und Begriffsbildner, wie ich sie bisher nannte.

Der 1. Unterscheidungs- und Begriffsbildner differenzierte, was im 1. Kraftbildner in die Erfahrung trat. Der 2. Unterscheidungs- und Begriffsbildner begriff, was im 2. Kraftbildner in die Erfahrung trat. Dies ließe sich so weiter führen bis zum 7. Unterscheidungs- und Begriffsbildner im Verhältnis zum 7. Kraftbildner.

Ab März 2016 benenne ich diese Kategorie der Unterscheidungs- und Begriffsbildner nach dem, was der Begriffs- und Unterscheidungstätigkeit zugrunde liegt, denn ihre ganz allgemeine Erfahrungsweise tritt als Tätigkeitsbildner in Erscheinung. Die Unterscheidungs- und Begriffsbildner entstehen aus einer Tätigkeit; und diese Tätigkeit bildet ähnlich den Organisations- resp. Formbildnern einen Zusammenhang. Sie kann unbewusst in den Organen Zusammenhang bilden[21] oder die Tätigkeitsbildner können bewusst ergriffen werden, dann entsteht etwas wie eine „Ich-Konstitution“[22] oder ein bewusstes Selbstbild. Fortan spreche ich von Tätigkeitsbildner statt von Begriffs- und Unterscheidungsbildnern, da in manchen eher organischen oder körperlichen Zusammenhängen der Begriff „Begriffs- und Unterscheidungsbildner“ nicht in seiner Tätigkeit ermöglichenden Form verständlich wäre.

Moral- und Intelligenzbildner werden zu Begriffsbildnern

Die reine Erfahrung des wissenschaftlich Tätigen liegt auch bei dem, was ich bisher  Moral- und Intelligenzbildner nannte, nicht in der seelischen oder mentalen Bildung, sondern in der Begriffsbildung. Daher nenne ich die Moral- und Intelligenzbildner fortan Begriffsbildner.

Wahrnehmungsbildner werden zu Sensorbildner

„Wahrnehmung“ impliziert, dass die Wahrnehmungsbildner nur im Psychologischen oder mentalen Kontext auftreten können. Dies ist bei allen Bildekräfte nicht der Fall. Sie können Körperbildend, Lebensbildend, Psychische und mentale Funktionen schaffend und geistige Fähigkeiten begründen. Alle 49 Bildekräfte manifestieren wahlweise körperlich, lebendig, seelisch, mental und geistig. Daher habe ich versucht, einen ursprünglicheren Begriff für die Wahrnehmungsbildner zu bilden, und benenne diese Kategorie ab März 2016 als die sieben Sensorbildner.

Persönlichkeitsbildner werden zu Selbstbildner

Ähnlich ist es bei den Persönlichkeitsbildnern. Sie zeigen an, dass sich ein Wesen durch die Persönlichkeitsbildner selbst erfährt. Eine Kuh, ein Adler oder eine Fliege hat jedoch keine Persönlichkeit als Individualität, sie kann ggf. nur einen bestimmten Teil von sich „selbst erleben“ – daher nenne ich diese Kategorie nun Selbstbildner. Selbstbildner geben Selbsterleben – körperlich, in den Lebensprozessen (mein Leben), seelisch, mental und geistig.  Einzelheiten dazu finden wir, wenn wir die basalen Funktionen des menschlichen Lebens anschauen.

[1] Rudolf Steiner: „In dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt sammelt aus einer gei­stigen Welt heraus dann der Mensch die Kräfte, die aber Bildekräfte werden, so daß er sich durch eine neue Geburt vereinigen kann mit dem, was ihm gegeben wird von Vater und Mutter, von der Vorfahrenreihe. So durchlebt die Men­schenseele nicht ein Erdenleben, sondern aufeinanderfolgende Erdenleben. GA 64 (1959) Aus schicksalstragender Zeit, WAS IST AM MENSCHENWESEN UNSTERBLICH? Nürnberg, 12. März 1915, Seite 343.

[2] Rudolf Steiner: „…wenn die innere Seele vom Leib abgetrennt ist, weiß sie, daß das, was nun außen vor ihr steht, alle die Kräfte enthält, die mit der Geburt beginnen und mit dem Tode der Erde übergeben werden. […] Sie hat zugleich erfaßt, was durch Geburt und Tod geht, und hat es mit dem Schicksal vereint, mit dem, was in der geistigen Welt gegeben war und dann durch die Vererbungs­kräfte durch Vater und Mutter und durch die Bildekräfte in (Seite 458): den physischen Leib fließt, was in der geistigen Welt sich vor­bereitet hat zu neuem Leibesleben. Immer konkreter und lebendiger wird der unsterbliche Lebenskern, der sonst nicht wahrnehmbar ist. Im alltäglichen Leben arbeitet man das alles in den Lebenskern hinein, aber verdunkelt fortwährend die Bildekräfte, wenn sie Bildekräfte des Leibes bleiben und nicht zu Erkenntniskräften verwendet werden können. Der Leib ist nicht ihre Ursache, sondern ihre Wirkung, die heruntergestie­gen ist aus den geistigen Welten. Er trägt in sich den Charak­ter früherer Erdenleben. So ist es jetzt, weil man nicht zum ersten Mal im physischen Leibe lebt.“ GA 64 (1959) Aus schicksalstragender Zeit, SELBSTERKENNTNIS UND WELTERKENNTNIS VOM GESICHTSPUNKTE DER GEISTESWISSENSCHAFT, Berlin, 23. April 1915, Seite 457/458

[3] Rudolf Steiner: „Diese Kräfte waren schon da, bevor die Erinnerung da war, sie waren schon unmittelbar nach der Geburt vorhanden, aber sie hatten da eine andere Aufgabe. Sie hatten die Aufgabe, noch zu arbeiten an den zar­ten Organen des Menschen, an dem Nervensystem und dem Gehirn des Menschen; an dem Nervensystem und Gehirn haben sie plastisch zu arbeiten. Sie waren da noch Bildekräfte des menschlichen Organismus, desjenigen, was gleichsam noch weich ist – grob gesprochen, aber es bedeutet eine Realität -, was erst so geformt werden muß, daß der Mensch dieser bestimmte Mensch ist. Das läuft als Bildekräfte noch in die leib­liche Organisation hinein im zartesten Kindesalter. Und wenn diese Organisation verhärtet ist – das ist wiederum bildlich gesprochen -, so weit verhärtet ist, daß diese Bildekräfte nicht mehr in sie hineinströmen, dann werden sie von dem Leib­lichen zurückgeworfen ins Seelische.“ GA 64 (1959) Aus schicksalstragender Zeit, WAS IST AM MENSCHENWESEN UNSTERBLICH? Nürnberg, 12. März 1915, Seite 337.

[4] Rudolf Steiner: „Denn in ihrem Seelisch-Geistigen ist etwas, das noch jahrzehntelang – es sind ja junge, blühende Menschenleben, die die Erde verlassen in unserer Zeit – das noch ein ganzes langes Leben den Leib mit Bildekräften hätte versorgen kön­nen. Das aber wird in ihrem unsterblichen Seelenteil noch weben und leben; das wird da sein in der geistigen Sphäre; das wird da sein, das wird helfen, wenn die Menschheit ihm mit Verständnis entgegenkommt in der Herbeiführung einer wirklich geistgemäßen Weltanschauung, einer solchen Weltanschauung, welche geistgemäß durch und durch, welche im vollsten Sinne, im strengsten Sinne des Wortes wissenschaft­lich ist.“ Ebd. Seite 358

[5] Rudolf Steiner: „Das Kind bringt Bildekräfte mit, die aus seinem Organismus herauswollen, mit denen es sich ge­bracht hat innerlich bis zur wunderbaren Formung des Gehirnes und dessen, was im Nervensystem sonst sich daranschließt. […] An diese unbe­wusste Weisheit in den Bildekräften war das Kind hingegeben. (S. 80)  Man muß es so an das Lesen und Schreiben heranführen, daß seine Bildekräfte, die bis zum 7. Jahr in ihm selbst gearbeitet haben, die sich jetzt freimachen und äußerliche seelische Betätigung werden, daß diese Bildekräfte eben sich betätigen. Wenn Sie einem Kinde zunächst nicht Buchstaben oder selbst Worte hinschreiben, sondern ihm aus den auch in seiner Seele existierenden Bildekräften heraus dasjenige hinzeichnen, was hier so aussieht (Bild) dann werden Sie sehen, daß das Kind sich noch erinnert an etwas, was wirklich da ist, was es mit seinen Bildekräften schon erfaßt hat.“ GA 306 (1982) Die pädagogische Praxis vom Gesichtspunkte geisteswissenschaftlicher Menschenerkenntnis, VIERTER VORTRAG, Dornach, 18. April 1923, Seite 79/80.

[6] Rudolf Steiner: „Das Denken ist nun die Tätig­keit des Äther- oder Bildekräfteleibes, so daß wir auch sagen können: Indem der Mensch wachend als sinnliches Erdenwesen denkt, richtet sich sein Äther- oder Bildekräfteleib nach außen. Aber damit haben wir im Grunde nur die eine Seite des Äther- oder Bildekräfteleibes ins Auge ge­faßt.“ GA 225 (1961) Drei Perspektiven der Anthroposophie, DREI PERSPEKTIVEN DER ANTHROPOSOPHIE, DIE GEISTIGE PERSPEKTIVE, Dornach, 22. Juli 1923, Seite 145/146

[7] Rudolf Steiner: „Wenn wir auf die Entwickelung unserer Erkenntnis schauen, so müssen wir sagen: Sie geht aus vom Differenzierten der einzelnen Sinne und sucht aufzusteigen zum gemeinsamen Sinn. – Die Evolution ging umgekehrt. Da entwickelte sich zuerst aus Aham­kara heraus Manas im Weltenwerden und dann differenzierten sich heraus die Ursubstanzen, die Kräfte, welche die einzelnen Sinne bil­den, die wir in uns als Sinne tragen, wobei aber nicht gemeint sind die stofflichen Sinnesorgane – die gehören zum physischen Leibe –

sondern die Kräfte, die zugrunde liegen als die Bildekräfte, die ganz übersinnlich sind. Wenn wir also hinuntersteigen die Stufenleiter der Entwickelungsformen, kommen wir vom Ahamkara zum Manas (Geistselbst), […] und Manas, differenziert in einzelne Formen (Bildekräfte-Kategorien, d. Verf.), ergibt diejenigen übersinnlichen Kräfte, welche unsere ein­zelnen Sinne konstituieren.“ GA 142 (1960) Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe, ZWEITER VORTRAG, Köln, 29. Dezember 1912, Seite 38

[8] Man nehme einmal an, man könnte wirklich alle die­jenigen Bildungs- und sonstigen Gesetze erkennen, die einer menschlichen Form eingeboren sind, wie etwa die Kristallgestalt einem Bergkristall eingeboren ist, und es würde der Mensch diese ihm eingeborene Summe von Bildekräften zum Ausdruck bringen. Dann wäre er nicht in demselben Sinne äußerlich im Raume sein Wesen darstellend, wie die übrigen Naturwesen. Denn tief im Innern des Menschen ruht das, was wir moralische Impulse nennen, und deren zunächst Charakteristisches doch das ist, daß es eine innere Entwickelungstendenz anfacht, dahingehend, daß der Mensch nicht wie die übrigen Naturwesen, wenn er seine natürlichen Bildekräfte zum Ausdruck bringt, dieses sein Wesen abgeschlossen darstellt.“ GA 63 (1963) Geisteswissenschaft als Lebensgut, DIE SITTLICHE GRUNDLAGE DES MENSCHENLEBENS, Berlin, 12. Februar 1914, Seite 263 / 264

[9] Rudolf Steiner: „Das führte ja dahin, jetzt von älteren Zeiten gar nicht zu sprechen, daß Kant, der große Philosoph, sich genötigt sah, sein Weltbild geradezu in zwei völlig voneinander geschiedene Teile zu scheiden: in den einen Teil, der alles darstellt, was von der Außenwelt zu erkennen ist, so zu erkennen ist, daß sich in dieses Weltbild auch der Mensch mit allen seinen organi­schen Bildekräften hineinstellt, und in den anderen Teil, der zunächst ins menschliche Dasein hereinragt nur wie den Grundton erhaltend durch den «kategorischen Imperativ»: Handle so, daß die Maxime deines Handelns Gebot des Handelns für alle Menschen werden könnte. So etwa könnte der kategorische Imperativ ausgesprochen werden. Dieser andere Teil des kantischen Weltbildes stellt sich ins Men­schenleben so hinein, daß er den Grundton für den Men­schen angibt. Aber wie faßt ihn Kant auf?So, daß er seiner Natur nach aus einer ganz anderen Welt herausspricht als aus jener, die mit dem Wissens- und Erkenntnisweltbilde umfaßt wird. Und so sehr spricht er aus einer ganz anderen Welt heraus, daß Kant an diesen Teil, aus welchem der kate­gorische Imperativ herausspricht, alles anlehnt, was er an Lehren über ein göttliches Wesen, über menschliche Freiheit, über die Unsterblichkeit der Seele in diesen Teil seines Welt-bildes hereinzubekommen versucht. Und ausdrücklich meint Kant, daß man hinhorchen muß auf eine ganz andere Welt, als diejenige des gewöhnlichen menschlichen Wissens es ist, wenn man das vernehmen will, was den Menschen ver­pflichtet. Gleichsam das Eingangstor in eine über die Sin­neswelt erhabene Welt ist der kategorische Imperativ, ist dieses unbedingt verpflichtende Pflichtgebot. So sieht man, daß es wohl empfunden wird, daß des Men­schen Wesenheit nicht abgeschlossen ist mit demjenigen, was seine Bildungskräfte sind, entsprechend den Bildungskräf­ten der anderen Geschöpfe, mit denen er zusammen den physischen Kosmos ausmacht.“ GA 63 (1963) Geisteswissenschaft als Lebensgut, DIE SITTLICHE GRUNDLAGE DES MENSCHENLEBENS, Berlin, 12. Februar 1914, Seite 264/265

[10] Sinngemäß nach Rudolf Steiner in GA 93, Die Tempellegende und die Goldene Legende, Das Verhältnis des Okkultismus, zur Theosophischen Bewegung, Berlin, 22. Oktober 1905. Seite 199

[11] Rudolf Steiner: „Dieses imaginative Vorstellen lebt mit einer solchen inneren Lebendigkeit in dem bloßen Gedanken, wie sonst der Mensch in seinen äußeren Wahrnehmungen lebt. Dadurch aber kommt man allmählich dahin, daß das Vorstellungsleben nicht mehr dieses bloß abstrakte, dieses, ich möchte sagen bloß bildhafte ist, sondern man macht durch rein innerliche Forschung – die aber durchaus mit demselben Ernst getrieben wird wie nur irgendeine wissen­schaftliche Forschung – die Entdeckung, daß die Seele, die ihr Vorstellungsleben sonst nur mit den Ergebnissen der äußeren Ein­drücke anfüllen konnte,  innerlich von Kräften erfüllt wird, die ge­wissermaßen in das Seelenleben hereinschießen. Die Vorstellungen sind nicht mehr bloß dieses Leichtflüssige, wenn sie durch Medita­tion, durch Konzentration ausgebildet werden, sondern sie werden durchkraftet, durchzogen von Kräften, die ich gestaltende Kräfte nennen möchte, von Kräften, die ein innerlich geistig-plastisches Element ausmachen. Und man entdeckt nach einiger Zeit, daß man durch diese Ausbildung des Vorstellungslebens mit demjenigen zusammenwächst, was die Bildekräfte des menschlichen Leibes sel­ber sind; man macht nach einiger Zeit die Entdeckung, daß das Gedankenleben gewissermaßen nichts anderes ist als das verdünnte Kraftleben des menschlichen Wachstums. Was uns im physischen Leibe von der Geburt bis zum Tode innerlich plastisch gestaltet, das ist, ich möchte sagen in einem «verdünnten» Zustand unser Vorstel­lungsleben im gewöhnlichen Bewußtsein.“ Aus GA 297a (1998)  Erziehung zum Leben, ANTHROPOSOPHIE UND DIE RÄTSEL DER SEELE, Stuttgart, 17. Januar 1922, Seite 94

[12] Rudolf Steiner: „Auf den Weg solcher Forscher begibt sich der Wanderer der «Chymischen Hochzeit». (Seite 338) Er ist in diesem Sinne Repräsentant alchymisti­schen Suchens. Als solcher ist er überzeugt, daß die über­sinnlichen Kräfte der Natur sich vor dem gewöhnlichen Bewußtsein verbergen. Er hat in seinem Innern Erlebnisse herbeigeführt, die durch ihre Wirkung die Seele befähigen, den Bildekräfteleib als Wahrnehmungsorgan zu gebrau­chen. Durch dieses Wahmehmungsorgan gelangt er zur An­schauung der übersinnlichen Naturkräfte.“ GA 35 (1965) Philosophie und Anthroposophie, DIE CHYMISCHE HOCHZEIT DES CHRISTIAN ROSENKREUTZ, Seite 337 bis 338.

[13] Rudolf Steiner: „Von der übersinnlichen Er­kenntnis der Natur ausgehend, wollte der Wanderer zur «Chymischen Hochzeit» zuletzt zum Anschauen der übersinnlichen Wesenheit des Menschen gelangen. Durch diesen Forschungsweg ist er Alchimist, im Gegensatz zu dem Mystiker im engeren Sinne. […]. – Aber er wählt nicht den Weg, der zu einem vom physischen Leibe unabhängigen Gebrauch des Bildekräfteleibes führt. Er geht von dem unbestimmten (Seite 339) Gefühle aus, daß eine innigere Durchdringung des physischen Leibes mit dem Bildekräfteleib, als die des gewöhnlichen wachen Lebens ist, von der Gemeinschaft mit dem sinnlich Wesenhaften hinwegführt und zum Zusam­mensein mit dem geistig Wesenhaften des Menschen hingeleitet.“ GA 35 ebd. Seite 338 bis 339.

 

[14] Rudolf Steiner: „Wir lernen das kennen, was ich in einer der letzten Nummern der Zeit­schrift «Das Reich» den Bildekräfte-Leib des Menschen ge­nannt habe, einen übersinnlichen Leib, der da ist, so wie der gewöhnliche physische Leib da ist. Nur bleibt er un­bewußt für das gewöhnliche Seelenleben. So wie die Hand des physischen Leibes durch das gewöhnliche Ich bewegt wird, so lernt der Mensch erkennen, wie er sich betätigt innerhalb desjenigen, was nun das Vorstellen trägt, was im Vorstellen lebt, und das ist erst der Geist. Nicht das Vor­stellen ist der Geist, sondern dasjenige, was im Vorstellen so lebt, wie die gewöhnliche Seele im Leibe lebt.“ GA 211 (1986) Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung DIE DREI ZUSTÄNDE DES NACHTBEWUSSTSEINS, Dornach, 24. März 1922

[15] Rudolf Steiner: „Der Mensch entwickelt ja in der gewöhnlichen physisch-sinnlichen Welt sein Ich, sein Selbst­bewußtsein. Dieses Ich wirkt nun wie ein Anziehungs­-Mittelpunkt auf alles, was zum Menschen gehört. Alle seine Neigungen, Sympathien, Antipathien, Leidenschaften, Mei­nungen usw. gruppieren sich gleichsam um dieses Ich herum. […] (Seite 377) Mit alle dem, was so am Ich haftet, muß es nun als erstes Bild vor die Menschenseele treten, wenn diese in die seelisch-geistige Welt aufsteigt. Dieser Doppelgänger des Menschen muß, nach einem Gesetz der geistigen Welt, vor allem andern als dessen erster Ein­druck in jener Welt auftreten. […] Dringt der Mensch aber in sich selbst und hält er sich ohne Täuschung diese oder jene seiner Eigenschaften vor, so wird er entweder in der Lage sein, sie an sich zu ver­bessern oder aber er wird dies in der gegenwärtigen Lage seines Lebens nicht können. In dem letzteren Falle wird seine Seele ein Gefühl beschleichen, das man als Gefühl des Schämens bezeichnen muß. So wirkt in der Tat des Men­schen gesunde Natur: Sie empfindet durch die Selbsterkennt­nis (Seite 378) mancherlei Arten des Schämens. […] Das Schämen ist also eine Kraft, welche den Menschen antreibt, etwas in sein Inneres zu verschließen und dies nicht äußerlich wahrnehm­bar werden zu lassen.[…] (Die Geisteswissenschaft) findet, daß es in den verborgenen Tiefen der Seele eine Art verborgenes Schämen gibt, dessen sich der Mensch im physisch-sinnlichen Leben nicht bewußt wird. Dieses verborgene Gefühl wirkt aber in einer ähnlichen Art wie das gekennzeichnete offenbare des gewöhnlichen Lebens: es verhindert, daß des Menschen innerste Wesenheit in einem wahrnehmbaren Bilde vor den Menschen hintritt. Wäre dieses Gefühl nicht da, so würde der Mensch vor sich selbst wahrnehmen, was er in Wahrheit ist […] So ist dieses Gefühl der Verhüller des Menschen vor sich selbst. Und damit ist es zugleich der Verhüller der ganzen geistig-seelischen Welt. Denn indem sich des Menschen eigene innere Wesenheit vor ihm verhüllt, kann er auch das nicht wahrnehmen, an dem er die Werk­zeuge entwickeln sollte, um die seelisch-geistige Welt zu erkennen; er kann seine Wesenheit nicht umgestalten, so daß sie geistige Wahrnehmungsorgane erhielte. – Wenn nun aber (Seite 379) der Mensch durch regelrechte Schulung dahin arbeitet, diese Wahrnehmungsorgane zu erhalten, so tritt dasjenige als erster Eindruck vor ihn hin, was er selbst ist. Er nimmt sei­nen Doppelgänger wahr. Diese Selbstwahrnehmung ist gar nicht zu trennen von der Wahrnehmung der übrigen geistig-seelischen Welt. Im gewöhnlichen Leben der physisch-sinn­lichen Welt wirkt das charakterisierte Gefühl so, daß es fort­während das Tor zur geistig-seelischen Welt vor dem Men­schen zuschließt. Wollte der Mensch nur einen Schritt ma­chen, um in diese Welt einzudringen, so verbirgt das sogleich auftretende, aber nicht zum Bewußtsein kommende Gefühl des Schämens das Stück der geistig-seelischen Welt, das zum Vorschein kommen will. Die charakterisierten Übungen aber schließen diese Welt auf. Nun ist die Sache so, daß jenes verborgene Gefühl wie ein großer Wohltäter des Menschen wirkt. Denn durch alles das, was man sich ohne geisteswissenschaftliche Schulung an Urteilskraft, Gefühlsleben und Charakter erwirbt, ist man nicht imstande, die Wahr­nehmung der eigenen Wesenheit in ihrer wahren Gestalt ohne weiteres zu ertragen. Man würde durch diese Wahr­nehmung alles Selbstgefühl, Selbstvertrauen und Selbst­bewußtsein verlieren. Daß dies nicht geschehe, dafür müssen wieder die Vorkehrungen sorgen, welche man neben den Übungen für die höhere Erkenntnis zur Pflege seiner ge­sunden Urteilskraft, seines Gefühls- und Charakterwesens unternimmt. Durch seine regelrechte Schulung lernt der Mensch wie absichtslos so viel aus der Geisteswissenschaft kennen und es werden ihm außerdem so viele Mittel zur Selbsterkenntnis und Selbstbeobachtung klar, als notwendig sind, um kraftvoll seinem Doppelgänger zu begegnen. Es ist dann für den Geistesschüler so, daß er nur als Bild der (Seite 380) imaginativen Welt in anderer Form das sieht, womit er sich in der physischen Welt schon bekanntgemacht hat. Wer in richtiger Art zuerst in der physischen Welt durch seinen Verstand das Karmagesetz begriffen hat, der wird nicht besonders erbeben können, wenn er nun die Keime seines Schicksales eingezeichnet sieht in dem Bilde seines Doppel­gängers. Wer durch seine Urteilskraft sich bekanntgemacht hat mit der Welten- und Menschheitsentwickelung und weiß, wie in einem bestimmten Zeitpunkte dieser Entwickelung die Kräfte des Luzifer in die menschliche Seele eingedrungen sind, der wird es unschwer ertragen, wenn er gewahr wird, daß in dem Bilde seiner eigenen Wesenheit diese luziferi­schen Wesenheiten mit allen ihren Wirkungen enthalten sind.“ In GA 13 (1962) Die Geheimwissenschaft im Umriss.

[16] Rudolf Steiner: „Der Doppelgänger wirkt für das Leben des Menschen in der physisch-sinnlichen Welt so, daß er sich durch das gekennzeichnete Gefühl des Schä­mens sofort unsichtbar macht, wenn sich der Mensch der seelisch-geistigen Welt naht. Damit verbirgt er aber auch diese ganze Welt selbst. Wie ein «Hüter» steht er da vor die­ser Welt, um den Eintritt jenen zu verwehren, welche zu die­sem Eintritte noch nicht geeignet sind. Er kann daher der «Hüter der Schwelle, welche vor der geistig-seelischen Welt ist», genannt werden. – Außer durch das geschilderte Betreten der übersinnlichen Welt begegnet der Mensch noch beim Durchgang durch den physischen Tod diesem «Hüter der Schwelle». Und er enthüllt sich nach und nach im Ver­laufe des Lebens in der seelisch-geistigen Entwickelung zwi­schen dem Tode und einer neuen Geburt.“ GA 13 (1962) Die Geheimwissenschaft im Umriss, Seite 381.

[17] An einer späteren Stelle werde ich die „Philosophie der Freiheit“ auf die Schulung der Unterscheidungs- und Begriffsbildner untersuchen. Die Unterscheidungs- und Begriffsbildner schulte Rudolf Steiner in der „Beobachtung des Denkens“ und der inneren Klarheit: „Das Denken kann ich voll durchschauen.“ Hier begründete Rudolf Steiner den 1. Unterscheidungs- und Begriffsbildner, im „universellen Denken“ begründete er den 2. Unterscheidungs- und Begriffsbildner, im gedanklich zentrierten Selbsterleben begründete Rudolf Steiner den 3. Unterscheidungs- und Begriffsbildner und im „Denken, das ein Wahrnehmungsorgan wird“ legte er Zeugnis von der Individualisierung des 4. Unterscheidungs- und Begriffsbildners ab. In diesem Sinne enthält die gesamte „Philosophie der Freiheit“ Meditationen zur Ausbildung der Unterscheidungs- und Begriffsbildner.

[18] Rudolf Steiner: „Das Eiweiß ist diejenige Substanz des lebenden Körpers, die von seinen Bildekräften in der mannigfaltigsten Art umgewandelt werden kann, so daß, was sich aus der um­geformten Eiweißsubstanz ergibt, in den Formen der Organe und des ganzen Organismus erscheint. Um in solcher Art verwendet werden zu können, muß das Eiweiß die Fähigkeit haben, jede Form, die sich aus der Natur seiner materiellen Teile ergibt, in dem Augenblicke zu verlieren, in dem es im Organismus aufgerufen wird, einer von ihm geforderten Form zu dienen. – Man erkennt daraus, daß im Eiweiß die Kräfte, die aus der Natur des Wasserstoffes, Sauerstoffes, Stickstoffes und Kohlenstoffes und deren gegenseitigen Beziehungen folgen, in sich zerfallen. Die unorganischen Stoffbindungen hören auf, und die organischen Bildekräfte beginnen im Eiweißzerfall zu wirken. Diese Bildekräfte sind an den ätherischen Leib gebunden. Das Eiweiß ist immer auf dem Sprung, entweder in die Tä­tigkeit des ätherischen Leibes aufgenommen zu werden, oder aus diesem herauszufallen. Eiweiß, das aus dem Organismus, dem es angehört hat, herausgenommen ist, nimmt in sich die Neigung auf, eine zusammengesetzte Substanz zu werden, die sich den unorganischen Kräften des Wasserstoffes, Sauerstoffes, Stickstoffes und Kohlenstoffes fügt. Eiweiß, das ein Bestandteil des lebenden Organismus bleibt, verdrängt in sich diese Neigung, und fügt sich den Bilde­kräften des ätherischen Leibes ein. – Mit den Nahrungsmitteln nimmt der Mensch das Eiweiß auf. Von dem Pepsin des Magens wird das von außen auf­genommene Eiweiß bis zu den Peptonen, die zunächst lösliche Eiweißsubstanzen sind, verwandelt. Diese Verwand­lung wird durch den Pankreassaft fortgesetzt.“ GA 27 (1953) Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, IX. Die Rolle des Eiweißes im Menschenkörper und die Albuminurie, Seite 47/48

[19] Rudolf Steiner: „Früher nannte ich es den «äthe­rischen Leib», aber da sich gewisse Leute schon einmal an Ausdrücken stoßen, habe ich versucht, mit den Worten näher heranzukommen an das, worum es sich handelt, und habe das, was unserem physischen Leib am nächsten liegt und unser ganzes Leben als die gestaltenbildende Kraft be­gleitet, den «Bildekräfteleib» genannt.“ In GA 67 (1962) Das Ewige in der Menschenseele – Unsterblichkeit und Freiheit, DER ÜBERSINNLICHE MENSCH, Zweiter Vortrag, Berlin, 18. April 1918, Seite 306.

[20] Vergleiche die Reihenfolge mit dem Inhaltsverzeichnis „Kategorien der Bildekräfte“

[21] Vergleiche dies mit dem Begriff des Ego-Wwirken

[22]  Die in Verbindung mit dem ewigen Selbst gedacht werden kann, aus dem das Ergreifen erst möglich ist.

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